In Stille und Frieden
EUR 21,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 164
ISBN: 978-3-7116-0028-8
Erscheinungsdatum: 12.09.2024
Bernd ist auf der Suche – nach einem Sinn, etwas, das ihm Halt gibt und das er im Menschsein nicht findet. Er entdeckt etwas. Nimmt er das Gefundene an, so wird dadurch seine alte Identität ausgelöscht. Wird Bernd sein altes Leben zurücklassen?
Erster Teil
Was ist das denn? Ein Baum, der ihm zuwinkt? Und, noch erstaunlicher, einer ohne Wurzeln, in der Luft schwebend. So was hat er noch nirgendwo gesehen. Was für ein Ort! Alles ist umgeben von einer Art Film aus leuchtender Energie. Stille, tiefer, unerschütterlicher Frieden, pures Leben überall, ohne Gedanken und Mühsal. Zeit existiert hier nicht. Die Farben sind satt, von Grün über Braun bis zum zarten Rosa der Blumen. Hier ist alles anders und hat doch seine Ordnung. Er hockt sich nahe an den Boden und streicht mit gespreizten Fingern durch das saftige Gras, während Funken auf seiner Haut kippeln wie tänzelnde Stromschläge. Die pure Kraft der Sterne, aus der alles entstanden ist, das Leben selbst. Er lacht, wie könnte es auch anders sein? Eine Leichtigkeit breitet sich in ihm aus, sie geht in die Tiefe und ist unendlich. Der Widerstand zerspringt in lauter kleine Teile, die von der Freude des Seins weggeblasen werden. Nicht außen, in ihm. Was ist das? Ein Traum ist es gewesen. Im Dunkel der Nacht blickt er der Decke entgegen. Und der Frieden, er wirkt noch lange nach.
Am Morgen erwacht er mit einem vertrauten und zugleich sonderbaren Gefühl. Hat er geschlafen oder war er die letzten Stunden doch schon wach? Er weiß es nicht. Ein Dämmerzustand, hier und da und doch nicht wirklich wo, zwischen Himmel und Hölle, gestrandet im Niemandsland, dort, wo keiner sein will. Er fühlt sich eigenartig berührt, weil er das Gefühl hat, dass die Decke ihn anstarrt, nicht umgekehrt. Hat der Beton über ihm ein Bewusstsein? Würde er sich sonst nicht auflösen? Nichts kann leben ohne das Bewusstsein im Hintergrund.
Bernd wälzt sich im Bett hin und her, nicht bereit, die Wärme dieses Kokons zu verlassen. Hier fühlt er sich sicher und zugleich fällt es ihm darin auch besonders schwer, seine Gedanken zu kontrollieren. Ihm wird die Seltsamkeit dieses Umstandes bewusst. Warum hat er so viele Fragen im Kopf? Er kann sie nur schwer ertragen. Sie quälen ihn ständig. Immer soll er sich für etwas entscheiden? Sie überfallen ihn wie ausgehungerte Teufel, die niemals genug bekommen.
Dieser Traum, wenn er wahr wäre … Diese Leichtigkeit und der Frieden, tief und unerschütterlich. Blickt er in die Vergangenheit, dann erkennt er den sich schmal windenden Pfad des Fortschrittes. Sehr schmal, kaum zu erkennen. Das Ausmaß der Verzweiflung und der Unsicherheit ist dennoch schwer zu ertragen. Zuversicht und Freude, ja, davon kann er mehr gebrauchen. Das Leben ist keine Glücksmaschine. Glück ist ein Gefühl, welches für jede Person unterschiedlich an bestimmte Dinge, Orte und Situationen geknüpft ist. Freude hingegen entspringt aus dem Leben, ist ganz einfach Lebensfreude. Er lebt, aber wo bleibt die Freude?
