Fallen Angel
Teil 2 – Liebe findet einen Weg
EUR 31,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 392
ISBN: 978-3-99130-958-1
Erscheinungsdatum: 08.04.2026
Luna wurde von den außerirdischen Angels von der Erde geholt und fühlt sich bei ihnen sehr wohl, besonders in der Nähe von Jamie. Doch die Angels mögen die Menschen überhaupt nicht. Macht Jamie ihr nur etwas vor oder hat Luna endlich ihre wahre Liebe gefunden?
Das Versuchskaninchen
Jamie Skarvayna saß mit allen anderen Paradise-Ratsmitgliedern schon seit ein paar Stunden im Ratsraum, um der Paradise-Ratsversammlung beizuwohnen. Jamie war von Milos Gelaber genervt. Dabei war es total egal, ob Milo über eine wichtige Thematik sprach oder über Unwichtiges redete. Jamie hatte es einfach satt, Milo zu hören zu müssen. Plötzlich merkte Jamie, wie er selbst immer nervöser wurde und wie sein Puls schneller schlug. Je nervöser er wurde, desto mehr musste er lächeln. Ein Lächeln, das er nicht zurückhalten konnte. Nicht einmal als er Milos grässliche Stimme sagen hörte: „Was lächelst du so dämlich vor dich hin?“ Mit einem verärgerten Blick schaute Jamie zu Milo und sprach gereizt: „Das geht dich absolut nichts an! Mein glückliches Lächeln hat rein gar nichts mit dir zu tun!“ Schon während er dies sagte, konnte Jamie Milo ansehen, dass ihm die Art und Weise, wie er antwortete, gar nicht passte. Aber das war Jamie total egal. Denn Milo hatte es nicht anders gewollt. Schließlich hatte er sein glückliches Lächeln als dämlich bezeichnet. Als Jamie zu Ende gesprochen hatte, konnte er schon wieder mit den Augen rollen, da Milo anfing, sich über sein Benehmen aufzuregen. Das brachte wiederum Jamie auf.
Während die beiden miteinander stritten, ging auf einmal die Haupttür des Ratsraums auf. Das bewegte Jamie sofort dazu, Milo links liegen zu lassen und in Richtung Haupttür zu schauen. Durch Jamies Körper strömten gewaltige Glückshormone, als er Luna dort sah. Er war unfassbar erleichtert und überglücklich, sie wohlauf zu sehen. „Endlich sehe ich dich wieder, Kleines“, dachte er freudig. Während er Luna von oben bis unten musterte, achtete er stets darauf, keinen Blickkontakt mit ihr zu haben. Luna trug ein viel Haut zeigendes Outfit, wodurch man ihre körperliche Veränderung wunderbar sehen konnte. Genau dieses veränderte körperliche Aussehen war es, was Jamie direkt interessierte. Lunas glatte Haare waren nun nicht mehr hellbraun, sondern dunkelbraun. Ihre helle Haut hatte an manchen Körperstellen graue Flecken. Zudem sah man schwarze Adern am Körper durchschimmern, aber auch blaue. Ebenso hatte sich ihr linkes Auge verändert. Es war nun vollkommen dunkelbraun, fast schon schwarz. Die Farbe ihrer Lippen war anders. Sie waren nun rot-schwarz und zeigten einen fließenden Farbverlauf, der innen hell und außen dunkel erschien. Für einen Moment lang schaute Jamie nur auf Lunas Lippen. Er verzehrte sich danach, sie endlich wieder zu küssen. Hiernach ließ Jamie ab von Luna und sah stattdessen in die Runde, wo er überraschte Blicke in den Gesichtern der anderen Ratsmitgliedern erkennen konnte. Als er dabei zu Milo blickte, konnte er beobachten, dass Milo wie auch er selbst von Lunas körperlichen Erscheinungsbild nicht überrascht war.
In der Zwischenzeit war Luna ebenfalls mit ein paar Gedanken beschäftigt und vermied den Blickkontakt mit Jamie. Gedanken, die sie sehr wütend machten, als sie Jamie spürte und letztlich sah. „Offensichtlich wurde Jamie nicht verbannt und war anscheinend die ganze Zeit über auf Heaven. Alles ganz normal hier, so als ob Milo nie etwas gesehen hätte. Also warum half Jamie mir dann nicht oder kam mich zumindest einmal besuchen?!“ Kurz darauf ging Luna voller Wut im Bauch wortlos zu Florian Chevacier herüber, bis sie direkt vor ihm stehen blieb. Dann schaute sie mit einem ernsten Gesichtsausdruck in seine dunkelbraunen, fast schon schwarzen Augen und legte ihre Hände auf seine Unterarme. Währenddessen konnte Luna Verwirrung und leichte Verlegenheit in Florians Augen erkennen. Doch das interessierte Luna kein Stück. Sie blieb weiterhin wortlos und bitterernst. Schon in der nächsten Sekunde konnte sie in Florians Augen sehen, dass er nun realisierte, was ihm gleich widerfahren sollte. Doch da war es für ihn schon zu spät, da Luna bereits anfing ihre neuen telekinetischen Fähigkeiten bei ihm anzuwenden. Ohne zu zögern ließ sie seine Blutbahnen im gesamten Körper platzen. Jede einzelne Vene, jede einzelne Arterie und jede noch so kleine Kapillare platzten auf. Das bereitete ihm extreme Schmerzen, welche Florian durch schmerzerfülltes Geschrei auch zum Ausdruck brachte. Währenddessen floss Blut aus seinen Augen, Ohren, seiner Nase und seinem Mund heraus. Innerhalb von wenigen Sekunden sackte Florian zusammen und war tot. Luna hatte diese Fähigkeit so schnell und effektiv angewandt, dass Florian gar nicht schnell genug hatte reagieren können, um sich zu wehren. Anschließend streckte Luna ihre rechte Hand aus und setzte TBS-W ein, eine weitere telekinetische Fähigkeit, die sie nun beherrschte, um Florians leblosen Körper von seinem Sessel herunterzuziehen.
