Cover: Advanced Enterprise In Our Universe

Advanced Enterprise In Our Universe
Die Mars-Mission


EUR 26,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 232
ISBN: 978-3-99185-281-0
Erscheinungsdatum: 31.08.2026
Ein Science-Fiction-Roman, der den Sinn politisch motivierter, bemannter Raumflüge hinterfragt. Die Besiedelung des Mars bleibt für Menschen noch lange riskant – stattdessen bereiten KI-gesteuerte, humanoide Roboter den Weg in die Zukunft.
1


Vor sieben Jahren nahm er an einem Symposium teil, das ihm sehr interessant erschien. Auf dem Gebiet der theoretischen Physik gibt es eine Reihe vermuteter, aber ungelöster Problemstellungen, zu deren Lösung bereits die unterschiedlichsten Ansichten diskutiert wurden. Der Gedankenaustausch erfolgte dazu meist während Veranstaltungen im Rahmen wissenschaftlicher Seminare. Doch allzu oft befriedigte das Ergebnis niemanden. Die verschiedenen Meinungen gingen zu sehr auseinander.
So wunderte sich Mark nicht, dass er nach einer derartigen Gesprächsrunde unerwartet von einer Dame angesprochen wurde.
„Ich habe schon an mehreren solcher Unterredungen teilgenommen“, sagte sie, „und ich bewundere die Gelassenheit, mit der Sie Ihre längst bewiesenen Erkenntnisse verteidigen.“
Diese Dame war Mark schon bei früheren Veranstaltungen aufgefallen. Sie war etwas jünger als er, hübsch, sehr gepflegt und gut gekleidet. Nachdem er bereits vorhatte, den Abend allein und lesend zu verbringen, überlegte er kurz: „Ich weiß nicht, wer Sie sind, aber hätten Sie Lust, mit mir zu Abend zu essen? Ich unterhalte mich gern noch einmal über das heutige Thema.“
„Oh, das tut mir aber leid! Mein Name ist Christa, und ich bin Dozentin im Fachbereich Physik der UCLA.“ Sie sah ihn kurz an und fuhr dann fort: „Natürlich nehme ich Ihre Einladung an. Wo und wann treffen wir uns?“
„Um 19 Uhr hier im Foyer? Ist Ihnen das recht?“
„Ja, ich komme!“
Irgendwie freute sich Mark darauf, mit dieser Dame zu Abend zu essen. Obwohl er gut aussah und mit einer Größe von 185 cm eine stattliche Figur besaß, war er es, der früheren Beziehungen aus dem Weg ging, weil ihn die Angst trieb, zu wenig Zeit für die Wissenschaft aufzubringen.
Viele Bekanntschaften endeten auch deshalb, weil er fürchtete, sein Vermögen gäbe den Ausschlag dafür, begehrt zu sein. Dieses Mal schien es anders. Christa war wie er Physikerin, und er konnte sich sicherlich auch über sein Metier mit ihr unterhalten. Punkt 19 Uhr erschien sie im Foyer. Ihr Aussehen erstaunte ihn so sehr, dass er ihr entgegeneilte und ihr sofort ein Kompliment machte.
„Christa, Sie sehen bezaubernd aus“, rief er ihr entgegen, bevor sie ihm die Hand zum Kuss reichte.
Tatsächlich hatte sie sich sehr hübsch gemacht. Sie trug ein Designerkleid und um den Hals ein teures Diamantcollier, auf der linken Hand eine Markenuhr, aber an den Fingern keine Ringe. Das fiel ihm sofort auf. Dieses Mal trug sie ihr dunkles, seidig glänzendes, schulterlanges Haar offen. Sie bot einen atemberaubenden Anblick.
„Ich habe bereits einen Tisch bestellt. Begleiten Sie mich dorthin, oder trinken wir an der Bar noch gemeinsam einen Aperitif?“
„Das nehme ich gerne an“, erwiderte sie.
Es wunderte ihn nicht, dass sie nur ein sehr leichtes Mixgetränk bestellte, das er dann schließlich auch zu sich nahm.
