Cover: Der kleine Wicht und ein Funke

Der kleine Wicht und ein Funke


EUR 22,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 362
ISBN: 978-3-7116-1209-0
Erscheinungsdatum: 21.11.2025
Nach über 500 Jahren hat sich die Magie nicht verändert, dafür alles andere um den kleinen Wicht herum. Wird er es schaffen, sich in der modernen Welt zurechtzufinden?
Schemenhafter Nebel


Es ist dunkel.
Es ist kalt.
Es ist feucht.
Es ist neblig.
Ich laufe schon seit Tagen durch den Wald in Richtung meiner alten Heimat. Doch dies war die, vom Wetter her gesehen, schlechteste Nacht.
Der Weg, den ich vor Kurzem gefunden habe, nachdem ich mich durch Geäst und Büsche geschlagen habe, wird anscheinend nicht oft befahren. Er ist an den Stellen matschig, wo die Räder ihn durchquerten. In der Mitte wächst grünes, hohes Gras, das bis in die Fahrrillen ragt, mit Klee an einigen Stellen. Vereinzelt sieht man auch mal eine Butterblume.
Während des Gehens bin ich am Überlegen, ob meine Leinenhose im Gras oder im Matsch weniger nass wird, denn dreckig ist sie schon allemal. Ich entscheide mich dazu, mit dem einen Fuß durch das Gras zu laufen und mit dem anderen durch den Matsch.
Da stellt sich mir die Frage.
‚Gibt es Personen, die nasse Hosenbeine mögen?‘ Ich schüttele den Kopf. ‚Nein, höchstens akzeptieren. Mögen wird das niemand.‘
Wer mag schon dieses Gefühl, dass ein kalter und nasser Ring an einem nackten Knöchel hin und her schlackert, wie eine zu weite Fußfessel aus Eisen, nur nicht so schwer und klobig.
Die Kälte, die mich umgibt und durch meine Hosenbeine gefördert wird, macht mir nichts aus. Ich habe gelernt, in mir die Wärme für eine gewisse Zeit zu speichern. Dennoch erschrecke ich mich immer ein kleines bisschen, wenn die kalte Fußfessel meinen nackten Fuß von oben immer leicht berührt.
Während ich so dahin sinniere, erreiche ich eine Weggabelung, an deren Ende ein Holzpfahl steht. Der Pfahl ist leicht bemoost und das Holz schon relativ morsch. An diesem sind Schilder, drei von ihnen zeigen nach links und eines nach rechts. Ein Ortsname, der nach links führt, sticht mir ins Auge >Ostehütte<, der über 153 Kilometer weit entfernt von hier liegt. Der Ort sagt mir nichts, dennoch muss ich über den Namen nachdenken.
‚Ostehütte, Osterhütte, die Hütte vom Osterhasen‘, ich schmunzle kurz über meinen eigenen Gedanken und winke ihn mit einer Handbewegung weg, ‚das war schlecht‘, und schüttele den Kopf.
Ich schau auf das einzelne rechte Schild, das führt nach Fürstenberge und liegt nur noch schlappe 47 Kilometer von hier entfernt. Das ist auch mein eigentliches Ziel, meine Heimat, die ich seit einer Ewigkeit schon nicht mehr gesehen habe. Ich frage mich schon seit geraumer Zeit, ob noch Familie von mir dort wohnt oder wie sich die Stadt verändert hat.
Doch irgendwas in mir sagt, ich solle hier doch mal rasten, das kann ich auch gut hier am Wegesrand machen, denn so wie es aussieht, ist da eine kleine Lichtung, umgeben von hohen Birkenbäumen. Als ich vorhabe, in Richtung der besagten Lichtung zu gehen, vernehme ich auf dem matschigen Weg hinter mir eine Silhouette im Nebel.
„Wer da?“, frage ich streng und freundlich zugleich. Ich schreite langsam und vorsichtig auf den Schemen zu.
Um diese Uhrzeit und noch dazu bei diesem Wetter jemanden hier anzutreffen, ist schon eher ein komischer Zufall oder die Silhouette gehört zu den Personen, die nachts anderen gerne auflauern.
