Tod in Jerusalem

Tod in Jerusalem

Emil Vlajki


EUR 16,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 248
ISBN: 978-3-99064-825-4
Erscheinungsdatum: 30.08.2021
Ein Leben in einem zerrissenen Land. Palästina. Weil beide Völker es für sich beanspruchen: Juden und Araber. Das halb dokumentarische, erschütternde Zeugnis einer Tragödie, die kein Ende zu nehmen scheint. Von einem, der mehr weiß als viele andere …
Nun ziehe ich umher, ohne Ziel und Sinn,
wie mit dem Stempel des Urfluches versehen,
von allen verlassen, vom Schicksal bestraft mit Qualen.
Nur manch Kind hält inne und sieht mich wunderlich an,
wenn Tränen mir im Gesicht erstrahlen.


Roman, eine tragische Person im palästinischen Umfeld und die Hauptfigur dieses Romans, ließ die Ereignisse, die sein Leben völlig aus der Bahn geworfen hatten, immer wieder Revue passieren. Er konnte nichts mehr ausrichten, denn es war alles bereits unwiederbringlich verloren. Trotzdem hatte er das Gefühl, dass er durch das fortwährende Nachdenken über die Ereignisse ein Wunder herbeisehnen und alles wieder wie vorher sein könnte.
„Die meisten Menschen, die ich hier in Palästina gekannt habe“, dachte er bei sich, „und die mir besonders viel bedeutet haben - sind tot. Meine Mutter Bea ist tot, ebenso meine Verlobte Olivia, die unser gemeinsames Kind trug. Mein Adoptivbruder Assim und seine Eltern sind auch tot. Aaron, ein Mann, für den ich eine tiefe Hochachtung empfunden hatte, hat Bea und Assim getötet und wartet nun auf die Vollstreckung der Todesstrafe. Die Erkenntnis, dass ich, mittelbar und ohne es zu wollen, am Tod meiner Mutter und meines Adoptivbruders schuld bin, ist unerträglich.
Was würde Freud wohl daraus schließen? Er würde sicher sagen, dass ich unbewusst den Wunsch gehegt haben muss, dass meine Mutter und Assim aus meinem Leben verschwinden. Außerdem würde er ergänzen, dass ich meiner Mutter die Schuld an dem Tod meiner Verlobten Olivia gegeben und sie dafür innerlich gehasst habe. Und meinen Adoptivbruder Assim habe ich nur deswegen akzeptiert, weil meine Mutter ihn so sehr geschätzt hat. Im Umkehrschluss würde das aber bedeuten, dass ich Aarons Verbrechen in meinem Unterbewusstsein billige.
Diese Gedanken sind einem Menschen nicht zumutbar, sie zermürben meine Seele. Wie kann ich mir den Tod meiner eigenen Mutter gewünscht haben? Wie kann ich bloß zu ihrem Mörder halten? Sind mir ideologische Kämpfe etwa wichtiger als die Liebe zu meiner Mutter? Meine Mutter und mein Adoptivbruder haben sich für den Frieden in Palästina eingesetzt. Auf einer humanistisch-abstrakten Ebene hatten sie Verständnis für die palästinensischen Terroristen, die meine Verlobte getötet haben. Es kann nicht richtig sein, Terroristen zu rechtfertigen, doch meine Mutter und Assim wollten mit ihrer Haltung sicherlich niemandem schaden. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet meine Mutter und Assim, eine Jüdin und ein Palästinenser, deren einziges, aufrichtiges Ziel der Frieden in Palästina war, ums Leben gekommen sind.Ich habe den beiden ihre Haltung sehr übel genommen. Das war aber wegen des unerträglichen Schmerzes, der mich seit dem Tod von Olivia und unserem ungeborenen Kind plagte. Bin ich deswegen vielleicht auch ein Verbrecher?
Auf die Frage, wie das alles eigentlich begann, finde ich keine klare Antwort. Den Hintergrund aller Ereignisse, so scheint es mir heute, bildet diese schicksalhafte Vorbestimmung der Juden und der Araber zu einer fortwährenden gegenseitigen Feindschaft. Wer aus irgendeinem Grund in dieses Jahrhunderte dauernde Todesspiel auf der einen oder anderen Seite hineingezogen wird, dem blüht sicherlich nichts Gutes.
Als ob das nicht genug wäre, endet dieses Todesspiel keinesfalls an den Grenzen von Israel und Palästina. Außerhalb lauern nach wie vor die Antisemiten, die Islamophoben und sonstige kleinkarierte Schwachköpfe, die ihren Lebenssinn darin finden, andere Menschen, allen voran die Juden, zu schikanieren, zu unterdrücken und zu hassen, weil sie sie für moralisch und auch sonst in jeder Hinsicht für unterlegen halten.Unglücklicherweise gehöre ich durch Gottes Willen zu diesen ‚Nichtariern‘, was mich zu einem unfreiwilligen Mitspieler in dieser furchtbaren Tragödie macht.“




