Die schöne Seite des Kapitalismus
Eine Beweisführung und Provokation
EUR 18,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 144
ISBN: 978-3-7116-0518-4
Erscheinungsdatum: 14.04.2025
Joachim Sdunek, Autor von Meine Zeit im geteilten Deutschland bei voller Beleuchtung, offenbart in seinem neuen Buch sowohl die schönen als auch die schattigen Seiten des Kapitalismus im wiedervereinigten Deutschland.
Den Kapitalismus zu verstehen ist ganz wichtig. Die Funktion des Kapitals im Kapitalismus ist außerordentlich einfach. Es ist nicht notwendig komplizierte Rechnungen anzuwenden, hier reichen die Grundrechenarten. Kapital gründet sich aus eigener Arbeit und muss sich zwangsläufig vermehren. Darin besteht sein Sinn. Der Mensch hat sehr früh begriffen, dass er nicht unbedingt mit den eigenen Händen arbeiten muss, um das einmal geschaffene Kapital zu vermehren. Solange die Arbeit der fremden Hände am eigenen Kapital respektiert wird und für ein gutes Überleben der vielen fremden Hände sorgt, ist das in Ordnung. Diese Welt ist aber immer noch auf der Suche nach einem Verantwortlichen für diese vielen fremden Hände. Die Suche wird bis heute durch Sklaverei und Unterdrückung erschwert.
Die Teilung der Arbeit in die mit dem Kopf, die mit der Hand und deren Variationen ist die Grundlage für Besitz oder Besitzlosigkeit. Der die Arbeit planende Kopf konnte die Arbeit durch die eigenen und andere Hände ausführen lassen. Wer sein Kapital nicht festhalten und vermehren kann, gehört dann zu den Besitzlosen. Das einmal geschaffene Eigenkapital pflanzt sich notgedrungen fort und befindet sich mehr und mehr in den Händen der Besitzenden.
Man muss in diesem System also sehr aufpassen, um nicht unter die Räder zu kommen. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, dem Besitz abzuschwören. Die Lebensart die sich daraus ergibt, kann erzwungen sein, sie kann gewollt sein oder sich mit Hilfe von Freunden erträglich gestalten lassen. Die wirklich Besitzlosen haben keine Feinde. Freunde sind da schon eher hilfreich, dann hat man auch wieder ordentliche Feinde.
Karl Marx, dem das Hauptwerk „Das Kapital“ zu diesem Thema zu verdanken ist, lebte nicht in Reichtum. Man muss Marx in Bezug auf sein Hauptwerk zwingend auf seine wissenschaftliche Leistung begrenzen, sonst verstrickt man sich in eine sehr widersprüchliche Persönlichkeit. Er wurde 1849 als Staatenloser aus Deutschland ausgewiesen, nachdem er in einem Prozess wegen Aufreizung zur Rebellion freigesprochen wurde. Marx ging dann noch im selben Jahr mit seiner Frau Jenny und drei kleinen Kindern ins Londoner Exil. Ein Spitzelbericht der preußischen Geheimpolizei beschrieb die 2-Zimmer Wohnung in der Dean Street, wo sich das Leben der Familie Marx in den ersten Jahren abspielte und wo Karl Marx arbeitete und Emigranten aus aller Welt empfing: „In keiner der Stuben ein sauberes oder anständiges Möbelstück, alles ist zerbrochen, zerschlissen, zerfetzt, fingerdicker Staub klebt darauf…Manuskripte, Bücher und Zeitungen liegen kunterbunt neben Spielzeug und Fetzen aus dem Nähkorb seiner Frau, Tassen mit zerkerbten Rändern, schmutzige Löffel, Messer, Gabeln, ein Tintenfass, Bierseidel, Pfeifen, Asche- alles im wüsten Durcheinander auf demselben Tisch…Sich hinzusetzen, ist nicht ungefährlich. Hier steht ein Stuhl nur auf drei Beinen, dort ein anderer, der heil zu sein scheint, auf dem aber die Kinder Kochen spielen. Dieser wird dem Besucher angeboten, aber das Spielzeug der Kinder nicht entfernt, so dass man seine Hosen riskiert, wenn man wagt, sich zu setzen.“
Diese häusliche Misere soll die Mutter von Karl Marx zur folgenden Äußerung veranlasst haben: „Er hätte sich lieber ums Kapital kümmern als darüber schreiben sollen.“ Solange man noch eine Mutter auf dieser Welt hat, gibt es wenigstens noch einen Menschen, der einem verzeiht. Es ist hinlänglich bekannt, dass Karl Marx sehr große finanzielle Unterstützung durch seinen Freund Friedrich Engels erfuhr. Weniger bekannt ist, dass der von Marx außerehelich gezeugte Sohn, Freddy Demuth, Engels durch offizielle Vaterschaft zugeschrieben wurde. Ein anderer Freund, Wilhelm Wolff, genannt Lupus, hinterließ ihm sein gesamtes Vermögen. Marx verbrauchte alles geschenkte und geerbte Geld im Wesentlichen für seine Arbeiten. Er war nie reich und rauchte die schlechtesten Zigarren. Manche Leute behaupten das Gegenteil. Man muss sich hier auf die jeweils aktuelle finanzielle Situation einigen.
Sein Vater, Heinrich Marx, der von den interllektuellen Fähigkeiten seines Sohnes wußte, ermahnte ihn wiederholt, nicht nur seinen Verstand, sondern auch sein Herz zu bilden. Diese Vatersorgen galten einer der herausragendsten Geistesgrößen des vergangenen Jahrhunderts. An seinem Werk scheiden sich noch heute die Geister.
Die Freunde von Marx ermöglichten ihm durch finanzielle Unterstützung die Arbeit an seinen Schriften. So war es möglich, dass er auch anständige Feinde hatte.