„Das Gleiche kann ich auch fragen“, ich vernehme eine angenehme, dennoch skeptisch klingende, weibliche Stimme. „Also, wer da?“
Ich muss schon leicht schmunzeln, als ich der Stimme entgegne.
„Ich hab zuerst gefragt!“
Die Silhouette formt sich langsam zu einem weiblichen Körper, doch Genaueres lässt sich noch nicht erkennen.
„Ich hab zuerst gefragt, sind wir hier im Kindergarten?“, sie klingt vorsichtig, aber dennoch leicht amüsiert. „Ich würde gerne wissen, was du für ein Schelm bist, der sich hier und jetzt herumtreibt. Drum lass uns langsam aufeinander zugehen.“
Es tritt Ruhe ein, so ruhig, dass wir nur noch unsere nassen Schritte hören können. Wir schreiten immer näher aufeinander zu. So allmählich ließ sich ihr Kleid erkennen. Nein, es ist kein Kleid, es ist so was wie eine Robe, nur mit kurzen Ärmeln, sie geht auch nur knapp bis zu den Oberschenkeln.
‚Seit wann haben Roben kurze Ärmel?‘, frage ich mich, als ich noch dabei war, alles schnell zu verarbeiten, was ich da sehe.
Die Robe sitzt sehr locker und ein Gürtel ist um die Hüfte gelegt, damit sie bei Wind anscheinend alles da hält, wo es hingehört. Die Farbe lässt sich auch langsam erkennen, es ist ein schönes dunkles Lila mit etwas Genähtem auf der Brust. Ein braunes, komisches Hundewesen mit langen Ohren und einem dicken, buschigen Schwanz. Die Augen des komisch gemachten Hundes starren mich regelrecht an, da sie den Busen der Dame schön umschmeicheln. Die Arbeit des Schneiders ist grandios, man kann keine Nähte auf der Robe sehen.
Nun sind wir nur noch ein paar Schritte voneinander entfernt. Die Hose ist blau und allem Anschein nach auch sehr alt, sie ist an den Oberschenkeln und Schienbeinen schon ziemlich ausgewaschen, die Knie sind zudem aufgerissen, aber die darunterliegende Haut weist keine Kratzer oder Schrammen auf, also scheinen die Löcher schon länger vorhanden zu sein. Die Schuhe hingegen sind sehr schön weiß, nur der Matsch hat an dem Sohlenbereich schon ein paar Spuren hinterlassen.
Wir stehen nun voreinander, ihre ozeanblauen Augen schauen mich direkt an, sie mustern mich von oben nach unten und wieder zurück. Ihre schönen, dunklen, ebenholzbraunen Haare trägt sie offen. Ich frage mich, wie wohl ihr Lächeln aussehen mag, da sie mich immer noch sehr skeptisch anschaut.
Jetzt sind wir an dem Punkt, dass einer von uns doch langsam die Stille durchbrechen mag. Ich bin dabei, Luft zu holen, um mich vorzustellen.
„Was bist du denn für ein kleiner Wicht?“, stolpert es aus ihrem Mund heraus. „Öhm also, das sollte jetzt nicht so gemein klingen. Ich hatte nur das Gefühl, du seist viel größer, als der Nebel dich noch umgab. Doch mit jedem Schritt, den wir uns nähergekommen sind, wurde deine schattenhafte Nebelgestalt immer kleiner.“ Ihre Wangen werden sichtlich rot.
Ich schaue an mir runter und erschrocken stelle ich fest, dass ich wirklich sehr kurz geraten bin.
„Bei Gaia“, rufe ich aus Versehen.
‚Da hat sich Mutter Natur wohl einen Scherz mit mir erlaubt!‘
„Bei Gaia?“, fragt sie mit leicht geneigtem Kopf. „Ich glaube, wir sollten uns bei einem kleinen Lagerfeuer mal ordentlich vorstellen, da es bei dem Wetter nicht gerade Spaß macht, allein weiterzugehen.“
Ich stimme nickend zu und deute auf die kleine Lichtung.
