Cover: Die Bewahrerinnen

Die Bewahrerinnen
Die Loge der Schlangen des Tien Shan


EUR 27,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 312
ISBN: 978-3-7116-0032-5
Erscheinungsdatum: 28.08.2024
Durch ein bestimmtes Buch empfindet Michael schon in seiner Kindheit eine unerklärliche Liebe zu der weit entfernten Stadt Taschkent. Eines Tages will er der Sehnsucht folgen und macht sich auf eine abenteuerliche Reise, die so manches Geheimnis verbirgt.
1


Süße Ruhe

Die Nacht ist bereits vor vielen Stunden über der Stadt hereingebrochen. Das Krankenhaus Sankt Josef liegt ruhig und von stattlichen alten Bäumen bewacht an der Ringstraße 60 in Braunau am Inn, der Grenzstadt im Innviertel zu Bayern. Ein alter grüner Wagen fährt mit überhöhter Geschwindigkeit und einem quietschenden Keilriemen auf den Krankenhausparkplatz. Die Frau, welche aus dem Wagen hastet, ist nur schemenhaft zu erkennen, weil die alten Straßenlaternen ihr Licht nur sparsam auf den Platz werfen. Sie öffnet die Tür auf der Rückseite des Wagens mit einem Schwung und zerrt ein kleines Bündel, eingehüllt in warmen Decken, vom Rücksitz des Wagens. Ein leises, schmerzvolles Wimmern dringt unter der Decke des Bündels hervor, welches die Frau mit hastigen Schritten in das Krankenhaus trägt. Sie klingelt verzweifelt Sturm am Schalter mit dem Schild „Notaufnahme“ im Eingangsbereich, weil der Empfang um diese Zeit nicht mehr besetzt ist. Sie nimmt den Sekundenschlag des Zeigers auf ihrer Uhr wahr, wie er sich bedrohlich Schritt für Schritt auf dem Ziffernblatt voran arbeitet. Schweißperlen stehen ihr auf der Stirn, da sie weiß, dass jede Sekunde zählt und sie spürt, wie ihr Herz so wild in ihrer Brust schlägt, dass es ihr den Atem raubt. Nach einer gefühlten Ewigkeit hört sie Schritte und ein Licht wird im Hinterzimmer aufgedreht, was sie durch die Milchglasscheibe am Empfang wahrnehmen kann. „Ja bitte, was kann ich für Sie tun?“, hört sie eine verschlafene Frauenstimme, die blechern aus dem Lautsprecher tönt. „Mein Kind …“, stottert die junge Frau und versucht dabei verkrampft sich auf den Beinen zu halten, „… Sie müssen ihm helfen!“ Ihre Stimme ist zittrig und leise und versagt am Ende ihres Satzes endgültig. „Was ist mit Ihrem Kind?“ Die Dame in der Notaufnahme auf der anderen Seite bohrt nach und klingt genervt, weil sie den Ernst der Lage noch nicht erfassen kann. „Er stirbt, bitte kommen Sie und helfen Sie ihm!“, würgt die Frau mit letzter Kraft aus sich heraus und bricht anschließend mit einem lauten Knall auf dem Boden zusammen. Nun ist die Krankenschwester auf der anderen Seite der Sprechanlage hellwach und läuft über den Gang mit einem Pfleger zu der jungen Frau und ihrem Kind.
Grelles Licht durchflutet den weißen Krankenhausgang und zeigt die junge etwa 25-jährige Frau, wie sie ohnmächtig auf dem Boden und das Deckenknäuel in ihrem ausgestreckten Arm neben ihr liegt. Die Frau ist 1,62 Meter groß, hat halb langes dunkelblondes, glattes Haar, ein blasses Gesicht und eine dünne Figur. Sie ist mit einer weißen Bluse, einer Jeans und schwarzen Lederstiefletten gekleidet. Ihre bunte selbst gestrickte Haube ist ihr vom Kopf gerutscht und liegt neben ihr auf dem Boden. Ein Arm von dem kleinen Kind hängt leblos aus der Decke und das Baby gibt keinen Ton von sich. „Ist es tot, es bewegt sich nicht?“ Der Pfleger bückt sich entsetzt zu ihm herunter, um zu prüfen, ob das Kind noch atmet. „Kümmern Sie sich um die ohnmächtige Frau und ich kümmere mich um das Kind!“ Den Ernst der Lage erkennend, nimmt die Krankenschwester das Kind in der Decke vorsichtig hoch und läuft mit ihm in den Behandlungsraum. „Löse sofort den Herzalarm aus!“, ruft sie dem Pfleger noch zu, während sie im Behandlungsraum verschwindet. Er holt sein Mobiltelefon aus der Tasche und löst den Herzalarm aus. Gekonnt dreht er in der Folge die ohnmächtige Frau in die stabile Seitenlage und versucht sie aus ihrer Ohnmacht zurückzuholen. „Du stirbst heute nicht, süßes kleines Baby!“, hört sie sich zu sich selbst sagen und ruft sofort den diensthabenden Arzt um Hilfe. Dieser hat den Herzalarm bereits bekommen und ist im Laufschritt unterwegs, als sie ihn erreicht. Sie öffnet die Decke und sieht einen kleinen Knaben, aus dessen Gesicht jeglicher Schmerz gewichen ist. Er sieht aus, als würde er friedlich schlafen. „Was ist los mit dir? Du glühst und doch hast du diesen friedlichen Gesichtsausdruck. Du musst doch unheimliche Schmerzen haben und bist noch so klein und unschuldig. Etwa sechs Monate bist du alt, schätze ich mal.“ Die Schwester spricht mit ihm, als könnte er sie verstehen. Der diensthabende Arzt stürzt ins Zimmer und verabreicht ihm sofort eine Infusion, da er durch das hohe Fieber offensichtlich sehr viel Flüssigkeit verloren hat, weil seine Haut sehr blass ist. „Wieso ist seine Windel staubtrocken? Wie kann das sein?“ Er wirft der diensthabenden Krankenschwester einen fragenden Blick zu.
Der Schmerz ist so stark und doch spüre ich ihn nicht mehr, geht es mir durch den Kopf. Ein wohliges Gefühl der Wärme und Zufriedenheit durchzieht meinen Körper. Die Hitze, die meinen Körper eben noch verbrannte, ist einem Gefühl gewichen, das mich an die Umarmung meiner Mutter erinnert, wenn sie mich nach dem Baden aus der Wanne hebt und mich mit meiner nackten, nassen Haut langsam an sich drückt und ich ihre Wärme spüren kann, bevor sie mich in ein warmes Frotteehandtuch einwickelt. Der Schmerz, der mein Becken eben noch fast zerrissen hat, ist fort und das grelle Licht, das vor wenigen Augenblicken meine Augen blendete, ist einem pastellfarbenen Licht gewichen, das meiner Iris schmeichelt. Jetzt fühle ich mich geborgen wie in Mutters Schoß. In großer Entfernung kann ich dumpf die Stimme einer Frau wahrnehmen, die definitiv nicht meine Mutter ist. Sie bespricht etwas mit einem Mann in sehr schneller Geschwindigkeit und scheint sehr aufgeregt zu sein. „Ich weiß nicht, was mit dem Jungen los ist und seine Mutter ist am Empfang kollabiert. Ich glaube, er stirbt wirklich, wie seine Mutter gesagt hat.“ Hastig teilt die Krankenschwester dem diensthabenden Arzt ihre Meinung mit. Im selben Moment betritt eine weitere Frau, eine OP–Krankenschwester, das Zimmer. „Lassen Sie mich mal sehen, was hier wirklich los ist!“ Der Arzt fängt an, den Jungen gründlich zu untersuchen. „Wissen wir, wie er heißt?“ Er hebt den Kopf und sieht zur Krankenschwester, die ihn in den Untersuchungsraum gebracht hat. In diesem Moment betritt auch die junge Mutter den Behandlungsraum, die die Frage des Arztes beim Eintreten gehört hat. „Er heißt Michael“, würgt sie leise aus sich heraus und setzt sich erschöpft auf einen Stuhl, den ihr der Pfleger anbietet. Es ist zu erkennen, dass sie mit der gesamten Situation komplett überfordert ist und fürchtet, dass Michael etwas Schlimmes passiert, dass er vielleicht sogar stirbt. „Können Sie mir sagen, was ihm fehlt?“ Der Arzt sieht mit einem herzlichen, beruhigenden Blick zu ihr herüber. „Ich verstehe nicht, warum seit zwei Tagen seine Windel trocken ist, obwohl er immer brav getrunken hat. Es sieht für mich so aus, als wäre es ihm nicht mehr möglich zu urinieren“, wispert sie dem Arzt leise und noch immer stark geschwächt mit zum Boden gesenkten Augen zu. Der Arzt greift kurz den Gedanken auf, wieso sie so spät kommt und ist innerlich dementsprechend verärgert, lässt sich das ihr gegenüber aber nicht anmerken. Er führt umgehend einen Ultraschall durch, der ihm die Frage, wieso der Junge nicht mehr urinieren kann, sofort beantwortet. „Sehen Sie hier“, zeigt er der Mutter auf dem Ultraschallmonitor mit seinem Zeigefinger, „die Harnröhre ist verklebt und deswegen ist es Ihrem Sohn nicht mehr möglich, Harn zu lassen. Wir bringen ihn sofort in den OP, bereiten Sie ihn sofort vor, jede Minute zählt!“ Die OP-Krankenschwester nimmt den Jungen sofort in ihre Obhut und läuft mit ihm in Richtung OP-Saal. Auf dem Weg zum Vorbereitungsraum fragt sie die Krankenschwester, die ihn aufgenommen hat, ob sie weiß, wann er zuletzt gegessen hat. Sie schüttelt verneinend den Kopf.

Ich kann spüren, dass es nicht gut um mich bestellt ist, doch diese angenehme süße Ruhe macht sich in meinem Körper immer mehr breit. Mein Herz höre ich wie ein kleines Kraftwerk in weiter Ferne schlagen und ich will definitiv nicht mehr zu diesem Schmerz zurück, den ich in den letzten Stunden und Tagen verspürt habe. Wie eine Feuerwalze hat er in mir gewütet. Kontrolliertes, hastiges Treiben nehme ich um mich herum wahr, was mich aber keineswegs stört, weil ich nicht das Gefühl habe, dass es mich betrifft. Für mich fühlt es sich perfekt an, doch einen Augenblick später verschwinden die pastellfarbenen Lichter und ich fühle, wie ich wie in Ohnmacht in ein unendlich tiefes, schwarzes Loch falle.
„Wirkt die Narkose bereits?“ Der Chirurg blickt zur Anästhesistin und wartet auf ihre Bestätigung, bevor er mit der Operation beginnt. „Ja, Sie können anfangen.“ Sie prüft die Anzeigen ihrer Monitore und gibt ihm die Bestätigung. „Das ist eine wirklich lebensbedrohliche Lage für diesen Knaben. Wir müssen schnell handeln und hoffen, dass wir ihn retten können.“ Der Chirurg setzt den ersten Schnitt. „Wieso hat die Mutter so lange zugewartet, bis sie ihn zu uns in das Krankenhaus gebracht hat, damit wir ihm helfen?!“ Verständnislos schüttelt er den Kopf. Etwa zwei Stunden später ist die Operation zu Ende. „Diese Nacht hätte er sicher nicht mehr überlebt“, schüttelt der Arzt fassungslos den Kopf, weil er das Verhalten der Mutter noch immer nicht nachvollziehen kann. „Es ist für mich noch nicht sicher, ob er es wirklich schaffen wird, weil sein kleiner Körper bereits komplett vergiftet ist und bleibende Schäden nicht ausgeschlossen werden können.“ Der Chirurg geht erschöpft aus dem OP-Saal und informiert die im Gang wartende Mutter darüber, dass er am Leben und die Operation den Umständen entsprechend gut verlaufen ist. „Es tut mir sehr leid, dass ich so lange gewartet habe, bis ich ihn ins Krankenhaus gebracht habe.“ Ihre für den Jungen fast tödliche Fehleinschätzung ist sehr schmerzhaft für sie, das kann der Arzt in ihren Augen sehen. Zu ihrem Baby darf sie nicht, da es in diesem Jahrzehnt noch nicht üblich ist, dass sich Angehörige in den Spitalzimmern bei den Patienten aufhalten dürfen.




2


Kinderbuch

„Michael hörst du mich?“ Eine zärtliche Frauenstimme, die mir wohlbekannt vorkommt, weckt mich. Ich spüre, wie sie mich mit ihren Fingern an der Wange kitzelt. Nicht schon wieder, das kann doch wirklich nicht wahr sein. Wieso passiert das immer mir?, fährt es mir durch den Kopf, während ich mich aufsetze. Wieder einmal musste ich wegen meiner eigenen Blödheit operiert werden. Meine Eltern sind sicher schon stinksauer auf mich. Ich spüre den Schmerz, ein heftiges Pochen in meiner großen Zehe. Der große Zehennagel musste entfernt werden, weil ich mir die große Zehe beim barfuß Fahrradfahren mehrmals weggekappt hatte und sie in der Folge vereitert war, da ich trotz der Warnung meiner Mutter immer wieder Schmutz in die Wunde bekommen hatte. Beim Kirchendienst war ich als Ministrant endgültig vor großen Publikum wie auf einer Showbühne umgekippt und wurde mit dem Rettungswagen mit Blaulicht in das Krankenhaus gebracht. Das ist besonders ärgerlich, da ich geplant hatte, für meinen Judoverein bei den Landesmeisterschaften zu starten. Mit dieser Verletzung kann ich mein Vorhaben begraben. Zwei Tage später stellen die Ärzte zu allem Überdruss auch noch fest, dass ich eine Sepsis habe und daher darf ich noch drei weitere Wochen die Vollpension im Krankenhaus genießen. Das kann ich nur ertragen, weil sich diese nette Krankenschwester in den Nächten, wenn ich nicht schlafen kann, liebevoll um mich kümmert. Ihr Aussehen ist orientalisch, die langen schwarzen Haare, die ihr über die Schultern reichen, haben Locken und ihr Gesicht ist von der Sonne leicht gebräunt, die Figur sehr athletisch, aber groß ist sie nicht, nur etwa 1,65 Meter würde ich schätzen. Sie sieht jede Nacht nach mir und liest mir jeden Wunsch von meinen Lippen ab. Wir spielen jede Nacht ein Kartenspiel, das „Schnapsen“ genannt wird. Viel lieber habe ich es jedoch, wenn sie mir fantastische Geschichten aus fernen Ländern erzählt.
„Endlich wieder draußen!“, rufe ich laut aus, als ich aus dem Krankenhaus rausspaziere und strecke meine Arme gen Himmel. Meine Mutter wartet bereits auf dem Krankenhausparkplatz auf mich und lacht, als sie meine Pose sieht. Zu Hause angekommen schwinge ich mich gleich auf mein Rad, werde aber ziemlich unsanft von meinem Vater am Kragen meines blauen Poloshirts festgehalten und wieder vom Rad gezogen. „Wirst du dir wohl deine Schuhe anziehen! Das brauchen wir jetzt nicht gleich wieder, dass du wegen der nächsten gekappten vereiterten Zehe ins Krankenhaus wanderst!“ Eindringlich sieht er mir in die Augen und zeigt mit seiner Hand in Richtung Schuhregal. Ich ziehe meine Sportschuhe aus dem Regal, schlüpfe rein und hüpfe mit einem schelmischen Grinsen aufs Rad. Da mein Bewegungsradius durch die Operation der Zehe weiter sehr stark eingeschränkt ist, fange ich an, jede Form von Bücherthemen zu verschlingen. Märchen, Weltliteratur, Sachbücher, nichts kann sich meinem Interesse entziehen. Was ich in meine Finger kriegen kann, wird von mir erbarmungslos verschlungen, weil mein Wissendurst kaum zu stillen ist. Es eröffnen sich mir völlig neue Welten und Möglichkeiten durch diese Bücher. Fremde Länder kommen in mein Wohnzimmer und in meiner Fantasie, in der es keine Grenzen gibt, stelle ich mir vor, diese Länder zu bereisen. Ein Buch erregt dabei meine besondere Aufmerksamkeit. Es geht um die ferne orientalische Stadt Taschkent. Die Stadt liegt in einem fernen Staat, welcher Usbekistan genannt wird und sich weit außerhalb meiner derzeitigen Möglichkeiten, ihn zu bereisen, befindet. Diese Stadt übt eine ungeahnte Faszination auf mich aus, obwohl ich nicht herausfinden kann, warum sie das in dieser Intensität macht. Wie fühlt sich das Leben dort wohl an, wie sind die Menschen, die dort leben? Wild und natürlich stelle ich mir das Leben in der heißen Wüste vor, aber auch hochmodern in der Stadt Taschkent. Hinter einem großen Schleier aus dem Sand der Wüste gewebt, erhebt sich diese Oase der Schönheit in meinen Gedanken. Dieses Buch, das mich mit seiner Geschichte über Taschkent so fesselt, ist als Kinderbuch verfasst und mit wunderschönen Zeichnungen und wenig Text versehen worden. Wieso spricht mich gerade dieses karg gestaltete Buch so an und wieso löst der Autor in mir ein Gefühl aus, das ich mir nicht erklären kann, und das ich bis jetzt nie gespürt habe? Ich habe das Gefühl, als würde ich diese geheimnisvolle Gestalt, die sich aus dem Sandsturm in der Wüste herauskämpft und nach Taschkent kommt, kennen. Habe ich das vielleicht in der Vergangenheit schon einmal in einem meiner vielen wilden fantasievollen Träume geträumt? Mir kommt diese Szene so vertraut vor, aber wo und warum hätte ich das träumen sollen? Im Innviertel, in der Nähe von Braunau am Inn? So viele Fragen und Gedanken schwirren durch meinen Kopf und doch klingt es absurd. Daher lege ich das Buch beiseite, weil ich bereits sehr müde bin. In der Nacht wache ich nach einem Traum zum wiederholten Male schweißgebadet auf, weil mich dieser böse Traum Nacht für Nacht immer wieder aufs Neue heimsucht. In diesem Traum zeigen mir tanzende pastellfarbene Lichter einen Weg, den ich beschreiten soll, doch dann falle ich immer wieder wie von einer Ohnmacht getrieben in ein tiefes schwarzes Loch, in dem ich eine gefühlte Ewigkeit verweile und dann, kurz bevor ich ins Licht komme, schweißgebadet aufwache. Dieser Traum verfolgt mich bereits seit einer gefühlten Ewigkeit wie mein eigener Schatten. Meine Erinnerung, wann ich diesen Traum zum ersten Mal hatte, ist wie ausgelöscht. Ich knipse meine Nachttischlampe wieder an, wische mir mit einem Taschentuch den Schweiß von meiner Stirn und nehme noch einmal das Buch über Taschkent in meine Hände. Irgendetwas an diesem Buch erweckt meine unbändige Neugier, meinen Forschergeist und schon beginnt sich das Gedankenkarussell erneut in Bewegung zu setzen. Für ein Kinderbuch ist es meinem Empfinden nach zu komplex und fortschrittlich geschrieben, weil es sehr viele komische Druckfehler, die wie Codes aussehen, beinhaltet, welche mir erst jetzt unter dem schwachen Schein meiner Leselampe auffallen. Die grauen Schattierungen ergeben unter dem fahlen Licht meiner Nachttischlampe wirre Zahlen- und Buchstabenreihen. Bin ich da auf etwas gestoßen, auf ein großes Geheimnis, oder spielt mir meine Fantasie wieder einen üblen Streich? Vielleicht gibt es da doch etwas, was vielen Lesern verborgen geblieben ist und nur mir ins Auge sticht?! Das wäre für mein Verständnis viel zu einfach und kommt mir sehr unwahrscheinlich vor, weswegen ich das Buch wieder auf die Seite lege und weiterschlafe.




3

Ein Traum wird wahr

„Michael, wir fliegen in zwei Wochen nach Taschkent. Ich hoffe, das stört dich nicht“, lässt mich mein Chef so nebenbei über den Tisch wissen, als hätte es keine besondere Bedeutung. „Das stört mich ganz und gar nicht. Als Kind habe ich ein Buch über Taschkent gelesen und seither war es immer mein großer Traum, einmal dort hinzufliegen. Das wird sicher extrem spannend.“ Hocherfreut und aufgeregt nehme ich die Information über die anstehende Dienstreise zur Kenntnis.
Ich erinnere mich an das Buch und fahre deswegen am Wochenende noch kurz zu meinem Elternhaus ins Innviertel und suche unter meinen alten Sachen verzweifelt nach dem Buch, welches ich als Jugendlicher gelesen habe. Meine Mutter merkt, dass ich ungeduldig nach einem Buch im alten Bücherregal im Gang des ersten Stockwerks suche. „Mama, ich suche das Kinderbuch, in welchem über Taschkent geschrieben wurde.“ Sie überlegt kurz und zupft dabei mit ihren Fingern an ihrer Lippe. „Jetzt weiß ich es wieder. Das alte Ding habe ich einem Flohmarkthändler geschenkt.“ Mit einer entschuldigenden Geste steht sie vor mir und senkt ihren Blick zu Boden. „Das ist wirklich ärgerlich, ich will es wiederhaben. Das konntest du nicht wissen, Mama. Mach dir keine Sorgen, ich werde danach suchen und bin mir sicher, dass ich es irgendwo wiederfinde.“ Zurück in Wien werde ich beim Durchforsten diverser Internetportale tatsächlich fündig. Ein altes Antiquariat im Norden Deutschlands bietet ein Exemplar in gutem Zustand zum Verkauf an. So ein Zufall, es gibt noch ein Exemplar, denke ich mir freudig. Das Buch wird sofort online von mir bezahlt, damit es mir keiner vor der Nase wegschnappt. Sehnsüchtig warte ich darauf und hoffe natürlich, dass es vor meiner Abreise nach Usbekistan ankommt. Pünktlich vor dem Abflug liegt das Paket in meinem Briefkasten. Voller Vorfreude packe ich das Buch vorsichtig aus, das in ein schön verziertes, altes Papier eingepackt wurde. Zu meiner Überraschung ist es noch dünner als ich es in Erinnerung habe, aber die Zeichnungen üben immer noch diese faszinierende fantastische Wirkung auf mich aus. Zudem ist es für mich wie eine zauberhafte Reise in die Fantasiewelt meiner Vergangenheit. Beim Nachtflug werde ich es lesen und stecke es aus diesem Grund in meine Handgepäcktasche ein.
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5 Sterne
Die Bewahrerinnen - 21.11.2024
Friedrich Krieger

Sehr schönes Buch, der perfekte Einstieg in eine ganze Reihe die hoffentlich noch kommen wird. Das Ambiente was der Autor erzeugt ist wundervoll, aber man muss das Buch im Detail lesen, damit auch jedes "Easteregg" und jeden "Plotttwist" versteht. Sehr zu Empfehlen

5 Sterne
Wunderbar zu lesen! - 24.10.2024
Thomas Z.

Toll aufgebaute Story, Spannungsbogen dauerhaft vorhanden, überraschende Wendungen, mit einem Hauch von Romantik abgerundet. Vorbehaltlose Leseempfehlung! Bin schon auf weitere Bücher dieses Autoren gespannt :-). 24.10.24

5 Sterne
Toller Roman! Absolute Leseempfehlung! - 14.10.2024

Ein fantastischer Fantasy-Roman! Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht hier um die Lebensgeschichte eines jungen Mannes, den es beruflich in das weit entfernte Land Usbekistan, genauer gesagt in die Stadt Taschkent, verschlägt. Hier erlebt er Abenteuer, es tun sich neue berufliche Möglichkeiten für ihn auf und er trifft auf seine große Liebe. Auch seine Familiengeschichte deckt interessante Geheimnisse und unentdeckte Möglichkeiten für ihn auf. Man taucht von Anfang an in Michaels Geschichte ein und wird auf eine magische Reise in ein genau so magisches Land mitgenommen, von der Spannung und den unerwarteten Wendungen ganz zu schweigen.Aber ich will nicht zu viel verraten und empfehle das Buch allen, die Fantasy, eine zuckersüße Liebesgeschichte und Spannung gemischt mit einem Hauch kulturellem Charme genau so lieben wie ich. Absolute Leseempfehlung!

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