VORWORT DES AUTORS

(Über humanere Alternativen und die Realität)


Es ist nie zu spät, vernünftig und weise zu handeln,
es ist nur schwieriger, wenn man erst spät
zu dieser Erkenntnis gelangt.


Der Ihnen vorliegende Text ist eine romanähnliche historische Chronik, die durch das Schicksal dreier Friedensaktivisten im israelisch-palästinensischen Konflikt erzählt wird. Es liegt wohl nahe, dass psychische und physische Gewalt im Mittelpunkt der Erzählung stehen. Darüber hinaus werden Begriffe wie Identität und Verrat thematisiert und moralische Dilemmata aufgezeigt, vor allem bei der Hauptfigur Bea. So fragt sich Bea immer wieder, ob sie das Recht habe, sich im „gelobten Land“ niederzulassen und dort zu leben. Dabei beginnt die Geschichte im Jahr 1947 in Palästina unter der britischen Mandatsverwaltung und setzt sich im selben Raum fort, der von ständigen Kriegen und Waffenruhen zwischen Juden und Palästinensern geprägt ist, in welchen kleine, mittelgroße und große Mächte immer wieder assistieren. Die Geschichte endet tragisch für alle, die sich aufrichtig für den Frieden in dieser Region einsetzen.Bevor wir mit der eigentlichen Erzählung beginnen, möchte ich zunächst einige Begriffe erläutern. „Palästina“ bezeichnet in der neueren Geschichte das britische Mandatsgebiet Palästina von 1922 bis 1948. Das Mandatsgebiet Palästina umfasste ursprünglich das heutige Israel, das palästinensische Autonomiegebiet und Teile des heutigen Jordanien. Transjordanien, das Gebiet östlich des Flusses Jordan, wurde bereits im Jahre 1923 abgetrennt, und seitdem ist der heutige politische Begriff Palästina etabliert, mit dem das Gebiet westlich des Jordans, das rund 20 % des ursprünglichen Völkerbundmandats Palästina ausmacht, bezeichnet wird.


Gebildete jüdische Einwanderer als Chance für den Fortschritt
In den Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts war Palästina eine unterentwickelte Region mit feudalem Charakter. Die durch den Aufstieg des Nationalsozialismus bedingte Einwanderung der Juden aus Mittel- und Osteuropa, die meist überdurchschnittlich gebildet waren, hätte im Grunde nur einen Fortschritt bewirken können. Um Haaresbreite wäre die Geschichte auch so verlaufen. Die Vereinten Nationen legten für das verbliebene britische Mandatsgebiet Palästina im Jahr 1947 einen Teilungsplan vor, nach dem ein jüdischer und ein arabischer Staat hätten entstehen sollen. Der jüdische Staat Israel erhielt durch den Teilungsplan rund 15.000 Quadratkilometer Land, das zur Hälfte aus der Wüste Negev bestand. In diesem Staat war der Anteil der jüdischen und der arabischen Bevölkerung ungefähr gleich groß.Angesichts der demografischen Expansion der arabischen Bevölkerung wäre eine mehrheitlich jüdische Bevölkerung in diesem Land wohl kaum möglich, es ist sogar fraglich, ob ein solches Israel überhaupt überlebensfähig gewesen wäre. In direkter Nachbarschaft hätten sich der Staat der palästinensischen Araber sowie andere arabische Länder befunden. Es liegt auf der Hand, dass die Juden aufgrund einer solchen Sachlage zwar einen zivilisatorischen Einfluss hätten ausüben können, jedoch keinesfalls in der Lage gewesen wären, eine expansionistische Politik zu betreiben.Doch es geht immer auch anders. Man hätte etwa sagen können: „Was gehen uns die gebildeten Juden oder der Holocaust und die Nazis an? Die Juden haben einfach kein Recht, sich hier auf fremdem Land niederzulassen.“ Genau dies geschah, und die Geschichte nahm in der Folge ihren Lauf.


