Cover: Gedanken eines Gastarbeiters

Gedanken eines Gastarbeiters


EUR 21,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 240
ISBN: 978-3-99146-857-8
Erscheinungsdatum: 29.05.2024
Mitrović hält Rückschau auf ein erfolgreiches Leben in der Schweiz, das im Kontrast zum Chaos auf dem Balkan steht. Eine Abrechnung mit engstirnigen Mentalitäten, die Staaten destabilisieren und Menschen an einer finanziell sicheren Existenz hindern.
Mit dem Schreiben zu beginnen war für mich schwierig. Der erste Schritt dabei ist der erste Satz, der erste Eindruck. Tatsächlich kann das Schreiben sehr einfach sein. Der Mensch muss sich dazu nur ein bisschen Zeit nehmen, damit er keinen Berg von täglichen Verpflichtungen, die er erledigen muss, vor sich hat, der Kopf frei ist – und schon kann er mit dem Schreiben beginnen. Selbstverständlich muss er den Wunsch und die Motivation haben, etwas Geschriebenes zu hinterlassen, und das intime Bedürfnis, sich zu öffnen. Es ist schön, keine größeren finanziellen Probleme zu haben, eine Frau, mit der man alt werden will, erwachsene Kinder, sein Haus, Frieden und genügend Zeit. Endlich kann und muss ich mich mit mir selbst beschäftigen – mit Gedanken über nahe und entfernte Verwandte, Freunde, mit Erinnerungen, Ängsten, Träumen und Fantasien, sprich mit meiner Sicht der Dinge. Ich werde über persönliche, politische, gesellschaftliche Ereignisse meines Lebens und über meine Anschauung und Deutung derselben schreiben. Davor muss ich noch all jenen bekannten und unbekannten kroatischen und serbischen Faschisten, die schon seit fast drei Jahrzehnten in den Gebieten des Balkans ihr Unwesen treiben, sagen, dass ich ihnen nie verzeihen werde, dass sie mir meine Heimat gestohlen haben. Diese Zeilen werden mir sicher helfen, meine Qual zu überwinden, und vielleicht gleichzeitig die Augen manches Homo sapiens auf dem Balkan öffnen. Jenen, die nicht wissen oder verstehen, was Faschismus ist, empfehle ich Google. Vielleicht begreifen diese Dummköpfe dann, in welchen Sumpfgebieten sie heute leben. Noch eine Anmerkung, ich verwende die maskuline Form, aber ich meine damit auch Balkanfrauen, die ordinären, nicht intelligenten Frauen, die durch die Geburt und Erziehung oder besser gesagt Nichterziehung ihrer Kinder schon seit Jahrhunderten aktiv dabei helfen, die Balkangebiete zu verschmutzen, und so täglich das Wachstum des Faschismus am Balkan fördern. Diese zahlreichen Mütter auf dem Balkan sind keine Opfer. Sie sind vielmehr sehr aktive und wissentliche Mittäter bei allen kriminellen Aktivitäten ihrer Männer. Die Balkaner haben es in den letzten dreißig Jahren geschafft, dass aus einer humanen Gesellschaft des ehemaligen Jugoslawien eine faschistische Zusammensetzung der einzelnen Nationen geworden ist. In diesem faschistischen Morast wird die Halbwelt des Balkans nicht mehr lange fortbestehen können. In meinem Buch verwende ich absichtlich Wörter, die heute Teil der neukroatischen bzw. neuserbischen Sprache sind. Tatsache ist, dass diese Wörter zu der Sprache gehören, in der ich schreibe, obwohl sie für viele Ohren seltsam klingen mögen. Für diese Sprache gibt es leider nicht eine, sondern sechs oder sieben verschiedene Grammatiken. Miserable Linguisten des zwanzigsten Jahrhunderts versuchten aus einer Sprache mehrere Sprachen zu erschaffen. Abstoßende Faschisten, die sich selbst gerne Linguisten nennen, streiten sich schon seit über einem Jahrhundert über die kroatische und/oder serbische Sprache. Nach den Bürgerkriegen haben sie es nun geschafft, Amerika zu entdecken, und haben beschlossen, dass es sich hier nicht um eine oder zwei Sprachen handelt, sondern um eine Vielzahl von Sprachen mit unterschiedlichen Vokabeln, Grammatiken und Schriften. Die menschliche Dummheit ist unendlich, hat Einstein einmal gesagt. Diese Quasiintellektuellen sehen