No Love for me like yours
Band 2
EUR 27,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 648
ISBN: 978-3-7116-0205-3
Erscheinungsdatum: 11.12.2025
Die Geschichte von Belle und Noah geht weiter. Höhen und Tiefen sind ständige Begleiter ihrer frischen Beziehung. Kann Belle sich in diesem Sturm selbst wiederfinden oder wird die Vergangenheit sie erneut von den Füßen reißen?
30
„Also Bob ist ja für Emilia oder Alexandra. Aber mir gefällt ja Hana viel besser.“
Wir sitzen im Wagen und fahren nach Hause.
Meine Wette mit Angelica habe ich natürlich gewonnen und so musste ich nur die neue Haarfarbe bezahlen, nicht aber den Schnitt.
Irgendwie sind wir dann bei Babynamen gelandet. Da Natalie sich sicher ist, dass sie ein Mädchen bekommt, will sie auch nur passende Vorschläge.
„Ich finde ja Leonora schön. Und für einen Jungen AJ“, sagt Elli. Bei ihrem Vorschlag für einen Jungen muss ich schmunzeln.
Elli weiß nicht, dass Austin Noah und mir am Dienstag erzählt hat, dass er und Elli dabei sind, ein Baby zu machen. Doch wenn sie solche Sachen sagt, bin ich kurz davor zu platzen.
„AJ also?!“, bohre ich gezielt nach und stelle erfreut fest, wie meine Freundin nach Luft schnappt. „Ähm … Jaaa …“
Natalie ist natürlich total ahnungslos. „AJ? Ist das eine Abkürzung?“, fragt sie Elli, die jetzt mit roten Wangen am Steuer sitzt.
„Ja … Also … Austin Junior …“
Natalie seufzt gerührt und legt ihre Hände an ihr Herz.
Auch ich grinse breit. Ob Austin schon von seiner Ehre weiß? Aber irgendwie finde ich die Vorstellung von einer Mini-Ausgabe von Austin wahnsinnig niedlich.
„Ja, das wäre so süß. Wollt ihr heiraten bevor oder nachdem ihr das mit dem Baby in die Tat umgesetzt habt?“, fragt Natalie neugierig.
Da hat sie Elli noch mal gerettet.
Die ist jetzt natürlich wieder voll in ihrem Element.
„Egal. Wir wollen im August heiraten. Da ist es hier immer am wärmsten und ich möchte ja nicht, dass meine Gäste frieren müssen“, erklärt ihr Elli, dann wirft sie mir einen Blick durch den Rückspiegel zu. „Das bekommen wir doch hin, allerbeste Trauzeugin?“
Schleimerin! Ihre allerbeste Lieblingstrauzeugin bin ich immer dann, wenn ich irgendwas organisieren soll. Aber für das Strahlen in Ellis Augen, wenn wir über die Hochzeit reden, mache ich das gerne.
„Ja, schaffen wir. Mitte August wird geheiratet. Nur mit den Familien und engsten Freunden. Im Freien unter der Sommersonne mit weißen und grünen Blumen und Dekoration. Gästeliste liegt schon in der Mappe, genau wie das Angebot vom Floristen. Das Design für die Einladungen kommt an, wenn ich im Urlaub bin, da kümmern wir uns drum, wenn ich wieder da bin. Genauso wie um das Catering. Für eine Location musst du dich übrigens entschieden haben, bis ich wieder da bin, Madam. Und der erste Termin für dein Brautkleid ist Ende April. „
Ich kenne die ganze Mappe auswendig. Und das nur, weil Elli jedes Mal so aufgeregt ist und beinahe noch ihren Kopf verliert. Wenn sie mich nicht hätte, würde sie vermutlich nackt ohne Gäste heiraten und auch noch zu spät kommen. Aber sie ist wie eine Schwester für mich. Sie soll die schönste Hochzeit bekommen, am besten genau so, wie sie es sich wünscht. Austin hat nur gesagt: „Alles so, wie meine Frau es möchte.“
„Ich erinnere mich an meine erste Anprobe. Ich habe in drei Tagen ungelogen dreißig Kleider anprobiert und keins hat mir gefallen. Ich war total verzweifelt.“
Elli verspannt sich merklich und ich würde Nat am liebsten gerade erwürgen. So was sagt man doch nicht zu einer Braut. Vor allem nicht zu einer Braut wie Elli.
Aber zum Glück merkt Nat es selber. „Aber dann hat es nur einen Blick gebraucht. Ein Blick auf das Kleid und ich wusste, es ist meins. Und so wird es dir auch gehen. Wenn du in den Spiegel schaust und überlegen musst, zieh es aus. Wenn du dich im Spiegel siehst, in deinem Kleid, dann weißt du es sofort.“ Sie streicht Elli über ihr Bein und ich sehe, wie ihre Hände um das Lenkrad sich entspannen.
„Elli, mach dir keine Gedanken. Wir bekommen das schon alles hin. Du bekommst genau die Hochzeit, die du dir erträumt hast. Mit dem Mann deiner Träume und in einem Kleid, das Austin denken lassen wird, er träumt“, beruhige ich sie weiter und lege ihr von hinten eine Hand auf die Schulter.