Er wirbelt weiter im Bett umher und fragt sich, weshalb er all diese unsinnigen Fragen stellt. Sie machen ihn verrückt und trotzdem schafft er es nicht, sie abzustellen. Der Seele muss das alles fremd sein, sie kennt keinen Wahnsinn, sie wird davon nicht berührt. Es gibt da die Erkenntnis, dass nichts Echtes bedroht werden kann und dass nichts Unechtes existiert. Was heißt das? Alles außer der einfachen Existenz, dem Sein, der reinen Energie, dem puren Leben ist eine Täuschung. Deshalb ist es höchste Zeit, dass die Spezies Mensch enttäuscht wird! Aber kann das funktionieren? Der Wahnsinn, er steht auf der Tagesordnung und ist überall. Das führt zu ständigem Kampf und Mühsal. Der Mensch macht sich noch nicht mal die Mühe, seine Handlungen zu hinterfragen, das gilt zumindest für den Großteil der Individuen. Doch dem Kollektiv, der Menschheit, ist diese Fähigkeit vollkommen abhandengekommen. Ja, es gibt Meister, Erleuchtete, aber die Masse schläft noch und verursacht dabei schreckliche Träume. Er bemüht sich, aus dieser breiten Bewegung auszusteigen. Noch versinkt sein Dasein in Ängsten und unbewussten Handlungen. Gelegentlich genügt ein genauer, scharfer Blick eines harmlosen Mitmenschen, um im besten Fall für Unwohlsein zu sorgen. Manchmal fühlt er sich verfolgt, durchschaut, als ob jene Person genau um seine Unzulänglichkeiten und Schwächen wüsste, um sein Fehlverhalten sowieso. Der Mensch sieht sich als getrennt von allem und genau das führt zu der Wahnvorstellung, dass man immer auf der Hut sein muss. Wie verändert man diesen Zustand? Kann man in sich horchen und dort die heilige Stille entdecken? Ja, das kann man. Es ist wahr, dass selbst der Lärm und überhaupt kein Geräusch ohne die Stille existieren kann. Deshalb ist die Stille überall. Genauso verhält es sich nach den Worten der wenigen Meister mit unserer Göttlichkeit. Unser Verstand jedoch verbirgt sie vor uns und spielt Gott. Wir glauben ihm und vermuten darin das größte aller Werkzeuge. Allerdings erschafft er nur Spaltung und Angst. Er versucht die Wahrheit in allem zu töten, nichts anderes ist der Grund für all die Gewalt. Er setzt jedem Menschen und jeder Situation eine Maske auf und verhindert so, dass sie sein können, wie sie wirklich sind. Der kollektive Wahnsinn, der so entsteht, überwältigt jene, die zu ihrer wahren Natur noch keinen Zugang haben. Er nistet sich dort ein, wo der Verstand das uneingeschränkte Sagen hat. Der Mensch muss präsent sein. Er muss in sich hineinhören und erkennen: Das bin ich. Ich bin diese Stille und Tiefe. Ich bin KEIN Gedanke. All die furchtbaren Stimmen gehören nicht zu mir. Dies erfährt man nur in der Stille. Man braucht dazu keine Superkraft und zugleich schenkt sie uns eine Kraft, die sich keiner vorstellen kann. Sie lässt sich nur erfahren, erleben. Hingabe an den Moment, alles anzunehmen, ohne die Dinge zu beurteilen, führt uns dahin. Hingabe ist nicht Tun, sondern Sein. Das ist Gott, das ist das eine Leben, zu dem es kein Gegenteil gibt. Nichts Bestimmtes und doch alles. Für jeden, der fragt, was er tun kann, ist das die Antwort.
Durch noch mehr Denken kann ich meine Gedanken nicht im Zaum halten. Noch mehr Kampf überwindet diesen nicht. Seit Jahrtausenden versucht der Mensch jedoch genau das. Er vergilt Gleiches mit Gleichem, anstatt das Eine hinter allem zu sehen. Es gibt nur das göttliche Bewusstsein, das in unzählige Formen schlüpft. Nun gibt es immer mehr Leute, die genau das erkennen. Ihnen wird bewusst, dass unkontrolliertes Denken dazu führt, immer und überall einen Schuldigen ausfindig machen zu müssen. Natürlich, sagen wir, einer muss doch Schuld haben. Aber was ist, wenn es tatsächlich bloß am Ego liegt, welches uns kontrolliert? Was, wenn es die Krankheit ist? Einem Kranken gebührt unser Mitgefühl. Wut und Groll sind fehl am Platz.
