Cover: Interview Iphraim Kishone

Interview Iphraim Kishone
Bestimmt auch im Sinne von H. Kishon


EUR 19,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 72
ISBN: 978-3-7116-1478-0
Erscheinungsdatum: 24.06.2026
Iphraim Kishone erzählt aus seinem Leben, von seiner Jugend in Ungarn, von seiner Flucht, von seinen Namenswechseln und von mehr als einem Wunder, das ihn gerettet hat. Dazu beigetragen hat die Begabung und das Gefühl, zu schreiben, was beim Publikum ankommt.
1 Interview Iphraim Kishone

Nach Art eines Fernsehinterviews sitzen sich Fr. Lot und H. Kishone gegenüber. Fr. Lot hat einige Moderationskarten vorbereitet und stellt Fragen, und H. Kishone antwortet auf Deutsch mit leichtem ungarischen Akzent. Im Verlauf des Interviews werden einige Bücher von Kishone erwähnt. Es kommen tatsächliche sowie auch mögliche Aussagen und tatsächlich geschriebene Bücher sowie auch Bücher, die von ihm hätten sein können, vor. In einer Werbepause spielt Fr. Lot eine Kundin mit Kind in einem Spirituosenabteil.

Podmanitzki ist Regiemitarbeiter und spielt in einer Werbepause einen Geistlichen als Kunde mit Kind in einem Spirituosenabteil.
Person trägt Plakate mit Aufschrift „Werbung“ und „Noch 2 Minuten“.

Conferencier: „Ja, ich bekomme soeben die Information, dass es der Regie gelungen ist, Herrn Kishone, den bekannten Schriftsteller, zu einem Interview zu gewinnen. H. Kishone weilt gerade in der Stadt, um ein neues Buch vorzustellen.

Person gibt ihm eine weitere Moderationskarte.

Conferencier: „H. Kishone ist ein bedeutender deutschsprachiger Autor, der über 40 Bücher verkauft hat.“

Person korrigiert: „Millionen“.

Conferencier: „Eh, der über 40 Millionen Bücher verkauft hat, davon allein 30 Millionen in Deutschland. Ich darf Sie also einstimmen auf das Interview mit H. Kishone und wünsche Ihnen viel Vergnügen.“

Person winkt Conferencier mit der Hand zum Gehen, 3-mal. Beide gehen hinter die Bühne.

Fr. Lot kommt unruhig auf die Bühne, schaut auf die Uhr, holt Luft, schüttelt den Kopf, zuckt die Achseln, setzt sich auf den linken Stuhl und legt einige Moderationskarten auf den Tisch.
Nach 3 Sekunden ruft sie genervt: „Podmanitzki“.

Podmanitzki kommt mit Ohrhörer auf die Bühne und fragt: „Ja, Fr. Lot?“

Fr. Lot: „Haben Sie denn etwas von H. Kishone gehört, hat er nochmals angerufen?“

Podmanitzki deutet auf den Kopfhörer: „Nein, er hat sich nicht mehr gemeldet.“

Fr. Lot: „Ich verstehe das nicht, er hat mir heute Vormittag versichert, dass er pünktlich kommen wird. Er wollte vorher noch schwimmen gehen, wie jeden Tag.“

Podmanitzki: „Ah, im Blaumilchkanal?“

Fr. Lot: „Ja, genau, das hat er gesagt, im Blaumilchkanal.“

Fr. Lot, mit Rücken zum Publikum, und Podmanitzki sprechen und gestikulieren weiter und werden dabei leiser.

Parallel dazu kommt Kishone von den Zuschauerreihen her zur Bühne. Kishone trägt eine Brille, ein Jackett und eine Krawatte, in der Hand ein Heft und eine kleine Tasche.
Auf diesem Weg fragt er 2-mal das Publikum: „Entschuldigen Sie, ist hier Hoftheater?“
Er wird jedes Mal bestätigt und geht unsicher weiter, bis er etwa 5 m hinter Fr. Lot steht.

