Geschichte einer Pandemie

Geschichte einer Pandemie

Hermann Görtz


EUR 19,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 650
ISBN: 978-3-99107-643-8
Erscheinungsdatum: 16.08.2021
Ein Virus bereitet sich aus und die Welt steht am Abgrund! Grundrechte werden einschränkt, die Wirtschaft steht vor dem Zusammenbruch. Hoffnung macht die rasche Entwicklung von Impfstoffen. Soziale Ungleichheiten werden immer mehr sichtbar.
Suche nach einem Corona-Impfstoff

Auf einer Geberkonferenz Anfang Mai 2020 sammelten ein Dutzend Länder gemeinsam 7,4 Milliarden € für die Entwicklung eines Impfstoffs. „Die Welt ist vereint gegen das Coronavirus, und die Welt wird gewinnen“, sagte EU‑Kommissionschefin von der Leyen. Mit einem Beitrag von 1 Milliarde € trägt die EU selbst einen großen Anteil dazu bei. Es folgen Kanada 780 Millionen €, Deutschland 525 Millionen €, Frankreich 500 Millionen €, Italien 140 Millionen € und die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung sagt 100 Millionen Euro zu usw. Ziel der Initiative ist, dass alle Kräfte für die Forschung an Impfstoffen und Arzneien gebündelt werden und alle Länder weltweit – auch ärmere – davon profitieren.

Die USA nahmen allerdings nicht an der Konferenz teil. Sie hatten ein paar Tage zuvor ein eigenes Programm gestartet. um einen Impfstoff in „Überlicht-Geschwindigkeit“ zu starten. Der US‑Präsident liebt diese blumige Wortwahl und möchte damit die besondere Größe Amerikas hervorheben. Dieser Präsident hat auch zu Beginn der Corona-Krise versucht, bei einem Deutschen Forschungsinstitut die Alleinrechte für einen Impfstoff zu bekommen. Dies wurde zum Glück rechtzeitig verhindert. UNO‑Generalsekretär António Guterres sagte auch, dass rund fünf Mal so viel Geld nötig sei. Ende Mai soll eine weitere Konferenz folgen.

Bei den Untersuchungen stellen die Wissenschaftler und auch Ärzte immer mehr und andere Krankheitsverläufe und Nebenwirkungen fest. Das Coronavirus fordert die Menschheit gerade mit ihrem ganzen Wissen heraus. Weltweit wird jedenfalls an Lösungen gesucht. Was Hoffnung macht: Wissenschaftler, Forscher, Virologen und Ärzte arbeiten, bis auf wenige Ausnahmen, weltweit miteinander und tauschen ihre Erfahrungen aus. Solange es noch keinen Impfstoff gibt, arbeiten Wissenschaftler an Medikamenten, auch mit dem Ziel, den Krankheitsverlauf deutlich zu mildern oder zu verkürzen. Da gibt es einige vielversprechende Ansätze.


Demos gegen Corona-Regeln

Tausende Menschen haben in Stuttgart, München, Berlin und anderen Städten gegen die Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie demonstriert. In Dortmund griff ein Rechtsextremer ein Presseteam an. Hauptredner in Stuttgart war der wegen seiner Verschwörungstheorien umstrittene Youtuber Ken Jebsen. Nach Angaben der Polizei seien Abstandsregeln hier meist eingehalten worden. Es sei friedlich geblieben.

In Berlin nahm die Polizei wegen Nichteinhaltung von Regeln etwa 30 Personen fest, zwecks Überprüfung der Personalien. Der Mindestabstand wurde nicht eingehalten. Dieses Verhalten wurde bei fast allen Demos festgestellt. Trotz Missachtung der Ansagen habe man aus Gründen der Verhältnismäßigkeit die Demos laufen lassen. Auch wenn die Staatsgewalt ihre „Glaubwürdigkeit“ aufs Spiel setzt, ist vielleicht Zurückhaltung, um zu deeskalieren, manchmal vernünftiger. Da sind schwierige Entscheidungen zu treffen.