ihre Nation als das Allerheiligste und deshalb komponieren sie die passende Sprache, die anders sein soll als die Sprache der ersten Nachbarn. Hinterhältige Linguisten denken so: Wenn mein Volk keine eigene Sprache hat, kann es in diesem Gebiet nicht bestehen. Der Faschismus lehrt sie, dass ein Volk eine eigene Schriftsprache haben muss, damit es sich von anderen Nationen unterscheidet. Deshalb versuchen sie seit so vielen Jahren, künstliche Sprachen zu erschaffen. Die Kroaten haben dies geschafft, indem sie auf die Sprache aus der Zeit des NDH zurückgegriffen haben. Meiner Meinung nach ist in Serbien und Kroatien durch neue faschistische Schulsysteme, die historische Lügen und Halbwahrheiten enthalten, eine Generation von Schülern und Studenten entstanden, die in dieser sprachlichen Hässlichkeit reden, schreiben und denken. Die Erschaffer dieser Schulprogramme sind Zombies jener Staaten, die sie für diese schändlichen Taten belohnt haben. Die jungen Generationen auf dem Balkan hegen auf diese Weise langfristig tiefen Hass und Misstrauen gegenüber den Nachbarnationen. Die juristische Sprache, die in Gesetzen und an den Gerichten der Staaten, in denen verachtenswerte und gefährliche Rechtsanwälte, Staatsanwälte und Richter miteinander korrespondieren, verwendet wird, beinhaltet abscheuliche und leblose Worte, bei denen mir schlecht wird. Zu wissen, dass zum Beispiel die kroatische Verfassung von einem der abscheulichsten Menschen in Kroatien geschrieben worden ist, der in der Armee mit faschistischem kroatischen Abschaum gedient hat, von einem nicht verurteilten Kriegsverbrecher, Kriegskameraden und Verdecker des verurteilten Kriegsverbrechers, der nach Absitzen der Gefängnisstrafe wieder dem kroatischen Parlament angehört, spricht Bände über das gesamte Parlament und alle Parlamentarier, die darin sitzen. Die kroatische Verfassung ist in dieser ekelhaften klerikalen Sprache geschrieben, die weitgehend vom NDH übernommen worden ist. Der Verfasser der kroatischen Verfassung ist ein armseliger politischer Gegner, der mit Freude allen Kroaten noch eine schöne Untat beschert hat, auf die er gewiss besonders stolz gewesen ist. Er ist einer der wichtigsten Akteure bei der Entstehung des bestehenden Wahlgesetzes der kroatischen Republik. Ich stelle mir vor, wie genau dieser Schuft, der in Wahrheit häufiger betrunken als nüchtern ist, manchmal bei einem Glas Wein daheimsitzt und sich selbst gratuliert, diese Abscheulichkeit seinem Lieblingsvolk angetan zu haben. Die kroatischen Faschisten hätten dringend nachprüfen sollen, ob er wirklich ein Kroate ist, weil weder sein Vorname noch sein Nachname kroatisch klingen, und ihn als den Kroaten schadenden Feind demaskieren und alle seine schlechten Einflüsse in der kroatischen Gesetzgebung revidieren müssen. Zu den morbiden Dingen, die mir in meiner Zeit in Dalmatien aufgefallen sind, gehört die Tatsache, dass niemand mehr unter dreißig Jahren die dalmatinische Sprache spricht. Diese wunderbare melodische Sprache mit den italienischen Einflüssen, die in den Büchern von Milijenko Smoje und in den TV-Serien verewigt ist, stirbt mit Schallgeschwindigkeit aus. Für dieses Verbrechen allein schon sollten viele faschistische Wichte in Kroatien eine lebenslange Strafe im Gefängnis absitzen oder, was ich bevorzugen würde, von den eigenen Leuten im Meer ertränkt werden. Ich habe nur ein Beispiel genannt, aber in den Kleinstaaten auf dem Balkan leben noch weitere ähnliche so genannte Schreibtischtäter. Wären diese faschistischen Linguisten auf dem Balkan dazu in der Lage gewesen, in einer anderen Sprache wie zum Beispiel Deutsch zu lesen und zu schreiben und aus ihrem alten, staubigen und stinkenden Büro hervorzukommen, hätten sie vielleicht das Nazigedankengut abgelegt und erkannt, dass es in jedem deutschen Bundesland einen eigenen