Harte Realität
EUR 20,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 266
ISBN: 978-3-7116-0769-0
Erscheinungsdatum: 03.07.2025
Jenny hat ihn gefunden, den Mann ihres Lebens. Wohlhabend. Frech und witzig. Ein Macher. King-Size-Format! Sogar die Männer drehen sich nach ihm um. Eine amüsante Schmunzelgeschichte für alle, die immer alles haben wollen und auch noch alles kriegen ...
Die Luft war warm, aber nicht stickig. Sie waren erst am Eingang, aber schon jetzt konnte man kaum noch etwas erkennen. Nur der Kassenbereich war hell erleuchtet. Die Leute, die zum Feiern herkamen, waren dagegen nur noch schemenhaft zu erkennen. Der Bass der Musik ließ Jennys Brustkorb bereits erbeben.
„Und das ist echt der angesagteste Club weit und breit?“, fragte Jenny ihren älteren Kollegen Gordan, der, freundlicherweise, für die kleine Gruppe von 5 Leuten den Eintritt zahlte.
„Das kannst du aber wissen, Schnucki!“ Gordan gab ihr einen Klaps auf die Schulter und steckte sein Portemonnaie wieder zurück in seine Hosentasche.
Das gefiel Jenny an ihrem Schichtleiter: Beide wussten, dass sie nur Kollegen waren und bleiben würden. Er war immerhin 20 Jahre älter als sie! Aber trotzdem ärgerte jeder jeden und flirtete, was das Zeug hielt. Wahrscheinlich verging die Zeit deshalb wie im Flug auf Arbeit, und das trotz 7-Tage-Arbeitswoche und nur 2 freien Tagen.
Der zweite männliche Begleiter an diesem Donnerstagabend war Matze, ein Kollege aus dem 3-Schicht-System. Er war ein oder zwei Jahre älter als Jenny und von daher eher was für sie, aber seine Art war nicht ihr Fall. Matze war noch ein frecher Junge, und das hatte sie bereits durch. Außerdem hieß ihre eiserne Regel: beruflich und privat blieb getrennt. Zu viel Schlechtes hatte sie schon von anderen mitbekommen, wenn es schiefging.
Zu guter Letzt waren da noch Aline und Anna mit an Bord. Aline war verheiratet und hatte eine Tochter. Anna kam frisch von der Hochschule und hatte eigentlich vorgehabt zu studieren, war übergangsweise allerdings in der Firma gelandet, und da es ihr supergut gefiel, blieb sie gleich. Aline und sie gehörten ebenfalls mit zu ihrer rollenden Woche.
Die Gruppe setzte sich in Bewegung und musste sich nicht selten bei anderen entlangquetschen.
Im Hauptsaal war der Lärm ohrenbetäubend. Kein Wunder, dass die anderen hier öfter feiern gingen.
„Und warum habt ihr mich noch gleich mitgeschleift?“, schrie Jenny gegen die laute Musik an und versuchte, einigermaßen einen Überblick zu erhalten, aber der Saal war einfach zu riesig – und voll. Wahnsinn für einen Abend in der Woche, aber in der Stadt war alles möglich. Hier gab es immerhin auch Fitnesscenter, die rund um die Uhr geöffnet hatten. Grund: Schichtarbeit.
„Weil du das mal brauchst!“, brüllte Gordan zurück. „Schon klar, dass einen die Arbeit nicht komplett befriedigt, aber so, wie du momentan herumläufst, machst du ja jedem `ne schlechte Stimmung.“
„Sorry!“ Jenny biss sich auf die Unterlippe. Erwischt! Sie hätte es nicht gedacht, aber scheinbar machte es ihr doch mehr zu schaffen, wie ihre letzte Beziehung geendet hatte, obwohl das noch nicht mal die Schlimmste war!
Sie war seit zwei Jahren in der Firma und seit einem Monat wieder Single. Die Trennung von Jan vor 4Jahren war schmerzhaft, aber notwendig und das einzig Richtige gewesen. Da Jenny aber keine Singlefrau war, kam schnell der nächste Mann in ihr Leben. Der war aber auch nicht wirklich besser. So hatte sie ihre erste und einzige On-Off–Beziehung, und sie war es nach vier Jahren endlich leid, nur eine Lückenfüllerin zu sein.
Jenny schüttelte den Kopf. Weg jetzt mit diesen Gedanken! „Wo ist die Bar?“
Matze lachte. „Na, du hast es aber eilig!“
Und schon schlugen sie sich weiter durch und landeten schließlich im dichten Gedränge an der Bar.
„Leute, wir machen das wie immer, Okay?“, fragte der Älteste in der Gruppe.
„Okay“, kam es eintönig zurück, nur Jenny sah verwundert in die Runde. Sie war das erste Mal mit dabei.
„Was macht ihr wie immer?“
Anna lehnte sich zu ihr. „Gordan zahlt alles, und auf Arbeit bekommt er es wieder.“
„Ah. Cool.“
Es dauerte nur Sekunden, und vier Bier und eine Cola mit Wodka standen auf der Theke.
„Du und deine Extrawürste“, grinste Matze und griff nach einem Bier.
„Du mich auch.“ Jenny nahm einen kleinen Schluck von ihrer Cola, während ihr Kollege lachte und ihr zuprostete.
Sie ließ ihren Blick durch die feiernde Menge schweifen. Gott, wie unterschiedlich die Menschen in einer Stadt gegenüber zum Dorf doch … Moment! Schon stutze sie und fuhr mit dem Blick wieder zurück. Und – WUSCH!!! – da war er! Ein großer, attraktiver Mann im schwarzen Anzug und schwarzen, kurzen Haaren. Und er sah sie direkt an! „Heiliger … Wow.“ Sie konnte ihren Blick nicht abwenden, und auch er schien ein richtiges Glühen in den Augen zu haben.