Er erkennt den Wahnsinn menschlichen Verhaltens, den Irrsinn unserer Zivilisation und dass das alles weit davon entfernt ist, zivilisiert zu sein. Zugleich jedoch ist er unweigerlich daran beteiligt, etwa jetzt, in der Dunkelheit, während er das Haus verlässt, für einen Spaziergang. Bernd meidet das Tageslicht, um unangenehmen Begegnungen auszuweichen. Der Verstand gibt ihm natürlich recht. Wozu irgendwelchen eingebildeten und dummen Leuten begegnen, Menschen, die ihm etwas vorgaukeln und hinter seinem Rücken schlecht über ihn reden? Zugleich wird ihm langsam bewusst, dass genau dies zur Spaltung führt. Das Ego fühlt sich anderen über- oder unterlegen. Beides ist nicht wahr. Und dennoch wird uns allen von Anfang an genau das Denken beigebracht. Es zu kontrollieren, lehrt uns keiner. Es ist einfach etwas, das ständig abläuft. Unzählige Beispiele dafür gibt es. Jedoch ist es wieder ein Kampf, seine Gedanken nicht haben zu wollen. Man will den Teufel nicht bei sich haben und öffnet ihm gerade damit sämtliche Türen. Deshalb gibt es immer mehr von den sogenannten Problemen. Sie bekommen unsere Aufmerksamkeit, damit Energie und vermehren sich. Tatsächlich, so einfach ist es. Kompliziert erscheint es nur durch die Brille der Tragik. Das Ego möchte weiterhin bestimmend sein. Aber ist es wirklich so, dass Gedanken ein Eigenleben haben? Haben sie die Macht, sich in unsere Köpfe zu schleichen? Bestimmen sie, wo es langgeht? Verteidigen sie sich gegen Bewusstheit? Bewusstheit führt in jedem Fall dazu, dass den Gedanken der Zwang genommen wird. Ein bewusster Mensch, einer, der seine Seele erkennt, aktiviert den Verstand, wenn er ihn für praktische Dinge benötigt und legt ihn danach einfach zur Seite. So gebraucht, nützt er dem Bewusstsein.
Er hört Schritte. Jemand kommt auf ihn zu. An der Biegung wird es zur Begegnung kommen. Schnell im Wald verschwinden? Was soll er tun? Einfach weitergehen. Aber dieser Fremde ist ein Ruhestörer, er stört die Selbstgespräche und den Gedankenlärm. Andererseits könnte er die Erlösung sein, der persönliche Meister, jener, der Heil und Frieden bringt. Dass der nur aus ihm selbst kommen kann, dessen ist er sich nicht bewusst. Woher stammt dieser ständige Cocktail aus Angst und Hoffnung, das ständige Fragen, was der nächste Moment bringt, das Bangen, nicht unterzugehen und die Verlorenheit und das unerträgliche Desinteresse am Lauf dieser wahnsinnigen Welt? Nichts weiter ist es als zielloses Umherirren, den Weg entlangstolpern, ohne Halt. Diese abscheuliche Gleichgültigkeit. Nichts ergibt Sinn, alles ist fade und leer. Niemand versteht das, niemand.
Die Schritte kommen näher. Was hört er da? Wer ist da unterwegs? Sie klingen so leicht. Diese Person scheint mehr zu schweben als zu laufen. Noch bevor er sie sieht, breiten sich Wärme und Behaglichkeit in seinen Zellen aus. Etwas streichelt seine Seele und erwärmt sein Herz. Güte und Mitgefühl durchfluten ihn wie die Wellen des Meeres, sanft und zugleich unendlich kraftvoll. Plötzlich wird alles lebendig. Freude und Frieden werden auf eine nie zuvor gekannte Art und Weise genährt, zart und nachgiebig, flexibel und biegsam. Ein ihm unbekanntes und doch vertrautes Gefühl. So müssen sich Galaxien bei ihrer Geburt fühlen, weit und grenzenlos. Eine Woge der Liebe, welche alles umarmt.
Da, jetzt kommt das Wesen in einem Bogen auf ihn zu. Aussehen tut es wie ein Mensch, aber sonst erinnert nichts an einen solchen, so rein und klar schreitet es heran. Sofort fällt ihm auf, dass es auf jegliche Maskerade verzichtet. Hier gibt es einander nichts vorzuspielen. Sicher nicht vonseiten dieser Gestalt.
