Touchdown Amsterdam
Nach einer wahren Begebenheit
EUR 22,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 164
ISBN: 978-3-7116-1114-7
Erscheinungsdatum: 08.06.2026
Was geschah mit Sammy Baker?Der aufstrebende Fitness-Influencer Sammy Baker reist nach Amsterdam, um mit Freunden seinen 23. Geburtstag zu feiern. Doch was als fröhliche, ausgelassene Reise beginnt, verwandelt sich bald in einen Albtraum…
Sonntag, 09.08.2020
Sam und Mom in Küche. Es ist später Vormittag. Beide stehen vor der Espresso-Maschine.
Mom: Oh, machst du mir auch einen?
Sam: (während er Espresso für beide zubereitet) Ich war doch gestern auf dem Boxkampf.
Mom: Wie war es denn? Ich wäre so gerne mitgekommen als alte Kickboxerin, aber das Klassentreffen stand schon monatelang fest, da wollte ich nicht absagen.
Sam: Wir werden bestimmt noch ne Gelegenheit haben, zusammen zum Boxkampf zu gehen … (Mom fällt ihm ins Wort)
Mom: Apropos, wann kommst du mal wieder mit ins Training? Vielleicht mal Krav Maga? Da lernt man echt nützliche Kniffe, falls man mal angegriffen wird!
Sam: (zeigt auf seinen Mund und Kopf) Das sind meine Waffen, Mama! Ich gehe solchen Situationen aus dem Weg und wenn es sein muss, schalt ich meinen Kopf ein und verteidige mich mit Worten.
Mom: Ist ja schön und gut, aber manchmal haste solche Dummbratzen vor dir, die raffen noch nicht mal, was du sagst … Naja, überleg’s dir mal und sag Bescheid, vielleicht mal nach dem Amsterdam-Trip.
Sam: Ja, mal sehen. Ich wollte dir eigentlich was anderes erzählen. Nach dem Boxkampf war ich noch mit Vince …
Mom: Vince?
Sam: Ja, wir waren früher zusammen im Basketballcamp, haben wieder Kontakt …
Mom: Oh, cool!
Sam: Auf jeden Fall waren wir mit seiner Freundin und ein paar Leuten noch in einer Café-Bar danach. Da gab es veganen Kuchen, total lecker. Und alkoholfreie Cocktails … auf jeden Fall war da ne Gruppe von Thailändern. Ich bin einfach zu denen hin und hab sie auf Thailändisch begrüßt!
Mom (schwer beeindruckt) Echt? So was kannst du?
Sam: Naja, nur ein paar Brocken. Die waren total erfreut, wollten mich zum Drink einladen … hab mich mit denen auch noch unterhalten … denkt kurz nach, schaut ins Leere: Mir ist klar geworden: Ich muss bald zurück.
Mom: Wohin? Ins Café?
Sam: Nein, nach Bangkok. Kurzes Schweigen, Sam wirkt nachdenklich. Mama, die Asiaten sind so Herzensmenschen, ich liebe einfach diese Mentalität. Da fühlt man sich wie zu Hause … Sobald es geht, fliege ich.
Mom (daran denkend, etwas traurig … will es sich nicht anmerken lassen) Naja, erst mal ist Amsterdam dran. Ich hoffe, ihr habt Spaß! Aber nicht zu viel! Sei vorsichtig, bitte.
Sam: Klar! Mach dir keine Sorgen!
Am selben Tag, nachmittags. Sam besucht seine Uroma, die ein stolzes Alter von 102 Jahren aufweist. Seine Oma väterlicherseits und seinen Vater sieht er auch.
Sam kommt auf die Idee, seine Uroma zu filmen und sie zu befragen, was das Wichtigste im Leben sei:
Sam: (hält sein iPhone, muss selbst dabei grinsen): Was willst du der Welt sagen, Oma Irma? Was ist das Wichtigste im Leben?
Uroma: Tja … (in ihrem hessischen Dialekt) Ich weiß gar net, was ich da antworte soll!
Sam muss lachen. Er liebt seine Uroma, ihren Humor und dass sie immer was zu sagen hat.
Oma (Tochter der Uroma): Denk’ mal nach, was ist das Wichtigste im Leben?
Sam: Genau, das Wichtigste!
Oma: Was war das Wichtigste für dich im Leben?
Uroma zuckt mit den Schultern. Sam wirft ein:
Das Allerwichtigste im Leben … Zufriedenheit, oder?
Uroma: Ja!
Oma: Und Liebe!
