Cover: Die Legende von Ki

Die Legende von Ki
Infiltration


EUR 25,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 500
ISBN: 978-3-99130-733-4
Erscheinungsdatum: 24.07.2025
Ein Planet ausgebeutet und tot. Dessen Herrscher auf der Flucht. Ihr Ziel: die Erde.Eine Armee vorausgeschickt, um alles Leben zu versklaven.Doch noch regt sich dort Widerstand. Ein letzter Krieger trotzt dem Feind: Ki.Kann er allein die Menschheit retten?
Prolog

Die Nacht war sternenklar und ein warmer Wind trug die Gerüche von Rosmarin, Fichtenzweigen, feuchter Erde und Moos mit sich. Will atmete tief ein. Er hatte den Geruch der freien, unberührten Natur schon lange nicht mehr so bewusst wahrgenommen. Und das, obwohl er ihm vertraut war, oder besser, vertraut gewesen war. Vor so vielen Jahren. Wilden Jahren, guten Jahren. Jahren der Jugend, Jahren der Freundschaft, Jahren des Kampfes. Aber all das war schon lange vorbei.

Sein Blick wanderte hoch zu den Sternen. Müde schloss er die Lider. Fast sein ganzes Leben lang hatte ihn eine Vorahnung drohenden Unheils belastet, sein Handeln bestimmt. Und das, obwohl er in all diesen Jahren nie hatte sicher sein können, ob er nur einem Hirngespinst hinterherjagte oder ob die Welt tatsächlich auf eine Katastrophe zusteuerte.

Doch vor wenigen Monaten hatten die Albträume begonnen. Äußerst konkrete Träume. Träume, die ihn angsterfüllt und schweißüberströmt aus dem Schlaf rissen. Träume, die er schon deshalb nicht ignorieren konnte, weil er früher bereits immer wieder Visionen von zukünftigen Ereignissen gehabt hatte, die dann auch wirklich eingetreten waren.

Er hatte lange mit sich gerungen, bis er seinen Sohn um einen Gefallen gebeten hatte. Karl war Professor an der Harvard University im Fachbereich Astronomie. Im Rahmen eines laufenden Projekts hatte er Zugriff auf Daten und Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops. Will hatte ihn gebeten, eine spezielle Region des Sonnensystems zu überwachen, die Daten zu sammeln und auszuwerten. Es war seine eigene fixe Idee gewesen und er hatte nicht lockergelassen, bis Karl schließlich zugestimmt hatte.

Es erwies sich als eine mühsame Arbeit, weil sie nur zu zweit die Daten analysierten. Ohne fremde Hilfe. Ihre ersten Auswertungen hatten keine besonderen Ergebnisse gebracht. Das hatte Will erst mal beruhigt. Aber dann, vor einer Woche, waren sie auf etwas Seltsames gestoßen. Die Daten wiesen Anomalitäten auf, die sich nur dadurch erklären ließen, dass sich ein Objekt mit außerordentlich hoher Geschwindigkeit der Erde näherte. Aber das wirklich Außergewöhnliche und Erschreckende an den Ergebnissen war, dass sich das Objekt von Tag zu Tag verlangsamte. Seinen Flug bremste. Und dazu war kein natürliches Objekt in der Lage!

Will öffnete langsam die Augen. Er betrachtete den Armreif an seinem Handgelenk. Die Geschichte, der er sein bisheriges Leben verschrieben hatte, war also wahr. Die Geschichte von fremden Wesen, die sich der Erde näherten und bereits vor sehr langer Zeit damit begonnen hatten, in Vorbereitung ihrer Ankunft, die Menschheit zu attackieren. Mit Asteroiden voller Viren, die in einer ersten Angriffswelle vorausgeschickt worden waren. Viren, die bei Infizierten massive Genveränderungen herbeiführten. Genveränderungen, die an die Nachkommen weitergegeben wurden und die Betroffenen zu begriffsstutzigen, willenlosen, devoten und gefühlskalten Menschen machten. Ein Angriff, der im Grundrauschen der natürlichen Seuchen und Katastrophen unbemerkt bleiben sollte. So konnte die Entwicklung von Intelligenz auf der Erde gebremst und gesellschaftlicher und technologischer Fortschritt im Keim erstickt werden.

Oh, wie viele Kämpfe hatte er deswegen ausgetragen, Blut vergossen, Freunde verloren. All diese Kämpfe, all sein Handeln und das seiner früheren Gefährten waren also richtig und nicht umsonst gewesen. Will schloss erneut die Augen und atmete tief ein. Ein Gefühl der Traurigkeit überrollte ihn.