Bei aller Wissenschaft, Abenteurerwesen und Zufällen in der Forschung von Biologie, Chemie, Physik, Mathematik und Gesellschaftslehre, könnten auch alle Entdeckungen mit anderen Namen verbunden sein. Offenbar kommen die Menschen zwangsläufig zu den funktionierenden Formen und Ergebnissen. Wer der These folgt, dass alle Erfindungen der Menschheit auch von anderen Geistesgrößen hätten hervorgebracht werden können, ist, so glaube ich, auf dem richtigen Weg. Die Vielfalt des menschlichen Geistes, in positiver und auch negativer Hinsicht, ist sehr weit gefächert. Alfred Nobel war nur einen Schritt weiter als Ascanio Sobrero, der Entdecker des Nitroglycerin. Der Norweger Roald Amundsen erreichte den Südpol einen Monat früher als der Engländer Robert Falcon Scott. Albert Einstein komplettierte im Februar 1917 seine Relativitätstheorie. Einen Monat später kam das Weltmodell von Willem de Sitter dazu, das Einstein widerspruchslos akzeptieren musste. Die Entwicklung der Dampfmaschine ist nicht allein James Watt, sondern auch Edward Somerset und anderen zu verdanken. Alle Wissenschaft hat also Vorläufer und Zusammenhänge, die letztlich zu den Ergebnissen führten, die heute bekannt sind. Der Chemieprofessor und Apotheker Martin Heinrich Klaproth entdeckte das Element Uran, das Otto Hahn später zur Urankernspaltung führte. Ebenso haben die Entdeckungen von Pierre und Marie Curie ihre Vorläufer.
Der Philosoph Karl Marx konnte zum Beispiel auf den Arbeiten von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Ludwig Feuerbach, Emmanuel Kant und anderen aufbauen. Jeder Wissenschaftler und Entdecker prägt seinen persönlichen Anteil an den Ergebnissen der Arbeiten.
Die Erkenntnis, dass die Philosophen die Welt nur verschieden interpretiert haben, es aber darauf ankäme, sie zu verändern und das die Geschichte der Menschheit die Geschichte von Kriegen ist, geht auf Karl Marx zurück. In der heutigen Welt gibt es sehr viele Gegner des Kapitalismus. Einer dieser erbitterten Gegner ist zum Beispiel der Schweizer Soziologe Professor Jean Ziegler. Ein Mann, der sich international gegen die negativen Erscheinungen des Systems engagiert. Die neoliberalen Befürworter nehmen alle Folgen des Kapitalismus billigend in Kauf. Das Unaufhaltsame kommt ja erst morgen. Das Morgen kommt aber immer schneller auf die Menschheit zu. Selbst Karl Marx wurde bei einer geselligen Runde von einem Bewunderer gefragt: Wer denn im Zukunftsstaat die Stiefel putzen solle. Da erwiderte Marx ärgerlich: „Das sollen Sie tun.“ Als der Mann schweigend die Gesellschaft verlassen hatte, kam die Dame des Hauses mit Ernsthaftigkeit auf die Sache zurück. Die Dame sagte zu Marx: „Ich kann mir Sie auch nicht in einer nivellierenden Zeit denken, da Sie durchaus aristokratische Neigungen und Gewohnheiten haben.“ „Ich auch nicht“ antwortete Marx. „Diese Zeiten werden kommen, aber wir müssen dann fort sein.“
Der Kapitalismus ist die Ordnung, die der menschlichen Natur entspricht und ihr am nächsten kommt. Die Vision einer solidarischen Gesellschaft ist der menschlichen Natur nicht eingepflanzt. Es gab und gibt Klöster und Kommunen aller Art, wo der Wille und der Glaube die Menschen eint. Diese Formen sind aber die Ausnahme. Alle Stufen der Menschwerdung und des Zusammenlebens in Gesellschaften von Menschen führten schließlich zum heutigen Kapitalismus. Der Mensch als Naturprodukt hat sich außerhalb der Natur gestellt. Mit diesem Fakt ist die Entfesselung aller enormen Leistungsfähigkeiten im positiven sowie negativen Sinne einerseits und die schöne Seite des Kapitalismus andererseits geklärt. Dieses System wird die Erde ausbeuten, bis die Menschheit nicht mehr überleben kann. Die menschenfreie Erde wird sich dann wieder erholen und die Natur zurückkehren lassen. Der Prozess einer Menschwerdung, wie durch Charles Darwin beschrieben, ist dann ausgeschlossen. Eine schönere Perspektive kann es für die Erde nicht geben. Die Erde hat immer wieder bewiesen, dass sie die Natur zurückkehren lässt, wo der Mensch nicht mehr eingreift.
Es ist Mode geworden über den Untergang der Menschheit zu reden. Diese Sorge trifft vor allem die Enkelgeneration. Bei diesem Untergang sollte man vordem noch klären, warum das nicht zu verhindern ist. Jeder normale, mitdenkende Mensch hat das Recht auf diese Frage eine unkomplizierte und klare Antwort zu erhalten.
Der Mensch ist ein politisches Geschöpf, das am liebsten sein Leben zu Klumpen geballt verbringt. Jeder Klumpen haßt den anderen Klumpen, weil sie die anderen sind, und haßt die eigenen, wiel sie die eigenen sind.
Dieser Mensch hat der Erde seinen Stempel aufgedrückt. Er denkt nicht wirklich daran, dass er selbst Natur ist. Der Mensch ist ein unvernünftiges Wesen und nur bedingt lernfähig. Die Erkenntnisse, die er beim Lernen sammelt, führen nicht zu einem angemessenen Umgang mit der Natur. Er lebt, als hätte er mit dem Planeten Erde nichts zu tun. Aus allem Unglück und Verbrechen dieser Welt hat er nicht gelernt, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Der Mensch ist ein Meister im Vergessen und Verdrängen. Kaum auszusprechende Verbrechen fallen diesen Eigenschaften anheim. Es wird sich in nicht allzu ferner Zukunft herausstellen, dass sein Überleben nicht mehr funktioniert. Dinge,die einst selbstverständlich waren, sind es nicht mehr. Selbst aktuelle Erscheinungen und neue Tatsachen werden teilweise ignoriert.
Für manche Menschen ist es heute noch schwer vorstellbar, dass der Mensch vom Affen abstammt. Der Mensch kann aber nur von diesen geselligen Wesen abstammen, da er selbst das geselligste aller Wesen ist. Man stelle sich die Geselligkeit der Spanier, Italiener, Russen, Engländer, Iren, Franzosen und anderer Völker vor. In Afrika, Asien, Amerika und anderen Gegenden dieser Welt kann man die gleiche Geselligkeit und Lebenslust erleben. Zum Kummer der Menschheit ist die Aggressivität deutlich stärker ausgeprägt als die Geselligkeit. Bei genauer und gründlicher Beobachtung in der Jetztzeit, sind diese Verwandtschaft zu den Affen und die Aggressivität nicht zu leugnen. Im Besonderen ist es die Aggression, mit der die früheren Affen und heutigen Menschen ihren Besitzstand und ihre Territorien verteidigen und mehren wollen.
