Cover: Through the Dark with Her

Through the Dark with Her


EUR 23,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 78
ISBN: 978-3-99130-631-3
Erscheinungsdatum: 23.03.2026
Als Roy Sheyla, die Liebe seines Lebens, kennenlernt, scheint das Glück perfekt. Bis sie ihm ihr düsteres Lieblingsversteck zeigt, das von Mal zu Mal morbider wird. So richtig wird Roy nicht aus ihr schlau. Doch dann verschwindet Sheyla plötzlich …
Sommer 2029

Ich bin auf der Hochzeit meines besten Freundes Till Sherman aus der Oberschule. Schon damals waren wir von Anfang an unzertrennlich, weshalb ich heute auch sein Trauzeuge sein darf. Ich fühle mich wahnsinnig geehrt, denn es war schon immer mein Traum, Trauzeuge zu sein. Eigentlich wollte ich erst nicht. In seinem Blick und in der Art, wie er mich fragte, sah ich ihm auch an, dass es ihm unangenehm war, mir diese Aufgabe zu geben. Dennoch sagte ich sofort zu, weil er schon immer wie ein Bruder für mich war und um auch etwas wieder bei ihm gutmachen zu können. Das schulde ich ihm einfach.
Ich putzte mich also für den Abend angemessen raus. Seine Frau Kara, mit der er schon seit der Oberschule zusammen ist, ist wunderschön, und einer der Liebsten Seelen die ich kenne, einfach eine Traumfrau. Und er ein perfekter Gentleman, sie passen perfekt zueinander. Er trägt einen braunen Bart, ist etwas kleiner, und verdammt kräftig. Ich freue mich sehr für die beiden, denn bis diese Hochzeit überhaupt stattfinden konnte, sind immerhin fünf ganze Jahre vergangen. Dennoch, nun sind sie hier, glücklicher als jemals zuvor, und das ist die Hauptsache.
Ich sitze in einem schwarzen Anzug, der meine Muskeln und kräftige Statur unterstreicht, allein an meinem Tisch in der hintersten Ecke des Ballsaals und schaue den anderen beim Tanzen zu. Meine kurzen orangefarbigen Haare sind zur rechten seite gekämmt, meine dunkelgrünen Augen stechen aus meinem kantigen Gesicht hervor und bilden einen Kontrast zu den blau unterlaufenden Augenringen, die mehrere schlaflose Nächte bezeugen. Für mich gibt es gerade nichts Entspannteres, und so denke ich nebenbei über das Glück der hier Anwesenden nach. Ich schaue in die Runde durch den Saal, sehe, wie jeder lacht, sich freut, wie sich viele näher kommen, und denke daran, dass ich das alles auch mal hatte und wie sehr ich es vermisse.

In mir macht sich dann plötzlich eine große Frage breit: „Werde ich jemals wieder so glücklich sein?“ Ich lache innerlich traurig, schüttele den Kopf und sage mir: „Nein, mit Sicherheit nicht.“
Ich bin so tief in meinen Gedanken, dass ich mich erschrecke, als Till plötzlich neben mir steht und fragt: „Na, Kumpel, alles klar, bist du so weit?“ Dabei klopft er mir sachte auf die rechte Schulter.
Ich antworte: „Aber natürlich, mein Bester, dann wollen wir dich mal verheiraten, oder?“
„Schön, es freut mich tierisch, dass du dich dieser Aufgabe angenommen hast. Und Roy? Pass auf, ich will, dass du weißt, dass es mir alles bedeutet, dass du das für mich machst. Nach allem, was passiert ist. Es war mir wichtig, dass du es bist, denn einen besseren Freund wie dich kann es einfach nicht geben und ich hätte auch niemand anderen gewollt.“
„Hey, es ist alles gut, Till, mir geht’s gut, okay, wirklich, wie hätte ich dir denn diese Bitte abschlagen können? Du bist mein bester Freund. Das, was du für mich vor sieben Jahren getan hast, kann ich nie mehr gutmachen, da ist es das Mindeste, dein Trauzeuge zu sein, oder? Also los jetzt, sie warten schon alle.“
„Wirklich?“ Dann umarmte er mich und sagte: „Alles klar, okay, na dann, los geht’s.“
„Mach dir keine Gedanken, wir haben es fast geschafft, und die Flitterwochen warten auch schon sehnsüchtig auf euch.“