Auf dem Weg dorthin sammeln wir kleine Äste, Zweige und trockenes Gras, was bei der Witterung fast nicht möglich war. In der Mitte der Lichtung angekommen, sehen wir, dass hier schon andere auf die Idee gekommen waren, hier ein Feuerchen zu machen. Schwarze, abgebrannte Holzscheite liegen vor uns und sie sind teilweise mit Sand bedeckt, und die Feuerstelle ist von vielen runden Steinen umgeben.
„Hier lässt es sich anscheinend gut kennenlernen“, lächle ich ihr zu. „Einer von uns macht das Feuer und der andere kümmert sich um ’ne Sitzgelegenheit. Wer…“
„Ich kümmere mich um das Feuer“, diese Aussage kommt so schnell aus ihr heraus wie ein Flitzebogen.
„Gut, dann suche ich nach etwas, wo man sich draufsetzen kann.“
Die junge Frau legt mit mir das Brennholz ab und ich drehe mich um und gehe in den Wald, raschelnd umspielen die Blätter meine Füße. Da habe ich auch schon zwei kurze, modrige Birkenstämme gefunden, ich berühre sie beide und atme tief durch, als Nächstes nehme ich sie jeweils unter einen Arm.
‚Sie is bestimmt noch nich fertig mit dem Feuer‘, denke ich mir leicht schmunzelnd, doch als ich mich umdrehe, verschwindet auch schon mein Lächeln.
Ich sehe, wie sie schon auf mich wartet, das Feuer lodert und knistert schon gut vor sich hin.
Ich komme mit den Baumstämmen bei dem Feuer an. Sie schaut mich derweil noch fragender und verwunderter an, als ich die Stämme niederlege und sie wie ein L anordne, sodass wir vom Licht des Feuers nicht geblendet werden, während wir uns unsere Geschichten erzählen. Ich deute auf einen Baumstamm und sie nimmt Platz, ich setze mich auf den anderen.
Nun starren wir ins Feuer.
Es ist wieder Stille eingetreten.
Ich hebe meinen Blick und schaue zu ihr rüber. Einer von uns muss jetzt das Wort ergreifen, ansonsten wird die Ruhe noch so erdrückend, dass keiner mehr bis zum Morgengrauen was sagt und wir dann getrennte Wege gehen werden. Unsere Blicke treffen sich, ich atme ein.
„Wie heißt du? Und was treibt dich in solcher Nacht vor die Tür?“, mit Fragen ein Gespräch beginnen.
‚Toll‘, denke ich mir. ‚Ich hätte mich doch freundlicherweise erst vorstellen können.‘
„Ich“, eine kurze Pause tritt ein. „Ich heiße Gnista und komme ursprünglich aus Ostehütte. Mich haben ein paar wichtige Erledigungen hier rausgetrieben und eigentlich wollte ich auch schon viel weiter sein, doch irgendwie habe ich das Gefühl gehabt, dass mich hier jemand braucht.“
„Das gleiche Gefühl hatte ich auch“, erwidere ich, „dann sollten wir uns anscheinend kennenlernen oder du sollst mich vor der schieren Langeweile der Nacht ablenken. Meine Retterin Gnista“, flaxe ich so daher.
‚Gnista‘, der Name sagt mir was, doch was.
„Und wie heißt du?“, mit der Frage holt sie mich aus meiner Grübelei. „Was treibt dich hierher? Warum sagtest du vorhin Gaia? Was sind das für Tätowierungen? Was hat das mit den Blättern an dir auf sich und“, sie hebt ihre Hände vor sich, um sich selbst zu stoppen. „Nein, ich stelle schon zu viele Fragen, sorry“, sie wird wieder leicht rot.
