Ein Stummer und ein Richter
EUR 17,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 50
ISBN: 978-3-7116-1267-0
Erscheinungsdatum: 01.04.2026
Ein Stummer, der nur musikalisch antworten kann, trifft auf einen Richter, eine Sekretärin, schräge Gestalten und jede Menge absurde Situationen. Eine heitere musikalische Gerichtsposse voller Wortwitz, Anspielungen und überraschender Einfälle.
Eine heitere musikalische Vernehmung.
Nach einer Vorlage von Franz Steinl (Kapellmeister, Trompeter und Klarinettist).
(Im Raum steht ein Tisch für den Richter mit Heften der Regenbogenpresse und der Akte „Fam. Remmo“, ein Tisch für die Sekretärin mit Aktenordnern: „Olsenbande“, „Hitler-Tagebücher“, „Nutellabande“, „Offene Kassenlade“, „Diebische Handwerker, Untertitel: Zahlbar in 8 Tagen ohne Abzug“, „Mord und Totschlag“, ein Heft mit „Sonstiges“, ein Tisch für Stummen (für Musikinstrument) und zu jedem Tisch ein Stuhl sowie Stühle neben Eingangstür. Benny hat ein dickeres Holzteil am Fuß, 1. Putzfrau trägt eine Kette, Polizist trägt eine Uhr.)
Die Uhrattrappe an der Wand steht auf 15:00 Uhr, Schild mit „1 minus“ hängt an der Wand sowie eine Box mit Aufschrift: „Drohnenfach“.
Inhalt
Richter sitzt am Tisch und liest ein Heft aus der Regenbogenpresse. Es klopft an der Tür, Richter zuckt zusammen, schaut auf die Uhr, legt einen Stapel Hefte weg, säubert die Tischplatte mit dem Ärmel und ruft „Parole?“
Polizist ruft: „Starkregen in Hildesheim.“
Richter: „Stimmt, herein, bitte.“
Es treten ein Polizist, Stummer und Sekretärin Ilse.
Polizist: „Herr Richter, wir haben einen verdächtigen Mann aufgegriffen, der neben einem aufgebrochenen Kaugummiautomaten stand. Der Mann ist leider von Geburt an stumm, hören kann er und er kann auf Fragen musikalisch antworten.“
Ilse legt das Vernehmungsprotokoll auf den Tisch des Richters und sagt: „Das ist das Vernehmungsprotokoll.“
Ilse setzt sich an ihren Schreibtisch, ordnet und stenografiert mit.
Richter: „Danke“, er blättert in dem Protokoll hin und her und sagt zum Stummen: „Nun, wie heißt er denn?“
Stummer setzt sich und spielt.
Polizist: „Er spielt: ‚Theo, wir fahrn nach Lot.‘“
Richter: „Ah, er heißt also Theo“ und schreibt in das Protokoll.
Stummer nickt.
Richter: „Hat er denn auch einen Nachnamen?“
Stummer spielt.
Polizist: „Er spielt ‚Wann gibt’s mal wieder einen Sommer?‘“
Richter: „Also Sommer mit Nachnamen“ schreibt in das Protokoll: „Und wo ist er geboren?“
Stummer spielt.
Polizist: „Er spielt: ‚Es war in Schöneberg, im Monat Mai.‘“
Richter: „Schöneberg, Schöneberg ist das in den Alpen?“
Ilse: „Nein, das ist doch Berlin.“
Richter: „Ach so, ach so, Berlin im Mai und welcher Tag?“
Stummer spielt.
Polizist mit britischem Akzent: „Er spielt: ‚Wähle 3 3 3 auf dem Telefon, wähle 3 3 3 und ich komme schon, wähle 3 3 3 und dann glaube mir, bin ich 1 2 3 schon bei dir.‘“
Richter und Polizist schunkeln.
Richter: „Ah, er meint den 33.3.“ (dreiunddreißigster Dritter) und will schreiben.
Ilse: „Aber Herr Richter, der März hat doch nur 31 Tage.“
Richter stutzt, schaut den Polizisten und Ilse ungläubig an, berührt mit Zeigefinger den Knöchel der anderen Hand am Zeigefinger, dann die Vertiefung, dann den Knöchel am Mittelfinger und sagt: „Stimmt, der März hat 31 Tage, dann hat er den Tag gemeint, also 3“ und schreibt.