Nun denn, so halte ich also meine traditionelle Rede, gratuliere den beiden noch einmal herzlichst, nehme mir noch etwas vom Catering plus ein Glas Sekt und gehe noch mal zu meinem Tisch. Kara und Till gehen weiter zum Kuchenanschneiden auf die Bühne, und ich schaue wieder entspannt von meinem Tisch aus zu. Als die Torte dann von meiner Blickrichtung aus nach vorne zur Bühne geschoben wird, trifft mich auf einmal etwas, das sich wie ein ganzes Leben im Fegefeuer anfühlen muss. Ich sehe an einem Tisch eine kleine, wunderschöne Frau mit nussbraunem, etwas gelocktem, langem Haar, fantastischen Lippen, einem kleinen, zierlichen Mund und einer samtigen Haut, die dunkel leuchtet. Dazu hat sie solch smaragdgrüne Augen, wie sie eigentlich nur einer Person gehören können. Sheyla Labines Marion.
Mein Herz fängt an zu rasen, es fühlt sich an, als würde ich gleich einen Herzinfarkt bekommen. Ich flüstere: „Nein, nein, NEIN, das kann nicht sein, du träumst, Alter.“
Ich schaue ihr direkt in die Augen, so lange, bis sie mich auch ansieht und mich dabei anlächelt. Dieses süße Lächeln von ihr, von damals, von dem ich dachte, ich würde es nie wieder zu sehen bekommen. Ich schaue verzweifelt weg, runter auf meinen Teller und habe plötzlich keinen Hunger mehr, und mein Herz hämmert so hart weiter, dass ich denke, es wird gleich explodieren. Es schlägt tausend Sprünge auf gute und schlechte Art. Ich muss an die frische Luft, weil ich glaube zu ersticken.
Als ich dann aufstehe und den Balkon anpeile, sehe ich beim Vorbeilaufen, wie ihr Lächeln von ihrem wunderschönen Gesicht langsam verschwindet und sie mich dabei verwirrt und fragend ansieht. Als ich draußen bin, sehe ich, dass es schon dämmert, was mir Tränen entlockt, die ich schon so lange, so viele Jahre tief in mir gesammelt habe. „Das hast du nicht gesehen, da war nichts. Komm schon, reiß dich jetzt mal zusammen.“

Auf einmal erklingt rechts von meiner Seite eine so freundliche und süße, wundervolle Stimme. Sie klingt wie die, die ich schon so lange nicht mehr gehört habe, weshalb ich auch ängstlich und schockiert sowie mit Tränen in den Augen nach links ausweiche und mich dabei zu ihr umdrehe.
„Hallo, oh, verzeihen Sie bitte, wenn ich Sie erschreckt habe, ich wollte Sie nur fragen, ob wir uns nicht kennen? Sie kommen mir so bekannt vor. Und so wie Sie gerade reagiert haben, dachte ich, Sie würden mich vielleicht auch kennen“, fragt sie mich freundlich.
Da steht sie nun, Sheyla, genauso wie damals und spricht zu mir. Es kommt mir so unwirklich vor, und ich weiß nicht wirklich, was ich sagen, wie ich reagieren soll. Dennoch beruhige ich mich langsam, wische mir die Tränen weg und lege meine Arme wieder auf dem Balkongeländer ab. „Entschuldigen Sie, aber das muss ein Irrtum sein. Nein, wir kennen uns nicht., Sie erinnern mich nur stark an eine Person von damals und sie sah genauso aus wie sie. Das ist alles, wir sind uns noch nie begegnet“, sage ich, während ich nach vorne schaue, dem Abendhimmel entgegenblickend und immer noch am ganzen Körper zitternd.
„Okay, verzeihen Sie bitte, ich wollte sie nicht stören.“ Sie stößt den Atem traurig aus. „Und da komme ich auch noch her, verdammt, wie peinlich. Ich gehe dann lieber, wenn Sie es möchten. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.“ Sie dreht sich beschämend weg.
Traurigkeit in ihrem Blick und mit einem Bein im Saal, werfe ich ihr hinterher: „Nein, halt, warten Sie, Sie konnten es ja nicht wissen. Bleiben Sie doch bitte. Ich würde mich über Ihre Gesellschaft sehr freuen.“ Dabei lächele ich sie leicht traurig an.
„Okay, wenn das so ist, dann darf ich mich vorstellen”, sagt sie mit einem plötzlich erfreuten Lächeln. „Mein Name ist Chloe Mylove, und Sie sind?“