„Ja, das sind mit einem Mal recht viele Fragen, aber durch die lange Stille konntest du auch viele Fragen formen“, dabei grinse ich sie an. „Mein Name, nun ja“, ich überlege kurz, „ich bin Matunus der Bär, dieser Name wurde mir einst von einem nervigen guten Freund gegeben und dank ihm nennen mich viele Wesen so, du kannst mich aber auch Mati nennen.“
„Bär? Wohl eher Bärchen“, witzelt Gnista und lächelt dabei das erste Mal, ein Lächeln, was schön und angenehm wohltuend warm zugleich ist, „aber wie kannst du jemand Nerviges einen Freund nennen oder flunkerst du mich an?“, sie wirft mir einen fragenden, neugierigen Blick zu.
„Kennst du das nich, dass man auch jemand sehr Nerviges auch sehr mögen kann?“, stelle ich ihr als Gegenfrage. „Und nein, ich flunkere dich nich an. Zu Beginn, in meiner langwierigen Ausbildung, habe ich schon früh meinen eigentlichen Namen vergessen“, ich reibe mir den Nacken, „da waren wohl ein paar Schläge zu viel auf meinen Hinterkopf im Spiel“, immer noch reibend, lächle ich sie verschmitzt an.
„Ich hab da eine Person, mit der werde ich nicht warm“, greift Gnista meine Frage auf.
„Warum?“
„Sie ist den ganzen Tag müde“, sie holt einmal genervt Luft und seufzt, „sobald man mit ihr redet, gähnt sie, gefühlt nach jedem zweiten Wort“, Gnista schüttelt leicht den Kopf. „Ich glaube nicht, dass ich sie irgendwann mal Freundin nennen werde. Bekannte ja, aber nicht Freundin.“
„Wer weiß, was die Zeit noch so mit sich bringt?!“, ich zucke mit den Schultern und zwinkere ihr freundlich zu. „Wegen meiner Ausbildung bin ich auch hier draußen im Wald“, sage ich, um das Thema zu wechseln, „seit drei Tagen bin ich fertig damit, zumindest wurde ich entlassen, um meinen eigenen Weg zu gehen, und versuche nun, nach Hause zu kommen.“
Wenn das überhaupt noch mein Zuhause ist, wer weiß, wie viel Zeit vergangen ist.
„Seit drei Tagen wanderst du schon durch den Wald? Was war das denn für eine Ausbildung?“
Und wieder Fragen, die ich irgendwie beantworten werde.
Ich schaue ins Feuer.
‚Wie viel soll ich von mir erzählen?‘, überlege ich, während ich einfach anfange, ihre Fragen gutes Gehens zu beantworten.
„Die Blätter in meinen Haaren lassen sich leicht erklären“, ich zwinkere ihr wieder zu und deute auf den Wald um uns herum, „die Blätter an meiner Tunika“, und zeige an mir herunter, wo ich diese fein säuberlich eingenäht habe, „das sind Guaranánussbaumblätter, die ich in der Herbstzeit gepflückt, getrocknet und mit einem Öl beschichtet habe, damit sie trotz ihrer Trockenheit elastisch bleiben und, falls nötig, kann ich sie zu einem Tee verarbeiten, der mich wachhält.“
„So wie ein Kaffee“, schlussfolgert Gnista.
„Ja genau, wie Kaffee“, lächle ich verschmitzt zurück.
‚Was is Kaffee?‘, frage ich mich. ‚Egal.‘
„Lange Rede, gar kein Sinn, der Herbst is meine Lieblingsjahreszeit“, grinse ich sie an, „die Farben Orange und Rot gefallen zudem auch sehr und passen gut zu dem erdigen Ton meiner Tunika.“
„Also bist du so ein Naturfutzi“, Gnistas Augen werden verlegen größer, als sie mit diesem Satz so rausplatzt und sie wedelt hektisch mit den Armen um sich. „Das sollte jetzt nicht so abwertend klingen, ich meine nur“, sie legt die Hände zwischen ihre Schenkel in den Schoß und senkt ihren Kopf errötet, „du versuchst, mit der Natur im Einklang zu leben und willst es auch mit deiner Kleidung widerspiegeln“, versucht sie sich aus der Misere zu befreien.