Es klopft, 2-mal.
Richter zum Polizisten: „Schauen Sie mal bitte nach, Herr Kollege.“
Polizist öffnet die Tür, Benny kommt herein.
Richter: „Wer sind Sie denn?“
Benny mit leichtem dänischen Akzent: „Bin Benny von de Olsenbanden und möchte Akteneinsichte habe.“
Richter zu Ilse: „Haben wir die Akte hier?“
Ilse: „Ja, das war beantragt, ich hab die Akte heute Vormittag in Kopenhagen angefordert und per Drohne war die schon um 12:00 Uhr hier“, nimmt die Akte und legt sie Richter auf den Tisch.
Richter: „Olsenbande, wieso kommt Egon Olsen nicht selbst?“
Benny: „Is noch verhindered.“
Richter: „Warum?“
Benny: „Ja, Olsen hatte tollen Plan und wollte Zuckertransport überfalle, war aber Salzeladung und sagt, will heute von dem ganz viel esse, von dem die Leut sonst nur ganz wenig esse und hat Kaffeetasse halbvoll gemacht mit Salze und hat Kaffee auf ex getrunke, war dann in Salzdilemma und so hat ihn Polizei gefunde.“
Richter: „Das ist wieder typisch Olsen, also schlecht vorbereitet war er wieder ganz gut.“ Er denkt nach und sagt: „Sagen Sie mal, der Egon muss doch einen Bruder haben!“
Benny: „Ja genau, hat eine Bruder, woher wissen Sie?“
Richter: „Ich meine, einer allein kann doch nicht so blöd sein und wie viel haben Sie bekommen?“
Benny: „Sollte 100 Tage sitze, bin dann aber bei gute Führung schon nach 1/3 frei gekomme und muss restliche 50 Tage jede Tag anrufe, da Fußfessele.“
Richter: „Sagen Sie, beherrschen Sie die 10er-Reihe sicher?“
Benny: „Ja aber nur dänische.“
Richter: „Und wo sind Sie eingesessen?“
Benny: „War in Salzegittere.“
Richter: „Ah, ja, gibt es eigentlich noch Orte, wo Sie noch nicht eingesessen sind?“
Benny singt: „Ja, ich saß noch niemals in New York, ich saß noch niemals auf Hawaii und in San Francisco kenn ich nur die Lombard Street.
Ich kenn nur den Strand in Florida, kenn den Tabak aus Virginia, aber in San Diego, San Diego war ich nie.“
Richter singt nach: „… war ich nie. Ja, Sie sind ja ein Metropolitan, sind Sie, ah, ähm, was ich fragen wollte, wie viele seid ihr denn z. Zt. in der Bande?“
Benny: „Sind zu 3., aber früher waren wir zu 6., Kjeld natürlich und da war Bruder von Olsen noch dabei, der Ole Olsen und noch dabei war der Jens, Jensen und der Knut, fällt mir jetzt Nachname nicht ein.“
Richter: „Knutsen.“
Benny: „Ja, richtig, woher wissen Sie?“
Richter schüttelt den Kopf: „Sach mal, könnt ihr eigentlich von den Brüchen leben?“
Benny: „Nein, mit Olsen legen wir immer drauf, ich fahre nebenher mit LKW noch Terminesache in Lebensmittelbereich aus, auch kleine Portione.“
Richter: „Ja und wie geht das?“
Benny: „Ja, z. B. Kundin will 100 g Wassermelone geschnitte und fragt, ob Lieferunge an Mittwoch nach Erfurt is möglich, Verkäuferin schaut auf Zettel und sagt: An Mittwoch geht nicht, da ist LKW mit Brühwürfel nach Hamburg unterwegs, aber Donnerstag geht. Pause
Also mit Olsen bin ich auch nur noch geschäftlich zusammen, habe gleiche Konfession, aber geh nicht mehr mit ihm zusammen beten.“
Richter: „Warum das denn?“
Benny: „Sitze letztes Mal mit ihm in Kirche und nach 3. Psalm steckt er sich auf einmal Zigarette an, … ja da wär mir doch beinahe Bierglas aus de Hand gefalle.“
Richter: „Ha, ha, macht ihr eigentlich in Schweden, da, da in Ystad auch noch Brüche?“
Benny mit kritischem Gesicht: „Nein, nix mehr, weil da Mankells Wallander ermittelt, da sitzen wir immer schnell fest.“
Richter: „Ja, ja, die Dänen“ und gibt ihm die Akte. „Sie haben eine Stunde Akteneinsicht. Sie legen die Akte dann auf das laufende Band, dann wird sie automatisch eskortiert, decodiert und einsortiert.“
Benny: „Habe Frage, wo ist Getränkestützpunkt, wege Cafe?“
Ilse: „Ah, Sie meinen die Cafeteria, die ist nicht weit, da können Sie den Lift nehmen.“
Richter gibt dem Stummen ein Zeichen: „Herr Kapellmeister“
Stummer spielt.
