Cover: Lucius und das Geheimnis der Gespenster-Villa

Lucius und das Geheimnis der Gespenster-Villa


EUR 14,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 402
ISBN: 978-3-7116-0147-6
Erscheinungsdatum: 20.01.2025
Unerklärliche Dinge geschehen plötzlich in Lucius‘ Leben. Zusammen mit seinem Freund Olli macht er sich daran, das Rätsel zu lösen – und gerät in eine fantastische Welt mit wundersamen Gestalten, düsteren Gefahren und einer beinahe unlösbaren Aufgabe.
1. Der Beschützer

Ein paar Häuser flogen vorbei, dann Bäume, Felder, ein Waldstück. Der neun Jahre alte Lucius beobachtete gelangweilt die Regentropfen, die der Fahrtwind an der Fensterscheibe neben ihm entlang jagte. Er hörte dem Gespräch der Eltern zu. Es war kein Gespräch im üblichen Sinn, weil eigentlich nur sein Vater sprach und seine Mutter gelegentlich zustimmte. Frank Mangold hatte bereits auf der Hinfahrt zu Onkel Herbert und dessen Frau Hilde von seinem neuen Auto geschwärmt. Und seit sie eingestiegen waren, um die Rückfahrt anzutreten, hatte sich daran nichts geändert. Herr Mangold war unglaublich stolz darauf, endlich einen Neuwagen zu fahren. Der alte Kombi der Familie war schon fast auseinandergefallen.
Sollte er fragen? Warum eigentlich nicht, überlegte Lucius: „Sind wir bald da?“
Lucius’ Vater warf einen amüsierten Blick in den Rückspiegel. „Ist dir langweilig?“
Lucius grinste mit schiefgezogenem Mund: „Entsetzlich langweilig! Außerdem“, raunte er halblaut, „ich muss mal.“
Christina drehte sich besorgt zu ihm um: „Oh, ist es schon eilig, Schatz?“
Lucius wiegte abwägend den Kopf hin und her. „’n paar Minuten halt ich schon noch durch.“
Frank entdeckte den Parkplatz als Erster: „Da vorne können wir anhalten! Gar nicht schlecht sich ein bisschen die Beine zu vertreten.“
Dann setzte er den Blinker, bog von der Schnellstraße ab und in die Parkbucht ein.
Die Bremslichter flammten feuerrot auf.
Die drei Mangolds stiegen aus. Frank streckte sich wohlig ächzend und deutete mit den Armen ein paar rudernde Bewegungen durch die Luft an, während er tief einatmete. Christina stieg sofort wieder ein. Sie wollte sich im Regen ihre Frisur nicht verderben.
Inzwischen hielt Lucius nach einem geeigneten Gebüsch ausschau. Als er ein verschwiegenes Plätzchen gefunden hatte, rief er: „Bin gleich wieder da!“, zu seinen Eltern hinüber und stapfte ins Grüne.
Zwei Minuten später – Lucius wollte gerade zum Auto zurücklaufen – entdeckte er etwas.
Er kniff die Augen zusammen und verengte sie im Folgenden immer mehr zu schmalen Sehschlitzen.
Was war das? Bewegte es sich? Nein, sicher hatte er sich nur getäuscht. Und doch … Ganz unbewusst setzte er einen Fuß vor den anderen und schlurfte in Richtung des schwarzen Häufchens neben der verbeulten Leitplanke am Ende der Parkbucht.
Als er sich darüber klar wurde, dass er sich nicht getäuscht hatte, blieb er verblüfft stehen.
Keine zehn Meter von ihm entfernt, saß zitternd ein winziger, schwarzer Hund.
Lucius drehte sich über seine Schulter und bekam mit, dass sich auch sein Vater wieder in den Wagen begab. Vom Parkplatz aus konnten Christina und Frank ihren Sohn nicht sehen.
Lucius ging weiter auf das verängstigte Häuflein Elend zu. Das Bild, das sich ihm bot, als er dicht vor dem kleinen Kerl stand, ließ sofort eine ungeheure Wut in ihm aufsteigen. Wer konnte so etwas Gemeines tun?
Das Hundebaby trug einen dicken Strick grob um den Hals verknotet, mit dem es an die Leitplanke gebunden war.
Lucius kniete sich zu ihm hinunter.
Ohne den Kopf zu bewegen starrten zwei kohlrabenschwarze Knopfaugen zu ihm hinauf. Die Barthaare – links und rechts neben der glänzenden Schnauze des Tieres – trieften vor Regenwasser. Das Zittern des kleinen Körpers war noch stärker geworden, so schien es Lucius wenigstens.
Der Junge streckte die Hand aus, um den Winzling zu streicheln. Aber noch bevor er ihn berührte, zuckte das Hündchen zusammen, warf sich ängstlich auf den Rücken und streckte ihm den Bauch entgegen.
„Hey, ich tu dir nichts!“, flüsterte Lucius.
Behutsam berührte er das ausgekühlte Bäuchlein des Rüden. Dann streichelte er ihn sanft. Zum Dank leckte ihm das Tier die Hand.
In einem dichten Gebüsch – nur ein paar Schritte von Lucius und dem Hund entfernt – knackte es, als ob jemand auf ein Ästchen getreten wäre. Lucius blickte in Richtung des Busches.
War der Tierquäler vielleicht noch anwesend?
Lucius erhob sich und versuchte das Dickicht mit den Augen zu durchdringen, aber es gelang ihm nicht.
„Hallo?“, rief er. „Ist da jemand?“
Das erbärmliche Winseln des Hündchens lenkte seine Aufmerksamkeit wieder von dem verschlungenen Gesträuch weg. Schließlich knotete Lucius die geschundene Kreatur los und nahm sie hoch auf den Arm.
Der kleine Schwarze legte augenblicklich die Schlappohren flach an den Kopf und leckte Lucius aufgekratzt in affenartiger Geschwindigkeit übers Gesicht. Der grinste.
Der Junge hatte den Mund schon offen, um seinen Eltern den unerwarteten Fund zu zeigen, als ihm einfiel, dass dies wohl keine gute Idee wäre. Es war ihm klar, dass sein Vater den Hund nicht wieder an der Leitplanke festbinden würde. Doch ganz sicher durfte er ihn nicht behalten, denn Frank Mangold litt seit vielen Jahren an einer ziemlich heftigen Tierhaarallergie. Was also tun?
Während er sich das noch überlegte, streckte Christina den Kopf aus dem Fenster und suchte nach ihrem Sohn.
„Lucius“, rief sie, „können wir weiterfahren?“
In der letzten Sekunde, bevor sie Lucius mit dem zappelnden Vierbeiner entdeckte, gelang es dem Jungen noch, das schwarze Bündel unter seinen Pullover zu schieben und dort zu verstecken.
„Verhalt dich ganz ruhig!“, flüsterte er zu seinem neuen Bekannten hinunter.
Dann eilte er zum Auto zurück.
Als Lucius dort ankam, schlüpfte er rasch ins Wageninnere.