„Ich begrüße dich“, verneigt sich der vertraute Fremde. Dies geschieht nicht durch Anstand, ist kein erlerntes Verhalten, sondern einfach Wertschätzung ihm gegenüber.
Er steht einfach nur da und gafft ihn an. Jedenfalls sieht der Körper nach einem Er aus. Die gleiche Glückseligkeit wie im Traum der vergangenen Nacht durchflutet seinen Körper und eröffnet Weite.
„Du bist kein Mensch“, blubbert es aus ihm heraus.
Das Wesen lacht herzhaft und Weisheit glänzt in seinen Augen. „Na, bist du denn einer?“
Nur im ersten Moment ist er über diese Frage etwas verdattert. „Naja, offiziell schon.“
„Und inoffiziell fühlt es sich wie an?“
„Dass du nicht von dieser Welt bist. Und ich wohl auch nicht.“
„Obwohl wir nicht von da sind, treffen wir uns genau hier.“
„Ja, ich glaube, wir nennen das … Dich bezeichnet man offiziell wohl als Außerirdischen.“
„Wir alle sind nicht irdischen Ursprungs, tiefergehend, als die Menschen glauben. Du weißt es schon und jetzt willst du es erfahren, deshalb bin ich hier.“ Dieser Weltraummensch fackelt nicht herum und kommt zur Sache. „Du wünschst es dir so sehr und dieser Wunsch ruft uns. Für den Fall, dass du einverstanden bist, nehme ich dich mit.“
„Zu euch nach Hause?“, fragt er, völlig aus dem Konzept gebracht.
„In euren Worten gesprochen, ja“, lacht der Weltraumreisende. „Komm bitte mit mir mit.“
Eine schwungvolle Geste weist ihm den Weg. Das lässt er sich nicht zweimal sagen. Unglaublich, diese Gestalt verliert kein Wort zu viel, redet sich den Mund nicht fusselig und auch nicht solange um den heißen Brei, bis er kalt ist. Sie kommt einfach zur Sache.
„Aber wieso hier und weshalb jetzt?“
Kaum zu glauben, schon wieder rattert es in seinem Kopf.
...
Was ist das denn? Ein Baum, der ihm zuwinkt? Und, noch erstaunlicher, einer ohne Wurzeln, in der Luft schwebend. So was hat er noch nirgendwo gesehen. Was für ein Ort! Alles ist umgeben von einer Art Film aus leuchtender Energie. Stille, tiefer, unerschütterlicher Frieden, pures Leben überall, ohne Gedanken und Mühsal. Zeit existiert hier nicht. Die Farben sind satt, von Grün über Braun bis zum zarten Rosa der Blumen. Hier ist alles anders und hat doch seine Ordnung. Er hockt sich nahe an den Boden und streicht mit gespreizten Fingern durch das saftige Gras, während Funken auf seiner Haut kippeln wie tänzelnde Stromschläge. Die pure Kraft der Sterne, aus der alles entstanden ist, das Leben selbst. Er lacht, wie könnte es auch anders sein? Eine Leichtigkeit breitet sich in ihm aus, sie geht in die Tiefe und ist unendlich. Der Widerstand zerspringt in lauter kleine Teile, die von der Freude des Seins weggeblasen werden. Nicht außen, in ihm. Was ist das? Ein Traum ist es gewesen. Im Dunkel der Nacht blickt er der Decke entgegen. Und der Frieden, er wirkt noch lange nach.
Am Morgen erwacht er mit einem vertrauten und zugleich sonderbaren Gefühl. Hat er geschlafen oder war er die letzten Stunden doch schon wach? Er weiß es nicht. Ein Dämmerzustand, hier und da und doch nicht wirklich wo, zwischen Himmel und Hölle, gestrandet im Niemandsland, dort, wo keiner sein will. Er fühlt sich eigenartig berührt, weil er das Gefühl hat, dass die Decke ihn anstarrt, nicht umgekehrt. Hat der Beton über ihm ein Bewusstsein? Würde er sich sonst nicht auflösen? Nichts kann leben ohne das Bewusstsein im Hintergrund.