Matze reagierte schnell. Gerade eben hatte er noch Jenny geärgert, und schon war sie auf einem anderen Planeten und hätte beinahe ihr Glas fallen lassen, hätte er es nicht rechtzeitig gegriffen.
Nun sah es auch Gordan und lachte. „Ey, Schnucki!“ Er machte mit seiner Hand den Scheibenwischer vor ihren Augen, aber Jenny reagierte automatisch und sah vorbei.
Sie musste sich zwingen weiterzuatmen, um nicht umzukippen. Dieser Mann im Dunkeln – er raubte ihr den Atem. Dieses Gefühl – das kannte sie nicht. Waren das die berühmten Schmetterlinge im Bauch? Die berühmte Liebe auf den ersten Blick? Wenn der Boden unter den Füßen schwankte? Heiliger Mist!
Marc hatte diese Schönheit schon beim Eingang gesehen, sich aber weiterhin im Dunkeln gehalten. Sie war sichtlich überfordert von der Masse der Leute, aber in ihrer kleinen Gruppe schien sie sich wohlzufühlen. Er hatte sich schon fast unsichtbar durch die zahlende Kundschaft gewunden, um in der Nähe der Bar auf diese Eine zu warten. Ihr Lächeln war ebenfalls der absolute Hammer! Kein Wunder, dass dieser Blondschopf ständig seine Augen bei ihr hatte. Oder war er etwa ihr Freund? Das wäre Mist! Der ältere Kahlkopf sicherlich nicht, obwohl dieser immer wieder seine Hände bei ihr hatte.
Er knurrte wie ein gereizter Hund. Obwohl er keinen Anspruch auf sie hatte, störten ihn ihre beiden Begleiter. Wieso konnten die sich nicht an die beiden anderen Weiber ranmachen? Gut, an die Jüngere wohl eher statt an die ältere Kuschelige.
Schau zu mir, du Schönheit, beschwor er seine Auserwählte, und tatsächlich! Mit ihrem Glas in der Hand entdeckte sie ihn plötzlich und konnte auch nicht weitersehen. Im Gegenteil. Ihre Augen wurden geradezu riesig. Die schönsten Bambi-Augen, die er je gesehen hatte! Oh ja, die berühmte Liebe auf den ersten Blick. Daran hatte er nicht mehr geglaubt, aber nun …
Dieses Schnitzel von einem Mann schmunzelte kurz und senkte den Kopf, ohne seine Augen von ihr zu nehmen, dann setzte er sich in Bewegung und war in der Menge verschwunden.
Jenny erschrak und versuchte, ihn wieder zu finden, aber dazu war es einfach zu voll und zu dunkel. Egal, wie sie sich auch verrenkte – er war weg. Verdammt!
Plötzlich hatte sie ihr Glas im Blick und blinzelte. Dann sah sie Matze, der ihr grinsend ihr Glas vor die Luke hielt.
„Du hast selber Hände.“
„Was? Ja, ja.“ Sie nahm ihr Glas zurück und nippte noch einmal daran, aber jetzt hatte sie irgendwie doch keine Lust mehr, was zu trinken. Ein super Mann, und nun war er schon wieder in der Menge verschwunden. Bei ihrem Glück war er für immer verschwunden. Verdammt, verdammt! Schon war die Laune in den tiefsten Katakomben. MIST VERFLUCHTER!
So stolz Marc auch auf seinen Erfolg war, in diesem Moment verfluchte er den vollgestopften Saal. Er kam nur zögerlich vorwärts und musste zudem noch an halb nackten Frauen vorbei, die sich ihm tanzend in den Weg stellten.
„Lädst du mich auf einen Drink ein, mein Hübscher?“, fragte eine Blondine mit zu viel Ausschnitt und schmiegte sich an ihn, während ihre Hände über seinen Anzug strichen.
„Tut mir leid“, sagte er nur und nahm ihre Grabscher von seinem Körper, um weiterzugehen. Gott, nein! Solche Frauen kannte er zur Genüge, und fand sie überall. Diese Frau an der Bar allerdings – die war eine zum Heiraten! Er hoffte nur, dass er nicht zu spät kam.
Jenny durchsuchte noch immer die Menge nach dem großen Unbekannten. Sie wollte gerade erneut fluchen, als er plötzlich zwischen anderen auftauchte und nah vor ihr stehen blieb.
Atme, verdammt, atme!
Gott, er war mindestens einen halben Kopf größer als sie und roch verdammt gut! Sie knurrte erotisch und dankte Gott für die laute Musik, sodass der mysteriöse Mann es nicht hörte.
Er lächelte leicht und führte seinen Kopf dicht neben ihren.
Automatisch zog sie ihren Oberkörper zurück, obwohl sie ihm nur zu gerne so nahekam.
„Darf ich dir drei Fragen stellen?“, fragte er sie.
Um Gottes willen, war das eine sexy Stimme! Sie grinste bescheuert und lief sofort rot an. Gott segne das Make-up! Sie nickte.
Luis, ihr letzter Freund, hatte mal eine Frau in einem Club gehabt. Deren erste 3 Fragen waren, was er beruflich machte, was für ein Auto er fuhr und wie viel Geld er auf dem Konto hatte. Schlimmer konnte es ja jetzt nicht werden, aber dieser Mann vor ihr wirkte auch nicht so.
