Cover: Der gemeine Mensch

Der gemeine Mensch


EUR 22,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 454
ISBN: 978-3-99146-526-3
Erscheinungsdatum: 05.06.2024
In atemberaubenden Erfahrungen, von denen man oft nicht genau weiß, ob sie nur geträumt oder real sind, erlebt Yawala seine ganz persönliche Reise durch eine Welt, in der sich die äußere Erscheinung und das Innere surreal miteinander verbinden.
Der Mensch ist traurig und er weiß es, aber er kommt nicht dran … Er entfernt sich absichtlich von seiner Trauer, er will nicht, er tut einiges dafür, seine traurige Wahrheit zu begraben und die Oberfläche glattzubügeln, schön anzustreichen, zu nivellieren, weil es traurig ist, nicht fröhlich sein zu können, sich nicht zu trauen, der Wahrheit ins Gesicht zu blicken und es zu ändern. Diesen Schritt zu gehen, zuzugeben, dass man nicht anders ist als die anderen, dass ich nicht besser bin als du.
Ich bin traurig darüber, dass wir alles richtig fühlen und es trotzdem falsch machen. Dass wir die Isolation der Entblößung vorziehen. Ich bin traurig in dieser Welt, weil wir uns alle doch so nahe sind.
Das hier geht an alle traurigen Menschen dieser Welt.

Ich kann nicht viel Gutes über die Menschen meiner Zeit berichten. Die meisten von uns sind leider Gottes nicht gut darin, nett zueinander zu sein. Wir führen viele Kriege, bei denen sehr viele Menschen grausam sterben. Doch nicht nur die vielen Kriege sind grausam. Die Grausamkeit ist allerorts und in jedem Kopf. Tiere haben bei uns keine Rechte. Auch wenn es viele Menschen gibt, die Tiere schützen wollen, werden täglich immer mehr Tiere geschlachtet und gefressen, so als seien sie tatsächlich nur für den menschlichen Nutzen da. Sie sterben grausam und leben tun sie auch nicht wirklich. Mutter Erde wird wie Dreck behandelt, obwohl wir sehr genau wissen, welchen Schaden wir mit unserem Verhalten anrichten. Wir sind Menschen und es gibt sehr viele von uns. Wir können denken, wir können fühlen, wir können verstehen und uns alles Mögliche vorstellen. Wir machen so viele Dinge, die einfach fantastisch sind, einfach unfassbar und unvorstellbar. Dinge, die ich uns Menschen eigentlich nicht zugetraut hätte. Wir leben in einer Zeit, in der fantastische Fantasien entstehen und sofort umgesetzt werden. Kaum hat jemand einen Traum, schon gibt es den Traum zu haben, in echt. Wir sind das, was wir im Stande sind, uns vorzustellen und leider stellen wir uns so viel Schlechtes vor. Wir sind oft nicht im Stande, das Einfachste zu tun, was man tun kann, nämlich etwas nicht zu tun. Das Schlechte einfach wegzulassen.

Wir, die Menschen, leben auf keinem einfachen, harmonischen und friedlichen Planeten und auch nicht in einem besonders freundlichen Universum. Das, was wir sind, ist auch das, was uns umgibt. Doch wir lamentieren gerne und reden uns gerne ein, dass wir edle Geister sein können, edel und erhaben über die Willkür, die die Welt, die uns beherbergt, im Stande ist, über uns zu bringen. Wir haben die Welt, die uns erschaffen hat in uns und offenbar kann sie das Schlechte auch nicht weglassen. Edel ist diese Welt nicht und wir sind es auch nicht, aber es ist doch ganz nett, dass wir uns damit befassen, wie es sein könnte, eine Schöpfung Gottes zu sein, eines Gottes, den wir uns als einen mächtigen, männlichen Flaschengeist vorstellen, der genau weiß, was richtig und was falsch ist, und der alles im Lot hält, die Bösen bestraft und die Guten belohnt.
Eine Welt, ein Universum, das sind wir auch, jeder einzelne von uns. Eine Mitte, von der aus es in alle Richtungen geht. Eine Ebene, die genauso beeindruckend ist wie all die Horizonte, nach denen wir Ausschau halten.