Schließlich fuhren sie wieder.
Da begegnete er den Augen seines Vaters im Rückspiegel. Die schmalen Fältchen an den Außenseiten der Augenwinkel verrieten ihm ein leichtes Lächeln.
„In zwanzig Minuten sind wir daheim“, raunte Frank Mangold.
Eine kurze Spanne gelang es Lucius tatsächlich das schwarzhaarige Knäuel vor seinen Eltern zu verbergen. Dann durchdrang ein klägliches Gewinsel den Innenraum des Gefährts.
Durch einen vorgespielten Hustenanfall glaubte Lucius die verräterischen Laute übertönen zu können. Gleichzeitig hielt er dem Verursacher des Gewimmers die kleine Schnauze zu.
Ausgerechnet jetzt tauchte unmittelbar vor den Mangolds eine Ampel auf, die eben auf Rot schaltete.
Das Fiepen nahm noch zu.
Sofort drehten sich die Köpfe von Herrn und Frau Mangold zu ihrem Sohn um.
Seine Mutter zog die Augenbrauen irritiert zusammen. „Was quietscht denn hier so?“
Im nächsten Augenblick schoss ein neugieriger Welpenkopf aus dem V-Ausschnitt von Lucius’ Pullover.
Herr Mangold stand der Mund offen vor Staunen. Noch bevor er fragen konnte, wann und wo Lucius den blinden Passagier aufgegabelt hatte, wurde er angehupt.
„Grün, Papa!“
Sie fuhren weiter.
Es waren wirklich nur noch ein paar Kilometer bis sie zu Hause ankommen sollten. Aber in dieser kurzen Zeit wurde heftig diskutiert zwischen den Mitgliedern der Familie Mangold.
Natürlich wollte Lucius den Hund behalten. Sein Vater machte ihm jedoch bedauernd klar, dass dies seiner Gesundheit wegen unmöglich wäre. „Es tut mir leid, Lucius, aber dummerweise vertrage ich Tierhaare nicht.“ Er erklärte seinem Sohn, dass er jetzt schon mit Atembeschwerden kämpfte. Auch hustete er röchelnd ein paar Mal. Ein weiteres gewichtiges Argument, das dagegen sprach, den Welpen zu behalten, kam von Frau Mangold. Ihrer Befürchtung nach konnte das Hundebaby kaum älter als vier Wochen sein. Sie hatte keine Ahnung, wie man so einen Winzling ernähren sollte und womit. „Sieh mal, Lucius, der Welpe braucht eigentlich noch seine Mutter. Und Hundemilch gibt es nicht zu kaufen, soviel ich weiß.“ Der Zwergschnauzer, denn um einen solchen handelte es sich laut Herrn Mangolds Meinung, sollte umgehend im Städtischen Tierheim abgegeben werden. „Dort gibt es Fachleute, die wissen, wie man so einen vierbeinigen Säugling aufzieht.“
Lucius war selbst darüber erstaunt, wie schnell und vernünftig seine Gehirnwindungen funktionierten, wenn es darauf ankam. Zum einen, meinte er, hätte das Tierheim sicher schon geschlossen um diese Zeit. Zum anderen wüssten sie ja weder die Adresse noch kannten sie eine Telefonnummer dieser traurigen Aufbewahrungsstätte für Tiere. Frank grinste verschmitzt und hielt sein Smartphone hoch. „Schon mal was vom Internet gehört?“
Lucius nickte traurig.
Dann geschah allerdings etwas Seltsames. Weder sein Vater noch seine Mutter hatten ein Netz. Und das Handy von Lucius funktionierte überhaupt nicht mehr.
Sein Vater schwieg ärgerlich. Seine Mutter zwinkerte ihrem Sohn verschwörerisch zu. „Wir könnten den Hund doch wenigstens über Nacht bei uns behalten, Frank.“
Frank Mangold schüttelte den Kopf unsicher seufzend. „Ich finde den Kleinen ja auch süß, aber …“
Lucius schaltete sich wieder ein: „Wir sperren ihn in den Keller … oder in die Garage, dann besteht keine Gefahr, dass du allergisch wirst, Papa.“ Er sah verblüfft zu, wie seine Mutter verstohlen mit einer Hand begann den tierischen Fahrgast hinter einem Ohr zu kraulen. Unmittelbar begann der Welpe sich zu beruhigen und gähnte genüsslich. Dann schmatzte er ein paar Mal gelangweilt und schlief schlagartig ein.
Das Hundebaby schien sich über seine Zukunft nicht die geringsten Sorgen zu machen.



Schrecken in der Nacht

Er rannte, fiel, rappelte sich wieder hoch, rannte weiter.
Wie lange war er schon so gelaufen?
Seine Lungen drohten zu bersten. Er wusste nicht mehr, wie er es anstellen sollte, noch schneller noch mehr Sauerstoff in sich hineinzuatmen.
Aber da sah er die Fackeln hinter sich. Er musste weiter. Seine Angst verlieh ihm ungeahnte Kräfte.
Das ausgedörrte Getreidefeld hinter ihm fing Feuer. Zunächst glaubte er sich zu täuschen, aber seine Verfolger mussten tatsächlich die kostbare Ernte geopfert haben, nur um seiner habhaft zu werden. In kräftigen Böen schob ihn der Sturm drängend voran. Wie gerne hätte er sich nur einen Moment hingesetzt, verschnauft, ausgeruht. Aber die heulenden Tiere und deren Herren ließen das nicht zu. Das Feuer fraß sich schnell hinter ihm her.
Er sah den Fluss zu spät, wollte in vollem Lauf anhalten, fiel auf die Knie und stürzte schließlich kopfüber in das dunkle, ruhig dahinziehende Gewässer.
Dann war es still.
Die Dunkelheit des Wassers umgab ihn und er sank immer tiefer.
Luft, dachte er, ich brauche dringend Luft.
Als er den morastigen Boden mit seinen Händen berührte und Schlammwolken aufwirbelte, die er der Finsternis wegen nur erahnen konnte, schrie er aus Leibeskräften und …