Nachdem Luna sich dann lässig auf diesen Sessel gesetzt hatte, konnte sie beobachten, wie geschockt die anderen Ratsmitglieder sich gegenseitig ansahen. Jamie und Milo waren die Einzigen, die keinerlei Reaktion zeigten. Schon im nächsten Moment sahen alle zu Milo herüber und warfen ihm fragende Blicke zu. Währenddessen schaute Jamie weiterhin in die Runde, da er keine Lust darauf hatte, Milos hässliche Visage zu sehen. Innerlich fing er an zu kotzen, als er in der nächsten Sekunde Milos gehässiges Lachen hören musste. Anschließend sprach Milo niederträchtig: „Das muss ein wirklich schmerzhafter Tod gewesen sein.“ Holly Graßbarb fragte irritiert: „Wie konnte Luna das tun?“ Sie schaute Luna mit einem Blick an, der zeigte, dass sie eine Antwort erwartete. Aber Luna reagierte bloß mit einem gefühlskalten Blick, während sie weiterhin ruhig und wortlos auf dem Sessel von Florian saß. Denn sie wollte den Ratsvorsitzenden darauf reagieren lassen, was Milo schon im nächsten Augenblick tat. „Wie ihr alle bereits selbst feststellen musstet, hat Florian Chevacier mehrfach absichtlich gegen eines unserer wichtigsten Grundgesetze hier in Paradise verstoßen. Er hat das Grundgesetz, zu helfen, mehrfach ignoriert und damit verletzt. Ganz gleich wer, wo und wann, wenn um Hilfe gebeten wird, muss man der Bitte zeitnah nachkommen. Aber mehrfach verwehrte er absichtlich die Bitte um Hilfe und hat dadurch unsere Gemeinschaft verraten, da er sie im Stich gelassen hat. Er hat den wichtigsten Grundstein für unsere Paradise-Gemeinschaft verraten. Und wie jeder weiß, verletzt man absichtlich dieses Grundgesetz des Öfteren, dann ist die Bestrafung dafür der eigene Tod. Und genau das tat Florian und deswegen ist er jetzt tot.“ Nach seiner Erklärung sprach Holly: „Danke für deine Antwort, aber meine Frage zielte auf etwas anderes ab. Schließlich sind wir alle nicht wegen Florians Tod so geschockt. Denn das dies passieren würde, wussten wir längst.“ Daisy Sundielle sprach: „Ja, genau. Wirklich schade, dass Florian sich von uns nicht helfen lassen wollte. Wir alle haben ihn oft darauf hingewiesen, was passieren würde, wenn er sein Verhalten nicht ändern würde. Aber nun ja, er wollte nicht.“ Hiernach wollte Colin Baliette von Milo wissen: „Wieso hast du Luna Tagus das erledigen lassen?! Schließlich wäre das die Aufgabe eines Paradise-Ratsmitglieds gewesen. Sie wird dadurch trotzdem nicht zu einem werden!“ Milo Kabnell schüttelte den Kopf und erklärte: „Nein, sie wird definitiv niemals ein Ratsmitglied werden. Sie ist schließlich kein Angel! Ich wollte einfach, dass Luna Tagus das tut, weil ich zum einen wollte, dass Florians Tod extrem schmerzhaft ist, so oft, wie wir ihn darum gebeten haben, sein Verhalten endlich zu ändern. Zum anderen wollte ich euch dadurch zeigen, dass Luna Tagus die COB-A besitzt und beherrscht.“ Er schaute zu Luna herüber und gab ihr mit einer Kopfbewegung zu verstehen, dass sie nun wieder den Ratsraum verlassen sollte. Darauf stand Luna direkt auf und ging aus dem Raum heraus. Anschließend fragte Holly irritiert: „Also Milo, wie konnte es passieren, dass Luna Tagus, eines unserer Versuchskaninchen, nun unsere telekinetischen Fähigkeiten in ihrem Blut trägt und beherrscht? Genau das sollte nicht passieren.“ Daisy schloss sich ihr an und sprach: „Und sie beherrscht nicht nur unsere Touch-by-Seeing-Willpower, sondern auch noch unsere Controlling-of-Bloodstream-Ability. Es war nie geplant, dass die Menschen unsere Fähigkeiten und unser Aussehen erlangen! Lediglich die Denkweise der Menschen sollte verändert werden. Damit sie ihren Heimatplaneten Erde retten und nicht zerstören!“ Direkt im Anschluss sagte Colin: „Genau. Also wie konnte das bei diesem Menschen passieren?! Die Versuchskaninchen, insbesondere die Menschen, sollten nie reines, unverändertes Angel-Blut bekommen. Ich meine, nicht ohne Grund wird vorher jedes Spenderblut verändert. Schließlich sollen nur bestimmte Gene an die andere Spezies weitergegeben werden und nicht unsere komplette DNA. Schließlich sollen sie weiterhin ihre eigene Spezies bleiben.“ Milo nickte und erklärte dann: „Ich weiß und ihr alle habt auch recht. Das hätte auf keinen Fall passieren dürfen. Aber aufgrund eines Angriffs wäre dieser Mensch bereits am ersten Tag verblutet. Da kein menschliches Blut sofort zur Verfügung stand, erhielt sie eine Bluttransfusion mit unverändertem Angel-Blut.“ Daraufhin reagierte Elyssa Nechearo geschockt: „Wieso das? Man hätte sie einfach sterben lassen können. Wie bereits erwähnt wurde, Versuchskaninchen sollen kein unverändertes Angel-Blut bekommen!