Hörkino. Bewegen und Klingen. Hinter Türen und offenem Himmel.

Hörkino. Bewegen und Klingen. Hinter Türen und offenem Himmel.

Marie Likisch


EUR 20,90

Format: 15 x 22 cm
Seitenanzahl: 90
ISBN: 978-3-95840-365-9
Erscheinungsdatum: 29.03.2017
Sahra, ihr Ex-Partner und ihre Zwillinge erleben in den Ferien so einiges. Beim Betrachten des Sternenhimmels philosophieren sie über das Universum und lauschen den Kompositionen von Sahra. Ein fiktiver Roman mit CD, der gleichzeitig ein Kinofilm ist!
Über mich

Mein Name ist Andrea, Pseudonym Marie, und ich schrieb zwei autobiografische Romane über mich und drei Bücher über Sahra und ihre Familie, welche Kunstfiguren sind. Sahra ist Schriftstellerin in Nürnberg und ihre komplette Familie spricht fränkisch. Ihre Tochter Michaela ist 16 Jahre alt und deren Freund Ali ein wenig älter. Ihre Zwillinge sind 8 Jahre alt. Sahras Vater Jakob und seine Lebensgefährtin Hedwig sind über 70 Jahre alt und leben auf dem Dorf. Von dem Vater der Kinder ist Sahra getrennt. Dieses Buch soll ein Drehbuch für einen Kinofilm sein, welches von dieser Familie handelt. Der Inhalt ist in Tage aufgeteilt. Ich gebe mal die Grobinhalte wieder: Am Donnerstag bringt der Vater die Kinder und Sahra geht mit den Zwillingen in den Zoo; am Freitag in das Schwimmbad; am Samstag Besuch auf dem Land; am Sonntag Heilige Messe und Kinobesuch; am Montag Hüpfen auf dem Trampolin und anschließend werden die Kinder vom Vater abgeholt.
Für einen Film ist folgendes Vorgehen sinnvoll: Erst den Kinofilm „Hörspiel“ drehen. Dann den Weg ins Kino von Jakob und Ali und ihren Partnerinnen zu drehen. Im Kino „Hörspiel“ anzuschauen und dann das Eisessen und den Rückweg zu drehen. Das ist nämlich der ganze Inhalt auf einen Blick. Die Figuren, ihr Aussehen sowie Charakter sind in meinen Büchern beschrieben.
Die Personen können aber auch unabhängig von meinen Büchern dargestellt werden. Die Stadt kann durch eine andere Stadt ersetzt werden. Ebenso die Gebäude wie auch die Namen und die Personen. So könnte Sahra auch durch einen Vater ersetzt werden. Falls dies geschieht, dann könnte es Stefan sein. Er oder sie könnten auch deinen Namen tragen. Die Zwillinge könnten zwei Mädchen oder zwei Buben sein. Fraukes Kinder könnten mehr oder weniger sein. Das ist alles Gestaltungsfreiheit.
Wenn du das Hörbuch liest, dann kannst du dir dich selber vorstellen oder/und in eine Figur hineinversetzen. Du kannst dir überlegen, wer du gerne sein möchtest und all die Dinge selber erleben oder Infos im Internet nachschlagen. Die Musik ist auf der CD, noch andere passende Musik ist auf meiner Homepage. Du kannst dir die Sachen bildlich und klanglich vorstellen. Auch die Bewegungen. Es ist wie eine Gedankenreise. Du kannst die Szenen auch selber erleben und hast dann eine Ahnung, wie das abläuft oder ablaufen kann. Es sind in dem Buch nur Vorgänge und Bewegungen und Klänge erhalten, die du in Deutschland auch selber erleben kannst. Auf vielen anderen Flecken der Erde auch. Du kannst es als eine andere Art des Reisens betrachten. Und jeder Kinofilm könnte auch dein Leben sein.
Das sind jetzt Wahrheiten, die ein jeder Mensch kennt. Denn wir filmen und fotografieren uns ja oft. Bei Facebook und in Videos, Filmen und Internet verewigen sich die Menschen und erklären sich gegenseitig die Welt. Jeder Mensch schreibt sich das Drehbuch für sein Leben und wir schreiben es uns gegenseitig. Mein Verhalten bewirkt auch das Verhalten eines anderen Menschen. Gibt ihm die gleiche Freiheit oder schränkt ihn ein. Jedes Verhalten kann ich mir wie einen Steinwurf ins Wasser vorstellen. Es zieht Kreise. Große oder kleine. Und wenn viele Steine ins Wasser fallen, gibt es große Kreise, die ineinander übergehen. Das kann mir gefallen oder auch nicht. Bei zu viel Steinewerfen entsteht dann kein schönes Wasserbild, sondern absolutes Chaos. Das kann mir gefallen oder nicht. Schlimm ist es nur, wenn sich Menschen so verhalten, dass schon gar kein Wasser da ist. Dann gibt es schon gar keine Gelegenheit für das Meditieren über das Ziehen der Kreise. Darum halte ich es immer noch für sinnvoll, einen Gedanken vom Anfang bis zum Ende zu denken; wie eine Art Kreis. Die Folgen des Handelns als eine Art Medikament zu betrachten: mit Wirkungen. Die erwünschten und auch die Nebenwirkungen. Viel Vergnügen beim Lesen und Nachspielen.