Es gibt auch durchaus schöne Eigenschaften am Menschen zu beschreiben, wenn er positiv schöpferisch tätig ist.
Wenn man einem Menschen bei der Arbeit mit Hand und Kopf zuschaut, kann das ein Genuss sein. Es ist das Erlebnis der Arbeit, das den Menschen formt. Er ist handwerklich tätig und auch in Wissenschaft, Kunst und Kultur unterwegs. Nicht allein die Beobachtung des Menschen bei der Arbeit kann ein Genuss sein. Der Mensch selbst erlebt die Höhen der Erkenntnis im Umgang mit Wissenschaft, handwerklicher Arbeit, Kunst und Kultur, sowie im Miteinander. Die menschliche Hand ist ein wahres Wunder der Natur. Die Menschenhand erreichte einen Grad der Vollkommenheit, wie er auf Gemälden von Raffael zu sehen ist. Ein Ludwig van Beethoven schrieb Klavierstücke, bei denen andere Künstler zweifelten, ob man sie auf dem Klavier überhaupt händisch greifen kann. Es gibt immer wieder und bis in die heutige Zeit Menschen mit erstaunlichen Fähigkeiten. Der Mensch kann bei allen schönen Dingen im Miteinander und in der Familie ein Füllhorn voller Glück haben. Dieses Füllhorn hat aber leider immer mal wieder ein Loch. Humanismus und Liebe sind für die meisten Menschen der große Zusammenhalt. Diese beiden Dinge werden regelmäßig durch Kriege außer Kraft gesetzt. Selbst wenn die Mehrheit der Menschen auf der ganzen Erde für Humanismus und Liebe plädiert, gibt es eine Minderheit, die dem entgegensteht. Diese Minderheit ist an Brutalität nicht zu übertreffen. Sie ist die Brutalität selbst. Ihr gehört mittlerweile zu großen Teilen der gesamte Reichtum dieser Welt. Die Verteilung und Mehrung des Reichtums werden in der Öffentlichkeit auch dargestellt, als hätten sie mit Leistung zu tun. Leistung geknüpft an Personen sollte immer mit Rückschlüssen auf Fleiß und Leistungsfähigkeit zu tun haben. Diese einfachen Zusammenhänge sind bei der allmächtigen und brutalen Minderheit außer Kraft gesetzt. Selbst die reichsten Personen sind Gefangene des Systems. Keiner der reichsten Menschen auf dieser Erde braucht soviel Geld und andere Güter zum Lebensunterhalt. Ein solcher Reichtum bedeutet aber Macht im System.
Es gibt für die Mächtigen dieser Welt zu keinem Zeitpunkt mehr den Zustand der Zufriedenheit. Beispiele von Einzelpersonen, die große Teile ihres Vermögens spenden und allgemein nützlichen Zwecken zur Verfügung stellen, sind Ausnahmen. Ausnahmen bleiben auch die positiven Handlungen der Erben dieser Superreichen. Ein junger deutscher Freiwilligenhelfer war 2011 für 14 Tage im japanischen Fukushima und konnte dort auch etliche Millionärssprösslinge aus Australien und den USA beobachten, als diese Lebensmittel in den abgelegenen Dörfern verteilten, die vom Erdbeben zerstört worden waren. Wenn sie etwas Nützliches tun, sollte man sich nicht darüber mokieren. Diese Handlungen beweisen Logik, Verstand und Menschlichkeit. Im Bereich der Waffenindustrie, der Prostitution, des Rauschgifthandels, der Großkonzerne und der Bankenwelt sind solche Handlungsweisen eher selten oder nicht bekannt. Den geschilderten Reichtum sollte man nicht zwingend an Personen festmachen. Natürlich sind es Personen, die da handeln – an erster Stelle steht aber immer das System. Dieses System spuckt jeden aus, der nicht systemimmanent ist. Es ist lange her, als Jesus sagte: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als das ein Reicher in den Himmel kommt.“ Die wirklich Reichen haben sich den Himmel schon auf Erden geschaffen. Das konnte Jesus von Nazareth, König der Juden, der nur 33 Jahre wurde, noch nicht wissen. Er konnte auch nicht wissen, dass 130 Jahre nach ihm das Pfingstfest als Geburtstag der Kirche gefeiert wird. Die Kirchen sind keine armen Institutionen. Als Zeichen des Pfingstfestes gilt die Taube. Nach christlicher Lehre senkte sich der Heilige Geist auf Jesus, als er getauft wurde – in Gestalt einer Taube. Noah liess bei der Sintflut von allen Tieren auf seiner Arche zunächst die Tauben frei. Eine von ihnen kehrte mit einem Ölzweig im Schnabel zurück. Das war das Zeichen, dass die Flut überstanden war und Gott Frieden mit den Menschen geschlossen hatte. Das Symbol der Friedenstaube findet sich auch 1949 in einer Zeichnung von Pablo Picasso wieder. Der Wunsch nach Frieden ist also sehr alt und offensichtlich nicht zu erreichen.
Die Arbeit ist nach Betrachtung der politischen Ökonomen die Quelle allen Reichtums.
Obwohl das so ist, gibt es gravierende Unterschiede zwischen den Menschen. Es können nicht alle gleich reich sein. Trotzdem ist der Unterschied und Leistungsanteil zwischen einer ordentlichen Putzfrau und einem Multimillionär kaum einleuchtend zu erklären. Die Rolle des Geldes ist wahrscheinlich eines der größten Übel, das die Menschheit hervorgebracht hat. Geld ist zuweilen ein Chamäleon. Man kann damit Waren kaufen, man kann es ansparen, um mehr davon zu haben, es gibt den Notgroschen, man kann Geld ohne Feuer verbrennen, es dient der Bestechung, es ist brutal und tödlich und es kann nutzlos inflationär sein. Geld bietet den Menschen den Zugang zu jeder erdenklichen Schurkerei. Mit Sicherheit gäbe es durchaus sinnvollere Dinge auf dieser einen Erde, die man mehren sollte.