Alle singen: „Dreh dich einmal um, schau in sein Gesicht und du wirst sehen, Dänen lügen nicht.“
Benny winkt, geht mit Akte weg und schließt die Tür.
Richter blättert in Protokoll: „Wo waren wir stehen geblieben?“
Es klopft an der Tür 5-mal.
Richter: „5-mal geklopft, Parole?“
Stimme: „Hilde kommt im Regen heim.“
Richter blättert in Heft ‚Sonstiges‘: „Nein, das war letzte Woche, sie haben noch 2 Versuche.“
Stimme: „Starkregen in Bielefeld.“
Richter: „Nein, das war vorletzte Woche, sie haben noch 1 Versuch.“
Stimme: „Ach hier: Starkregen in Hildesheim.“
Richter: „Das war knapp, kommen Sie herein.“
2 Putzfrauen, jeweils mit Besen und einem einzigen Eimer, treten ein:
1. Putzfrau stellt den Eimer in der Nähe der Tür ab, schaut auf ihre Unterlagen: „Das hier ist Saal 7 Strich 8, 17. Stock, sie haben hier einen superschnellen Aufzug und welchen Bürokratie-Status haben Sie in der Abteilung?“
Richter deutet auf Schild an der Wand und sagt: „Wir haben 1 minus.“
1. Putzfrau schaut auf Zettel: „Oh, 1 minus heißt: Putzen Boden feucht und Wände trocken, … wie, wie haben Sie denn diesen tollen Wert geschafft?“
Richter in ruhigem Ton:
- „Ja, durch multiple Termingestaltung, wir machen mehrere Termine gleichzeitig,
- arbeiten interdisziplinär, jeder im Haus bringt sein Wissen zur Klärung des Falles ein,
- wir können eine Trennwand zur Seite schieben und haben zusammen mit Zimmer 8 einen Saal,
- öffnen der Tür nur durch 5-maliges Klopfen und Nennen der Parole,
- Transport wichtiger Dokumente zeitnah per Drohne oder automatischem Band,
- wir lassen Gesetzeslücken per KI überprüfen,
- machen den Filterkaffee ohne Maschine,
- gefrieren das übrig gebliebene kochende Wasser gleich ein,
- stellen die Uhr jede Stunde manuell weiter,
- und lüften selbst.
Aber wieso kommen Sie eigentlich gleich zu zweit?“
1. Putzfrau: „Ja, wir machen das wie die Handwerker, wenn wir zu zweit kommen, können wir doppelten Stundenlohn kassieren.“
Richter: „Ja, merkt der Kunde das nicht mit den Handwerkern?“
1. Putzfrau: „Ja, wenn er aufpasst, merkt er das schon. Der Kunde muss halt immer dabei sein, um zu sehen, was läuft, ob die umständlich arbeiten, ob sie telefonieren, ob sie rauchen, ob sie nur die Leiter halten, bei Elektrikern wie viele Kurzschlüsse sie erzeugen, wie oft sie auf die Toilette
wollen.“
Richter: „Ja, sind denn alle so?“
1. Putzfrau zieht eine Bahn mit dem Besen: „Nein, sind nicht alle so, nicht alle so, nicht alle.“
2. Putzfrau läuft einige Schritte in den Raum, macht eine kleine Drehung und hält sich am Besen fest: „Mit den Handwerkern ist das doch eine bilaterale Beziehung. Der Kunde ist jeden Tag ein anderer, die Firma bleibt die gleiche, was glauben Sie, wer ständig benachteiligt wird, natürlich Blechtschinski?“
Richter: „Wer ist Blechtschinski?“
2. Putzfrau: „Blechtschinski ist der kleine Kunde natürlich, weil er blechen muss.“
Richter: „Sie kennen sich aber ganz gut aus bei den Gewerken, was haben Sie für eine Ausbildung?“