Zum Glück lächelt sie wieder fast so breit wie vorhin. Ich finde, für Panikattacken vor der Hochzeit ist es doch noch einiges zu früh. Ich befürchte, dass ich davon nicht nur von Elli die eine oder andere zu spüren bekomme, sondern dass auch mein bester Freund mit seinen Nerven zu kämpfen haben wird, wenn es soweit ist. Obwohl die beiden absolut keinen Grund zur Panik haben. Ihre Liebesgeschichte ist einfach eins zu eins ein Nicolas-Sparks-Roman. Inklusive meiner Wenigkeit als Drama-Einlage!
Als Elli endlich vor dem Haus hält, ist es schon drei Uhr, und am liebsten würde ich einfach in mein Bett fallen. Aber daraus wird nichts. Wir müssen noch ein bisschen was für die Party vorbereiten und ich muss noch meinen Koffer fertigpacken.
Ich freue mich wahnsinnig auf morgen.
Als wir unten auf den Aufzug warten, fahre ich mit meiner Hand durch meine Locken. Ob es Noah auch gefallen wird? Ich hoffe es sehr. Er hat einen entscheidenden Teil zu meinem neuen, sehr viel besseren und glücklicheren Ich beigetragen. Da sollte ihm auch die neue Haarfarbe gefallen.
„Au, verflucht noch mal!“, stöhnt Nat auf einmal neben mir, als wir in die Kabine treten. Sie hält sich seitlich ihren Bauch und krümmt sich.
In mir macht sich sofort leichte Panik breit. Ich lege ihr eine Hand auf den Rücken und frage sie beunruhigt: „Nat! Alles in Ordnung?“
Stöhnend richtet sie sich wieder auf, streckt den Daumen ihrer einen Hand in die Luft, während sie mit der anderen immer noch die Seite reibt. „Ja, alles gut. Madam da drin ist nur heute mal der Meinung, sie müsste schon mal an ihrer Karriere als Kickboxerin arbeiten.“
Und schon ist die Unruhe verflogen. Stattdessen muss ich lachen.
Elli steht vor Natalie und schaut fasziniert auf deren Bauch. „Du fühlst, wie es sich bewegt?“, fragt sie mit belegter Stimme.
Natalie nickt, greift nach Ellis Hand und legt sie auf ihren gewölbten Bauch, dort wo eben noch ihre eigene lag.
Einen Moment passiert gar nichts, doch plötzlich zuckt meine beste Freundin heftig zusammen und zieht ihre Hand weg. Mit großen Augen starrt sie Natalie an, die laut anfängt, zu lachen, wieder nach der Hand meiner kleinen Elfe greift und sie zurück auf ihren Bauch legt. „Das war ein Füßchen, würde ich behaupten. Keine Angst, es passiert nichts.“
Elli richtet ihren Blick wieder auf den Babybauch und tritt noch einen Schritt näher an Noahs Schwester heran. Sie zuckt wieder zusammen, zieht aber diesmal nicht ihre Hand weg, sondern beginnt, fasziniert zu lächeln. „Das fühlt sich irgendwie … seltsam an“, sagt sie leise.
Natalie legt ihre Hand über die von Elli. „Glaub mir, von innen fühlt es sich noch viel seltsamer an. Aber irgendwie seltsam gut.“
Ich betrachte meine beste Freundin. Sie scheint alles um sich herum gar nicht mehr wahrzunehmen. Sie ist total fasziniert von dem Schauspiel unter ihrer Hand. Ich kann mir gut vorstellen, wie sich in ihrem Kopf gerade ihre eigene Zukunft in Bildern formt. Die kleine Elli mit einer großen Kugel vor sich, wie sie genau wie Nat liebevoll über ihren Bauch streicht und wie Austin ihr jeden Wunsch von den Augen abliest.
Und dann Elli mit einem Baby auf dem Arm, Austin neben ihr.
Das Ping des Aufzuges lässt uns alle kurz zusammenzucken. Irgendwie war gerade jede von uns in ihren ganz eigenen Gedanken versunken.
Elli strahlt beim Aussteigen über das ganze Gesicht. „Das muss ich Austin erzählen!“ So schnell wie sie aus dem Aufzug geflitzt ist, haben wir anderen uns nicht mal in Bewegung gesetzt. Natalie und ich gucken uns nur grinsend an, folgen dem Flummi, der sich meine beste Freundin nennt, dann zur Wohnungstür.
Diese steht schon sperrangelweit auf. Wir gehen einfach nach drinnen und ich helfe Nat aus ihrer Jacke.
Als wir ins Wohnzimmer treten, trifft mich der Schlag. Allerdings im positiven Sinne. Die Jungs haben ganze Arbeit geleistet.
Den Esstisch und die Couch haben sie an die Wände geschoben, sodass der Raum viel größer wirkt, als er eh schon ist. Aber was mich viel mehr begeistert, ist die Deko. Überall hängen Lichterketten und kleine Lampions, die nachher, wenn von draußen kein Licht mehr reinfällt, alles in warmes Licht tauchen werden.
„Gefällt es dir?“, fragt jemand hinter mir. Ohne hinsehen zu müssen, weiß ich, wer hinter mir steht. Deshalb lehne ich mich nach hinten, bis mein Rücken an seiner breiten Brust liegt und er seinen Kopf auf meiner Schulter ablegen kann. Als er dann noch seine Arme um mich legt, schließe ich die Augen und genieße das mir nur allzu bekannte Kribbeln in meinem Körper.
„Ja, das tut es. Danke, dass ihr das gemacht habt“, antworte ich Noah mit immer noch geschlossenen Augen.
Eine seiner Hände legt er auf meinen Bauch, die andere fährt nach oben und greift nach einer meiner Locken, die er sich um den Finger wickelt. „Das hier gefällt mir ganz gut.“
Ich öffne leicht meine Augen und schaue ihn an. „Nur ganz gut?“, frage ich mit zittriger Stimme, wobei das Zittern darin nicht von der Angst kommt, es könnte ihm nicht gefallen, sondern davon, dass wir uns so verdammt nah sind und nur eine kleine Bewegung nötig wäre, um seine vollen Lippen zu berühren.
Sein Lächeln wärmt mich von ihnen und als hätte er denselben Gedanken wie ich in seinem Kopf, überbrückt er den kleinen Abstand und küsst mich. Die Berührung ist nur ganz leicht und zart, doch trotzdem, oder gerade deshalb, bekomme ich eine Gänsehaut.
„Du siehst wunderschön aus, Prinzessin.“ Er schaut mir fest in die Augen und ich erkenne keine Zweifel, keinen Funken Unehrlichkeit darin. Und das lässt mein Herz wieder einmal höherschlagen. Mit einem solchen Gefühl freue ich mich tatsächlich auf meine Party.
„Wow! Da habt ihr Jungs euch aber selbst übertroffen!“, pfeift Natalie neben uns anerkennend.
Noah stellt sich wieder etwas aufrechter hin und legt seinen freien Arm um seine Schwester. Allerdings entfernt er sich dabei kein Stück von mir.
„Ja, finde ich auch. Habe ich gut hinbekommen.“
Ich stoße ihm leicht einen Ellenbogen in die Rippen, muss aber gleichzeitig über seinen gespielt hochnäsigen Ton lachen.
„Nein, Elli! Hör auf mit dem Mist!“, zischt Austin und gleich darauf höre ich, wie Elli etwas zu ihm sagt, allerdings so leise, dass ich sie nicht verstehen kann.
Die beiden kommen aus der Küche zu uns rüber, Austin allerdings nicht ganz freiwillig, denn Elli zerrt ihn hinter sich her.
„Was ist denn bei euch beiden schon wieder los?“, frage ich und schaue erst Elli, dann Austin an.
Elli zieht Austin noch ein Stück näher zu uns, bis er direkt vor Natalie steht. Ich sehe, wie er krampfhaft versucht, ihr nicht auf den dicken Bauch zu starren. Klappt nicht so gut, wie er vielleicht denkt. „Ich habe Austin gerade erzählt, wie dein Baby getreten hat. Aber irgendwie kann ich ihm nicht beschreiben, wie sich das anfühlt.“
Sie hält Austin fest neben sich und ich kann dem Ärmsten ansehen, wie unangenehm ihm das gerade ist. Elli will seine Hand auf Nats Bauch legen, aber diesmal zieht Austin energisch seine Hand aus ihrer. „Elli! Warum soll ich denn Natalie betatschen? Schon mal darüber nachgedacht, dass sie vielleicht auch nicht möchte, dass ihr irgendwer ständig an den Bauch fasst?“, sagt er mit gepresster Stimme. Er will sie nicht wieder anfahren. Seit Montag ist er da äußerst empfindlich. Aber diese für ihn scheinbar ziemlich unangenehme Situation macht ihn unruhig.
Elli schaut zwischen Natalie und Austin hin und her, weiß nicht, was sie sagen oder tun soll. Noah und ich stehen einfach daneben und betrachten das kleine Theater. Da ist ein Fernseher völlig unnötig.
Während sich Elli und Austin im Stillen nur mit ihren Blicken zu verständigen scheinen, sehe ich, wie Natalie nur grinsend die Augen verdreht. „Vielleicht lässt die Schwangere sich auch gerne den Bauch betatschen, mein Lieber“, sagt sie nur, greift nach Austins Hand und legt sie seitlich an dieselbe Stelle wie eben im Aufzug die von Elli und hält sie dort fest. Austin ist total perplex und starrt nur auf die Babykugel vor sich. Er bewegt sich keinen Millimeter. Natalie hat ihn so nah an sich gezogen, dass ihr Bauch seinen leicht berührt. Ich beobachte meinen besten Freund genau und erkenne den Moment, in dem sich seine Augen weiten und ein seltsames Glitzern darin erscheint. Er fühlt es.
Es ist schon seltsam, wie vier Mittzwanziger so emotional werden, total fasziniert sind, nur weil ein Kind sich im Leib seiner Mutter bewegt. Aber ich finde, es hat etwas Magisches. Es mag kitschig oder auch kindisch sein, aber besser kann ich das, was ich gefühlt habe, einfach nicht beschreiben.
Noahs Griff um meinen Körper wird fester und er legt seinen Kopf wieder auf meiner Schulter ab. Sein warmer Atem kitzelt meinen Hals, lässt meinen Körper kribbeln und bringt mich dazu, mich enger an ihn zu schmiegen.
Ich kann das ruhige stete Schlagen seines Herzens an meinem Rücken spüren und das lässt mich noch mehr zur Ruhe kommen.
„Da bewegt sich nichts mehr!“, sagt Austin ein wenig geschockt und irgendwie beunruhigt. Er streicht mit seinem Daumen über Natalies Bauch.
Diese lächelt und tätschelt seine fahrige Hand. „Ich glaube, meine kleine Maus hat sich fürs Erste ausgetobt.“
Austin nickt unsicher, wirkt aber beruhigt. Er sah gerade fast so aus, als hätte er Angst, irgendwas kaputtgemacht zu haben.
Im nächsten Moment lässt er Natalies Bauch wieder los, schließt stattdessen seine Hände um das Gesicht seiner Verlobten und küsst sie, als gäbe es kein Morgen mehr.
Einen Moment lassen wir ihnen, dann kann Noah es sich aber doch nicht mehr verkneifen. „Leute! Es wäre nett, wenn ihr euer Baby nicht in unserer Anwesenheit machen würdet!“
Mir entfährt ein ersticktes Lachen, wobei ich mich verschlucke. Natalie presst sich die Hand auf den Mund, vermutlich, um nicht selber zu lachen. Elli schiebt Austin von sich, zieht die Augenbrauen zusammen und lässt ihren Blick zwischen ihm und Noah hin und her fahren. Dann bleibt sie an Austin hängen. „Du hast es ihnen erzählt?! Ich wollte es Belle doch erzählen!“
Ups …
Elli will ihn enttäuscht wegschieben, aber Austin schließt seine Arme um sie, hebt sie hoch und trägt sie einfach Richtung Gästezimmer.
Wir drei schauen uns nur an.
„Die beiden wollen ein Baby?“, fragt Natalie, allerdings klingt sie dabei kein bisschen überrascht.
Noah nickt ihr als Antwort zu. „Ja, aber sie wollten es für sich behalten, bis es so weit ist. Aber Austin war am Dienstag total fertig, hat sich Sorgen um alles Mögliche gemacht. Und da hat Belle ihn quasi dazu genötigt, es uns zu erz… AUA!“
Ich ramme ihm fest meinen Ellenbogen in die Rippen, wohl ein wenig zu fest. „Jetzt schieb nicht alles auf mich. Ich habe mir einfach Sorgen um ihn gemacht“, beschwere ich mich und verschränke die Arme vor der Brust.
Noah tritt vor mich, reibt sich die Seite. Dann packt er mich und küsst mich stürmisch. Aber bevor ich reagieren kann, ist er auch schon wieder weg. „Das hat übrigens wehgetan“, murmelt er und entlockt mir ein Grinsen. Als könnte ich ihm ernsthaft wehtun!
Als es klingelt, mache ich mich von ihm los und gehe zur Tür. Über die Gegensprechanlage frage ich nach, wer stört.
„Lieferservice!“, ruft Ben in die Anlage und ich drücke den Türöffner. Ich freue mich, Ben zu sehen, aber das mindert nicht meine Verwirrung darüber, was er um kurz vor vier schon hier macht. Die Party beginnt erst um halb acht.
Ich öffne auch die Wohnungstüre, gerade als sich die Aufzugtüren öffnen und ich Ben mit mehreren Tüten und Kartons beladen sehe.
„Heyho, Geburtstagskind!“
Ich trete schnell in den Flur, um ihm den größten der Kartons abzunehmen, damit dem Ärmsten nicht noch was runterfällt.
„Hey, du. Was machst du denn schon hier? Und was bringst du da bitte alles mit?!“, frage ich ihn und lasse ihn an mir vorbei in die Wohnung gehen, um dann hinter mir die Türe mit dem Fuß zuzuschubsen.
„Siehst du gleich“, lacht er nur und geht Richtung Küche.
Dort steht nur Noah und gießt heißes Wasser in eine Tasse.
„Ben! Hey, Alter!“ Er begrüßt Ben und hilft ihm dabei, seine Last abzustellen. Auch mir nimmt er den Karton ab und lässt es sich nicht nehmen, mir schnell seine Lippen auf den Mund zu drücken.
Ben lässt von seinen Mitbringseln ab und kommt zu mir. „Bekomme ich auch einen?“, fragt er und legt erwartungsvoll den Kopf schief. Er ist schon ein Süßer. Allerdings genau wie Austin eher ein Bruder für mich. Deshalb greife ich sein Kinn, drehe seinen Kopf zur Seite und drücke ihm einen extra lauten Schmatzer auf die Wange.
„Und erzählst du mir jetzt, was du da alles mitgebracht hast?“
Ben allerdings zupft an meinen roséfarbenen Locken. „Sieht gut aus“, sagt er lächelnd und dreht sich dann zum Tresen um und beginnt, die Tüten und Kartons auszuräumen.
Was er da so alles auf die Platte zaubert, weitet meine Augen.
Ben hat jede Menge Essen mitgebracht. Schüsseln mit Salaten und Dips, geschnittenes Gemüse und verschiedenes Fingerfood.
„Wow, Ben … Hast du das alles gemacht?“, frage ich ihn und bestaune das Buffet.
Ben nickt stolz. „Jap. Mr. Bernotte war einverstanden. Natürlich musst du dich jetzt erst recht bei ihm vorstellen.“
Ich umarme ihn fest. Mit Worten kann ich ihm gar nicht sagen, wie dankbar ich ihm bin. Nicht nur für das Essen, sondern auch, dass er mir eine Möglichkeit gibt, einen neuen Schritt in meinem Leben zu machen.
Über seine Schulter hinweg sehe ich Noah. Er hebt einen Mundwinkel und ich bin ihm dankbar, dass er das hier gerade nicht unterbricht.
Allerdings tut es jemand anders.
„Essen!“, höre ich Natalie aufgeregt und irgendwie auch erleichtert seufzen.
…
„Also Bob ist ja für Emilia oder Alexandra. Aber mir gefällt ja Hana viel besser.“
Wir sitzen im Wagen und fahren nach Hause.
Meine Wette mit Angelica habe ich natürlich gewonnen und so musste ich nur die neue Haarfarbe bezahlen, nicht aber den Schnitt.
Irgendwie sind wir dann bei Babynamen gelandet. Da Natalie sich sicher ist, dass sie ein Mädchen bekommt, will sie auch nur passende Vorschläge.
„Ich finde ja Leonora schön. Und für einen Jungen AJ“, sagt Elli. Bei ihrem Vorschlag für einen Jungen muss ich schmunzeln.
Elli weiß nicht, dass Austin Noah und mir am Dienstag erzählt hat, dass er und Elli dabei sind, ein Baby zu machen. Doch wenn sie solche Sachen sagt, bin ich kurz davor zu platzen.
„AJ also?!“, bohre ich gezielt nach und stelle erfreut fest, wie meine Freundin nach Luft schnappt. „Ähm … Jaaa …“
Natalie ist natürlich total ahnungslos. „AJ? Ist das eine Abkürzung?“, fragt sie Elli, die jetzt mit roten Wangen am Steuer sitzt.
„Ja … Also … Austin Junior …“
Natalie seufzt gerührt und legt ihre Hände an ihr Herz.
Auch ich grinse breit. Ob Austin schon von seiner Ehre weiß? Aber irgendwie finde ich die Vorstellung von einer Mini-Ausgabe von Austin wahnsinnig niedlich.
„Ja, das wäre so süß. Wollt ihr heiraten bevor oder nachdem ihr das mit dem Baby in die Tat umgesetzt habt?“, fragt Natalie neugierig.
Da hat sie Elli noch mal gerettet.
Die ist jetzt natürlich wieder voll in ihrem Element.
„Egal. Wir wollen im August heiraten. Da ist es hier immer am wärmsten und ich möchte ja nicht, dass meine Gäste frieren müssen“, erklärt ihr Elli, dann wirft sie mir einen Blick durch den Rückspiegel zu. „Das bekommen wir doch hin, allerbeste Trauzeugin?“
Schleimerin! Ihre allerbeste Lieblingstrauzeugin bin ich immer dann, wenn ich irgendwas organisieren soll. Aber für das Strahlen in Ellis Augen, wenn wir über die Hochzeit reden, mache ich das gerne.
„Ja, schaffen wir. Mitte August wird geheiratet. Nur mit den Familien und engsten Freunden. Im Freien unter der Sommersonne mit weißen und grünen Blumen und Dekoration. Gästeliste liegt schon in der Mappe, genau wie das Angebot vom Floristen. Das Design für die Einladungen kommt an, wenn ich im Urlaub bin, da kümmern wir uns drum, wenn ich wieder da bin. Genauso wie um das Catering. Für eine Location musst du dich übrigens entschieden haben, bis ich wieder da bin, Madam. Und der erste Termin für dein Brautkleid ist Ende April. „
Ich kenne die ganze Mappe auswendig. Und das nur, weil Elli jedes Mal so aufgeregt ist und beinahe noch ihren Kopf verliert. Wenn sie mich nicht hätte, würde sie vermutlich nackt ohne Gäste heiraten und auch noch zu spät kommen. Aber sie ist wie eine Schwester für mich. Sie soll die schönste Hochzeit bekommen, am besten genau so, wie sie es sich wünscht. Austin hat nur gesagt: „Alles so, wie meine Frau es möchte.“
„Ich erinnere mich an meine erste Anprobe. Ich habe in drei Tagen ungelogen dreißig Kleider anprobiert und keins hat mir gefallen. Ich war total verzweifelt.“
Elli verspannt sich merklich und ich würde Nat am liebsten gerade erwürgen. So was sagt man doch nicht zu einer Braut. Vor allem nicht zu einer Braut wie Elli.
Aber zum Glück merkt Nat es selber. „Aber dann hat es nur einen Blick gebraucht. Ein Blick auf das Kleid und ich wusste, es ist meins. Und so wird es dir auch gehen. Wenn du in den Spiegel schaust und überlegen musst, zieh es aus. Wenn du dich im Spiegel siehst, in deinem Kleid, dann weißt du es sofort.“ Sie streicht Elli über ihr Bein und ich sehe, wie ihre Hände um das Lenkrad sich entspannen.
„Elli, mach dir keine Gedanken. Wir bekommen das schon alles hin. Du bekommst genau die Hochzeit, die du dir erträumt hast. Mit dem Mann deiner Träume und in einem Kleid, das Austin denken lassen wird, er träumt“, beruhige ich sie weiter und lege ihr von hinten eine Hand auf die Schulter.
Zum Glück lächelt sie wieder fast so breit wie vorhin. Ich finde, für Panikattacken vor der Hochzeit ist es doch noch einiges zu früh. Ich befürchte, dass ich davon nicht nur von Elli die eine oder andere zu spüren bekomme, sondern dass auch mein bester Freund mit seinen Nerven zu kämpfen haben wird, wenn es soweit ist. Obwohl die beiden absolut keinen Grund zur Panik haben. Ihre Liebesgeschichte ist einfach eins zu eins ein Nicolas-Sparks-Roman. Inklusive meiner Wenigkeit als Drama-Einlage!