Podmanitzki sieht Kishone, lächelt und sagt zu Fr. Lot: „Drehen Sie sich um, Frau Lot.“

Fr. Lot dreht sich um und sagt: „Ah, hallo Herr Kishone, da sind Sie ja, kommen Sie näher.“

Kishone fragt mit Handbewegung, soll ich rechts auf die Bühne. Fr. Lot deutet mit Handbewegung auf links.

Fr. Lot: „Nehmen Sie Platz, H. Kishone.“

Kishone deutet mit Handbewegung auf den rechten Stuhl, Fr. Lot auf den linken.

Fr. Lot spricht zu Podmanitzki: „Vielen Dank, Podmanitzki, für Ihre Unterstützung.“

Podmanitzki lächelt, macht lässige, schwungvolle Handbewegung, wie zu Hofe, und geht hinter die Bühne, wobei kein Applaus ertönt.

Kishone dreht sich im Sitzen leicht zu Podmanitzki um und sagt: „Ah, das ist Podmanitzki!“

Fr. Lot: „Ja, das ist Podmanitzki, den müssten Sie ja bestens kennen.“

Kishone: „Podmanitzki kenne ich sehr gut, haben einige Zeit zusammen gearbeitet.“

Fr. Lot: „Wir freuen uns sehr, dass Sie gekommen sind.“

Kishone: „Ja, ich freue auch, dass ich bin gekommen.“

Fr. Lot: „Sie sind ja zum ersten Mal in unserer Stadt, was hat Ihnen denn am besten gefallen?“

Kishone: „Ja, ist eine sehr schöne Stadt mit große breite Straße und alte Gebäude und grüne Parks. Ich habe von Taxi aus viele verschiedene Museen gesehen und auch Campus mit viele blühende Wildkirschen.
Gefallen hat mir auch geschäftige Leben in Stadt und viele Gäste, und gut gefallen hat mir auch in Supermarkt, Förderbänder!“

Fr. Lot: „Förderbänder? Wo gibt’s denn da Förderbänder? Ach, Sie meinen, die Rolltreppen?“

Kishone: „Nein, rollen nicht. Wo man kann mit Einkaufswagen drauf fahren, aber auch ohne Einkaufswagen kann stehen.“

Fr. Lot: „Sie meinen ein Laufband?“

Kishone: „Nein, muss nicht laufen, kann auch stehen.“

Fr. Lot: „Ja, ist das etwa ein Bahnsteig?“

Kishone: „Nein, fährt keine Bahn, kann fahren ohne Bahn.“

Fr. Lot: „Ach, dann ist das ein Fahrsteig. Haben Sie das nicht in Ihrem Land?“

Kishone: „Nein, haben nur Paternosteraufzug, aber fahren horizontal und vertikal.“

Fr. Lot: „Sehr interessant, ahm, Sie haben gestern in der Stadt Ihr neues Buch vorgestellt, ‚Und was machen wir am Nachmittag?‘. Um was geht es denn in diesem Buch?“

Kishone: „Ja, ich habe Onkel in Amerika und er hat gesagt, dass er mich will besuchen in meine kleine Land, Höflichkeitsbesuch. Dann habe ich gesagt, wenn du kommst, stehen wir morgens früh auf und ich zeige dir ganze Land. Dann hat er gefragt: ‚Und was machen wir am Nachmittag?‘, so ist gekommen Titel.“

Fr. Lot: „Ist denn Ihr Onkel auch Schriftsteller?“

Kishone: „Nein, Onkel ist keine Schriftsteller, ist Historiker, hat sich spezialisiert auf amerikanische Geschichte, 8. bis 13. Jahrhundert!“

Fr. Lot: „Ja, aber aus dieser Zeit ist doch gar nichts bekannt?“

Kishone: „Ja, aus diese Zeit gibt es sehr, sehr wenig an Information, aber als Spezialist weiß er darüber alles!“