„Wie heißt du?“
Sie lächelte. War doch schon mal ein guter Anfang. „Jenny.“
„Also, Jenny …“
Jennys Beine wurden weich. Obwohl er beinahe brüllen musste, damit sie ihn verstand, hörte sie nun ganz deutlich diese erotisch knurrende Stimme – und die hatte es wirklich in sich! Gott, war das ein Schnuckelchen!
„Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick?“
Oh Gott! Oh Gott! Wie sollte sie darauf reagieren, ohne kitschig oder blöd rüberzukommen?
Jenny sah ihm tief in die Augen und streckte sich ihm entgegen, um an sein Ohr zu gelangen. Gott sei Dank lehnte er sich zu ihr runter.
„Bis jetzt hatte ich nicht daran geglaubt.“ Dann eben doch kitschig, aber es kam automatisch.
Und wieder sahen sie sich tief in die Augen. Jetzt wusste sie endlich, wie man sich in Augen verlieren konnte.
Der Moment war super für einen Kuss, aber dazu hätten Jennys Leute nicht mit dabei sein dürfen.
Gordan machte den Scheibenwischer zwischen beiden und holte sie ins Jetzt zurück. Dieser Mistkerl!
Auch dem mysteriösen, sexy Mann schien Gordan gerade überhaupt nicht zu passen. Sein Blick schweifte nur langsam zu dem Störenfried, was Jenny aber ebenfalls einfach nur sexy an ihm fand!
„Sorry, wenn ich störe, aber wir müssen etwas aufpassen. Ist ihr erstes Mal hier.“
Nun huschten seine Augen wieder zu ihr und sahen sie verblüfft an. „Oh, dann hoffe ich, dass es dir gefällt.“
Jennys Knie wurden noch weicher. „Du … äh … deine … deine dritte Frage?“
Er lächelte wieder leicht und kam ihr erneut näher. „Dazu müssten wir kurz mal allein sein.“
Seine Mundwinkel gingen nach oben, dann lehnte er sich an ihr vorbei über die Theke zu den Angestellten und zeigte auf die Runde hinter ihm.
Jenny hörte nur „Geht aufs Haus …“, während sie seinen Duft wahrnahm. Wie konnte jemand im Anzug und bei der Hitze hier drinnen so megaklasse riechen? Er war so dicht an ihr, dass nur die Klamotten störten, aber auch schon dieser Kontakt reichte bei ihr für Schnappatmung und ein rasendes Herz. Hoffentlich bemerkte er es nicht, aber das könnte immerhin auch vom Bass der Musik stammen. Genau wie sein bebender Oberkörper. Und, Gott, war das ein hammergeiler Körper! Trotz Anzug schwor sie darauf, dass er schlank und trainiert war. Und eine wunderbare Wärme strahlte er zudem aus.
Die Jungs grölten begeistert wegen des Freibiers, und schon waren ihre Kollegen an die Bar gefesselt, während der mysteriöse Fremde sich wieder ihr zuwandte.
„Du hast es echt drauf“, sagte Jenny bewundernd und zeigte auf ihre Kollegen, die lachend anstießen.
„Ich hab meine Mittel und Wege. Also, kann ich dich kurz mal entführen?“
„Ist das deine dritte Frage?“
Lächelnd sah er kurz zu Boden, dann wieder in ihre Augen. „Nein.“ Er hielt seine Hand auf.
„Zunächst hätte ich eine Frage an dich.“ Wow! Reden ging ja doch, statt nur dämlich grinsen. Gut, Kleine! Langsam kam sie in Fahrt.
„Alles.“
„Wie heißt du?“
Er lächelte. „Marc.“ Schon zuckte seine Hand, aber Jenny zögerte. Immerhin war er doch noch fremd.
Schon lehnte er sich erneut zu ihr vor. „Ich schwöre dir, ich bin ganz lieb – und handzahm.“
Langsam glitt Jennys Hand in seine und kurz zuckte sie zurück. Doch schon lagen beide passend ineinander. Oh Gott, diese Wärme. Diese Kraft.
Marc hatte sie durch die dichte Menge nach draußen und um einige Ecken herumgeführt, bis sie endlich allein waren und sie auch die grölenden Menschen vor dem Club nicht mehr hören konnten. „Muss ich mir Sorgen machen?“, fragte sie scherzend. Immerhin waren sie jetzt doch sehr weit von den anderen entfernt.
Marc lächelte nur, drehte sich zu ihr um, und schon fiel er vor ihr auf die Knie, ohne ihre Hand frei zu geben. Jetzt oder nie! Die Jungs war er ohne Probleme losgeworden, also konnten sie nicht mit diesem Klasse-Weib zusammen sein. Jetzt hieß es, alles auf eine Karte setzen und hoffen, dass es keinen anderen Mann in ihrem Leben gab.
Jenny war kurz vor einem Kollaps! Das war doch wohl nicht sein Ernst? Er machte Witze.
„Willst du mich heiraten?“
Jennys Mund klappte auf. War sie gerade bei der versteckten Kamera? Sie sah sich um. Nein, sie sah nichts dergleichen. „Marc …“
Seine Hand packte etwas fester zu. Ansonsten sah er sie nur direkt an.
„Ja“, sagte sie beinahe in Trance. Sie versank erneut in seinen Augen.
Marc sah sie kurz intensiver an. Sie wirkte nicht ganz anwesend. „Hast du mich verstanden? Ich hab dich gefragt …“
„Ob ich deine Frau werden will.“ Sie lächelte. „ Wenn das dein Ernst ist, sage ich Ja.“ Im Notfall war das leicht wieder rückgängig zu machen. Aber wenn nicht, wie cool wäre das denn? Die geilste und schnellste Kennenlerngeschichte ever!