„Mark, Sie müssen wissen, dass das heute die Ausnahme ist; ich trinke keinen Alkohol.“
„Da sind wir uns sehr ähnlich“, setzte er fort, „auch ich trinke nur ganz selten ein paar Schluck“, um lachend hinzuzufügen: „Nur um die Stimmung zu heben, bin ich dazu bereit.“
„Sie müssen verzeihen, dass ich Sie nach dem Symposium einfach ansprach, doch ich habe schon an mehreren Veranstaltungen dieser Art teilgenommen und bewundere Ihre Gelassenheit, mit der Sie Ihre Forschungsergebnisse präsentieren. Es ist zwar nicht mein Fachgebiet, doch Astrophysik interessiert mich sehr, insbesondere die Berechnungen zur Ermittlung des Gravitationspotenzials im Zusammenhang mit einem Gravitationsfeld.“
Schnell entwickelte sich ein Gespräch, und Mark bemühte sich sehr, nicht überheblich zu wirken, wenn er sich in seinen Ausführungen zu sehr in Details verstrickte.
Am Weg zum Esstisch läutete sein Mobiltelefon. Er nahm es zur Hand, nickte nur kurz und hielt es ans Ohr.
„Martha, bitte verzeih, aber ich komme erst morgen gegen Mittag“, hörte sie ihn sagen, ohne dem Gespräch weitere Aufmerksamkeit zu widmen.
„Entschuldigen Sie bitte diese Unterbrechung. Ich habe jetzt den Flugmodus aktiviert. Jetzt stört uns niemand mehr.“
Inzwischen erreichten sie ihren Esstisch und nahmen Platz, um ihre köstlich zubereitete Mahlzeit einzunehmen. Dazu tranken sie ein Glas Châteauneuf-du-Pape eines älteren Jahrganges.
„Mark“, sagte sie plötzlich und erhob dabei ihr Weinglas, „ich würde mich freuen, wenn wir uns duzen“.
Mark war etwas überrascht. Es war nicht seine Art, so schnell Freundschaft zu schließen, doch diese Frau war ihm vom ersten Augenblick an sympathisch. So willigte er ein.
„Okay, und darauf trinken wir noch ein Glas Wein.“
Ihr Gesprächsstoff schien kein Ende zu nehmen. Irgendwie wechselte das Thema, und Christa erzählte aus ihrem Leben.
Sie wuchs in einer ärmlichen Umgebung in der Nähe von Los Angeles auf. Ihr Vater war Buschauffeur, die Mutter sorgte sich um drei weitere Kinder, unter denen sie die Älteste war. Schon als Kind fiel sie durch ihre Begabung auf, war schließlich immer Klassenbeste. Obwohl das Geld gerade reichte, um über die Runden zu kommen, bestand ihr Vater darauf, dem jungen Mädchen die beste Ausbildung zukommen zu lassen. Er schickte sie in eine Schule, die den National Blue Ribbon School Award erhalten hatte. Auch diese Schule schloss sie als Klassenbeste ab.
Ihr Hochschulstudium schloss sie als PhD in Physics ab und blieb der UCLA als Wissenschaftlerin erhalten.
Eines Tages lernte sie durch Zufall einen Mann kennen, der sie in die High Society Los Angeles einführte. Er sah zwar gut aus, war jedoch rund 30 Jahre älter als sie. Anfangs fühlte sie sich in seiner Nähe wohl und dachte sich nichts dabei, auch hin und wieder bei ihm zu Hause im Gästezimmer zu übernachten. Als Immobilienmakler war er vermögend und zeigte das auch.
Es war schließlich ihr Vater, der sie dazu drängte, seinem Begehren nachzugeben. Nach einem Jahr heiratete sie ihn schließlich und war danach überhaupt nicht glücklich.
Das Schicksal bewahrte sie jedoch vor Schlimmerem. Im darauffolgenden Sommer flog er mit seinem neu erstandenen Hubschrauber zu einem Geschäftstermin und stürzte dabei ab. Als seine Witwe erbte sie sein gesamtes Vermögen, das sich, wie sich herausstellte, auf beinahe einhundert Millionen belief.
Nun hatte sie keinerlei Geldsorgen mehr, und auch die Familie partizipierte daran. Doch die zuvor gelebte, unbeschwerte Lebensweise war jäh zu Ende. Obwohl sie weiterhin in ihrem Beruf tätig war und bescheiden, aber mit viel Selbstvertrauen durch das Leben ging, kam es schon einige Male vor, dass sie zu lästige Männer brüsk in die Schranken wies. Sie hatte sich auch vorgenommen, nie wieder zu heiraten.
Möglicherweise hatte der Wein seine Wirkung nicht verfehlt. Von sich selbst überrascht bemerkte sie, dass sie eben Dinge von sich gab, die der Vergangenheit angehörten. Sie hatte damit abgeschlossen und versuchte, nie mehr darüber zu reden.
Plötzlich stand sie auf, reichte ihm zum Abschied die Hand und versuchte, eine Träne zu unterdrücken.
„Vielen Dank für den netten Abend“, hauchte sie und verließ den Speisesaal.
Mark war total überrascht. Ihm fehlten im Moment die Worte. Sie hatte bereits den Speisesaal verlassen, und es war zu spät, um nach ihrer Telefonnummer zu fragen. Vorsichtig sah er sich um.
„Hat das jetzt jemand gesehen? Was mögen sich die hier Anwesenden denken?“, schoss es ihm durch den Kopf. Die Situation war ihm äußerst peinlich.
„Was soll’s?“, dachte er, griff zur Weinflasche und schenkte sich sein Glas voll. Er trank es in einem Zug aus und ging auf sein Hotelzimmer.
Jetzt versuchte er nachzuholen, wozu er schon nachmittags Lust hatte. Es war das Fachbuch eines berühmten Kollegen, den er sehr schätzte, doch schon nach den ersten gelesenen Zeilen merkte er, dass er nicht bei der Sache war.
Er musste an Christas Lebensbeichte denken und ertappte sich dabei, seine eigene Vergangenheit Revue passieren zu lassen.
Mark hatte zwei Geschwister: eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder, mit dem er sich nie verstand. Er war der erklärte Liebling seiner Mutter, während seine beiden Geschwister ständig von ihrem Vater verwöhnt und beschützt wurden, wenn die Mutter von ihnen verlangte, endlich Ordnung zu halten.
Er konnte sich nicht mehr an den Anlass erinnern, der dafür ausschlaggebend war, dass sich seine Eltern scheiden ließen. Nach der Scheidung blieb er bei der Mutter, sein Vater zog aus und nahm die beiden Geschwister mit.
Schon als Kind interessierte er sich für die Sterne am Firmament. Anfangs beobachtete er sie mit einem starken Fernglas und bekam eines Tages ein Mini-Observatorium geschenkt. Das stellte er auf der Dachterrasse auf, um fortan das Universum zu ergründen. Er war davon so begeistert, dass er oft tagelang damit verbrachte, bei schönem Wetter nachts die Bahnen bestimmter Sterne zu beobachten.
Sein Schulerfolg war mäßig. Er bemühte sich auch nicht, bessere Noten zu erhalten, obwohl ihn seine Mutter laufend ermahnte, doch endlich zu lernen. Freunde hatte er keine, und darüber hinaus wurde er auch immer wieder wegen seines Hobbys gehänselt.
Sein Physiklehrer, der für ihn im Junior Year an der Highschool immer eine Antwort auf seine schwierigen Fragen hatte, brachte ihn dazu, nach dem Abschluss Physik zu studieren. Nur weil er ausgezeichnete Noten in Mathematik und Physik vorlegen konnte, wurde er zum Bachelorstudium am California Institute of Technology zugelassen, um danach über den Master „en route“ als PhD sein Studium zu beenden.
Von Anfang an wurde überall bewundert, welche Schlüsse er in bestimmten Phasen seiner Forschung zog und diese dann auch richtig beurteilte, um sofort die Lösung der nächsten Aufgabe in Angriff zu nehmen. Seine spontanen Äußerungen, die man durchwegs als Lösung unerforschter Probleme verstehen konnte, wurden akzeptiert.
Er hatte keine Ahnung, wie es geschah, doch schließlich wurde ihm bewusst, dass er zum Genie heranwuchs. Natürlich lag das auch daran, dass er unentwegt die vorhandene Fachliteratur las und darüber urteilte, welche Lösungsansätze genauer zu betrachten waren, um sich dann im selbst gewählten Thema zu vertiefen.
Die Theorie der Quantenmechanik war der Bereich, in dem er jahrelang forschte und verblüffende Ergebnisse veröffentlichte. Die ihm neben der Fachliteratur zur Verfügung stehende künstliche Intelligenz versuchte er weitestgehend zu vernachlässigen, weil er der Meinung war, dass die Algorithmen aus bereits bestehenden Erkenntnissen gebildet werden und kein Zusammenhang zu Unerforschtem zu finden sei.
Dennoch benutzte er die KI oft zur Bestätigung der bestehenden Forschungsansätze und wurde dabei immer wieder mit dem bislang unerforschten Gebiet der Dunklen Materie konfrontiert. Schließlich interessierte er sich dafür.
So vertiefte er sich in diesen interessanten Wissensbereich. In der Theorie ist Dunkle Materie eine unsichtbare Form von Materie in weiten Teilen des Universums. Man kann sie nicht direkt sehen, weil sie kein Licht aussendet, absorbiert oder reflektiert. Ihre Existenz erkennt man nur an ihren gravitativen Effekten. In früheren Beobachtungen kam er zu dem Schluss, dass Licht von fernen Objekten stärker abgelenkt wird, als es die sichtbare Masse erlauben würde. Präzise Messungen führten nur zusammen mit dem Vorhandensein Dunkler Materie zu einem befriedigenden Ergebnis.
Nach einer Unzahl von Experimenten erbrachte er schließlich den Nachweis, wie ein Atomkern reagiert, wenn er mit Dunkler Materie kollidiert. Neue physikalische Gesetze jenseits des Standardmodells eroberten diese Wissenschaft. Die weltweite Anerkennung erfuhr er 2053 durch die Verleihung des Nobelpreises.
Eigentlich war er schon die Jahre zuvor als genialer Physiker in Gelehrtenkreisen, aber auch bei bekannten Großunternehmen ein gern gesehener und gefragter Mann, doch die kommende Entwicklung seiner Karriere war zunächst unvorhersehbar. Er wurde weltweit herumgereicht, eilte von einem Vortrag zum anderen und hatte kaum noch Zeit, um sich weiteres Wissen anzueignen.
In seinen Gedanken war er unablässig von einer Idee besessen, für die er bislang keine Möglichkeit einer realen Umsetzung fand. In seinen Experimenten stellte er fest, dass die Gravitationswirkung nicht nur anhand des Einflusses der Schwerkraft zwischen den Himmelskörpern über große Entfernungen bestimmt wird, sondern auch im Zusammenhang mit Dunkler Materie eine wichtige astronomische Konstante bildet. Nach dem Stand der Wissenschaft ergibt sich aus dem Newtonschen Gravitationsgesetz aufgrund der enormen Entfernungen zwischen den Sternen, Planeten und Gaswolken in Lichtjahren eine zu vernachlässigende Wirkung, da die Gravitation mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt. Er stellte nun die messbare Dunkle Materie in den Vordergrund und kam zu dem Ergebnis, dass sie auch als Masse einen erheblichen Anteil des Kräfteverhältnisses bilden könnte.

Wieder vertiefte sich Mark in diese Gedanken, doch er war zu müde oder hatte zu viel Wein getrunken. Er versuchte noch, weitere Gedanken zu fassen. Dazu war er jedoch nicht mehr fähig. Er lehnte sich in dem gut gepolsterten Fauteuil mit dem Kopf nach hinten und schlief ein.




2


Es war am frühen Morgen, die Sonne war eben erst aufgegangen, als das Mobiltelefon schrillte.
Mark wachte jäh auf und suchte zunächst das Telefon, das sich irgendwo in seiner Jacke verbarg.
„Verdammt, wo ist das Ding?“, sagte er zu sich. Schließlich hatte er es doch in Händen, da hörte es zu läuten auf.
„Wer ruft mich zu dieser Zeit an?“ Tatsächlich erhielt er so früh am Morgen keine Telefonate. Sofort suchte er in der Liste der zuletzt eingegangenen Telefonate und fand eine ihm unbekannte Nummer.
Es fiel ihm ein, dass er wieder einmal vergessen hatte, nach dem Aufladen die „Alle blockieren“-Funktion zu aktivieren, damit nur jene Anrufer durchgestellt wurden, die auf der Kontakte-Liste eingetragen waren.
„Sicherlich wieder einmal Reklame oder jemand, der mich um Geld bittet.“
Er vermutete, sich doch nicht geirrt zu haben. Niemand außer seine engsten Mitarbeiter kannte diese Geheimnummer, und wenn er angerufen wurde, dann erschien jeweils der Name des Anrufers am Display des Telefons. Zornig darüber, dass jemand überhaupt versuchte, ihn zu dieser Zeit anzurufen, warf er das Telefon auf das unberührte Bett und bemerkte erst jetzt, dass er im Fauteuil eingeschlafen war. Er fühlte sich auch noch unausgeschlafen, zog sich aus und ging erst jetzt zu Bett.
Er musste schon eingeschlafen sein, als das Haustelefon am Nachttisch klingelte.
Er langte nach dem Hörer und brummte ein kurzes: „Ja!“
„Hallo Mark! Guten Morgen! Christa …“
„Hast du mich eben am Mobiltelefon angerufen?“, fiel er ihr mürrisch ins Wort.
Stille! Erst nach einigen Sekunden erhielt er ihre Antwort, die etwas verblüfft anmutete: „Nein, wie sollte ich? Ich habe doch keine Telefonnummer von dir, und es war schwierig genug, deine Zimmernummer zu erfahren!“
„Was gibt es?“, fragte er weiter. Er war noch immer nicht gut auf sie zu sprechen, nachdem sie ihn gestern einfach sitzen ließ.
„Mark! Es tut mir leid, was gestern geschah, und ich entschuldige mich dafür.“ Sie hielt kurz inne, und Mark merkte, wie schwer ihr diese Worte fielen.
„Ich weiß, es war nicht angebracht, nach diesem schönen Abend einfach wortlos zu gehen. Das war unverzeihlich, und ich merkte selbst erst im Zimmer, wie scheußlich ich mich benommen hatte.“
Offensichtlich erwartete sie jetzt eine Antwort, doch nachdem der Hörer stumm geblieben war, fuhr sie fort: „Bitte versteh! Ich habe gestern mit einer Tradition gebrochen, der ich mein Leben lang treu geblieben bin. Ich erzählte dir Sachen, die ich mir selbst geschworen habe, niemandem zu erzählen. Du hörtest mir zu, und ich hatte den Eindruck, es hätte dich nicht interessiert. Das war dann doch zu viel für mich. Ich …“
Ihre Stimme begann melancholisch zu klingen, und Mark vermutete Tränen in ihren Augen.
„Liebe Christa!“, unterbrach er ihren Redeschwall, „natürlich war ich dermaßen überrascht, als du mir die Hand gereicht und damit den schönen Abend beendet hast. Du hast so spontan und offen erzählt, als würdest du etwas von dir abschütteln, um es für immer loszuwerden, und ich wollte dich dabei nicht unterbrechen. Vergessen wir einfach den gestrigen Abend und wie er für dich endete.“
Er hörte sie am Leitungsende nur schluchzen; sie war nicht fähig, darauf zu antworten.
„Bleibst du noch hier oder reist du schon ab?“
„Ja, ich bin noch hier und würde dich gerne noch einmal sehen“, antwortete sie.
„Jetzt mache ich dir einen Vorschlag: Wir treffen uns um 12 Uhr in der Lobby und gehen gemeinsam zu Mittag essen! Einverstanden?“
„Ja!“, rief sie entzückt. „Ich komme.“
Er sah auf die Uhr und bemerkte, dass es erst kurz nach 8 Uhr morgens war. Er hätte Christa am liebsten gleich getroffen. So aber konnte er noch etwas Schlaf nachholen, den er dringend benötigte.
Obwohl er sich müde fühlte, konnte er nicht mehr einschlafen. Immer wieder musste er an Christa denken. Sie klang am Telefon so verzweifelt, und es tat ihm leid, wie er sich ihr gegenüber benommen hatte – schroff und abweisend. Ihre Reaktion auf seine Einladung zum Mittagessen machte ihm aber Mut.
So lag er im Bett und versuchte die Zeit mit Fernsehen zu überbrücken. Er suchte nach einem geeigneten Programm, und obwohl ihm hunderte TV-Sender zur Verfügung standen, war keiner dabei, dessen Programm ihm auch nur annähernd zusagte.
Nachrichten sah er sich aber doch hin und wieder gerne an. So auch jetzt. Er suchte einen geeigneten Sender und verfolgte die neuesten Meldungen aus aller Welt.
Es sah nicht gut aus, worüber ausführlich berichtet wurde: Kriegsberichte, Naturkatastrophen, Mord und Totschlag aus fernen Ländern wechselten mit politischen Themen. Aber auch über Wissenswertes im technischen Bereich wurde berichtet, und dabei fesselte ihn eine Nachricht ganz besonders. Nicht die NASA, sondern die private Firma eines ihm bekannten Milliardärs startete diesmal eine bemannte Rakete zum Mars und erweitere damit die Serie unbemannter Flüge.
In den letzten zwanzig Jahren gewöhnte man sich daran, dass dieser Planet – auch politisch motiviert – bereits mehrfach das Ziel verschiedenster Nationen gewesen war. Damit wurde deren technischer Fortschritt in der Entwicklung des Raumfahrtprogramms zur Schau gestellt. Regelmäßig setzte man fahrbare Roboter ab oder brachte Sonden in eine Umlaufbahn, die zuvor geplante Gebiete erkundeten und ihre Ergebnisse zur Erde sandten.
Diese Missionen waren – abhängig von einer Startfenster-Geometrie – nur im Abstand von jeweils 26 Monaten durchführbar und erreichten nach durchschnittlich sieben bis acht Monaten den Planeten Mars.
Die letzte Nachricht betrachtete Mark als echten Gamechanger. Man hatte bereits am Mars-Äquator tonnenweise Material hinterlassen, das zukünftigen Astronauten dazu dienen sollte, ein Überleben unter den dort herrschenden Bedingungen zu gewährleisten. Leichtes Material wie Kohlefaserpaneele eignete sich dazu, rasch widerstandsfähige Unterkünfte zu errichten. Ebenso standen Geräte zur Herstellung von Wasser und Gemüse zur Verfügung, die unter den am Mars herrschenden Bedingungen bereits auf der Erde in Simulationen getestet wurden, sowie unzählige Solarmodule zur Erzeugung elektrischer Energie.
Hin und wieder hatte sich Mark mit der Problematik bemannter Raumflüge zum Mars beschäftigt, doch seiner Meinung nach war das Vorhaben viel zu risikoreich und zu gefährlich. Allein die Tatsache, dass die Astronauten wieder zur Erde zurückkommen mussten, schien ihm ein Spiel mit dem Feuer zu sein. Abgesehen von der menschenfeindlichen Atmosphäre, der Schwerelosigkeit im Raum, der geringen Gravitation auf dem Mars, den herrschenden Temperaturschwankungen von mehr als 100 Grad, Staubstürmen und schließlich einer enormen kosmischen Strahlung konnten Menschen über einen langen Zeitraum von mindestens drei Jahren nicht überleben.
...

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