Das Leben ent-ERNST-en

Das Leben ent-ERNST-en

Cornelia Hürlimann


EUR 16,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 174
ISBN: 978-3-99107-938-5
Erscheinungsdatum: 23.11.2021
Das Leben von der heiteren Seite sehen? Wie geht das? Wie wäre es, wenn wir nicht alles so „ERNST“ nehmen, sondern alles auf den Kopf stellen, eben: „ent-ERNST-en“? Entdecke im Alltäglichen das Lustige mit Leichtigkeit und gewinne an deiner Unvollkommenheit mehr und mehr Freude.
Humor Standby-Modus?

In jedem von uns ist der Humor angeboren. Dem Humor die nötige Beachtung zu schenken, ist die Kehrseite des ERNSTes. Als ich die Ausbildung zur kunstorientierten Coachie genoss, stand auf einem Modul Theater und Tanz auf dem Programm. Ich freute mich riesig. Der Vorhang auf der Bühne öffnet sich für mich, damit ich ICH sein darf und volle Aufmerksamkeit erhalte. Mit meinem Sein andere mit meiner Fröhlichkeit anzustecken. Die Bühne ist ein Element, da vergesse ich ein Stück weit alle mir antrainierten Etiketten, welche mir eingetrichtert wurden. Meines Erachtens ist auf der Bühne mehr erlaubt als auf der Straße. So gab uns Studenten der Vater der EGS, den Auftrag, zwei Minuten mit einer roten Nase und einer selber ausgewählten Kopfbedeckung auf der Bühne zu stehen. Der Scheinwerfer nur auf diese Person gerichtet. Ohne etwas tun zu müssen, sondern einfach dazustehen und zwei Minuten mit der roten Pappnase auf der Bühne sein. Geschehen lassen, was kommt und sich im Vertrauen üben, so zu sein, wie man eben ist. Ein leichtes Kribbeln pulsierte in meinem Körper. Vielleicht deshalb, weil ich diese ART von Bühnenpräsenz seit Jahren nicht mehr genießen konnte. Und die Angst sich in den Vordergrund drängte, gut sein zu wollen, zu genügen, und schlussendlich geliebt zu werden. Und jetzt zwei Minuten dastehen – kann jemanden, der an heftigem Lampenfieber leidet, sehr lange vorkommen – ohne etwas Tun oder Sagen zu dürfen. Sich selber aushalten. Ich schaute und fühlte mich zum Gründungsvater sehr hingezogen und hatte ihn in meinem Visier. Es vergingen Bruchteile von Sekunden. Plötzlich gelang es ihm nicht mehr, sein herzhaftes Lachen zu unterdrücken. Ich lachte mit ihm um die Wette und dieses Spiel, sich im Gegenüber zu spüren, mit lobpreisender Fröhlichkeit, durchdrang meinen ganzen Körper. Tränen der Freude, Tränen des Seins, Tränen des Aufgestauten und Unterdrückten, Tränen des Losgelösten kugelten über meine Wangen und schlugen den Saas‑Fee-Bergbächen Konkurrenz. Es war, als ob in mir ein Schalter umgelegt wurde. Ich stelle fest, hier während des Schreibens, dass dies der Grundstein meines weiteren Werdeganges war. Der Gründungsvater und viele andere halfen mir, die humorgeballte Seite neu zu entdecken und zu leben.

Nerv der Zeit getroffen

Im Jahre 2012 beendete ich mein 3‑jähriges Studium an der European Graduated School in Saas-Fee mit einem Titel Master of Expressiv ART. Während dieser Ausbildung begegnete ich mir selber in vielerlei ausdrucksvollen Kunstformen wie Malen, Singen, Musizieren, Theater, Bewegung/Tanz, Poesie, Naturwerken und vielem mehr auf wohltuende und wohlwollende ART. Ich durfte und lernte voll und ganz, ICH zu sein.
In der Zeit davor drehte sich alles um die Rolle der Mutter, Ehefrau, Teambegleiterin, Motivatorin und vieles mehr. Zuerst kamen viele andere Menschen vor mir. Das Anpassen in der Familie, als Partnerin, Mutter, Tochter, Schwiegertochter, ließ ich geschehen. In meinem Innern wich die Freude und eine Schwermut schlich sich durch die Hinterstube in meine innere Atmosphäre. Selten fühlte ich mich in meinem Sein angenommen. Dank diesem persönlichen Prozess während dieser Ausbildung erwachte mein inneres spielfreudiges Sonnenkind, und meine begeisternde WesensART erhellte mein Umfeld. Professor Paolo Knill, der mich während des Einführungsseminars in einer Sitzung coachte, brachte es fertig, in mir sämtliche Tore der Kreativität und des Ausdrucks aufzustoßen. In dieser Atmosphäre und an diesem Ort war es mir erlaubt, zu mir zu stehen. Mit meinen Flöhen zu tanzen, meine Kreativität auszuleben, die Bühne des Lebenstheaters zu gestalten, wie sie mir gefällt und meiner Stimme im Gesang Kraft zu verleihen. Es fühlte sich an, als ob ich neu geboren wurde. Ich blühte wie eine Blume auf, die in der Wüste plötzlich Wasser empfing. Die Erwartungen von außen eroberten nicht mehr mein Sein, sondern ich konnte meine Bedürfnisse mit jedem Tag besser und besser formulieren und lernen, zu mir JA zu sagen. Wie oft habe ich für mein Umfeld Dinge verrichtet, um zu Gefallen und zu oft auf Äußere, aus dem Herzen kommende Wertschätzung gehofft! Meine Masterthesis lag auf der Hand – Wertschätzung. In den Spuren der Vergangenheit erkannte ich die Sternschnuppen meines Seins. Eine tiefe Dankbarkeit ist neu geboren, meinem Gegenüber, das mir von seiner inneren Atmosphäre erzählt. Es öffnen sich Räume des liebevollen Miteinander. Während eines kreativen Workshops oder heute auch während einer Hypnosesitzung wirkt das Unsichtbare, egal ob wir es sehen oder erkennen. Es IST. In der Gegenwart werden die Verbindungsfäden gefestigt, um so sich als Teil des Ganzen zu fühlen.
Dank dieser Ausbildung eroberte ich auf allen Sinnesebenen mein fehlendes Lebenselixir zurück. Der ausgedorrte Liebestank füllte sich neu. Meine angeborene Begeisterungskraft kehrte zurück und ich fühlte innerlich eine tiefe Zuneigung zu mir selbst und steckte die meisten in meinem Umfeld damit an. Die Freude, das Strahlen, mein Lachen erhellte wieder und fand DaseinsBerechtigung.
Kurz nach dem Master-Abschluss saß ich bei meiner Cousine am Tisch, und sie fragte mich, was ich mit dieser besonderen und nicht oft gehörten Ausbildung nun vorhabe. Ich antwortete intuitiv: „Ich kann mir vorstellen, Humorvorträge anzubieten und durchzuführen, um eine Fröhlichkeit den Menschen ins Gesicht zu zaubern. Symbiotisch einen Lachregen kreieren, um gestärkt und verwandelt in den Alltag zurückzukehren“. Meine Cousine war in einer Frauengruppe tätig, die sich einmal im Monat trifft und meinte, dass sich ein Abend bei ihnen bestimmt durchführen ließe. Innert Kürze war der Termin gesetzt und ich stellte ein Abendprogramm für ca. 12–15 Frauen zusammen. Oft kommt es anders als Frau denkt. Über 30 Interessierte füllten den kleinen gebuchten Saal und jeder Stuhl war besetzt. Ich war aufgefordert, das geplante Programm der Menge entsprechend anzupassen, spontan zu sein, intuitiv zu handeln und ein Lachen jedem Teilnehmenden ins Gesicht zu zaubern. Ich erlaubte uns, die begrenzten Komfortzonen zu durchbrechen, mit Mut Dinge zu tun, die wir bis zu jenem Abend noch nie gemacht haben. Und genau das war schlussendlich ein Teil des Erfolgsrezeptes, warum ich für weitere Veranstaltungen angefragt wurde. Das Lachen wurde zu neuem Leben erweckt und die manchmal verschlafenen Lachmuskeln angekurbelt.
Es wurde mir mit jedem weiteren Humorvortrag „ERNST“ mit dem Humor – und daraus entstand mein Buchtitel. Den lieben Alltag, der länger anhält als die Ferien oder die Geburtstagsfeier, ent‑ERNST‑en. Zahlreiche Momente im Alltag huschen vorbei, ohne dass wir dem Gegenüber ein Lächeln zukommen lassen.
Seit Jahren trage ich in meiner Tasche oder manchmal auch in einem Beutel eine rote Pappnase und weiß, dass ich sie jederzeit bei schwierigen Gesprächen, Ärger, Wut oder Angst aufsetzen kann. Es reicht manchmal nur schon der Gedanke an die rote Nase – ohne sie in Wirklichkeit aufzusetzen – und die ernste Seite des Lebens weicht mit einem Flügelschlag von Leichtigkeit in eine humorvolle neue Sichtweise.
So habe ich schon ungeplant die rote Nase angezogen und für Überraschungseffekte bei Menschen gesorgt oder zumindest die Bereitschaft wach gekitzelt, eine Verwandlung herbeizuführen.
Eines Tages stand ich mit einer Kollegin im Stau und es ging fast gar nicht mehr vorwärts. Das Warten dehnte sich aus. Ich schaute sie an. Ich blond – sie blond. Zwei Frauen in einem schwarzen BMW‑Cabriolet – und die Idee ist geboren.
Wir stülpten beide eine rote Nase über und lachten beim gegenseitigen Betrachten gehörig. So geschah etwas, das wir uns bis heute nicht erklären konnten. Lücken im Stau öffneten sich. Autofahrer winkten uns mit manchmal heftigem Winken zu, dass wir fahren sollen, und im Nu konnten wir den Stau hinter uns lassen.
Die hohe Kunst ist nicht nur, sich die Pappnase aufzusetzen, sondern die damit einhergehende Haltung.
5 Sterne
Authentische, ehrliche Lebensgeschichten - 12.12.2021
Martina P.

Leichte, verdauliche Lesekost. Sehr bildlich geschrieben, so, dass man als Leser das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein. So manches Schmunzeln habe ich mir NICHT verkneift! Mit hilfreichen, praktischen Tipps.

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