2. Erste Anzeichen

Er hatte den Geschmack von Lavendelseife im Mund. Igitt!!! Verschlafen schlug er die Augen auf.
Wie üblich war er wieder in der Badewanne eingepennt. Lucius‘ Fußsohlen und Handinnenflächen waren runzelig geworden, wie bei einem uralten Elefanten. Und das Wasser war inzwischen beinahe vollkommen kalt. Ihm passierte das regelmäßig, dass er zwischen den wohlig duftenden Badeschaumwolken einschlief.
Daran änderte auch Hartmanns Anwesenheit nichts. Der Schnauzer kaute gerne auf einem nassen Waschlappen herum oder verteilte den Inhalt des Abfallkörbchens auf den Fliesenboden, während sein Herrchen ins Land der Träume hinüber döste.
„Hartmann?“, rief Lucius fragend. Woraufhin ein bereits etwas erwachsenerer Schnauzerkopf über den Badewannenrand lugte. Ja, er war noch da. Und wie er das war. Er gehörte jetzt schon seit fast sechs Wochen zur Familie.
Und auch Lucius’ Vater hatte inzwischen großen Spaß an dem kleinen Kerl. Verstand sich von selbst, dass der Herr Architekt es nicht übers Herz brachte, den Vierbeiner ins Tierheim abzuschieben. Außerdem – und das war höchst sonderbar – zeigten sich bei Herrn Mangold nicht einmal die leichtesten aller­gischen Reaktionen gegen den Tierhaarträger. Die kurze allergische Attacke im Auto konnte sich Herr Mangold später selbst nicht mehr erklären.
Überhaupt schlossen alle, die es mit ihm zu tun bekamen, den Hund sofort ins Herz. Auch Olli, Lucius’ bester Freund und Kamerad seit der ersten Klasse, war ganz vernarrt in das Tier. Er hatte sogar versucht Lucius den Schnauzer abzukaufen. „Aber Freunde verkauft man doch nicht!“, hatte Lucius damals empört geäußert.
Jedenfalls verdankte Hartmann Freund Olli seinen ungewöhnlichen Namen. Einen halben Tag lang hatten sich die beiden Jungen alle möglichen Namen für das struppige Kerlchen ausgedacht. Aber weder Struppi, Blacky, Lucky oder Nicki noch Bully, Bonzo, Harras oder Schnüffler schienen dem edlen Tier gerecht zu werden. Erst als Olli nochmal über die Tatsache schimpfte, dass irgendein Unmensch den Kleinen an die Schnellstraße gefesselt hatte: „Für so ein Hundebaby ist das ganz schön hart, Mann!“, war der ideale Name für den Schnauzer gefunden: Hartmann!

Lucius war es nun schlagartig eiskalt. Er zitterte förmlich von einer Sekunde auf die andere und klapperte leicht mit den Zähnen. Hartmann sah ihm in eine abgespulte Klopapierrolle verstrickt mit schiefgelegtem Kopf zu. Dann stieg Lucius, etwas steif geworden, aus der Wanne.
Er sollte sich eigentlich abduschen, ging es ihm durch den Kopf. Aber danach stand ihm jetzt nicht der Sinn. Er angelte sich das übergroße Handtuch mit dem Spiderman-Motiv von der Stange und wickelte sich darin ein.

4 Sterne
lugmair.daniela@web.de - 04.03.2025
Lugmair.Daniela@web.de@web.de

Hätte ich gerne

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5 Sterne
Super spannend und interessant  - 09.02.2025
Maximilian kummeth

Empfehle ich alle den Langeweilig ist

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Super spannend und interessant  - 09.02.2025
Maximilian kummeth

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Maximilian kummeth

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