Dialekt gibt, in dem sich die Bürger tagtäglich unterhalten. Das Gleiche gilt für die Kantone der Schweiz und die österreichischen Bundesländer. Das Einzige, was diese Länder verbindet, ist eine einheitliche deutsche Standardsprache, die im achtzehnten Jahrhundert entstanden ist und die man in allen Schulen lernt. Folglich werden im Alltag, zu Hause und oft auch bei der Arbeit Dialekte verwendet. Überall spricht und schreibt man aber nur in der deutschen Standardsprache, die eine einheitliche Rechtschreibung, ein einheitliches Vokabular und einheitliche Grammatikregeln hat. Für einen Bayern, Walliser oder Tiroler ist die deutsche Standardsprache eine Fremdsprache, die sie nicht gerne verwenden, jedoch müssen sie bei offiziellen Veranstaltungen, in der Schule, im Gericht, im Parlament und an der Universität hochdeutsch sprechen und schreiben. So entstehen durch die einheitliche Sprache echte Intellektuelle, welche die drei Nationen Deutschland, Österreich und die Schweiz repräsentieren. Hochdeutsch zu sprechen, schwächt nicht deren Bindung zur Nation, zum Kanton oder Dorf, aus denen sie stammen. Es gibt also kein Axiom, nach dem eine Nation unbedingt eine eigene Standardsprache haben muss, um zu bestehen. Eines Tages erfinden vielleicht neue halbintelligente Quasiintellektuelle, die sich mit der kroatischen, serbischen, bosnischen, montenegrinischen Sprache und den dazugehörigen Dialekten befassen, eine einheitliche Standardsprache, die in jedem dieser verblendeten kleinen Balkanstaaten verwendet wird. Die Bemühungen, neue Wörter zu kreieren, aus zwei Wörtern ein neues zu erschaffen etc., haben die slawischen Dialekte stark voneinander abgegrenzt. Dabei vertreten renommierte europäische Sprachforscher die Ansicht, dass diese Dialekte zu einer einheitlichen Standardsprache zusammengefasst werden sollten, und das ganz unabhängig davon, wie diese dann heißen mag. Diese Sprache müsste dann in allen Schulen der kleinen Balkanstaaten unterrichtet werden, um den Zusammenhalt zu stärken und um dem Nachbarstaat kein Dorn im Auge mehr zu sein. Es stimmt, dass es wahr ist.
Meiner Meinung nach sollten Vorträge an der Universität ausschließlich in Englisch abgehalten werden und Studenten sollten Prüfungen ausschließlich in Englisch absolvieren. So wird es seit jeher in Skandinavien gehandhabt. Damit würde es auf dem Balkan keine unmoralischen Professoren mit fragwürdigen Motivationen mehr geben. Zugang zur dann weitaus hochwertigeren Ausbildung würden diejenigen erhalten, die wirklich die nötige Intelligenz, Schulbildung, den Willen und die Bereitschaft, sich mit harter Arbeit zu beweisen, besitzen. Wer weiß, womöglich finden Vernunft und Weisheit dann endlich Einkehr in die zukünftigen intelligenten Köpfe auf dem Balkan. Gleichzeitig wären die zukünftigen Akademiker auf dem Balkan in der Lage, aufgrund der hochwertigen Ausbildung und der erlernten Englischkenntnisse überall auf der Welt zu arbeiten. Sie könnten ihre Unternehmen auf dem Balkan oder an jedem anderen Ort gründen. Die Balkanstaaten würden endlich ein Teil Europas und der Welt werden und nicht wie heute deren Arsch. Heute sind die Intellektuellen des Balkans noch nicht bereit für den Rest der Welt, weil um die neunzig Prozent von ihnen (das sind etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung) aufgrund der fehlenden Intelligenz diesen Titel nicht verdient haben, aber wichtige Positionen in diesen kleinen Staaten innehaben. Diese werden sich mit all ihrer Bosheit gegen das bessere und schönere Leben in diesen kleinen Staaten wehren. Ich befürchte, dass das, was für die USA, die Schweiz und Deutschland gut ist, auf dem Balkan nicht umgesetzt werden kann, weil zahlreiche Halbintelligente mit ihrer angeborenen Böswilligkeit dafür sorgen werden, dass das Bessere und Vernünftigere nie gewinnen wird.
Was ich geschrieben habe, ist kein Aufruf zur Vereinigung dieser neu entstandenen Staaten. Ich habe nur meinen persönlichen Wunsch für ein besseres Leben aller Menschen auf dem Balkan zum Ausdruck gebracht. Mein kurzlebiger Optimismus hat momentan meinen ewigen Pessimismus und meine tiefe Überzeugung darüber, dass dies in den nächsten hundert Jahren nicht möglich ist, besiegt. Das Schlimmste ist, dass diese zahlreichen heutigen Semiintelligenten auf dem Balkan, die versuchen, eine vernünftige Welt zu kopieren, das mit ihrem halbgebildeten Gehirn und ihrer korrupten Seele tun, die in faschistischen Bildungseinrichtungen, die sie Schulen nennen, ausgebildet worden sind. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Universitätsprofessoren, Anwälte, Richter, Politiker, Schriftsteller und tragische Künstler und Mediziner. Von ihnen ist, wie uns die jüngste Vergangenheit gezeigt hat, nichts Gutes, Schönes und Edles übrig geblieben. Von Ländern, die ihre Kriegsverbrechen und ihre dunkle, kriminelle Vergangenheit schönreden, kann auch nichts Gutes erwartet werden. Ein Vierteljahrhundert, in dem das faschistische Schulsystem voller Lügen und Halbwahrheiten in Kroatien und Serbien besteht, ist lang genug, um viele Millionen junger Menschen mit faschistischem Gedankengut zu prägen, und davon werden sie sich lange nicht erholen. In Deutschland zum Beispiel sind die Nationalsozialisten nur zwölf Jahre lang an der Macht gewesen, aber dieser Nationalsozialismus lebt dort noch heute, also achtzig Jahre später, in manchen germanischen Hohlköpfen weiter. Serben und Kroaten sind leider praktisch identisch, sodass sogar Auslandskorrespondenten sie mit eineiigen Zwillingen, die schon im Mutterleib mit dem Kämpfen begonnen haben, verglichen. Sie haben nichts anderes geschafft, als sich beinahe wieder zu bekriegen. So Gott will, wird ihnen das bald gelingen. Ich würde niemandem empfehlen, meinen Text oder Worte aus dem Text zu ändern, zu aktualisieren oder zu überarbeiten. Die Sprache, die ich verwende, darf weder der heutigen kroatischen noch der serbischen Standardsprache gleichen. Denn das ist die Sprache, die ich während meiner Zeit im Ausland in mir behalten habe. Falls meine Gedanken in diesem Buch jemals verdreht werden, lasse ich dieses Buch in Kroatien in kyrillischen Buchstaben und in Serbien in lateinischen Buchstaben drucken. Auf diese Weise mache ich es den schmutzigen Faschisten nicht möglich, meine ehrliche Meinung zu lesen und zu genießen. Das Erste, woran ich mich aus meiner frühen Kindheit erinnere oder glaube mich zu erinnern, sind Truppen auf einer Straße, die ich von einer Anhöhe aus beobachtet habe, und die enorme Angst, die ich dabei empfunden habe. Einmal hat mir meine Mutter erzählt, dass ich in der Wohnung, in der ich geboren worden bin, als Vierjähriger versucht habe, vom Balkon zu springen. Zum Glück ist es mir nicht gelungen, weil mein Kopf breiter gewesen ist als der Abstand zwischen den Metallstangen am Balkon. Möglicherweise ist meine irrationale Angst vor Soldaten damals entstanden, wobei sich die unwirkliche Angst vor Uniformierten noch heute irgendwo in mir befindet. Ängste und der tagtägliche Kampf gegen sie prägen und formen alle denkenden Menschen dieses Planeten und anscheinend auch mich. Zu meinem großen Bedauern werde ich diese Tatsache zu spät verstehen. Geboren bin ich in Šibenik, einem