Cover: Die Toten von Delchin – Anka

Die Toten von Delchin – Anka


EUR 19,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 258
ISBN: 978-3-7116-0000-4
Erscheinungsdatum: 01.08.2024
Ein mit einer Armbrust erschossener Jugendlicher stellt die Kommissare Wilderer und Henke vor ein Rätsel, in dessen Mittelpunkt die hübsche Anka steht. Ist Eifersucht im Spiel? Weitere grausam hingerichtete Opfer und immer mehr Verdächtige tauchen auf …
Anka hatte sich extra für ihn schick gemacht und das dünne, geblümte Kleidchen mit dem weißen Gürtel ausgesucht. Sie fand, dass sie darin sexy und erwachsener wirkte. Die nackten Füße steckten in leichten Sandalen. Sogar die Fußnägel hatte sie sich mit einem knallroten Nagellack bemalt … Eigentlich nicht ihr Ding, aber sie wollte ihm gefallen. Braungebrannt lächelte sie noch einmal in den Spiegel, hängte sich die bunte Tasche, die ihr die Oma zum siebzehnten Geburtstag geschenkt hatte, um und hastete die Treppen hinunter zum Keller, um das Fahrrad heraufzuholen. Es war ein schwarzes Rad, das nur drei Gänge besaß und sogar noch eine Rücktrittbremse. Sie besaß auch ein E-Bike, aber damit fuhr sie nur selten, zum Beispiel, wenn sie nach Malkow zur Berufsschule musste. Gute zwanzig Kilometer waren es bis dorthin. Es machte ihr nichts aus sich abzustrampeln, aber der Weg zur Schule war sehr hügelig und sie hasste es, wenn sie durchgeschwitzt den Schultag begann.
Mit dem Elektrofahrrad war das kein Problem, der starke Akku half ihr zuverlässig, die Steigungen zu meistern.
Aber an diesem Tag dachte sie nicht an ihre Malerlehre, die sie vor einem Jahr gegen den Willen ihrer Mutter begonnen hatte. Sie dachte an Bobby. Bobby, der Sohn vom Bürgermeister. Er war dreiundzwanzig Jahre alt.

