Cover: Der Sturm wird stärker. Ich auch!

Der Sturm wird stärker. Ich auch!


EUR 18,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 134
ISBN: 978-3-7116-0671-6
Erscheinungsdatum: 22.07.2025
Sie träumte vom Bauernhof und bekam ein Gefängnis. Lena Langstrumpf erzählt, was viele verschweigen – eine wahre Geschichte über Liebe, Gewalt und das schleichende Ende eines Traums.
Jeder von uns hat seine Geschichte, das ist meine …


… und wieder stürmt er ins Zimmer, seine Ader an seinem Hals pulsiert und seine blitzenden blauen Augen sprühen vor Hass. Mein Puls wird automatisch schnell, obwohl es mir schon so egal ist … Es ist eine Frage der Zeit, bis er es zu Ende führen wird. Ich habe das Gefühl, sowieso keinen Ausweg zu haben. Ich beiße mir auf die Zunge, um nichts mehr auf seine Lügen und Angriffe zu erwidern … Zu viele Worte sind gefallen, endlose sinnlose Schreibereien auf WhatsApp und Co. – eine direkte Kommunikation habe ich, um die Kinder vor seinen Aggressionen zu schützen, eingestellt, und ums Recht haben geht es hier sowieso schon lang nicht mehr. Ich flüchte in die Küche, um die Eskalation vor den Augen der Kinder zu vermeiden …

Julian kennt sich schon aus … Zu oft hat Papa die Mama schon so behandelt … Zu oft ist er schon durchgedreht und doch sehe ich aus den Augenwinkeln, wie er mit weit aufgerissenen Augen in unsere Richtung starrt … dann instinktiv zu seiner kleinen Schwester läuft, … die das Ganze noch nicht so gut versteht, … diese umarmt und Richtung Büro führt, … um sie zu schützen …

Währenddessen fliegt schon der Kleiderständer im hohen Bogen – wie eine Dampflok kommt er hinter mir nach … Er lässt sich Zeit dabei, genießt es offenbar – die Spannung, wo er Angst und Schrecken verbreiten kann …

Früher … ja früher … da habe ich meinen Sohn geschnappt, habe mich ins Auto gesetzt und bin gefahren … gefahren und gefahren … einfach weg … weg von ihm … weg von seinen Aggressionen … weg von seinen Angriffen.

Eine kleine Pause, um durchzuschnaufen … Julian, Gott sei Dank ein Kind, das nach 5 Minuten Autofahrt die Äuglein schließt und tief und fest schnarcht … Endlich – keine Sekunde länger hätte ich meine Tränen zurückhalten können, und so fahre – ICH – „starke“ Mama mit meinem schnarchenden Zwerg auf der Rückbank durch die Gegend, auf der Suche nach meinem verlorengegangenen Stolz oder zumindest einem Ausweg …

Wenn ich Glück hatte, dann hat er sich, bis wir wieder daheim waren, beruhigt und so getan, als wäre nie etwas passiert. Es gab aber auch schon andere Tage … wie das eine Mal, als er total ausgetickt ist, wegen … ich weiß nicht mal mehr den Grund – ich denke, es war wieder eine von seinen Lieblingsausreden. Die Arbeit sei ja so anstrengend, sein Leben so sinnlos und ohne Freude, er wird erst Freude und Liebe oder Fröhlichkeit empfinden bzw. geben können, wenn er sein Haus abbezahlt hat und und und … und deshalb kann er am Wochenende oder an den Abenden nicht entspannt, geschweige denn lieb sein –, es tut ihm ja so leid, aber er stehe unter so großem Druck, und ich müsse das verstehen.

An Verständnis und Mitgefühl meinerseits hat es nie gefehlt –, viel zu lang habe ich ihn und sein Handeln bestärkt, indem ich ihm immer wieder verziehen habe.

Wozu man doch fähig ist – als Mutter und Frau, wenn man nicht raus kann und für die Kinder funktionieren MUSS.

Verdrängen, ertragen, sich erniedrigen lassen … lieblos, entwürdigend und dann bei der geringsten Harmonie und Aufmerksamkeit Hoffnung schöpfen, dass es nun vorbei ist, die schwierige Zeit, wo die Kinder klein waren und die Arbeit stressig.