Die Reproduktionszahl, Stand 9. Mai,
übersteigt kritischen Wert. Sie sehen
die Ansteckungsrate derzeit auf dem Wert von 1,1.
Das RKI mahnt in der Corona-Krise
nach wie vor zur Vorsicht.
Ziel unser aller Bemühung war,
den Wert konstant weit unter 1,0 zu halten.

Wir leben in einem der freiheitlichsten Länder. Um unser Grundgesetz mit unseren Persönlichkeitsrechten beneiden uns viele Menschen weltweit. Wenn der Mensch aber glaubt, Freiheit bedeutet, alles tun und machen zu dürfen, müssen wir Freiheit neu definieren, insbesondere in Krisenzeiten. Der Mensch ist in seinem Tun so lange frei, solange er andere in ihrer Freiheit nicht beschränkt oder sogar Schaden zufügen kann.

In diesen Zusammenhang der Demos passt die Meldung: „Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorie“. Mehrere Bischöfe kritisieren die Corona-Maßnahmen. Sie sehen den Auftakt zu einer „Weltregierung“, mit dem Ziel, persönliche Freiheiten dauerhaft einzuschränken. Es gebe auch Grund zur Annahme, dass es Kräfte gibt, die daran interessiert ist, in der Bevölkerung Panik zu erzeugen. Sie äußern auch Zweifel an der „tatsächlichen Ansteckungsgefahr“.

Wenn ich solche Äußerungen vom kirchlichen Würdenträger höre, gerate ich auch in Panik. Kümmert Euch um die Botschaft Gottes und Eure Schäfchen. Ihr seid die Arbeiter in Eurem Weinberg und nicht die Verkünder von dubiosen Verschwörungstheorien. Die Deutsche Bischofskonferenz distanziert sich und äußert deutliche Kritik – auch innerhalb der katholischen Kirche. Sie sagt ferner, dass sie grundsätzlich keine Aufrufe einzelner Bischöfe außerhalb Deutschlands kommentieren würde. Das muss sie auch nicht. Der Vatikan, bzw. Papst Franziskus, haben sich noch nicht über diesen ungeheuerlichen Vorfall geäußert.


Verantwortung der Bundesländer

Bei den Lockerungen vom 6. Mai 2020 wurde sehr deutlich, dass die Länder immer mehr in der Verantwortung stehen. Das hängt auch damit zusammen, dass sowieso viele Aufgaben, welche auch die Bundesregierung beschlossen hatte, Ländersache waren.

A. Laschet aus NRW und auch M. Söder aus Bayern waren diejenigen, welche nach außen zeigen wollten, das Richtige für ihr Land tun zu wollen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Es wurden nicht immer die Abmachungen, was den Zeitplan anbelangt, zwischen den Ländern und der Regierung, eingehalten. Das hängt auch damit zusammen, dass der Druck von verschiedenen Seiten immer größer auf die Länder wurde. Böse Zungen behaupten sogar, dass sich die beiden Protagonisten auf die bevorstehende Bundestagswahl 2021, sprich auch als Bundeskanzler, schon positionieren würden. Obwohl M. Söder Ambitionen weit von sich weist. Er fühlt sich in Bayern sehr wohl, Berlin kann warten. A. Laschet will allen beweisen: ich kann Krise gut. Wenn alles gut geht für ihn, hat er auch gute Karten. Wenn es schief geht, freut sich Merz oder Röttgen. So läuft Politik!