1. Putzfrau zieht mit dem Besen weitere parallele Bahnen.
2. Putzfrau: „Ich hab das 1-Jährige an der Minerva, dann hab ich ausgecheckt, gehe mit offenen Augen durch die Welt und der Rest ist GMV.“
Richter blättert im Heft ‚Sonstiges‘: „GMV, das, das habe ich ja noch nie gehört, was, was ist das?“
2. Putzfrau: „Ja, GMV steht doch für ‚Gesunder Menschenverstand‘, nicht zu verwechseln mit KHY, also der ‚Künstlichen Hysterie‘, die ja bekanntlich durch Mensch und Maschine erzeugt werden kann. Aber um dem zu entgehen und um geerdet zu bleiben, mache ich mit meinem Fahrrad ab und zu eine kleine Raumfahrt, ich fahr hinaus in den Raum.“
Richter verlegen: „GMV, KHY und Raumfahrt, ja da steh ich nun ich armer Tor…, aber, aber wenn Sie Rad fahren, das ist doch nur 2-dimensional!“
2. Putzfrau spontan: „Ist mir doch egal. Ich fahr gerne Rad, das hält mich fit. Mein Opa ist früher 20 km mit dem Rad zum Arbeitsplatz gefahren, hat 8 Stunden gearbeitet und ist dann wieder 20 km heim gefahren, zeitweise 6-mal in der Woche. Mein Opa war immer schlank. Ich war früher auch schlank, da konnte ich mich hinter einem Fahrradspeichen umziehen, naja, heute brauche ich 2 dazu.“
Richter: „Ja, ja, den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“
2. Putzfrau hält sich weiter an Besen fest.
Richter zu 1. Putzfrau, die grade eine Bahn fegt: „Was haben Sie da für eine schöne Kette am Arm?“
1. Putzfrau stoppt und sagt stolz: „Ja, die ist von Weserstahl & Werrablech, echt Gold, und tadellos mit feinstem Messing überzogen, die hab ich im Urlaub gekauft vom ersten Putzlohn.“
Richter zu 1. Putzfrau: „Wo waren Sie denn im Urlaub?“
1. Putzfrau stolz: „Ja, wir haben mit der Arche Noah eine 2-wöchige Segeltour gebucht, leider sind dann 3 Wochen draus geworden.“
Richter zu 1. Putzfrau: „Wieso hat das länger gedauert?“
1. Putzfrau erklärt: „Ja, die Arche Noah ist ein Segler und wenn kein Wind weht, dann bleibt sie halt stehen, dann sind wir immer in den Duty-free-Shop, haben Kaffee getrunken und da hab ich die Kette gekauft. Ja, und ich hab auch einen Weltuntergang gefilmt.“
Richter zu 1. Putzfrau: „Sie meinen wahrscheinlich Sonnenuntergang!“
1. Putzfrau: „Ist das nicht das Gleiche?“
2. Putzfrau hält sich weiter an Besen fest.
Richter zu 2. Putzfrau: „Sagen Sie mal, machen Sie da die Schäferprüfung?“
2. Putzfrau: „Nein, nein, eh, ich warte auf den Eimer, … was, was ist die Schäferprüfung?“
Richter: „Das sagt man, wenn sich ein Schäfer auf seinen Stock stützt und die Schafe beobachtet.“
1. Putzfrau wischt die letzten Spuren fertig, ist an der Tür, nimmt den Eimer, 2. Putzfrau wischt mit einem Lappen die Wand. Beide gehen.
Richter zu Ilse: „Frau Ilse, wie ist denn heute die Aktenlage?“
Ilse: „Ja, ‚Olsenbande‘ ist erledigt, offen ist noch ‚Fam. Remmo‘ und ‚Hitlertagebücher‘.“
Richter: „Was ist mit der ‚Nutellabande‘?“
Ilse: „Ja, die Sache hat sich beruhigt, die sind alle im Jugendarrest und dann gibt’s hier noch eine neue Akte ‚Mord und Totschlag‘.“
...