“ Milo schmunzelte und antwortete: „Ja, das stimmt.“ Dann schaute er zu Jamie herüber, der ebenfalls zu Milo sah und dessen nachdenklichen Blick beobachtete. Kurz danach wandte Milo sich wieder an alle und erklärte: „Ich weiß, das hätte unter gar keinen Umständen passieren dürfen. Aber so wie es der Zufall wollte, haben wir dadurch etwas Wichtiges herausgefunden. Denn wenn es nicht geschehen wäre, hätten wir einen bedeutsamen Moment in der Versuchskaninchenforschung der Menschen verpasst und würden uns jetzt immer noch fragen, warum die Forschung an den Menschen immer scheiterte.“ Die Paradise-Ratsmitglieder schauten Milo gespannt an, woraufhin er allen erläuterte: „Nun, nach neusten Erkenntnissen braucht die menschliche Spezies auch eine innige Verbindung zum Blutspender, um eine Symbiose mit dem Angel-Blut herstellen zu können. Darum überlebte Luna Tagus die Blutsymbiose. Und darum überlebten in der Vergangenheit keine der anderen Menschen, da sie nie eine innige Verbindung zum Blutspender hatten. Stattdessen wurden jene Menschen immer nur vom Angel-Blut attackiert, wodurch ihr Körper kollabierte, bis sie letztlich starben.“ Dies verblüffte die anderen. Jamie schmunzelte und dachte: „Interessant. Ich hätte nicht gedacht, dass er so fantasievoll sein kann.“ Währenddessen sprach Melanie Zainah grinsend: „Offensichtlich ist der Mensch einfach nicht in der Lage, mit unserem Blut zurechtzukommen. Wieder ein Beispiel dafür, wie schwach die menschliche Spezies ist. Denn die anderen Spezies konnten immer problemlos die Blutsymbiose mit unserem Blut eingehen. Und das ganz ohne Hilfsmittel wie eine innige Verbindung zum Blutspender.“ Hiernach fragte Tamio Amaechystol neugierig: „Was genau ist das für eine innige Verbindung und mit wem hat Luna diese Verbindung?“ Milo hob seine rechte Augenbraue und schaute fragend zu Tamio. „Du weißt es tatsächlich nicht, oder?“ Tamio zuckte mit den Schultern und sprach: „Nein, auch ich weiß nicht immer alles.“ Das amüsierte Jamie, aber ohne es nach außen hin zu zeigen. „Hm, nun gut“, äußerte Milo skeptisch, bevor er erklärte: „Also es ist eine tiefe, freundschaftliche Verbindung. Nichts, was uns beunruhigen müsste. Und ja, obwohl das Angel-Blut nicht verändert wurde, bevor sie es injiziert bekam, habe ich sie trotzdem ins Experiment geschickt. Ich war einfach neugierig, ob das Angel-Blut sich auch aktivieren lässt. Und das hat es. Sie ist der allererste Mensch, bei dem das Experiment funktioniert hat.“ Colin schaute in die Runde und sprach trocken: „So ein Pech, dass es kein verändertes Blut war. Ich denke, ich spreche für uns alle, wenn ich sage, dass wir diesen Mensch mit unseren Fähigkeiten im Blut nicht weiterleben lassen können.“ Wortlos stimmten alle anderen zu. Milo fügte hinzu: „Auf jeden Fall wird sie so nicht leben. Aber bis zu ihrem Tod habe ich noch etwas mit ihr vor.“ Die anderen schauten ihn fragend an. „In Lunas Angel-Blut existiert die Controlling-of-Bloodstream-Ability.“ Noch während Milo sprach, tauschten Jamie und die anderen Paradise-Ratsmitglieder bereits vielsagende Blicke untereinander aus. Bevor Milo Kabnell weiterreden konnte, sagte Holly zu ihm: „Wir waren uns doch vor einiger Zeit darüber einig, die COB-A nicht wieder aufleben zu lassen. Diese telekinetische Fähigkeit ist einfach zu unberechenbar und kann viel zu schnell viel zu unkontrollierbar werden. Die Fähigkeit ist viel zu gefährlich. Deswegen wollten Angels, die COB-A in ihrer DNA tragen, ihr Blut auch nicht für dein Experiment hergeben.“
„Ja, das weiß ich. Aber genau jene unberechenbare Eigenschaft will ich doch mit meinem Experiment ausradieren. Damit das Problem von damals nicht mehr existiert. Zusätzlich möchte ich die Möglichkeit schaffen, dass jeder Angel die COB-A besitzen und beherrschen kann und nicht nur jene, die diese Fähigkeit von Geburt an in sich tragen.“ Jamie sah den anderen Paradise-Ratsmitgliedern an, dass sie sich nach wie vor uneinig darüber waren. Milo fuhr fort: „Versteht doch, diese Fähigkeit gehört zu uns Angels. Die COB-A ist ein Teil unserer Natur. Außerdem wissen wir nicht, wie die Zukunft sein wird, und wer weiß, vielleicht brauchen wir genau jene COB-A eines Tages wieder. Lasst mich dieses Experiment machen. Falls es nicht klappen sollte und die Controlling-of-Bloodstream-Ability immer noch eine Gefahr darstellt, höre ich mit dem Experiment auf. Und wie ihr wisst, den Blutspender dafür habe ich bereits. Aufgrund dessen, dass dieser Blutspender ein Mensch ist und somit qualvolle Schmerzen verdient hat, kann ich sie auch gleichzeitig für den schmerzvollen Teil meines Experiments einspannen. So braucht kein sich dafür freiwillig meldender Angel den Schmerzen aussetzen.