„Warum jetzt, warum ausgerechnet jetzt?“, fragte er sich. Jetzt, wo er zum ersten Mal in seinem langen Leben eine Familie hatte. Einen Sohn, den er liebte, und einen Enkel, den er vergötterte. Jetzt, wo er endlich auch einmal fühlen durfte, wie es ist, ein Zuhause zu haben und dazuzugehören. Jetzt, wo gerade ein neues Jahrtausend seinen Anfang nahm, die Weltmächte in Frieden kooperierten und die Menschheit voller Hoffnung in die Zukunft schaute.

Das Sammeln von Daten des Hubble-Weltraumteleskops war mit Sicherheit nicht unbemerkt geblieben. Und das explizite Sammeln von Bildern aus einer speziellen Weltraumregion hatte zweifelslos die Gegenseite in Alarm versetzt. Er hatte lange genug gegen dieses Übel gekämpft, um davon ausgehen zu müssen, dass die Anhänger der Fremden bereits Bescheid wussten und alle Hebel in Bewegung setzten, alles Nötige taten, um die Nachricht über ein außerirdisches Objekt so lange wie möglich zu unterdrücken.

Und Will wusste, was das bedeutete: Karl und er waren in Gefahr. In großer Gefahr. Denn beim letzten Aufeinandertreffen mit seinen Feinden war er unvorsichtig gewesen, hatte die Möglichkeiten moderner Technologien unterschätzt. Deshalb hatte die Gegenseite Bilder von ihm, Bilder von seinem jüngeren Ich. Seine damalige Flucht zurück in die USA der Roosevelt-Ära hatte seine Spuren verwischt und ihm etwas Zeit verschafft. Aber die Jagd auf ihn war damit nicht vorbei gewesen.

Die Welt hatte sich seit seiner Rückkehr in die USA massiv verändert, war offener und transparenter geworden. Er hatte sich zu spät angepasst, war zu lange unvorsichtig, zu nachlässig gegenüber den technischen Möglichkeiten dieser modernen Welt gewesen. Eine Welt, in der eine Familie in der virtuellen Welt des Internets deutliche Spuren hinterließ, speziell die Bilder von der Hochzeit seines Sohnes oder von der Beerdigung seiner Frau. Spuren, die die Jäger zu ihm führen würden. Früher oder später. Und wenn sie feststellten, dass er hinter der Analyse dieser Daten steckte, dann würden sie furchtbar und brutal zuschlagen. Es würde keine Überlebenden geben.

„Vater, ich habe hier eine Decke und ein kaltes Bier.“

Karl lehnte seinen Rucksack an einen Baum und setzte sich neben ihn. Will nahm das Bier entgegen und prostete Karl zu. Die gemeinsame Wanderung war schon lange Zeit geplant gewesen. Und Will hatte sich darauf gefreut. Er war stolz auf seinen Sohn und gerne mit ihm zusammen. Mit Ende dreißig war Karl bereits Professor, hatte in Anne eine wunderschöne Frau und mit Tom einen aufgeweckten Jungen im Teenageralter. Karl wusste vieles von Will, aber über Wills Leben vor Karls Geburt wusste er nichts. Und Karl wusste auch nichts von der Gefahr, die der Welt drohte.

Will wollte das nicht ändern. Viel zu groß war das Risiko, dass dieses Wissen Karl zu einem ähnlichen Leben verdammt hätte, wie er es selbst hatte leben müssen. Und das durfte nicht passieren. Er hatte Karl schon viel zu tief in diese Geschichte hineingezogen. Um ihn und seine Familie zu schützen, musste er ihn aus diesem Spiel nehmen. Nur wie? Karl war so stolz auf die Erkenntnisse und wollte sich die Chance, damit in die oberste Liga der Astronomen aufzusteigen, nicht nehmen lassen. Will brauchte mehr Zeit für sich, um eine Lösung für dieses Problem zu finden.

