Cover: Clara

Clara


EUR 21,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 284
ISBN: 978-3-7116-0374-6
Erscheinungsdatum: 13.01.2025
Es läuft alles gut für Luise: das Leben mit dem Vater, das Studium. Nur die Trauer um die verstorbene Mutter lässt sie nicht los. Eine schicksalhafte Begegnung mit einer inspirierenden Frau – Clara – ändert schlagartig alles. Luises Weltbild gerät ins Wanken.
Kapitel 1


Der Schattenmann

Die Luft erstickte in dichten Nebelschwaden. Man konnte die eigene Hand vor Augen kaum sehen. Obwohl es nicht kalt war, kuschelte Luise ihren Hals so weit es ging in den Kragen ihrer Jacke und schob die Hände tief in die Taschen. Der Rauch ihres Atems schwebte über ihren Kopf hinweg, als sie das Auto zuschloss und sich in Bewegung setzte. Sie kaufte ein paar gelbe Tulpen bei der Friedhofsgärtnerei und bezahlte, ohne ein Wort zu sprechen. Dann schlenderte sie den Kieselweg entlang, die Blumen behutsam gegen die Brust gedrückt. Es war noch nicht spät, doch die dichte Wolkendecke versperrte der schüchternen Sonne den Weg. Es war fast schon dunkel. Den ganzen Tag über war es nicht richtig hell geworden. Aber Luise kümmerte das trübe Wetter nicht. Nichts kümmerte sie. Für sie war es nämlich ein Tag der Trauer und der Sehnsucht, des Schmerzes und der Einsamkeit. Sie war auf dem Weg zum Grab ihrer Mutter, die an diesem Tag vor 47 Jahren geboren worden war. Starr und leer schielte sie auf den Boden, den sie mit jedem Schritt ein Stückchen weiter hinter sich ließ. So wie sie durch den Nebel Kieselstein um Kieselstein passierte, sah es aus, als bildete sie eine Trauergemeinde, sie ganz allein. Wollte sie in Worte fassen, wie sie sich in diesem Augenblick fühlte, als sie das Piepsen einer flüchtenden Amsel für einen kurzen Moment ablenkte, hätte sie es nicht ausdrücken können. Jemand kam ihr entgegen. Die Person summte eine Melodie vor sich hin, eine melancholische und zugleich dramatische Melodie. Es musste eine Frau sein. Die Töne imponierten ihr. Sie brachten sie aus dem Gleichgewicht. Sie klangen glasklar. Sie schwangen sich um sie wie ein unsichtbares Band, das sie dazu zwang, sich klein zu machen. Unwillkürlich duckte sie sich und zog die Schultern hoch. Sie schaute auf. In diesem Moment verstummte das Lied und niemand war da. Merkwürdig. Hörte sie jetzt schon Gespenster singen? Sie schüttelte sich und drängte den Gedanken von sich.
Sie spürte nichts. Nichts außer Unverständnis und der tiefen Sehnsucht einer Tochter nach ihrer allerliebsten Mutter. Während sie langsam zum Grab ging, wünschte sie sich wieder nichts sehnlicher, als sie wenigstens kennengelernt zu haben. Es heißt, ein Kind vergesse niemals die Stimme der Mutter, aber für sie war es so, als hätte sie nie zu ihr gesprochen. Sie kannte einfach nichts von ihr. Während sich andere Mädchen die Bluse oder das Parfum der Mutter ausleihen konnten, hatte sie keinen Duft in der Nase, den sie mit ihr in Verbindung brachte, kein Kleidungsstück vor Augen, um das sie sie beneidete. Sie hatte nichts. Nichts, wovon sie zehren konnte, keine glückliche Erinnerung, die sie nur mit ihr teilte, kein Geheimnis, von dem nur sie wusste, noch nicht einmal eine Angewohnheit, die sie von ihr geerbt hatte, geschweige denn einen blassen Schimmer davon, wie es sein musste, glücklich in ihren Armen oder trauernd an ihrer Schulter zu liegen. Nichts, was sie an sie erinnerte, wenn sie nicht gerade von ihren Freunden damit konfrontiert wurde, die das Wort „Mama“ nur in den Mund nehmen mussten, um ihr die Laune zu vermiesen. Nichts hatte sie ihr hinterlassen, nicht einmal ein Schmuckstück, einen Ring etwa oder eine Halskette, keinen Besitz, an dem sie vielleicht gehangen hatte, ein Kuscheltier etwa, das sie ihr geschenkt hatte, als sie noch ein Baby war. Nichts. Alle Spuren waren verwischt. Einzig und allein ein paar unscharfe Fotos waren geblieben, auf denen sie kaum zu erkennen war. Aber sie stellte sie sich vor, jede Nacht und auch am Tag, wenn ihr Blick manchmal träumerisch im Hörsaal umherschweifte und sie sich vorstellte, sie würde draußen auf sie warten. Dann sah sie eine liebreizende Frau, wunderschön wie eine Königin, groß gewachsen, elegant und gertenschlank, mit der Haarpracht einer Opernsängerin und rot geschminkten Lippen. Dieses Bild gaben die Fotos nicht her. Es existierte nur in ihrer Phantasie. Und wieder einmal lächelte sie bei dem Gedanken daran, dass sie jetzt in diesem Augenblick an ihrem eigenen Grab auftauchte, um endlich den Irrtum aufzuklären, dass sie tot war. Mit ihrem Fortgehen war ein Puzzleteil aus Luises Welt herausgebrochen, das seit jeher verschwunden blieb.
Doch dann hielt sie plötzlich inne. Sie verbarg ihren Atem aus Furcht, entdeckt zu werden. Der Umriss einer finsteren Gestalt hatte sie aus ihren Träumen gerissen. Hastig versteckte sie sich hinter einem mit Moos bedeckten feuchten Baumstamm und lugte vorsichtig hervor, doch sie konnte das Gesicht des Mannes nicht sehen. Sie war aufgeregt. Wer war das? Sie hatte noch nie jemanden an diesem Ort verweilen gesehen. War es ein Fremder, der auf dem Friedhof spazieren ging und das Grab nur ganz hübsch fand? Hatte er etwas mitgebracht? Blumen? Die Sicht war zu stark eingeschränkt, als dass sie abgesehen von dem vollständig vermummten Hinterteil der Kapuzengestalt irgendetwas erkennen konnte. Auf einmal sah er sich um. Luise zuckte ihren Kopf wieder hinter den sicheren Baum. Es begann zu nieseln. Die Elstern in den Kronen befanden sich in hellem Aufruhr. Als sie wieder einen Blick wagte, war da niemand mehr. Hastig schaute sie umher. Es war niemand da. Sie war ganz allein mit ihr. Verunsichert legte sie die gelben Blumen auf den grauen Grabstein. Von den herabgefallenen Magnolienblättern halb verdeckt flackerten die Buchstaben ihres Vornamens im sanften Feuer der Friedhofskerze: Marie. Sie wusste, dass ihr Vater nur ein großes Gesteck zu ihrem Geburtstag bestellt hatte. Aber da lag noch etwas: ein Kranz, den der Schattenmann mitgebracht haben musste. Aber woher kannte er sie? Als sie langsam wieder aufstand und die Tulpen behutsam durch die Finger gleiten ließ, flüsterte sie: „Happy Birthday, Mama.“
Sie hielt sich noch ein paar Minuten dort auf, es gelang ihr jedoch nicht mehr, sich mit ihr davon zu träumen. Die Begegnung hatte sie völlig aus der Bahn geworfen, sodass sie viel mehr den Drang verspürte, dem Vater unverzüglich davon zu berichten. Ob er den Mann wohl kannte? Sie vermochte es sich nicht vorzustellen, dass er einen Verwandten vor ihr verheimlichen würde. Auf der gesamten Strecke zurück zum Auto schaute sie sich immer wieder um, ob sie ihn noch einmal entdeckte, doch der Mann blieb verschwunden. Überhaupt begegnete sie keiner Menschenseele. Vollkommen durcheinander platzierte sie sich in ihren roten Flitzer und preschte über die Schnellstraße durch den Tunnel, gerade noch rechtzeitig, bevor dieser wegen eines Feueralarms gesperrt wurde. Eine dichte schwarze Rauchwolke jagte ihr die Panik durch die Glieder.
Doch im Hausflur angekommen war der lebensgefährliche Zwischenfall schon nicht mehr von Bedeutung. Noch in die durchnässte Jacke gehüllt und mit nassen Schuhen kam sie umgehend auf den Punkt.
„Hallo Papa, ich habe einen Mann gesehen … auf dem Friedhof … bei Mama“, stotterte sie. Der Rauch hatte ihre Kehle strapaziert.
Luises Vater stellte das Falten von Pullovern auf dem Küchentisch abrupt ein.
„Papa, wer war das, den ich da gesehen habe?“, drängelte sie, als er keine Anstalten machte, irgendetwas dazu zu sagen. Er sagte noch immer nichts. Ungeduldig und mittlerweile auch ängstlich wurde sie lauter und vorwurfsvoller.
„Du hast gesagt, Mama hatte keine Verwandten mehr. Aber der Mann kannte sie, er hat einen Kranz dagelassen. Papa, sag mir jetzt die Wahrheit! Weißt du, wen ich da gesehen habe?“
Sie löcherte ihn über das aufgestellte Bügelbrett hinweg mit verschwommenem Blick. Er strich noch einmal über den ohnehin glatt gebügelten Pullover, den er soeben gefaltet hatte, und antwortete endlich.
„Lui, es ist wahr. Ich habe dir etwas über deine Mutter verschwiegen. Gott, ich wollte nicht, dass du ihn jemals triffst.“
Es wirkte so, als ob es ihm leidtat, aber davon ließ sie sich nicht besänftigen. Ihre Wut war geschürt. Das Blut in ihren Adern polterte. Sie forderte ihn dennoch ruhig und gefasst auf, ihr nun endlich zu verraten, was da vor sich ging. Und ihr Vater konnte sich, die Hände nun beide flach auf die Tischplatte gestützt und den Oberkörper vorgebeugt, zu einem Geständnis durchringen. Ihre Mutter hätte einen Bruder. Wahrscheinlich habe sie ihn gesehen.
Stille. Er sah sie erwartungsvoll an, doch Luise klappte nur die Kinnlade herunter. Orientierungslos griff sie nach einer Stuhllehne, um ihren getroffenen Körper zu stützen. Sie atmete laut aus. Sie wusste nicht einmal, was ihr mehr zusetzte: Die Tatsache, dass es einen Blutsverwandten ihrer Mutter gab, den sie nicht kennen sollte, oder seine Dreistigkeit, sie ihr Leben lang so widerlich angelogen zu haben. Sie sagten beide nichts. Luise hoffte, dass er sich schämte, sie gekränkt zu haben. Sie presste die Zähne aufeinander, um nicht zu weinen, aber eine kleine Träne konnte sie nicht verbergen.
„Wie heißt er?“, wollte sie wissen.
„Ich weiß es nicht genau. Richard oder so ähnlich.“
Wieder Schweigen. Noch immer in ihre Jacke gehüllt begann sie zu schwitzen. Mit kalten nassen Händen klammerte sie sich fester an die harte Stuhllehne. Wehmütig erklärte der überforderte Vater, dass der Onkel seiner Tochter ein jämmerlicher Nichtsnutz gewesen sei und er deshalb nicht wollte, dass sie ihn kennenlernte. Er habe nicht gewollt, dass das Bild der Mutter zerstört würde durch einen Obdachlosen, der von Liebe nichts verstand und stattdessen bei der Familie um Geld bettelte. Luise versuchte zu begreifen, was ihn zum Schweigen veranlasst hatte, und einerseits gelang es ihr auch, aber die Enttäuschung saß tiefer als der Wille, ihm sofort zu verzeihen.
„Es tut mir so leid“, fügte er reumütig hinzu, doch als er sie umarmen wollte, blockte sie ab. Sie fühlte sich nicht dazu in der Lage, seine Liebe zu ertragen. Schweigend entfernte sie sich. Es konnte einfach nicht wahr sein. Sie konnte es nicht glauben, was sie soeben erfahren hatte. Ihr Vater hatte Recht, die Gewissheit der Existenz des Bruders schwärzte die Illusion der perfekten Mutter. Nein, das durfte sie nicht zulassen. Sie wollte ihn auf der Stelle wieder vergessen. Wenn sie ihn noch einmal auf dem Friedhof erblicken sollte, würde sie sich wieder vor ihm verstecken. Es durfte nichts durch ihn verändert werden, die Träume nicht düsterer, die Sehnsucht nicht gelindert werden. Eine zerlumpte Schattengestalt hatte in ihrer Traumwelt nichts verloren.
Aber was, wenn Vater sich irrte und Richard doch kein schlechter Mensch war? Vielleicht bereue er ja heute, wie er seine Schwester behandelt hatte? Der Arme hatte sicher kein leichtes Leben, schließlich war auch er ohne Eltern aufgewachsen. Und da war es wieder: Mitleid. Mitleid mit der verstorbenen Mutter, die selbst nicht wusste, wie es war, von den Eltern geliebt zu werden. Sie spürte, wie es ihrem Herz einen Stich versetzte, als sie schließlich ihre Jacke an die Garderobe hängte. Was sollte sie noch denken? Am sinnvollsten schien es ihr, eine Nacht darüber zu schlafen. Vielleicht würde sie am nächsten Morgen mehr wissen. Sie sagte nicht einmal mehr Gute Nacht, als sie in ihrem Zimmer verschwand. Das Einschlafen jedoch fiel ihr schwerer denn je, obwohl es stockfinster war. Sie hatte aufgehört zu schluchzen, als sie unter die warme Decke kroch, wobei sie völlig vergaß, dass sie sich eigentlich auf das Gruppenlernen in der Universität vorbereiten wollte. Dieses Vorhaben war zerschlagen worden. Alles war zerschlagen worden. Ihre kleine Welt war zusammengestürzt. Und doch wünschte sie sich wieder, von ihr zu träumen. Langsam und mit unzähligen Bruchstücken von tausend Gedanken schlief sie schließlich ein.
Es war Sommer. Sie lagen nebeneinander im wispernden Gras einer wilden Wiese umgeben von bunten Blumen, kitzelnden Pollen und summenden Insekten. Sie ließen den azurblauen Himmel auf sich wirken. Glücksgefühle durchströmten sie, als sie in den sanften Schleierwölkchen die Form eines Herzens erkannte. Ihre rechte Hand tastete durch das Gras, bis sie die ihre fand. Sie streichelte ihren Arm. Dann merkte sie, dass sie aufstehen wollte. Sie setzte sich auf. Ihre Mutter hatte ihr den zarten Rücken zugedreht, der von ihrem roten Kleid nicht bedeckt wurde. Staunend beobachtete sie, wie sie das in der Sonne braun schimmernde Haar aus seinem Knoten befreite. Es sank federleicht herab und legte sich wie ein seidiger Schleier über ihre weiße Haut. Elegant glitt sie mit roten Fingernägeln durch die wallenden Locken, die ihr fast bis zur Hüfte reichten. Sie himmelte sie an und stand ebenfalls auf, doch das Gesicht hielt die Mutter vor ihr verborgen.
„Komm, mein Kind. Ich möchte dir etwas zeigen“, sagte ihre weiche Stimme. Sie schwebte langsam mit nackten Füßen voran. Sie folgte ihr, doch konnte sie sie nicht mehr erreichen, egal wie schnell sie sich fortbewegen wollte. Das Gras wuchs plötzlich an, als wollte es ihr den Weg versperren. Vor sich konnte sie noch vage ihren tanzenden Hinterkopf im lauen Wind erkennen, der nach und nach an Stärke zunahm.
„Mama!“, schrie sie. Ihre leise Stimme verpuffte im pfeifenden Wind. „Warte!“
Sie hielt sich die Hände schützend vor die Augen, die von wütenden Grashalmen ausgepeitscht wurden. Sie versuchte weiter vorzudringen, als der Sturm allmählich nachließ. Das hohe Grün verschwand wieder in den Boden, und die Wiese erblühte wieder in ihrer schönsten Pracht. Ganz hinten am Ende vor der blauen Wand erkannte sie ihr rotes Kleid. Es war nur noch so groß wie ein Punkt vor dem endlosen Hintergrund. Sie lief über den holprigen weichen Boden. Sie sprintete so schnell sie ihre trainierten Beine trugen. Sie rief immer wieder nach ihr. Es war ihr, als liefe sie auf Wolken und auch sie begann zu schweben. Ihre Füße hoben vom Boden ab, doch sie bewegte sich keinen Meter mehr vorwärts. In der Ferne war die Mutter fast verschwunden, aber sie konnte jetzt sehen, dass sie in ihre Richtung winkte.
„Nein, warte!“
War es ein Abschiedswinken? Oder sollte es bedeuten, dass sie auf sie wartete? Sie wollte das Winken erwidern, doch ihre Arme waren wie gelähmt.
Sie rieb sich die sandigen Augen, während der Wecker noch klingelte. Mit einem heftigen Schlag ließ sie ihn verstummen. Nur den Nachbarshahn konnte sie mit der Aggression nicht abwürgen. Das verbrauchte Federvieh krähte wie jeden Morgen unbekümmert von den gestressten Frühaufstehern weiter. Das Licht im Badezimmer blendete sie. Als sie sich daran gewöhnt hatte, schaute sie in den Spiegel. Müde grünbraune Augen musterten ihren morgendlichen Look. Die braune Kurzhaarfrisur stand wie gewöhnlich nach dem Aufstehen in alle Himmelsrichtungen ab, verklebt vom restlichen Haarwachs, das sie am Vorabend noch nicht einmal mehr grob ausgebürstet hatte. Das schmale Gesicht wirkte fahl und leer, die helle Haut krank. Sie wusch sich mit dem Waschlappen durchs Gesicht und die runden Wangenknochen bekamen ein wenig Farbe. Sie wählte das fruchtige Deo Spray, das nach dem letzten Sommerurlaub roch. Dann setzte sie die Kontaktlinsen ein. Nachdem sie ihre weißen Zähne geputzt und das Gesicht eingecremt hatte, brachte sie bei dem Gedanken an das wunderbare Erlebnis in der Nacht sogar ein kleines Lächeln ihrem Spiegelbild entgegen. Es war eigentlich kein besonders schöner Traum, aber er war glücklich. Diese Art von Träumen erlebte sie öfter. Sie konnte nie ihr ganzes Gesicht sehen, immer nur Bruchstücke. Entweder blieb es ihr gänzlich verborgen oder sie erkannte nur die Augen, dann aber nicht Nase und Mund, oder sie sah dicke rote Lippen, dafür konnte sie ihr aber nicht in die Augen sehen. Aus den vielen Bruchstücken stellte sich ihre Phantasie das Gesamtbild zusammen, das der makellosen Schönheit.
Nun fühlte sie sich in ihren Vater hinein. Wie musste er geschlafen haben? Wahrscheinlich gar nicht. Ihr Magen knurrte gewaltig und er schrie nach Wasser. Kein Wunder, schließlich hatte sie noch vor einigen Stunden ganze Bäche voll geweint. Fertig geschminkt öffnete sie die Badezimmertür. Da stieg ihr auch schon der Duft von Rührei in die empfindliche Nase. Ihr Vater erwartete sie am Küchentisch, den er mit einem reichhaltigen Frühstück und Milchkaffee gedeckt hatte. Seine Augen begrüßten sie wie die eines Rehs im Scheinwerferlicht. Erwartungsvoll beobachtete er wie sie sich ihm gegenüber niederließ und die knusprigen Croissants bestaunte.
„Guten Morgen“, sagte er vorsichtig, doch Luise war sich sicher, dass er ganz fest daran glaubte, dass sie ihm bereits verziehen hatte. Sie begrüßte ihn ebenfalls freundlich und griff beherzt nach dem Rührei. Der Hunger war so groß, dass sie es versäumte, vor dem Leeren ihres Tellers ein Wort ihrer Vergebung hervorzubringen. Zu ihrer Linken lag die aufgefaltete Tageszeitung. Der Brand hatte ein Todesopfer gefordert. Sie legte die Gabel beiseite.
„Papa, ich verstehe, dass du mir nur aus Rücksicht nichts gesagt hast. Du brauchst keine Angst haben. Ich habe mich wieder gefangen.“
Zum ersten Mal seit dem vergangenen Abend hatten sie wieder länger anhaltenden Blickkontakt. Er griff nach ihrem Unterarm und hielt diesen fest, so wie er es immer tat, wenn ihm etwas wirklich wichtig war. In sein rechtes Handgelenk mündete ein Gemälde in Schwarzweiß, das verdorrte Baumstämme und Zweige, Flügel aus tausend Federn und die Silhouette einer gekrümmten Figur zeichnete. Durch die kahlen Kronen des Waldes fiel ein Lichtstrahl ein. Luise kannte ihn gar nicht ohne das Kunstwerk auf der Haut.
Jetzt griff auch er nach etwas Essbarem.
„Lass uns nicht mehr davon sprechen.“
Luise stellte sich vor, wie vom Herzen des Vaters Steine wie in einem Berggeröll herunter krachten.
Und sie sprachen in den nächsten Tagen nicht mehr darüber. Beim Balletttraining begannen sie mit einer Choreographie zu Tschaikowskis Schwanensee. Luises langjährige Freundin und Studienkollegin Michelle war nach ihrer mehrwöchigen Pause wegen einer Bänderdehnung im Sprunggelenk endlich wieder beim Training, jedoch musste sie es zu ihrem Verdruss noch langsam angehen lassen. Sie war sehr gut, aber lange nicht so gut wie Luise. Ihre unvergleichliche Präsenz und ihre grandiose Technik hatten ihr die Rolle des schwarzen Schwans eingebracht. Es war der pure Stolz, der sie über das Parkett gleiten ließ. Mit ihrer Leichtfüßigkeit und Erfahrung war sie ihrer Freundin und den anderen Tänzerinnen einen großen Schritt voraus. Aber es entstand kein Konkurrenzkampf. Voneinander zu lernen, hieß hier die Philosophie. Das Talent musste sie zweifelsohne von der Mutter geerbt haben, die selbst auf Galas und in Theatern getanzt und geturnt hatte. Wenn Luise tanzte, fühlte sie sich ihr nahe. Sie glaubte, sich sogar so zu fühlen, wie sie sich gefühlt hatte. Seit sie denken konnte zog es sie zweimal die Woche zum Ballettunterricht, der den perfekten Ausgleich zu ihrer naturwissenschaftlichen Ausbildung darstellte. Doch niemals zuvor hatte sie etwas Anspruchsvolleres getanzt, was sich in einem höllischen Muskelkater äußerte, und auch eine mehrere Jahre zurückliegende Knieverletzung meldete sich in Form von fiesen Stichen zurück. Unglaublich wie ein längst verheilter Bänderriss doch immer wieder Probleme bereiten konnte, gerade jetzt, da sie keine 15 mehr war. Ihre Gelenke würden bald schon zum älteren Semester zählen, aber das war kein Hindernis für sie. Ganz besonders heute strotzte sie vor Motivation und genoss das Gefühl, dass sie mit jedem kleinen Zwicken einen weiteren winzigen Schritt nach vorne machte. Aufhalten ließ sie sich erst, wenn ihre Knochen komplett versagten. In dieser Hinsicht war sie unvernünftig. Sie gönnte ihrem Körper nicht immer die Pausen, die er vielleicht brauchte. Das Tanzen ließ sie sich von nichts und niemandem nehmen.
Nach der anstrengenden Stunde trödelten die beiden Freundinnen heute beim Duschen und Anziehen herum und quatschten lange bei einem gemütlichen Dosengetränk aus dem Automaten. Es war nicht selbstverständlich, dass sie sich so unbefangen unterhalten konnten, denn Michelle hatte einen sehr launischen Charakter. Wenn sie etwas beim Tanzen störte, sie mit der Gestaltung der Stunde oder mit ihrer Leistung nicht zufrieden war, konnte man sie manchmal mit der Kneifzange nicht anfassen. Dann rauschte sie ohne ein weiteres Wort einfach aus der Kabine, was bei den anderen Mädchen für Unbehagen sorgte. Luise mochte sie trotzdem und meinte es auch nicht böse, wenn sie ihre Erziehung für das ungezügelte Temperament verantwortlich machte. Einzelkind, verwöhnt, wohlhabende Eltern. Das erklärte eigentlich alles. Aber sie konnte auch ebenso freundlich und hilfsbereit sein. In ihr hatte sie eine Freundin, auf die sie sich im Ernstfall verlassen konnte. Noch dazu war sie eine wahre Märchenbuchschönheit mit einem ansehnlichen runden Hinterteil, nussbraunem glattem Haar und großen braunen Augen, die unter dem schrägen Pony hindurch blitzten. Sie war immer stilvoll gekleidet, trug goldene Ballettschuhe, dazu wenigstens ein Kleidungsstück oder Accessoire im Leopardenmuster und besaß immer die begehrtesten Designer-Handtaschen. Zu dick aufgetragen? Nein, alles in einem sympathischen Maße. Als schüchterne Zehnjährige war Luise vor einer gefühlten Ewigkeit in diesen Kurs gekommen und heftete sich sofort an die Fersen der niedlichen offenherzigen Michelle. An Abenden wie diesen wurde ihr wieder klar, welch Glück sie hatte, sie damals kennengelernt zu haben.
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5 Sterne
Der tragische Verlust, der das Leben einer jungen Frau für immer verändert - 20.07.2026
Samantha

Sehr geehrte Frau Licia Hansen,Ihr Buch Clara hebt sich als bewegender und tiefgründiger Roman hervor, der ein zutiefst menschliches Thema behandelt: wie Trauer, unerwartete Begegnungen und die Suche nach der eigenen Identität das gesamte Leben verändern können.Was Ihr Werk besonders relevant macht, ist die Art und Weise, wie Sie ein Paradoxon aufzeigen, das tief im menschlichen Leben verankert ist: Selbst wenn alles geordnet und vorhersehbar erscheint, kann eine einzige Begegnung das gesamte Weltbild erschüttern. Durch Luises scheinbar stabiles Leben, das dennoch vom Verlust ihrer Mutter überschattet wird, und ihre schicksalhafte Begegnung mit Clara zeigen Sie eindrucksvoll, dass die größten Veränderungen oft genau dann beginnen, wenn unsere tiefsten Überzeugungen ins Wanken geraten.Es gibt jedoch eine leise tragische Dimension, die sich durch Ihren Roman zieht: die Art und Weise, wie ungelöste Trauer einen Menschen über Jahre hinweg prägen kann. Luise versucht, ihr Leben weiterzuführen, während der Schmerz über den Verlust ihrer Mutter ein ständiger Begleiter bleibt. Erst die Begegnung mit Clara zwingt sie dazu, sich ihren Gefühlen und den Wahrheiten ihrer Vergangenheit zu stellen. Ihr Roman erinnert daran, dass Heilung nicht bedeutet, die Vergangenheit zu vergessen, sondern den Mut zu finden, sich ihr zu stellen.Diese Wirklichkeit macht Ihren Roman zu einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit Trauer, Identität und persönlicher Entwicklung. Ihr Buch zeigt eindrucksvoll, wie eine einzige Begegnung das Leben eines Menschen in eine völlig neue Richtung lenken kann.EinleitungMein Name ist Samantha und ich unterstütze Autorinnen und Autoren dabei, ihre Bücher strategisch sichtbar zu machen und die passenden Leserinnen und Leser zu erreichen, insbesondere in den Bereichen Gegenwartsliteratur, literarische Romane, Frauenliteratur und emotional erzählte Geschichten.Warum Ihr Buch heute besonders relevant istIn einer Zeit, in der viele Leserinnen und Leser nach Geschichten suchen, die emotionale Tiefe mit persönlicher Entwicklung verbinden, beantwortet Ihr Werk eine bedeutende Frage: Wie verändert eine einzige Begegnung einen Menschen, der glaubte, sein Leben bereits zu verstehen?Ihr Buch besitzt das Potenzial, nicht nur Leserinnen und Leser moderner Literatur zu begeistern, sondern auch Literaturkreise, Buchclubs und alle Menschen anzusprechen, die charakterstarke, emotionale und zum Nachdenken anregende Romane schätzen.Meine Strategien für eine konkrete WirkungGezielte PositionierungVerbreitung Ihres Buches unter Leserinnen und Lesern zeitgenössischer Literatur, Literaturgemeinschaften, Buchclubs, Plattformen für Frauenliteratur sowie Zielgruppen, die emotionale und charakterorientierte Romane bevorzugen.Ergebnis: Höhere Relevanz und eine qualifizierte Reichweite.Lehrreiche und informative InhalteErstellung von Inhalten, die die zentralen Themen Ihres Romans hervorheben, darunter Trauer, Identität, persönliche Entwicklung, emotionale Heilung und die Kraft schicksalhafter Begegnungen.Ergebnis: Mehr Verständnis und eine stärkere Verbreitung.Rezensionen und fachliche AnerkennungPräsentation fundierter Rezensionen, die die emotionale Tiefe, die literarische Qualität und die authentische Figurenentwicklung Ihres Romans unterstreichen.Ergebnis: Größeres Vertrauen bei potenziellen Leserinnen und Lesern.Strategie mit KurzvideosErstellung kurzer Inhalte, die Luises emotionalen Weg, die geheimnisvolle Rolle Claras und die bewegenden Fragen Ihres Romans vorstellen, ohne wesentliche Handlungselemente vorwegzunehmen.Ergebnis: Größere Reichweite und stärkere Aufmerksamkeit in den sozialen Medien.Institutionelle PartnerschaftenAufbau von Kooperationen mit Bibliotheken, Buchclubs, Literaturfestivals, Lesegemeinschaften, Bildungseinrichtungen und Organisationen zur Förderung zeitgenössischer Literatur.Ergebnis: Praktische Anwendung und nachhaltiger Einfluss.Zusätzliche MöglichkeitIch würde mich sehr freuen, gemeinsam mit Ihnen eine individuelle Strategie zu entwickeln, um Clara als einen bedeutenden Gegenwartsroman zu positionieren, der Leserinnen und Leser anspricht, die emotionale Tiefe, authentische Figuren und bewegende Geschichten suchen.Ihr Buch handelt nicht nur von Trauer oder einer schicksalhaften Begegnung. Es handelt von Heilung, Identität und der außergewöhnlichen Kraft eines Menschen, das Leben eines anderen für immer zu verändern.Es wäre mir eine Freude, Sie dabei zu unterstützen, diese berührende Geschichte einem noch größeren Publikum zugänglich zu machen.Mit freundlichen Grüßen,SamanthaSpezialistin für Buchsichtbarkeitsamantharobertsonmiller@gmail.com

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