“ Danach tauschten Jamie und die anderen Paradise-Ratsmitglieder ihre Gedanken zu diesem Thema noch einige Momente lang miteinander aus, bis sie letztlich zur einer Einigung kamen. „Wir“, begann Jamie Skarvayna zu sprechen, „stimmen zwar für dieses Experiment, aber dennoch steht es jedem einzelnen Angel frei, zu entscheiden, ob er die Controlling-of-Bloodstream-Ability haben will oder nicht. Das bedeutet, es bleibt eine freiwillige Unterstützung. Somit ist es jenen Angels, die diese Fähigkeit nicht besitzen, überlassen, ob sie dir bei deinem Experiment helfen. Genau wie die Angels, die diese Fähigkeit besitzen, sich frei dafür entscheiden können.“ Milo nickte zustimmend und sprach dann: „Gut, dann wäre das geklärt. Somit wird Luna Tagus mir ab sofort täglich eine geringe Menge ihres Bluts geben und darf dadurch noch so lange hierbleiben, bis ich sie als Blutspender nicht mehr brauche.“ Nachdem Milo dies gesagt hatte, fragte Daisy ihn: „Und was wirst du Luna Tagus sagen, wieso ihre geplante Abreise nun auf einmal doch nicht mehr stattfindet?“
„Ich werde ihr sagen, dass die COB-A in ihrem Blut sehr nützlich für mich ist und sie, so lange wie sie mir ihr Blut regelmäßig zur Verfügung stellt, hierbleiben darf. Und wie wir alle wissen, will sie unbedingt hierbleiben. Also wird sie auf jeden Fall auf meinen Vorschlag eingehen.“ Hiernach sprach Holly: „Natürlich wirst du ihr nicht verraten, wie lange genau das sein wird.“ Milo grinste und sprach: „Nein, natürlich werde ich das nicht erwähnen. Ich werde sie einfach im Glauben lassen, dass es für immer sein wird.“ Danach fragte Tamio: „Und was, wenn sie anfängt deinen Vorschlag zu hinterfragen?“
„Das wird sie nicht. Denn sie hat hier noch etwas zu erledigen und allein damit sind ihre Gedanken permanent beschäftigt. Deshalb wird sie definitiv nicht so schnell auf die Idee kommen, abzuhauen. Darum ist sie nach wie vor hier und nicht längst vor uns geflohen, um auf keinen Fall zurück zur Erde gebracht zu werden“, antwortete Milo mit einem intriganten Lächeln. Darauf wollte Colin wissen: „Und worum muss sie sich noch kümmern?“ Milo schaute ihn an und sprach: „Etwas Privates. Aber mach dir darüber keine Sorgen. Ich habe Luna Tagus unter Kontrolle. Sie wird so schnell nirgends lieber sein wollen als hier.“ Danach wandte Milo sich zu Melanie, seiner Rechten Hand, und sprach auffordernd: „Du kümmerst dich gleich darum, dass jeder Angel Bescheid weiß, dass sie sich nun für die Position des neuen Paradise-Ratsmitglieds für die Dream-Bringers und deren Sternensystem aufstellen lassen können. Anschließend informierst du alle Dream-Bringers darüber, dass sie in Kürze ihr neues Ratsmitglied wählen können, sobald unsere Bevölkerung darüber entschieden hat, welche Kandidaten am besten dafür geeignet sind.“
Melanie sprach: „Wird gleich schon erledigt sein.“
„Sehr schön“, äußerte Milo und löste im Anschluss daran die Paradise-Ratsversammlung auf. Alle bis auf Melanie standen auf und verließen den Ratsraum.
Jamie kam gerade im Flur an, als er von Milo am linken Arm festgehalten und dadurch am Weitergehen gehindert wurde. Jamie, der Milos rechte Hand am liebsten auf der Stelle abschneiden wollte, drehte sich zu ihm um und fragte patzig: „Was?!“
Unmittelbar danach sprach Milo gereizt: „Das geht auch netter!“
„Ja und du hättest mich nicht am Arm packen müssen! Du weißt ganz genau, ich mag das nicht, wenn du, Milo, das tust!“
„Ich mag auch so einiges von dir nicht und du tust es trotzdem.“
Jamie zog seinen linken Arm aus Milos Hand heraus und sprach genervt: „Alle anderen sind jetzt weg. Also rede.“
„Da Luna die telekinetischen Fähigkeiten aus deinem gespendeten Blut schöpft, musst du doch auch die COB-A beherrschen? Also hättest du mich bei meiner Forschung schon längst unterstützen können. Und einer deiner Freunde, der diese Fähigkeit nicht in seinem Blut trägt, hätte uns unterstützen können. Deine Freunde hätten unter den Ersten sein können, die die veränderte Variante der COB-A in ihrem Blut ausprobieren.“ Daraufhin schaute Jamie ihn mit einem ernsten Gesichtsausdruck an und sprach: „Hast du mich je diese Fähigkeit ausüben sehen? Ich mich auch nicht.“ Jamie verschwieg seinem Adoptivvater die Wahrheit, da er ihm aus Prinzip nicht helfen wollte.
…
Jamie Skarvayna saß mit allen anderen Paradise-Ratsmitgliedern schon seit ein paar Stunden im Ratsraum, um der Paradise-Ratsversammlung beizuwohnen. Jamie war von Milos Gelaber genervt. Dabei war es total egal, ob Milo über eine wichtige Thematik sprach oder über Unwichtiges redete. Jamie hatte es einfach satt, Milo zu hören zu müssen. Plötzlich merkte Jamie, wie er selbst immer nervöser wurde und wie sein Puls schneller schlug. Je nervöser er wurde, desto mehr musste er lächeln. Ein Lächeln, das er nicht zurückhalten konnte. Nicht einmal als er Milos grässliche Stimme sagen hörte: „Was lächelst du so dämlich vor dich hin?“ Mit einem verärgerten Blick schaute Jamie zu Milo und sprach gereizt: „Das geht dich absolut nichts an! Mein glückliches Lächeln hat rein gar nichts mit dir zu tun!“ Schon während er dies sagte, konnte Jamie Milo ansehen, dass ihm die Art und Weise, wie er antwortete, gar nicht passte. Aber das war Jamie total egal. Denn Milo hatte es nicht anders gewollt. Schließlich hatte er sein glückliches Lächeln als dämlich bezeichnet. Als Jamie zu Ende gesprochen hatte, konnte er schon wieder mit den Augen rollen, da Milo anfing, sich über sein Benehmen aufzuregen. Das brachte wiederum Jamie auf.
Während die beiden miteinander stritten, ging auf einmal die Haupttür des Ratsraums auf. Das bewegte Jamie sofort dazu, Milo links liegen zu lassen und in Richtung Haupttür zu schauen. Durch Jamies Körper strömten gewaltige Glückshormone, als er Luna dort sah. Er war unfassbar erleichtert und überglücklich, sie wohlauf zu sehen. „Endlich sehe ich dich wieder, Kleines“, dachte er freudig. Während er Luna von oben bis unten musterte, achtete er stets darauf, keinen Blickkontakt mit ihr zu haben. Luna trug ein viel Haut zeigendes Outfit, wodurch man ihre körperliche Veränderung wunderbar sehen konnte. Genau dieses veränderte körperliche Aussehen war es, was Jamie direkt interessierte. Lunas glatte Haare waren nun nicht mehr hellbraun, sondern dunkelbraun. Ihre helle Haut hatte an manchen Körperstellen graue Flecken. Zudem sah man schwarze Adern am Körper durchschimmern, aber auch blaue. Ebenso hatte sich ihr linkes Auge verändert. Es war nun vollkommen dunkelbraun, fast schon schwarz. Die Farbe ihrer Lippen war anders. Sie waren nun rot-schwarz und zeigten einen fließenden Farbverlauf, der innen hell und außen dunkel erschien. Für einen Moment lang schaute Jamie nur auf Lunas Lippen. Er verzehrte sich danach, sie endlich wieder zu küssen. Hiernach ließ Jamie ab von Luna und sah stattdessen in die Runde, wo er überraschte Blicke in den Gesichtern der anderen Ratsmitgliedern erkennen konnte. Als er dabei zu Milo blickte, konnte er beobachten, dass Milo wie auch er selbst von Lunas körperlichen Erscheinungsbild nicht überrascht war.
In der Zwischenzeit war Luna ebenfalls mit ein paar Gedanken beschäftigt und vermied den Blickkontakt mit Jamie. Gedanken, die sie sehr wütend machten, als sie Jamie spürte und letztlich sah. „Offensichtlich wurde Jamie nicht verbannt und war anscheinend die ganze Zeit über auf Heaven. Alles ganz normal hier, so als ob Milo nie etwas gesehen hätte. Also warum half Jamie mir dann nicht oder kam mich zumindest einmal besuchen?!“ Kurz darauf ging Luna voller Wut im Bauch wortlos zu Florian Chevacier herüber, bis sie direkt vor ihm stehen blieb. Dann schaute sie mit einem ernsten Gesichtsausdruck in seine dunkelbraunen, fast schon schwarzen Augen und legte ihre Hände auf seine Unterarme. Währenddessen konnte Luna Verwirrung und leichte Verlegenheit in Florians Augen erkennen. Doch das interessierte Luna kein Stück. Sie blieb weiterhin wortlos und bitterernst. Schon in der nächsten Sekunde konnte sie in Florians Augen sehen, dass er nun realisierte, was ihm gleich widerfahren sollte. Doch da war es für ihn schon zu spät, da Luna bereits anfing ihre neuen telekinetischen Fähigkeiten bei ihm anzuwenden. Ohne zu zögern ließ sie seine Blutbahnen im gesamten Körper platzen. Jede einzelne Vene, jede einzelne Arterie und jede noch so kleine Kapillare platzten auf. Das bereitete ihm extreme Schmerzen, welche Florian durch schmerzerfülltes Geschrei auch zum Ausdruck brachte. Währenddessen floss Blut aus seinen Augen, Ohren, seiner Nase und seinem Mund heraus. Innerhalb von wenigen Sekunden sackte Florian zusammen und war tot. Luna hatte diese Fähigkeit so schnell und effektiv angewandt, dass Florian gar nicht schnell genug hatte reagieren können, um sich zu wehren. Anschließend streckte Luna ihre rechte Hand aus und setzte TBS-W ein, eine weitere telekinetische Fähigkeit, die sie nun beherrschte, um Florians leblosen Körper von seinem Sessel herunterzuziehen.
Nachdem Luna sich dann lässig auf diesen Sessel gesetzt hatte, konnte sie beobachten, wie geschockt die anderen Ratsmitglieder sich gegenseitig ansahen. Jamie und Milo waren die Einzigen, die keinerlei Reaktion zeigten. Schon im nächsten Moment sahen alle zu Milo herüber und warfen ihm fragende Blicke zu. Währenddessen schaute Jamie weiterhin in die Runde, da er keine Lust darauf hatte, Milos hässliche Visage zu sehen. Innerlich fing er an zu kotzen, als er in der nächsten Sekunde Milos gehässiges Lachen hören musste. Anschließend sprach Milo niederträchtig: „Das muss ein wirklich schmerzhafter Tod gewesen sein.“ Holly Graßbarb fragte irritiert: „Wie konnte Luna das tun?“ Sie schaute Luna mit einem Blick an, der zeigte, dass sie eine Antwort erwartete. Aber Luna reagierte bloß mit einem gefühlskalten Blick, während sie weiterhin ruhig und wortlos auf dem Sessel von Florian saß. Denn sie wollte den Ratsvorsitzenden darauf reagieren lassen, was Milo schon im nächsten Augenblick tat. „Wie ihr alle bereits selbst feststellen musstet, hat Florian Chevacier mehrfach absichtlich gegen eines unserer wichtigsten Grundgesetze hier in Paradise verstoßen. Er hat das Grundgesetz, zu helfen, mehrfach ignoriert und damit verletzt. Ganz gleich wer, wo und wann, wenn um Hilfe gebeten wird, muss man der Bitte zeitnah nachkommen. Aber mehrfach verwehrte er absichtlich die Bitte um Hilfe und hat dadurch unsere Gemeinschaft verraten, da er sie im Stich gelassen hat. Er hat den wichtigsten Grundstein für unsere Paradise-Gemeinschaft verraten. Und wie jeder weiß, verletzt man absichtlich dieses Grundgesetz des Öfteren, dann ist die Bestrafung dafür der eigene Tod. Und genau das tat Florian und deswegen ist er jetzt tot.“ Nach seiner Erklärung sprach Holly: „Danke für deine Antwort, aber meine Frage zielte auf etwas anderes ab. Schließlich sind wir alle nicht wegen Florians Tod so geschockt. Denn das dies passieren würde, wussten wir längst.“ Daisy Sundielle sprach: „Ja, genau. Wirklich schade, dass Florian sich von uns nicht helfen lassen wollte. Wir alle haben ihn oft darauf hingewiesen, was passieren würde, wenn er sein Verhalten nicht ändern würde. Aber nun ja, er wollte nicht.“ Hiernach wollte Colin Baliette von Milo wissen: „Wieso hast du Luna Tagus das erledigen lassen?! Schließlich wäre das die Aufgabe eines Paradise-Ratsmitglieds gewesen. Sie wird dadurch trotzdem nicht zu einem werden!“ Milo Kabnell schüttelte den Kopf und erklärte: „Nein, sie wird definitiv niemals ein Ratsmitglied werden. Sie ist schließlich kein Angel! Ich wollte einfach, dass Luna Tagus das tut, weil ich zum einen wollte, dass Florians Tod extrem schmerzhaft ist, so oft, wie wir ihn darum gebeten haben, sein Verhalten endlich zu ändern. Zum anderen wollte ich euch dadurch zeigen, dass Luna Tagus die COB-A besitzt und beherrscht.“ Er schaute zu Luna herüber und gab ihr mit einer Kopfbewegung zu verstehen, dass sie nun wieder den Ratsraum verlassen sollte. Darauf stand Luna direkt auf und ging aus dem Raum heraus. Anschließend fragte Holly irritiert: „Also Milo, wie konnte es passieren, dass Luna Tagus, eines unserer Versuchskaninchen, nun unsere telekinetischen Fähigkeiten in ihrem Blut trägt und beherrscht? Genau das sollte nicht passieren.“ Daisy schloss sich ihr an und sprach: „Und sie beherrscht nicht nur unsere Touch-by-Seeing-Willpower, sondern auch noch unsere Controlling-of-Bloodstream-Ability. Es war nie geplant, dass die Menschen unsere Fähigkeiten und unser Aussehen erlangen! Lediglich die Denkweise der Menschen sollte verändert werden. Damit sie ihren Heimatplaneten Erde retten und nicht zerstören!“ Direkt im Anschluss sagte Colin: „Genau. Also wie konnte das bei diesem Menschen passieren?! Die Versuchskaninchen, insbesondere die Menschen, sollten nie reines, unverändertes Angel-Blut bekommen. Ich meine, nicht ohne Grund wird vorher jedes Spenderblut verändert. Schließlich sollen nur bestimmte Gene an die andere Spezies weitergegeben werden und nicht unsere komplette DNA. Schließlich sollen sie weiterhin ihre eigene Spezies bleiben.“ Milo nickte und erklärte dann: „Ich weiß und ihr alle habt auch recht. Das hätte auf keinen Fall passieren dürfen. Aber aufgrund eines Angriffs wäre dieser Mensch bereits am ersten Tag verblutet. Da kein menschliches Blut sofort zur Verfügung stand, erhielt sie eine Bluttransfusion mit unverändertem Angel-Blut.“ Daraufhin reagierte Elyssa Nechearo geschockt: „Wieso das? Man hätte sie einfach sterben lassen können. Wie bereits erwähnt wurde, Versuchskaninchen sollen kein unverändertes Angel-Blut bekommen!“ Milo schmunzelte und antwortete: „Ja, das stimmt.“ Dann schaute er zu Jamie herüber, der ebenfalls zu Milo sah und dessen nachdenklichen Blick beobachtete. Kurz danach wandte Milo sich wieder an alle und erklärte: „Ich weiß, das hätte unter gar keinen Umständen passieren dürfen. Aber so wie es der Zufall wollte, haben wir dadurch etwas Wichtiges herausgefunden. Denn wenn es nicht geschehen wäre, hätten wir einen bedeutsamen Moment in der Versuchskaninchenforschung der Menschen verpasst und würden uns jetzt immer noch fragen, warum die Forschung an den Menschen immer scheiterte.“ Die Paradise-Ratsmitglieder schauten Milo gespannt an, woraufhin er allen erläuterte: „Nun, nach neusten Erkenntnissen braucht die menschliche Spezies auch eine innige Verbindung zum Blutspender, um eine Symbiose mit dem Angel-Blut herstellen zu können. Darum überlebte Luna Tagus die Blutsymbiose. Und darum überlebten in der Vergangenheit keine der anderen Menschen, da sie nie eine innige Verbindung zum Blutspender hatten. Stattdessen wurden jene Menschen immer nur vom Angel-Blut attackiert, wodurch ihr Körper kollabierte, bis sie letztlich starben.“ Dies verblüffte die anderen. Jamie schmunzelte und dachte: „Interessant. Ich hätte nicht gedacht, dass er so fantasievoll sein kann.“ Währenddessen sprach Melanie Zainah grinsend: „Offensichtlich ist der Mensch einfach nicht in der Lage, mit unserem Blut zurechtzukommen. Wieder ein Beispiel dafür, wie schwach die menschliche Spezies ist. Denn die anderen Spezies konnten immer problemlos die Blutsymbiose mit unserem Blut eingehen. Und das ganz ohne Hilfsmittel wie eine innige Verbindung zum Blutspender.“ Hiernach fragte Tamio Amaechystol neugierig: „Was genau ist das für eine innige Verbindung und mit wem hat Luna diese Verbindung?“ Milo hob seine rechte Augenbraue und schaute fragend zu Tamio. „Du weißt es tatsächlich nicht, oder?“ Tamio zuckte mit den Schultern und sprach: „Nein, auch ich weiß nicht immer alles.“ Das amüsierte Jamie, aber ohne es nach außen hin zu zeigen. „Hm, nun gut“, äußerte Milo skeptisch, bevor er erklärte: „Also es ist eine tiefe, freundschaftliche Verbindung. Nichts, was uns beunruhigen müsste. Und ja, obwohl das Angel-Blut nicht verändert wurde, bevor sie es injiziert bekam, habe ich sie trotzdem ins Experiment geschickt. Ich war einfach neugierig, ob das Angel-Blut sich auch aktivieren lässt. Und das hat es. Sie ist der allererste Mensch, bei dem das Experiment funktioniert hat.“ Colin schaute in die Runde und sprach trocken: „So ein Pech, dass es kein verändertes Blut war. Ich denke, ich spreche für uns alle, wenn ich sage, dass wir diesen Mensch mit unseren Fähigkeiten im Blut nicht weiterleben lassen können.“ Wortlos stimmten alle anderen zu. Milo fügte hinzu: „Auf jeden Fall wird sie so nicht leben. Aber bis zu ihrem Tod habe ich noch etwas mit ihr vor.“ Die anderen schauten ihn fragend an. „In Lunas Angel-Blut existiert die Controlling-of-Bloodstream-Ability.“ Noch während Milo sprach, tauschten Jamie und die anderen Paradise-Ratsmitglieder bereits vielsagende Blicke untereinander aus. Bevor Milo Kabnell weiterreden konnte, sagte Holly zu ihm: „Wir waren uns doch vor einiger Zeit darüber einig, die COB-A nicht wieder aufleben zu lassen. Diese telekinetische Fähigkeit ist einfach zu unberechenbar und kann viel zu schnell viel zu unkontrollierbar werden. Die Fähigkeit ist viel zu gefährlich. Deswegen wollten Angels, die COB-A in ihrer DNA tragen, ihr Blut auch nicht für dein Experiment hergeben.“
„Ja, das weiß ich. Aber genau jene unberechenbare Eigenschaft will ich doch mit meinem Experiment ausradieren. Damit das Problem von damals nicht mehr existiert. Zusätzlich möchte ich die Möglichkeit schaffen, dass jeder Angel die COB-A besitzen und beherrschen kann und nicht nur jene, die diese Fähigkeit von Geburt an in sich tragen.“ Jamie sah den anderen Paradise-Ratsmitgliedern an, dass sie sich nach wie vor uneinig darüber waren. Milo fuhr fort: „Versteht doch, diese Fähigkeit gehört zu uns Angels. Die COB-A ist ein Teil unserer Natur. Außerdem wissen wir nicht, wie die Zukunft sein wird, und wer weiß, vielleicht brauchen wir genau jene COB-A eines Tages wieder. Lasst mich dieses Experiment machen. Falls es nicht klappen sollte und die Controlling-of-Bloodstream-Ability immer noch eine Gefahr darstellt, höre ich mit dem Experiment auf. Und wie ihr wisst, den Blutspender dafür habe ich bereits. Aufgrund dessen, dass dieser Blutspender ein Mensch ist und somit qualvolle Schmerzen verdient hat, kann ich sie auch gleichzeitig für den schmerzvollen Teil meines Experiments einspannen. So braucht kein sich dafür freiwillig meldender Angel den Schmerzen aussetzen.“ Danach tauschten Jamie und die anderen Paradise-Ratsmitglieder ihre Gedanken zu diesem Thema noch einige Momente lang miteinander aus, bis sie letztlich zur einer Einigung kamen. „Wir“, begann Jamie Skarvayna zu sprechen, „stimmen zwar für dieses Experiment, aber dennoch steht es jedem einzelnen Angel frei, zu entscheiden, ob er die Controlling-of-Bloodstream-Ability haben will oder nicht. Das bedeutet, es bleibt eine freiwillige Unterstützung. Somit ist es jenen Angels, die diese Fähigkeit nicht besitzen, überlassen, ob sie dir bei deinem Experiment helfen. Genau wie die Angels, die diese Fähigkeit besitzen, sich frei dafür entscheiden können.“ Milo nickte zustimmend und sprach dann: „Gut, dann wäre das geklärt. Somit wird Luna Tagus mir ab sofort täglich eine geringe Menge ihres Bluts geben und darf dadurch noch so lange hierbleiben, bis ich sie als Blutspender nicht mehr brauche.“ Nachdem Milo dies gesagt hatte, fragte Daisy ihn: „Und was wirst du Luna Tagus sagen, wieso ihre geplante Abreise nun auf einmal doch nicht mehr stattfindet?“
„Ich werde ihr sagen, dass die COB-A in ihrem Blut sehr nützlich für mich ist und sie, so lange wie sie mir ihr Blut regelmäßig zur Verfügung stellt, hierbleiben darf. Und wie wir alle wissen, will sie unbedingt hierbleiben. Also wird sie auf jeden Fall auf meinen Vorschlag eingehen.“ Hiernach sprach Holly: „Natürlich wirst du ihr nicht verraten, wie lange genau das sein wird.“ Milo grinste und sprach: „Nein, natürlich werde ich das nicht erwähnen. Ich werde sie einfach im Glauben lassen, dass es für immer sein wird.“ Danach fragte Tamio: „Und was, wenn sie anfängt deinen Vorschlag zu hinterfragen?“
„Das wird sie nicht. Denn sie hat hier noch etwas zu erledigen und allein damit sind ihre Gedanken permanent beschäftigt. Deshalb wird sie definitiv nicht so schnell auf die Idee kommen, abzuhauen. Darum ist sie nach wie vor hier und nicht längst vor uns geflohen, um auf keinen Fall zurück zur Erde gebracht zu werden“, antwortete Milo mit einem intriganten Lächeln. Darauf wollte Colin wissen: „Und worum muss sie sich noch kümmern?“ Milo schaute ihn an und sprach: „Etwas Privates. Aber mach dir darüber keine Sorgen. Ich habe Luna Tagus unter Kontrolle. Sie wird so schnell nirgends lieber sein wollen als hier.“ Danach wandte Milo sich zu Melanie, seiner Rechten Hand, und sprach auffordernd: „Du kümmerst dich gleich darum, dass jeder Angel Bescheid weiß, dass sie sich nun für die Position des neuen Paradise-Ratsmitglieds für die Dream-Bringers und deren Sternensystem aufstellen lassen können. Anschließend informierst du alle Dream-Bringers darüber, dass sie in Kürze ihr neues Ratsmitglied wählen können, sobald unsere Bevölkerung darüber entschieden hat, welche Kandidaten am besten dafür geeignet sind.“
Melanie sprach: „Wird gleich schon erledigt sein.“
„Sehr schön“, äußerte Milo und löste im Anschluss daran die Paradise-Ratsversammlung auf. Alle bis auf Melanie standen auf und verließen den Ratsraum.
Jamie kam gerade im Flur an, als er von Milo am linken Arm festgehalten und dadurch am Weitergehen gehindert wurde. Jamie, der Milos rechte Hand am liebsten auf der Stelle abschneiden wollte, drehte sich zu ihm um und fragte patzig: „Was?!“
Unmittelbar danach sprach Milo gereizt: „Das geht auch netter!“
„Ja und du hättest mich nicht am Arm packen müssen! Du weißt ganz genau, ich mag das nicht, wenn du, Milo, das tust!“
„Ich mag auch so einiges von dir nicht und du tust es trotzdem.“
Jamie zog seinen linken Arm aus Milos Hand heraus und sprach genervt: „Alle anderen sind jetzt weg. Also rede.“
„Da Luna die telekinetischen Fähigkeiten aus deinem gespendeten Blut schöpft, musst du doch auch die COB-A beherrschen? Also hättest du mich bei meiner Forschung schon längst unterstützen können. Und einer deiner Freunde, der diese Fähigkeit nicht in seinem Blut trägt, hätte uns unterstützen können. Deine Freunde hätten unter den Ersten sein können, die die veränderte Variante der COB-A in ihrem Blut ausprobieren.“ Daraufhin schaute Jamie ihn mit einem ernsten Gesichtsausdruck an und sprach: „Hast du mich je diese Fähigkeit ausüben sehen? Ich mich auch nicht.“ Jamie verschwieg seinem Adoptivvater die Wahrheit, da er ihm aus Prinzip nicht helfen wollte.
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