Marcs Augen wurden größer, dann sprang er förmlich hoch, nahm ihren Kopf in seine Hände und drückte seinen leicht geöffneten Mund fest auf ihre Lippen.
„Hey, Schnucki, wo warst du gestern so plötzlich?“, fragte Gordan sie am nächsten Tag kurz vor der Arbeit.
Sie grinste sofort dümmlich. „Ja, sorry. Marc hat mich … abgelenkt.“
„Marc?“
„Der nette Herr, weshalb ihr alle die letzte Nacht kostenlos saufen durftet.“
„Saufen? Also bitte!“ Aline kam an beiden vorbei und griff nach ihrer Wasserflasche. Noch gute 5 Minuten, und ihre Schicht begann.
„Tiere saufen. Wir haben uns zugeschüttet! Und wie!“
„Pardon, die Dame“, entschuldigte sich Jenny lächelnd.
Gordan verschränkte die Arme vor der Brust. „Ah, der junge Mann heißt also Marc.“
Jenny wäre beinahe einiges herausgerutscht, aber da sie es selbst nicht ganz glauben konnte, behielt sie es erst einmal für sich.
Zum Schichtwechsel sah sie auch Matze, der genauso dämlich grinsend zu ihr geschlendert kam. „Na, Fräulein … Wo sind wir denn gestern abgeblieben, hä?“
„Wenn du dich nicht zugeschüttet hättest …“
„Na! Jetzt mal nicht frech werden!“ Er sah ihr direkt in die Augen und nickte plötzlich leicht und zufrieden, als ob er genau wusste, was zwischen Marc und ihr abgegangen war.
Jenny konnte ihm nie ernst gegenübertreten, wenn sie sich so stichelten. So blieb ihr Dauergrinsen und der hochrote Kopf.
„So eine bist du also“, lachte er.
„Was für eine?“
„Die nix anbrennen lässt. War er mit bei dir oder du bei ihm?“
„Wie bitte?“ Auf einmal war ihr Grinsen weg. Jenny schloss die Augen zu Schlitzen. „Das geht dich gor nix an, du …“ Sie verkniff sich gerade noch das blöde Kuh wie bei Schuh des Manitu.
Mit vor der Brust verschränkten Armen trat er näher an sie heran. „Ja? Bitte weiter.“
„Blöde Kuh“, sagte Jenny schnell und leise und sah zu, dass sie zu ihrem Arbeitsplatz verschwand, während Matze ihr angriffslustig hinterherlachte.
„Ich weiß, wo du arbeitest, Fräulein! Das ist noch nicht vorbei!“
Aaaah! Jenny strich sich über das Gesicht. Gott, sie musste aufpassen, nicht noch roter zu werden – was eigentlich nicht mehr möglich war. Und dabei stimmte beides nicht mal!
Sie war mit dem Taxi heimgefahren, nachdem Marc sie nach dem Antrag gleich an der Hauswand genommen hatte.
Jetzt musste sie immer wieder daran und an Marc denken, aber das war normal bei einer neuen Liebe, oder? Leider schummelten sich dadurch auch Fehler bei ihrer Arbeit mit ein.
„Hast du den Ofen gemacht, Jenny?“, fragte Anna.
Jenny, die gerade einen Nachbarofen bestückte, drehte sich erschrocken zu ihrer Kollegin um.
„Hab ich da etwa auch Scheiße gebaut?“
„Sag du es mir“, lächelte Anna und trat zur Seite.
Jenny gab ängstliche Laute von sich und sah auf die Adapter, mit denen die Teile fest im Ofen steckten. Einer war nicht richtig drauf gesteckt und einer nicht angeschlossen. Das waren insgesamt 40 Teile, die noch einmal für einige Stunden in den Ofen mussten. Das kostete Zeit und Geld und brachte den Plan durcheinander.
„Oh shit!“
Anna grinste breit. „Na, der große schwarze Mann von gestern hat es dir aber richtig angetan, hm?“
„Ähm …“, Nun grinste auch sie breit.
Jenny war froh, als die nächste Schicht bereits anrückte. Ohne weitere größere Schäden hatte sie die Nachtschicht überstanden, sich aber auch Massen an Gedanken gemacht. Marc hatte sich die ganze Zeit nicht mehr gemeldet, und das machte sie schon fertig. Das war typisch Frau. Aber er konnte doch auch nicht so ein Kerl sein, oder? Lügen, um alles zu kriegen und dann weg. Nicht noch so einer!
Jenny hoffte inständig, dass Marc nicht diese beschissene 3-Tage-Regel nutzte und sich erst am vierten Tag wieder bei ihr meldete, und das dann noch machohaft kühl. Aber dazu war er zu erwachsen. Nicht wie ihre drei Kerle davor.
Zum Feierabend erhielt sie die Bestätigung.
Richard, der Verantwortliche für die Schichten, den Urlaub und Organisatorisches, kam ihr schmunzelnd entgegen und ließ sie auch sonst nicht so wirklich aus den Augen.
„Hab ich einen Popel im Gesicht?“, fragte Jenny schließlich genervt.
Richi reagierte nicht, wie immer. Er starrte weiter und brachte sie mit schelmischem Grinsen zum gereizten Knurren.
„Sag mal, willst du sichergehen, dass wir auch wirklich verschwinden?,“ fragte Alina lächelnd in ihrer gespielt genervten Art.
Richi folgte ihr, Gordan und den anderen zum Ausgang Richtung Feierabend, nachdem sich alle noch umgezogen hatten. Und wieder hing er an Jenny, die ihn nun ebenfalls im Auge behielt. Leider hatte sie nicht diese trockene Art wie er drauf und musste dauergrinsen. Er schmunzelte noch nicht mal mehr. Verdammt!