So, nun wieder zum Thema Coronavirus. Dass die Länder unterschiedliche Intentionen und Schwerpunkte haben, liegt in der Natur der Sache. Die Gefahr besteht darin, dass es einen Flickenteppich an Lockerungen, weiteren Beschränkungen und auch Verboten gibt. Problematisch wird es dort, wo es grenznahe Unterschiede gibt. Das muss man dann den Unternehmen und auch den Bürgern verständlich kommunizieren. Das geht über unterschiedliche Lockerungen in Geschäften und Regeln in den unterschiedlichsten Bereichen. Dieses Thema hatten wir schon mal. Diejenigen, die Regeln und Verordnungen umsetzen müssen, sind auf klare, verständliche und vor allen Dingen rechtzeitige Infos angewiesen. Es gibt so viele Berufsverbände, die alles Mögliche regeln. Warum kann die Bundes- oder auch Landesregierung nicht schon im Vorfeld Absprachen über mögliche Abläufe und Regeln mit den Verbänden treffen. Die Verbände geben dies dann weiter. Es muss nicht alles im Detail geregelt sein, es reicht manchen schon eine grobe Richtung zu erkennen, um erste Maßnahmen vorzubereiten.

Als ein Negativ-Beispiel sehe ich auch den Umgang mit den Schulen an. Am 16. März wurden die Schulen geschlossen. Drei Wochen später begannen die Osterferien (NRW). Fünf Wochen Stillstand, jedenfalls wusste zu diesem Zeitpunkt niemand, wann und wie es weitergeht. Am 7. Mai, noch einmal zweieinhalb Wochen später, begann für Teile der Schüler der Unterricht. Der Schulbetrieb war knapp acht Wochen ausgesetzt. Was ist passiert in dieser Zeit. Ich weiß es nicht. Man muss sich zuerst ein genaues Bild machen und dann bis ins Kleinste durchdiskutieren, um dann hinterher festzustellen, das ist nicht zu schaffen. Es mag überspitzt dargestellt sein, aber so kommt das bei dem Bürger an. Ich weiß auch, dass SchulleiterInnen und LehrerInnen bis zum Wahnsinn gerödelt haben, um den Laden nach den vorgegeben Richtlinien am Laufen zu halten. Ich stelle schlicht und einfach fest, die SchulministerInnen, Schulträger usw. hatten keinen Plan, wie in einen solchen Fall zu verfahren ist. Man kann ja nicht auf alle Eventualitäten eingestellt sein! Wenn es aber einen Plan geben sollte, würde das die Sache nicht besser machen. Das Dilemma wird auf dem Rücken der SchülerInnen ausgetragen.

„Notbremse“ ist Ländersache. Es sind innerhalb weniger Tage Verstöße festgestellt worden. Wenn die Verstöße lokalisierbar sind, ist es einfach zu handeln. Wenn nicht, dann hoffe ich, dass alle Länder einen einheitlichen Kurs verfolgen und entsprechend richtig handeln.


Ein Nachsatz zu den Demonstrationen

Wie bereits berichtet fanden am Wochenende einige Corona-Demos statt. Aus Köln berichtete der Polizeichef Jacob über nicht akzeptable Zustände. Die Demo wurde ohne Genehmigung und Hygieneabstände abgehalten. Demonstrationsteilnehmer haben Bürger aufgefordert, die Gesichtsmasken abzulegen und ohne Masken einkaufen zu gehen. Die Polizei nahm von mehreren Teilnehmern die Personalien auf.

Bürgerrechtler, Impfgegner, Esoteriker, Verschwörungstheoretiker, aber auch Rechtsextremisten mischten sich unter die Demonstranten. Diese Gruppierung wurde eindeutig identifiziert und hat sich insbesondere an den Verstößen beteiligt. A. Gauland von der AfD nahm diese Demonstranten in Schutz, indem er sagte, diese würden vom Staat verunglimpft. In Verdrehung der Tatsachen und in der Opferrolle gefällt sich die AfD besonders. Schlimm ist, dass diese Gruppierungen den Demonstranten, die sich regelkonform verhalten, keinen guten Dienst erweisen und die Anständigen instrumentalisieren. Dem muss der Staat mit aller Kraft entgegentreten. Auch hier geht es um Glaubwürdigkeit, ansonsten werden die Rechten die Oberhand gewinnen, und das möchte wohl niemand.