Doch irgendwann kommt dann der leichte Hauch an Klarheit immer öfter durch, und die Realität holt dich gnadenlos wieder ein. Langsam und laut schleicht sie sich an, … genauso wie er, … wenn er mal wieder mit hochrotem Kopf und vor Zorn sprühenden Augen hinter dir nachkommt und du nicht weißt, wie weit er heute gehen wird … du nicht schnell genug beide Kinder ins Auto verfrachten kannst, um ihm zu entkommen, und vor allem, wo du nicht mal mehr weißt, wo du hin sollst … denn Verständnis hat niemand mehr für deine Situation, und die scheinbare Hilfe, die man ja überall bekommt … wo ist die an einem Tag wie heute?!

Es hat geschneit … früher bin ich übergegangen vor Glücksgefühl … wenn alles so leise wird … Nicht mal mehr die Autos sind laut … Die Schneedecke überzieht sanft den ganzen Schmutz der Straßen, und alles wird entschleunigt. Die Hektik ist draußen – man kämpft sich im Schritttempo durch den stockenden Verkehr in die Arbeit und hat irgendwie so ein Gefühl der Zusammengehörigkeit – gemeinsam und rücksichtsvoll bewältigt man das Abenteuer „Schnee“.

Ich habe es geliebt, wie ein Kind durch den neuen Schnee zu stapfen, das Knirschen unter den Schuhen zu hören und mit der Zunge die Schneeflocken zu fangen.

Wo ist diese freie, unbefangene Zeit??? Wo ist diese Leichtigkeit, wo ist mein Lachen – wo bin ich???

Kann nicht ein kleiner Schneesturm mein jetziges Leben kurz einfrieren, … alles langsam machen und ruhig? Eine Eisdecke sich über alles legen und beim Auftauen alles wieder gut sein …? Ich möchte wieder lachen … von Herzen … und ehrlich … ich möchte in den Spiegel schauen und stolz sein … auf mich … auf meine beiden wundervollen Kinder … auf mein Leben … ich möchte einen Mann an meiner Seite, der meine Kinder genauso liebt und vor allem auch mich … der mich respektvoll und würdevoll und vor allem auf Augenhöhe behandelt … Ist das denn zu viel verlangt? Gibt es diese Version von Familie überhaupt, die ich in meinem Kopf und in meinem Herzen sehe?

Oder gibt es nur noch kaputte Beziehungen, die Schadensbegrenzung betreiben – wegen Geld und sonstigen Gründen halt als Familie auftreten und im Inneren einsamer sind als jeder andere Single dieser Welt …

Jetzt bedeutet viel Schnee nur noch eins … – ICH KANN NICHT AUS … Ich kann mich nicht ins Auto setzen und wegfahren, weil ich die Einfahrt nicht mal rauf kann, solange er sich nicht dazu herablässt, diese mit dem Traktor zu räumen. Ach, wie habe ich diese Abgelegenheit am Anfang geliebt, … doch jetzt ist es phasenweise ein wahr gewordener Alptraum …

Auch Schutz bei seinen Eltern zu suchen, die einige Hundert Meter entfernt wohnen, habe ich aufgehört …

Als er mal wieder völlig ausgetickt ist und ich mit Baby zu ihnen rauf wollte, um Schutz zu suchen, und als Antwort eine Moralpredigt erhalten habe, was ich nicht ihrem armen, armen Sohn alles antue und dass immer zwei zum Streiten gehören und ich schon meinen Teil dazu beitragen würde … und dass es ein Wahnsinn ist, dass ich ihm das Kind entziehe, wenn wir streiten.

Dass ich völlig verzweifelt versuche, mein Kind aus der Schusslinie zu bekommen und vor ihm in Schutz nehmen möchte, wird mir nun als Kindesentziehung vorgeworfen.

Ja klar, zum Streiten gehören zwei. Aber Psychoterror mit Einsatz von körperlicher Überlegenheit, Bedrohung, verbales und handgreifliches Überschreiten von Grenzen … und die Situation der finanziellen Abhängigkeit mit Erpressung und Drohung zu untermauern und auszukosten – das hat nichts mit einem normalen Streit zu tun, und das geht sowas von 100 Prozent nicht von zweien aus, auch wenn seine lieben Eltern sich das noch so sehr wünschen.