Kaum war sie zur Tür hinaus, blieb sie erschrocken stehen. Ein riesiger Strauß roter Rosen stand auf schwarzen Beinen vor einem ebenso nachtschwarzen … was war das? Ein Lamborghini?
Verdattert machte sie mit den anderen einige Schritte weiter herum, und schließlich kam Marc schmunzelnd dahinter zum Vorschein.
...
„Und das ist echt der angesagteste Club weit und breit?“, fragte Jenny ihren älteren Kollegen Gordan, der, freundlicherweise, für die kleine Gruppe von 5 Leuten den Eintritt zahlte.
„Das kannst du aber wissen, Schnucki!“ Gordan gab ihr einen Klaps auf die Schulter und steckte sein Portemonnaie wieder zurück in seine Hosentasche.
Das gefiel Jenny an ihrem Schichtleiter: Beide wussten, dass sie nur Kollegen waren und bleiben würden. Er war immerhin 20 Jahre älter als sie! Aber trotzdem ärgerte jeder jeden und flirtete, was das Zeug hielt. Wahrscheinlich verging die Zeit deshalb wie im Flug auf Arbeit, und das trotz 7-Tage-Arbeitswoche und nur 2 freien Tagen.
Der zweite männliche Begleiter an diesem Donnerstagabend war Matze, ein Kollege aus dem 3-Schicht-System. Er war ein oder zwei Jahre älter als Jenny und von daher eher was für sie, aber seine Art war nicht ihr Fall. Matze war noch ein frecher Junge, und das hatte sie bereits durch. Außerdem hieß ihre eiserne Regel: beruflich und privat blieb getrennt. Zu viel Schlechtes hatte sie schon von anderen mitbekommen, wenn es schiefging.
Zu guter Letzt waren da noch Aline und Anna mit an Bord. Aline war verheiratet und hatte eine Tochter. Anna kam frisch von der Hochschule und hatte eigentlich vorgehabt zu studieren, war übergangsweise allerdings in der Firma gelandet, und da es ihr supergut gefiel, blieb sie gleich. Aline und sie gehörten ebenfalls mit zu ihrer rollenden Woche.
Die Gruppe setzte sich in Bewegung und musste sich nicht selten bei anderen entlangquetschen.
Im Hauptsaal war der Lärm ohrenbetäubend. Kein Wunder, dass die anderen hier öfter feiern gingen.
„Und warum habt ihr mich noch gleich mitgeschleift?“, schrie Jenny gegen die laute Musik an und versuchte, einigermaßen einen Überblick zu erhalten, aber der Saal war einfach zu riesig – und voll. Wahnsinn für einen Abend in der Woche, aber in der Stadt war alles möglich. Hier gab es immerhin auch Fitnesscenter, die rund um die Uhr geöffnet hatten. Grund: Schichtarbeit.
„Weil du das mal brauchst!“, brüllte Gordan zurück. „Schon klar, dass einen die Arbeit nicht komplett befriedigt, aber so, wie du momentan herumläufst, machst du ja jedem `ne schlechte Stimmung.“
„Sorry!“ Jenny biss sich auf die Unterlippe. Erwischt! Sie hätte es nicht gedacht, aber scheinbar machte es ihr doch mehr zu schaffen, wie ihre letzte Beziehung geendet hatte, obwohl das noch nicht mal die Schlimmste war!
Sie war seit zwei Jahren in der Firma und seit einem Monat wieder Single. Die Trennung von Jan vor 4Jahren war schmerzhaft, aber notwendig und das einzig Richtige gewesen. Da Jenny aber keine Singlefrau war, kam schnell der nächste Mann in ihr Leben. Der war aber auch nicht wirklich besser. So hatte sie ihre erste und einzige On-Off–Beziehung, und sie war es nach vier Jahren endlich leid, nur eine Lückenfüllerin zu sein.
Jenny schüttelte den Kopf. Weg jetzt mit diesen Gedanken! „Wo ist die Bar?“
Matze lachte. „Na, du hast es aber eilig!“
Und schon schlugen sie sich weiter durch und landeten schließlich im dichten Gedränge an der Bar.
„Leute, wir machen das wie immer, Okay?“, fragte der Älteste in der Gruppe.
„Okay“, kam es eintönig zurück, nur Jenny sah verwundert in die Runde. Sie war das erste Mal mit dabei.
„Was macht ihr wie immer?“
Anna lehnte sich zu ihr. „Gordan zahlt alles, und auf Arbeit bekommt er es wieder.“
„Ah. Cool.“
Es dauerte nur Sekunden, und vier Bier und eine Cola mit Wodka standen auf der Theke.
„Du und deine Extrawürste“, grinste Matze und griff nach einem Bier.
„Du mich auch.“ Jenny nahm einen kleinen Schluck von ihrer Cola, während ihr Kollege lachte und ihr zuprostete.
Sie ließ ihren Blick durch die feiernde Menge schweifen. Gott, wie unterschiedlich die Menschen in einer Stadt gegenüber zum Dorf doch … Moment! Schon stutze sie und fuhr mit dem Blick wieder zurück. Und – WUSCH!!! – da war er! Ein großer, attraktiver Mann im schwarzen Anzug und schwarzen, kurzen Haaren. Und er sah sie direkt an! „Heiliger … Wow.“ Sie konnte ihren Blick nicht abwenden, und auch er schien ein richtiges Glühen in den Augen zu haben.
Matze reagierte schnell. Gerade eben hatte er noch Jenny geärgert, und schon war sie auf einem anderen Planeten und hätte beinahe ihr Glas fallen lassen, hätte er es nicht rechtzeitig gegriffen.