Corona-Soli?

Es geht fast immer nur um Geld. Unser Finanzminister O. Scholz setzt ein gesellschaftlich wichtiges Zeichen. Er plädiert für einen Corona-Soli. „Die Corona-Krise hat gezeigt, wie wichtig Solidarität ist. Deshalb halte ich die Ideen für absurd, ausgerechnet jenen, die hunderttausend Euro im Jahr verdienen, jetzt Steuersenkungen zu versprechen“, sagt O. Scholz. Recht hat er! Damit widerspricht er auch vehement dem Landeschef von Bayern M. Söder, welcher schon von Steuersenkungen sprach, als das volle Ausmaß dieser Pandemie noch gar nicht feststand. Was aber auch feststeht ist, dies ist nur mit einem Mitte-Links-Bündnis möglich. Da hat Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken im Bundestag, ausnahmsweise mal Recht. Das größte Problem bei uns ist die soziale Ungerechtigkeit. Ich weiß, dieser Satz wird durch häufiges Wiederholen nicht besser.


Gefährliche Medikamenten-Engpässe

Ein Großteil der Arznei-Wirkstoffe für den deutschen Markt wird in China produziert. Dieses wird von vielen Fachleuten schon länger kritisiert. Nun hofft man, dass es wegen der Corona-Krise zum Umdenken führt. In den 1970 und 1980‑er Jahren waren wir die Apotheke der Welt. Und heute? Dank Corona-Krise wurden Lieferengpässe bei Arzneimitteln, Schutzkleidung und Atemschutzmasken sichtbar. Mittlerweile ist da schon ein Umdenken in unserer Regierung festzustellen. Sorge macht auch die Tatsache, dass 90 % der Wirkstoffe für Antibiotika in China hergestellt und zur Weiterverarbeitung nach Indien geliefert werden. Wirkstoffe für andere Medikamente gehen den gleichen Produktionsweg. „Der deutsche Markt ist zu klein, die Aussicht auf Gewinne ebenfalls.“

„China braucht keine Atombombe. Es reicht,
wenn China keine Antibiotika mehr liefert,
dann erledigt sich Europa von selbst.“
Zitat: Prof. Ulrike Holzgrabe


Wir haben als Verbraucher die Wahl, uns ein preisgünstiges Produkt zu kaufen, das im Ausland produziert wird. Oder ein Produkt, welches in Deutschland oder Europa produziert wird zu einem höheren Preis. Experten gehen von 5 % Mehrkosten aus! Ist das der Preis für diese Abhängigkeit? Zu den Arzneimittel-Produkten, die stark gefragt, aber derzeit so gut wie nicht lieferbar sind, gehören aktuell vor allem auch Narkosemittel und bestimmte Schmerz- und Beruhigungsmittel, die auf Intensivstationen eingesetzt werden. „Vorräte sind für Großhandel und Apotheken totes Kapital“. Dieser Zustand bereitet mir ernsthafte Sorgen.


Was macht die Kunst?

Diese ist bisher noch nicht zu Wort gekommen. Sie scheint ja auch nicht lebensnotwendig zu sein! Ganz so ist es ja nicht. Die meisten sind sich der gesellschaftlichen Aufgabe der Kunst in unserem Land schon bewusst. Wir wissen alle um die Kraft der Musik und des Wortes in vielerlei Hinsicht. Die Kunst ist zum Lebenselixier geworden. Ohne diese wären wir im Land der „Dichter und Denker“ ein großes Stück ärmer. Wir werden noch lange Zeit auf große Konzerte, sei es Open‑Air oder im Konzertsaal, Opern, Musicals, Ballett, Theater, Comedy usw., verzichten müssen.