Palästina war seit jeher ein Verwaltungs- und kein Nationalgebiet
Die Frage von Recht und Unrecht kann jedenfalls auch aus diesen Gesichtspunkten betrachtet werden:Auf dem Gebiet von Palästina existierte damals kein Staat oder staatsähnliches politisches Gebilde.
In Palästina stellten die Juden seit jeher rund 10 % der Bevölkerung dar.
Die Besiedelung solcher Gebiete ist in der neueren Geschichte keine Seltenheit (Australien, Amerika).Die damalige mehrheitliche Bevölkerung Palästinas definierte ihre Identität als arabisch und nicht als palästinensisch.Selbst die politischen Vertreter einiger arabischer Staaten, wie z. B. Saudi-Arabien, Jordanien und Syrien, leugneten die Existenz von Palästina.
In der Welt wurde jahrzehntelang über palästinensische Flüchtlinge berichtet, während palästinensisches Volk noch kein Begriff war.
Die Juden fanden, dass sie ein historisches Anrecht hatten, sich auf diesem Gebiet niederzulassen, denn das war ursprünglich ihr Land, bevor sie vor rund 2.000 Jahren von den Römern vertrieben wurden - dies allerdings unter der Voraussetzung, dass den palästinensischen Arabern kein Nachteil daraus erwuchs.Daraus ergibt sich die Kernfrage, nämlich: Wie viel Zeit darf vergehen, damit ein vertriebenes Volk das Recht behält, in das eigene Land zurückzukehren bzw. wie viel Zeit muss vergehen, damit das betreffende Volk das Recht auf die Rückkehr in die Heimat verliert?