malerischen, armen Städtchen an der Mündung des Flusses Krka, in dem nach Ansicht eines Historikers schon seit tausend Jahren Kroaten leben, die heute den größten Teil der Bevölkerung dort ausmachen. Aus der Vogelperspektive und von der Burg aus erkennt man den Verlauf des Flusses Krka von Zaton bis Šibenik, die Halbinsel Srima/Martinska und den Kanal Sveti Ante, mit dem der Fluss Krka im Meer verschwindet. Sobald sie zum Ufer kommen, erzählen viele Bewohner von ihrem Meer und über die ganze Welt, die durch das Meer mit Šibenik verbunden ist. Niemand hat ihnen beigebracht, dass sie seit Jahrhunderten in Wirklichkeit auf das geräuschlose Wasser des Flusses Krka blicken, der sich irgendwo bei der Jadrija mit dem Meer vermischt und in ihm verschwindet. Im Kanal und in der Bucht von Šibenik haben wir stets Strömungen des Meeres und des Flusses in verschiedene Richtungen. Die Bucht von Šibenik wird seit Jahrzehnten mit Abwässern der Stadt verschmutzt, wodurch aus diesem schönen Naturphänomen der Krkamündung eine große, stinkende Kloake entstanden ist, in der zu baden seit Jahrzehnten wegen Krankheitserregern verboten war. Diese Vermischung aus Meer, Krka und Fäkalien ist Lebensraum von Fischen wie dem Cipaille, der vor allem an der Küste gefischt wird. Einzig das Wasser des Flusses Krka reinigt die Bucht von Šibenik und verschwindet unsichtbar im unendlichen und ein wenig saubereren Meer. Der sinkende Salzgehalt des Meeres zwischen Zlarin und Tijat zeigt deutlich, dass das Wasser der Krka auf lange Sicht sogar das Meer besiegt. In alten Zeiten sind Šibenik und seine Bucht durch die Mündung des Flusses Krka gut vor Angriffen vom Festland und vom Meer geschützt worden. Die umliegenden Hügel haben die Stadt verdeckt und versteckt, die Burgen auf den Hügeln haben sie verteidigt und vom Meer aus konnte sie schwer entdeckt werden. Die Burg Sv. Nikola und der Kanal Sv. Ante sicherten von Meeresseite aus die Verteidigung der Stadt. Der Bau von Burgen auf den Hügeln rund um die Stadt und die hohen Mauern der Altstadt von Šibenik sowie die damaligen Bewohner haben es geschafft, die Stadt vor allem vor Angriffen der Türken zu beschützen. Die Venezianer waren diejenigen, die den Bau dieser Burgen und Mauern finanziert haben. Šibenik hatte nie den Status einer freien Stadt wie zum Beispiel Dubrovnik, weil die Einwohner keine erfolgreichen Händler und Seeleute waren. Sie waren Bauern und hatten durch die harte Arbeit keine Zeit dafür. Von Sv. Mihovil aus konnte man rechtzeitig jedes fremde Boot ausmachen, noch bevor man vom Meer aus die Stadt Šibenik erkennen konnte. Im 21. Jahrhundert wurden diese Festungen teilweise restauriert, hatten dann aber eine andere Funktion, obwohl die Steine der Festungen jahrhundertelang gleich geblieben sind. Die Pest suchte die Einwohner der Stadt im 16. Jahrhundert heim und von da an besiedelten sie vor allem Menschen aus den umliegenden Dörfern und viele andere, die über die Hügel von der Balkanseite des Jadrans gekommen waren. Nur wenige wissen, dass die Altstadt von Šibenik Anfang des 20. Jahrhunderts von ähnlichen Mauern umgeben war wie heute noch die Stadt Dubrovnik. Überreste dieser Mauern sind noch an manchen Stellen der Altstadt erkennbar. Einer der ersten kroatischen Politiker in Šibenik war ein sehr intelligenter und weitsichtiger Bürgermeister, dem noch heute viel Lob in der Stadt und in der Umgebung