Sam unterhält sich mit seinem Dad, sein Freund Vince vom Vorabend ist dabei.
Sam: Vince, weißt du noch einige coole Sachen, die man in Amsterdam machen kann? Ich würde auch gerne nach Zandvoort ans Wasser, aber vielleicht noch was Actionmäßigeres?
Vince: Ich weiß, dass man Bungee-Jumping machen kann in der Nähe von Amsterdam …
Sam: Mega! Das wollte ich schon immer mal machen …
Sam und Vince beschließen, noch mal an den Fluss zu gehen, es ist ein herrlicher sonniger Sommertag. Sie unterhalten sich über tiefsinnige Dinge und beobachten Kanufahrer auf dem Fluss, schmeißen Steinchen …
Vince: Meine Freundin hat da so einen Spruch, der hat sie immer gut durchs Leben gebracht …
Sam: Ok, und der wäre …?
Vince: „Let all you do be done in love.“
Sam: spricht es nach „Let all you do be done in love … all you do … Be done in love …“ „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“ Pause
Das ist es!!!!!
Vince: Was?
Sam: Das ist es, worum es im Leben eigentlich geht!
Sie lächeln und schauen aufs Wasser.
Später, Sam und sein Dad alleine im Auto.
Sam: Alles ok bei dir?
Dad: Ja, schon … bis auf die Gesamtsituation. Zögert Ist momentan alles etwas viel mit Arbeit und Mitpflegen von deiner Uroma. Dann der Herzinfarkt deiner Oma … ist alles etwas viel.
Sam: Nimm dir das nicht so zu Herzen!
Schweigen. Schaut seinem Vater in die Augen: Wenn du könntest, wie du wolltest, was würdest du am liebsten machen?
Dad: Mir einen Camper kaufen und die Welt auf eigene Faust erkunden.
Sam: Dann solltest du das irgendwann machen. Mach das doch!
Dad: denkt sich: ja, wenn das so einfach wäre …
Sam: Kommst du noch mal mit hoch?
Dad: schaut auf die Uhr und überlegt kurz Nee, du, muss morgen früh wieder raus. Viel Programm.
Sam: Ok, alles klar. Bis bald!
Dad: Viel Spaß in Amsterdam … Bis später! (Das sagt Dad immer, auch wenn er „bis bald“ meint.)
Montag, 10.08.2020
Später Vormittag. Mom und Sam treffen sich im Hausflur
Mom: Heyyy, na? Schon alles gepackt? Wann fahrt ihr denn?
Sam: Na? Ja, so gut wie … ach ja, der Mick steckt noch im Stau, müsste aber bald hier sein.
Mom wollte eigentlich joggen gehen. Es ist ein herrlicher Sommertag und noch nicht zu heiß.
Mom: Ich wollte eigentlich joggen gehen. Aber ich glaub’, ich warte, bis Mick kommt. Hab ja immer viel von ihm gehört, aber ihn noch nie persönlich gesehen.
Sam: Ja, klar, wär’ schön.
Allein mit diesem Satz war die Entscheidung gefallen, zu warten, bis Mick kommt. Es machte sie immer traurig, Sam an seinem Geburtstag nicht zu sehen. 2018 musste der 21. Geburtstag unbedingt in Las Vegas gefeiert werden, 2019 in Bangkok, wo auch reichlich Alkohol floss … und jetzt Amsterdam! So asketisch und gesund Sam auch lebte, an seinen Geburtstagen schlug er gern mal über die Stränge … Amsterdam. Ach, was soll’s! Wir feiern ja am 15. August mit der Familie nach. Und er ist ja alt genug und vernünftig …
Sam: sucht nach seinem Autoschlüssel. Fahr noch schnell zu Olli, meine Sonnenbrille holen und zum Supermarkt. Brauchst du was?
Mom: Ja, Milch.
Sam: Alles klar. Er nimmt gerne die Abkürzung und springt über die Setzsteine direkt in den Carport, ins Auto, macht das Verdeck des Cabrios auf, fährt los.
Eine Stunde später.
Mom: Sammy?
Sam: Ja?
Mom: Wo bleibt der Mick?
Sam: Er hat ja auch über 300 km Fahrt, ist aber gleich da.
Mom: Wär’ ich doch joggen gegangen, ich wäre schon längst fertig …
Schweigen. Es klingelt an der Haustür. Sam und Mom gehen beide zur Tür. Mom macht sie auf, sieht Mick.
Mom: Hallo! lächelt
Mick: etwas schüchtern Servus! lächelt
Sam steht auf der ersten Treppenstufe. Sams und Moms Blicke treffen sich. Sie wissen genau, was der andere denkt. Sie kennen sich zu gut.