Vorspann vom Hörkino

Jakob, Hedwig, Michaela und Ali sind in Schwabach. Es ist der 21. August eines Jahres. Sie stehen an der Marionettenbühne und laufen gemeinsam die Straße hinunter. Es ist Sonntagnachmittag; bewölktes Wetter und die Straße ist wenig befahren. Es brummen immer wieder Autos vorbei. Die vier unterhalten sich.

Michaela: Jetzt wurde das Buch „Hörkino“ von Mama tatsächlich verfilmt. Ich bin immer noch sprachlos.
Ali: Ich bin nur noch fasziniert von deiner Mama. Ist doch total mega, die Drehbuchautorin eines Kinofilmes zu kennen. Ich finde das super.
Hedwig: Ich bin ebenfalls ganz baff. Toll, dass sie einen Regisseur gefunden hat, der ihr Skript verfilmen wollte. Ich finde das ebenfalls super.
Jakob: Ich bin immer noch überrascht. Sahra drückte mir die Kinokarten in die Hand und sagte, dass dies ein Geschenk für uns alle ist. Wir dürfen Sonntagnachmittag in den Film „Hörkino“. Und Sahra sagte, dass sie das Drehbuch dafür schrieb. Der Hammer. Und nun laufen wir in das Kino.
Michaela: Schade, dass die Zwillinge nicht dabei sind. Die würde das bestimmt auch interessieren. Aber die sind ja im Zeltlager und haben dort auch ihren Spaß. Und Mama kennt diesen Film ja schon. Sie war ja bei der Produktion dabei und durfte Kommentare abgeben.
Hedwig: Michaela, du weißt doch als Tochter am meisten über den Roman, den deine Mutter schrieb. Deinem Opa und mir hat sie wenig verraten. Wir hatten keine Ahnung, dass sie sich nun schon für Kinofilme interessiert. Und dass sie die Entstehung des Filmes begleitete, hat sie uns auch verheimlicht.
Ali: Ich als Michaelas Freund habe ebenfalls keine Ahnung. Von Nix. Weder vom Inhalt noch von sonst was. Mit mir hat Sahra nicht darüber gesprochen.
Michaela: Ich weiß genauso wenig wie ihr. Der Film heißt „Das Hörkino“. Und Mama hat sich mal wieder zwei Untertitel ausgedacht. Der eine Titel heißt: „Die Welt ist Bewegung und Klang.“ Und der andere Titel lautet: „Hinter Türen und offenem Himmel.“
Hedwig: Wir müssen jetzt die Straße überqueren. Die Ampel ist auf Rot. Jakob, drück doch mal bitte darauf.
Jakob: Ich suche ja schon den Knopf. Ich bin schon dabei. Es gibt aber keinen Knopf. Es geht automatisch. Wir müssen warten.
Sie bleiben stehen und warten.
Jakob: Wie heißt dieses Uralt-Kino noch mal, wo wir hinmüssen?
Hedwig: Luna. Luna-Theater. Luna-Lichtspielhaus. Luna-Kino. Ich weiß selber nicht so genau, wie die genannt werden wollen. Aber das Wort Luna ist auf jeden Fall drin. Da müssen wir noch ein wenig laufen, bis wir da sind.
Jakob: In Schwabach muss ich immer an dieser Ampel warten.
Hedwig: Weil du da draufdrücken musst. Die schaltet erst um, wenn du sie dazu bringst. Bei manchen anderen Ampeln ist das anders. Sie schalten automatisch nach bestimmten Zeitabständen um.
Jakob: Wir können gehen. Es ist grün.
Sie laufen weiter.
Ali: Der Film heißt also „Hörkino“. Ich gehe mal davon aus, dass wir viel hören müssen. Und wenn es heißt, dass es hinter Türen ist, hören wir vielleicht vor verschlossenen Türen. Es können aber auch nicht verschlossene Türen sein. Also offene Türen.
Michaela: Ich habe keine Ahnung; meiner Mutter ist alles zuzutrauen. Vielleicht zieht sie den Film mehr als Hörspiel auf.
Ali: Wenn ich Kinofilme anschaue, ist da schon auch immer eine enorme Geräuschkulisse und manchmal auch atemberaubend schöne Musik. Schon die Musik ist oft ein Genuss. Manchmal ist aber die Musik so hektisch, dass ich ganz nervös davon werde.
Michaela: Das geht mir genauso. Ich sah in meinem Leben bisher wenige Filme, in denen es von den Tönen her ruhig zuging. Und wenn, dann war diese Stille schon wieder fast gespenstisch ruhig.
Ali: Ich habe mir beim Gwerch oft die Ohren zugehalten und nur auf das Bild geschaut. Und dann war die Spannung viel weniger und auf mich hat das alles entspannter gewirkt.
Michaela: Es gibt oft auf CDs die Filmmusik zu kaufen und auch die Noten dazu. Meine ehemalige Klavierlehrerin brachte mir oft Filmmusik bei. Ich war von der Musik oft so begeistert. Sie anzuhören war wie ein Rausch. Sie zu spielen noch viel mehr. So eine kleine Ekstase. Ich war oft ganz überwältigt von der Musik und der Kreativität der Künstler und Künstlerinnen.