Der Mensch hat den Zeitpunkt verpasst, sich eine Ordnung zu schaffen, in der er mit der Natur auskömmlich leben kann. Es wird vieles Wichtige nur halbfertig gedacht und gemacht. Das Unfertige ist allgegenwärtig. Rechtzeitige Korrekturen wären aber immer möglich, wenn die Notwendigkeit erkannt ist. Der Wille zur Veränderung ist jedoch sehr schwach entwickelt. Die bloße Erkenntnis, dass Änderungen notwendig sind reicht nicht aus, man muss es auch tun. Der nötige Wille dazu müsste von grundsätzlicher Art sein.
Dieser Mensch sucht nach einem Glück, dass ihm offensichtlich nicht gehört. Er zeichnet all sein Tun mit den Zeichen der Inkonsequenz und Schwäche. Es gibt also nichts Vollkommeneres auf Erden als das Unglück.
Sein Verhalten führt zu dem kollektiven Selbstmord, der der Menschheit bevorsteht. Wenn dieser Selbstmord vollendet ist, kann die Erde sich wieder von der Menschheit erholen. Das Schöne am Kapitalismus ist also tatsächlich und zwangsläufig die Rettung der Erde und damit der Natur ohne Menschen.
Die Menschheit befindet sich nun im Endspiel mit der Natur. Es ist völlig überflüssig, nach dem Favoriten in diesem Spiel zu fragen.
Es wird nicht mehr möglich sein, alle Probleme und Defizite durch Forschung und Entwicklung in Wissenschaft und Technik zu kompensieren. Mit der Natur kann man nicht verhandeln. Der Mensch erkennt den Zustand seiner Welt und ist nicht bereit, sich zu ändern und zu verzichten. Forschung und Entwicklung sind große Möglichkeiten, bestimmte Dinge zu reparieren oder neu zu schaffen. Die Zaubermittel der künstlichen Intelligenz und die Digitalisierung sind kein Ausweg aus diesem Dilemma. Die künstliche Intelligenz ist nicht zu verwechseln mit der Entwicklung von modernster Technik und Robotern als Hilfswerkzeuge. Die künstliche Intelligenz dient der Überwachung der gesamten menschlichen Gesellschaft. Der Mensch wird vermessen. Die Gesellschaft wird durch Wirtschaftsakteure umgestaltet, die mit digitalen Algorithmen, Applikationen (Apps) und Statistiken arbeiten. Politik und Demokratie laufen dieser Entwicklung nur noch hinterher. Mathematische Daten und Zahlen haben heute schon eine riesengroße Macht über die Gesellschaft. Die Akteure, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, haben kein Interesse mehr an herkömmlicher Philosophie, Literatur oder kulturellen Referenzen. Sie haben aber die Macht. Es ist außerordentlich gefährlich, wenn Macht sich sicher fühlt. Das Wort „künstlich“ im Begriff „künstliche Intelligenz“ ist falsch. Menschliche Intelligenz basiert auf kausalen Argumenten, künstliche Intelligenz hingegen imitiert nur die Ergebnisse unseres Denkens. Künstliche Intelligenz muss also mit Millionen von menschlichen Aktionen gefüttert werden, um damit produzieren zu können. Es gibt bestimmt gute Einsatzmöglichkeiten, die aber eine persönliche Disziplin voraussetzen. In diesem Zusammenhang muss ein Privateigentum an personenbezogenen Daten geschaffen werden. Der Mensch hat heute seine Autonomie teilweise schon an die Maschine abgegeben. Allein dem System der Benachrichtigungsempfehlungen folgt er blind. Es braucht technische und rechtliche Konsequenzen, damit der Mensch seine Autonomie behält oder zurückerlangt. Begriffe wie Demokratie, Diktatur, Gesellschaft, Humanismus, Wohlstand und Selbstbestimmung müssen völlig neu bewertet werden. Seit Jahren zeigen die Chinesen im großen Stil, dass Kapitalismus unter Führung ihrer kommunistischen Partei funktioniert. Sie nennen es sozialistische Marktwirtschaft. Sie haben ein Umfeld für Reformen geschaffen, das neue Ideen zulässt. Deng Xiaoping, dem Vordenker dieser Entwicklung, war klar, dass es egal ist, ob die Katze schwarz oder weiß ist, Hauptsache, sie fängt Mäuse. In Asien arbeiten die KI-Ingenieure am Bau einer intelligenten Stadt – oder wie sie es nennen: Ein Stadthirn, das alle möglichen Informationen über die Stadt und ihre Bewohner sammelt. In Europa glaubte man über drei Jahrhunderte, dass wirtschaftlicher Wohlstand, Demokratie und individuelle Rechte Hand in Hand gingen. In der heutigen Welt muss auch in Europa ein Gleichgewicht zwischen Wohlstand und Freiheit gefunden werden, damit nicht das eine gegen das andere steht. Der chinesische Philosoph Konfuzius war zufrieden damit, der Macht und Justiz zu helfen. Sokrates stand gegen die politische Macht seiner Zeit und wurde hingerichtet. Obwohl in Europa die Rebellion eine andere Tradition hat, steht die Welt insgesamt vor den gleichen Fragen. Konfuzius und Sokrates trennte nur ein Jahrhundert – ein Wimpernschlag in der Zeitgeschichte. Es ist also völlig irrig zu glauben, dass der Mensch einer bestimmten Staatsform bzw. Gesellschaftsform bedarf, um seine Rücksichtslosigkeit gegenüber der Natur auszuleben. Es sei denn, die Lebensstrukturen respektieren die Natur. Jede bisherige Staatsform ist ihrem Wesen nach immer auch eine Diktatur. Menschen werden immer beeinflusst und in gewissem Sinne gesteuert. Der freie Wille und die Autonomie eines Menschen werden zum Luxus. Noch nie wurde diese Beeinflussung und Steuerung zum Nutzen der Natur perfektioniert. Es werden immer Bedürfnisse erzeugt, die dem entgegenstehen. In manchen Gegenden der Welt fühlt sich der heutige Mensch nackt, wenn er sein Mobiltelefon oder seine Fitnessuhr nicht bei sich führt. Diese Beispiele sind nur Winzigkeiten gegenüber eines gigantischen Energieverbrauchs in dieser Welt. Der Haupthebel ist der Verzicht auf völlig aus dem Ruder gelaufene Verhaltensformen, Produktionsstrukturen und Produkte. Das Prinzip von Nachfrage und Angebot ist nicht selten außer Kraft gesetzt. Es werden Märkte geschaffen, wo gar keine Nachfrage war oder ist. Es werden Dinge produziert, die die Welt nicht braucht. Nicht alles entsteht aus den Bedürfnissen der Menschen, vieles entsteht nur in den Köpfen. Alles wird zur Ware und letztlich auch der Mensch. Die wirtschaftlich hoch entwickelten Länder verbrauchen auf ihrem jetzigen Niveau in Zukunft so viele Rohstoffe, dass es für den Rest der Welt gar nicht mehr reicht.