Bernd wälzt sich im Bett hin und her, nicht bereit, die Wärme dieses Kokons zu verlassen. Hier fühlt er sich sicher und zugleich fällt es ihm darin auch besonders schwer, seine Gedanken zu kontrollieren. Ihm wird die Seltsamkeit dieses Umstandes bewusst. Warum hat er so viele Fragen im Kopf? Er kann sie nur schwer ertragen. Sie quälen ihn ständig. Immer soll er sich für etwas entscheiden? Sie überfallen ihn wie ausgehungerte Teufel, die niemals genug bekommen.
Dieser Traum, wenn er wahr wäre … Diese Leichtigkeit und der Frieden, tief und unerschütterlich. Blickt er in die Vergangenheit, dann erkennt er den sich schmal windenden Pfad des Fortschrittes. Sehr schmal, kaum zu erkennen. Das Ausmaß der Verzweiflung und der Unsicherheit ist dennoch schwer zu ertragen. Zuversicht und Freude, ja, davon kann er mehr gebrauchen. Das Leben ist keine Glücksmaschine. Glück ist ein Gefühl, welches für jede Person unterschiedlich an bestimmte Dinge, Orte und Situationen geknüpft ist. Freude hingegen entspringt aus dem Leben, ist ganz einfach Lebensfreude. Er lebt, aber wo bleibt die Freude?
Er wirbelt weiter im Bett umher und fragt sich, weshalb er all diese unsinnigen Fragen stellt. Sie machen ihn verrückt und trotzdem schafft er es nicht, sie abzustellen. Der Seele muss das alles fremd sein, sie kennt keinen Wahnsinn, sie wird davon nicht berührt. Es gibt da die Erkenntnis, dass nichts Echtes bedroht werden kann und dass nichts Unechtes existiert. Was heißt das? Alles außer der einfachen Existenz, dem Sein, der reinen Energie, dem puren Leben ist eine Täuschung. Deshalb ist es höchste Zeit, dass die Spezies Mensch enttäuscht wird! Aber kann das funktionieren? Der Wahnsinn, er steht auf der Tagesordnung und ist überall. Das führt zu ständigem Kampf und Mühsal. Der Mensch macht sich noch nicht mal die Mühe, seine Handlungen zu hinterfragen, das gilt zumindest für den Großteil der Individuen. Doch dem Kollektiv, der Menschheit, ist diese Fähigkeit vollkommen abhandengekommen. Ja, es gibt Meister, Erleuchtete, aber die Masse schläft noch und verursacht dabei schreckliche Träume. Er bemüht sich, aus dieser breiten Bewegung auszusteigen. Noch versinkt sein Dasein in Ängsten und unbewussten Handlungen. Gelegentlich genügt ein genauer, scharfer Blick eines harmlosen Mitmenschen, um im besten Fall für Unwohlsein zu sorgen. Manchmal fühlt er sich verfolgt, durchschaut, als ob jene Person genau um seine Unzulänglichkeiten und Schwächen wüsste, um sein Fehlverhalten sowieso. Der Mensch sieht sich als getrennt von allem und genau das führt zu der Wahnvorstellung, dass man immer auf der Hut sein muss. Wie verändert man diesen Zustand? Kann man in sich horchen und dort die heilige Stille entdecken? Ja, das kann man. Es ist wahr, dass selbst der Lärm und überhaupt kein Geräusch ohne die Stille existieren kann. Deshalb ist die Stille überall. Genauso verhält es sich nach den Worten der wenigen Meister mit unserer Göttlichkeit. Unser Verstand jedoch verbirgt sie vor uns und spielt Gott. Wir glauben ihm und vermuten darin das größte aller Werkzeuge. Allerdings erschafft er nur Spaltung und Angst. Er versucht die Wahrheit in allem zu töten, nichts anderes ist der Grund für all die Gewalt. Er setzt jedem Menschen und jeder Situation eine Maske auf und verhindert so, dass sie sein können, wie sie wirklich sind. Der kollektive Wahnsinn, der so entsteht, überwältigt jene, die zu ihrer wahren Natur noch keinen Zugang haben. Er nistet sich dort ein, wo der Verstand das uneingeschränkte Sagen hat. Der Mensch muss präsent sein. Er muss in sich hineinhören und erkennen: Das bin ich. Ich bin diese Stille und Tiefe. Ich bin KEIN Gedanke. All die furchtbaren Stimmen gehören nicht zu mir. Dies erfährt man nur in der Stille. Man braucht dazu keine Superkraft und zugleich schenkt sie uns eine Kraft, die sich keiner vorstellen kann. Sie lässt sich nur erfahren, erleben. Hingabe an den Moment, alles anzunehmen, ohne die Dinge zu beurteilen, führt uns dahin. Hingabe ist nicht Tun, sondern Sein. Das ist Gott, das ist das eine Leben, zu dem es kein Gegenteil gibt. Nichts Bestimmtes und doch alles. Für jeden, der fragt, was er tun kann, ist das die Antwort.
Durch noch mehr Denken kann ich meine Gedanken nicht im Zaum halten. Noch mehr Kampf überwindet diesen nicht. Seit Jahrtausenden versucht der Mensch jedoch genau das. Er vergilt Gleiches mit Gleichem, anstatt das Eine hinter allem zu sehen. Es gibt nur das göttliche Bewusstsein, das in unzählige Formen schlüpft. Nun gibt es immer mehr Leute, die genau das erkennen. Ihnen wird bewusst, dass unkontrolliertes Denken dazu führt, immer und überall einen Schuldigen ausfindig machen zu müssen. Natürlich, sagen wir, einer muss doch Schuld haben. Aber was ist, wenn es tatsächlich bloß am Ego liegt, welches uns kontrolliert? Was, wenn es die Krankheit ist? Einem Kranken gebührt unser Mitgefühl. Wut und Groll sind fehl am Platz.
Er erkennt den Wahnsinn menschlichen Verhaltens, den Irrsinn unserer Zivilisation und dass das alles weit davon entfernt ist, zivilisiert zu sein. Zugleich jedoch ist er unweigerlich daran beteiligt, etwa jetzt, in der Dunkelheit, während er das Haus verlässt, für einen Spaziergang. Bernd meidet das Tageslicht, um unangenehmen Begegnungen auszuweichen. Der Verstand gibt ihm natürlich recht. Wozu irgendwelchen eingebildeten und dummen Leuten begegnen, Menschen, die ihm etwas vorgaukeln und hinter seinem Rücken schlecht über ihn reden? Zugleich wird ihm langsam bewusst, dass genau dies zur Spaltung führt. Das Ego fühlt sich anderen über- oder unterlegen. Beides ist nicht wahr. Und dennoch wird uns allen von Anfang an genau das Denken beigebracht. Es zu kontrollieren, lehrt uns keiner. Es ist einfach etwas, das ständig abläuft. Unzählige Beispiele dafür gibt es. Jedoch ist es wieder ein Kampf, seine Gedanken nicht haben zu wollen. Man will den Teufel nicht bei sich haben und öffnet ihm gerade damit sämtliche Türen. Deshalb gibt es immer mehr von den sogenannten Problemen. Sie bekommen unsere Aufmerksamkeit, damit Energie und vermehren sich. Tatsächlich, so einfach ist es. Kompliziert erscheint es nur durch die Brille der Tragik. Das Ego möchte weiterhin bestimmend sein. Aber ist es wirklich so, dass Gedanken ein Eigenleben haben? Haben sie die Macht, sich in unsere Köpfe zu schleichen? Bestimmen sie, wo es langgeht? Verteidigen sie sich gegen Bewusstheit? Bewusstheit führt in jedem Fall dazu, dass den Gedanken der Zwang genommen wird. Ein bewusster Mensch, einer, der seine Seele erkennt, aktiviert den Verstand, wenn er ihn für praktische Dinge benötigt und legt ihn danach einfach zur Seite. So gebraucht, nützt er dem Bewusstsein.
Er hört Schritte. Jemand kommt auf ihn zu. An der Biegung wird es zur Begegnung kommen. Schnell im Wald verschwinden? Was soll er tun? Einfach weitergehen. Aber dieser Fremde ist ein Ruhestörer, er stört die Selbstgespräche und den Gedankenlärm. Andererseits könnte er die Erlösung sein, der persönliche Meister, jener, der Heil und Frieden bringt. Dass der nur aus ihm selbst kommen kann, dessen ist er sich nicht bewusst. Woher stammt dieser ständige Cocktail aus Angst und Hoffnung, das ständige Fragen, was der nächste Moment bringt, das Bangen, nicht unterzugehen und die Verlorenheit und das unerträgliche Desinteresse am Lauf dieser wahnsinnigen Welt? Nichts weiter ist es als zielloses Umherirren, den Weg entlangstolpern, ohne Halt. Diese abscheuliche Gleichgültigkeit. Nichts ergibt Sinn, alles ist fade und leer. Niemand versteht das, niemand.
Die Schritte kommen näher. Was hört er da? Wer ist da unterwegs? Sie klingen so leicht. Diese Person scheint mehr zu schweben als zu laufen. Noch bevor er sie sieht, breiten sich Wärme und Behaglichkeit in seinen Zellen aus. Etwas streichelt seine Seele und erwärmt sein Herz. Güte und Mitgefühl durchfluten ihn wie die Wellen des Meeres, sanft und zugleich unendlich kraftvoll. Plötzlich wird alles lebendig. Freude und Frieden werden auf eine nie zuvor gekannte Art und Weise genährt, zart und nachgiebig, flexibel und biegsam. Ein ihm unbekanntes und doch vertrautes Gefühl. So müssen sich Galaxien bei ihrer Geburt fühlen, weit und grenzenlos. Eine Woge der Liebe, welche alles umarmt.
Da, jetzt kommt das Wesen in einem Bogen auf ihn zu. Aussehen tut es wie ein Mensch, aber sonst erinnert nichts an einen solchen, so rein und klar schreitet es heran. Sofort fällt ihm auf, dass es auf jegliche Maskerade verzichtet. Hier gibt es einander nichts vorzuspielen. Sicher nicht vonseiten dieser Gestalt.
„Ich begrüße dich“, verneigt sich der vertraute Fremde. Dies geschieht nicht durch Anstand, ist kein erlerntes Verhalten, sondern einfach Wertschätzung ihm gegenüber.
Er steht einfach nur da und gafft ihn an. Jedenfalls sieht der Körper nach einem Er aus. Die gleiche Glückseligkeit wie im Traum der vergangenen Nacht durchflutet seinen Körper und eröffnet Weite.
„Du bist kein Mensch“, blubbert es aus ihm heraus.
Das Wesen lacht herzhaft und Weisheit glänzt in seinen Augen. „Na, bist du denn einer?“
Nur im ersten Moment ist er über diese Frage etwas verdattert. „Naja, offiziell schon.“
„Und inoffiziell fühlt es sich wie an?“
„Dass du nicht von dieser Welt bist. Und ich wohl auch nicht.“
„Obwohl wir nicht von da sind, treffen wir uns genau hier.“
„Ja, ich glaube, wir nennen das … Dich bezeichnet man offiziell wohl als Außerirdischen.“
„Wir alle sind nicht irdischen Ursprungs, tiefergehend, als die Menschen glauben. Du weißt es schon und jetzt willst du es erfahren, deshalb bin ich hier.“ Dieser Weltraummensch fackelt nicht herum und kommt zur Sache. „Du wünschst es dir so sehr und dieser Wunsch ruft uns. Für den Fall, dass du einverstanden bist, nehme ich dich mit.“
„Zu euch nach Hause?“, fragt er, völlig aus dem Konzept gebracht.
„In euren Worten gesprochen, ja“, lacht der Weltraumreisende. „Komm bitte mit mir mit.“
Eine schwungvolle Geste weist ihm den Weg. Das lässt er sich nicht zweimal sagen. Unglaublich, diese Gestalt verliert kein Wort zu viel, redet sich den Mund nicht fusselig und auch nicht solange um den heißen Brei, bis er kalt ist. Sie kommt einfach zur Sache.
„Aber wieso hier und weshalb jetzt?“
Kaum zu glauben, schon wieder rattert es in seinem Kopf.
...