zukommt. Anfang des 20. Jahrhunderts ließ er die Mauern um die Altstadt zerstören. Sein Wunsch war es, dass die Bürger der Altstadt und die zahlreichen Ankommenden sich ohne Mauern annähern konnten. Die tief sitzende Animosität der Bürger von Šibenik gegenüber den Anderen ist ein unbezahlbarer Schatz. Der tüchtige Bürgermeister hat sich wegen dieses Hasses der Bevölkerung dazu entschieden, etwas abzureißen, was ein charakteristisches Merkmal des Balkans ist, und auf diese Weise hat er die gesamte Stadt für immer verschandelt. So haben die Bürger von Šibenik schon von Beginn an ihrer eigener Regierung in der Stadt gezeigt, dass sie lieber zerstören, anstatt zu bauen, lieber kaputt machen, anstatt etwas zu erschaffen. Dieser Bürgermeister, ein unwissender Barbar in der Geschichte, hat den zukünftigen Bürgern und Millionen Touristen eine wunderschöne touristische Attraktion gestohlen. Šibenik wäre heute mit den alten Mauern am Jadran die einzige wahre touristische Konkurrenz von Dubrovnik gewesen.
Dieser Bürgermeister hat so den ewigen Traum aller Bürger Šibeniks, ein gutes Leben ohne viel Arbeit zu führen, zerstört. Šibenik ist eine mittelalterliche Hafenstadt geblieben, da der Hafen in der Moderne nicht mehr erweitert werden konnte. Der enge natürliche Kanal des Flusses Krka kann keine großen modernen Schiffe aufnehmen und im Hafen gibt es nicht genügend Ankerplätze. Eine Herde inkompetenter Architekten und Provinzpolitiker versuchte im letzten Jahrhundert, den Hafen und die Stadt zu modernisieren, dabei haben sie sich redlich und mit viel professionellem Aufwand bemüht, den Hafen und die Stadt zu verunstalten. Es lohnt sich nicht, ins Detail zu gehen. Meine Meinung würde nichts daran ändern, dass die Stadt, wie es aussieht, auch weiterhin stagnieren wird. Auf jeden Fall soll sich jeder Besucher der Stadt Šibenik ein eigenes Bild dieses kroatischen Hafenstädtchens an der Mündung des Flusses Krka machen.
Zum Zeitpunkt meiner Geburt war der Zweite Weltkrieg einige Jahre zu Ende, wie auch für einen Großteil der Bevölkerung auf dem Balkan des 20. Jahrhunderts. Es ist nämlich Tatsache, dass hier Leute vor, während oder nach einem der zahlreichen Kriege geboren wurden. Die Kriege mit riesigen Schwankungen der Bevölkerung, Plünderungen von beweglichem und unbeweglichem Eigentum, Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen waren ständige Begleiter aller Städte und Dörfer der dalmatinischen Adriaküste und des Hinterlandes.
Was ich von Geburt an nicht verstehen konnte, jedoch schnell als Junge und Teenager realisierte, war die Tatsache, dass ich in einer für mich feindlichen Umgebung geboren wurde, inmitten böser Menschen, die durchdrungen waren von enormer Angst und großem Misstrauen gegenüber allem, was neu ist, vor allem Hass auf die einheimischen Serben, die in der Stadt und in der Umgebung lebten. Dieser tiefe Hass und die Furcht vor Neuem sind historisch bedingt und gleichzeitig tief und stark verankert wie in einem guten Schnaps. Dieser Hass und die Angst vor dem Verlust von beschlagnahmtem Eigentum waren ständige Begleiter meines Lebens in all den Jahren, die ich in dieser Stadt verbrachte. Glücklicherweise habe ich drei Viertel meines Lebens außerhalb von Šibenik gelebt, sodass mein Charakter nicht von dieser fremdenfeindlichen Umgebung geprägt wurde.

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