Die Kleinkunst aller Art, sei es in Wort und Musik, hat es da ein wenig einfacher. Da ist eine frühere Lockerung eher möglich. Obwohl ich mir schwer vorstellen kann, immer den Abstand halten zu können, welcher nach wie vor vorgeschrieben sein wird. Von der Wirtschaftlichkeit mal ganz abgesehen. Da geht es der Kleinkunst wie der Gastronomie. Beide stehen vor dem gleichen Dilemma.

Krisen machen aber erfinderisch. Gerade „Kunsttreibende“ lassen sich da was einfallen. Sei es in Form von Wohnzimmer-Konzerten, Musik auf dem Balkon oder im Garten (mit Abstand), oder wer weiß noch sonst wo und was. Die digitalen Medien lassen viele Möglichkeiten zu, sich der Welt zu präsentieren. In der Not freut sich jeder über eine Abwechslung. Es ist mal was anderes in diesem tristen Corona-Alltag. Wir danken dafür allen Künstlern von Herzen.


Ich möchte ein Plädoyer für die Musik aussprechen.
„Musik öffnet Herz, Sinn und Gemüt.“
Menschen, die zusammen musizieren,
müssen aufeinander hören lernen.
Aufeinander hören lernen ist sehr hilfreich und
trifft auf alle Lebensbereiche zu.

In Bonn, nicht weit von meiner Heimatstadt Hürth, hätte in diesem Jahr der 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven gefeiert werden sollen. Alle Veranstaltungen fallen aus, werden aber nachgeholt. Da freuen wir uns schon jetzt darauf. Ich hatte aber die Befürchtung, dass die Verantwortlichen Beethovens 9. Symphonie mit 12 Musikern, 1 Solisten und 4 Chorsängern durchführen wollen. Diese Befürchtung ist nicht unbegründet. Man hat tatsächlich eine Mahler-Symphonie mit 12 Musikern, alle auf zwei Meter Abstand oder mehr, aufgeführt. Mir haben diese Musiker ehrlich gesagt, leidgetan. Mahler hat es nicht gehört!

Ich vergleiche ein Konzert ohne Publikum mit einem Fußballspiel unter ähnlichen Bedingungen. Die da wären: es spielen nur 2 Personen, eins gegen eins, in einem 75.000 Zuschauer fassenden leeren Stadion, die Tore sind aber zugenagelt und die Protagonisten schieben sich den Ball zweimal 45 Minuten hin und her. Die privaten und öffentlichen Fernsehanstalten übertragen dieses Spektakel live zur besten Sendezeit. Auch das will niemand sehen!

Die Kraft und Wucht von Beethovens Neunter, insbesondere im Schluss-Satz, der „Ode an die Freude“, auszudrücken, ist nur möglich in voller Besetzung. Eine Aufführung, unter den zuvor genannten Beispielen, ist bisher nicht geschehen. Es wird hoffentlich so bleiben. Dass Musik verbindet, zeigt das „West-Eastern-Divan-Orchester“ (WEDO, deutsch: Orchester des west-östlichen-Divan). 1999 gegründet, besteht es zu gleichen Teilen aus israelischen und arabischen Musikern. Dieses Orchester wurde von Daniel Barenboim, Edward Said und Bernd Kauffmann gegründet und setzt sich für friedliche Lösungen im Nahost-Konflikt ein.

Kritiker werden nun sagen: „Und, was nutzt es?“. Die Musiker werden sich jedenfalls untereinander nicht die Köpfe einschlagen. Das ist ja auch schon was! Aber was kann man daraus schließen? Ich stelle eine verwegene These auf und behaupte: alle Staaten, die Krieg gegeneinander führen wollen, müssen zuerst miteinander musizieren. Das setzt auch voraus, aufeinander zu hören. Wichtig! Anstatt Waffen sollten Musikinstrumente gekauft werden. Mit dem Geld, das übrig bleibt, könnte dann das Klima noch gerettet werden. Ist das keine phantastische Vorstellung? – Nein, es ist nur ein Traum!

In Köln, nahe meiner Heimatstadt, hat Musik einen hohen Stellenwert. Sie stößt niemanden aus, stattdessen verbindet sie viele Menschen aus vielen Ländern. Unzählige Musikgruppen beweisen dies. Die Rheinländer lieben diese Vielfalt und stehen auch für Toleranz. Sie steht auch auf gegen rechte Parolen und verteidigen die Demokratie. Auch mit ihrer Art, Musik zu machen. Gerade in der Corona-Krise sind der Zusammenhalt und die Einigkeit wichtig.


Der Feind im Weißen Haus

usnahmsweise möchte ich ein Fazit zu Beginn stellen. Die Vorgehensweisen in den USA und in unserem Land unterscheiden sich in der Corona-Krise fundamental. In den USA regiert ein Präsident, der verharmlost, die Schuld bei anderen sucht und seinen Bürgern glaubhaft versichert, alles ist großartig. In meinem Land wird nicht verharmlost, sondern gemahnt, gehandelt und versucht, auch mit der Weltgemeinschaft, Lösungen zu finden.

Zu den Fakten. Vier Monate nach dem ersten Covid-Fall bieten die USA ein katastrophales Bild. Während anderswo die Neuinfektionen zurückgehen, kommen in Amerika jeden Tag mehr als 20.000 neue Fälle hinzu. 1,4 Millionen Menschen haben sich bereits angesteckt. Aktuell sind fünfzigmal so viele Personen infiziert wie in Deutschland. Mehr als 80.000 sind gestorben. Mehr als 33 Millionen Frauen und Männer haben ihren Job verloren. Offiziell lag die Arbeitslosenquote im April bei 14,7 %. Es wird befürchtet, dass es bald bei 25 % liegen könnte. In einem Land mit einem verhärteten Sozial- und Krankenversicherungssystem ist der Mensch auf sich alleine gestellt. Schon jetzt bilden sich lange Schlangen vor den Suppenküchen.


Offene Lügen bestimmen den Kurs in den USA. Ein Präsident wiegelt bewaffnete Randalierer auf, welche vor den Kapitolen die Gouverneure zur Rücknahme von Restriktionen zwingen wollen. Wir testen mehr als irgendwo sonst auf der Welt, brüstet sich Trump. Es sind pro Tag 250.000, mindestens 900.000 Tests wären aber erforderlich. Auf einmal werden diese Tests überbewertet, mit der Begründung, wenn das Land immer intensiver nach Infektionen sucht, lassen wir uns selbst schlecht aussehen. Recht hat er! Mit schlechten Zahlen hat dieser Präsident nichts am Hut. Dass die staatlichen Hilfen dem Ende zu gehen, ist auch bekannt. Er hat sich mit vielen Regierungschefs, auch mit A. Merkel ausgetauscht. „Sie sehen uns als Führer der Welt. Und sie werden uns folgen“. Niemand widersprach, nicht einmal seine Parteifreunde.


RKI erwartet konstante Ansteckungsrate

Nach den Lockerungen vom 11. Mai im Handel und vom 14. Mai in Kitas und Schulen wurden mit Spannung die Zahlen vom RKI erwartet. Es gab viele Verwirrungen, weil auf einmal neue Zahlenmodelle auftauchten. Da ging es plötzlich darum, wie viele sich pro 100.000 ansteckten. Die Länder hatten sich auf 50 geeinigt. Es gab Länder, die hätten lieber weniger gehabt. Da gab es auf einmal sogenannte „Hotspots“ in Betrieben, Unterkünften und Altenheimen. Die Zahl 50 wurde zum Teil weit überschritten. Alarm auf allen Ebenen. Jetzt stieg auch wieder die „Reproduktionszahl“ auf über 1, zeitweise sogar fast auf 1,2. Einen Wert, den niemand mehr haben möchte. Was dieser Wert bedeutet, wissen mittlerweile alle.

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