Cover: Wortmeer und Gedankenfluss

Wortmeer und Gedankenfluss


EUR 17,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 144
ISBN: 978-3-99146-842-4
Erscheinungsdatum: 21.08.2024
Wenn Gedanken mit Reimen verwoben werden und ihr Innerstes nach außen tragen, wenn Worten Leben eingehaucht wird, dann entsteht ein Band, der Gefühle zwischen den Zeilen transportiert und sich auf empfindsame Weise Themen widmet, die bewegen.
Wanderung


Gewandert bin ich durch Eis
Und durch die Wüste, die so heiss
Von der Sonne beschienen wird.
Und ich wurde immer behütet vom guten Hirt.
Einsam war’s zu wandeln durch sternenklare Nacht,
Schaurig kalt war’s, wenn das Eise kracht.
Gerne wäre ich am stillen Ort geblieben,
Doch es hat mich immer wieder fortgetrieben
Durch Steppen, in denen so wild
Alles umhergebraust vom Wind.
Ein schönes Häuschen am Wege stand;
Die Sonne sich gerade im Untergehen befand.
Ein wunderbarer Ort und sonnig.
Oh Sehnsucht, wie’s ums Herz mir wurde wohlig.
Ein Plätzchen zum Verlieben;
Am liebsten wär’ ich dortgeblieben.
Doch es trieb mich immer weiter, weiter fort
Vom traumhaft süssen Ort.
Was mein Sinn noch weiss:
Brennende Wüste und krachendes Eis.




Kerzenlicht


Was nützt des Lebens gute Hoffnung,
Die einer brennenden Kerze eben ist?
Denn leise Luft aus jener Richtung,
Kaum spürbar für uns Menschheit.
Nur das Gefühl erfasst den Wind;
Die Flamme zittert hin und her,
So offen sie keine Schützung find’t.
Gelöscht die Helle, der Raum ist leer.
Das Gefühl, es löst sich auf,
Die Hoffnung verliert die Kraft.
Der leis’ste Wind bläst sie aus,
Keine Flamme, keine Hoffnung solches schafft.




Herbst


Die grauen Wolken ziehen träge
Über die schneebedeckten Berge.
Die Erde wirkt matt und schwer,
Der Himmel so dumpf und leer.
Schaudern bläst der Wind.
Ich frag mich. Bin ich blind?
Dass ich kein Vöglein fliegen sehe
Und ganz verlassen die Strassen entlanggehe?
Erwärmen möcht ich mich an einem lodernden Herde,
Anstelle, dass ich hier vom Regen durchtrieft werde
Und nicht brauchte zu wandern
Von einer Sehnsucht zur andern.
Rauschend sich die Bäume im Winde biegen
Und die Blätter wirbelnd herumfliegen.
Alles sieht nach Trauer aus,
Die Promenade wird zum Graus,
Denn die Farbe wird mir zur Qual.
Aber ich habe keine andere Wahl,
Als das Leid so hinzunehmen,
Obschon es mich nach Sonne würde sehnen.




Rettung


Mein Freund sei der,
Der mir das Leben rettet.
Verflucht sei der,
Der mich hineinbrachte.
Wir sind glücklich,
Wenn der Geist uns nachtet.
Ach wie schrecklich
Das Schicksal waltet.
Allein keine Kraft dazu,
Immer weiter, immer fort
Geht das Leben doch hinzu,
Bis es angelangt ist, dort,
Wo alle hingehen zum Schluss.
Und keiner setzte zurück den Fuss.
Rette mich, hole mich heraus,
Sonst, mein Freund, ist alles aus.




Weihnachten


Hell die Kerzen am Weihnachtsbaume brennen;
Nichts als die Briefe der Frauen sie sehen.
Dumpf der Geschützdonner um uns dröhnt,
Und der Verwundete nach seinen Kindern stöhnt.
Nun strecken sie alle Armgelenke,
Denn verteilt werden die Geschenke.
Flackernd die Kerzen den Bunker erhellen.
Der Priester kommt und wird sich vor uns stellen.
Wir hören die Flugzeuge, die uns überfliegen;
Draussen die Kameraden nun flach am Boden liegen.
Keines der harten Augenpaare bleibt trocken,
Als wir im Lied unseren Geschenken frohlocken.
Alle ihre Briefe an die Lippen führen
Und sich vor Andacht nicht mehr rühren.
Doch ich, ich hocke in einer dunklen Ecke,
Ohne Brief, ohne Geschenke.
Meine Frau und meine Söhne werde ich nie mehr haben.
Sie sind unter einem Haus im Luftschutzkeller begraben.