„So gesehen bin ich ein Naturfutzi“, antworte ich ihr lachend, „und versuche somit, die Schönheit der Natur immer bei mir zu tragen, richtig.“
Ich mache eine kurze Pause und warte darauf, dass Gnista ihren Kopf hebt.
„Du kannst meine Tätowierungen sehen?“, frage ich sie freundlich, als ich in ihre Augen schaue.
„Natürlich“, sagt sie verwundert, ein Hauch der Röte steigt ihr wieder ins Gesicht. „Wie soll man die denn übersehen? Sie zieren deine ganzen Arme und das in einem so schönen Grünton.“
„Tja, normale Menschen sehen diese eigentlich gar nich“, währenddessen streiche ich über meinen Arm und ziehe mit dem Zeigefinger eine Linie nach. „Gnista, nur Menschen mit magischer Gesinnung, egal in welcher Form, können sie ohne Probleme sehen.“ Ich merke, wie sie verstohlen wegsieht, als wäre sie in eine Falle getappt. „Was bist du?“, frage ich sie höflich. „Ich kann dir gerne mehr über mich erzählen, doch ich will wissen, wer hier vor mir sitzt“, meine Stimme versuche ich dabei in einem freundlichen Ton zu halten.
„Ich hab mir schon gedacht, dass etwas an dir besonders ist“, ihr Blick wandert von meinen Armen hoch zu meinen Augen, „die meisten Wesen nennen dich Bär, war deine Aussage, und alleine schon den Begriff Wesen zu benutzen, hat mich hellhörig werden lassen, zudem hast du die Baumstämme“, sie haut mit der flachen Hand auf das Holz, auf dem sie gerade sitzt, „mit solch einer Leichtigkeit getragen, als wären sie nichts, und das bei deiner Körpergröße, sorry“, verlegen hält sie kurz inne, „aber dass deine Tätowierungen nicht für alle sichtbar sind, damit habe ich nicht gerechnet.“ Gnista sieht aus, als müsse sie sich überwinden, weiter zu reden.
Sie holt einmal tief Luft und atmet langsam und kontinuierlich wieder aus.
„Ich bin Gnista, eine Feuermagierin in Ausbildung und zugleich lerne ich noch Alchemie. Wegen einiger Kräuter bin ich zu dieser Stunde im Wald unterwegs, da einige nur in der Nacht blühen“, diese Aussage kam wie aus der Muskete geschossen.
„Ahh, das erklärt, warum du so schnell ein Feuer machen konntest“, ich deute auf das tanzende Feuer vor uns, „und wie gut bist du in der Magie?“, möchte ich von ihr wissen, nicht, dass ich in Flammen aufgehe, wenn ich ihr sage, was ich bin.
„Nun ja“, stammelt sie und macht komische Bewegungen mit ihren Füßen, wären wir an einem Strand, würden diese schon unter dem Sand begraben sein, „ich bin eine ziemlich schlechte Magierin, hab ich zumindest das Gefühl. Das mit dem Teleportieren klappt ganz gut, doch mit dem Feuer und Schutzzaubern, an anderen Personen und Gegenständen, hapert es doch ganz schön“, sie wäre jetzt bestimmt am liebsten davongelaufen oder vor Scham im Boden versunken, „ich könnte dir Essen herbeizaubern“, ihre Augen funkeln mich mit einem Mal an, „du hast doch bestimmt Hunger?“
Ich nicke höflichst.
Gnista hebt ihre Hand und macht ein paar kleine kreisende Bewegungen mit ihren Fingern. Ein kleiner blau-violetter Kreis entsteht um diese und schwupp, in der anderen Hand, die sie vor die zaubernde hielt, war auf einmal ein warmes, dampfendes, goldbraunes Gebäck.
„Das ist ein Manastrudel“, sagt sie mit Stolz, die Augen des Hundes auf ihrer Brust werden sichtlich größer, als diese sich erhebt, „er schmeckt zwar nur solala, aber er macht dafür, auf die Schnelle, notdürftig satt.“ Grinsend reicht sie mir den dampfenden Strudel.
„Danke“, nickend nehme ich das Essen entgegen, was sich so anfühlt, als wäre es gerade frisch aus dem Ofen gekommen.