Fr. Lot: „Ja, und Ihr Land, ist es denn wirklich so klein?“

Kishone: „Ja, wenn Sie fahren mit Auto 2 Stunden, kommen Sie an Meer, das ist schön. Wenn Sie fahren in andere Richtung, kommen Sie in Gefangenschaft von arabische Liga.“

Fr. Lot: „Ist das Leben in Israel nicht generell gefährlich, da doch alles arabische Nachbarstaaten sind?“

Kishone: „Nein, ist nicht gefährlich, treiben Handel mit Nachbarstaaten und internationalen Handel und gibt es jetzt auch Abraham-Accord, mit einzelne arabische Staaten für Normalisierung Beziehungen. Und haben auch für Hobby Partnerschaft mit Schützenverein und kommen zu gegenseitige Training.“

Fr. Lot: „Ja, und auf was schießen Sie denn da?“

Kishone: „Ja, machen Treibjagd und warten, was kommt. Letztes Mal kam Hase mit 3 Beinen, ein Ohr fehlt und Fell war völlig kaputt. Haben Gäste gefragt: ‚Wer ist denn das?‘, haben wir gesagt: ‚Das ist Freddy, kennen ihn schon seit 5 Jahren, auf den wir schießen immer in Training.‘“

Fr. Lot: „Ja, und wie ist es, wenn Sie im Nachbarland einkehren wollen, Sie müssen ja auch mal etwas essen?“

Kishone: „Ja, da gibt kuriose Geschichten, aber das ist kein Problem, sagen wir manchmal, wenn wir gehen aus Gastwirtschaft: ‚Salam aleikum, zahl, wenn i vorbeikum.‘, Wirt lächelt und wir gehen.

Einmal sagen Scheich zu Emir: ‚Bezahle du, dann gehn wir.‘
Sagt doch Emir dann zu Scheich: ‚Zahlen wir später, gehn wir gleich.‘,
muss Wirt wieder anschreiben, obwohl an Wand hängt Schild: ‚Ob Scheich, ob Emir, eins ist klar, du zahlen deine Zeche bar.‘

Oder sagen Yusuf zu Abdull: ‚Bei Mohammed, schenk mein Glas jetzt vull‘,
dann hör ich Abdull zu Yusuf sagen: ‚Bleib ruhig, sonst kannst du Brennholz selber tragen.‘
Oder sagen Yusuf zu Scheich: ‚Durch prellen Zeche wird man reich.‘
Einmal habe gehört, wie 2 Ganoven sprechen, sagt einer: ‚Zeig mir den Weg, wo die Kaufleute reisen, sonst zeig ich dir, wo die Geier kreisen.‘

Und fängt Abdull dann an zu raufen, dann ist für alle Abend gelaufen.“

Fr. Lot: „Hat Ihr Land sonst noch Verbindungen mit den Nachbarländern?“

Kishone: „Ja, z. B. Jugendaustausch, Spiele, Zeltlager.“

Fr. Lot: „Ja, aber ist das nicht gefährlich, in der Wüste zu zelten?“

Kishone: „Doch, ist gefährlich, müssen immer einen Meter tiefen Graben um Zelt herum ausheben. Hat mein Sohn erzählt, einmal in Nacht war lautes Gebrüll, ist aufgestanden und hat gesehen, wie seine Freund Ali in Graben herumläuft, gefolgt von Löwe, nur noch 2 m Abstand. Sohn ruft: ‚Spring heraus, Ali!‘, Ali ruft: ‚Hat noch Zeit, habe 2 Runden Vorsprung.‘“

Fr. Lot: „Ui, da möchte ich aber nicht tauschen, ja, und dann schreiben Sie ja auch alle Ihre Bücher in Hebräisch, mussten Sie diese Sprache erst noch lernen?“

