Ein Jamaikaner in Deutschland

Ein Jamaikaner in Deutschland

Marcus Brown


EUR 16,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 38
ISBN: 978-3-99131-164-5
Erscheinungsdatum: 01.08.2022
Ein Jamaikaner aus London in Deutschland?Was auf den ersten Blick etwas kurios klingt, entwickelt sich sehr schnell zu einer berührenden Geschichte über kulturelle Unterschiede und Ausgrenzung.
Meine Kindheit

Jüngstes von 4 Kindern zu sein, brachte viele Nachteile. Alles erfuhr ich als Letzter und ständig musste ich kleine Gefälligkeiten für meine Geschwister erledigen. Meine Brüder hatten viel Einfluss im Bereich Martial Arts Training, und zwar vertraten sie mehrmals die Mannschaft Großbritanniens bei den Judo-Weltmeisterschaften. Die waren groß! Der Einfluss meiner Brüder hat mich sehr erhärtet. Oftmals wurde ich von meinen Brüder als Figur benutzt, um im Garten irgendwelche neuen Judogriffe auszuprobieren. Dieses Ereignis fanden meine Nachbarn über den Zaun von nebenan immer lustig anzuschauen. Aber die Erfahrung härtete mich ab. Früher wurde ich auch mit Judo aktiv, machte es aber nur meinen Brüdern nach.



Der Einfluss meiner Mutter

Meine Mutter tat ihr Möglichstes, uns auf die richtige Richtung im Leben bringen. Sonntags gingen wir alle regelmäßig in die Kirche, und bis heute spielt der Religion eine große Rolle in meinem Leben. Zumal halte ich noch heute den Kontakt zu Bekanntschaften von damals.

Zudem war meine Mutter eine tüchtige Geschäfts­frau, die viel mit dem Verkauf von Schönheitsprodukten zu tun hatte. Im Auftrag meiner Mutter hatten meine Geschwister die Tätigkeit dafür als die Schulden zu sammeln. Oftmals klopften sie an Türen von Nachbarn, um zu behaupten: „Unsere Mutter meinte, wir dürfen deine Türtreppe nicht ohne das geschuldete Geld verlassen.“ Es war amüsant anzuschauen.



Valerie

Während meiner Kindheit waren meine 4 Jahre ältere Schwester Valerie (kurz Val) und ich unzertrennlich. Obwohl wir es nie zugeben würden, sahen wir verblüffend ähnlich aus. Einmal sogar sagte mir jemand aus der Nachbarschaft:
„Ich habe gerade deine Schwester gesehen.“
Ich fragte: „Ich wusste nicht, dass du meine Schwester schon kennst.“
Er antwortete: „Nein, ich kenne sie nicht. Aber sie sieht genauso aus wie du!“
Meine Schwester und ich gingen sowohl zur Grundschule als auch zur Hauptschule zusammen. Oftmals half sie mir gegen die Schikanierung in der Schule. Die Zeit mit meiner Schwester Val zusammen an der Hauptschule verlief harmonisch. Zumal gab es überhaupt keine Verteilung durch Kulturgruppen. Damals in der Schule gab es keine Rassentrennung. Meine besten Kumpels von damals waren sowohl ein Chinese als auch ein Pakistani.
Zuhause damals stellte meine Schwester eine Regelung zur Benützung ihrer Geschirrstücke auf. Da die Geschirrstücke zu einer Sammlung gehörten, war die Regelung: „Mach eins kaputt, kauf sechs zurück!“ Hart, aber wirksam. Ich musste viel Geld fürs Geschirr ausgeben! Aber es gab mir den Anreiz, ihr Geschirr nicht kaputt zu machen.
Stark war meine Schwester auch. Einmal, als sie mich mit ihrem Fernseher in meinem Zimmer erwischte, zog sie den Stecker des Fernsehers heraus, und im Alleingang trug sie den Fernseher die Treppe hoch zu ihr nach oben. Ich sah nur verblüfft mit offenem Mund nach.
Einmal fuhren wir zusammen sogar im Urlaub nach Spanien. Dort stritten wir so viel miteinander, dass einige Touristen dachten, dass wir verheiratet waren!
Val konnte gut Sopran im Chor in die Kirche singen. Zudem war ihr schauspielerisches Talent nicht schlecht. Einmal ergatterte sie die Rolle als „Annie Oakley“ im Film „Annie get your gun“ an der Schule. In dieser Rolle musste sie auch singen.
Was Sport betrifft, spielte sie anfangs Netball, aber später im Leben entwickelte sie sich zu einer begeisterten Hockeyspielerin.
Nachdem sie die Hauptschule mit 18 verlassen hatte, arbeitete sie ununterbrochen bei der Bank.