Mit einem kleinen Lächeln sage ich: „Chloe also, ein wunderschöner Name. Es freut mich, Sie kennenlernen zu dürfen. Ich bin der Trauzeuge von Till. Mein Name ist Roy Trevor. Wissen Sie, er und ich sind schon seit der Oberschule wie Brüder, und da er nur mich als einzigen Freund hat, dachte er, ich sollte auch sein Trauzeuge sein …“
Dann vergeht mir das Grinsen an dem einen Gedanken, der mich wieder erschaudern lässt, und ich schweige für einen kurzen Moment. Mit traurig ernster Miene sage ich dann: „Nur schlägt mir die ganze Sache ganz schön auf den Magen … Und weshalb sind Sie hier?“
„Es freut mich ebenfalls, Roy. Das finde ich jetzt echt lustig, denn ich bin die Trauzeugin von Kara. Das, was sie möchte, das bekommt sie. Und zwar ganz allein von mir“, sagt sie freudestrahlend. „Aber ich verstehe nicht, wie so ein schöner Abend Ihnen wehtun könnte, was ist passiert?“, fragt sie.
Da haben wir ja wohl beide ziemlich Glück gehabt. Und … na ja, bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich will Ihnen nicht den Abend verderben. Nicht mit so einer Geschichte an so einem herrlichen Tag.“

„Oh wow, jetzt haben Sie das Falsche gesagt, denn erstens liebe ich Geschichten und zweitens haben Sie mich neugierig gemacht.“
„Nein, wirklich, ich denke nicht, dass Sie so etwas hören wollen …“
Ein kleiner Moment herrscht Stille, und die warme Sommerluft fliegt uns sanft über die Haut. Nun schaue ich noch trauriger. „Ich denke, niemand möchte jemals so etwas zu hören bekommen.“
„Ach, kommen Sie schon, erzählen Sie. Ich bin hart im Nehmen, müssen Sie wissen. Also, ich habe Zeit und bin quasi allein hier, und da ich Geschichten liebe, erzählen Sie sie mir jetzt.“
„Okay, na dann. Ich war einmal der glücklichste Mensch auf dieser Welt und wurde innerhalb eines Monats zu einem seelenlosen Wrack. Und das vor genau sieben Jahren.“ Ich stieß einen kleinen Lacher aus. „Und zwar so ziemlich genau in diesem Monat. Genau genommen ist heute der Tag, an dem alles endete, an dem ich meinen schmerzhaftesten Tag durchlitt.“
Ich schaue mit zwei Tränen und ernster Miene wieder zu ihr. „Sind Sie sich wirklich sicher, dass Sie diese Geschichte hören möchten? Denn ich denke, sie wird Ihnen wirklich nicht gefallen. Sie tut weh, und dieser Schmerz ist in keiner Hinsicht mit irgendetwas zu vergleichen.“
Schockiert und verwundert schaut sie mich an und sagt leise gebannt: „Okay, ich bin gespannt. Erzählen Sie.“ Ihr Tonfall verrät Neugierde.