Nach einer Vorlage von Franz Steinl (Kapellmeister, Trompeter und Klarinettist).
(Im Raum steht ein Tisch für den Richter mit Heften der Regenbogenpresse und der Akte „Fam. Remmo“, ein Tisch für die Sekretärin mit Aktenordnern: „Olsenbande“, „Hitler-Tagebücher“, „Nutellabande“, „Offene Kassenlade“, „Diebische Handwerker, Untertitel: Zahlbar in 8 Tagen ohne Abzug“, „Mord und Totschlag“, ein Heft mit „Sonstiges“, ein Tisch für Stummen (für Musikinstrument) und zu jedem Tisch ein Stuhl sowie Stühle neben Eingangstür. Benny hat ein dickeres Holzteil am Fuß, 1. Putzfrau trägt eine Kette, Polizist trägt eine Uhr.)
Die Uhrattrappe an der Wand steht auf 15:00 Uhr, Schild mit „1 minus“ hängt an der Wand sowie eine Box mit Aufschrift: „Drohnenfach“.
Inhalt
Richter sitzt am Tisch und liest ein Heft aus der Regenbogenpresse. Es klopft an der Tür, Richter zuckt zusammen, schaut auf die Uhr, legt einen Stapel Hefte weg, säubert die Tischplatte mit dem Ärmel und ruft „Parole?“
Polizist ruft: „Starkregen in Hildesheim.“
Richter: „Stimmt, herein, bitte.“
Es treten ein Polizist, Stummer und Sekretärin Ilse.
Polizist: „Herr Richter, wir haben einen verdächtigen Mann aufgegriffen, der neben einem aufgebrochenen Kaugummiautomaten stand. Der Mann ist leider von Geburt an stumm, hören kann er und er kann auf Fragen musikalisch antworten.“
Ilse legt das Vernehmungsprotokoll auf den Tisch des Richters und sagt: „Das ist das Vernehmungsprotokoll.“
Ilse setzt sich an ihren Schreibtisch, ordnet und stenografiert mit.
Richter: „Danke“, er blättert in dem Protokoll hin und her und sagt zum Stummen: „Nun, wie heißt er denn?“
Stummer setzt sich und spielt.
Polizist: „Er spielt: ‚Theo, wir fahrn nach Lot.‘“
Richter: „Ah, er heißt also Theo“ und schreibt in das Protokoll.
Stummer nickt.
Richter: „Hat er denn auch einen Nachnamen?“
Stummer spielt.
Polizist: „Er spielt ‚Wann gibt’s mal wieder einen Sommer?‘“
Richter: „Also Sommer mit Nachnamen“ schreibt in das Protokoll: „Und wo ist er geboren?“
Stummer spielt.
Polizist: „Er spielt: ‚Es war in Schöneberg, im Monat Mai.‘“
Richter: „Schöneberg, Schöneberg ist das in den Alpen?“
Ilse: „Nein, das ist doch Berlin.“
Richter: „Ach so, ach so, Berlin im Mai und welcher Tag?“
Stummer spielt.
Polizist mit britischem Akzent: „Er spielt: ‚Wähle 3 3 3 auf dem Telefon, wähle 3 3 3 und ich komme schon, wähle 3 3 3 und dann glaube mir, bin ich 1 2 3 schon bei dir.‘“
Richter und Polizist schunkeln.
Richter: „Ah, er meint den 33.3.“ (dreiunddreißigster Dritter) und will schreiben.
Ilse: „Aber Herr Richter, der März hat doch nur 31 Tage.“
Richter stutzt, schaut den Polizisten und Ilse ungläubig an, berührt mit Zeigefinger den Knöchel der anderen Hand am Zeigefinger, dann die Vertiefung, dann den Knöchel am Mittelfinger und sagt: „Stimmt, der März hat 31 Tage, dann hat er den Tag gemeint, also 3“ und schreibt.
Es klopft, 2-mal.
Richter zum Polizisten: „Schauen Sie mal bitte nach, Herr Kollege.“
Polizist öffnet die Tür, Benny kommt herein.
