Cover: Peter Ritter übernimmt

Peter Ritter übernimmt
Kurzgeschichten aus der Welt der Wirtschaft. Kriminelle Energie nicht ausgeschlossen


EUR 20,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 252
ISBN: 978-3-7116-0151-3
Erscheinungsdatum: 01.10.2024
Wann immer es in oder mit einem Unternehmen in die falsche Richtung geht, muss Peter Ritter ran: Der Wirtschaftssöldner und Held dieses Buches macht vor keiner Herausforderung Halt: Mit kreativem Geschick und zielorientiertem Tatendrang verhilft er seinen Auftraggebern zur bestmöglichen Lösung.
Transition




Story

Ritter übernimmt den Auftrag zur Rettung einer Firma für Dr. Stuhlstadt.
Trotz vertrieblicher Erfolge schwindet die Ertragskraft. Kahl gelingt es, Ritter hierfür in die Schusslinie zu bringen. Über intensive Recherchearbeit kann Ritter ein Betrugsmuster aufdecken, bei dem Kahl und seine Mätresse Carmen die Hände im Spiel haben.



Personen

Peter Ritter – Wirtschaftssöldner
Dr. Stuhlstadt – Anwalt, Gesellschafter
Dr. Blondage – CEO des Konzerns
Karl Kahl – Geschäftsführer
Sandro Wagner – Seniortechniker
Maria Feuerstein – Vertriebsassistentin
Carmen Lacroix – Assistentin von Kahl
Siegfried Bayer – Vertriebsmanager
James – Leiter Einkauf Deutschland
Alfonso Lomghi – Chef der Autowerkstatt Autogarant
Mr. Xu – Chefeinkäufer international
Mr. Zhang – Managed Services Europa
Martin Grauheck – Vertrauter von Dr. Stuhlstadt
Luise Ritter – Peter Ritters Frau




Kapitel 1


Ritter schaute auf sein Handy. Es war Dr. Stuhlstadt, hochintelligent und genauso unberechenbar. „Lieber Herr Ritter“, schmeichelte er, „Sie müssen wissen, ich bin nicht nur ein nicht wenig erfolgreicher Anwalt, sondern auch Eigentümer einer Unternehmensgruppe mit mehreren tausend Mitarbeitern. Wann können Sie bei mir in der Kanzlei sein? Ich denke hier nicht an zwei bis drei Wochen. Ist klar, oder?“

Ritter sah sich als Wirtschaftssöldner – ein Übernehmer riskanter Fälle mit hohem Earn-out, wenn sie gelangen. Stuhlstadt hatte ihn im Rahmen eines Mandats kennengelernt, das Ritter ihm beschafft hatte. Nun brauchte er ihn.

Ritter traf Dr. Stuhlstadt am, auf das Telefonat folgenden Donnerstag, um 17.30 Uhr in seiner Kanzlei. „Sie werden getrennt von Ihrer Familie sein. Diese Einheit geht den Bach runter, wenn wir nicht gegensteuern. Ich brauche eine Transition. Die arbeiten für Chinesen. Was die genau machen, weiß ich nicht. Am Montag brauche ich ein Konzept“, fuhr Stuhlstadt in seiner unnachahmlichen Art fort. Samstag und Sonntag waren für ihn achtundvierzig Stunden verfügbare Arbeitszeit. „Ich lasse Ihnen Zahlen schicken. Treffen Sie sich mit Dr. Blondage.“ Dr. Blondage war CEO des Unternehmens, das Stuhlstadt erworben hatte. Stuhlstadt rief Blondage an und erteilte entsprechende Anweisungen.

Wie das Leben so spielt, kannte Ritter Blondage. Er war Produktmanager in jener Firma, in der Ritter seine berufliche Laufbahn begann. Das lag mittlerweile über dreißig Jahre zurück. Sie verstanden sich auf Anhieb.
„Hören Sie, Ritter. Diese Tochtergesellschaft ist ein wesentliches Asset des Konzerns, wir haben mit Kahl einen guten Controller als Geschäftsführer drin. Was fehlt, ist ein Vertriebsmann wie Sie. Ich möchte, dass Sie gemeinsam mit Kahl die Gesellschaft wieder zu einem ertragsstarken Teil des Konzerns entwickeln. Mit Stuhlstadt ist abgesprochen, dass wir Sie ebenfalls zum Geschäftsführer ernennen. Sie schaffen das, ich habe ein gutes Gefühl“, sagte Blondage väterlich.