Mom: Komm doch rein! Magst du was trinken?
Mick: Ein Wasser, bitte. Es ist ganz schön heiß.
Mom: Oh ja, und die nächsten Tage erst … Über 30 Grad. Da habt ihr euch ja das beste Wetter ausgesucht für euren Städtetrip. Versucht mal, ans Meer zu kommen, Zandvoort ist in der Nähe und echt schön. Mal raus aus der Stadt …
Mick: Ja, das ist unter anderem ja auch geplant.
Sam schweigt. Überhaupt ist er sehr ruhig, so als hätte er es nicht mehr eilig, nach Amsterdam zu kommen.
Sie sitzen auf der Terrasse und für einen kurzen Moment hat Mom den Gedanken, ob sie Mick nicht nach seiner Handynummer fragen soll, falls was sein sollte. Dann verwirft sie wieder den Gedanken. Das ist doch lächerlich. Das mag Sam nicht, wenn sie sich so einmischt, als wäre er noch ein Kind. Er ist ein junger Mann, der morgen 23 Jahre alt wird!
Mom: denkt: Warum sitzt Sam so ruhig da und redet kaum mit Mick? Sonst ist er doch immer so euphorisch, wenn er sich mit einem Kumpel trifft und sie weggehen wollen. Da wird immer gelacht und Quatsch gemacht, und jetzt … Merkwürdig.
Mom: versucht, die etwas komische Situation zu überspielen So, wer möchte einen Espresso? Sam winkt ab mit einer Handbewegung.
Mick? Du bist der Fahrer und ihr habt noch über 400 km vor euch!
Mick: Ja, gut, dann nehme ich einen.
Kurze Zeit später, es ist schon nach 13 Uhr, sind beide startklar. Sam will sich verabschieden. Mom textet Aman doch mal, runterzukommen, doch er ist im Homeoffice und reagiert nicht.
Da fällt ihr Blick auf die bereits verpackten Geschenke für Sam.
Mom: Warte noch … überlegt kurz: Das Große (ein Tempur-Nackenkissen, da Sam durch sein Fitnesstraining öfter Nackenschmerzen hat) ist zu groß, die Duftkerze brauche ich ihm auch nicht mitzugeben, aber das Buch! Ja, er braucht doch etwas zum Auspacken morgen! Und Oreo Cookies! Die liebt er doch so!
Hier! Überreicht ihm das zum Präsent verpackte Stephen-Hawking-Buch „Kurze Antworten auf große Fragen“
Sam: lächelt Danke! Tschüss, Mama!
Mom: umarmt ihn Tschüss, mein Schatz. Schreib mir, wenn ihr angekommen seid, und schick mal n’ Bild.
Sam: Mach ich!
Mom: denkt: Hoffentlich ist das Buch auch gut. Er interessiert sich doch in letzter Zeit so für Astrophysik, das Universum und die großen Sinnfragen. Hoffe, es ist nicht zu trocken, wollte aber auch nichts zu Spirituelles oder Religiöses suchen, was ihn vielleicht abschreckt. Aber vielleicht hätte es etwas philosophischer sein können … Was soll’s! Hauptsache, die Geburtstagskarte ist drin, ein Faultier auf einer Stange hängend und mit Gewichten an allen Pfoten, mit der Aufschrift: „Halt dich tapfer!“
… So, jetzt mach ich aber mal ’ne kleine Runde. Auf geht’s!
Sam und Mick fahren los. Nach etwa 15 Minuten Fahrt, als Sam Musik hören will und in seinen Rucksack schaut, merkt er, dass er etwas vergessen hat.
Sam: Oh, shit!
Mick: Was ist los?
Sam: Ey, man, kannste noch mal zurückfahren? Ich hab mein Aux-Kabel vergessen!
Mick: Wichtig?
Sam: Yo, Mann!
Mick: ok.
Gegen 13:50 Uhr klingelt Sam an der Tür. Mom ist noch laufen, Aman macht auf.
Aman: Schon zurück?
Sam: im Vorbeigehen, Treppen hochlaufend. Hab was vergessen!
Aman: gibt Sam kumpelhaft Check. Wünsche dir viel Spaß! Grinst und glaubt, in Anspielung auf „Coffeeshop“, einen guten Scherz zu machen Und nicht zu viel Kaffee trinken dort!
Sam: fragend Zu viel Kaffee?
Aman: Du weißt schon …!
Sam: Yo, ciao!