Militärische Interventionen der arabischen Länder - ein wiederholtes Eigentor
Es gibt in der Geschichte Palästinas vielschichtige Themen, die es zu beleuchten gilt. Doch ich will hier insbesondere auf einen wesentlichen Faktor eingehen, nämlich auf die Reaktion der arabischen Welt auf den UN-Teilungsplan. Wären die arabischen Staaten damals vernünftiger (geschweige denn humaner) gewesen, so hätten sie das durch den Plan vorgesehene Israel ohne Säbelrasseln und Drohgebärden akzeptiert. Schließlich war das Land aufgrund seiner Größe und Bevölkerungsstruktur für sein Umfeld völlig unbedenklich. Eine solche Entscheidung wäre zum Vorteil aller gewesen, sowohl der jüdischen als auch der arabischen Bevölkerung.
Doch der Teufel bzw. Scheitan, wie auch immer, ließ den Arabern keine Ruhe. Als im Jahr 1948 der Staat Israel ausgerufen wurde, fielen noch am selben Tag fünf arabische Länder mit ihrem jeweiligen Heer in das Land ein, in der Absicht, dieses UN-Gebilde zu vernichten. Fast wäre ihnen dieses Vorhaben auch gelungen, doch gleichzeitig war es von vornherein zum Scheitern verurteilt. Dies vor allem deswegen, weil es für die Juden, die vor der Verfolgung durch die Nazis geflohen oder nach dem Krieg als Holocaustüberlebende nach Palästina gekommen waren, keinen anderen Ausweg gab, als für ihr Überleben zu kämpfen. Sie führten einen verbitterten und scheinbar aussichtslosen Kampf gegen einen zahlenmäßig weit überlegenen Feind und gewannen dadurch die Sympathien der ganzen Welt.
Auf der anderen Seite kämpften die nicht vereinten arabischen Kräfte für ein Land, das nicht das ihre war, sie waren unmotiviert für diesen Kampf, und das Schicksal der arabischen Bevölkerung Palästinas war ihnen ebenfalls egal. Die palästinensischen Araber waren die Einzigen, die eigentlich hätten kämpfen sollen, doch sie hatten keine ausgeprägte nationale Identität, und es mangelte ihnen an Organisation. Fast ohne Widerstand zu leisten, wurden sie zu Flüchtlingen, und die ganze Welt behandelte sie jahrzehntelang als solche.
Die Folge dieser unüberlegten arabischen Intervention war, dass Israel sein Territorium im Vergleich zum UN-Teilungsplan um 40 % vergrößerte und auch Westjerusalem einnahm.Im Jahr 1967 wiederholte sich die Geschichte, ohne dass man daraus gelernt hatte. In der Überzeugung, militärisch deutlich stärker als Israel zu sein, provozierten die arabischen Länder einen Krieg, der durch die rundum propagierte Absicht „die Juden ins Meer zu werfen“ (sic!) angeheizt wurde. Die Folge: Israel eroberte auch Ostjerusalem, das Westjordanland und die strategisch wichtigen Golanhöhen in Syrien - Gebiete, die sich bis heute unter israelischer Kontrolle befinden.
Die politisch-militärischen Schritte der arabischen Länder waren sowohl 1948 als auch 1967 gelinde gesagt höchst seltsam. Deren Folgen waren nicht zugunsten der Palästinenser, sondern eigentlich zu ihrem Schaden, fast so, als hätten die arabischen Länder im Auftrag der CIA und nicht in eigenem Sinne gehandelt. Die palästinensische Nakba (zu Deutsch: Katastrophe) besteht nicht nur in der Flucht und Vertreibung der arabischen Bevölkerung Palästinas infolge des Krieges 1948, sondern vielmehr in der schändlichen Rolle, die die arabischen Staaten in dieser Tragödie gespielt haben und immer noch spielen.Allen voran ist dabei der damalige Emir von Transjordanien, Abdallah ibn Husein, zu nennen, der die palästinensischen Araber verriet, indem er während des Krieges 1948 mit Unterstützung der Briten mit der israelischen Politikerin Golda Meir Verhandlungen über eine Teilung Palästinas führte und einen Großteil des britischen Mandatsgebiets Palästina seinem Königreich Jordanien einverleibte. Aus diesen Gründen fiel er bereits im Juli 1951 einem Attentat zum Opfer.Möglicherweise ist es aber auch so, dass jemand es so wollte und immer noch will, dass Palästina ein Dauerkriegsherd bleibt und dort niemals Frieden einkehrt, unabhängig davon, was die Juden oder die Araber auch tun.


Die Palästinenser als Zukunftsträger in der arabischen Welt
Die fürchterlichen Folgen der Kriege für die arabische Bevölkerung Palästinas haben auch einige positive Entwicklungen begünstigt:
Bei den damaligen Flüchtlingen bildete sich eine eigene Identität heraus, und sie wurden zum palästinensischen Volk, was zum Teil dadurch bedingt war, dass die Gegenseite, vor allem Israel, ihre Existenz leugnete.Nachdem sie vor rund 2.000 Jahren von den Römern aus ihrem Land vertrieben worden waren, mussten die Juden, in der ganzen Welt zerstreut, für ihr nacktes Überleben kämpfen und wurden notgedrungen zu richtigen Lebenskünstlern. So ähnlich wurden die Palästinenser in der größten Not zu jenem Volk, das die höchste Bildung unter den arabischen Völkern aufweist. 97 % der Palästinenser können gut lesen und schreiben. Aus dem palästinensischen Volk sind Intellektuelle wie Edward Said (Literaturtheoretiker und Aktivist), Ghada Karmi (Medizinwissenschaftlerin, Gelehrte und Schriftstellerin), Emil Habibi (Schriftsteller und Politiker), Ibrahim Nasrallah (Dichter, Schriftsteller, Politiker), Areen Omari (Schauspielerin und Produzentin) u. v. a. m. hervorgegangen.
Das weitere Schicksal der Palästinenser wird in großem Maße davon abhängen, ob sie wahrhaftig selbstständig werden, d. h. ob sie die Fäden in die eigene Hand nehmen und aufhören, als Marionetten der arabischen Länder zu fungieren. Doch selbst wenn sie das tun und eigenständig entscheiden, was sie für das Beste halten, wird die Zukunft der Palästinenser ungewiss bleiben, denn alle Bemühungen und Errungenschaften dieses Volkes werden zunichte sein, wenn ihm Israel und die globalen Großmächte die Gründung eines eigenen Staates Palästina nicht ermöglichen.