Als Elli endlich vor dem Haus hält, ist es schon drei Uhr, und am liebsten würde ich einfach in mein Bett fallen. Aber daraus wird nichts. Wir müssen noch ein bisschen was für die Party vorbereiten und ich muss noch meinen Koffer fertigpacken.
Ich freue mich wahnsinnig auf morgen.
Als wir unten auf den Aufzug warten, fahre ich mit meiner Hand durch meine Locken. Ob es Noah auch gefallen wird? Ich hoffe es sehr. Er hat einen entscheidenden Teil zu meinem neuen, sehr viel besseren und glücklicheren Ich beigetragen. Da sollte ihm auch die neue Haarfarbe gefallen.
„Au, verflucht noch mal!“, stöhnt Nat auf einmal neben mir, als wir in die Kabine treten. Sie hält sich seitlich ihren Bauch und krümmt sich.
In mir macht sich sofort leichte Panik breit. Ich lege ihr eine Hand auf den Rücken und frage sie beunruhigt: „Nat! Alles in Ordnung?“
Stöhnend richtet sie sich wieder auf, streckt den Daumen ihrer einen Hand in die Luft, während sie mit der anderen immer noch die Seite reibt. „Ja, alles gut. Madam da drin ist nur heute mal der Meinung, sie müsste schon mal an ihrer Karriere als Kickboxerin arbeiten.“
Und schon ist die Unruhe verflogen. Stattdessen muss ich lachen.
Elli steht vor Natalie und schaut fasziniert auf deren Bauch. „Du fühlst, wie es sich bewegt?“, fragt sie mit belegter Stimme.
Natalie nickt, greift nach Ellis Hand und legt sie auf ihren gewölbten Bauch, dort wo eben noch ihre eigene lag.
Einen Moment passiert gar nichts, doch plötzlich zuckt meine beste Freundin heftig zusammen und zieht ihre Hand weg. Mit großen Augen starrt sie Natalie an, die laut anfängt, zu lachen, wieder nach der Hand meiner kleinen Elfe greift und sie zurück auf ihren Bauch legt. „Das war ein Füßchen, würde ich behaupten. Keine Angst, es passiert nichts.“
Elli richtet ihren Blick wieder auf den Babybauch und tritt noch einen Schritt näher an Noahs Schwester heran. Sie zuckt wieder zusammen, zieht aber diesmal nicht ihre Hand weg, sondern beginnt, fasziniert zu lächeln. „Das fühlt sich irgendwie … seltsam an“, sagt sie leise.
Natalie legt ihre Hand über die von Elli. „Glaub mir, von innen fühlt es sich noch viel seltsamer an. Aber irgendwie seltsam gut.“
Ich betrachte meine beste Freundin. Sie scheint alles um sich herum gar nicht mehr wahrzunehmen. Sie ist total fasziniert von dem Schauspiel unter ihrer Hand. Ich kann mir gut vorstellen, wie sich in ihrem Kopf gerade ihre eigene Zukunft in Bildern formt. Die kleine Elli mit einer großen Kugel vor sich, wie sie genau wie Nat liebevoll über ihren Bauch streicht und wie Austin ihr jeden Wunsch von den Augen abliest.
Und dann Elli mit einem Baby auf dem Arm, Austin neben ihr.
Das Ping des Aufzuges lässt uns alle kurz zusammenzucken. Irgendwie war gerade jede von uns in ihren ganz eigenen Gedanken versunken.
Elli strahlt beim Aussteigen über das ganze Gesicht. „Das muss ich Austin erzählen!“ So schnell wie sie aus dem Aufzug geflitzt ist, haben wir anderen uns nicht mal in Bewegung gesetzt. Natalie und ich gucken uns nur grinsend an, folgen dem Flummi, der sich meine beste Freundin nennt, dann zur Wohnungstür.
Diese steht schon sperrangelweit auf. Wir gehen einfach nach drinnen und ich helfe Nat aus ihrer Jacke.
Als wir ins Wohnzimmer treten, trifft mich der Schlag. Allerdings im positiven Sinne. Die Jungs haben ganze Arbeit geleistet.
Den Esstisch und die Couch haben sie an die Wände geschoben, sodass der Raum viel größer wirkt, als er eh schon ist. Aber was mich viel mehr begeistert, ist die Deko. Überall hängen Lichterketten und kleine Lampions, die nachher, wenn von draußen kein Licht mehr reinfällt, alles in warmes Licht tauchen werden.
„Gefällt es dir?“, fragt jemand hinter mir. Ohne hinsehen zu müssen, weiß ich, wer hinter mir steht. Deshalb lehne ich mich nach hinten, bis mein Rücken an seiner breiten Brust liegt und er seinen Kopf auf meiner Schulter ablegen kann. Als er dann noch seine Arme um mich legt, schließe ich die Augen und genieße das mir nur allzu bekannte Kribbeln in meinem Körper.
„Ja, das tut es. Danke, dass ihr das gemacht habt“, antworte ich Noah mit immer noch geschlossenen Augen.
Eine seiner Hände legt er auf meinen Bauch, die andere fährt nach oben und greift nach einer meiner Locken, die er sich um den Finger wickelt. „Das hier gefällt mir ganz gut.“
Ich öffne leicht meine Augen und schaue ihn an. „Nur ganz gut?“, frage ich mit zittriger Stimme, wobei das Zittern darin nicht von der Angst kommt, es könnte ihm nicht gefallen, sondern davon, dass wir uns so verdammt nah sind und nur eine kleine Bewegung nötig wäre, um seine vollen Lippen zu berühren.
Sein Lächeln wärmt mich von ihnen und als hätte er denselben Gedanken wie ich in seinem Kopf, überbrückt er den kleinen Abstand und küsst mich. Die Berührung ist nur ganz leicht und zart, doch trotzdem, oder gerade deshalb, bekomme ich eine Gänsehaut.
„Du siehst wunderschön aus, Prinzessin.“ Er schaut mir fest in die Augen und ich erkenne keine Zweifel, keinen Funken Unehrlichkeit darin. Und das lässt mein Herz wieder einmal höherschlagen. Mit einem solchen Gefühl freue ich mich tatsächlich auf meine Party.
„Wow! Da habt ihr Jungs euch aber selbst übertroffen!“, pfeift Natalie neben uns anerkennend.
Noah stellt sich wieder etwas aufrechter hin und legt seinen freien Arm um seine Schwester. Allerdings entfernt er sich dabei kein Stück von mir.
„Ja, finde ich auch. Habe ich gut hinbekommen.“
Ich stoße ihm leicht einen Ellenbogen in die Rippen, muss aber gleichzeitig über seinen gespielt hochnäsigen Ton lachen.
„Nein, Elli! Hör auf mit dem Mist!“, zischt Austin und gleich darauf höre ich, wie Elli etwas zu ihm sagt, allerdings so leise, dass ich sie nicht verstehen kann.
Die beiden kommen aus der Küche zu uns rüber, Austin allerdings nicht ganz freiwillig, denn Elli zerrt ihn hinter sich her.
„Was ist denn bei euch beiden schon wieder los?“, frage ich und schaue erst Elli, dann Austin an.
Elli zieht Austin noch ein Stück näher zu uns, bis er direkt vor Natalie steht. Ich sehe, wie er krampfhaft versucht, ihr nicht auf den dicken Bauch zu starren. Klappt nicht so gut, wie er vielleicht denkt. „Ich habe Austin gerade erzählt, wie dein Baby getreten hat. Aber irgendwie kann ich ihm nicht beschreiben, wie sich das anfühlt.“
Sie hält Austin fest neben sich und ich kann dem Ärmsten ansehen, wie unangenehm ihm das gerade ist. Elli will seine Hand auf Nats Bauch legen, aber diesmal zieht Austin energisch seine Hand aus ihrer. „Elli! Warum soll ich denn Natalie betatschen? Schon mal darüber nachgedacht, dass sie vielleicht auch nicht möchte, dass ihr irgendwer ständig an den Bauch fasst?“, sagt er mit gepresster Stimme. Er will sie nicht wieder anfahren. Seit Montag ist er da äußerst empfindlich. Aber diese für ihn scheinbar ziemlich unangenehme Situation macht ihn unruhig.
Elli schaut zwischen Natalie und Austin hin und her, weiß nicht, was sie sagen oder tun soll. Noah und ich stehen einfach daneben und betrachten das kleine Theater. Da ist ein Fernseher völlig unnötig.
Während sich Elli und Austin im Stillen nur mit ihren Blicken zu verständigen scheinen, sehe ich, wie Natalie nur grinsend die Augen verdreht. „Vielleicht lässt die Schwangere sich auch gerne den Bauch betatschen, mein Lieber“, sagt sie nur, greift nach Austins Hand und legt sie seitlich an dieselbe Stelle wie eben im Aufzug die von Elli und hält sie dort fest. Austin ist total perplex und starrt nur auf die Babykugel vor sich. Er bewegt sich keinen Millimeter. Natalie hat ihn so nah an sich gezogen, dass ihr Bauch seinen leicht berührt. Ich beobachte meinen besten Freund genau und erkenne den Moment, in dem sich seine Augen weiten und ein seltsames Glitzern darin erscheint. Er fühlt es.
Es ist schon seltsam, wie vier Mittzwanziger so emotional werden, total fasziniert sind, nur weil ein Kind sich im Leib seiner Mutter bewegt. Aber ich finde, es hat etwas Magisches. Es mag kitschig oder auch kindisch sein, aber besser kann ich das, was ich gefühlt habe, einfach nicht beschreiben.
Noahs Griff um meinen Körper wird fester und er legt seinen Kopf wieder auf meiner Schulter ab. Sein warmer Atem kitzelt meinen Hals, lässt meinen Körper kribbeln und bringt mich dazu, mich enger an ihn zu schmiegen.
Ich kann das ruhige stete Schlagen seines Herzens an meinem Rücken spüren und das lässt mich noch mehr zur Ruhe kommen.
„Da bewegt sich nichts mehr!“, sagt Austin ein wenig geschockt und irgendwie beunruhigt. Er streicht mit seinem Daumen über Natalies Bauch.
Diese lächelt und tätschelt seine fahrige Hand. „Ich glaube, meine kleine Maus hat sich fürs Erste ausgetobt.“
Austin nickt unsicher, wirkt aber beruhigt. Er sah gerade fast so aus, als hätte er Angst, irgendwas kaputtgemacht zu haben.
Im nächsten Moment lässt er Natalies Bauch wieder los, schließt stattdessen seine Hände um das Gesicht seiner Verlobten und küsst sie, als gäbe es kein Morgen mehr.
Einen Moment lassen wir ihnen, dann kann Noah es sich aber doch nicht mehr verkneifen. „Leute! Es wäre nett, wenn ihr euer Baby nicht in unserer Anwesenheit machen würdet!“
Mir entfährt ein ersticktes Lachen, wobei ich mich verschlucke. Natalie presst sich die Hand auf den Mund, vermutlich, um nicht selber zu lachen. Elli schiebt Austin von sich, zieht die Augenbrauen zusammen und lässt ihren Blick zwischen ihm und Noah hin und her fahren. Dann bleibt sie an Austin hängen. „Du hast es ihnen erzählt?! Ich wollte es Belle doch erzählen!“
Ups …
Elli will ihn enttäuscht wegschieben, aber Austin schließt seine Arme um sie, hebt sie hoch und trägt sie einfach Richtung Gästezimmer.
Wir drei schauen uns nur an.
„Die beiden wollen ein Baby?“, fragt Natalie, allerdings klingt sie dabei kein bisschen überrascht.
Noah nickt ihr als Antwort zu. „Ja, aber sie wollten es für sich behalten, bis es so weit ist. Aber Austin war am Dienstag total fertig, hat sich Sorgen um alles Mögliche gemacht. Und da hat Belle ihn quasi dazu genötigt, es uns zu erz… AUA!“
Ich ramme ihm fest meinen Ellenbogen in die Rippen, wohl ein wenig zu fest. „Jetzt schieb nicht alles auf mich. Ich habe mir einfach Sorgen um ihn gemacht“, beschwere ich mich und verschränke die Arme vor der Brust.
Noah tritt vor mich, reibt sich die Seite. Dann packt er mich und küsst mich stürmisch. Aber bevor ich reagieren kann, ist er auch schon wieder weg. „Das hat übrigens wehgetan“, murmelt er und entlockt mir ein Grinsen. Als könnte ich ihm ernsthaft wehtun!
Als es klingelt, mache ich mich von ihm los und gehe zur Tür. Über die Gegensprechanlage frage ich nach, wer stört.
„Lieferservice!“, ruft Ben in die Anlage und ich drücke den Türöffner. Ich freue mich, Ben zu sehen, aber das mindert nicht meine Verwirrung darüber, was er um kurz vor vier schon hier macht. Die Party beginnt erst um halb acht.
Ich öffne auch die Wohnungstüre, gerade als sich die Aufzugtüren öffnen und ich Ben mit mehreren Tüten und Kartons beladen sehe.
„Heyho, Geburtstagskind!“
Ich trete schnell in den Flur, um ihm den größten der Kartons abzunehmen, damit dem Ärmsten nicht noch was runterfällt.
„Hey, du. Was machst du denn schon hier? Und was bringst du da bitte alles mit?!“, frage ich ihn und lasse ihn an mir vorbei in die Wohnung gehen, um dann hinter mir die Türe mit dem Fuß zuzuschubsen.
„Siehst du gleich“, lacht er nur und geht Richtung Küche.
Dort steht nur Noah und gießt heißes Wasser in eine Tasse.
„Ben! Hey, Alter!“ Er begrüßt Ben und hilft ihm dabei, seine Last abzustellen. Auch mir nimmt er den Karton ab und lässt es sich nicht nehmen, mir schnell seine Lippen auf den Mund zu drücken.
Ben lässt von seinen Mitbringseln ab und kommt zu mir. „Bekomme ich auch einen?“, fragt er und legt erwartungsvoll den Kopf schief. Er ist schon ein Süßer. Allerdings genau wie Austin eher ein Bruder für mich. Deshalb greife ich sein Kinn, drehe seinen Kopf zur Seite und drücke ihm einen extra lauten Schmatzer auf die Wange.
„Und erzählst du mir jetzt, was du da alles mitgebracht hast?“
Ben allerdings zupft an meinen roséfarbenen Locken. „Sieht gut aus“, sagt er lächelnd und dreht sich dann zum Tresen um und beginnt, die Tüten und Kartons auszuräumen.
Was er da so alles auf die Platte zaubert, weitet meine Augen.
Ben hat jede Menge Essen mitgebracht. Schüsseln mit Salaten und Dips, geschnittenes Gemüse und verschiedenes Fingerfood.
„Wow, Ben … Hast du das alles gemacht?“, frage ich ihn und bestaune das Buffet.
Ben nickt stolz. „Jap. Mr. Bernotte war einverstanden. Natürlich musst du dich jetzt erst recht bei ihm vorstellen.“
Ich umarme ihn fest. Mit Worten kann ich ihm gar nicht sagen, wie dankbar ich ihm bin. Nicht nur für das Essen, sondern auch, dass er mir eine Möglichkeit gibt, einen neuen Schritt in meinem Leben zu machen.
Über seine Schulter hinweg sehe ich Noah. Er hebt einen Mundwinkel und ich bin ihm dankbar, dass er das hier gerade nicht unterbricht.
Allerdings tut es jemand anders.
„Essen!“, höre ich Natalie aufgeregt und irgendwie auch erleichtert seufzen.
…