Den Kontakt zu seinen Eltern, der zu Beginn so harmonisch begonnen hat –, hat er mit seiner unkontrollierten und auch oft nicht versteckten Eifersucht ganz schnell zerstört. Ich habe des Friedens willen den Kontakt zu seinen Eltern minimiert – was ihm Raum gab, mich bei jeder Gelegenheit auszuspielen. Seine Eltern, die grundsätzlich auch ihre Ecken und Kanten haben, ansonsten aber auch den Enkelkindern zuliebe immer halbwegs um Harmonie bemüht, wurden von Beginn an mit Lügen und Halbwahrheiten gefüttert.

Natürlich war das in seinem Sinne, dass ich so wenig wie möglich Kontakt zu ihnen pflegte, somit hatte er freie Bahn für seine manipulativen Spiele.

Mit Manipulation und hintenrum hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nur niederschwelligst im Büro durch die lieben Kolleginnen zu tun und hatte ich hier grundsätzlich – immer an das Gute im Menschen glaubend – eine etwas naive und blauäugige Einstellung!

Ludwig hatte jedoch mit seinen beiden Brüdern, gegen die er sich schon als kleines Kind behaupten hat müssen, einiges mehr an Erfahrung als ich in petto.

Das absichtliche Gegeneinander-Aufhetzen und -Ausspielen, welches aktiv von seinem eigenen Vater, dem lieben Opi, ausging, hat bei allen bis heute Spuren hinterlassen. Doch der würdige Hofnachfolger musste weise gewählt werden, denn der Vater dachte – wie immer – nur an sein eigenes Wohl.

Also wurde Ludwig auserkoren, der Jüngste der Dreien, der, der am unsichersten und am leichtesten steuerbar war und ist.

Dass dieser dann mit der Gesamtsituation eigene Familie, Haus, Hof, Arbeit und die lieben Eltern im Nacken, überfordert zum Workaholic und Alkoholiker mutierte, lag irgendwie auf der Hand.

Er versteht es bis heute auch nicht, warum denn trotz seines unermüdlichen Einsatzes und dem Versuch, es allen recht machen zu wollen, vor allem ich, seine Leistung, die er mit Aggression, Macht und Dominanz zur Schau stellt, nicht entsprechend honorieren kann.

Hm, wie gesagt, an Verständnis, Beistand und auch Mitleid mangelte es nie. Doch habe ich weder ihm, unserer Beziehung und schon gar nicht unseren Kindern etwas Gutes damit getan.

Wenn’s um die Alten geht, dann sind die ja davon überzeugt, bei den eigenen Kindern nichts falsch gemacht zu haben.

Dass der Älteste der drei Brüder – ein herzensguter Mensch, der selbst lange Jahre im Glauben gelassen wurde, dass er einmal den Hof übernehmen dürfe – seit Jahren nicht mehr einen Fuß auf den elterlichen Hof setzt und der Vater scheinheilig dazu meint, er hätte keine Ahnung, warum das denn so sei, und der Mittlere trotz Frau und zwei kleiner Kinder seiner Drogensucht frönt und erst kürzlich komplett durchgedreht und den gleichen Terror wie Ludwig bei mir zu Hause bei seinen Eltern veranstaltet hat, wird hier dezent unter den Teppich gekehrt.

Offensichtlich hat sich Opa sogar im Zimmer einsperren müssen, um vor dem völlig irren Angriff seines eigenen Sohnes zu flüchten.

Grund für den verbalen, wenn er ihn erwischt hätte, bestimmt auch körperlichen Angriff war, dass Opa mit der Auswahl der Pflanzen, die sein lieber Sohn als Hobbygärtner gewählt hat, nicht konform ging.

Marihuanapflanzen im vom Opa geschenkten Haus gefielen Opa dann doch nicht so gut!

Opa, sein Leben lang gewohnt, dass wenn etwas nicht in seinem Sinn ist, mit brachialer Gewalt zur Tat geschritten und bei Bedarf alles niedergemäht und ausgerissen wird, hat hier wohl die Antwort seines Sohnes unterschätzt!

