Cover: Emerald

Emerald
Band 2


EUR 19,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 182
ISBN: 978-3-7116-1620-3
Erscheinungsdatum: 21.07.2026
An der Kingston Academy öffnet sich erneut ein Portal und reißt Leon, James und ihre Lehrerin Lucia DaRong in eine fremde Welt. Ausgerechnet auf einem berüchtigten Segelschiff beginnt ihr neues Abenteuer – doch warum gerade dort?
Prolog

Ich stand mit dem Rücken zur Wand und spürte, wie das Messer wieder und wieder in meine Haut schnitt. Nicht tief, denn der Mann mir gegenüber genoss es anscheinend, wenn seine Opfer lange bei Bewusstsein blieben, während er sie quälte.

Ich wollte schreien, doch hatte ich keine Kraft mehr dazu.

Sollte es das gewesen sein? War das wirklich mein Ende, hier, fernab von meinem Zuhause? Ich war doch gerade erst fünfzehn geworden. In Gedanken nahm ich von meiner Familie und meinen Freunden Abschied. Erstaunlicherweise dauerte dies länger als noch vor einem Jahr, als ich nur ein einfacher Junge in Miami war, der nur einen Freund hatte.



Kapitel 1

Hey lieber Leser, falls du mich noch nicht kennen solltest, möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist James, James Book, und ich lebe in Miami, Florida. Meine Eltern sind erfolgreiche Immobilienmakler, daher können sie es sich leisten, mich auf die elitäre Kingston-Academy zu schicken. Aber stopp, stopp, stopp, ich wollte jetzt gar nicht über meine Schule reden, schließlich sind noch Ferien und mein fünfzehnter Geburtstag steht kurz bevor. Aber was soll ich sagen, seit dem Ende des letzten Schuljahres und der Reise, auf die mein Kumpel Leon und ich durch ein Portal im Keller der Schule geschickt worden waren, war nichts mehr wie früher. Viel zu oft wandern meine Gedanken zur Schule zurück und ich frage mich noch immer, ob ich Dragatea jemals wiedersehen werde.

*

„James? James, Schätzchen, schau mal, die Fotos sind fertig“, rief mir meine Mutter zu, als sie aus dem Haus kam. „Ach, mein Herz, was liegst du denn schon wieder am Pool herum? Hast du dich denn ordentlich eingecremt, die Sonne brennt ja unangenehm?“, stellte sie fest und schob ihren Sommerhut in Position, damit auch kein Strahl ihre blasse Haut berührte.
„Ja, ich bin eingecremt“, antwortete ich, um sie zu beruhigen.
Sie setzte sich auf die Liege neben meiner und fing an, die Fotos von unserer Europareise durchzusehen.
„Oh, schau mal, James, wie süß du da aussiehst! Und hier, oh, das Foto finde ich auch wunderschön, wir drei vor dem Eiffelturm.“ Oh Mann, hat sie mich ernsthaft gerade als süß bezeichnet? Das ist nicht gerade ein Wort, das ich im Zusammenhang mit meiner Person hören wollte. Gutaussehend wäre okay oder männlich, erwachsen, muskulös, auch wenn alles nicht auf mich zutraf, aber süß? Geht’s noch? Ich seufzte leise.
„Ja, schön, schön“, erwiderte ich knapp und drehte die Musik ein wenig lauter.

Meine Eltern hatten normalerweise wenig Zeit für mich, aber in diesem Sommer war alles anders. Sie haben sich so richtig ins Zeug gelegt. Sie nahmen sich die ganzen drei Monate frei und buchten einen Trip durch Europa. Sie waren der Meinung, dass ich nun alt genug wäre, meinen Horizont zu erweitern und um die Kunst und Architektur der Europäer kennenzulernen. Ich weiß nicht, in wie vielen Städten wir letztendlich waren, aber an vielen Orten waren wir lediglich für einen Tag und eine Übernachtung. So interessant die europäischen Länder auch sind, so anstrengend war diese Reise auch, zumal Fliegen so überhaupt nicht mein Ding ist. Die Panikattacken vermisste ich überhaupt nicht.

Ich war so glücklich, als wir endlich wieder in Miami waren und ich auspacken konnte. Allerdings gönnten mir meine Eltern auch hier noch keine Ruhe. Damit ich in den Ferien nicht allein sein musste, sagten sie alle Termine ab und blieben einfach zu Hause, dabei sehnte ich mich einfach nur nach Ruhe.

„James? James?“, rief meine Mutter mir zu. „Hörst du mir gar nicht zu?“
„Häh?“, fragte ich und nahm einen meiner Kopfhörer aus dem Ohr.
„Oh, ich habe gar nicht bemerkt, dass du diese Dinger im Ohr hast“, sagte meine Mutter entschuldigend. „Na gut, dann geh ich mal wieder hinein, bevor ich verbrenne.“ Elegant erhob sie sich von der Liege und ging ins Haus zurück. Ach, verdammt, jetzt hatte ich ein schlechtes Gewissen, aber ich brauchte so dringend eine Pause von der ganzen Aufmerksamkeit.

Mein Handy klingelte und auf dem Display erschien endlich der Name, auf den ich schon sehr lange gewartet hatte: „Leon“.
„Hey, Alter, was geht?“, nahm ich den Anruf an.
„Von wegen Alter. Wer hat denn in zwei Tagen Geburtstag? Ich bin endlich wieder zurück und wollte fragen, wann ich Samstag da sein soll?“
„Leon, du als mein Freund bist ein Ehrengast und kannst kommen, wann immer du willst. Am besten vor allen Verwandten“, antwortete ich. „Eigentlich hatte ich gehofft, dass wir uns schon morgen treffen können“, sagte ich noch.
„Sorry, geht leider nicht. Weißt doch, mein Tantchen hat einen Tag vor dir Geburtstag. Aus der Sache komme ich leider nicht heraus.“
„Ach stimmt.“ Ich fluchte innerlich, da ich die Tante völlig vergessen hatte. Leon musste gemerkt haben, dass meine Stimmung gerade sank, denn er antwortete: „Bin am Samstag der Erste, versprochen.“
„Cool.“
„Ich muss leider auch schon wieder los, Jimmy. Meine Eltern sind gerade so anhänglich, irgendwann erdrücken die mich.“
„Meine auch“, antwortete ich, aber da hatte er schon aufgelegt. Verfluchter Mist, wir hatten uns monatelang nicht gesehen und noch immer keine Zeit füreinander. Ich sehnte schon fast den Schulbeginn herbei, damit ich einfach wieder Zeit mit meinem Kumpel verbringen konnte.

Langsam machte sich wieder das schlechte Gewissen wegen meiner Mutter bemerkbar. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich aufzuraffen und zu ihr zu gehen. Ich fand sie am Küchentisch, wo sie dabei war, die Urlaubsfotos anzuschauen. Unmerklich zuckten ihre Schultern.

„Mom?“
Sie schniefte leise und wischte sich kurz mit ihrer Hand durchs Gesicht: „Ja, Schatz.“
„Bist du okay?“
„Mmh“, antwortete sie, was sich aber nicht so anhörte, als wäre sie okay.
„Tut mir leid, dass ich dich abgewimmelt habe“, sagte ich und versuchte, die Lage zu retten.
„Schon gut, es tut mir leid, dass ich dich gestört habe. Jungen in deinem Alter brauchen eben ihren Freiraum.“
„Mom, du hast nicht gestört. Es ist nur …“, ich suchte nach Worten, die nicht ganz gemein klangen: „… wir haben diesen Sommer echt viel Zeit miteinander verbracht, was richtig super war. Ich hatte nur gehofft, dass sich Leon endlich meldet, da war ich mit dem Kopf einfach zu weit weg. Es tut mir leid.“
„Schon gut, Schatz, das verstehe ich doch. Ihr habt euch wirklich lange nicht gesehen. Soweit ich weiß, waren die Shades auch die ganzen Ferien über verreist“, sagte sie und tätschelte mir den Kopf, wie sie es früher immer getan hatte.
„Wollen wir jetzt die Fotos zusammen anschauen?“, fragte ich, um die Lage zu retten, denn irgendwie hatte ich das Gefühl, dass meine Erklärung lange nicht ausreichte.
„Das musst du nicht, Schatz. Eigentlich habe ich es mir selbst zuzuschreiben. Ich weiß, wir waren so oft unterwegs und selten für dich da, und jetzt wirst du fünfzehn und ich frage mich, wo die Zeit hin ist. Eben warst du noch fünf und jetzt bist du fast erwachsen. Ich hatte gehofft, dass wir die verlorene Zeit nachholen könnten.“
„Mom, das verstehe ich doch“, redete ich ihr gut zu und streichelte ihre Schulter. „Aber weißt du, Teenager sind kompliziert, Hormone und so. Ich brauche ab und zu mal meine Ruhe.“
Sie legte ihre Hand auf meine Hand und nickte.
„Dann hast du wohl wahrscheinlich keine Lust, morgen mit der Yacht rauszufahren.“
„Ich weiß nicht, Mom. Sind wir zu dritt?“
„Naja, wir drei und Mr. Wetherby.“
„Oh, Mom, muss ich da unbedingt mit?“ Mr. Wetherby war ein Stammkunde meiner Eltern. Ich wusste, dass wir ihm viel zu verdanken hatten. Er war ein alter Kauz, der gerne Sprüche unterhalb der Gürtellinie abließ. „Kann ich das vielleicht auslassen? Ich brauche echt noch ein wenig Ruhe, bevor die Schule wieder beginnt.“
„Na gut, mein Herz, du darfst zu Hause bleiben. Ich rufe gleich mal Conzuela an, damit sie morgen für dich da ist.“
„Mom, ich brauche keinen Babysitter, ich werde fünfzehn, schon vergessen?“
„Doch nicht als Babysitter, Schatz. Du weißt, sie sorgt gerne für dich und mir wäre es lieber, wenn jemand für dein leibliches Wohl da ist. Außerdem hat auch sie dich wochenlang nicht gesehen und wird dich vermissen.“
Da ich keine Lust hatte, weiter zu diskutieren und sie recht hatte, willigte ich ein und ging wieder in den Garten zum Pool, um Musik zu hören.

Der Tag ohne Eltern tat mir richtig gut. Allerdings musste ich mit Conzuela Bridge spielen. Ich ließ sie ein paar Mal gewinnen, da ich nicht wollte, dass sie mir mein Essen versalzte, was sie hin und wieder gern tat, wenn sie sauer auf mich war. Der Tag fühlte sich wie Kindheit an, leider war er viel zu schnell vorbei und dann war er auch schon da, mein GEBURTSTAG.

Meine Eltern waren so aufgeregt und weckten mich in aller Frühe mit einem Geburtstagsständchen und einem Muffin mit Kerze, die ich lieber schnell auspustete, bevor das Wachs auf meine Decke tropfte. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht mehr, ob ich mir etwas gewünscht hatte. Naja, mit Schlafen wurde es jetzt nichts mehr. Meine Eltern knuddelten mich, als ob sie mir die Rippen brechen wollten, dann zogen sie mich mit. Auf der Treppe nach unten konnte ich bereits sehen, dass sie die untere Etage geschmückt hatten. Und wenn ich geschmückt sage, dann meine ich GESCHMÜCKT. Es gab kaum noch eine Ecke, in der sich kein Luftballon oder eine Papierschlange oder irgendetwas anderes befand. Meine Eltern überschlugen sich fast vor Aufregung.
„Gefällt es dir?“, fragte mein Dad.
Ich nickte nur, denn es hatte mir tatsächlich die Sprache verschlagen, als ich im Entrée eine Eisskulptur entdeckte. Leider konnte ich nicht genau erkennen, was sie darstellen sollte.

Zufrieden mit sich, schlugen meine Eltern vor, erst einmal gemeinsam zu frühstücken.

In der Küche empfing mich eine gut gelaunte Conzuela. Sie gratulierte mir, knuddelte mich und gab mir einen dicken Schmatz.
„Oh, mein kleiner Junge. Fünfzehn Jahre sind es schon“, sagte sie recht laut, steckte mir heimlich ein kleines Päckchen zu, schlug die Hände vors Gesicht und führte weiter aus: „… ich kann es gar nicht fassen, dass du schon fünfzehn bist.“
Ihr Päckchen ließ ich schnell in die Tasche meiner Pyjamahose gleiten, bevor meine Eltern etwas mitbekamen.
„Danke, Conzuela“, sagte ich kurz.

Zusammen gingen wir zu meinen Eltern an den Esstisch, der ebenfalls bis auf den letzten Zentimeter geschmückt war. Auf meinem Platz erwartete mich ebenfalls ein kleines Päckchen. Meine Eltern sahen mich so erwartungsvoll an, dass ich es sofort auspackte.
„Ein Autoschlüssel?“, stellte ich völlig perplex fest.
„Komm mit, Sohn!“, forderte mich mein Vater augenzwinkernd auf. Fast wie in Trance stand ich auf und ging zusammen mit meinem Vater zur Vordertür hinaus. Die anderen beiden folgten uns.

Und da stand er, ein kleiner schwarzer Jeep mit einer riesigen roten Schleife.
Völlig fassungslos fand ich keine Worte, die meine Gefühle richtig ausdrücken konnten. Ich ging auf das Fahrzeug zu.
„Ihr … ihr … schenkt mir ein Auto?“, fragte ich stotternd.
„Gefällt er dir, Schatz?“, fragte meine Mutter aufgeregt.
„Ja, aber ich habe doch gar keinen Führerschein“, stellte ich ernüchternd fest.
„Ach, Dummerchen, du musst doch aber für den Führerschein üben“, klärte mich meine Mutter auf und drückte mich. Auch mein Vater legte seinen Arm um meine Schultern.
„Wenn dir die Farbe nicht gefällt, können wir ihn auch anders lackieren lassen“, teilte er mir mit.
„Nein, schwarz ist perfekt. Ich liebe schwarz, Dad.“
„Willst du dich kurz hineinsetzen, bevor wir frühstücken?“
„Ja“, sagte ich und betrachtete mein erstes Auto ausgiebig. Es hatte Ledersitze, die noch neu rochen. Mein Vater stieg auf der Beifahrerseite ein.
„Willst du ihn starten?“, fragte er.
„Ich weiß nicht“, antwortete ich gedankenverloren und strich über das lederne Lenkrad. Mein Magen knurrte und erinnerte mich daran, dass ich noch nichts gegessen hatte.
Mein Vater musste lachen: „Schon gut, schon gut, musst mich ja nicht gleich anknurren. Dann lass uns mal lieber reingehen, bevor die ganzen Gäste kommen.“
„Okay.“

Wir stiegen wieder aus und gingen zurück in die Küche.
Das Frühstück zog sich etwas in die Länge. Meine Eltern erzählten Anekdoten darüber, wie sie ihre ersten Autos bekamen. Sie lachten viel und ich lachte mit, obwohl meine Gedanken schon wieder ganz woanders waren.

Ich spürte Conzuelas Blick auf mir. Es war, als ob sie mich durch Gedankenübertragung fragen würde, ob alles gut ist. Ich nickte leicht. Bei der ersten Gelegenheit, die sich mir bot, zog ich mich in mein Zimmer zurück, schließlich musste ich mich ja noch umziehen. Als ich in meinem Zimmer ankam, fiel mir wieder Conzuelas Geschenk ein. Ich setzte mich auf mein Bett und zog das Päckchen aus meiner Pyjamahose. Ich hielt es eine Weile in den Händen, bevor ich anfing, es auszupacken. Es war eine kleine Holzschachtel. Als ich sie öffnete, fand ich einen kleinen Kompass an einer silbernen Kette darin. Ich nahm ihn aus der Schachtel. Der Kompass hatte auf der Rückseite eine Gravur. Sie war so klein, dass ich sie nur mit Anstrengung lesen konnte.
„Er soll dir helfen, immer zu mir zurückzufinden, mein Junge. Egal, wo es dich auch hinverschlägt“, sagte Conzuela leise. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass sie in der leicht geöffneten Tür stand.
Ich musste schlucken. „Danke, Conzuela, er ist wirklich wunderschön.“ Ich nahm die Kette mit dem Kompass und legte sie um, dann ging ich zu Conzuela und umarmte sie.
„Du solltest dich umziehen, ich fürchte, eure Verwandten sind schon fast da“, forderte mich Conzuela auf.
„Okay.“

Ich war kaum fertig, als es auch schon an der Tür läutete und die ersten Gäste eintrafen. Ich weiß nicht, wie viele Umarmungen ich an diesem Tag bekommen habe. Überall stapelten sich Geschenke, die ich vorerst ungeöffnet ließ. Das Haus füllte sich mehr und mehr, doch wo zur Hölle blieb Leon? Ich wollte ihn schon fast anrufen, als er sich endlich seinen Weg durch die Massen bahnte.
„Hey, da bist du ja endlich. Kann es sein, dass sich deine Verwandten schon wieder vermehrt haben?“, begrüßte er mich mit einem breiten Grinsen.
„Sind bestimmt ein paar Kunden meiner Eltern dabei. Wo warst du nur? Du wolltest doch ganz zeitig kommen?“, fragte ich vorwurfsvoll.
„Entschuldige, es war gar nicht so einfach, mich durch den Stau durchzukämpfen, der sich durch deine Verwandten auf den Weg hierher gebildet hat. Alles Gute zum Geburtstag, bevor ich es noch vergesse. Sag mal, hast du den schicken Jeep draußen gesehen?“
„Ja, ist meiner.“
„Wie … Was … deiner?“, fragte Leon ungläubig. „Du hast doch gar keinen Führerschein.“
„Habe ich auch gesagt, doch meine Eltern sind der Meinung, dass ich ja ein Auto zum Üben brauche.“
„Ohne Scheiß? Cool. Vielleicht sollte ich meinen Eltern öfter davon erzählen, damit sie wissen, was sie mir schenken können“, überlegte er. „Wollen wir eine Runde damit drehen?“
„Leon, du hast echt einen Knall. Wir haben doch beide keinen Führerschein.“
„Was keiner weiß …“, setzte er an.
„Nee, lass mal.“
„Feigling“, sagte er grinsend. „Wie waren eigentlich deine Ferien?“
„Ach, frag besser nicht.“
„Hast du doch nicht deinen kulturellen Horizont erweitert?“
„Doch, mein Horizont ist erweitert und ganz ohne Rauschmittel. Aber erzähle mal lieber, wie deine Ferien waren! Hast du etwas Cooles mit Steve unternommen?“, fragte ich neugierig.
„Ach, hör bloß auf. Meine Eltern haben wieder voll Stress gemacht.“
„Wieso das denn?“
„Naja, als wir im Hotel auf St. Barth waren, flog da ständig so eine nervige Fliege um mich herum. Egal, was ich machte, sie war da und das Gesumme trieb mich tagelang in den Wahnsinn. Leider konnte ich sie mit den Händen nicht erwischen, aber als das Hotelpersonal Obst brachte, war da auch ein Messer dabei.“
„Oje, ich ahne Schlimmes.“
„Meine Eltern kamen gerade ins Zimmer, als ich das Messer nach der Fliege warf und sie an die Decke nagelte. Sie waren so schockiert, dass sie Steve sofort am Telefon zur Sau machten. Bevor wir die Tage nach Hause kamen, bekamen unsere Angestellten die Anweisung, alles wegzuräumen, was als Waffe dienen könnte. Jetzt finde ich nicht einmal einen kleinen Löffel, um Pudding zu essen.“
„Ist nicht dein Ernst, und konntest du nochmal mit Steve reden?“
„Er hat sein Möglichstes getan, um meine Eltern zu beruhigen, aber naja, du kennst ja meine Eltern. Ich habe ein paar Mal heimlich mit ihm telefoniert. Gefühlt war er aber jedes Mal auf dem Weg zu einem Date mit Mary.“
„Er ist so verrückt nach Mary …“, sang ich.
„Boah, der hat schon so einen langen Bart. Mach das bloß nicht mehr vor Steve“, warnte mich Leon.
„Aber sag mal, wenn er jetzt was mit Mary hat, konnte er da noch etwas über die Schule herausfinden?“, fragte ich neugierig.
„Jimmy, es sind Ferien, wer denkt da an Schule? Schlimm genug, dass wir am Montag wieder hinmüssen. Komm, lass uns endlich etwas futtern und auch etwas zum Trinken suchen, ich falle gleich vom Fleisch!“

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