Die Sonne war kaum hinter einem Schleier von Wolken zu sehen, aber es war drückend heiß und Schweißperlen standen auf ihrer Oberlippe. Ihr Ziel war der Waldsee am Stadtrand. Der Junge, mit dem sie verabredet war, wollte mit ihr auf das Wasser. Er hatte sich heimlich vom Vater das alte Gummiboot genommen, mit dem die Eltern schon in den Achtzigerjahren auf dem Balatonrumgegondelt waren. Kurz bevor sie mit ihrem Rad am Treffpunkt angekommen war, sah sie am Straßenrand einen alten Mann, der Erdbeeren und Kirschen vor seiner Gartentüre verkaufte. Rasch hielt sie an, stieg ab und schaute sich die kleinen Körbchen mit den roten Früchten an. „Sind die schön süß?“, fragte sie den Mann. Lächelnd hielt er ihr einen Korb hin und sagte: „Na Frollein, probier’n Se doch mal.“ Sie nahm sich eine besonders schöne, glänzende Erdbeere, biss das grüne Ende ab, spuckte es hinter sich und steckte die Frucht in den Mund. „Hm“, machte sie und verdrehte die Augen, „au ja, bitte ein Körbchen.“
„Macht zwee fuffzich, Frollein.“ Sie gab ihm drei Euro und einen Luftkuss. Dann schwang sie sich wieder fröhlich auf’s Rad. Beim Losfahren drehte sie sich noch einmal um, winkte, rief ein süßes „Tschüssi, Opa!“ und radelte zufrieden weiter. Der alte Mann winkte ihr nach, bis sie an der nächsten Ecke zum Waldsee abbog.
Der Junge lehnte an seinem Moped und schnippte, als er sie kommen sah, die angerauchte Zigarette weg. Sie mochte es nicht, dass er rauchte, aber sie war so verliebt, dass sie großzügig darüber hinwegsah. Es gab ja Kaugummis für den Geschmack.
„Hi Bobby“, flötete sie ihm entgegen und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Er hatte den Sturzhelm abgenommen und seine Haare sahen nun aus wie die von Beethoven.
„Hey, Süße!“, erwiderte er lässig. „Das Boot ist schon im Wasser. Ich musste ganz schön pumpen, ehe das Ding voll war … und das bei der Hitze.“
„Mein Held“, lachte sie ihm entgegen und sie gaben sich kumpelhaft ein „High Five“, auch wenn sie ihn lieber umarmt hätte. „Ich habe Erdbeeren dabei“, sagte sie und hob das Körbchen in die Höhe. „Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Hast du auch Badeklamotten dabei?“”
„Hab ich drunter.“
„Na dann, rein in die Titanic.“
Sie schloss noch schnell ihr Fahrrad an, nahm die Erdbeeren und lief zum Ufer. Dort zog sie ihre Sandalen aus und ging auf den kleinen, alten Steg, an dem das Gummiboot mit einem Stück Wäscheleine befestigt war. Bobby, der eigentlich Robert hieß, saß bereits im Boot und hielt ihr seine Hand entgegen. „Pass auf, ist etwas wackelig!“, mahnte er fürsorglich. Sie stieg ins Heck, legte die Sandalen und Erdbeeren neben sich, setzte sich ihre große Sonnenbrille auf und legte den Kopf in den Nacken. „Sie können ablegen, Herr Kapitän!“ Er lachte, knüpfte die Leine ab und stieß sich mit einem Paddel vom Steg ab. Mit ruhigen, fast bedächtigen Bewegungen ruderte er das Boot durch einen kleinen Seerosenteppich in die Mitte des Sees. Sie tauchte ihre Hand in das Wasser und ließ es durch ihre Finger gleiten. Es war ganz lauwarm und fühlte sich sehr weich an.
„Boooaaahhh, ist das eine Affenhitze …“ Bobby wischte sich mit dem Handrücken über die schweißnasse Stirn. „Ist gar keine Sonne da und trotzdem …“
„Ich glaube, es gibt ein Gewitter“, sagte sie und schaute ängstlich in den Himmel, an dem sich immer mehr dicke Wolken auftürmten. „Ich glaube, dass es da hinten auch schon geblitzt hat.“