Die vorliegende Erzählung - ein blutiges Märchen
Doch kehren wir zu der eigentlichen Geschichte zurück, die ohne Übertreibung als ein „blutiges Märchen“ bezeichnet werden könnte.Im vorliegenden Roman wird das Schicksal dreier Hauptfiguren verfolgt, der Jüdin Bea sowie ihrer Söhne Roman und Assim. Bea ist die Schlüsselfigur der Erzählung, Beas leiblicher Sohn Roman ist väterlicherseits kein Jude, was er oft und gerne betont, jedoch handelt er oft ganz anders. Assim ist Beas Adoptivsohn, ein Palästinenser, den sie vor dem sicheren Tod im Krieg rettet.Im ersten und zweiten Teil der Erzählung wird das Heranwachsen von Roman und Assim behandelt, das voller Gewalt und großer Traumen ist. Im dritten Teil kommen die beiden rund zwanzig Jahre später mit Bea in Jerusalem zusammen, wo sie gemeinsam zu Protagonisten eines tödlichen Dramas werden.Die Hauptfiguren dieses Romans stellen ihre nationale und religiöse Identität zugunsten der Humanität in den Hintergrund. Es handelt sich um drei unverbesserliche Idealisten, die sich und andere in erster Linie als ebenbürtige Menschen sehen. Sie streben nach Frieden und Liebe und sind bereit, gegen Ungerechtigkeiten jeder Art entschlossen vorzugehen. Schließlich gehen sie an diesem nicht enden wollenden, gewaltsamen Konflikt körperlich und geistig zugrunde.


Denn die Zeit und die Umstände tun ihren Teil …
In diesem Roman wird, vor allem im dritten Kapitel, ein wahrhaftig biblisches, alttestamentarisches, brutales Bilderbuch des Todes gemalt. Bea rechtfertigt unvorsichtigerweise die Verbrechen der arabischen Fanatiker und macht sich auf diese Weise am Tod von Olivia, Romans Verlobte, die in einem Terrorangriff getötet wird, moralisch mitschuldig. Roman ist psychisch labil und trägt mittelbar einen Teil der Verantwortung für den gewaltsamen Tod von Bea und Assim. Beas bester Freund Aaron tötet Bea und Assim und wird selbst deswegen zum Tode verurteilt.Durch die Handlung zieht sich eine Reihe von Terroranschlägen, deren Opfer sowohl Juden als auch palästinensische Araber sind.
Dadurch kommen wir nun zum vielleicht zentralen Problem dieses Dramas, nämlich der Frage des Verrats.
Hat Bea durch ihre persönlichen Dilemmas und ihre politischen Bestrebungen, die von Israel 1967 eroberten Gebiete im Austausch für Frieden abzutreten, ihr Land verraten? Israel wäre ohne diese Gebiete tatsächlich sehr verwundbar und von physischer Zerstörung bedroht.Hat Beas Sohn Roman seine Mutter und die universale Vorstellung von Frieden und Toleranz verraten, als er sich gegen die Abtretung der eroberten Gebiete aussprach?
Hat Bea ihren Sohn verraten, weil sie für den Terrorismus der palästinensischen Araber Verständnis zeigte, obwohl die Verlobte ihres Sohnes in einem Terrorangriff getötet wurde?
Auch wenn wir Verrat und Loyalität und die beschriebenen Tragödien beiseitelassen, so stellt sich weiter die Frage, was die Hauptfiguren dieses Romans eigentlich antreibt. Gewiss hätten sie wissen müssen, dass eine Liebe zwischen einer Jüdin und einem Araber (und umgekehrt) in Palästina kaum eine Chance gehabt hätte. Es muss ihnen klar gewesen sein, dass die Wahrscheinlichkeit viel größer war, dass die Konflikte, der Hass und die Gewalt immer größere Ausmaße annehmen würden. Oder etwa nicht?

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