Es ist 13:52 Uhr, als Sam beschwingt, in Flip-Flops, das Haus verlässt. Wer hätte gedacht, dass er das Haus für immer verlassen würde …
Mom verbringt ihren freien Tag mit einer Freundin am See. Kurz vor 18 Uhr schreibt sie Sam: „Hat Check-in geklappt?“
Er schreibt sofort zurück: „Kommen gleich an, schreibe dir dann:)“
Um 18:16 Uhr bekommt sie ein Foto der Airbnb-Unterkunft Hotel Chasse in der Chassestraat. Um 18:23 Uhr schickt Sam ein Foto von sich in der Lobby. Er steht lächelnd, die Hände in „Hang-loose“-Manier, seine Camouflage-Kappe auf, seinen Superman-Ring an, in T-Shirt, Shorts und Flip-Flops. Daraufhin schickt ihm Mom ein Selfie von sich mit Freundin lachend am See.
Sam entgegnet: „Nice enjoooyyyy.“
Beide sind entspannt und freuen sich, dass es dem anderen gut geht.
Es sollte für Mom der letzte Abend werden, an dem sie entspannt war und das Leben noch in Ordnung, für eine lange Zeit, vielleicht für immer …
Touchdown Amsterdam
Sam, Mick und Andi begrüßen sich und beziehen die Airbnb-Wohnung. Dabei machen sie Pläne für den Abend:
Sam beim Öffnen der Tür: Ey, Jungs, das ist ja mal nice. Mega!
Andi: sichtet die hellen, großen Räume: Passt!
Sam: Dann würde ich sagen, wir machen uns frisch und gehen in die City …
Mick: Wollen wir essen gehen?
Sam: Klar, lass uns gucken, was es so gibt. Vielleicht Burger?
Sam nimmt sein iPhone und macht seine erste Instagram-Story von Amsterdam. Gut gelaunt und voller Tatendrang sagt er:
„What’s poppin’, guys? We just arrived here in Amsterdam“ … schwenkt dabei sein Handy, sodass man Räume sieht, eine moderne Küche … „what’s up, what’s up! This is our Airbnb“ … schwenkt auf die große Couch … „that we got.“ … großer Holz-Esstisch, bodentiefes Fenster mit Blick auf gegenüberliegendes Gebäude … „Pretty decent. Like it a lot!“ Schwenkt von Couch auf großen Spiegel mit Messingrahmen, macht „hang-loose“-Zeichen mit der Hand. „Let’s check it out!“ Sichtbar zum Schluss der „Superman-Ring“, den er aus Bangkok hat. Mick und Andi sieht man auch im Hintergrund, Andi grinst, doch da beide selbst nichts sagen, wirken sie eher wie Statisten.
Kurze Zeit später machen sich die drei Jungs los in die Stadt, in Richtung Rotlichtviertel. Vor einem Sex-Toy-Shop macht Sam eine kleine Story, gerichtet an einen Bekannten, und sagt auf Englisch, dass er den perfekten Laden für ihn und seine Freundinnen gefunden habe. Sam wirkt gut gelaunt, locker, seine schwarzen, dicken Haare sind gestylt, ein schelmisches Grinsen auf dem Gesicht. Er trägt eines seiner Lieblings-T-Shirts, schwarz mit relativ kleiner Schrift in Weiß „KLEINIGKEIT“. Er trägt eine Goldkette, die später noch eine Rolle spielen wird, und eine längere silberne Kette mit einem Orgonit. Er trägt einen Dreitagebart.
Andi: Hmmm, hier riecht’s gut. Sam und Mick grinsen. Was haltet ihr davon, das Essen ganz entspannt anzugehen? Der Geruch kommt von drüben … liest „Bulldog“.
Sam: Let’s go!
Im Bulldog angekommen, stehen alle etwas überwältigt und überfordert vor dem „Menü“. Mick und Andi fällt auf, dass Sam sich gar nicht auskennt, also übernimmt Andi die Führung.
Sam: Was Chilliges, oder?
Andi: spricht mit Bedienung auf Englisch … „yeah … to chill … Indica? Why not! Sounds good.“
Zu Sam: Kannste drehen?
Sam: Nee, Alter. Hol was Vorgerolltes!
Andi: Passt. Du auch, Mick?
Mick: Lass erst mal stecken. Ich muss was essen!
Nach einiger Zeit, als die Jungs umherlaufen.
Mick: Hey Leute, ich glaub’, wir laufen im Kreis.
Alle lachen.