In den nächsten Tagen tauschten Sie die Papiere aus. Für Ritter war es wichtig, eine attraktive Erfolgskomponente zu verhandeln. Diese wurde ihm zugestanden.

Ritters Vorstellung fand in einem Saal oberhalb eines Lagers der ICS statt. ICS stand für Intelligent Communication Services. Er betrat das Gebäude und wurde von einem jung gebliebenen Senior begrüßt: „Sandro Wagner mein Name, herzlich willkommen, Herr Ritter. Darf ich Sie in den Raum führen? Ihr Bild kenne ich von Xing.“ Sie betraten den schon gut gefüllten Veranstaltungsort, als eine laute Stimme rief: „Herr Wagner, wollen Sie mich nicht vorstellen?“ Wagner machte kehrt und führte Ritter zu Kahl: „Herr Kahl, unser Geschäftsführer.“ – „Peter Ritter, schön, Sie kennen zu lernen, hab schon viel von Ihnen gehört“, stellte sich Ritter vor. Keine Antwort, nur ein merkwürdiges Grinsen. „Kommunikations-Embryo“, dachte sich Ritter und ging weiter in die Richtung, in der er Stuhlstadt und Blondage entdeckt hatte.

„Liebe Kolleginnen und Kollegen“, legte Dr. Stuhlstadt los, „Sie kennen mich als neuen Eigentümer des Konzerns noch nicht, daher ist es mir eine besondere Freude, heute hier zu sein. Wir wollen gemeinsam mit guten Erträgen wachsen und dazu soll auch die ICS einen deutlich spürbaren Beitrag leisten. Dr. Blondage und Herr Ritter werden Ihnen die Strategie hierzu erläutern.“
Blondage war ein guter Redner, wenn auch für das hier anwesende Publikum nur begrenzt nutzbar. „Die strategische Großwetterlage“, hob er an, „ist geprägt von einer ungeheuren Dynamik. Neue Megatrends wie die Digitalisierung oder die Globalisierung fordern alternative Herangehensweisen und eine Umorientierung. Herr Ritter, der sich Ihnen gleich vorstellen wird, soll die ICS gemeinsam mit Herrn Kahl und natürlich Ihnen in die Zukunft führen. Vielen Dank.“ Keiner hatte ein Wort von dem begriffen, was Blondage sagte und insbesondere, was das nun mit jedem Einzelnen zu tun hatte.

Ritter betrat das Rednerpult: „Sehr geehrter Herr Dr. Stuhlstadt, sehr geehrter Herr Dr. Blondage, lieber Herr Kollege Kahl, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ICS. Mein Name ist Peter Ritter, ich bin 45 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder und freue mich außerordentlich, Sie heute hier zu begrüßen. Die Aufgabe als Geschäftsführer der ICS habe ich sehr gerne angenommen und ich verspreche Ihnen, jeden auf die interessante und sicher erfolgreiche Reise, die vor uns liegt, mitzunehmen. Wir werden uns um neue Kunden und Geschäftsfelder kümmern, um die Ertragskraft des Unternehmens deutlich zu stärken, entsprechend der Erwartungshaltung des Gesellschafters, Herrn Dr. Stuhlstadt. Vielen Dank und auf gute Zusammenarbeit.“

Anschließend gab es Schnittchen und kleine Gesprächsrunden. „Maria Feuerstein mein Name, ich bin Vertriebsassistentin und soll Ihnen in der Zentrale Ihr Büro zeigen. Ich würde dann warten, bis Sie hier fertig sind.“ – „Wer hat Ihnen den Auftrag gegeben?“, fragte Ritter. „Herr Kahl hat mir das aufgetragen.“ Kahl war schon verschwunden. Ritter führte noch ein paar Gespräche, verabschiedete sich von Stuhlstadt sowie Blondage und folgte Maria Feuerstein.




Kapitel 2


Ritter verließ das Appartement gegen 6:30 Uhr und steuerte sein ca. 5 Kilometer entfernt gelegenes Ziel an. Er suchte sich einen Platz, von dem er den Eingang des Gebäudes gut überblicken konnte, ohne selbst von Gästen, die das Hotel verließen, erblickt zu werden. Er wartete etwa eine halbe Stunde, dann sah er, was er vermutet hatte: Kahl und Carmen Lacroix kamen gemeinsam durch die Türen.
Er fuhr ins Büro – beide waren vor ihm da.