Kennen Sie den Wert eines Menschen?! Wirklich?! Ich will Ihnen etwas verraten: Der Wert eines Menschen ist seine Fähigkeit, Mensch zu sein. Kannst du das sein, was wir als menschlich bezeichnen, bist du ein Mensch. Kannst du es nicht, siehst du nur aus wie einer.
Freund oder nicht Freund?! Freunde sind wir nicht. Nicht so, wie wir es vorgeben zu sein. Wir suchen Freunde, suchen, suchen, suchen … Meine Frau ist mein bester Freund. Von allen Menschen, die ich je kennengelernt habe, ist sie mein allerbester Freund. Ich hätte nie gedacht, dass es so etwas gibt … mein bester Freund, meine Frau. Ich hatte früher beste Freunde, aber sie sind weg. Meine Frau ist immer noch da und wir halten uns fest, so als seien wir füreinander geschaffen. Wir sind zwei Menschen, zwei ganz gewöhnliche Menschen, die gut zueinander sind, nett und friedlich. Frieden ist nicht einfach. Frieden ist nicht leicht. Dinge passieren, Welten kollidieren, Unglücke, manchmal auch bloß bescheuerte Unglücke, Katastrophen. Das ist kein Frieden, das ist das, was passiert, das ist noch nicht mal das Leben, sondern das, was einfach passiert. Das Leben spielt sich in dem Raum dazwischen ab und versucht, nicht ausgelöscht zu werden. Was ein Wunder, dass man nicht gar so einfach an das Gute glaubt, denn das Gute kann auch passieren, kann aber auch lange auf sich warten lassen und genau hier, in der Brechung des Lichts, dort, wo die Farben entstehen, die wir sehen können, dort nehmen wir uns wahr und müssen jeden Moment unseres Lebens aufs Neue entscheiden, zu was wir tendieren, und das macht uns dann zu dem, was wir werden.

Als ich ein kleiner Junge war, habe ich gedacht, dass ich nicht viel von der Welt verstehen würde. Die Welt war geeint auf einen gemeinsamen Nenner und das ist sie auch heute noch. Obwohl viele damit nicht einverstanden sind, wählen wir gerne das, wovon wir annehmen, dass es für alle das Beste sei und die geringste Reibung verursacht – für uns. Und so finden wir uns schneller, als wir uns umgucken können in Situationen wieder, die wir niemals freiwillig gewählt hätten und doch haben wir das. Wir haben uns für etwas entschieden, das erst mal den wenigsten Ärger verursacht. Wir haben ja gesagt.
Ich bin geblieben, was ich war. Man kann nicht aus seiner Haut. Ich hatte oft Glück, obwohl ich oft ja gesagt hatte. Jedes Mal, wenn ich mich falsch entschieden habe, hatte ich das Glück, dass es doch noch glimpflich ausgegangen ist. Deshalb habe ich beschlossen, mich richtiger zu entscheiden, weil es falsch ist, sich vorzumachen, dass der Zug schon abgefahren sei. Das hat natürlich nicht so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe. Es fühlt sich einfach nicht gut an, etwas richtig zu machen. Es fühlt sich so an, als würde man etwas falsch machen. Vor allem fühlt man sich allein und bevor man angefangen hat, überhaupt etwas zu machen, fühlt es sich so an, als hätte man schon verloren.

Das Leben macht uns irgendwie Angst. Schockstarre, Rückzug oder ein völlig überzogener Angriff auf ein anderes Leben. Anderes Leben, das wir zum Feind erklären. Hat es uns bedroht?! Hat es uns angegriffen?! Mich nicht. Sie wahrscheinlich auch nicht. Aber es könnte … Fraglich, ob es das wirklich könnte. Besser, man ist erster und lässt es gar nicht so weit kommen und dann kann man seine Vormachtstellung auch gleich in Stein meißeln, ausbauen und sichern, damit die Art, wie wir leben, erhalten bleiben kann. In Angst davor, dass es anders werden könnte, denn anders kennen wir nicht und das Unbekannte ist doch wirklich furchtbar. Vielleicht wollen wir aber auch bloß, dass andere für uns die Drecksarbeit erledigen und wir drüber stehen über dem, was da ist, über denen, die gegen uns nicht ankommen. Dabei sind wir edel in unserem Wesen, edel in den Begründungen und Formulierungen, edel im Nehmen, bis irgendeine Klatsche uns trifft und wir plötzlich anfangen, uns Gedanken über die andere Seite des Lebens zu machen. Diese Klatsche gibts für jeden von uns. Gott hat das so eingerichtet. Es nennt sich Gleichgewicht. Wenn du mit diesem Gleichgewicht nicht umgehen kannst, knallt’s. Bleibst du in der Balance, knallt’s vielleicht auch. Gott hat das so eingerichtet diesseits des Jenseits.

In diesem Jenseits jenseits des Diesseits, das wir hinter uns haben, fürchten wir uns vor dem Jenseits. Warum? Das hier ist doch auch ein Jenseits, wir haben das Leben, das wir vor diesem Leben gelebt haben, einfach nur vergessen. Die Erinnerung daran ist fast ausgelöscht. Das Problem mit uns Menschen ist, dass wir warum auch immer glauben, dass das Menschsein das Größte überhaupt sei. Wir sind die Krönung! Das macht es natürlich nicht gerade einfach dieses Leben zu leben und es macht Angst, dieses Leben wieder hergeben zu müssen, man könnte ja als irgendeine Kröte oder irgendetwas anderes Minderwertiges wiedergeboren werden, bei dem der Mensch vielleicht versucht sein könnte, es auszulöschen, wenn auch bloß aus Versehen im Zuge der Ausdehnung seiner Gewohnheiten, die er sich auf der Erde angeeignet hat. Und damit wären wir wahrscheinlich auch schon beim Thema, nicht wahr? Unsere Gewohnheiten, unser kollektives Bewusstsein, von dem wir glauben, dass es so sei, wie es ist, und von dem wir ohne es wirklich anzuzweifeln annehmen, dass auch dieser Zustand ein in alle Ewigkeiten auf eine göttliche Leinwand gebanntes Meisterwerk sei. Und mit „alle Ewigkeiten“ meine ich natürlich die Dauer eines Menschenlebens.

Ein Menschenleben, das ist das Maß jeglicher menschlichen Beurteilung, egal, wie viel von anderen niedergeschrieben, überliefert oder sonstig weitergegeben wurde. Es zählt alles nichts, denn ein jeder von uns sieht die Welt aus seinem eigenen Spalt und erlebt alles zum ersten Mal auf eine immer neue Weise, die immer auf dem fußt, was vor uns war. Und alles, was vor uns war, liegt als Sediment unter unseren Füßen, ist längst zu Staub zerfallen oder ist dabei zu zerfallen. Nichts davon ist greifbar. Nichts davon kann tatsächlich nachempfunden werden. Alles muss neu erlebt werden und das wird es, auch ohne das Wissen um das, was sich vor uns, vor unserem Sein abgespielt hat.
Und dann wird man geboren: Diesmal als Mensch oder schon wieder als Mensch. Jede Menge Vorinstallierungen, kein Einfluss auf sein Äußeres oder auf den Ort, an dem man zur Welt kommt. Oder gar auf seine Eltern?! Oder doch?! Hat man doch Einfluss darauf?! Hat man sich im Rahmen seiner Möglichkeiten den ein oder anderen Parameter auswählen dürfen, je nachdem wie viele Bonuspunkte man gesammelt hat?! Bestimmt sogar! Bestimmt baut das eine auf dem anderen auf oder hängt damit zusammen. Und dann gehts los … Los gehts.
Nichts geht!!! Wie eine Schildkröte auf dem Rücken, dazu noch auf LSD. – Nichts, was zusammenhängt, alles wahr, so wie es kommt und dann die Muster der anderen, die vor einem waren, eingebrannt ins Fleisch, das einen nun begleiten wird, bis der Job erledigt ist. Übrigens: welcher Job?! Welche Mission?! Welcher Sinn?! Welchen Sinn hat das Ganze?! Erst mal lernen, wie man sich vom Rücken wieder auf den Bauch dreht, dann ein bisschen Koordination. Alles furchtbar langsam, so langsam, dass man sich fragen muss, wie wir es überhaupt schaffen, nach der Geburt so lange zu überleben. Wir lernen langsam. Wir verstehen langsam oder gar nicht. Aber es reicht wohl, sonst wären ja nicht so viele von uns da. Es reicht, um über den Berg zu kommen. Ein breiter, gemeinsamer Nenner, der uns trotz unserer Schwächen unüberwindbar macht und man muss noch nicht mal nett sein, einfach nach unten absichern. Ein Minimum; selber schuld, wer mehr macht als nötig. –, lächerlich, lachhaft, dämlich. In der Gemeinschaft sind wir stark und deshalb reicht es auch, sich in die Gemeinschaft einzugliedern und ein gemeiner Mensch zu werden.
Apropos gemein, allgemein, durchschnittlich. Im Prinzip kann das alles mögliche sein, zum Beispiel lieb, nett, freundlich, friedlich, einfühlsam, tolerant, edelmütig, nächstenliebend. Für so etwas muss man doch auch nicht leiden oder gar sterben. Ist doch völliger Quatsch! Wieso muss sich einer ans Kreuz nageln lassen, bloß damit man ein Mahnmal für etwas hat, was wir auch so verstehen. Es ist nicht so cool, nett zu sein und könnte auch ins Auge gehen, wenn sich jemand anderer nicht an diese Grundsätze hält, also dann lieber die andere Wahl: Die, die nicht ganz so nett ist, die uns aber vor all dem bewahrt, was uns zustoßen könnte. Stoßen wir also als erste zu oder sind zumindest dazu bereit, immer bereit, immer auf der Hut. Das macht Sinn, natürlich macht das Sinn! Alle Sichtweisen machen Sinn, wenn man drinsteckt. Die Welt macht Sinn, denn sie macht den Sinn. Ist nicht so einfach zu verstehen, aber wozu auch, es reicht ja, sich darin zurechtzufinden.
Kein Tier ist einfach so nett zu anderen Tieren oder was auch immer. Tiere sind Tiere. Tiere sind Viecher, die selbst wenn sie als Haustiere gehalten werden, immer eine animalische Gefahr in sich tragen. Wäre ich ein Wissenschaftler, müsste ich sicherlich ein bisschen differenzieren und je nachdem, was für eine Art Wissenschaftler ich bin, müsste ich diese Aussage wahrscheinlich komplett über Bord werfen. Aber ich bin kein Wissenschaftler, ich bin ein Mensch und ich nehme mir das, was ich über Tiere weiß als Grundlage für mein weiteres Denken. Wenn Tiere also auch von Natur aus nicht nett sind, wieso sollten wir es sein?! Die Natur dient uns doch in so vielem als Beispiel. Ich müsste bei meinen weiteren Gedankengängen sicherlich berücksichtigen, dass alles, was ich über Tiere weiß, von Menschen stammt, aber Fakt ist doch, dass ich so viel über Tiere weiß … Und das, was ich so im Allgemeinen mitbekommen habe, ist die Tatsache, dass Tiere einfach keine Menschen sind.
Die Natur im Ganzen ist nicht nett. Sie zwingt uns, sich vor ihr zu schützen, und das ist auch ein Teil dessen, was uns zu Menschen macht: Die Fähigkeit nicht alles, was uns die Natur vorsetzt, als gegeben hinzunehmen. Die Kraft einzugreifen in natürliche Vorgänge und die Intelligenz, diese Eingriffe zu unserem Wohle zu gestalten. Wir lernen dabei. Wir lernen dazu, wenn auch langsam. Wir wissen jetzt, dass es nicht zu unser aller Wohle ist, wenn wir unseren Müll ins Meer schmeißen, wobei ich ehrlich sagen muss, meinen Müll habe ich ordentlich und sorgfältig entsorgt und schon gar nicht ins Meer geschmissen und wenn die erst mal die Plastiktüten verbieten, dann nehme ich mir natürlich die Stoff- oder Papiertüten für meinen Müll. Die Atomtests zu Lande, in der Luft und im Wasser dienten ja auch zu unserem Wohl so viel ich weiß. Aber was weiß ich schon. Die einen gegen die anderen und die anderen gegen die einen, das gabs doch schon immer. Da brauchen wir uns nicht den Schuh anzuziehen, dass wir heute schuld an allem sind. Der Müll zum Beispiel war früher einfach komplett organisch, das ist doch alles, aber sonst haben die doch auch alles in den Fluss geworfen oder einfach liegen lassen und sind weitergezogen. Das, so viel ich weiß, belegen wissenschaftliche Untersuchungen, archäologische Ausgrabungen. Ohne diesen ganzen Müll gäbe es die Archäologie oder wichtige Bereiche davon doch gar nicht und wir könnten uns nicht solche Fragen stellen wie: Wo kommen wir her? Wer sind wir? Wie waren wir? Um wie viel schlauer sind wir heute? Wir sind schlauer heute, das ist nicht von der Hand zu weisen. Sogar unser Müll ist heute viel weiterentwickelt als früher. Die Natur steckt doch in uns, also können wir gar nicht so verschieden sein und wenn wir uns so verhalten, wie wir uns verhalten, dann hat die Natur zumindest damit zutun.
Ich will mich gar nicht von all unseren Fehlern und Fehltritten freisprechen. Ich weiß, dass ich nicht alles darf, wonach mir ist. Ich weiß, dass alles, was ich tue, Konsequenzen hat, nicht nur für meine Umwelt. Ich weiß, dass ich nicht nur auf meinen eigenen Arsch achtgeben sollte und ich weiß, was falsch ist. Ich weiß es einfach, weil ich es fühle, wenn ich etwas falsch mache. Dieses Gefühl ist massiv und nur zu verdauen, wenn man es durch etwas Richtiges wieder aufwiegt, oder … oder man macht nichts falsch. Das ist nicht so einfach, wie es klingt. Die Natur der Dinge setzt uns immer wieder Situationen aus, in denen wir handeln müssen und Handlungen können bedeuten, dass man etwas falsch macht. Ich kann versuchen, im Handeln richtig zu sein, oder ich meide es. Ich meide besonders die Situationen, die knifflig sind und die mich in die Bredouille bringen aufgrund ihrer Natur. Dann ist die Sache doch aus der Welt! Ich hab’s versucht. Leider ist das nicht so. Die Sachen sind dann leider nicht aus der Welt. Die Spannung, die Brisanz solcher Situationen bleiben im Äther, bis sie entladen sind. Man kann versuchen, diese Ladung auf andere abzuwälzen und wenn man das ein paarmal übt, dann geht das auch, aber es ist nur Zeit, die man dabei gewinnt. Die Welt hält das Problem, welches es auch immer ist, trotz allem weiterhin für den warm, für den es, nun ja, gedacht oder bestimmt war, wie auch immer man es nennen will, auf jeden Fall ist es nicht aus der Welt und bleibt einem leider am Hintern kleben. Man kann nur versuchen, Abstand dazu zu halten, was leider nicht ewig klappt. Ich denke, es gibt Virtuosen, die es tatsächlich schaffen, sich aus diesen kosmischen Zwängen zu befreien. Aber ich denke auch, es gibt nur ganz wenige solche Meister und ich gehöre ganz bestimmt nicht dazu.
Ich bin Durchschnitt. Ich habe Talente, aber nach hinten raus muss ich all das durchmachen, was auch jeder andere durchmachen muss. Jeder hat ein oder mehrere Talente, nicht nur ich. Jeder … und ich bin wie jeder. Ich wäre nämlich gerne nicht wie jeder. Ich wäre gerne jemand Besonderes. Jemand, den nicht alles umhaut, das jeden umhaut. Ich würde gerne über den Dingen stehen, gekonnt durchs Leben fließen und nicht immer stocken und stolpern. Ich würde gerne ein bisschen von dem etwas abhaben, das uns Religionen und Gurus vermitteln beziehungsweise das, wonach es sich anhört. Ich wäre gerne ewig, unverwundbar, wissend und tragend. Nicht bloß belastbar, sondern überbelastbar und dabei innerlich ausgeglichen und äußerlich attraktiv. In ruhigen Momenten bin ich das sogar, bloß die Probleme sind in solchen Momenten nur ausgedacht und hypothetisch, vielleicht sogar ein wenig unrealistisch und übertrieben, aber in diesen kurzen Momenten tut es gut, dieses Spiel zu spielen und zu gewinnen … Sonst siegen nämlich immer die anderen und die Welt. Sonst bedeutet im wahren Leben und das Leben ist immer nur so weit wahr wie die Augen, die die Welt sehen, und der Geist, der die Welt erlebt, im Stande sind, sich von ihrer Sicht der Dinge zu entfernen und den Kontext zu erkennen, der einen erfasst hat. Wahr ist das aber noch lange nicht, denn die Wahrheit ist die Objektivität und nicht ihre Interpretation. Es gibt sie, bloß jeder, der sie erlebt, sieht sie nicht in ihrer Gänze. So viele Wahrheiten, die sich zur Objektivität dazu addieren, also auch die meine.

So wie jedes andere Wesen und jedes andere Ding habe auch ich meinen Platz in dieser Welt, auch wenn er mir ständig streitig gemacht wird. Mein Platz ist meine Lebenszeit und damit beginnt alles. Es beginnt mit unserer Geburt, gleich nach unserem Tod und der kompletten Auslöschung unserer Erinnerung an das Leben davor. Alles auf Null, alles neu und leider, oder zum Glück, alles noch mal. Da ist schon was, das uns ausmacht, aber dieses Etwas muss sich erst mal zurechtfinden und begreifen, was es ist, was es kann und welche Regeln hier gelten. Diesmal ist es der Mensch. Vielleicht ist es auch wieder der Mensch, dessen Welt wir betreten und in dessen Dimensionen wir uns zurechtfinden müssen. Wir müssen nicht! Aber besser ist es. Man kann natürlich auch außerhalb dieser Regeln bleiben, doch der menschliche Körper hat seine Grenzen. Die menschliche Welt hat ihre Grenzen. Wenn man sich wehtut, tut es weh. Wenn man nichts isst und nichts trinkt, verhungert und verdurstet man. Wenn man sich nicht an die Regeln der Menschen hält, kriegt man es mit den Menschen zu tun. Diese Regeln kriegt man nicht beigebracht, man lernt sie und sie sind immer anders, doch im Grunde sind sie immer gleich, und weil man sie nicht beigebracht bekommt, lernt man sie eben so, wie sie kommen. Sie zu ändern, sie zum Guten zu bewegen … Was heißt zum Guten?! Sind sie wirklich so schlecht?! Sie basieren auf Dominanz, Sadismus und Angstmacherei. Angst vor dem Sein, Angst vor dem Leben, Angst vor dem anderen. Alt über jung, Mann über Frau, reich über arm und stark über schwach. Ja, diese Regeln sind erbarmungslos und primitiv. Man kann sie einem nicht beibringen, sie sind keine Theorie und sie haben zur Folge, dass man unter ihrem Druck zu dem wird, was sie verkörpern.
Der gemeine Mensch: Nach der Geburt hilflos allem ausgesetzt, was um ihn herum ist. Jeder Strohhalm könnte eine Möglichkeit, sich aufzurichten, etwas zu begreifen. Zwei Strohhalme sind vielleicht schon ein Zusammenhang, oder lassen sie sich zu einem Zusammenhang flechten?!
Regel Nummer eins: Du hast erst mal Pech, weil du neu bist. Du bist zwar vielleicht einigermaßen süß, aber anstrengend, laut und nervig, ohne irgendeinen Nutzen, außer dem Status, den du deinen Erzeugern bringst. Du kostest Geld, Nerven, Zeit und Kraft. Das musst du irgendwie wieder gutmachen. Wie? Das entscheiden die Großen. Wie gefällt dir das? Du weißt es noch nicht genau. Möglicherweise wirst du nie erfahren, wie dir so etwas gefällt, aber du wirst mit den Konsequenzen dieses Umgangs mit dir leben müssen.
Regel Nummer zwei: Du hast nichts zu sagen, bis du vielleicht mal lernst, so laut zu schreien, dass man dich nicht mehr überhören kann. Du hast nichts zu sagen, bis du verstehst, dass dein Platz in diesem Leben kein Geschenk ist mit garantierter Zusage auf Freiraum und Sicherheit, sondern ein besetzter Platz, der den Freiraum anderer einschränkt.

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