Michaela: Wir laufen jetzt in die Fußgängerzone hinein. Ich finde Schwabach so mittelalterlich-romantisch. Ein wirklich hübsches Städtchen. Mit ganz vielen bunten Schaufenstern.
Jakob: Hier ist der Spielwarenladen, aus dem du als Kind fast nicht mehr herauszubringen warst. Es war echt ein Elend mit dir und erforderte viel Überredungskunst.
Sie bleiben vor dem Geschäft stehen.
Michaela: Da gibt es ja immer noch so tolles Spielzeug. Die Puppe da hinten ist ganz arg süß. Meine Geschwister Nina und Tobi, mit ihren acht Jahren, würden da drinnen ihre helle Freude haben.
Jakob: Wenn es sich mal ergibt, dann gehe ich mit den zwei Rabauken da rein. Irgendwann. Da lege ich mich mal noch nicht terminlich fest.
Hedwig: Da bin ich aber dann nicht dabei; das dauert ja dann ewig. Ich setze mich währenddessen in eines der schönen Straßencafés.
Michaela: Kommt, wir wollen weitergehen. Sonst schaffen wir das nicht in aller Ruhe, da reinzugehen.
Sie laufen weiter. Michaela und Ali nehmen sich an die Hand.
Jakob: Ich verstehe jetzt immer noch nicht, um was es in dem Streifen geht. Es heißt „Hörkino“ und es heißt „Offener Himmel“.
Michaela: Opa, ich weiß es wirklich nicht. Aber Himmel ist ja das Lieblingsthema von Mama. Sie glaubt ja daran, dass hier auf Erden der Himmel beginnt und sich dann im Himmel fortsetzt. Sie orientiert sich mit ihren Gedanken immer an der Bibel.
Ali: Diesen Gedanken hat sie mir auch mal erklärt. Und sie sagte mir, dass ihre Lieblingsstelle in der Bibel im Hebräerbrief steht. Ich kann mich erinnern, dass sie Hebräer 11 sagte.
Hedwig: Diese Bibelstelle, die sie meint, kenne ich auch. Sie ist auf ihrem Kühlschrank platziert. Dort steht: „Sola Fide. Allein durch Glaube wurde die Arche gebaut, verließ ein Mann seine Heimat, kam ein Kind zur Welt, zog ein Volk durch das Meer, wurden Königreiche bezwungen, verstehen wir.“
Jakob: Hedwig, ich bin beeindruckt, dass du diese Bibelstelle zitieren kannst und im Kopf hast. Wow.
Hedwig: Im Firmunterricht, das ist ja schon über 60 Jahre her, lernten wir viele Bibelverse. Und wir sollten die uns alle auswendig einprägen. Was ich im Nachhinein sehr sinnvoll finde.
Ali: Und was hat das nun mit dem offenen Himmel zu tun?
Michaela: Die Mama meint, dass wir Menschen uns durch unseren Glauben den Himmel schaffen können. Allein durch unseren Glauben können wir uns die Welt schaffen. Und sie sagt auch, dass die Gedanken frei sind. Dazu gibt es in der Bibel auch einen Spruch. Leider kenne ich den nicht so genau. Die Versnummer weiß ich leider auch nicht.
Hedwig: Ich denke, er steht unter „Die Sprüche“. Da will ich daheim mal nachschauen. Das interessiert mich jetzt schon.
Ali: Der Satz: „Die Welt ist Bewegung und Klang“ klingt ja auch hoch spannend. Es stimmt – Alles, was wir bewegen oder was sich bewegt, hat einen Ton. Manchmal sind es Schwingungen, die unser Ohr hören kann und manchmal sind es Töne, die unser Ohr gar nicht bewusst aufnimmt. Es liegt wahrscheinlich an der Schallfrequenz.
Jakob: Wir hätten echt im Internet recherchieren sollen. Einen Teiler anschauen sollen.
Michaela: Es heißt Trailer, Opa. Aber das macht nichts. Ich bin im Fach Englisch auch nicht so gut. Darum habe ich hier, in der Sprachenschule, auch schon mal Nachhilfe gehabt.
Michaela zeigt auf die Sprachenschule.
Ali: Also, der Trailer hätte mich wirklich sehr interessiert. Wir werden jedoch alles erfahren.
Sie stehen jetzt an dem schönen Brunnen vor dem alten Fachwerkrathaus und laufen in Richtung Luna-Kino. In der Eisdiele sitzen Menschen und es laufen Kinder und andere Menschen auf dem Marktplatz herum. Auch Paare mit Kinderwagen.
Michaela: Das Luna-Kino ist schon über 100 Jahre alt und eines der ältesten Kinos in Bayern. Ich finde es richtig gemütlich darin. Es hat etwas von einem Museum und die Wände könnten viele Geschichten erzählen. Von den Filmen und von den Menschen. Total spannend.