Nun sah es auch Gordan und lachte. „Ey, Schnucki!“ Er machte mit seiner Hand den Scheibenwischer vor ihren Augen, aber Jenny reagierte automatisch und sah vorbei.
Sie musste sich zwingen weiterzuatmen, um nicht umzukippen. Dieser Mann im Dunkeln – er raubte ihr den Atem. Dieses Gefühl – das kannte sie nicht. Waren das die berühmten Schmetterlinge im Bauch? Die berühmte Liebe auf den ersten Blick? Wenn der Boden unter den Füßen schwankte? Heiliger Mist!
Marc hatte diese Schönheit schon beim Eingang gesehen, sich aber weiterhin im Dunkeln gehalten. Sie war sichtlich überfordert von der Masse der Leute, aber in ihrer kleinen Gruppe schien sie sich wohlzufühlen. Er hatte sich schon fast unsichtbar durch die zahlende Kundschaft gewunden, um in der Nähe der Bar auf diese Eine zu warten. Ihr Lächeln war ebenfalls der absolute Hammer! Kein Wunder, dass dieser Blondschopf ständig seine Augen bei ihr hatte. Oder war er etwa ihr Freund? Das wäre Mist! Der ältere Kahlkopf sicherlich nicht, obwohl dieser immer wieder seine Hände bei ihr hatte.
Er knurrte wie ein gereizter Hund. Obwohl er keinen Anspruch auf sie hatte, störten ihn ihre beiden Begleiter. Wieso konnten die sich nicht an die beiden anderen Weiber ranmachen? Gut, an die Jüngere wohl eher statt an die ältere Kuschelige.
Schau zu mir, du Schönheit, beschwor er seine Auserwählte, und tatsächlich! Mit ihrem Glas in der Hand entdeckte sie ihn plötzlich und konnte auch nicht weitersehen. Im Gegenteil. Ihre Augen wurden geradezu riesig. Die schönsten Bambi-Augen, die er je gesehen hatte! Oh ja, die berühmte Liebe auf den ersten Blick. Daran hatte er nicht mehr geglaubt, aber nun …
Dieses Schnitzel von einem Mann schmunzelte kurz und senkte den Kopf, ohne seine Augen von ihr zu nehmen, dann setzte er sich in Bewegung und war in der Menge verschwunden.
Jenny erschrak und versuchte, ihn wieder zu finden, aber dazu war es einfach zu voll und zu dunkel. Egal, wie sie sich auch verrenkte – er war weg. Verdammt!
Plötzlich hatte sie ihr Glas im Blick und blinzelte. Dann sah sie Matze, der ihr grinsend ihr Glas vor die Luke hielt.
„Du hast selber Hände.“
„Was? Ja, ja.“ Sie nahm ihr Glas zurück und nippte noch einmal daran, aber jetzt hatte sie irgendwie doch keine Lust mehr, was zu trinken. Ein super Mann, und nun war er schon wieder in der Menge verschwunden. Bei ihrem Glück war er für immer verschwunden. Verdammt, verdammt! Schon war die Laune in den tiefsten Katakomben. MIST VERFLUCHTER!
So stolz Marc auch auf seinen Erfolg war, in diesem Moment verfluchte er den vollgestopften Saal. Er kam nur zögerlich vorwärts und musste zudem noch an halb nackten Frauen vorbei, die sich ihm tanzend in den Weg stellten.
„Lädst du mich auf einen Drink ein, mein Hübscher?“, fragte eine Blondine mit zu viel Ausschnitt und schmiegte sich an ihn, während ihre Hände über seinen Anzug strichen.
„Tut mir leid“, sagte er nur und nahm ihre Grabscher von seinem Körper, um weiterzugehen. Gott, nein! Solche Frauen kannte er zur Genüge, und fand sie überall. Diese Frau an der Bar allerdings – die war eine zum Heiraten! Er hoffte nur, dass er nicht zu spät kam.
Jenny durchsuchte noch immer die Menge nach dem großen Unbekannten. Sie wollte gerade erneut fluchen, als er plötzlich zwischen anderen auftauchte und nah vor ihr stehen blieb.
Atme, verdammt, atme!
Gott, er war mindestens einen halben Kopf größer als sie und roch verdammt gut! Sie knurrte erotisch und dankte Gott für die laute Musik, sodass der mysteriöse Mann es nicht hörte.
Er lächelte leicht und führte seinen Kopf dicht neben ihren.
Automatisch zog sie ihren Oberkörper zurück, obwohl sie ihm nur zu gerne so nahekam.
„Darf ich dir drei Fragen stellen?“, fragte er sie.
Um Gottes willen, war das eine sexy Stimme! Sie grinste bescheuert und lief sofort rot an. Gott segne das Make-up! Sie nickte.
Luis, ihr letzter Freund, hatte mal eine Frau in einem Club gehabt. Deren erste 3 Fragen waren, was er beruflich machte, was für ein Auto er fuhr und wie viel Geld er auf dem Konto hatte. Schlimmer konnte es ja jetzt nicht werden, aber dieser Mann vor ihr wirkte auch nicht so.
„Wie heißt du?“
Sie lächelte. War doch schon mal ein guter Anfang. „Jenny.“
„Also, Jenny …“
Jennys Beine wurden weich. Obwohl er beinahe brüllen musste, damit sie ihn verstand, hörte sie nun ganz deutlich diese erotisch knurrende Stimme – und die hatte es wirklich in sich! Gott, war das ein Schnuckelchen!
„Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick?“
Oh Gott! Oh Gott! Wie sollte sie darauf reagieren, ohne kitschig oder blöd rüberzukommen?