Es war im Sommer 2022 und ich war mit Lucia Grey, einer Frau, die ich seit der Kindheit kannte, schon fünf lange Jahre zusammen, als sie dann aus heiterem Himmel mit mir Schluss machte. Ich war verloren und wusste nicht mehr weiter.
„Das war’s jetzt nach so vielen Jahren, Lucia, BITTE? Wieso auf einmal jetzt?”, rief ich verzweifelt.
„Roy, hör auf! Die Wahrheit ist, ich fühle es einfach nicht mehr. Seit Langem schon nicht mehr. Es tut mir leid, aber ich muss meiner Wege gehen.“
„Okay, wenn das so ist, dann will ich dich nicht aufhalten. Ich wünsche dir alles Gute auf deinem ‚WEG‘, wohin er dich auch führen mag“, sagte ich traurig, abfällig zu ihr.
Sie ging mit ihren Sachen zu unserer Tür und drehte sich auch nicht mehr um. Als die Tür zuknallte, überfuhren mich gefühlt tausend Lastwagen, und ich blieb allein zurück.
Am selben Tag traf ich mich am Abend sofort mit Till in unserer Lieblingsbar und erzählte ihm alles.
„Bro, verdammt, sie hat dich einfach nicht verdient, aber sieh es ein wenig lockerer. Es gibt noch so viele andere Frauen da draußen, und sie war nicht die eine. Pass auf, ich weiß, was du brauchst. Ich bin auf eine Party eingeladen, die morgen Abend stattfindet, und du kommst mit.“
Till wendete sich kurz zum Barkeeper und sagte. „Hey, wir würden gerne zahlen, keine Sorge, Bro, das geht auf mich.“
Wir gingen raus, um ein wenig am Fluss entlangzulaufen, bis wir stehen blieben, um uns den Sonnenuntergang anzusehen. „Ich danke dir für alles, Bro, aber ich bin gerade echt nicht in der Stimmung für eine Party. Ich werde sie noch –“
Da unterbrach er mich sofort und meinte: „Ah, ah, ah, nein, keine Widerrede, du kommst mit, und weißt du auch wieso?“
Ich seufzte genervt und fragte: „Wieso?“
„Weil ich zufällig gehört habe, dass eine ganz bestimmte Person auch dabei sein wird, und zwar Sheyla Labines Marion.“
Ich schaute erstaunt zu ihm und fragte: ,,WAS? Hast du gerade Sheyla gesagt? Wie das denn? Wie kommt es dazu?“
„Ja, Sheyla“, lachte Till ein wenig. „Na ja, meine geliebte Frau hat gefragt, wer alles so kommen wird, und dabei ist ihr Name gefallen. Ich glaube nicht, dass das Zufall ist, sondern Schicksal, und genau deshalb solltest du auch unbedingt kommen. Na los, komm schon, das wird lustig.“
Ich ging in mich, überlegte aber nicht sehr lange.

„Mmh, Sheyla, wie lange ist es her? Genau Vierzehn Jahre wo ich sie zum letzten mal sah. Ich erinnere mich noch genau an die Grundschule, sie war sechs Jahre lang meine Klassenkameradin, und sie war das netteste Mädchen der Schule. Jedenfalls war sie zu mir immer lieb, wir hatten nie Streit oder haben uns geärgert.“
Innerlich freute ich mich auf einmal. Ich sagte: „Okay, na dann lass uns die Party mal rocken. Ich freue mich darauf! Oh Mann, was sie wohl sagen wird, wenn sie mich sieht.“
Nervös schaute ich zum Wasser und beobachtete die Wellen, wie sie auf und ab zu dem Sonnenuntergang tanzten.
„Na, garantiert nichts Schlechtes, oder?“, sagte Till und klopfte mir dabei fest auf die Schulter. „Sieh dich doch mal an, Mann. Was du aus dir gemacht hast. Und nach den paar Geschichten, die du mir von euch erzählt hast, wird sie sich auch bestimmt freuen, dich zu sehen. Glaube mir, das wird klasse.“
„Alles klar, Bro, wenn du das sagst, dann stimmt das auch. Los, lass uns abdampfen, ich will für morgen fit sein.“ Und so trennten wir uns mit einem Faustschlag, um uns für den morgigen Tag bereit zu machen.