Tragödie

Der frühe Tod meiner Mutter mit 50 war eine Tragödie. Meine liebevolle Mutter starb an Brustkrebs, als ich erst 13 war. Sie hatte damit viel gelitten. Alles ging schnell. Plötzlich war sie weg. Mit 13 verstand ich alles nicht. Oftmals sagten mir einige Familienmitglieder: „Sie ist von uns gegangen.“ Darauf wollte ich wissen „Wohin?“ und „Wann kommt sie zurück?“
Der Tod meiner Mutter erschütterte die ganze Familie zutiefst. Sicherlich war meine Mutter das Bindeglied für die ganze Familie. Danach ging die Familie auseinander. Ich erinnere mich noch an die Zeit direkt nach der Beerdigung meiner Mutter. Im Flur diskutierten meine älteren Geschwister zusammen über ihre nächsten Pläne im Leben. Plötzlich schauten die beiden zu mir runter mit der Frage: „Und was machen wir nun mit ihm?“
Mein Bruder heiratete mit 21, dann haute er bald ab. Meinen Vater sah ich viel weniger zuhause, er war oft mit fremden Frauen unterwegs. Nur meine Schwester blieb pflichtbewusst länger bei mir zuhause, bis ich 18 war. So oft wie möglich übernahm sie die Mutterrolle, es war hart für ein junges Mädchen. Sie war meine Vertrauensperson Nummer 1. Ständig bombardierte ich sie mit Fragen, aber ich bekam immer eine Antwort. Sie war wirklich ein Engel!



Spannung mit meinem Vater

Um ehrlich zu sein, war mein Vater nie da gewesen, und wenn doch, gab es im Nachhinein immer eine gewisse Spannung zwischen uns beiden dabei. Die Lage eskalierte völlig an meinem achtzehnten Geburtstag, als er mich mit dem Gürtel windelweich schlug, während ich noch im Schlafanzug lag. „Dies ist ein Geburtstag, den du nie vergessen wirst!“, schrie er währenddessen. Natürlich hat er völlig recht, von meiner Kindheit erinnere ich mich am meisten an diesen Geburtstag. Bis heute halte ich meinen Körper in Form, um nie wieder so eine Situation zu erfahren, oder vielleicht, um mich wehren zu können, wenn doch?
Die Nachwirkung des frühen Todes meiner Mutter bleibt unbeschreiblich. Sicherlich führte es auch dazu, dass ich mich an nichts für eine längere Zeit festsetzen könnte, immer auf der Suche nach etwas Besserem und nie zufriedengestellt.



Beruflich in London

Meine berufliche Laufbahn war als Verkäufer geprägt. Ich probierte einige Verkaufsbranchen aus, z. B. Teppich-Reinigungsmittel von Tür zu Tür verkaufen, Mobiltelefone an Firmen verkaufen, sogar am Telefon Werbeplätze im Auftrag von Charitäten verkaufen. Außerdem arbeitete ich einmal als stellvertretener Manager im Schuhgeschäft. So liefen die Höhepunkte meiner beruflichen Laufbahn als Verkäufer in London.

Nach einer traumatischen Kindheit in London war ich fest entschlossen, eine andere Richtung einzuschlagen. Einen Tapetenwechsel könnte ich gut gebrauchen, und nebenbei wollte ich mich endgültig von der Kontrolle meines Vaters befreien.



Eine verhängnisvolle Affäre –
Die Geschichte von Marcus und Julia

Marcus dachte immer, er könnte eine langfristige Liebesbeziehung nur mit einer Frau aufbauen, die ähnlich wie er gelitten hatte. Mit 13 verlor er seine Mutter an Brustkrebs/Leukämie. Seine Mutter hatte eine kurze Zeit sehr gelitten, und plötzlich war sie weg. Marcus war zu jung, um diese Tragödie wirklich zu verstehen. Mit 16 verlor auch Julia früh im Leben ihre Mutter.



Erste Begegnung

Die beiden begegneten sich ganz zufällig bei der Arbeit im großen Einkaufszentrum. Es war die Liebe auf den ersten Blick, obwohl die beiden davon nichts wussten. Er arbeitete im Schuhgeschäft, sie im Klamottenladen in der Nähe. Es funkte zwischen den beiden sofort. Später bei einer Party machte Julia den ersten Schritt. Während sie halbwegs auf der Treppe saß, stieg Marcus plötzlich hinauf und zufällig begegneten sie sich. Julia stürzte mutig auf ihn mit einem Kuss zu. Zuerst war Marcus überwältigt, trotzdem gefiel es ihm und er erwiderte den Kuss. Sie gingen beide raus. Ganz zufällig war auch eine stark regnerische Nacht und so wirkte es noch romantischer.
Es gab leider ein Problem: Marcus war mit einer schwarzen Frau liiert. Zudem war diese Frau schon bei seiner Familie bekannt. Marcus hatte Schuldgefühle, seine Freundin betrogen zu haben. Nichtsdestotrotz machte er einfach weiter mit der Liebesaffäre mit Julia, einer weißen Frau. Diese verbotenen Früchte schmeckten ihm unheimlich gut!
Erwischt!
Danach konnte diese dreieckige Beziehung nicht andauernd weiter gehen. Die zwei Welten würden eventuell zusammenstoßen. So war es. Tage später vergnügte sich Marcus zuhause mit Julia. Plötzlich klopfte seine Freundin an der Tür und erwischte ihn. Danach gab es ein großes Geschrei auf beiden Seiten und einige Tränen. Sogar sein vorbeigehender Nachbar beobachtete die ganze Situation, ging aber schnell weiter, um sich nicht einzumischen. Wütend schrie Marcus’ „Ex-Freundin“ ihm zu: „Ich hoffe, am Ende kriegst du AIDS!“
Nicht sehr nett. Er sah sie nie wieder.
So fing alles turbulent zwischen Marcus und Julia an. Die zwei wussten damals nicht, wie weit sie beide von dieser verhängnisvollen Affäre geprägt sein würden. Unterschiedlicher könnten die beiden nicht sein, trotzdem fühlten sie sich stark miteinander verbunden.



Widerstand der Familien

Die Familien auf beiden Seiten waren gegen die Fortsetzung der Beziehung. Marcus’ fünf Jahre älterer Bruder, ein praktizierender Prediger, beschrieb es so: „Getrennt sind die beiden gut, aber wie Dynamit, wenn die zusammenkommen.“ Zudem behauptete er, da die beiden mutterlos waren, seien die beiden blind und würden die ganze Zeit nur damit verbringen, gegenseitig die blinden Winkel des Partners zu decken. Anschließend meinte er, die beiden würden sich letztendlich gegenseitig zerstören. Heftig!



Hintergrund des Paares

Marcus war ein Junge aus dem Süden Englands, während Julia ursprünglich aus den Norden von England kam. Marcus war in einer streng gläubigen Familie großgezogen worden. Er kam aus relativ armen Verhältnissen. Jeden Sonntag ging er mit der Familie in der Kirche. Julia hingegen ging widerwillig in die Kirche; nur für drei Dinge. Wie sie es so eloquent darstellte: „matches, hatches und despatches“ (entweder die Taufe, die Hochzeiten, oder die Beerdigungen).
Julia war ein Mädchen aus den Norden, aus reichem Familienhaus. Sie schwimmt in Geld! Monatlich bekam sie eine beträchtliche Geldspritze von ihrem Vater. Aber Julias Vater drohte, letztendlich den Hahn zuzudrehen, wenn sie die Beziehung mit Marcus nicht zügig beenden würde. Nichtsdestotrotz blieben die zwei Turteltauben zusammen, trafen sich regelmäßig allein bei Marcus zuhause.
Leider setzte Julias Vater seine Drohung um und beendete tatsächlich ihren monatlichen Geldzuschuss. Natürlich war dies für Julia schmerzhaft, sie blieb aber trotzdem mit Marcus zusammen.
Marcus studierte jahrelang in der Schule. Julia hingegen studierte nie, hatte aber ein Gespür fürs Geschäft. Noch dazu hatte sie einen Sinn für Humor. Ihrer Meinung nach ist ein Mann nicht auf der Suche nach ihrem Bibliotheksausweis, wenn er die Hände unter den Rock einer Dame steckt! Kurz und gut war Marcus ein Bücherwurm, während sie eine Geschäftsfrau war. Aber die Gegensätze ziehen sich bekanntlich an.