Richter: „Wer sind Sie denn?“
Benny mit leichtem dänischen Akzent: „Bin Benny von de Olsenbanden und möchte Akteneinsichte habe.“
Richter zu Ilse: „Haben wir die Akte hier?“
Ilse: „Ja, das war beantragt, ich hab die Akte heute Vormittag in Kopenhagen angefordert und per Drohne war die schon um 12:00 Uhr hier“, nimmt die Akte und legt sie Richter auf den Tisch.
Richter: „Olsenbande, wieso kommt Egon Olsen nicht selbst?“
Benny: „Is noch verhindered.“
Richter: „Warum?“
Benny: „Ja, Olsen hatte tollen Plan und wollte Zuckertransport überfalle, war aber Salzeladung und sagt, will heute von dem ganz viel esse, von dem die Leut sonst nur ganz wenig esse und hat Kaffeetasse halbvoll gemacht mit Salze und hat Kaffee auf ex getrunke, war dann in Salzdilemma und so hat ihn Polizei gefunde.“
Richter: „Das ist wieder typisch Olsen, also schlecht vorbereitet war er wieder ganz gut.“ Er denkt nach und sagt: „Sagen Sie mal, der Egon muss doch einen Bruder haben!“
Benny: „Ja genau, hat eine Bruder, woher wissen Sie?“
Richter: „Ich meine, einer allein kann doch nicht so blöd sein und wie viel haben Sie bekommen?“
Benny: „Sollte 100 Tage sitze, bin dann aber bei gute Führung schon nach 1/3 frei gekomme und muss restliche 50 Tage jede Tag anrufe, da Fußfessele.“
Richter: „Sagen Sie, beherrschen Sie die 10er-Reihe sicher?“
Benny: „Ja aber nur dänische.“
Richter: „Und wo sind Sie eingesessen?“
Benny: „War in Salzegittere.“
Richter: „Ah, ja, gibt es eigentlich noch Orte, wo Sie noch nicht eingesessen sind?“
Benny singt: „Ja, ich saß noch niemals in New York, ich saß noch niemals auf Hawaii und in San Francisco kenn ich nur die Lombard Street.
Ich kenn nur den Strand in Florida, kenn den Tabak aus Virginia, aber in San Diego, San Diego war ich nie.“
Richter singt nach: „… war ich nie. Ja, Sie sind ja ein Metropolitan, sind Sie, ah, ähm, was ich fragen wollte, wie viele seid ihr denn z. Zt. in der Bande?“
Benny: „Sind zu 3., aber früher waren wir zu 6., Kjeld natürlich und da war Bruder von Olsen noch dabei, der Ole Olsen und noch dabei war der Jens, Jensen und der Knut, fällt mir jetzt Nachname nicht ein.“
Richter: „Knutsen.“
Benny: „Ja, richtig, woher wissen Sie?“
Richter schüttelt den Kopf: „Sach mal, könnt ihr eigentlich von den Brüchen leben?“
Benny: „Nein, mit Olsen legen wir immer drauf, ich fahre nebenher mit LKW noch Terminesache in Lebensmittelbereich aus, auch kleine Portione.“
Richter: „Ja und wie geht das?“
Benny: „Ja, z. B. Kundin will 100 g Wassermelone geschnitte und fragt, ob Lieferunge an Mittwoch nach Erfurt is möglich, Verkäuferin schaut auf Zettel und sagt: An Mittwoch geht nicht, da ist LKW mit Brühwürfel nach Hamburg unterwegs, aber Donnerstag geht. Pause
Also mit Olsen bin ich auch nur noch geschäftlich zusammen, habe gleiche Konfession, aber geh nicht mehr mit ihm zusammen beten.“
Richter: „Warum das denn?“
Benny: „Sitze letztes Mal mit ihm in Kirche und nach 3. Psalm steckt er sich auf einmal Zigarette an, … ja da wär mir doch beinahe Bierglas aus de Hand gefalle.“
Richter: „Ha, ha, macht ihr eigentlich in Schweden, da, da in Ystad auch noch Brüche?“
Benny mit kritischem Gesicht: „Nein, nix mehr, weil da Mankells Wallander ermittelt, da sitzen wir immer schnell fest.“
Richter: „Ja, ja, die Dänen“ und gibt ihm die Akte. „Sie haben eine Stunde Akteneinsicht. Sie legen die Akte dann auf das laufende Band, dann wird sie automatisch eskortiert, decodiert und einsortiert.“
Benny: „Habe Frage, wo ist Getränkestützpunkt, wege Cafe?“
Ilse: „Ah, Sie meinen die Cafeteria, die ist nicht weit, da können Sie den Lift nehmen.“
Richter gibt dem Stummen ein Zeichen: „Herr Kapellmeister“
Stummer spielt.