Sam: Schaut mal drüben. Liest „Deyacos. Steaks, Ribs & Burgers“. Lasst uns das mal checken.
Die drei setzen sich draußen hin und bestellen Burger, Pommes und jeder ein Bier. Andi hält den entspannten Moment fest mit einem Selfie. Alle lächeln.
...
Sam und Mom in Küche. Es ist später Vormittag. Beide stehen vor der Espresso-Maschine.
Mom: Oh, machst du mir auch einen?
Sam: (während er Espresso für beide zubereitet) Ich war doch gestern auf dem Boxkampf.
Mom: Wie war es denn? Ich wäre so gerne mitgekommen als alte Kickboxerin, aber das Klassentreffen stand schon monatelang fest, da wollte ich nicht absagen.
Sam: Wir werden bestimmt noch ne Gelegenheit haben, zusammen zum Boxkampf zu gehen … (Mom fällt ihm ins Wort)
Mom: Apropos, wann kommst du mal wieder mit ins Training? Vielleicht mal Krav Maga? Da lernt man echt nützliche Kniffe, falls man mal angegriffen wird!
Sam: (zeigt auf seinen Mund und Kopf) Das sind meine Waffen, Mama! Ich gehe solchen Situationen aus dem Weg und wenn es sein muss, schalt ich meinen Kopf ein und verteidige mich mit Worten.
Mom: Ist ja schön und gut, aber manchmal haste solche Dummbratzen vor dir, die raffen noch nicht mal, was du sagst … Naja, überleg’s dir mal und sag Bescheid, vielleicht mal nach dem Amsterdam-Trip.
Sam: Ja, mal sehen. Ich wollte dir eigentlich was anderes erzählen. Nach dem Boxkampf war ich noch mit Vince …
Mom: Vince?
Sam: Ja, wir waren früher zusammen im Basketballcamp, haben wieder Kontakt …
Mom: Oh, cool!
Sam: Auf jeden Fall waren wir mit seiner Freundin und ein paar Leuten noch in einer Café-Bar danach. Da gab es veganen Kuchen, total lecker. Und alkoholfreie Cocktails … auf jeden Fall war da ne Gruppe von Thailändern. Ich bin einfach zu denen hin und hab sie auf Thailändisch begrüßt!
Mom (schwer beeindruckt) Echt? So was kannst du?
Sam: Naja, nur ein paar Brocken. Die waren total erfreut, wollten mich zum Drink einladen … hab mich mit denen auch noch unterhalten … denkt kurz nach, schaut ins Leere: Mir ist klar geworden: Ich muss bald zurück.
Mom: Wohin? Ins Café?
Sam: Nein, nach Bangkok. Kurzes Schweigen, Sam wirkt nachdenklich. Mama, die Asiaten sind so Herzensmenschen, ich liebe einfach diese Mentalität. Da fühlt man sich wie zu Hause … Sobald es geht, fliege ich.
Mom (daran denkend, etwas traurig … will es sich nicht anmerken lassen) Naja, erst mal ist Amsterdam dran. Ich hoffe, ihr habt Spaß! Aber nicht zu viel! Sei vorsichtig, bitte.
Sam: Klar! Mach dir keine Sorgen!
Am selben Tag, nachmittags. Sam besucht seine Uroma, die ein stolzes Alter von 102 Jahren aufweist. Seine Oma väterlicherseits und seinen Vater sieht er auch.
Sam kommt auf die Idee, seine Uroma zu filmen und sie zu befragen, was das Wichtigste im Leben sei:
Sam: (hält sein iPhone, muss selbst dabei grinsen): Was willst du der Welt sagen, Oma Irma? Was ist das Wichtigste im Leben?
Uroma: Tja … (in ihrem hessischen Dialekt) Ich weiß gar net, was ich da antworte soll!
Sam muss lachen. Er liebt seine Uroma, ihren Humor und dass sie immer was zu sagen hat.
Oma (Tochter der Uroma): Denk’ mal nach, was ist das Wichtigste im Leben?
Sam: Genau, das Wichtigste!
Oma: Was war das Wichtigste für dich im Leben?
Uroma zuckt mit den Schultern. Sam wirft ein:
Das Allerwichtigste im Leben … Zufriedenheit, oder?
Uroma: Ja!
Oma: Und Liebe!
Sam unterhält sich mit seinem Dad, sein Freund Vince vom Vorabend ist dabei.
Sam: Vince, weißt du noch einige coole Sachen, die man in Amsterdam machen kann? Ich würde auch gerne nach Zandvoort ans Wasser, aber vielleicht noch was Actionmäßigeres?