Ali: Jede Bewegung hat einen Klang. Ich höre jetzt auf das Getrippel von meinen Füßen. Hört sich dumpf und leise an.
Michaela: Meine Bewegungen hören sich genauso an. Mit hohen Absätzen wäre das um einiges lauter. Und wahrscheinlich, für mich, auch unbequemer zu laufen.
Hedwig: Jetzt sind wir bald da. Wir haben es gleich geschafft. Es ist ein toller Spaziergang hier herunter. Wir müssen nun nach rechts abbiegen.
Es strömen mehr Leute auf das Kino zu.
Ali: Wir sind nicht die Einzigen, die den Film sehen wollen. Es werden jedoch noch mehr Filme gezeigt; die wollen nicht alle das „Hörkino“ anschauen. Es gibt noch andere Filme.
Michaela: Um noch einmal über den Inhalt des Stückes zu spekulieren: Vielleicht geht es auch um das Lieblingsthema von Mama: die Erdüberlastung. Die Menschen brauchen mehr, als die Natur bereitstellen kann. Die Mama hat sich erst letztens wieder darüber aufgeregt. Sie hat die Nürnberger Nachrichten gelesen und da war am 8. August ein Artikel darin.
Jakob: Diesen Artikel habe ich auch gelesen. Auch in den Nachrichten kam ständig was über den „Erdüberlastungstag“.
Ali: Leider ist das komplett an mir vorbeigegangen. Um was ging es an diesem Tag?
Michaela: Es ging darum, dass die Weltbevölkerung wegen ihrem Lebensstil derzeit eigentlich 1,6 Planeten bräuchte. Und die Tendenz ist stark steigend. Ließen es sich alle so gut gehen wie die Deutschen, wären es sogar 3,1 Erden.
Ali: Was bedeutet das?
Michaela: Das kannst du hoffentlich auch selber ableiten. – Es bedeutet, dass wir nicht nachhaltig wirtschaften. Ganz konkret bedeutet es: überfischte Meere, Artensterben, Erosion fruchtbarer Böden, Gift in Wasser, Boden und Luft, Klimawandel. Und damit auch Hochwasser, Dürren, Hunger und andere Katastrophen. Es bedeutet, dass wir nicht maßhalten.
Jakob: Das Kiefernsterben haben wir hier; dass wenig Wasser in meinem Waldweiher ist, empfinde ich als Katastrophe, und dass viel Grundwasser in Bayern pestizid- und nitratverseucht ist, ist auch kein Geheimnis.
Hedwig: Wir sollten weg von diesen schwierigen Themen kommen. Wir sind nämlich angekommen. Hurra. Und wir werden gleich erfahren, um was es in Sahras Film geht.
Michaela: Wetten, die hat sich wieder selber als Hauptdarstellerin gemacht? Die hat uns als Familie reden lassen?
Ali: Vielleicht hat sie sich ja nur als Vorlage genommen und diesmal mehr ihre Fantasie eingesetzt? Oder sie hat Personen aus ihrem Umfeld als Vorlage genommen? Ich lasse mich überraschen.
Jakob: So wie ich Sahra kenne, hat sie sich selber zur Hauptfigur ernannt. Ich hoffe nur, dass ich diesmal keine Rolle spiele.
Michaela: Ich möchte auch nicht dabei sein.
Ali: Ich glaube, dich als manchmal oberbockige und trotzige Pubertierende hat sie gerne rausgelassen. Wer beschreibt schon gerne Kinder in der Pubertät?
Jakob: Vielleicht wollte sie auch keinen nervenden, besser wissenden Opa dabeihaben. Dann bin ich auch raus. Vielleicht erklärt sie meine Lebensweisheit mit Altersstarrsinn, was sie ja manchmal macht, dann bin ich fein raus.
Hedwig: Dann bin ich auch raus. Ich bin mal gespannt. Wahrscheinlich will sie mal wieder selber herhalten. Vielleicht auch die Zwillinge. Und vielleicht auch die Bewegungen und die Klänge. Wer weiß?
Ali: Über irgendjemanden muss sie ja schreiben. Da ist das eigene Selbst schon am besten. Dann kann sie alle ihre Gefühle und Gedanken mit einbringen. Ihr Herz öffnen. Dadurch kann sie sich aber auch angreifbar machen. Sogar sehr angreifbar. Aber irgendwie macht das jeder Künstler – In einem begrenzten Zeitraum sehr viel Nähe und sehr viele Innenansichten zuzulassen.
Michaela: Ich bin mal gespannt, wie das berühmte Honigkuchenpferd auf der Kerwa. Wir können gleich reingehen. Wir müssen in den Kinosaal zwei.
Hedwig: Ich suche gleich mal das Klo auf.
Michaela: Ich gehe mit.
Jakob: Bitte wartet noch. Was mögt ihr denn trinken? Und mögt ihr Popcorn? Das können Ali und ich gleich besorgen.
Hedwig: Ich möchte ein Wasser und eine kleine Tüte Popcorn.
Michaela: Ich schließe mich dem an.
Ali: Ich möchte das Gleiche.
Jakob: Ich möchte nur Wasser. Und das alles besorge ich jetzt.