Alle singen: „Dreh dich einmal um, schau in sein Gesicht und du wirst sehen, Dänen lügen nicht.“
Benny winkt, geht mit Akte weg und schließt die Tür.
Richter blättert in Protokoll: „Wo waren wir stehen geblieben?“
Es klopft an der Tür 5-mal.
Richter: „5-mal geklopft, Parole?“
Stimme: „Hilde kommt im Regen heim.“
Richter blättert in Heft ‚Sonstiges‘: „Nein, das war letzte Woche, sie haben noch 2 Versuche.“
Stimme: „Starkregen in Bielefeld.“
Richter: „Nein, das war vorletzte Woche, sie haben noch 1 Versuch.“
Stimme: „Ach hier: Starkregen in Hildesheim.“
Richter: „Das war knapp, kommen Sie herein.“
2 Putzfrauen, jeweils mit Besen und einem einzigen Eimer, treten ein:
1. Putzfrau stellt den Eimer in der Nähe der Tür ab, schaut auf ihre Unterlagen: „Das hier ist Saal 7 Strich 8, 17. Stock, sie haben hier einen superschnellen Aufzug und welchen Bürokratie-Status haben Sie in der Abteilung?“
Richter deutet auf Schild an der Wand und sagt: „Wir haben 1 minus.“
1. Putzfrau schaut auf Zettel: „Oh, 1 minus heißt: Putzen Boden feucht und Wände trocken, … wie, wie haben Sie denn diesen tollen Wert geschafft?“
Richter in ruhigem Ton:
- „Ja, durch multiple Termingestaltung, wir machen mehrere Termine gleichzeitig,
- arbeiten interdisziplinär, jeder im Haus bringt sein Wissen zur Klärung des Falles ein,
- wir können eine Trennwand zur Seite schieben und haben zusammen mit Zimmer 8 einen Saal,
- öffnen der Tür nur durch 5-maliges Klopfen und Nennen der Parole,
- Transport wichtiger Dokumente zeitnah per Drohne oder automatischem Band,
- wir lassen Gesetzeslücken per KI überprüfen,
- machen den Filterkaffee ohne Maschine,
- gefrieren das übrig gebliebene kochende Wasser gleich ein,
- stellen die Uhr jede Stunde manuell weiter,
- und lüften selbst.
Aber wieso kommen Sie eigentlich gleich zu zweit?“
1. Putzfrau: „Ja, wir machen das wie die Handwerker, wenn wir zu zweit kommen, können wir doppelten Stundenlohn kassieren.“
Richter: „Ja, merkt der Kunde das nicht mit den Handwerkern?“
1. Putzfrau: „Ja, wenn er aufpasst, merkt er das schon. Der Kunde muss halt immer dabei sein, um zu sehen, was läuft, ob die umständlich arbeiten, ob sie telefonieren, ob sie rauchen, ob sie nur die Leiter halten, bei Elektrikern wie viele Kurzschlüsse sie erzeugen, wie oft sie auf die Toilette
wollen.“
Richter: „Ja, sind denn alle so?“
1. Putzfrau zieht eine Bahn mit dem Besen: „Nein, sind nicht alle so, nicht alle so, nicht alle.“
2. Putzfrau läuft einige Schritte in den Raum, macht eine kleine Drehung und hält sich am Besen fest: „Mit den Handwerkern ist das doch eine bilaterale Beziehung. Der Kunde ist jeden Tag ein anderer, die Firma bleibt die gleiche, was glauben Sie, wer ständig benachteiligt wird, natürlich Blechtschinski?“
Richter: „Wer ist Blechtschinski?“
2. Putzfrau: „Blechtschinski ist der kleine Kunde natürlich, weil er blechen muss.“
Richter: „Sie kennen sich aber ganz gut aus bei den Gewerken, was haben Sie für eine Ausbildung?“