Vince: Ich weiß, dass man Bungee-Jumping machen kann in der Nähe von Amsterdam …
Sam: Mega! Das wollte ich schon immer mal machen …
Sam und Vince beschließen, noch mal an den Fluss zu gehen, es ist ein herrlicher sonniger Sommertag. Sie unterhalten sich über tiefsinnige Dinge und beobachten Kanufahrer auf dem Fluss, schmeißen Steinchen …
Vince: Meine Freundin hat da so einen Spruch, der hat sie immer gut durchs Leben gebracht …
Sam: Ok, und der wäre …?
Vince: „Let all you do be done in love.“
Sam: spricht es nach „Let all you do be done in love … all you do … Be done in love …“ „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“ Pause
Das ist es!!!!!
Vince: Was?
Sam: Das ist es, worum es im Leben eigentlich geht!
Sie lächeln und schauen aufs Wasser.
Später, Sam und sein Dad alleine im Auto.
Sam: Alles ok bei dir?
Dad: Ja, schon … bis auf die Gesamtsituation. Zögert Ist momentan alles etwas viel mit Arbeit und Mitpflegen von deiner Uroma. Dann der Herzinfarkt deiner Oma … ist alles etwas viel.
Sam: Nimm dir das nicht so zu Herzen!
Schweigen. Schaut seinem Vater in die Augen: Wenn du könntest, wie du wolltest, was würdest du am liebsten machen?
Dad: Mir einen Camper kaufen und die Welt auf eigene Faust erkunden.
Sam: Dann solltest du das irgendwann machen. Mach das doch!
Dad: denkt sich: ja, wenn das so einfach wäre …
Sam: Kommst du noch mal mit hoch?
Dad: schaut auf die Uhr und überlegt kurz Nee, du, muss morgen früh wieder raus. Viel Programm.
Sam: Ok, alles klar. Bis bald!
Dad: Viel Spaß in Amsterdam … Bis später! (Das sagt Dad immer, auch wenn er „bis bald“ meint.)
Montag, 10.08.2020
Später Vormittag. Mom und Sam treffen sich im Hausflur
Mom: Heyyy, na? Schon alles gepackt? Wann fahrt ihr denn?
Sam: Na? Ja, so gut wie … ach ja, der Mick steckt noch im Stau, müsste aber bald hier sein.
Mom wollte eigentlich joggen gehen. Es ist ein herrlicher Sommertag und noch nicht zu heiß.
Mom: Ich wollte eigentlich joggen gehen. Aber ich glaub’, ich warte, bis Mick kommt. Hab ja immer viel von ihm gehört, aber ihn noch nie persönlich gesehen.
Sam: Ja, klar, wär’ schön.
Allein mit diesem Satz war die Entscheidung gefallen, zu warten, bis Mick kommt. Es machte sie immer traurig, Sam an seinem Geburtstag nicht zu sehen. 2018 musste der 21. Geburtstag unbedingt in Las Vegas gefeiert werden, 2019 in Bangkok, wo auch reichlich Alkohol floss … und jetzt Amsterdam! So asketisch und gesund Sam auch lebte, an seinen Geburtstagen schlug er gern mal über die Stränge … Amsterdam. Ach, was soll’s! Wir feiern ja am 15. August mit der Familie nach. Und er ist ja alt genug und vernünftig …
Sam: sucht nach seinem Autoschlüssel. Fahr noch schnell zu Olli, meine Sonnenbrille holen und zum Supermarkt. Brauchst du was?
Mom: Ja, Milch.
Sam: Alles klar. Er nimmt gerne die Abkürzung und springt über die Setzsteine direkt in den Carport, ins Auto, macht das Verdeck des Cabrios auf, fährt los.
Eine Stunde später.
Mom: Sammy?
Sam: Ja?
Mom: Wo bleibt der Mick?
Sam: Er hat ja auch über 300 km Fahrt, ist aber gleich da.
Mom: Wär’ ich doch joggen gegangen, ich wäre schon längst fertig …
Schweigen. Es klingelt an der Haustür. Sam und Mom gehen beide zur Tür. Mom macht sie auf, sieht Mick.
Mom: Hallo! lächelt
Mick: etwas schüchtern Servus! lächelt
Sam steht auf der ersten Treppenstufe. Sams und Moms Blicke treffen sich. Sie wissen genau, was der andere denkt. Sie kennen sich zu gut.
Mom: Komm doch rein! Magst du was trinken?
Mick: Ein Wasser, bitte. Es ist ganz schön heiß.