„Karl, es ist immer schön, wenn wir gemeinsam Zeit in der Natur verbringen. Deshalb fällt mir schwer, was ich dir jetzt zu sagen habe.“ Will räusperte sich und sah Karl an. „Ich möchte morgen allein auf den Berg steigen. Es ist jetzt fünf Jahre her, dass deine Mutter dort am Berg gestorben ist. Seither bin ich jedes Jahr an ihrem Todestag diesen, ihren letzten, Trail allein gewandert. Und auch wenn sich ihr Todestag dieses Jahr zum fünften Mal jährt, möchte ich das nicht ändern, möchte allein sein, allein mit meinen Gedanken bei ihr.“

Will schüttelte leicht den Kopf und Tränen standen in seinen Augen. „Ich vermisse sie so sehr. Aber wenn ich allein auf ihren Spuren wandere, spüre ich irgendwie ihre Anwesenheit. Und das gibt mir Kraft, tut mir gut. All die guten Dinge, die wir gemeinsam erlebt haben, kommen mir dann wieder in Erinnerung. Ich muss allein gehen und hoffe, du hast Verständnis dafür.“

Karl schaute seinen Vater besorgt an. Sein Vater war stets eine außergewöhnlich starke Persönlichkeit gewesen. Aber der Tod seiner Frau hatte etwas in ihm verändert. Hatte ihm die Leichtigkeit, den Humor, die Freude am Leben genommen. Hatte ihn passiver gemacht. Karl fand es deshalb gut, dass Will sich seinen Gefühlen stellte und ihm gegenüber offen zum Ausdruck brachte, was er fühlte und was ihm guttat.

Er nickte seinem Vater zu. „Natürlich! Ich warte dann hier im Camp auf dich.“

„Nein, fahr nach Hause. Ich steige auf der anderen Bergseite ins Dorf hinab und nehme den Bus nach Hause. Die Zeit in der Natur wird mir guttun … aber ich habe hier noch etwas für Tom. Es ist ein Buch, das ich ihm schenken möchte. Tu mir bitte den Gefallen und gib es bei der Post ab. Dann bekommt er es rechtzeitig zum Geburtstag.“

„Soll ich es ihm nicht besser persönlich geben?“

„Nein, Karl. Als ich ein Kind war, habe ich mich an meinen Geburtstagen immer über den Postboten gefreut. Weil er mir Geschenke brachte. Und ich denke, Tom wird es ähnlich gehen.“

Will schaute Karl mit einem Lächeln an. Er hoffte nur, dass Karl seine Lüge nicht durchschauen würde. Das Buch war viel zu wichtig. Keiner von ihnen beiden durfte es in dieser Zeit der Gefahr bei sich tragen.

„Okay, wenn du meinst. Es ist dein Geld. Dann machen wir das so.“

„Cheers!“ Karl prostete seinem Vater zu.
Will nickte, trank einen Schluck und zog sich die Decke über die Schulter. Dann wechselten die beiden das Thema und die nächsten Stunden sprachen sie über ihre Entdeckung und das Objekt. Erst als sie kein Bier mehr hatten, machten sie Schluss und legten sich schlafen.

***

Das Nachtsichtgerät zeigte ihm in grünlicher Farbe, wie sich die beiden Männer schlafen legten. John nahm sein Funkgerät und sprach leise hinein.

„Sie haben sich schlafen gelegt. Sollen wir zuschlagen?“

Die Antwort kam sofort. „Nein. Die Bilder sind noch nicht ausgewertet. Wir wissen noch nicht mit Sicherheit, ob es sich bei dem Alten um die gesuchte Person handelt. Und was wir mit dem anderen machen, ist auch noch nicht entschieden.“

***

Es dämmerte, als Will erwachte. Eine Amsel, im Baum über ihm, hatte ihn mit ihrem Gesang geweckt. Der Morgen war kalt und die Gräser noch feucht vom Tau. Will dehnte sich, schlüpfte aus dem Schlafsack und ging hinunter zu dem Bächlein, an dem sie gelagert hatten. Er erleichterte sich und putzte sich danach die Zähne. Als er fertig war, füllte er die Kaffeekanne mit Wasser und ging zurück zu ihrem Nachtlager. Nachdem er das Feuer entfacht hatte, briet er Eier und Speck in der Pfanne. Dann weckte er Karl.

„Steh auf, du alte Schlafmütze. Das Frühstück ist gleich fertig.“

Karl sah ihn mit vom Schlaf verquollenen Augen an. Dann dehnte er sich, stand auf und ging hinunter zum Bach. Nach wenigen Minuten kam er nass, aber deutlich wacher zurück. „Es geht doch nichts über ein Bad in einem eiskalten Bergbach.“ Karl grinste bei seinen Worten. Dann setzte er sich neben Will.