1. Putzfrau zieht mit dem Besen weitere parallele Bahnen.
2. Putzfrau: „Ich hab das 1-Jährige an der Minerva, dann hab ich ausgecheckt, gehe mit offenen Augen durch die Welt und der Rest ist GMV.“
Richter blättert im Heft ‚Sonstiges‘: „GMV, das, das habe ich ja noch nie gehört, was, was ist das?“
2. Putzfrau: „Ja, GMV steht doch für ‚Gesunder Menschenverstand‘, nicht zu verwechseln mit KHY, also der ‚Künstlichen Hysterie‘, die ja bekanntlich durch Mensch und Maschine erzeugt werden kann. Aber um dem zu entgehen und um geerdet zu bleiben, mache ich mit meinem Fahrrad ab und zu eine kleine Raumfahrt, ich fahr hinaus in den Raum.“
Richter verlegen: „GMV, KHY und Raumfahrt, ja da steh ich nun ich armer Tor…, aber, aber wenn Sie Rad fahren, das ist doch nur 2-dimensional!“
2. Putzfrau spontan: „Ist mir doch egal. Ich fahr gerne Rad, das hält mich fit. Mein Opa ist früher 20 km mit dem Rad zum Arbeitsplatz gefahren, hat 8 Stunden gearbeitet und ist dann wieder 20 km heim gefahren, zeitweise 6-mal in der Woche. Mein Opa war immer schlank. Ich war früher auch schlank, da konnte ich mich hinter einem Fahrradspeichen umziehen, naja, heute brauche ich 2 dazu.“
Richter: „Ja, ja, den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“
2. Putzfrau hält sich weiter an Besen fest.
Richter zu 1. Putzfrau, die grade eine Bahn fegt: „Was haben Sie da für eine schöne Kette am Arm?“
1. Putzfrau stoppt und sagt stolz: „Ja, die ist von Weserstahl & Werrablech, echt Gold, und tadellos mit feinstem Messing überzogen, die hab ich im Urlaub gekauft vom ersten Putzlohn.“
Richter zu 1. Putzfrau: „Wo waren Sie denn im Urlaub?“
1. Putzfrau stolz: „Ja, wir haben mit der Arche Noah eine 2-wöchige Segeltour gebucht, leider sind dann 3 Wochen draus geworden.“
Richter zu 1. Putzfrau: „Wieso hat das länger gedauert?“
1. Putzfrau erklärt: „Ja, die Arche Noah ist ein Segler und wenn kein Wind weht, dann bleibt sie halt stehen, dann sind wir immer in den Duty-free-Shop, haben Kaffee getrunken und da hab ich die Kette gekauft. Ja, und ich hab auch einen Weltuntergang gefilmt.“
Richter zu 1. Putzfrau: „Sie meinen wahrscheinlich Sonnenuntergang!“
1. Putzfrau: „Ist das nicht das Gleiche?“
2. Putzfrau hält sich weiter an Besen fest.
Richter zu 2. Putzfrau: „Sagen Sie mal, machen Sie da die Schäferprüfung?“
2. Putzfrau: „Nein, nein, eh, ich warte auf den Eimer, … was, was ist die Schäferprüfung?“
Richter: „Das sagt man, wenn sich ein Schäfer auf seinen Stock stützt und die Schafe beobachtet.“
1. Putzfrau wischt die letzten Spuren fertig, ist an der Tür, nimmt den Eimer, 2. Putzfrau wischt mit einem Lappen die Wand. Beide gehen.
Richter zu Ilse: „Frau Ilse, wie ist denn heute die Aktenlage?“
Ilse: „Ja, ‚Olsenbande‘ ist erledigt, offen ist noch ‚Fam. Remmo‘ und ‚Hitlertagebücher‘.“
Richter: „Was ist mit der ‚Nutellabande‘?“
Ilse: „Ja, die Sache hat sich beruhigt, die sind alle im Jugendarrest und dann gibt’s hier noch eine neue Akte ‚Mord und Totschlag‘.“
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