Umziehen nach Spanien

Monaten später wohnten sie in einer relativ kleinen Wohnung zusammen. Julia war die treibende Kraft von den beiden. Die
Macherin. Irgendwann kam sie auf die Idee, nach Spanien umzuziehen. Außer Familienbindungen gab es keinen Grund, in England bleiben zu müssen. Julia war fest entschlossen, nach Spanien reisen, mit oder ohne Marcus. Sie setze ihm die Pistole auf die Brust.
Man könnte behaupten, Julia zeigte sich ziemlich narzisstisch. Den Einfluss von Marcus’ Familie auf ihn merkte Julia immer und wollte ihn lieber davon trennen. Als Narzisst wollte sie lieber ihren Partner von allem isolieren, damit sie totale Kontrolle über ihre Beziehung ohne fremde Einwirkung sichern konnte. Langsam gefiel auch Marcus die Idee, mit Julia nach Spanien umzuziehen.



Abschied

Kurz vor der Abreise nach Spanien verabschiedete sich Marcus von seiner Schwester. Seit dem Tod ihrer Mutter war die Beziehung zwischen Marcus und seiner vier Jahre älteren Schwester stärker geworden. Grundsätzlich übernahm sie die Rolle seiner Mutter so oft wie möglich. Von daher gab es sowohl Tränen als auch Schmerz, als Marcus sie zum letzten Mal an ihrem Arbeitsplatz besuchte. Danach fuhren die beiden los nach Spanien.



Rückzahlung der Kaution

Ihr Vermieter versprach, das Geld für die Kaution im Lauf der Zeit nach Spanien zu überweisen. In Spanien angekommen, ergatterten sie eine schöne, erschwingliche Wohnung auf Benalmadena, in der Nähe von Malaga. Sofort erkundigten sie sich telefonisch nach der Überweisung der Kaution. Die beiden waren nämlich auf das Geld angewiesen. Irgendwie eskalierte der Anruf zu einem Streit. Anschließend legte der Vermieter einfach den Hörer auf!
Dumm gelaufen. Jetzt saßen Marcus und Julia in Spanien auf dem Trockenen, anscheinend hoffnungslos. Sie erreichten einen deutlichen Tiefpunkt. Sie waren dazu gezwungen, einfach zuhause zu hocken und von Zigaretten und Essensresten zu überleben. Es sprach sich bald herum, wie ernst die Lage der beiden war.



Time-Sharing

Zuerst probierten Marcus und Julia aus, Time-Share zu verkaufen. Es ging darum, Touristen auf die Straße ansprechen, um ihr Interesse für eine „Time-Sharing“ Firma zu erwecken. Die Firma brauchte junge Leute wie Marcus und Julia, um die Touristen von den Straßen weg zu ziehen und paarweise ins Taxi zu laden, um zur Firmenzentrale zu fahren. Dort angekommen, werden die Touristenmit verschiedenen Verkaufstaktiken
bombardiert.
Grundsätzlich verkauft die Firma Urlaubswohnungen und verfügt über mehrere Wohnungen. Um die Provision zu erhalten, mussten die für die Firma auf die Straße arbeitende junge Leute die Touristen paarweise von der Straße holen, um sie mit dem Taxi zur Zentrale zu transportieren. Witzig war es einmal, als einige junge Leute das Wort „Paarweise“ wortwörtlich nahmen, indem sie einfach ein paar Schäfchen im Taxi schoben!
Marcus und Julia probierten diese Arbeit aus. Leider hielten sie es nicht länger als einen Tag aus. Auf der Straße herumstehen fühlte sich für Julia an wie Prostitution. Sie ging schleunigst wieder nach Hause. Bei Marcus dauerte es aber ein paar Stunden länger. Jedoch war es auch für ihn schwer, einfach auf der Straße herumstehen, um Touristen anzulocken.

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