„Vater, ich wollte dir noch etwas sagen. Ich finde es gut, dass du allein wandern möchtest. Das erinnert mich an den alten Will. Der Will, voller Energie und Tatendurst und immer bereit, auch Dinge allein anzupacken. Ich habe diesen Teil von dir seit Mutters Tod vermisst.“

Will legte seinen Teller zur Seite und blickte Karl nachdenklich an. „Der unerwartete Tod deiner Mutter hat mich damals fast zerrissen. Ich habe heute noch das Gefühl, als wäre mir damals etwas aus dem Körper gerissen worden. Noch immer spüre ich den Schmerz. Wenn auch nicht mehr so stark wie früher. Ohne dich und deine Familie hätte ich wohl aufgegeben. Aber die Jahre legten auch über meine verwundete Seele ein schützendes Narbengewebe. Heute erinnere ich mich gerne an die guten Tage mit deiner Mutter. Wir haben so oft gemeinsam gelacht … ich bin sicher nicht mehr der alte Will. Aber du musst dir keine Sorgen um mich machen. Die Liebe zu dir, Anne und Tom gibt mir die Energie, die ich brauche.“ Will lächelte Karl zu. Dann stand er auf und ging hinunter zum Bach, um das Geschirr und Besteck abzuwaschen.

Knapp eine Stunde später hatten sie das Camp abgebaut, das Auto beladen und sich zum Aufbruch fertig gemacht. Will nahm Karl zum Abschied in den Arm und ging dann los. Nach einigen Schritten drehte er sich noch einmal um: „Vergiss nicht, das Päckchen bei der Post abzugeben. Ich komme dann zu Toms Geburtstag bei euch vorbei.“

***

John nahm das Funkgerät zur Hand.

„Sie trennen sich. Jetzt können wir sie noch gemeinsam ausschalten. Wie ist der Befehl?“

„Abwarten. Noch fehlt uns die finale Bestätigung. Aber es wird nicht mehr lange dauern. Bleibt dem Alten auf der Spur. Eine Entscheidung bezüglich des Jüngeren wurde getroffen. Er ist nicht wichtig. Der hat weder Einfluss noch das Standing, um uns gefährlich werden zu können.“

***

Will war seit Stunden unterwegs und fühlte sich so wohl wie seit Langem nicht mehr. Trotz des kühlen Windes schwitzte er und der steile Bergpfad forderte seine ganze Aufmerksamkeit und Kraft. Aber der Blick in die unberührte Natur war Lohn genug für all die Mühen. Er hielt an und ließ seinen Blick in die Ferne schweifen. Ein Adler drehte am tiefblauen Himmel seine Kreise. Von Zeit zu Zeit waren seine Schreie zu hören. Sonst nichts außer dem Rauschen des Windes.

Und das wunderte Will. Denn bereits seit gestern Abend hatte er ein ungutes Gefühl. Es war wie ein Kribbeln unter seiner Haut. Und er kannte dieses Gefühl nur zu gut. Es warnte ihn vor drohender Gefahr. Fast schon wie bei diesem Superhelden aus den Comics, die Tom so gerne las. Spinnenboy oder wie der hieß. Will musste lächeln. Es hielt sich wohl irgendwo ein Raubtier in seiner Nähe auf. Davor hatte Will keine Angst. Selbst mit Braunbären würde er fertigwerden.

Er legte seine Hände unter die Riemen des Rucksacks und ging weiter. Dabei beobachtete er aufmerksam die Umgebung vor und neben sich. Seine Ohren nahmen jedes Geräusch wahr. Und sein Körper war so gespannt, dass er im Bruchteil einer Sekunde auf jede Gefahr hätte reagieren können.

***

„Der Alte läuft jetzt am Grat entlang. Wenn wir ihn hier erwischen, wird ihn keiner finden.“

John schaute voller Ungeduld auf das Funkgerät in seiner Hand. Er hasste Auftraggeber, die nicht wussten, was sie wollten. Die permanent zögerten und die besten Gelegenheiten vorbeigehen ließen. Na ja, sie setzten sich auch nicht persönlich der Gefahr aus. Mussten nicht die höheren Risiken eingehen.

Er war so in Gedanken versunken, dass er erschrocken zusammenzuckte, als ihm geantwortet wurde.

„Go! Du hast dein Go. Wir haben den Alten eindeutig identifiziert. Er hat vor vielen Jahren eine ganze Gruppe von uns ausgelöscht. Er ist extrem gefährlich. Riskiere nichts, schalte ihn aus der Entfernung aus.“

John grinste. Endlich konnte er wieder mal zeigen, was er konnte. Nur schade, dass es der Alte nicht mitbekommen würde. Er würde schon tot sein, bevor ihn der Schall des finalen Schusses erreichen würde.

***

Will lief am Grat der Schlucht entlang. Neben ihm ging es Dutzende von Metern senkrecht nach unten. Kein Anblick, der ihn erschreckte. Er hatte keine Höhenangst, vielmehr genoss er den Zwang zur höheren Konzentration.

Das Kribbeln in seinem Körper hatte nicht nachgelassen. Aber er konnte nichts entdecken. Keinen Menschen, kein Tier, keinen morschen Baum oder losen Felsen. Nichts. Irgendetwas übersah er. Aber was nur? Er schaute hoch zum Himmel. Der Adler war verschwunden, sein schrilles Pfeifen war verstummt. Aber irgendetwas war da oben. Wills Körper spannte sich. War da nicht ein Funkeln, eine Reflexion? Will schaute genauer hin.

Tatsächlich, irgendetwas war da oben. Das Kribbeln wurde stärker. Plötzlich wurde ihm klar: Von dort oben drohte Gefahr und wo er stand, war er ungeschützt. Er schaute sich nach einer Deckung um. Aber in dem Moment, als er in Deckung gehen wollte, blitzte es am Himmel auf und ein heftiger Schlag traf ihn an der Brust. Die Wucht des Schlags war so heftig, dass er nach hinten über den Rand der Schlucht gerissen wurde und kopfüber ins Bachbett stürzte. Unkontrolliert prallte er auf einen Felsen, der ihn vor dem Sturz in das eiskalte und tobende Wasser bewahrte. Heftiger Schmerz loderte in seinem ganzen Körper. Der rechte Arm war eine einzige Wunde, er fühlte, dass ein Teil seines Rückens fehlte und wie sich Rippen in seine Lunge bohrten. Atmen war unmöglich und die Welt begann vor seinen Augen zu verschwimmen.


Will robbte mit letzter Kraft unter einen überhängenden Felsen. Dort brach er zusammen. Ein Gedanke drängte sich in sein Bewusstsein: „Das war’s, das ist nicht zu heilen. Ich habe versagt.“


Dann sah er plötzlich Gesichter vor seinen blinden Augen. Gesichter aus der Vergangenheit. Gefährten, Freunde, aus längst vergangenen Zeiten. Trauer und Wehmut stiegen in ihm hoch, wurden aber mehr und mehr durch einen anderen Gedanken verdrängt. Der Gedanke an die Weissagung: „Der Letzte zum Kampf bereit.“ Leise flüsterte er die Namen: „Ki, Arn, Urak, Awen.“ Seit ewigen Zeiten hatte er nicht mehr an seine alten Freunde gedacht.


Er atmete tief ein und Bilder von seinem Sohn und seinem Enkel verdrängten die alten Erinnerungen. Bilder, wie ihm Tom lächelnd und konzentriert zuhörte. Immer lernbereit, immer aufmerksam. So klug! „Oh, Tom. Ich wäre gerne länger für dich da gewesen.“

Und dann drängte sich eine andere Erinnerung in seine Gedanken. Ihr Gesicht, so wunderschön, so vertraut, so vermisst. Lena! Will stöhnte. Es fühlte sich an, als wäre sie nahe bei ihm. Die aufbrodelnde Wehmut ließ ihn allen körperlichen Schmerz vergessen.

5 Sterne
Nabehamhmwd940 @gmail.com  - 20.02.2026
نبيهه صالح محمود

Nabehamhmwd940

5 Sterne
হেদায়াতুননাহু - 20.02.2026
ইসরাফিল

ঙডডতঙঠদ

5 Sterne
হেদায়াতুননাহু - 20.02.2026
ইসরাফিল

ঙডডতঙঠদ

5 Sterne
Infiltration - 14.10.2025
Achim

Eine grossartige Geschichte mit Aktualitätsbezug - Spannend, unterhaltsam und für ein Erstlingswerk extrem gut geschrieben. Gibt es einen Teil 2 ????

5 Sterne
Infiltration - 14.10.2025
Achim

Eine grossartige Geschichte mit Aktualitätsbezug - Spannend, unterhaltsam und für ein Erstlingswerk extrem gut geschrieben. Gibt es einen Teil 2 ????

5 Sterne
Nabehamhmwd940@gmail.com - 10.10.2025
نبيهه صالح محمود

Nabehamhmwd940@gmail.com

5 Sterne
Abwechslungsreiche, spannende Geschichte, die mich zum Lachen brachte, mir Tränen in die Augen trieb - 01.08.2025
Georg

Eine wunderbar konstruierte Geschichte, die sich durchaus traut, auch gesellschaftskritische Elemente einzubauen. Für ein Debüt überraschend gut

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