Seit gut einer Woche versuchte er, sich einen Überblick zu verschaffen. Die Kundenstruktur war bedingt durch das spezielle Know-how der Firma -Aufbau von Weitverkehrs-Kommunikationsinfrastrukturen-überschaubar: Große Telekommunikationsunternehmen und Hersteller entsprechender Technik, die Servicepartner benötigten. Der Rahmenvertrag mit einem der größten Hersteller weltweit lief aus. Darüber hinaus war das Portfolio stark montagelastig – dominiert von Roll-outs und Inbetriebnahmen, es fehlten höherwertige Dienstleistungen sowie signifikante Umsätze aus sogenannten Managed Services, die über mehrere Jahre wiederkehrende Erträge sichern können.

Kahl stürmte ohne Vorwarnung in sein Büro: „Die Deckungsbeiträge aus den Projekten liegen unter 20 %. Wenn Ihr Vertrieb nicht langsam Gas gibt, können wir hier dichtmachen. Meine Assistentin kann Ihnen die Zahlen geben, wenn Sie sich für so etwas interessieren.“ Dann schwirrte er wieder hinaus.
Ritters Verhältnis zu Kahl war eisig. Sie hatten sich auf eine wöchentliche Managementbesprechung mit den funktionalen Führungskräften geeinigt. Die Technik lamentierte pro Projekt, wie schwierig es sei, mit den vom Vertrieb verhandelten Preisen einen vernünftigen Rohertrag zu erwirtschaften. Der Vertrieb konterte, dass marktüblich verkauft würde, sogar teilweise besser – und die Konkurrenz konnte mit den Preisen sehr gut leben.

Stutzig wurde Ritter, als Kahl den Controller, der ihm zugeordnet war, entließ und die Aufgaben seiner Assistentin übertrug. Er begründete diese Maßnahme mit einer Reduzierung des Overheads, da die Projektmargen keinen eigenen Controller zuließen. In der Konzernzentrale kam diese Maßnahme außerordentlich gut an.
Carmen Lacroix klopfte und fragte, ob er ein paar Minuten Zeit hätte. Sie war eine äußerst attraktive Erscheinung und erinnerte ihn an die junge Brigitte Bardot, aber mit Brille, was der ganzen Erscheinung einen Business-Touch verlieh. „Klar, kommen Sie rein.“ Sie setzte sich auf den Besucherstuhl neben seinem Schreibtisch, wobei sich ihr Rock bis zum Strumpfansatz hochschob.
„Ich habe hier die Reports des Projektcontrollings für den letzten Monat – darf ich Sie Ihnen erläutern?“




Kapitel 3


„We need about 10 % off“, Ritter und sein Vertriebsmanager Siegfried Bayer saßen dem Einkäufer der Chinesen gegenüber. James nannte er sich. Die Chinesen geben sich im Ausland verständliche Aliasnamen. James verantwortete ein Budget von mehreren Hundert Millionen Dollar an Einkaufsvolumen. „James“, sagte Ritter in fließendem Englisch, „lass uns die gesamte Wertschöpfungskette betrachten!“ – „Sure“, erwiderte James, „Total Cost of Ownership“. Ritter hatte das Schlachtfeld erweitert und freute sich auf die weiteren Verhandlungen, denn das war sein Metier.

Ritters Analysen hatten ergeben, dass die Chinesen zwar im Aufbaubereich, das hieß, im Bereich der Montage Services bei ICS einkauften – und dies mit immer größerem Preisdruck –, jedoch keine Managed-Services-Leistungen beauftragten, die für ICS deutlich bessere Margen abwarfen. Darüber hinaus war die Abwicklung der Roll-out-Projekte im Aufbau hinsichtlich der Systemunterstützung unterentwickelt: Dokumentationen wurden mühevoll am Wochenende durch den Techniker anhand seiner handschriftlichen Aufzeichnungen angefertigt; die verbaute Technik war nicht sauber bestandsgeführt; mehrfache Anfahrten waren erforderlich, da die Voraussetzungen für die Inbetriebnahmen durch die Technik des Vorlieferanten nicht gegeben waren und vieles mehr.
Bayer trug vor, was derzeit Komponenten des Rahmenvertrags waren, und Ritter ergänzte, wie dieser erweitert werden sollte, um beidseitig zukünftige Vorteile aus der Zusammenarbeit zu ziehen.
James und Ritter verstanden sich, es wurde jedoch relativ schnell klar, dass der internationale Einkauf eingeschaltet werden musste, da sowohl das Volumen als auch die Inhalte der von Ritter ins Spiel gebrachten Erweiterung seine Entscheidungskompetenz überschritten.
Ritter erhielt eine Einladung ins Hauptquartier zur internationalen Partnerkonferenz, die in zwei Monaten in Shenzhen stattfinden sollte. Hier gäbe es die Gelegenheit, mit dem internationalen Einkauf und den für Managed Services verantwortlichen Entscheidern direkt ins Gespräch zu kommen.
Inzwischen konnten auf lokaler Ebene die Vorbereitungen beginnen, was Bayer in die Hand nahm. Ritter schwebte vor, dass zusätzlich zum geplanten Aufbaugeschäft, in dem er Zugeständnisse machen wollte, das in anderen Ländern bereits sehr erfolgreich eingesetzte Service-Delivery-Programm für einen Zeitraum von zwölf Monaten exklusiv durch die ICS genutzt werden konnte. Darüber hinaus wollte er einen Managed-Services-Vertrag übernehmen, den die Chinesen selbst nur sehr unzureichend erfüllen konnten.