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Die Teilung der Arbeit in die mit dem Kopf, die mit der Hand und deren Variationen ist die Grundlage für Besitz oder Besitzlosigkeit. Der die Arbeit planende Kopf konnte die Arbeit durch die eigenen und andere Hände ausführen lassen. Wer sein Kapital nicht festhalten und vermehren kann, gehört dann zu den Besitzlosen. Das einmal geschaffene Eigenkapital pflanzt sich notgedrungen fort und befindet sich mehr und mehr in den Händen der Besitzenden.
Man muss in diesem System also sehr aufpassen, um nicht unter die Räder zu kommen. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, dem Besitz abzuschwören. Die Lebensart die sich daraus ergibt, kann erzwungen sein, sie kann gewollt sein oder sich mit Hilfe von Freunden erträglich gestalten lassen. Die wirklich Besitzlosen haben keine Feinde. Freunde sind da schon eher hilfreich, dann hat man auch wieder ordentliche Feinde.
Karl Marx, dem das Hauptwerk „Das Kapital“ zu diesem Thema zu verdanken ist, lebte nicht in Reichtum. Man muss Marx in Bezug auf sein Hauptwerk zwingend auf seine wissenschaftliche Leistung begrenzen, sonst verstrickt man sich in eine sehr widersprüchliche Persönlichkeit. Er wurde 1849 als Staatenloser aus Deutschland ausgewiesen, nachdem er in einem Prozess wegen Aufreizung zur Rebellion freigesprochen wurde. Marx ging dann noch im selben Jahr mit seiner Frau Jenny und drei kleinen Kindern ins Londoner Exil. Ein Spitzelbericht der preußischen Geheimpolizei beschrieb die 2-Zimmer Wohnung in der Dean Street, wo sich das Leben der Familie Marx in den ersten Jahren abspielte und wo Karl Marx arbeitete und Emigranten aus aller Welt empfing: „In keiner der Stuben ein sauberes oder anständiges Möbelstück, alles ist zerbrochen, zerschlissen, zerfetzt, fingerdicker Staub klebt darauf…Manuskripte, Bücher und Zeitungen liegen kunterbunt neben Spielzeug und Fetzen aus dem Nähkorb seiner Frau, Tassen mit zerkerbten Rändern, schmutzige Löffel, Messer, Gabeln, ein Tintenfass, Bierseidel, Pfeifen, Asche- alles im wüsten Durcheinander auf demselben Tisch…Sich hinzusetzen, ist nicht ungefährlich. Hier steht ein Stuhl nur auf drei Beinen, dort ein anderer, der heil zu sein scheint, auf dem aber die Kinder Kochen spielen. Dieser wird dem Besucher angeboten, aber das Spielzeug der Kinder nicht entfernt, so dass man seine Hosen riskiert, wenn man wagt, sich zu setzen.“
Diese häusliche Misere soll die Mutter von Karl Marx zur folgenden Äußerung veranlasst haben: „Er hätte sich lieber ums Kapital kümmern als darüber schreiben sollen.“ Solange man noch eine Mutter auf dieser Welt hat, gibt es wenigstens noch einen Menschen, der einem verzeiht. Es ist hinlänglich bekannt, dass Karl Marx sehr große finanzielle Unterstützung durch seinen Freund Friedrich Engels erfuhr. Weniger bekannt ist, dass der von Marx außerehelich gezeugte Sohn, Freddy Demuth, Engels durch offizielle Vaterschaft zugeschrieben wurde. Ein anderer Freund, Wilhelm Wolff, genannt Lupus, hinterließ ihm sein gesamtes Vermögen. Marx verbrauchte alles geschenkte und geerbte Geld im Wesentlichen für seine Arbeiten. Er war nie reich und rauchte die schlechtesten Zigarren. Manche Leute behaupten das Gegenteil. Man muss sich hier auf die jeweils aktuelle finanzielle Situation einigen.
Sein Vater, Heinrich Marx, der von den interllektuellen Fähigkeiten seines Sohnes wußte, ermahnte ihn wiederholt, nicht nur seinen Verstand, sondern auch sein Herz zu bilden. Diese Vatersorgen galten einer der herausragendsten Geistesgrößen des vergangenen Jahrhunderts. An seinem Werk scheiden sich noch heute die Geister.
Die Freunde von Marx ermöglichten ihm durch finanzielle Unterstützung die Arbeit an seinen Schriften. So war es möglich, dass er auch anständige Feinde hatte.
Bei aller Wissenschaft, Abenteurerwesen und Zufällen in der Forschung von Biologie, Chemie, Physik, Mathematik und Gesellschaftslehre, könnten auch alle Entdeckungen mit anderen Namen verbunden sein. Offenbar kommen die Menschen zwangsläufig zu den funktionierenden Formen und Ergebnissen. Wer der These folgt, dass alle Erfindungen der Menschheit auch von anderen Geistesgrößen hätten hervorgebracht werden können, ist, so glaube ich, auf dem richtigen Weg. Die Vielfalt des menschlichen Geistes, in positiver und auch negativer Hinsicht, ist sehr weit gefächert. Alfred Nobel war nur einen Schritt weiter als Ascanio Sobrero, der Entdecker des Nitroglycerin. Der Norweger Roald Amundsen erreichte den Südpol einen Monat früher als der Engländer Robert Falcon Scott. Albert Einstein komplettierte im Februar 1917 seine Relativitätstheorie. Einen Monat später kam das Weltmodell von Willem de Sitter dazu, das Einstein widerspruchslos akzeptieren musste. Die Entwicklung der Dampfmaschine ist nicht allein James Watt, sondern auch Edward Somerset und anderen zu verdanken. Alle Wissenschaft hat also Vorläufer und Zusammenhänge, die letztlich zu den Ergebnissen führten, die heute bekannt sind. Der Chemieprofessor und Apotheker Martin Heinrich Klaproth entdeckte das Element Uran, das Otto Hahn später zur Urankernspaltung führte. Ebenso haben die Entdeckungen von Pierre und Marie Curie ihre Vorläufer.