Sein


Mao ist Scheisse;
Marx ist Scheisse;
Kapitalismus ist Scheisse;
Kommunismus ist Scheisse;
Jesus ist Scheisse;
Gott ist Scheisse;
Ich auch.

Das Glück ist ein Traum;
Die Liebe ist ein Traum;
Die Angst ist ein Traum;
Das Gefühl ist ein Traum;
Du bist ein Traum;
Ich auch.

Das Leben ist blöd;
Das Sterben ist blöd;
Die Menschen sind blöd;
Die Meinung ist blöd;
Die Tatsache ist blöd;
Ich auch.




Traum


Leise schleicht die Nacht heran,
Zufrieden hab ich meine Arbeit abgetan,
Und als ich das Licht löschen will,
Da kommt’s mir vor, es sei zu still.
Ich spüre, dass mir etwas fehlt,
Wonach sich meine Seele sehnt.
Als spürte ich sanften Atem neben mir,
So, als wäre jemand nah bei mir.

Meine müden Augen schliessen sich
Und der Schlaf übermächtigt mich.
Ich träume von Liebe, Sehnsucht und Einsamkeit.
Schweigend der helle Mond die Dunkelheit vertreibt.
Haben nicht weiche Lippen meine Wangen eben berührt,
Als hätten sie mich in ein anderes Reich verführt?
Als spürte ich sanften Atem neben mir,
So, als wäre jemand nah bei mir.

Leichte Wolken ziehen über das Firmament,
Und die Nacht, die nimmt kein End’.
Frischer Wind rauscht in den Bäumen;
Es scheint, als wolle er die Dämmerung nicht versäumen.
Ein Gefühl, als ob jemand meinen Körper zu sich hält,
Und nun weiss ich auch, was mir fehlt.




Du


Du bist alles, was ich brauche,
Du bist alles, was ich will.
Wenn ich dich nicht mehr habe,
Wird’s in mir still.

Du bist alles, was ich liebe,
Du bist alles, was ich will.
Wenn ich dich nicht mehr sehe,
Wird’s in mir still.

Du bist alles, was ich habe,
Du bist alles, was ich will.
Wenn ich dich vergesse,
Wird’s in mir still.

Du bist alles, was ich wünsche,
Du bist alles, was ich will.
Wenn ich dich nicht mehr spüre,
Wird’s in mir still.

Du bist alles, was ich halte,
Du bist alles, was ich will.
Wenn du nicht mehr wärst,
Wär’ ich still!




Glück


Fallend,
Sonst verschwindet
Die Zeit,
Und ich nütze aus dir,
Was ich tat.
Das will ich nicht,
Denn ich will:
Seele,
Geist,
Liebe,
Dich,
Denn du bist das Glück
Für mich.




Neu


Mich überflutet grosse Freude,
Obschon es mich reute,
Dich zu fällen,
Liess ich die Gedanken wallen.
Aber glücklich bin ich doch,
Denn ich liebe doch.
Sie ist ein Mädchen fein
Und will immer bei mir sein.
Sie kann mich verstehen,
Will auf mich sehen.
Sie ist das Brot
Für einen Hungernden in der Not.
Dass ich mich nicht mehr besaufe
Und den falschen Weg laufe,
Dafür will sie einstehen
Und an meiner Seite gehen.




Rosen


Rosen sind die schönsten Blumen der Welt,
Doch es gibt nur eine Rose, die mir gefällt.
Diese Rose ist sehr zart und fein,
Auch ein Dorn umgibt sie kein’,
Denn sie braucht sich nicht zu wehren;
Ich werde sie mein Leben lang verehren.
Und da dies schönste Ding auf Erden,
Das ich am liebsten tue pflegen,
Von keiner einzigen Dorne ist umschlossen,
Darf ich es ausnahmslos streicheln und liebkosen,
Ohne dass ich gleich von ihm verletzt werde.
Und so lang ich leb’ auf dieser Erde,
Möcht ich mein die Rose nennen.
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