Kapitel 4


Carmen legte ihre rechte Hand auf seinen Schritt. Ihr Kopf lag auf ihrer linken Hand, der Ellenbogen direkt neben seinem Kopf und ihre vollen Brüste wogten in der Höhe seiner Schultern. Sie genoss die Macht über ihn. So dozierte sie: „Er hat es gekauft. Meine Berichte passen. Er ist zufrieden. Die Übernahme des Projektcontrollings durch mich war ein wichtiger Schritt. Die Chinesen werden ihm Preiszugeständnisse abverlangen, damit kicken wir ihn endgültig wieder raus. Lass mich nur machen.“ Karl nickte wohlwollend und versuchte, die Augen zu schließen. Das ließ sie nicht zu. Er musste noch einmal alles geben.

Am nächsten Morgen machten sie sich auf den Weg in ein ca. 50 Kilometer südlich gelegenes Industriegebiet und besuchten eine Vertragswerkstatt der ICS, die Autogarant, wo seit mehreren Jahren die Fahrzeuge der ICS insbesondere nach dem Ende der Leasinglaufzeit repariert wurden.
Alfonso Lomghi, der Chef der Autowerkstatt, kam. Er bekam immer eine leichte Erregung, sobald er Carmen Lacroix nur sah. Sie besuchte ihn gelegentlich, wenn Karl bei seiner Familie war. „Guten Morgen ihr beiden, was kann ich für euch tun?“, begrüßte er sie. „Alfonso“, begann Carmen, „wir planen einen Kurztrip an den Gardasee – hättest du nicht ein schnuckeliges Cabrio für uns?“ Lomghi, der nebenher eine kleine Autovermietung betrieb, schaute nach. „Ein BMW 420 Cabrio hätte ich da – ist das ok?“ – „Super“, bestätigte Kahl einmal mehr grinsend. „Lasse ich euch für zwei Wochen fertig machen, könnt ihr gleich mitnehmen“, bestätigte Lomghi. „Diese Woche sollen zehn Fahrzeuge von euch reinkommen, passt das“, fragte er. „Passt“, bestätigte Kahl knapp.
Das Cabrio wurde vorgefahren, Carmen übernahm es. Sie verabschiedeten sich von Lomghi und düsten los.
Er schaute sich noch einmal den Report der aktuellen Ergebnisse mit der ICS an. Das bisherige Geschäftsjahr hatte ihm mehrere Hunderttausend Euro an Umsatz und über fünfzigtausend an persönlichem Zusatzverdienst gebracht. Es lief gut mit der ICS.
...
5 Sterne
Bitte korrigiere !!!! Peter Ritter - 22.03.2025
PatC

Irgendwie ist der text meiner Bewertung fehlerhaft übermittelt worden .Bitte korrigieren. Besten Dank.Eine tolle Entdeckung. Ein interressantes, informatives und lustiges Buch, das mich stets zum weiterlesen einlud.. Kann ich nur und werde ich, jedem weiter empfehlen.

5 Sterne
Unterhaltsame crimi.  - 20.03.2025
PatC

Eine tolle Entdeckung. Ein interessantes, informatives und lustiges Buch, das mich stetig zum weiterlesen einlud.. Also: eine tolle Entdeckung. Ein interessantes, informatives und lustiges Buch, das mich stetig zum weiterlesen einlud.Kann ich nur, und werde ich, jedem weiter empfehlen.

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