„Angsthase!“, spottete er. „Das Wetter hält sich.“ „Hm“, antwortete sie und schien wenig überzeugt.
„Bekommt der Skipper ’ne Erdbeere?“ Bobby nahm ihre Sorgen nicht ernst.
Nachdenklich reichte sie ihm eine Frucht. Er öffnete den Mund, grinste breit und sah nun aus wie ein großes Vogeljunges, das gefüttert werden wollte. Lächelnd schob sie ihm die Beere in den Mund und wollte sich dann selbst eine nehmen. Sie fiel herunter und mit großen Augen stellte sie fest, dass der Boden des Gummibootes einen Fingerbreit unter Wasser stand. „Bobby!“, rief sie erschrocken, „wir sinken!“
„Blödes Dings!“, schimpfte er. Augenscheinlich hatte die „Titanic“ Löcher im Laufe der Jahre bekommen und der „Held“ hatte es nicht nochmal vorher geprüft.
Große, schwere Tropfen klatschten auf die Gummihaut des Bootes.
„Wir müssen schnell zurück. Tut mir leid, Schatz.“
Er sagte „Schatz“, als wären sie schon ein festes Paar. In diesem Moment war ihr alles egal, die Erdbeeren, das kaputte Boot, das Gewitter … Sie sah nur ihn.
„Mach dich darauf gefasst, zum Steg zu schwimmen.“
„Kein Ding“, erwiderte sie großzügig … aber das Boot?”
„Ist egal. Ist ja eh kaputt. Schaffst du’s?“
Als Antwort stand sie auf und hüpfte mit ihren Sachen ins Wasser und schwamm zügig in Richtung Steg.
Er sprang hinterher, die Wäscheleine in der Hand, und schwamm nun auch, das vollgelaufene Gummiboot im Schlepptau, zum Ufer.
Währenddessen fiel ein starker Regen und schob sich wie ein Vorhang vor das andere Ufer. Ein Windstoß fegte einiges an Temperatur aus der Luft.
Fröstelnd mit einer Gänsehaut stiegen sie aus dem Wasser. Das dünne Kleidchen klebte an ihrer Haut.
„Du bist so schön, Anka“, sagte er heiser und blickte ernst unter seinen nassen Haaren hervor.
So schnell wie der Regenguss kam, so schnell war er vorüber. Erste Sonnenstrahlen brachen durch das Geäst wie goldene Lanzen und bohrten sich in den Waldboden am Seeufer. Es wurde wärmer, die ersten mutigen Vögel zwitscherten bereits.
Sie lehnte an seinem Moped und dachte bei sich, wie schön es war, dass dieser Ausflug ins Wasser gefallen war. Er stand an einer Kiefer und sah sie an, wie er sie noch nie angesehen hatte. Anka nahm all ihren Mut zusammen, ging zu ihm, legte ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn, sie küssten sich lange … Er schmeckte noch immer nach Erdbeeren. Und er schmeckte auch ein wenig nach Zigaretten. Egal.
Sie spürte, wie sich seine Finger unter ihr nasses Kleid schoben und über ihren von Gänsehaut überzogenen Rücken strichen. Ein leichtes Stöhnen, dass sie nicht unterdrücken konnte, entfuhr ihrem Mund. Ihre Lippen lösten sich voneinander, er küsste ihren schlanken Hals und die Gänsehaut breitete sich bei ihr bis zur Kopfhaut aus. Sie konnte nichts dagegen tun, sie zitterte vor Erregung. Seine Finger öffneten geschickt die kleine Schließe ihres Bikinis, dann glitt seine kühle Hand unter den Saum und streichelte vorsichtig ihre kleinen festen Brüste, glitten über die inzwischen harten Brustwarzen, während er Anka zart in den Hals biss. Sie konnte nichts tun, als sich seinen Zärtlichkeiten hinzugeben. Würde es jetzt und hier passieren, das, von dem ihre Freundin Tanja behauptet hatte, es schon x Male getan zu haben? Tanja war ein Jahr älter und in einem Heim in Berlin-Pankow aufgewachsen. Zwischen vielen Mädchen und Jungen, die von dem gemäßigten Weg, den sich liebevolle Eltern für ihre Zöglinge vornehmen, nichts wussten und schon frühzeitig alles ausprobierten, ohne die Konsequenzen fürchten zu müssen. Tanja hatte mit vierzehn Jahren bereits ihre erste Abtreibung hinter sich. Der Junge, ein achtzehnjähriger Tscheche, hatte sie auf einer Ferienreise nach Prag in seinem VW abends von der Jugendherberge, vor der sie stand und heimlich rauchte, einfach mitgenommen und war mit ihr zu einer Disco gefahren. Auf dem Rückweg hatte er Tanja in seinem Auto vernascht. Niemand hatte ihren Ausflug bemerkt, bis die Periode bei ihr ausblieb und sie in Berlin Farbe bekennen und zum Schwangerschaftsabbruch in ein Krankenhaus musste. Tanja nahm es leicht, sie war sexuell auf den Geschmack gekommen. Aber sie verhütete nun.
Daran musste Anka denken, während sich Bobbys Hand hinten in ihr Bikinihöschen schob und ihren kalten, festen Po streichelte. Würde er Kondome bei sich haben? Würde es wehtun?
Tanja hatte gemeint: „Wenn Du richtig geil und nass bist, dann tut nix weh. Ein kurzes Zwicken, wenn er dein Häutchen durchstößt, danach ist es einfach nur noch schön.“
Sie schob nun auch ihre schmale Hand zwischen seine Beine und spürte die harte Stelle durch den feuchten Jeansstoff. Sie war aufgeregt wie noch niemals zuvor in ihrem Leben. Ihre Lippen trafen sich wieder. Bobby zuckte kurz … Er würde doch wohl nicht schon gekommen sein? Aber nein, er war erstaunlich ruhig, von Aufregung keine Spur. Irgendwie schmeckte er nicht mehr nach Erdbeeren, ein leicht unangenehmer Geschmack wie nach ungewürztem Zwiebelmett. Vielleicht war ihre Wahrnehmung auch durch ihre Erregung getrübt.
Warum streichelte er sie jetzt nicht weiter … weiter bis zu der Stelle, die heiß, nass und glühend auf diese Berührung wartete? Sie öffnete halb ihr rechtes Auge und spähte durch ihre langen Wimpern.
Sie sah seine wunderschönen Augen, die sie groß anblickten. Machte Bobby beim Küssen etwa die Augen nicht zu? So etwas sollte es ja geben, aber sie mochte es nicht, sich beim Küssen beobachtet zu fühlen.
Sie lehnte sich leicht zurück und wollte ihn spöttisch dafür tadeln. Bobbys Augen sahen sie unverwandt an, der Mund zu einem tonlosen Schrei geöffnet und unnatürlich rot verschmiert. Erdbeeren? Sie bog den Kopf zurück und spürte, wie seine Hände kraftlos am Saum ihres Höschens hingen.
„Bobby?“, sagte sie ungläubig. „Hör auf, auf sowas hab ich keinen Bock! Damit scherzt man nicht!“
Sie sah ihn an und wusste, dass an diesem Bild etwas nicht stimmte. Leicht taumelnd ging sie ein paar Schritte zurück, Bobbys Hände rutschten unter ihrem Kleid hervor und baumelten nun nutzlos an seinen Schultern herab. Etwas in ihrem Kopf weigerte sich, das zu verstehen, was so offensichtlich war.
Seine Augen waren unnatürlich weit aufgerissen, der rotverschmierte Mund stand halb offen. Seine noch vom Regen und Seewasser nassen Haare hingen ihm wirr in die Stirn. Und irgendetwas hinderte ihn daran, den Kopf zu senken oder gar umzufallen. Etwas ragte gut fünf Zentimeter aus seinem Hals, direkt aus seinem Adamsapfel und ließ einen dünnen Blutfaden bis auf sein feuchtes T-Shirt laufen, wo es sich dann rasch im Stoff verteilte.
Anka riss ihre Hände vor den Mund und wollte schreien, doch sie erbrach sich unkontrolliert, ein Mix aus Erdbeeren, Toast und Pfefferminztee vom Frühstück. Ihr wurde schwindelig. Dass sie in ihr Erbrochenes auf den Waldboden fiel, merkte Anka aber schon gar nicht mehr.


***


„Gibt’s auch wieder mal was Handfestes?“ Otto Wilderer stocherte lustlos in seinem Schopska-Salat, pikte sich einen kleinen Würfel Schafskäse auf die Gabel und schob sie langsam, fast widerwillig in den Mund.
Er zerdrückte das Stückchen zwischen Gaumen und Zunge und schluckte, ohne es zu kauen. Oberkommissar Wilderer legte nie viel Wert auf das Zerkauen und Zermahlen von irgendwelcher Nahrung. Er biss meist ab, zwei-, dreimal zwischen die Zähne geschoben und hinuntergeschluckt. Er mochte nicht den mit Spucke vermischten Nahrungsbrei.
„Mei … DU wolltst doch mit Gewoit abnehmen und obends nach 18 Uhr nix mehr essen, und dann sowieso koa Kohlenhydrate mehr.“
Wilderer sah von seiner Schüssel auf und betrachtete seine Frau Cornelia, die sich an der Küchenarbeitsplatte zwei Schmalzstullen schmierte. Sie hatte irgendwelche Diäten nicht nötig. Cornelia Wilderer war in ihren Zwanzigern eine recht erfolgreiche Biathletin gewesen. Sie kam aus Bad Reichenhall und bekam mit sechzehn Jahren ein Stipendium für Nachwuchstalente und ging sogar auf die Eliteschule für Sport in Schönau bei Berchtesgaden. Der Teilnahme an den olympischen Winterspielen machte ein Unfall einen Strich durch die Rechnung.
Und ausgerechnet Otto Wilderer, Cornelias damaliger Urlaubsflirt und jetziger Ehemann, war schuld an diesem Desaster. Bei einem Langlaufurlaub im Tiroler Mutters verließ Wilderer seine Loipe, kreuzte Cornelias Bahn und sorgte für einen mehrfachen Bänderriss. Aus anfänglich ohnmächtiger Wut und Abneigung wurde Zuneigung, und Otto Wilderers ehrliche Zerknirschtheit und seine beharrlichen Versuche, ihr ständig etwas Gutes tun zu wollen, ließen die Eisschicht auftauen. Aber ob sie ihm wirklich hundertprozentig verziehen hatte, blieb Wilderer bis heute verborgen.
Achtzehn Jahre waren seitdem vergangen und noch immer tat ihr mitunter der linke Fuß weh. Selbst bei ihrer Hochzeit brauchte Nelli, wie nur er sie nannte, zwei verschieden große Schuhe. Der Linke schwoll von Zeit zu Zeit an. Das schlechte Gewissen wollte und wollte nicht weichen, auch wenn sie ihm immer versicherte, dass doch alles okay sei. Seit einigen Jahren arbeitete sie nun als Fitness- und Zumbatrainerin.
„Machste mir auch ’ne Fettbemme?“
„Schatzl“, sie seufzte, „du host am Sonntag dein’ Bonustog. Hoit doch durch, Mensch! Du woast a schon wieder drei Tog nicht beim Spoat.“
„Hm“, grunzte er und schob den restlichen Salat von sich. „Ist ja gut, hast ja recht. Ich fahr am besten gleich. Und ja, ich nehme das Fahrrad.“
„Heit ist dein freier Tog. Mir wollten doch an den See.“
„Machen wir auch noch. Ich fahre jetzt ein Stündchen ins Fitnesscenter und dann können wir gleich los.“
„Ja, klar“, meinte sie, „du kimmst völlig platt hoam und haust di dann auf die Couch, und i kann dann wieder alloan loszieh’n.“
Es klingelte an der Haustür und Nelli Wilderer ging kopfschüttelnd, mit dem Schmalzmesser in der Hand, durch den Flur und öffnete.
„Hallo Cornelli.“ Vor der Haustür stand ein junger Mann in einem hellen, leicht zerknitterten Sommeranzug und sandfarbenen Leinenslippern ohne Socken.
Unrasiert, Vokuhila und Sonnenbrille. Es sah aus, als hätte Miami Vice einen Komparsen an die Realität verloren. „Ist dein Göttergatte daheim? Der Dienst ruft, wir haben einen Leichenfund.“
„Kimm eini, er is grod mit der Jausn fertig. Otto muss sich nur schnell umziehen. Mogst was trinken?“
„Nee nee, lass ma … Der Wagen läuft. Wir müssen gleich los.“
Nelli Wilderer, die nur Stephan Henke erlaubte, sie Cornellizu nennen, atmete geräuschvoll durch die Nase aus und zog eine ärgerliche Schnute. „Wieda nix mit oam gemeinsamen Abend … Otto!“, rief sie durch den Flur, „Einsatz!“
Wilderer schaute kauend um die Ecke, einen angebissenen Schmalzkanten in der Hand und rief mit vollem Mund: „Minütchen!“
„Ich warte im Wagen. Tut mir leid, Cornelli, Dienst ist Dienst.“ Mit einem entschuldigenden Achselzucken drehte sich Stephan Henke um und ging den kurzen Gartenweg zur offenen Pforte des Jägerzauns, der das Waldgrundstück völlig umgab, kickte einen Kienapfel beiseite und setzte sich in seinen roten 3er BMW. Baujahr 1983! Durch das geöffnete Fahrerfenster drang die Musik von Depeche Mode. Behind the wheel. Seine Lieblingsscheibe.
„Wuitst dir nicht wenigstens noch oane andere Hose oaziagn? Du konnst doch nicht in Jogginghosen zu oam Tatort fahren.“
„Wenn Stephan mich unterwegs eingesammelt hätte, sähe ich genauso aus. Nur noch durchschwitzter.“
Er gab ihr im Vorbeigehen einen leicht fettigen Kuss.
„Du wirst deinen Speckgürtel nie los.“
„Ab nächste Woche geht’s los, wirst du sehen.“ Er grinste, als er sich noch einmal umdrehte und ihr einen Luftkuss zuwarf.
Cornelia Wilderer schloss die Tür, seufzte und verschwand in der Küche, um ihr karges Mittagessen allein einzunehmen. Dann halt ein Sektchen dazu und ein bisschen Rosamunde Pilcher. Wie so oft.

„Was liegt denn an?“, fragte Wilderer und schob sich den Rest des Schmalzkantens in den Mund.
„Was ganz Perfides. Wie es aussieht, ist ein junger Mann erschossen worden … mit einem Pfeil oder so.“
„Ist Winnetou etwa auf dem Kriegspfad? Seit wann gibt’s denn Indianer bei uns? Die Spusi schon vor Ort?“
„Ja, klar. Alles wartet nur noch auf uns.“
Henke schaute zu Otto Wilderer. „Du stinkst nach Bratenfett. Mach mal das Fenster auf. Wolltest du nicht ’ne Diät machen?“
„Fang du nicht auch noch an. Sieh zu, dass wir zum Fundort kommen.“
Knappe zehn Minuten später waren sie da. Sie stiegen aus und gingen über den mit Tannennadeln und Laubblättern bedeckten Boden in Richtung See, der durch die Baumstämme friedlich golden in der Nachmittagssonne schimmerte. Tauben gurrten ahnungslos.
Etwa ein Dutzend Menschen liefen zwischen Buchen und Tannen, teils in weißen Overalls, teils in blauen Uniformen, umher.
„Hallo Färber!“, sagte Wilderer „setzen Sie mich doch bitte ins Bild.“
5 Sterne
Anka - 07.11.2025
Manfred Beer

Wir waren zu einer Buchlesung des Autors im Kaufmuseum Weißensee. Die Art und Weise der Präsentation, ein besonderer Genuss und hat Lust auf das Lesen gemacht.Meine Erwartungen wurden übertroffen. Spannende Story bis zum Schluß, Fesselnder Erzählstil!Ich hoffe, dass die zwei angekündigten Bücher der Reihe „ Die Toten non Delchin“ genauso spannend sind.

5 Sterne
Die Toten von Delchin Anka - 21.08.2025
Heike Kopplin

Sehr spannende Story vom Anfang bis zum Ende. Ich freue mich schon auf Teil 2 und 3

5 Sterne
Spannung pur - 23.02.2025
Sammy L.

Eigentlich lese ich meist nur Fitzek, Harry Potter und Thomas Harris und so. Aber ein Freund hat mir ANKA empfohlen und ich hatte eher aus Zufall entdeckt. Ich war so überrascht, wie krass gut dieses Buch ist. Man ist gleich drin in der Story und will unbedingt wissen, wie es weiter geht und wie es mit dem Ermittler Team weiter geht. Ich hab auch ein paar Mal gut gelacht, wo man sich zwischendurch erholen kann. Krasser Mix und bitte mehr davon. Danke!

5 Sterne
Sehr spannend und mitreißen  - 18.01.2025
Wolfgang und Angelika Schufft

Das Buch ist sehr spannend und sehr gut geschrieben. Wir freuen uns auf ein weiteres Buch

4 Sterne
ANKA - 03.01.2025
Frank Seewald

In diesem Psychothriller fühlt man die Geschichte, alle Personen und beschriebenen Orte realistisch nach. Der Autor schafft es mit seinem Schreibstil eine spannende eine Atmosphäre zu schaffen. Die Handlung ist authentisch. Die Charaktere sind glaubwürdig, ihre Emotionen und Konflikte nachvollziehbar. Das Buch hat mir Lesevergnügen bereitet, ich kann es durchaus weiterempfehlen.

5 Sterne
josefine.nulle@googlemail.com - 15.12.2024
josefine.nulle@googlemail.com

Anka ist ein bis zum Schluss spannungsgeladener Psychothriller, mit einer linearen, nachvollziehbaren Handlung. Die Protagonisten sind sehr autentisch beschrieben. Und der Schluss überraschte voll u ganz.Frank Liebe-Franky, ein Autor mit Nervenkitzel.Prädikat "unbedingt lesen!"

5 Sterne
lesenswert - 19.11.2024
Angela

Frank Liebe hat mit seinem ersten Buch seinen spannenden Erzählstil, der absolut fesselnd ist, bewiesen. Was mich insgesamt beeindruckt hat, waren die authentischen und sympathischen Protagonisten. Er kann die Spannung gut aufbauen und schafft es auch ein Geheimnis erst am Ende zu lüften. Hat man erst einmal mit dem Buch begonnen, lässt man es kaum mehr aus der Hand. Bin schon sehr auf das zweite Buch gespannt....

5 Sterne
Krasses Autoren Debüt- mit Pageturner  - 10.11.2024
Melanie H.

Eine spannende Polizeiermittlung, um schreckliche Serien-Morde aufzuklären. Das Erstlingswerk von Autor Frank Liebe ist sehr bildlich geschrieben und definitiv nichts für schwache Nerven... es bleibt bis zur letzten Seite spannend und finster.Ich bin schon auf das nächste Buch gespannt, das 2025 erscheinen soll.

5 Sterne
Anka  - 25.10.2024
Thorsten Steinke

Tip Top 👍🏻

5 Sterne
Die Toten von Delchin Anka - 18.10.2024
Mandy Otto

Sehr schöne Verfassung von ein wunderbaren Künstler.Liesst sich vertastisch u.spannend.Ist sehr empfehlendswert.

5 Sterne
Spannend, brutaler Psychothriller - 16.10.2024
Nadine N.

Ein spannender und fesselnder Psychothriller. Ein Buch das man nicht so schnell aus der Hand legen kann, welches bis zur letzten Seite Überraschungen bereit hält. Die bizarren Szenen sind gut und detailgetreu beschrieben mit interessanten Charakteren die einem beim lesen ans Herz wachsen. Neben Brutalität und Grausamkeit fehlt es nicht an Emotionalen Momenten. Ein gelungenes Werk, dass Lust auf einen zweiten Teil macht.

5 Sterne
ANKA Die Toten von Delchin - 28.08.2024
Margrit Loran

Die ersten Seiten des Buches haben mich sehr neugierig gemacht. Das Buch hat mich nach und nach gefesselt......weiterzulesen. Das Finale war für mich dann so spannend, daß ich unbedingt zu Ende lesen mußte. Der Verdacht aud den Täter blieb für mich spannend bis zum Schluß.Gerne wieder ein Buch von Frank Liebe.

5 Sterne
Ein unerwartetes Wow - 05.08.2024
Inge Schönborn

Das habe ich nicht erwartet. Eine geile Story, die wie ein Film vor meinem geistigen Auge abläuft. Hut ab. Wer ist dieser Autor, dass ich noch nichts von ihm vorher gehört habe.

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