Auf der großen Party, von der ich nicht wusste, wer sie eigentlich geplant hatte, geschweige denn für wen sie war, war ich innerlich sehr locker und in sehr guter Laune, was ich nicht angesichts der Tatsache, dass mir mein Herz und Fünf Jahre meines Lebens gestohlen worden waren, nicht gedacht hätte. Ich überlegte, ob ich jemals wieder lieben könnte. Nach drei Stunden, die wir jetzt da waren, standen Till und ich also in der Küche und tranken jeweils unsere Drinks, als dann eine blonde Frau auf mich zukam und mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr zu tanzen.
Ich sagte nach kurzem Zögern: „Klar, gerne“, und schenkte ihr ein Lächeln.
Während sie die Arme um meinen Hals legte, umfasste ich liebevoll ihre Taille mit meinen Händen, um etwas direkter mit ihr zu flirten. Aber ich hatte das Gefühl, dass die Chemie zwischen uns nicht stimmte. Plötzlich erfasste mich eine Vision von der Zeit mit Lucia, und mir wurde innerlich ganz schnell kochend heiß, was mich nach einer guten Minute dazu verleiten ließ zu sagen: „Entschuldige bitte, aber ich kann nicht, dennoch danke ich dir recht herzlich für diesen Augenblick.“ Dann gab ich ihr wieder ein kurzes Lächeln.
Sie war nicht die Person auf der Party, die zu meinem Leben gehören sollte. Also hörte ich auf, mit ihr zu tanzen. Sie sagte: „Keine Ursache“, lächelte kurz, gab mir einen Kuss auf die Wange und ging fort.
Währenddessen unterhielt sich Till neben mir mit Kara und einer ihrer Freundinnen. Sie hatten viel Spaß, was ich von mir nicht gerade behaupten konnte. Also sagte ich: „Hey, Till, ich werde dann mal abdüsen, mir geht’s doch nicht so gut, aber ich wünsche euch noch viel Spaß.“
Da sagte er laut: „NEIN, warte, warte, warte. Du gehst noch nicht, mein Freund.“
Er drehte sich zu den Frauen wieder um und sagte: „Ladies, ich bin gleich wieder da, vergesst nicht, was ihr sagen wolltet.“ Ich rief hinterher: „Hey, Till, nein, warte, ach verdammt, und schon ist er weg.“ Er wollte jemanden holen, nahm ich an, und da fiel mir plötzlich ein: „Ja, na klar, Sheyla ist ja auch hier … Deshalb bin ICH ja auch hier.“
Als er dann wieder mit jemandem im Schlepptau ankam und ich dieser Person in die Augen schaute, spürte ich, wie mein Herz mindestens zwei Schläge aussetzte. Ich hatte noch nie etwas Schöneres als sie gesehen. Ein Engel in Menschengestalt, anders konnte man es nicht sagen. Mit ihren glänzenden nussbraunen Haaren, ihren smaragdgrünen Augen, die mich anfunkelten wie Tausend Sterne auf einem einzigen Fleck, und ihrem plötzlichen Lächeln, das wie ein Fluss der Zärtlichkeit Fürsorge ausdrückte. Weil wir uns ja schon kannten und vor allem, da sie nicht wusste, dass ich da war, war die Überraschung riesig, als sie mich sah und mir direkt in die Augen schaute, während Till sich wieder seiner Frau und ihrer Freundin zuwandte.
„HEEY SHEYLA, wie geht’s dir?“
„ROY? Bist du das? Ich glaub es nicht. Mir geht es ganz gut, und dir?“
„Bestens, ich kann mich nicht beschweren, außer dass ich gerade verlassen wurde, aber na ja, das Leben geht weiter … Mann, es ist so schön, dich zu sehen! Was hast du so gemacht in den letzten Vierzehn Jahren?“
„Och nein, oder? Das tut mir leid für dich, aber bitte tu mir einen Gefallen, Kopf hoch, okay? Mir geht’s genauso wie dir. Ich komme auch gerade aus einer langen Beziehung. Und zurzeit bin ich Assistentin bei einer Anwaltskanzlei, viel Schreibkram und viel zu viele Klienten.“