Diese Erfahrung durften auch einige liebe Nachbarn, deren Bäume, Büsche und Pflanzen mit ein paar Blättern über die Grundstücksgrenze lugten, machen!

Dass der eigene Sohn, wo ja die Eltern ALLES richtig gemacht haben, diesen persönlichen Angriff auf seine geliebten Pflanzen nicht einfach dankend hinnahm, war für den bis dahin mit wohl zu wenig Gegenwind gesegneten Vater unerklärlich.

Irgendwie hatte ich fast Lust, sie daran zu erinnern, dass sie sich doch nicht so anstellen sollen, denn zum Streit gehören nun mal zwei, und sie haben doch bestimmt ihren Teil dazu beigetragen und haben jetzt halt die verdiente Reaktion bekommen.

Gleich wie sie mir es damals erklärt haben, als ich mit meinem kleinen Schatz Schutz erwartet hätte.

Aber nein … Ich bin immer noch nicht so weit, mich auf deren Niveau zu begeben. Nein, ich bin anders, immer noch blauäugig auf der Suche nach Harmonie und Frieden. Im Glauben an das Gute im Menschen und in der Hoffnung, dass all die Liebe, das Verständnis und die gute Energie mal erwidert werden.

Ich stelle mir immer öfter die Frage: Ist der Mensch dafür gemacht, sich ein Leben lang an einen Partner zu binden? Gibt es diesen einen Seelenmenschen, der Glück und Liebe auf Dauer bewirkt?

In guten wie in schlechten Zeiten, ohne auf religiöse Verbindungen näher einzugehen, ist der Mensch rein körperlich, geistig, seelisch und vor allem hormonell dazu überhaupt in der Lage …?

Wie schlecht dürfen denn die schlechten Zeiten sein? Und vor allem wie lang? Bis dass der Tod euch scheidet?

Wie sehr sich immer mehr Männer genau diesen einen Satz zu Herzen nehmen, sieht man eh schon fast wöchentlich in den Medien. Da wurde mal wieder eine Frau umgebracht.

Mein erster Gedanke: Wie tragisch, die Arme, das müssen ja echt schlimme Umstände gewesen sein. Wahrscheinlich irgendwelche Zuwanderer, da ist es ja bekannt, dass die Frauen mit Gewalt gemaßregelt und unterdrückt werden. Da kann es schon mal vorkommen, dass die eine oder andere es eben nicht überlebt.

Und dann lese ich doch zwei, drei Zeilen weiter, obwohl ich es schon abgehakt und in meine Schublade für „tragisch, aber was soll man bloß dagegen machen?“ eingestuft habe, dann steht da: Es war eine Familie aus Tirol … Sie: Mitte 40, zwei kleine Kinder, der Vater habe sie umgebracht, ein Streit sei eskaliert, nähere Details nicht bekannt … Und schon läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken und der Gedanke an die armen Kinder schnürt mir den Hals zu …

Ob die wohl alles mit ansehen mussten? Wo die wohl jetzt leben müssen? Ohne Mama, ohne Vater. Bei seinen Eltern? Die ja quasi irgendwie an der zumindest frühkindlichen Prägung ihres eigenen Sohnes, des vermeintlichen Mörders, einen wesentlichen Teil zu seinem Sein beigetragen haben. Kann man denen dann überhaupt Kinder anvertrauen?

Besser noch: bei ihren Eltern, die hoffentlich noch leben und verfügbar sind? Aber was ist, wenn es so wie bei mir ist? Die Mutter seit Jahren ein chronisches Darmproblem und nach einem Suizidversuch in langjähriger psychologischer und psychotherapeutischer Behandlung. Geschieden. Mein Vater, allein lebend in einer Mini-Wohnung. Wem würden sie wohl die Kinder geben?

Seinen Eltern, die Altbauern, die ja sowieso daheim sind und Zeit für die Kinder haben. Oh nein … was für ein Alptraum. Damit dann meine Kinder auch so irre und emotional verdreht werden wie Ludwig und seine Brüder.