Der Philosoph Karl Marx konnte zum Beispiel auf den Arbeiten von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Ludwig Feuerbach, Emmanuel Kant und anderen aufbauen. Jeder Wissenschaftler und Entdecker prägt seinen persönlichen Anteil an den Ergebnissen der Arbeiten.
Die Erkenntnis, dass die Philosophen die Welt nur verschieden interpretiert haben, es aber darauf ankäme, sie zu verändern und das die Geschichte der Menschheit die Geschichte von Kriegen ist, geht auf Karl Marx zurück. In der heutigen Welt gibt es sehr viele Gegner des Kapitalismus. Einer dieser erbitterten Gegner ist zum Beispiel der Schweizer Soziologe Professor Jean Ziegler. Ein Mann, der sich international gegen die negativen Erscheinungen des Systems engagiert. Die neoliberalen Befürworter nehmen alle Folgen des Kapitalismus billigend in Kauf. Das Unaufhaltsame kommt ja erst morgen. Das Morgen kommt aber immer schneller auf die Menschheit zu. Selbst Karl Marx wurde bei einer geselligen Runde von einem Bewunderer gefragt: Wer denn im Zukunftsstaat die Stiefel putzen solle. Da erwiderte Marx ärgerlich: „Das sollen Sie tun.“ Als der Mann schweigend die Gesellschaft verlassen hatte, kam die Dame des Hauses mit Ernsthaftigkeit auf die Sache zurück. Die Dame sagte zu Marx: „Ich kann mir Sie auch nicht in einer nivellierenden Zeit denken, da Sie durchaus aristokratische Neigungen und Gewohnheiten haben.“ „Ich auch nicht“ antwortete Marx. „Diese Zeiten werden kommen, aber wir müssen dann fort sein.“
Der Kapitalismus ist die Ordnung, die der menschlichen Natur entspricht und ihr am nächsten kommt. Die Vision einer solidarischen Gesellschaft ist der menschlichen Natur nicht eingepflanzt. Es gab und gibt Klöster und Kommunen aller Art, wo der Wille und der Glaube die Menschen eint. Diese Formen sind aber die Ausnahme. Alle Stufen der Menschwerdung und des Zusammenlebens in Gesellschaften von Menschen führten schließlich zum heutigen Kapitalismus. Der Mensch als Naturprodukt hat sich außerhalb der Natur gestellt. Mit diesem Fakt ist die Entfesselung aller enormen Leistungsfähigkeiten im positiven sowie negativen Sinne einerseits und die schöne Seite des Kapitalismus andererseits geklärt. Dieses System wird die Erde ausbeuten, bis die Menschheit nicht mehr überleben kann. Die menschenfreie Erde wird sich dann wieder erholen und die Natur zurückkehren lassen. Der Prozess einer Menschwerdung, wie durch Charles Darwin beschrieben, ist dann ausgeschlossen. Eine schönere Perspektive kann es für die Erde nicht geben. Die Erde hat immer wieder bewiesen, dass sie die Natur zurückkehren lässt, wo der Mensch nicht mehr eingreift.
Es ist Mode geworden über den Untergang der Menschheit zu reden. Diese Sorge trifft vor allem die Enkelgeneration. Bei diesem Untergang sollte man vordem noch klären, warum das nicht zu verhindern ist. Jeder normale, mitdenkende Mensch hat das Recht auf diese Frage eine unkomplizierte und klare Antwort zu erhalten.
Der Mensch ist ein politisches Geschöpf, das am liebsten sein Leben zu Klumpen geballt verbringt. Jeder Klumpen haßt den anderen Klumpen, weil sie die anderen sind, und haßt die eigenen, wiel sie die eigenen sind.
Dieser Mensch hat der Erde seinen Stempel aufgedrückt. Er denkt nicht wirklich daran, dass er selbst Natur ist. Der Mensch ist ein unvernünftiges Wesen und nur bedingt lernfähig. Die Erkenntnisse, die er beim Lernen sammelt, führen nicht zu einem angemessenen Umgang mit der Natur. Er lebt, als hätte er mit dem Planeten Erde nichts zu tun. Aus allem Unglück und Verbrechen dieser Welt hat er nicht gelernt, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Der Mensch ist ein Meister im Vergessen und Verdrängen. Kaum auszusprechende Verbrechen fallen diesen Eigenschaften anheim. Es wird sich in nicht allzu ferner Zukunft herausstellen, dass sein Überleben nicht mehr funktioniert. Dinge,die einst selbstverständlich waren, sind es nicht mehr. Selbst aktuelle Erscheinungen und neue Tatsachen werden teilweise ignoriert.
Für manche Menschen ist es heute noch schwer vorstellbar, dass der Mensch vom Affen abstammt. Der Mensch kann aber nur von diesen geselligen Wesen abstammen, da er selbst das geselligste aller Wesen ist. Man stelle sich die Geselligkeit der Spanier, Italiener, Russen, Engländer, Iren, Franzosen und anderer Völker vor. In Afrika, Asien, Amerika und anderen Gegenden dieser Welt kann man die gleiche Geselligkeit und Lebenslust erleben. Zum Kummer der Menschheit ist die Aggressivität deutlich stärker ausgeprägt als die Geselligkeit. Bei genauer und gründlicher Beobachtung in der Jetztzeit, sind diese Verwandtschaft zu den Affen und die Aggressivität nicht zu leugnen. Im Besonderen ist es die Aggression, mit der die früheren Affen und heutigen Menschen ihren Besitzstand und ihre Territorien verteidigen und mehren wollen.
Es gibt auch durchaus schöne Eigenschaften am Menschen zu beschreiben, wenn er positiv schöpferisch tätig ist.