„Nicht wahr, du auch? Hat er oder du Schluss gemacht? Und das hört sich definitiv anstrengend an. Mein Beileid.“
„Ähm, er hat sich von mir getrennt, ja, er hat sich in eine andere verliebt. Ach, aber das geht schon. Man muss nur seine Balance finden, dann klappt alles, und du, was machst du so?“
„Oh Mann, na ja, was soll man machen, wo die Liebe eben hinfällt, nicht wahr? Bei mir hat sie es einfach nicht mehr gefühlt, ich weiß nicht, ob da ein anderer im Spiel war, aber so soll es wohl sein. Aber schön für dich, das freut mich zu hören mit deinem Beruf, es ist ein angesehener Job. Ich baue Gebäude, einfach gesagt. Es ist anstrengend, aber es macht Spaß, man lebt von dem, was man kriegt.“
„Ach, das klingt ja gut, das sieht man dir auch an und braucht man auch immer.“
„Ja, da hast du recht“, sagte ich lächelnd. „Sag mal, wohnst du hier in der Nähe? Ich habe dich hier noch nie gesehen, und ich komme hier viel rum.“
„Ja, Tatsache. Nur etwas weiter weg. Hier in der Siedlung am Rande der Stadt, sie heißt Cells End, nur ungefähr eine halbe Stunde zu Fuß von hier und ist auch jetzt nicht allzu groß.“
„Wie cool, dann kann man sich ja vielleicht öfter mal sehen. Natürlich nur, wenn du Lust hast.“
„Ja, ich denke, das ist machbar und würde mich auch sehr freuen.“
Dann fragte ich: „Sag mal, hättest du vielleicht Lust, mit mir zu tanzen?“
Sie sagte: „Ja, sehr gerne“, Sie legte ihre Arme um meinen Hals und ich meine Hände um ihre Taille. Nebenbei fing ein älteres Liebeslied an zu spielen. Sie war so wunderschön, dass ich beim Ausatmen zitterte. Ich habe mich direkt in sie verliebt. Wir schauten uns noch tiefer in die Augen, und da sah ich auch in ihrem Blick, dass sie wusste, dass da auf einmal etwas war, das sie nicht beschreiben konnte. Eine Art Erwachen von Vollkommenheit. Als hätte sie eine leise Ahnung, dass ich die eine Sache in ihrem Leben war, die ihr die ganze Zeit über gefehlt hatte. Es stimmte einfach auf Anhieb.
Automatisch, wanderten meine Hände in Richtung ihrer Gesäßtaschen, aber nur ein wenig, ich konnte es nicht kontrollieren, als würde mich etwas steuern. Ich zögerte, weil ich bei ihr nicht zu weit gehen wollte, sie nicht verletzen wollte. Aber ich spürte Vollkommenheit. Ich wollte direkt fürsorglich sein. Ich wusste auf Anhieb das sie die eine ist, deshalb durfte ich nichts übereilen. Ich schaute ihr einfach nur weiter in die Augen. Doch dann flüsterte sie mir in mein rechtes Ohr, liebevoll und wie ein aufhellender Blitz, der ins Meer einschlägt: „Wo warst du die ganze Zeit?“
Sie nahm ihre Hände von meinem Hals und führte sie hinter ihren Rücken, nahm meine Hände und schob sie mit Absicht tiefer in ihre Gesäßtaschen. Ich wurde dadurch nach unten gezogen, dennoch war ich weiterhin starr fixiert auf das, was ich vor mir sah. Plötzlich ging die Lampe über uns dreimal aus und wieder an. Als sie anblieb, war sie rot-rosa unterlaufen. Wir erschraken uns und schauten zur Lampe hinauf, schauten zu den anderen Gästen, ob es ihnen auch auffiel, dem war aber nicht so, dann blickten wir uns wieder in die Augen und dazu gleich wieder in unsere Seelen, wobei uns ein Lächeln entsprang. Wir umarmten uns. Von da an wussten wir, wir beide waren füreinander bestimmt.

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