Die Kameraeinstellung ist jetzt so, dass die Familie von weiter weg gefilmt wird. Die Gespräche sind da nicht zu hören. Stattdessen Gemurmel von den anderen Leuten. Die Frauen verschwinden auf der Toilette und Ali und Jakob stellen sich am Kiosk an. Vor ihnen ist ein Paar mit zwei Kindern. Und dann noch zwei Teenagerkinder. Dann sind sie dran. Die Frauen kommen aus der Toilette. Alle vier gehen in den Kinosaal und suchen sich ihre Plätze. Es ist freie Platzwahl. Und sie sitzen in der Mitte. Es sind die verschiedensten Leute im Kinosaal. Auch eine Kleingruppe mit Jugendlichen, die eine geistige Behinderung haben. Ein Jugendlicher sitzt im Rollstuhl. Ihre Betreuer sind mit dabei. Ältere Menschen und Familien. Die kleinsten Kinder sind vielleicht 7 Jahre alt.
Die Anordnung ist: Hedwig, Jakob, Michaela und Ali. Sie reden freilich ein wenig. Die Gespräche drehen sich darum, dass der Vorrat jetzt besorgt ist und wie die Sitzordnung arrangiert sein soll. Sie werden sich dabei gleich einig. Wie so ein Gespräch aussehen kann, kann jeder Regisseur improvisieren. Oder es wird wieder am Kinorand gefilmt, sodass die Gespräche nicht zu hören sind. Nun sitzen alle und sind zufrieden. Im Raum wird es dunkel und ruhig. Die Vorspanne von anderen Kinofilmen und Werbung wird auf der Leinwand gezeigt.

Ali: Ich bin so glücklich neben dir zu sitzen und diesen Film anzuschauen. Du bist meine Welt.
Michaela: Ich finde es auch schön, dass du da bist. Im Moment bist du auch mein Kosmos.
Sie geben sich einen Kuss und kuscheln sich aneinander.

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