Jenny sah ihm tief in die Augen und streckte sich ihm entgegen, um an sein Ohr zu gelangen. Gott sei Dank lehnte er sich zu ihr runter.
„Bis jetzt hatte ich nicht daran geglaubt.“ Dann eben doch kitschig, aber es kam automatisch.
Und wieder sahen sie sich tief in die Augen. Jetzt wusste sie endlich, wie man sich in Augen verlieren konnte.
Der Moment war super für einen Kuss, aber dazu hätten Jennys Leute nicht mit dabei sein dürfen.
Gordan machte den Scheibenwischer zwischen beiden und holte sie ins Jetzt zurück. Dieser Mistkerl!
Auch dem mysteriösen, sexy Mann schien Gordan gerade überhaupt nicht zu passen. Sein Blick schweifte nur langsam zu dem Störenfried, was Jenny aber ebenfalls einfach nur sexy an ihm fand!
„Sorry, wenn ich störe, aber wir müssen etwas aufpassen. Ist ihr erstes Mal hier.“
Nun huschten seine Augen wieder zu ihr und sahen sie verblüfft an. „Oh, dann hoffe ich, dass es dir gefällt.“
Jennys Knie wurden noch weicher. „Du … äh … deine … deine dritte Frage?“
Er lächelte wieder leicht und kam ihr erneut näher. „Dazu müssten wir kurz mal allein sein.“
Seine Mundwinkel gingen nach oben, dann lehnte er sich an ihr vorbei über die Theke zu den Angestellten und zeigte auf die Runde hinter ihm.
Jenny hörte nur „Geht aufs Haus …“, während sie seinen Duft wahrnahm. Wie konnte jemand im Anzug und bei der Hitze hier drinnen so megaklasse riechen? Er war so dicht an ihr, dass nur die Klamotten störten, aber auch schon dieser Kontakt reichte bei ihr für Schnappatmung und ein rasendes Herz. Hoffentlich bemerkte er es nicht, aber das könnte immerhin auch vom Bass der Musik stammen. Genau wie sein bebender Oberkörper. Und, Gott, war das ein hammergeiler Körper! Trotz Anzug schwor sie darauf, dass er schlank und trainiert war. Und eine wunderbare Wärme strahlte er zudem aus.
Die Jungs grölten begeistert wegen des Freibiers, und schon waren ihre Kollegen an die Bar gefesselt, während der mysteriöse Fremde sich wieder ihr zuwandte.
„Du hast es echt drauf“, sagte Jenny bewundernd und zeigte auf ihre Kollegen, die lachend anstießen.
„Ich hab meine Mittel und Wege. Also, kann ich dich kurz mal entführen?“
„Ist das deine dritte Frage?“
Lächelnd sah er kurz zu Boden, dann wieder in ihre Augen. „Nein.“ Er hielt seine Hand auf.
„Zunächst hätte ich eine Frage an dich.“ Wow! Reden ging ja doch, statt nur dämlich grinsen. Gut, Kleine! Langsam kam sie in Fahrt.
„Alles.“
„Wie heißt du?“
Er lächelte. „Marc.“ Schon zuckte seine Hand, aber Jenny zögerte. Immerhin war er doch noch fremd.
Schon lehnte er sich erneut zu ihr vor. „Ich schwöre dir, ich bin ganz lieb – und handzahm.“
Langsam glitt Jennys Hand in seine und kurz zuckte sie zurück. Doch schon lagen beide passend ineinander. Oh Gott, diese Wärme. Diese Kraft.
Marc hatte sie durch die dichte Menge nach draußen und um einige Ecken herumgeführt, bis sie endlich allein waren und sie auch die grölenden Menschen vor dem Club nicht mehr hören konnten. „Muss ich mir Sorgen machen?“, fragte sie scherzend. Immerhin waren sie jetzt doch sehr weit von den anderen entfernt.
Marc lächelte nur, drehte sich zu ihr um, und schon fiel er vor ihr auf die Knie, ohne ihre Hand frei zu geben. Jetzt oder nie! Die Jungs war er ohne Probleme losgeworden, also konnten sie nicht mit diesem Klasse-Weib zusammen sein. Jetzt hieß es, alles auf eine Karte setzen und hoffen, dass es keinen anderen Mann in ihrem Leben gab.
Jenny war kurz vor einem Kollaps! Das war doch wohl nicht sein Ernst? Er machte Witze.
„Willst du mich heiraten?“
Jennys Mund klappte auf. War sie gerade bei der versteckten Kamera? Sie sah sich um. Nein, sie sah nichts dergleichen. „Marc …“
Seine Hand packte etwas fester zu. Ansonsten sah er sie nur direkt an.
„Ja“, sagte sie beinahe in Trance. Sie versank erneut in seinen Augen.
Marc sah sie kurz intensiver an. Sie wirkte nicht ganz anwesend. „Hast du mich verstanden? Ich hab dich gefragt …“
„Ob ich deine Frau werden will.“ Sie lächelte. „ Wenn das dein Ernst ist, sage ich Ja.“ Im Notfall war das leicht wieder rückgängig zu machen. Aber wenn nicht, wie cool wäre das denn? Die geilste und schnellste Kennenlerngeschichte ever!
Marcs Augen wurden größer, dann sprang er förmlich hoch, nahm ihren Kopf in seine Hände und drückte seinen leicht geöffneten Mund fest auf ihre Lippen.
„Hey, Schnucki, wo warst du gestern so plötzlich?“, fragte Gordan sie am nächsten Tag kurz vor der Arbeit.
Sie grinste sofort dümmlich. „Ja, sorry. Marc hat mich … abgelenkt.“
„Marc?“
„Der nette Herr, weshalb ihr alle die letzte Nacht kostenlos saufen durftet.“
„Saufen? Also bitte!“ Aline kam an beiden vorbei und griff nach ihrer Wasserflasche. Noch gute 5 Minuten, und ihre Schicht begann.
„Tiere saufen. Wir haben uns zugeschüttet! Und wie!“
„Pardon, die Dame“, entschuldigte sich Jenny lächelnd.
Gordan verschränkte die Arme vor der Brust. „Ah, der junge Mann heißt also Marc.“
Jenny wäre beinahe einiges herausgerutscht, aber da sie es selbst nicht ganz glauben konnte, behielt sie es erst einmal für sich.
Zum Schichtwechsel sah sie auch Matze, der genauso dämlich grinsend zu ihr geschlendert kam. „Na, Fräulein … Wo sind wir denn gestern abgeblieben, hä?“
„Wenn du dich nicht zugeschüttet hättest …“
„Na! Jetzt mal nicht frech werden!“ Er sah ihr direkt in die Augen und nickte plötzlich leicht und zufrieden, als ob er genau wusste, was zwischen Marc und ihr abgegangen war.
Jenny konnte ihm nie ernst gegenübertreten, wenn sie sich so stichelten. So blieb ihr Dauergrinsen und der hochrote Kopf.
„So eine bist du also“, lachte er.
„Was für eine?“
„Die nix anbrennen lässt. War er mit bei dir oder du bei ihm?“
„Wie bitte?“ Auf einmal war ihr Grinsen weg. Jenny schloss die Augen zu Schlitzen. „Das geht dich gor nix an, du …“ Sie verkniff sich gerade noch das blöde Kuh wie bei Schuh des Manitu.
Mit vor der Brust verschränkten Armen trat er näher an sie heran. „Ja? Bitte weiter.“
„Blöde Kuh“, sagte Jenny schnell und leise und sah zu, dass sie zu ihrem Arbeitsplatz verschwand, während Matze ihr angriffslustig hinterherlachte.
„Ich weiß, wo du arbeitest, Fräulein! Das ist noch nicht vorbei!“
Aaaah! Jenny strich sich über das Gesicht. Gott, sie musste aufpassen, nicht noch roter zu werden – was eigentlich nicht mehr möglich war. Und dabei stimmte beides nicht mal!
Sie war mit dem Taxi heimgefahren, nachdem Marc sie nach dem Antrag gleich an der Hauswand genommen hatte.
Jetzt musste sie immer wieder daran und an Marc denken, aber das war normal bei einer neuen Liebe, oder? Leider schummelten sich dadurch auch Fehler bei ihrer Arbeit mit ein.
„Hast du den Ofen gemacht, Jenny?“, fragte Anna.
Jenny, die gerade einen Nachbarofen bestückte, drehte sich erschrocken zu ihrer Kollegin um.
„Hab ich da etwa auch Scheiße gebaut?“
„Sag du es mir“, lächelte Anna und trat zur Seite.
Jenny gab ängstliche Laute von sich und sah auf die Adapter, mit denen die Teile fest im Ofen steckten. Einer war nicht richtig drauf gesteckt und einer nicht angeschlossen. Das waren insgesamt 40 Teile, die noch einmal für einige Stunden in den Ofen mussten. Das kostete Zeit und Geld und brachte den Plan durcheinander.
„Oh shit!“
Anna grinste breit. „Na, der große schwarze Mann von gestern hat es dir aber richtig angetan, hm?“
„Ähm …“, Nun grinste auch sie breit.
Jenny war froh, als die nächste Schicht bereits anrückte. Ohne weitere größere Schäden hatte sie die Nachtschicht überstanden, sich aber auch Massen an Gedanken gemacht. Marc hatte sich die ganze Zeit nicht mehr gemeldet, und das machte sie schon fertig. Das war typisch Frau. Aber er konnte doch auch nicht so ein Kerl sein, oder? Lügen, um alles zu kriegen und dann weg. Nicht noch so einer!
Jenny hoffte inständig, dass Marc nicht diese beschissene 3-Tage-Regel nutzte und sich erst am vierten Tag wieder bei ihr meldete, und das dann noch machohaft kühl. Aber dazu war er zu erwachsen. Nicht wie ihre drei Kerle davor.
Zum Feierabend erhielt sie die Bestätigung.
Richard, der Verantwortliche für die Schichten, den Urlaub und Organisatorisches, kam ihr schmunzelnd entgegen und ließ sie auch sonst nicht so wirklich aus den Augen.
„Hab ich einen Popel im Gesicht?“, fragte Jenny schließlich genervt.
Richi reagierte nicht, wie immer. Er starrte weiter und brachte sie mit schelmischem Grinsen zum gereizten Knurren.
„Sag mal, willst du sichergehen, dass wir auch wirklich verschwinden?,“ fragte Alina lächelnd in ihrer gespielt genervten Art.
Richi folgte ihr, Gordan und den anderen zum Ausgang Richtung Feierabend, nachdem sich alle noch umgezogen hatten. Und wieder hing er an Jenny, die ihn nun ebenfalls im Auge behielt. Leider hatte sie nicht diese trockene Art wie er drauf und musste dauergrinsen. Er schmunzelte noch nicht mal mehr. Verdammt!
Kaum war sie zur Tür hinaus, blieb sie erschrocken stehen. Ein riesiger Strauß roter Rosen stand auf schwarzen Beinen vor einem ebenso nachtschwarzen … was war das? Ein Lamborghini?
Verdattert machte sie mit den anderen einige Schritte weiter herum, und schließlich kam Marc schmunzelnd dahinter zum Vorschein.
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