Kishone: „Ja, schreibe in Hebräisch und musste nach Ankunft in Israel Sprache erst lernen. Gab für europäische Flüchtlinge im Kibbuz Kurse in Hebräisch. Mittlerweile ich verstehe Sprache gut, aber spreche gebrochen Hebräisch und spreche auch gebrochen Deutsch.“

Fr. Lot: „Ja, einmal da hab ich auch 3 Stunden gebrochen Deutsch gesprochen!“

Kishone: „Was, Sie sprechen doch tadellos Deutsch, wieso haben Sie so gesprochen, wenn ich fragen darf?“

Fr. Lot: „Ja, wir sind mit dem Schiff nach Helgoland gefahren, bei stürmischer See, und da kann so etwas vorkommen. Ja, aber Hebräisch, war es schwierig, diese Sprache zu lernen?“

Kishone: „Schwierig? Nein, war unmöglich zu lernen. Schreiben von rechts nach links und ohne Vokale. Ihre Name scheibt man: Lt und alle, die heißen Lit, Laut, Lud oder Let, schreiben genauso, man weiß nicht, wer ist gemeint.“

Fr. Lot: „Ja, Ihr Land lebt ja auch vom Tourismus! Man hört so viel, ist es denn nicht gefährlich, in Ihr Land zu reisen?“

Kishone: „Nein, ist nicht gefährlich, weil wir haben beste Menschen und beste Republik. Wenn Sie machen Urlaub in Israel, wir haben große Sandbank an West-Strand und auch Sandstrand am Toten Meer im Osten. Totes Meer liegt 300 m tiefer, haben wir aber nicht tiefer gelegt und tot war auch vorher schon, und bei Einreise brauchen Sie nur eine ‚Dolce Visa‘.“

Fr. Lot nickt freundlich: „Dolce Visa …, haha, ja, sind denn die Leute auch freundlich zu Touristen?“

Kishone: „Ja, Leute sind sehr freundlich, wenn sie fragen in Tel Aviv, bitte wissen Sie, wo ist Golda Meir Badeanstalt, Leute sagen ‚Ja‘ und gehen weiter, oder anderes Beispiel, wenn Sie fragen, bitte wissen Sie, wo ist Rothschild Avenue, Leute fragen: ‚Welche Nummer?‘, Sie sagen, 19b, Leute sagen, nein, tut mir leid, kenne ich nicht Straße.“

Fr. Lot: „Haben denn Ihre Landsleute auch Humor?“

Kishone: „Oh ja, sehr viel Humor. Kennen Sie Geschichte von evangelischem, katholischem Pfarrer und Rabbi?“

Fr. Lot schüttelt den Kopf.

Kishone: „Na, unterhalten sich evangelischer, katholischer Pfarrer und Rabbi, wann Leben beginnt. Sagt evangelischer Pfarrer: Leben beginnt, wenn Mann und Frau sich vereinigen, sagt katholischer Pfarrer, nein, Leben beginnt einige Tage später, sagt Rabbi: Nein, Leben beginnt, wenn Kinder aus dem Haus und Hund tot ist.

Oder gibt es evangelischer Pfarrer und Rabbi in kleinem Ort an Kischon, das ist Fluss in Israel. Jeden Sonntag nach Kirche gehen beide angeln. Einer flussaufwärts, anderer flussabwärts und abends treffen sich in Kneipe. Und jedes Mal hat der eine mehr Fische gefangen oder größere als anderer. An einem Tag erzählt evangelischer Pfarrer, dass er hat gefangen Aal mit 5 m Länge. Alle sagen, das ist unmöglich. Rabbi sagt, ist gar nichts, habe rausgezogen Fahrrad, hat noch gebrannt Licht. Alle sagen, das ist noch mehr unmöglich. Sagt Rabbi, also gut, wenn du machen weg 2 Meter an Aal, dann mache ich an Fahrrad Licht aus.“

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