Ich beiße einmal rein und ja, der Geschmack ist eher solide, als dass man ihn lecker schimpfen könne, doch die Sättigung setzt sofort ein.
„Er hält nicht lange satt, so wie man es manchen Essen aus anderen Ländern nachsagt.“
Ich neige fragend, mit vollem Mund, den Kopf.
„Nun erzähl mir von dir, ich bin schon richtig gespannt?!“ Sie schiebt sich auf dem Baumstamm nach vorne und neigt zudem ihren Oberkörper mehr zu mir, als würde ich gleich eine spannende Lagerfeuergeschichte erzählen.
„Meine Tätowierungen“, fange ich an, „sind mir von Gaia gegeben worden. Ich kann durch diese meine Magie steuern, jeder Strang steht für was anderes“, ich streife erneut an meinem Arm entlang, um einen Strang anzudeuten, „sie stehen für Illusion, Verwandlungen, Heilzauber, die Stärkung meiner Muskeln, was hoffentlich das Tragen der Baumstämme erklärt, und noch einiges mehr, doch Essen kann ich nicht herbeizaubern“, gebe ich leicht schmunzelnd und dennoch mürrisch zu.
„Kannst du mir irgendwas davon zeigen? Ich möchte mal sehen, wie andere Magie aussieht“, fragt Gnista mich mit funkelnden Augen, das Funkeln wurde durch das Lagerfeuer zudem noch verstärkt. „Ich kenne nur unsere Magie. Es ist zwar schön zu sehen, wie Arkanemagie funktioniert, von den Farben und Formen her gesehen, doch diese Magie ist zudem auch eine der schwersten. Das Einfachste ist, Essen aus dem Arkanen Spektrum zu ziehen, doch der Rest braucht echt Feingefühl.“
„Es ist nich nur Feuermagie, die du benutzt?“, frage ich erstaunt und schaue auf meinen halb aufgegessenen, warmen Manastrudel in der Hand, „du hast ein anderes Element für diesen Zauber benutzt. Was für Elemente stehen dir noch zur Verfügung?“, ich schaue zu ihr fragend auf.
„Es kommt eigentlich nur noch Frostmagie hinzu“, sie rollt die Augen, „aber die ist so langweilig. Jetzt zeig mir was von dir“, fordert sie mich auf.
„Kennst du Feensicht?“
„Nein! Wozu ist das gut?“
„Damit kann man magische Wesen gut erkennen und auch einige Illusionen lassen sich damit erahnen. Doch damit passe ich lieber etwas auf, denn wenn man vor einer Gottheit steht, leuchtet sie so, als würde man in die Sonne sehen. Umso mehr Leute an diesen Gott glauben, umso heller das Licht“, erkläre ich ihr.
„Okay, man kann blind werden, wenn man einen Gott trifft“, sagt sie schnell und verständlich, „aber du hast mir immer noch nichts gezeigt, ich will keine Lehrstunde, sondern Praxis“, Gnista rutscht auf dem Baumstamm sichtlich hin und her.
„Siehst du außer meinen Haaren auf dem Kopf noch irgendwas?“, sie schüttelt den Kopf, mit einem fragenden Blick, was sie da wohl sehen sollte. „Ich habe da einen kleinen Illusionszauber angewandt, der meine Hörner versteckt. Ich werde ihn jetzt auflösen.“ Ich muss dafür aufstehen, da meine Füße nicht die Erde berühren. Da merke ich, wie klein ich erst wirklich bin, der Baumstamm hält mich vom Zaubern ab.
‚Ein Baumstamm!‘
Um meine Magie zu wirken, muss ich zur Erde Kontakt haben. Ich kann zwar auch eine geringe Menge Magie in mir speichern, das habe ich die letzten Tage aber nicht in Erwägung gezogen, da ich nicht daran dachte, für jemanden Zauberstücke vorzuführen.
5 Sterne
Funktastisch schön <3 - 22.11.2025

Schöne Geschichte mit tollen Charakteren <3 Gerne mehr.

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