Wenn man einem Menschen bei der Arbeit mit Hand und Kopf zuschaut, kann das ein Genuss sein. Es ist das Erlebnis der Arbeit, das den Menschen formt. Er ist handwerklich tätig und auch in Wissenschaft, Kunst und Kultur unterwegs. Nicht allein die Beobachtung des Menschen bei der Arbeit kann ein Genuss sein. Der Mensch selbst erlebt die Höhen der Erkenntnis im Umgang mit Wissenschaft, handwerklicher Arbeit, Kunst und Kultur, sowie im Miteinander. Die menschliche Hand ist ein wahres Wunder der Natur. Die Menschenhand erreichte einen Grad der Vollkommenheit, wie er auf Gemälden von Raffael zu sehen ist. Ein Ludwig van Beethoven schrieb Klavierstücke, bei denen andere Künstler zweifelten, ob man sie auf dem Klavier überhaupt händisch greifen kann. Es gibt immer wieder und bis in die heutige Zeit Menschen mit erstaunlichen Fähigkeiten. Der Mensch kann bei allen schönen Dingen im Miteinander und in der Familie ein Füllhorn voller Glück haben. Dieses Füllhorn hat aber leider immer mal wieder ein Loch. Humanismus und Liebe sind für die meisten Menschen der große Zusammenhalt. Diese beiden Dinge werden regelmäßig durch Kriege außer Kraft gesetzt. Selbst wenn die Mehrheit der Menschen auf der ganzen Erde für Humanismus und Liebe plädiert, gibt es eine Minderheit, die dem entgegensteht. Diese Minderheit ist an Brutalität nicht zu übertreffen. Sie ist die Brutalität selbst. Ihr gehört mittlerweile zu großen Teilen der gesamte Reichtum dieser Welt. Die Verteilung und Mehrung des Reichtums werden in der Öffentlichkeit auch dargestellt, als hätten sie mit Leistung zu tun. Leistung geknüpft an Personen sollte immer mit Rückschlüssen auf Fleiß und Leistungsfähigkeit zu tun haben. Diese einfachen Zusammenhänge sind bei der allmächtigen und brutalen Minderheit außer Kraft gesetzt. Selbst die reichsten Personen sind Gefangene des Systems. Keiner der reichsten Menschen auf dieser Erde braucht soviel Geld und andere Güter zum Lebensunterhalt. Ein solcher Reichtum bedeutet aber Macht im System.
Es gibt für die Mächtigen dieser Welt zu keinem Zeitpunkt mehr den Zustand der Zufriedenheit. Beispiele von Einzelpersonen, die große Teile ihres Vermögens spenden und allgemein nützlichen Zwecken zur Verfügung stellen, sind Ausnahmen. Ausnahmen bleiben auch die positiven Handlungen der Erben dieser Superreichen. Ein junger deutscher Freiwilligenhelfer war 2011 für 14 Tage im japanischen Fukushima und konnte dort auch etliche Millionärssprösslinge aus Australien und den USA beobachten, als diese Lebensmittel in den abgelegenen Dörfern verteilten, die vom Erdbeben zerstört worden waren. Wenn sie etwas Nützliches tun, sollte man sich nicht darüber mokieren. Diese Handlungen beweisen Logik, Verstand und Menschlichkeit. Im Bereich der Waffenindustrie, der Prostitution, des Rauschgifthandels, der Großkonzerne und der Bankenwelt sind solche Handlungsweisen eher selten oder nicht bekannt. Den geschilderten Reichtum sollte man nicht zwingend an Personen festmachen. Natürlich sind es Personen, die da handeln – an erster Stelle steht aber immer das System. Dieses System spuckt jeden aus, der nicht systemimmanent ist. Es ist lange her, als Jesus sagte: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als das ein Reicher in den Himmel kommt.“ Die wirklich Reichen haben sich den Himmel schon auf Erden geschaffen. Das konnte Jesus von Nazareth, König der Juden, der nur 33 Jahre wurde, noch nicht wissen. Er konnte auch nicht wissen, dass 130 Jahre nach ihm das Pfingstfest als Geburtstag der Kirche gefeiert wird. Die Kirchen sind keine armen Institutionen. Als Zeichen des Pfingstfestes gilt die Taube. Nach christlicher Lehre senkte sich der Heilige Geist auf Jesus, als er getauft wurde – in Gestalt einer Taube. Noah liess bei der Sintflut von allen Tieren auf seiner Arche zunächst die Tauben frei. Eine von ihnen kehrte mit einem Ölzweig im Schnabel zurück. Das war das Zeichen, dass die Flut überstanden war und Gott Frieden mit den Menschen geschlossen hatte. Das Symbol der Friedenstaube findet sich auch 1949 in einer Zeichnung von Pablo Picasso wieder. Der Wunsch nach Frieden ist also sehr alt und offensichtlich nicht zu erreichen.
Die Arbeit ist nach Betrachtung der politischen Ökonomen die Quelle allen Reichtums.
Obwohl das so ist, gibt es gravierende Unterschiede zwischen den Menschen. Es können nicht alle gleich reich sein. Trotzdem ist der Unterschied und Leistungsanteil zwischen einer ordentlichen Putzfrau und einem Multimillionär kaum einleuchtend zu erklären. Die Rolle des Geldes ist wahrscheinlich eines der größten Übel, das die Menschheit hervorgebracht hat. Geld ist zuweilen ein Chamäleon. Man kann damit Waren kaufen, man kann es ansparen, um mehr davon zu haben, es gibt den Notgroschen, man kann Geld ohne Feuer verbrennen, es dient der Bestechung, es ist brutal und tödlich und es kann nutzlos inflationär sein. Geld bietet den Menschen den Zugang zu jeder erdenklichen Schurkerei. Mit Sicherheit gäbe es durchaus sinnvollere Dinge auf dieser einen Erde, die man mehren sollte.
Der Mensch hat den Zeitpunkt verpasst, sich eine Ordnung zu schaffen, in der er mit der Natur auskömmlich leben kann. Es wird vieles Wichtige nur halbfertig gedacht und gemacht. Das Unfertige ist allgegenwärtig. Rechtzeitige Korrekturen wären aber immer möglich, wenn die Notwendigkeit erkannt ist. Der Wille zur Veränderung ist jedoch sehr schwach entwickelt. Die bloße Erkenntnis, dass Änderungen notwendig sind reicht nicht aus, man muss es auch tun. Der nötige Wille dazu müsste von grundsätzlicher Art sein.
Dieser Mensch sucht nach einem Glück, dass ihm offensichtlich nicht gehört. Er zeichnet all sein Tun mit den Zeichen der Inkonsequenz und Schwäche. Es gibt also nichts Vollkommeneres auf Erden als das Unglück.
Sein Verhalten führt zu dem kollektiven Selbstmord, der der Menschheit bevorsteht. Wenn dieser Selbstmord vollendet ist, kann die Erde sich wieder von der Menschheit erholen. Das Schöne am Kapitalismus ist also tatsächlich und zwangsläufig die Rettung der Erde und damit der Natur ohne Menschen.
Die Menschheit befindet sich nun im Endspiel mit der Natur. Es ist völlig überflüssig, nach dem Favoriten in diesem Spiel zu fragen.
Es wird nicht mehr möglich sein, alle Probleme und Defizite durch Forschung und Entwicklung in Wissenschaft und Technik zu kompensieren. Mit der Natur kann man nicht verhandeln. Der Mensch erkennt den Zustand seiner Welt und ist nicht bereit, sich zu ändern und zu verzichten. Forschung und Entwicklung sind große Möglichkeiten, bestimmte Dinge zu reparieren oder neu zu schaffen. Die Zaubermittel der künstlichen Intelligenz und die Digitalisierung sind kein Ausweg aus diesem Dilemma. Die künstliche Intelligenz ist nicht zu verwechseln mit der Entwicklung von modernster Technik und Robotern als Hilfswerkzeuge. Die künstliche Intelligenz dient der Überwachung der gesamten menschlichen Gesellschaft. Der Mensch wird vermessen. Die Gesellschaft wird durch Wirtschaftsakteure umgestaltet, die mit digitalen Algorithmen, Applikationen (Apps) und Statistiken arbeiten. Politik und Demokratie laufen dieser Entwicklung nur noch hinterher. Mathematische Daten und Zahlen haben heute schon eine riesengroße Macht über die Gesellschaft. Die Akteure, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, haben kein Interesse mehr an herkömmlicher Philosophie, Literatur oder kulturellen Referenzen. Sie haben aber die Macht. Es ist außerordentlich gefährlich, wenn Macht sich sicher fühlt. Das Wort „künstlich“ im Begriff „künstliche Intelligenz“ ist falsch. Menschliche Intelligenz basiert auf kausalen Argumenten, künstliche Intelligenz hingegen imitiert nur die Ergebnisse unseres Denkens. Künstliche Intelligenz muss also mit Millionen von menschlichen Aktionen gefüttert werden, um damit produzieren zu können. Es gibt bestimmt gute Einsatzmöglichkeiten, die aber eine persönliche Disziplin voraussetzen. In diesem Zusammenhang muss ein Privateigentum an personenbezogenen Daten geschaffen werden. Der Mensch hat heute seine Autonomie teilweise schon an die Maschine abgegeben. Allein dem System der Benachrichtigungsempfehlungen folgt er blind. Es braucht technische und rechtliche Konsequenzen, damit der Mensch seine Autonomie behält oder zurückerlangt. Begriffe wie Demokratie, Diktatur, Gesellschaft, Humanismus, Wohlstand und Selbstbestimmung müssen völlig neu bewertet werden. Seit Jahren zeigen die Chinesen im großen Stil, dass Kapitalismus unter Führung ihrer kommunistischen Partei funktioniert. Sie nennen es sozialistische Marktwirtschaft. Sie haben ein Umfeld für Reformen geschaffen, das neue Ideen zulässt. Deng Xiaoping, dem Vordenker dieser Entwicklung, war klar, dass es egal ist, ob die Katze schwarz oder weiß ist, Hauptsache, sie fängt Mäuse. In Asien arbeiten die KI-Ingenieure am Bau einer intelligenten Stadt – oder wie sie es nennen: Ein Stadthirn, das alle möglichen Informationen über die Stadt und ihre Bewohner sammelt. In Europa glaubte man über drei Jahrhunderte, dass wirtschaftlicher Wohlstand, Demokratie und individuelle Rechte Hand in Hand gingen. In der heutigen Welt muss auch in Europa ein Gleichgewicht zwischen Wohlstand und Freiheit gefunden werden, damit nicht das eine gegen das andere steht. Der chinesische Philosoph Konfuzius war zufrieden damit, der Macht und Justiz zu helfen. Sokrates stand gegen die politische Macht seiner Zeit und wurde hingerichtet. Obwohl in Europa die Rebellion eine andere Tradition hat, steht die Welt insgesamt vor den gleichen Fragen. Konfuzius und Sokrates trennte nur ein Jahrhundert – ein Wimpernschlag in der Zeitgeschichte. Es ist also völlig irrig zu glauben, dass der Mensch einer bestimmten Staatsform bzw. Gesellschaftsform bedarf, um seine Rücksichtslosigkeit gegenüber der Natur auszuleben. Es sei denn, die Lebensstrukturen respektieren die Natur. Jede bisherige Staatsform ist ihrem Wesen nach immer auch eine Diktatur. Menschen werden immer beeinflusst und in gewissem Sinne gesteuert. Der freie Wille und die Autonomie eines Menschen werden zum Luxus. Noch nie wurde diese Beeinflussung und Steuerung zum Nutzen der Natur perfektioniert. Es werden immer Bedürfnisse erzeugt, die dem entgegenstehen. In manchen Gegenden der Welt fühlt sich der heutige Mensch nackt, wenn er sein Mobiltelefon oder seine Fitnessuhr nicht bei sich führt. Diese Beispiele sind nur Winzigkeiten gegenüber eines gigantischen Energieverbrauchs in dieser Welt. Der Haupthebel ist der Verzicht auf völlig aus dem Ruder gelaufene Verhaltensformen, Produktionsstrukturen und Produkte. Das Prinzip von Nachfrage und Angebot ist nicht selten außer Kraft gesetzt. Es werden Märkte geschaffen, wo gar keine Nachfrage war oder ist. Es werden Dinge produziert, die die Welt nicht braucht. Nicht alles entsteht aus den Bedürfnissen der Menschen, vieles entsteht nur in den Köpfen. Alles wird zur Ware und letztlich auch der Mensch. Die wirtschaftlich hoch entwickelten Länder verbrauchen auf ihrem jetzigen Niveau in Zukunft so viele Rohstoffe, dass es für den Rest der Welt gar nicht mehr reicht.
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