Mein Blick wandert zu Valentina, meine kleine, wunderschöne, hübsche Puppe, die am Boden sitzt und mit den Dinos ihres Bruders laut knurrend spielt. Ich muss lächeln, bei ihrem Anblick geht mir das Herz auf …

Sie ist so was von hübsch und süß und für ihre zwei Jahre, durch ihren großen Bruder, auch schon so weit in ihrer Entwicklung. Und Julian, der jetzt schon bald in die Schule kommt … so ein lieber, gescheiter und großer Bub, der leider schon viel zu oft ernst durchs Leben geht … Die Zeit, wo er mich als liebevolle Mutter gebraucht hat, war überschattet durch die endlosen Streits mit seinem Vater …

Aber was denke ich da schon wieder …? In anderen Familien wird auch gestritten … Er wird seinen Weg schon gehen und er wird es schaffen.

Und vor allem, was bitte sollte ICH auch nur im Entferntesten mit dieser Frau in Tirol zu tun haben? Die hatten bestimmt größere Probleme als wir.

Und wie das so ist mit diesen Morden – sie müssen nur regelmäßig und oft genug stattfinden, und das Gewohnheitstier Mensch empfindet diese Umstände relativ schnell als schrecklich, aber „normal“.

Wie es auch ein Reporter gerade eben erst auf den Punkt gebracht hat: Eine Schießerei in Los Angeles – 10 Tote … und es ist egal!!!!! Ein kurzes Aufhorchen in der Bevölkerung – kurz gecheckt, ob man eh niemanden in der Gegend kennt, dann back to business.

Eine App informiert über das aktuell stattgefundene Gewaltverbrechen, das war’s. Die Menschen sind schon an die tägliche Gewalt gewöhnt!

Da frage ich mich: Was läuft bloß falsch beim intelligenten, scheinbar sozial hoch entwickelten Menschen???

Was meine eigene Sache angeht: Meine Mutter würde das natürlich mit ihrem Hang zum Dramatischen wieder komplett anders sehen, aber ich erzähle ihr schon lang nicht mehr, was wirklich los ist. Auf ihre Frage „Wie geht es dir?“ die Standard-Antwort: „Alles gut. Und dir?“

Ihre Standard-Antwort: „Mein Rücken schmerzt mal wieder unendlich, ich konnte in der Nacht kaum schlafen und muss mich ständig am Tag hinlegen, und mein Durchfall nimmt auch wieder neue Ausmaße an, und neulich beim Einkaufen hab ich es nicht mehr auf die Toilette geschafft – liegt wohl am Beckenboden … Das war mir sooooo peinlich … Jetzt kann ich nicht mal mehr einkaufen gehen …“

„Mama, hast du dir schon mal überlegt, Beckenbodengymnastik zu machen?“

„Ja, in vier Wochen habe ich eh einen Physio-Termin, der soll mir das dann zeigen.“

„Mama, du weißt aber schon, dass man die Übungen alle im Internet googeln kann und die gar nicht schwer sind, man muss sie nur jeden Tag machen. Du musst in die Eigenverantwortung gehen, da kann dir kein Physio mit einem Termin helfen, du musst selbst an dir arbeiten, jeden Tag.“

„Ja, mein Töchterchen, ich weiß eh … Ich schau es mir an …“

Im Wissen, dass sie, wenn sie es sich überhaupt anschaut, höchstens zwei Mal schafft, sich zu den Übungen aufzuraffen, lege ich auf und denke mir insgeheim, dass das nicht meine Mutter sein kann. Die starke Frau, die ich immer vor Augen hatte, die ALLES selbst gemanagt und erledigt hat und keine Hilfe von irgendwem oder irgendwas brauchte, die ihr Leben zu 100 Prozent im Griff hatte.

Aber war sie das je, oder war das alles nur eine Fassade, die nach und nach zu bröckeln begann? Nach ihrem Burn-out wegen Mobbing auf der Arbeit, Frühpension und zweimaligem Suizidversuch, seit Jahren in psychologischer und psychotherapeutischer Behandlung, sieht ihre Welt ganz anders aus.

Das könnte Ihnen auch gefallen :

Buchbewertung:
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder