Cover: Bonito und ich

Bonito und ich
Mein Leben mit Bonito


EUR 19,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 78
ISBN: 978-3-7116-1452-0
Erscheinungsdatum: 28.04.2026
Eine wahre Geschichte über eine junge Frau, die nach einer schweren Kindheit unbeirrbar ihren Weg geht. Die Liebe zu Pferden gibt ihr Halt, Mut und Kraft. Am Ende findet sie ihr Traumpferd Bonito – und mit ihm 21 Jahre tiefes Glück.
1996 wurde mein Traum vom eigenen Pferd wahr. Mein ganzes Leben hatte sich um Pferde gedreht. In meiner Jugend waren Pferde mein Beruf. Ich ließ mich zur Bereiterin ausbilden, um später Reitlehrerin zu werden. Zu einem eigenen Pferd hatte ich es nicht geschafft.
Man soll die Hoffnung nicht aufgeben. Bis sich mein Traum erfüllte, war es ein langer und beschwerlicher Weg.
Die altmodische Einstellung meines Vaters machte es mir schwer, meinen Traum von einem Leben mit Pferden zu verwirklichen. Bis ich endlich meine Mutter auf meiner Seite hatte, sah es schlecht für mich aus.
Nach Ansicht meines Vaters war Reitlehrer ausschließlich ein männlicher Beruf.
Ich wollte fort von Daheim. Warum? Dazu später mehr.
Mein Vater zwang mich in eine Lehre als Bürokauffrau. Es war ausgeschlossen, dass ich in diesem Beruf je glücklich würde. Im Büro und auch daheim redete ich von nichts anderem als von Pferden und meinen Träumen. Ich nervte meine Mitmenschen, weil es für mich kein anderes Thema gab. Ich kämpfte weiter, ich hatte nichts zu verlieren und ich wusste, nur durch meine Hartnäckigkeit konnte ich zum Ziel kommen.
Eines Tages war es dann so weit: Mein Vater gab nach, HURRA!

Ich hätte meine Lehre gern auf einem Gestüt begonnen, doch auf mein Zeitungsinserat meldete sich nur einer, Wolfgang Marlie. Er hatte an der Ostsee eine Reiterpension, war selbst Reitlehrer und gab mir die Chance, bei ihm anzufangen.
Heute kann ich sagen, ich hätte es nicht besser treffen können. Mit sechzehn Jahren ging ich an die Ostsee, in ein völlig neues Leben. Ich lernte reiten und hatte nicht vor, jemals etwas anderes zu machen.




Endlich konnte ich mein eigenes Leben führen, endlich konnten sich meine Träume erfüllen. Leider zerschlugen sich meine Träume im Laufe meines Lebens sehr oft. Nur meinen Traum vom eigenen Pferd ließ ich mir nicht nehmen.
Bestimmt sagt sich mancher: „Mein Gott, Pferde gibt es doch genug, warum und auf was wartet sie so lange?“
Ganz einfach, ich hatte meine ganz bestimmte Vorstellung von meinem Fohlen. Ich war sicher, dass ich dieses ganz besondere Tier irgendwann finden würde.

1996 war es dann so weit. Ich bekam Bonito als fünf Monate altes Fohlen.
Mein Mann, Oskar, und ich fuhren für ein paar Tage zu meinen Eltern in die Nähe von Paderborn, wo ich auch aufgewachsen bin. Das Reitpferd meiner Nichte hatte ein Fohlen bekommen. Das ist nun nichts Außergewöhnliches und passiert täglich überall auf der Welt. Und jedes hat seine eigene Geschichte. Doch diese Geschichte ist anders und es ist meine Geschichte.

Rigoletta, so hieß die Stute, hatte eine dumme Angewohnheit: Sie beknabberte alles, ob das Knöpfe, Reiß- oder Klettverschlüsse waren, alles wurde beknabbert. Durch diese Unart hatte sie schon zwei Fohlen verloren, sie beknabberte nämlich auch Nabelschnüre, bis nichts mehr da war.
Diesmal sollte das nicht passieren. Der Besitzer der Stute hatte seinem Sohn aufgetragen, auf Rigoletta und ihr Fohlen aufzupassen. Leider schlief der junge Mann ein. Bei seinem Aufwachen war es schon passiert. Rigoletta hatte das eine Bein ihres Fohlens nicht sehen können, da es von Stroh bedeckt war. Diesmal hatte Rigoletta nicht geknabbert, aber sie hatte ihrem Fohlen das linke, vordere Hufbein gebrochen. Bonito, so hieß das Fohlen, konnte die ersten drei Wochen nur mit umgeknicktem Huf laufen. Da Fohlen sehr schnell wachsen, konnte man das Bein erst nach drei Wochen eingipsen. Der Gips musste auch sehr schnell wieder abgenommen werden. Es waren bange Wochen, doch es ging gut.

Als ich Bonito nach drei Monaten das erste Mal sah, war alles wunderbar verheilt.

Und jetzt kommt es: DA STAND ES; MEIN Traumfohlen!

Ich hatte es gefunden. Leider glaubte ich zu dem Zeitpunkt nicht, dass es je mir gehören würde. Meine Nichte wollte es für sich behalten und sie hatte die älteren Rechte.
Also Schicksal, nimm deinen Lauf.
Und das Schicksal nahm seinen Lauf. Allerdings einen sehr traurigen Verlauf: Als Bonito fast fünf Monate alt war, starb Rigoletta. Halbstarke hatten das arme Tier zu Tode gehetzt. Für meine Nichte ging die Welt unter. Sie hatte Rigoletta so sehr geliebt, mit deren Tod kam sie nicht zurecht. Jetzt wollte sie Bonito nicht mehr behalten. Er erinnerte sie zu sehr an seine Mutter.

Des einen Unglück ist des anderen Glück. Für mich stand fest: Bonito gehört zu mir.
Nachdem ich mit Bonitos Besitzer gesprochen hatte und alles soweit geregelt war, musste ich noch meinen Mann über unser neues Familienmitglied in Kenntnis setzen. Für meinen Mann war es keine Überraschung, schließlich hatte ich jahrelang nach meinem Fohlen gesucht und endlich gefunden.
So kam es, dass wir uns am nächsten Tag ans Telefon hängten. Es war noch einiges zu regeln, bevor wir Bonito holen konnten.

Eine Bekannte von uns hatte ein großes Grundstück gepachtet, wo sie ihre zwei Araberhengste hielt. Sie war sofort einverstanden, dass Bonito bei ihren Pferden einzog. (Warum sie gleich so begeistert zugesagt hatte, erfuhr ich erst später).
Ihren Transporter lieh sie uns auch und zum Schluss gab es noch ein sechs Monate altes Hengstfohlen. Das würde einen prima Spielgefährten für Bonito abgeben. Besser konnte es gar nicht laufen. Nach einer Woche waren wir so weit, dass wir Bonito holen konnten. Mein Mann fuhr die weite Strecke nach Paderborn und ich kümmerte mich um den Rest, es sollte alles perfekt sein.
Am nächsten Nachmittag war es dann so weit. Nie werde ich diesen Tag vergessen. Heute wurde Bonito fünf Monate alt. Es war der 05.11.1996. Der Transporter fuhr vor und ich traute meinen Augen nicht. Uns präsentierte sich ein „großer“ Bonito. Wir alle machten große Augen und ich wurde gefragt, ob ich mir einen Reitelefanten zugelegt hätte. Es war kaum zu glauben, dass ein fünf Monate altes Fohlen schon so groß sein konnte.
Natürlich war Bonito im Ganzen noch ein Fohlen, also unfertig. Aber er war wunderschön. Vor allem seine großen, seelenvollen Augen hatten es mir angetan. Wenn er mich anschaute, schmolz ich dahin. Meine Liebe zu Bonito schlug hohe Wellen.
Ich blieb bis zum Abend bei den vier Hengsten und beobachtete ihr Kennenlernen. Bonito lief den erwachsenen Pferden entgegen, als begrüße er alte Freunde. Ich denke, er war einfach nur glücklich, endlich wieder unter Pferden zu sein. Er zeigte im richtigen Moment aber auch Respekt.

Ibikus, das zweite Fohlen, hatte unter den erwachsenen Pferden sehr gelitten. Er hatte verschiedene, teilweise heftige Verletzungen am ganzen Körper. Ich verstand nicht, dass man hier noch keinen Tierarzt geholt hatte.
Endlich hatte Ibikus einen Beschützer. Er blühte unter Bonitos Obhut förmlich auf. Das war in der nächsten Zeit gut zu erkennen. Von Anfang an hängte sich Ibikus an Bonito und wich nicht mehr von seiner Seite. Er schien zu wissen, dass er in Bonito einen starken Beschützer hatte.
Am nächsten Tag bestellte ich den Tierarzt. Ibikus’ Wunden mussten versorgt werden. Und ich wollte dem Tierarzt meine neue Errungenschaft vorstellen.

Es wurde ein schwerer Tag für mich.




Ibikus’ Wunden stellten sich als vorwiegend harmlos heraus. Doch was der Tierarzt dann über Bonito sagte, war nicht harmlos: „Der wird niemals ein Reitpferd“, sagte der Tierarzt, „Er ist falsch ernährt worden und dadurch viel zu schnell gewachsen!“
Ich war am Boden zerstört. Mein Traum sollte dahin sein? Niemals!

Am Abend telefonierte ich mit Bonitos ehemaligem Besitzer. Nach ein paar netten Einleitungsworten kam ich zum eigentlichen Grund meines Anrufs. Ich informierte den Mann über die Aussage des Tierarztes und fragte ihn, mit welchem Futter er Bonito aufgezogen habe. Der Mann meinte, Bonito habe das beste Futter bekommen, das es auf dem Markt gibt: Kälbermastfutter – Peng! Absolut „tödlich“.
Erst mal sagte ich dazu nichts. Das war ein „Hammer“. Dann klärte ich den Mann behutsam auf, dass Kälbermastfutter für Fohlen absolut ungeeignet ist, nur für den Fall, dass er sich wieder ein Pferd anschafft.
Unser Gespräch verlief recht freundschaftlich. Ich machte dem Mann keine Vorwürfe. Es würde nichts ändern und er hatte in gutem Glauben gehandelt.

Ich zog einen weiteren Tierarzt hinzu. Der machte mir Mut. Er sagte, er habe vor Jahren auch solch ein Fohlen gekauft. Niemand habe ihm Mut gemacht, doch er wollte sein Fohlen nicht aufgeben. „Heute ist es ein tolles Reitpferd“, sagte der Tierarzt. „Wie haben Sie das gemacht?“, fragte ich den Tierarzt. „Ich habe es wie ein Hungerpferd gehalten, nur Heu zum Fressen, sonst nichts, aber Vorsicht, es treten Mangelerscheinungen auf, die nicht zu unterschätzen sind.
Das wäre die Rettung, so wollte ich es machen.

Es folgten schwere Zeiten, nicht nur für Bonito. Doch am Ende hatte es sich gelohnt. Nach zwei Jahren konnte ich einen wunderschönen Hengst mein Eigen nennen.




Doch bis dahin war es ein weiter Weg.

Bonito war zwar noch sehr jung (hier werde ich verschiedentlich auf Kritik stoßen), ich arbeitete schon damals mit ihm. Was ich meinem Fohlen zumutete, konnte ihm nicht schaden. Es war mehr ein Spiel und es festigte die Bindung.
Ich ließ Bonito ohne Longe um mich herumlaufen. Bonito lernte schnell und es schien ihm Spaß zu machen. Er brach an keiner Stelle aus, obwohl er dazu genug Gelegenheiten hatte.
Dann legte ich Stangen. Bonito konnte damit natürlich nichts anfangen. Ich nahm ihn am Halfter und führte ihn im Schritt über die Stangen, dann im Trab. Plötzlich schien es bei ihm „Klick“ zu machen. Die nächsten Runden schaffte er allein.
Inzwischen beteiligte sich auch Ibikus an dem Spiel. Er ignorierte zwar die Stangen, lief aber sonst auf Schritt und Tritt mit.

Nach ein paar weiteren Runden beendete ich das Spiel. Klopfte Bonito den Hals und lobte ihn wie einen Großen – Ibikus auch.

Bonito wurde von Tag zu Tag besser. Die Stangen waren schon längst kein Problem mehr.
Dann stellte ich ein Cavaletti dazu. Bonito nahm das neue Teil neugierig an und beschnupperte es von allen Seiten. Wir machten es wie anfangs mit den Stangen. Ich nahm ihn am Halfter und führte ihn im Schritt an den Sprung heran, dann ließ ich ihn darüber steigen. Danach im Trab. Auch jetzt stieg er etwas unbeholfen über den Sprung. Jetzt ließ ich ihn in Galopp fallen – und er – sprang! Toll!

Während Bonito meinen Anweisungen mehr oder weniger folgte, sah Ibikus zu oder lief auch mal ein paar Schritte mit. Das Spiel sollte freiwillig sein. Wenn die Fohlen Lust hatten, machten sie mit. Wichtig war, dass ich keinen Druck ausübte.

Bonito und Ibikus genossen ihre Kindheit. Natürlich war mir klar, dass es irgendwann zur Trennung der Fohlen kommen musste. Aber bis dahin …

Alles war okay. Die Sonne schien, die Fohlen spielten und die erwachsenen Pferde grasten. Konnte die Welt schöner sein?

Später dachte ich oft an unser Spiel zurück, denn Bonito vergaß es bis ins hohe Alter nicht. Er lief auch als erwachsener Hengst um mich herum, ohne Longe, und er brach an keiner Stelle aus.

Mein Bonito hatte ein gutes Gedächtnis!




Dann machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. 1996 war das letzte weiße Weihnachten, an das ich mich erinnere. Die Wasserleitungen froren ein. Die Koppeln waren eine einzige Eisfläche mit unzähligen Stolperfallen. Dadurch wurde auch der Offenstall unbrauchbar. Jetzt war guter Rat teuer.

Frau Kling, die Besitzerin der Araberhengste, hatte zwei Boxen gemietet, wo sie ihre Pferde im Winter unterstellen konnte. Das hieß, die Fohlen waren heimatlos.
Ich fragte mich, was sie wohl mit Ibikus gemacht hätte, wären Bonito und ich nicht auf der Bildfläche erschienen. Sie schätzte mich richtig ein. Endlich hatte sie jemanden, der sich für Ibikus verantwortlich fühlte.
Ich stellte die Fohlen vorübergehend bei einem Bauern unter, aber es war wie gesagt, vorübergehend.

Jetzt hatte ich nicht ein Fohlen, um das ich mich sorgen musste, wortlos hatte man mir ein zweites Fohlen aufs Auge gedrückt. Schuld hatte ich selbst. Ich hatte mich von Anfang an um Ibikus gekümmert, als wäre er mein Fohlen. Was blieb mir auch anderes übrig? Der Kleine tat mir einfach leid.

Ibikus gehörte einem Mann aus Stuttgart, einem Freund von Frau Kling. Ein ziemlich oberflächlicher Mensch, der sich absolut nicht um sein Fohlen kümmerte. Er war nur am Verkauf interessiert.

Armer Ibikus. Ich gab mir doppelt so viel Mühe, dass es dem Kleinen an nichts fehlte.
Also, packen wir’s an. Eile war geboten.

Nach einigem Suchen fand ich einen Pferdehof, sogar ziemlich in der Nähe. Gerhard und Hannelore Wopert, die Besitzer des Pferdehofs, waren nicht sehr begeistert, als ich mein Anliegen vorbrachte. Sie hatten schon zwei Hengstfohlen und wollten keine weiteren Fohlen aufnehmen.
Nach einigem Hin und Her konnte ich Gerhard überzeugen und bekam die Zusage.
Am nächsten Tag zogen wir ein. Wir hatten etliche Zuschauer, als wir „meine“ Fohlen ausluden und in den Offenstall brachten.
Bonito, der es gewohnt war, „das Zepter zu schwingen“, trat dementsprechend selbstsicher auf. Ich war stolz auf mein Fohlen. Bonito war offensichtlich ein Führer und Kämpfer. In null Komma nichts hatte er seine kleine Gruppe im Griff.
...

Das könnte Ihnen auch gefallen :

Cover: Bonito und ich

Zoran Mitrović

Primo der Partei Secondi

Buchbewertung:
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder