Wohin verschwand der Diktator

Wohin verschwand der Diktator

Lara Nisker


EUR 15,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 198
ISBN: 978-3-99107-224-9
Erscheinungsdatum: 08.09.2021
Adolf Hitler, Führer aus Leidenschaft, sieht nicht ein, wieso er an außerplanetarische Mücken verfüttert werden soll. Mit Ironie und Intrige versucht er, sich aus dem Schlamassel zu winden und wird dabei mit den Widersprüchen seiner Ideale konfrontiert.
Mein großer Dank an Rosemarie Gulbis und
Professor Dr. Gisela Levin dafür,
dass ich die Deutsche Sprache bei Ihnen lernen durfte


Die Handlungspersonen

Die Hauptpersonen:
Der Diktator
Lehrer (der Name)
Der Adjutant des Generals, ein junger Mann, 16 J.
Die Reporterin
In Sibirien:
Eugen, der Ehemann
Anna, seine Ehefrau

Die Mücken:
Der Empfänger (nach meiner Empfehlung eine weibliche Rolle)
Der Kellner (nach meiner Empfehlung eine weibliche Rolle)
Die Akademikerin (nach meiner Empfehlung eine männliche Rolle)
Die Dienerin (nach meiner Empfehlung derselbe Darsteller, der die Akademikerin spielt)
Der Ober (nach meiner Empfehlung dieselbe Darstellerin, die den Kellner spielt)
***
Die Avantgardistische Musik (Alfred Schnittke, Sofia Gubaidulina, Denisow) soll die Handlung begleiten.
Der Regisseur darf meine Empfehlungen ignorieren.
Ihre Autorin


Teil 1.
Prolog
Die Bühne ist leer. Plötzlich fällt ein Schuss. Der Diktator erscheint auf der Bühne; er hastet panisch hin und her. Dann verschwindet er hinter den Kulissen und zieht jemanden daraus hervor. Es sind die Füße einer erschossenen Frau.

Szene 1. „Wo ist die Leiche?“
(Der Diktator, der General, die Reporterin, der Adjutant des Generals)

Die Szene spielt sich teilweise hinter den Kulissen ab.

Männerstimme: (hinter der Kulisse) Genosse …
Diktator: Schweig! (verwundert) Wer bist du, Soldat?
Männerstimme: Ich bin es, Euer Adjutant, Euer Beschützer.
Diktator: Wozu trägst du diesen Schnurrbart? Willst du mir nachstellen? Willst du mein Reich übernehmen?
Männerstimme: Aber … Genosse Führer, es … schnell! Sie müssen fliehen, Sie müssen sich verstecken. Hier, der Rasierapparat … Ich habe einen mit extra scharfer Rasierklinge besorgt, Sie müssen den Schnurrbart abrasieren. Sie müssen hier weg, ohne Schnurrbart!
Diktator: Soldat, verschwinde!

Männerstimme: Mein Führer, Sie haben Glück, außer diesem Schnurrbart haben Sie keine ausgeprägten Gesichtsmerkmale. Ich habe mir einen gleichen Schnurrbart angeklebt, um feindliche Blicke auf mich zu lenken.
Diktator: Aus dem Weg! (läuft auf die Bühne, überquert sie und verschwindet in der anderen Kulisse)
Männerstimme: Der Rasierapparat! Genosse Führer, der Rasierapparat! Nehmen Sie das mit! Ge… Gen… Herr…

Der Diktator läuft zurück in die erste Kulisse.

Männerstimme: Rasierapparat! …
Diktator: Schweig!! Schweig, schweig!!!

Es fallen Schüsse.

Männerstimme: (geschwächt) Genosse Führer, wieso … Ich wollte Sie beschützen, ich … ach …

(Ein weiterer Schuss bricht die Rede ab.)
Der Diktator erscheint auf der Bühne, mit der Pistole in der Hand, hastet panisch mit dem Gemurmel: „Verstecken …verstecken …“, hin und her. Dann hält er an und murmelt weiter:„Rasieren … abrasieren …“

Hinter der anderen Kulisse hört man Stimmen, die immer näher kommen. Der Diktator fällt auf die Knie, versucht, sich unter dem Stuhl zu verstecken. Dann steht er auf, schaut auf die Pistole, die er immer noch in der Hand hält, und wirft sie mit angeekelter Miene weg. Dann versteckt er sich unter dem Tisch.

Auf der Bühne erscheinen der General, sein Adjutant und die Reporterin mit einem Notizbuch.

General: Wo ist er? (bemerkt die Pistole, schiebt sie unauffällig mit dem Fuß hinter den Tisch)
Adjutant: (hinter den Kulissen) Herr General, hier sind zwei Leichen, mausetot. Eine Frau und ein Offizier mit Schnurrbart.
General: Ich frage Sie, wo ist er?!
Adjutant: Herr General, soll ich ihn suchen?
Diktator: (unter dem Tisch, bettelnd) Nicht suchen, nicht suche

Der General schaut unter den Tisch. Diktator macht ihm ein Zeichen – er soll schweigen.

General: Jawohl, mein …! Nicht suchen!
Reporterin: Herr General …?
General: (genervt) Was?!
Reporterin: Haben Sie etwas gesagt?
General: Sie bilden sich das ein.
Reporterin: Wir müssen ihn finden und dem internationalen Gericht übergeben!
General: (denkt nach) Stimmt. (schaut sich um, klopft dem Adjutanten auf die Schultern, dreht ihn um, schaut ihm ins Gesicht) Müssen wir das?
Reporterin: (empört) Natürlich müssen wir das!
General: Ich weiß. Frau Reporterin, haben Sie … etwas Schminke?
Reporterin: Ja, etwas habe ich.
General: Adjutant!
Adjutant: Zu Befehl!
General: Stramm stehen, Soldat! (schaut den Adjutanten kritisch an) Frau Reporterin, müssen uns etwas einfallen lassen. Wir präsentieren der Öffentlichkeit eine Leiche. Eine Ersatzleiche. Vorübergehend, natürlich. Sonst zerdrückt dieser Druck uns alle. Also, Folgendes: Wir müssen ihm, dem Soldaten, einen künstlichen Schnurrbart verpassen, ihm auf das Gesicht Schminke legen. Dann fotografieren Sie, verehrte Frau Reporterin, „die Leiche“. Und das war’s.
Reporterin: Verstanden. Ich habe einen schwarzen Schmink­stift.
General: (dem Adjutanten) Soldat, legen Sie sich auf den Boden. Frau Reporterin, schminken!

Der Adjutant legt sich auf den Fußboden. Die Reporterin malt den Schnurrbart auf sein Gesicht. Der General zielt mit der Pistole auf den Adjutanten.

Reporterin: Herr General, Sie wollen ihn doch nicht wirklich erschießen?
General: Das weiß ich noch nicht. Nein, falsch.
Reporterin: Natürlich falsch! Er ist noch so jung. Und doch Ihr persönlicher Adjutant!
General: Falsch. Wenn das ein Selbstmord sein sollte, … dann müsste er aus seiner eigenen Pistole erschossen werden. Soldat, geben Sie mir Ihre Pistole. (zielt auf den unten liegenden Adjutanten mit seiner Pistole, schaut den Adjutanten kritisch an) Nein, das geht nicht. Die falsche Statur. Der Junge ist zu lang. Soldat, stehen Sie auf. (schaut den Anwesenden an. Die Reporterin versucht, sich von ihm fern zu halten, geht in die Kulisse. Der Adjutant steht stramm, schließt die Augen fest.)
General: Verhaften!
Adjutant: Jawohl, Genosse General! (schaut sich verwirrt um) Genosse General, wen soll ich verhaften? Die Frau Reporterin?
General: Stellen Sie sich nicht so dumm, Adjutant. (denkt nach) Mal sehen. Wir finden schon … den richtigen.
Reporterin: (hinter der Kulisse) Hier! Herr General, da, da ist er! Die Leiche. Sie trägt den Schnurrbart. Er hat seine Gefährtin erschossen und dann sich selbst.
Adjutant: Die Leiche ist aber nicht er, das ist nicht seine Leiche.
General: Doch, das ist er. Schau nur hin, Soldat – der Schnurrbart.
Adjutant: Ja, der Schnurrbart … komisch. Die Statur aber …
Reporterin: Die Pistole ist nicht da. Wohin ist seine Pistole verschwunden? Wie ich weiß, muss die Waffe erst identifiziert werden. Dann werden alle Zweifel beseitigt sein.
General: Stimmt, die Waffe ist nicht festgestellt. Ach, was wissen Sie schon, Sie, Frau Reporterin …
Reporterin: (stolz) Ich bin eine Kriegsreporterin.
General: Meinetwegen. (zu sich) Trotzdem – ein Weib.

Diktator schiebt die Pistole mit dem Fuß hinder dem Tisch hervor, der General hebt sie unauffällig auf und steckt sie sich hinten unter den Gürtel.

General: Gut. (zur Reporterin) Na gut. Dann geben Sie in den Nachrichten Folgendes an: „Der Diktator hat sich und sein geliebtes Weib erschossen. Er wollte sich dem Feind nicht ergeben. Um seine Ehre und seinen Stolz zu bewahren, hat er den mutigen Schritt … gewagt.“ Ein mutiger Schritt … (hebt seine Pistole an die Schläfe) Heil …
Adjutant: Nein! (wirft sich auf den General) Genosse General, nein! (hält die Hand des Generals auf und führt sie nach unten, macht dann einen Schritt zurück, von der eigenen Tat eingeschüchtert) Zu Diensten, Genosse General.
General: Nicht doch, Soldat. Du bist nicht schuld, Junge. Du hast nur die Befehle befolgt. Nein, das ist nicht deine Schuld.
Reporterin: Genosse General …?
General: Also, Folgendes muss gesagt werden: „Der Diktator erschoss seine treue Lebensgefährtin und danach erschoss er sich selbst. Es geschah um …“ (schaut auf die Uhr) „Der Tod des Diktators wurde um genau „X“ Uhr mitteleuropäischer Zeit festgestellt.“
Reporterin: Der Name des zuständigen Arztes lautet …?
General: Nicht wichtig. Schreiben Sie Ihren Namen, Genossin Reporterin, wenn nötig …
Reporterin: Ich bin keine Ärztin. Für das Protokoll aber … Nein, so geht das nicht. Es wird gefragt, es wird geforscht … Nein.
General: Schweigen!
Adjutant: Jawohl, Genosse General! Alles wird nach Ihrem Befehl erledigt. Ich werde es kontrollieren. Zu Befehl, Genosse
General!
General: Wie alt bist du, mein Adjutant?
Adjutant: Ich bin sechzehn. Seit kurzem. Seit gestern. Heute bin ich zum ersten Mal im Dienst.
General: Und damit zum letzten.

Der General geht. Die Reporterin zieht den Soldaten zur Seite.

Reporterin: Darf ich Sie fragen?
Adjutant: Jawohl, Genossin Reporterin. Fragen Sie. Bitte kurz. Ich muss meinen General begleiten.
Reporterin: Gewiss … Wieso sind Sie zur Armee gegangen? Haben Sie Lust zu töten?
Adjutant: Nein! Natürlich nicht. Wir wollten den Krieg schnellstens beenden. Unsere ganze Klasse. Wir wollten ihn beenden, um die Ehre unseres Landes zu retten. Wenn etwas zu retten geblieben ist … Entschuldigen Sie. Ich will nicht mehr darüber reden. Zu kompliziert. Ich muss los.
Reporterin: Gewiss …

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