Mom: Oh ja, und die nächsten Tage erst … Über 30 Grad. Da habt ihr euch ja das beste Wetter ausgesucht für euren Städtetrip. Versucht mal, ans Meer zu kommen, Zandvoort ist in der Nähe und echt schön. Mal raus aus der Stadt …
Mick: Ja, das ist unter anderem ja auch geplant.
Sam schweigt. Überhaupt ist er sehr ruhig, so als hätte er es nicht mehr eilig, nach Amsterdam zu kommen.
Sie sitzen auf der Terrasse und für einen kurzen Moment hat Mom den Gedanken, ob sie Mick nicht nach seiner Handynummer fragen soll, falls was sein sollte. Dann verwirft sie wieder den Gedanken. Das ist doch lächerlich. Das mag Sam nicht, wenn sie sich so einmischt, als wäre er noch ein Kind. Er ist ein junger Mann, der morgen 23 Jahre alt wird!
Mom: denkt: Warum sitzt Sam so ruhig da und redet kaum mit Mick? Sonst ist er doch immer so euphorisch, wenn er sich mit einem Kumpel trifft und sie weggehen wollen. Da wird immer gelacht und Quatsch gemacht, und jetzt … Merkwürdig.
Mom: versucht, die etwas komische Situation zu überspielen So, wer möchte einen Espresso? Sam winkt ab mit einer Handbewegung.
Mick? Du bist der Fahrer und ihr habt noch über 400 km vor euch!
Mick: Ja, gut, dann nehme ich einen.
Kurze Zeit später, es ist schon nach 13 Uhr, sind beide startklar. Sam will sich verabschieden. Mom textet Aman doch mal, runterzukommen, doch er ist im Homeoffice und reagiert nicht.
Da fällt ihr Blick auf die bereits verpackten Geschenke für Sam.
Mom: Warte noch … überlegt kurz: Das Große (ein Tempur-Nackenkissen, da Sam durch sein Fitnesstraining öfter Nackenschmerzen hat) ist zu groß, die Duftkerze brauche ich ihm auch nicht mitzugeben, aber das Buch! Ja, er braucht doch etwas zum Auspacken morgen! Und Oreo Cookies! Die liebt er doch so!
Hier! Überreicht ihm das zum Präsent verpackte Stephen-Hawking-Buch „Kurze Antworten auf große Fragen“
Sam: lächelt Danke! Tschüss, Mama!
Mom: umarmt ihn Tschüss, mein Schatz. Schreib mir, wenn ihr angekommen seid, und schick mal n’ Bild.
Sam: Mach ich!
Mom: denkt: Hoffentlich ist das Buch auch gut. Er interessiert sich doch in letzter Zeit so für Astrophysik, das Universum und die großen Sinnfragen. Hoffe, es ist nicht zu trocken, wollte aber auch nichts zu Spirituelles oder Religiöses suchen, was ihn vielleicht abschreckt. Aber vielleicht hätte es etwas philosophischer sein können … Was soll’s! Hauptsache, die Geburtstagskarte ist drin, ein Faultier auf einer Stange hängend und mit Gewichten an allen Pfoten, mit der Aufschrift: „Halt dich tapfer!“
… So, jetzt mach ich aber mal ’ne kleine Runde. Auf geht’s!
Sam und Mick fahren los. Nach etwa 15 Minuten Fahrt, als Sam Musik hören will und in seinen Rucksack schaut, merkt er, dass er etwas vergessen hat.
Sam: Oh, shit!
Mick: Was ist los?
Sam: Ey, man, kannste noch mal zurückfahren? Ich hab mein Aux-Kabel vergessen!
Mick: Wichtig?
Sam: Yo, Mann!
Mick: ok.
Gegen 13:50 Uhr klingelt Sam an der Tür. Mom ist noch laufen, Aman macht auf.
Aman: Schon zurück?
Sam: im Vorbeigehen, Treppen hochlaufend. Hab was vergessen!
Aman: gibt Sam kumpelhaft Check. Wünsche dir viel Spaß! Grinst und glaubt, in Anspielung auf „Coffeeshop“, einen guten Scherz zu machen Und nicht zu viel Kaffee trinken dort!
Sam: fragend Zu viel Kaffee?
Aman: Du weißt schon …!
Sam: Yo, ciao!
Es ist 13:52 Uhr, als Sam beschwingt, in Flip-Flops, das Haus verlässt. Wer hätte gedacht, dass er das Haus für immer verlassen würde …
Mom verbringt ihren freien Tag mit einer Freundin am See. Kurz vor 18 Uhr schreibt sie Sam: „Hat Check-in geklappt?“
Er schreibt sofort zurück: „Kommen gleich an, schreibe dir dann:)“
Um 18:16 Uhr bekommt sie ein Foto der Airbnb-Unterkunft Hotel Chasse in der Chassestraat. Um 18:23 Uhr schickt Sam ein Foto von sich in der Lobby. Er steht lächelnd, die Hände in „Hang-loose“-Manier, seine Camouflage-Kappe auf, seinen Superman-Ring an, in T-Shirt, Shorts und Flip-Flops. Daraufhin schickt ihm Mom ein Selfie von sich mit Freundin lachend am See.
Sam entgegnet: „Nice enjoooyyyy.“
Beide sind entspannt und freuen sich, dass es dem anderen gut geht.
Es sollte für Mom der letzte Abend werden, an dem sie entspannt war und das Leben noch in Ordnung, für eine lange Zeit, vielleicht für immer …
Touchdown Amsterdam
Sam, Mick und Andi begrüßen sich und beziehen die Airbnb-Wohnung. Dabei machen sie Pläne für den Abend:
Sam beim Öffnen der Tür: Ey, Jungs, das ist ja mal nice. Mega!
Andi: sichtet die hellen, großen Räume: Passt!
Sam: Dann würde ich sagen, wir machen uns frisch und gehen in die City …
Mick: Wollen wir essen gehen?
Sam: Klar, lass uns gucken, was es so gibt. Vielleicht Burger?
Sam nimmt sein iPhone und macht seine erste Instagram-Story von Amsterdam. Gut gelaunt und voller Tatendrang sagt er:
„What’s poppin’, guys? We just arrived here in Amsterdam“ … schwenkt dabei sein Handy, sodass man Räume sieht, eine moderne Küche … „what’s up, what’s up! This is our Airbnb“ … schwenkt auf die große Couch … „that we got.“ … großer Holz-Esstisch, bodentiefes Fenster mit Blick auf gegenüberliegendes Gebäude … „Pretty decent. Like it a lot!“ Schwenkt von Couch auf großen Spiegel mit Messingrahmen, macht „hang-loose“-Zeichen mit der Hand. „Let’s check it out!“ Sichtbar zum Schluss der „Superman-Ring“, den er aus Bangkok hat. Mick und Andi sieht man auch im Hintergrund, Andi grinst, doch da beide selbst nichts sagen, wirken sie eher wie Statisten.
Kurze Zeit später machen sich die drei Jungs los in die Stadt, in Richtung Rotlichtviertel. Vor einem Sex-Toy-Shop macht Sam eine kleine Story, gerichtet an einen Bekannten, und sagt auf Englisch, dass er den perfekten Laden für ihn und seine Freundinnen gefunden habe. Sam wirkt gut gelaunt, locker, seine schwarzen, dicken Haare sind gestylt, ein schelmisches Grinsen auf dem Gesicht. Er trägt eines seiner Lieblings-T-Shirts, schwarz mit relativ kleiner Schrift in Weiß „KLEINIGKEIT“. Er trägt eine Goldkette, die später noch eine Rolle spielen wird, und eine längere silberne Kette mit einem Orgonit. Er trägt einen Dreitagebart.
Andi: Hmmm, hier riecht’s gut. Sam und Mick grinsen. Was haltet ihr davon, das Essen ganz entspannt anzugehen? Der Geruch kommt von drüben … liest „Bulldog“.
Sam: Let’s go!
Im Bulldog angekommen, stehen alle etwas überwältigt und überfordert vor dem „Menü“. Mick und Andi fällt auf, dass Sam sich gar nicht auskennt, also übernimmt Andi die Führung.
Sam: Was Chilliges, oder?
Andi: spricht mit Bedienung auf Englisch … „yeah … to chill … Indica? Why not! Sounds good.“
Zu Sam: Kannste drehen?
Sam: Nee, Alter. Hol was Vorgerolltes!
Andi: Passt. Du auch, Mick?
Mick: Lass erst mal stecken. Ich muss was essen!
Nach einiger Zeit, als die Jungs umherlaufen.
Mick: Hey Leute, ich glaub’, wir laufen im Kreis.
Alle lachen.
Sam: Schaut mal drüben. Liest „Deyacos. Steaks, Ribs & Burgers“. Lasst uns das mal checken.
Die drei setzen sich draußen hin und bestellen Burger, Pommes und jeder ein Bier. Andi hält den entspannten Moment fest mit einem Selfie. Alle lächeln.
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