Cover: Wie a zuagroasta Solzbuaga as Buagnlaund siagt

Wie a zuagroasta Solzbuaga as Buagnlaund siagt
Das poetische Tagebuach vo an Solzbuaga vo seine Eafoahrungen im Sidbuagnlaund


EUR 24,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 136
ISBN: 978-3-99185-077-9
Erscheinungsdatum: 19.02.2026
Ein Salzburger entdeckt das Südburgenland – zwischen Zeitlöchern, Maibäumen und Schnapsrunden. Mit Humor und im hianzischen Dialekt erzählt er vom Alltag in Tschanigraben: ein Blick auf Eigenheiten, Skurriles und das stille Glück am Rand Österreichs.
Das kleinste Brennglas Österreichs


Ach, bist du nur ein Gemeindezwerglein,
auf der Landkart’ grad ein Flecklein klein!
Du säumst die Grenz’ zum Ungarland,
von Inzenhof bist du umrahmt.

So fristest du ein stilles Dasein –
nur eine Straße führt nach dir rein!
Auch weißt du nicht, wieso genau
du eine Gmoa bist mit sehr viel Wald und grüner Au.

Schon einmal hat man’s Schicksal dir besiegelt.
Nach 20 Jahren den Zwang entriegelt.
Und bist nun wieder politisch frei –
doch sage an, wozu das sei?

Ich sag’s dir gleich!

Du bist der kleinste Flecken Land,
auf dem ganz Öst’rreich Zuflucht fand.
Nirgends auf diesem Staatsgebiet
man alle Länder so eng beieinander sieht!

Fast aus jedem öst’rreichischen Bundesland
ein Auswanderer sei’n Heimat fand!
Sogar, wo d’Hianzen einst herkamen
mam es zu bajuwarischen Landnahmen.

Drum bleib’ Gemeinde, bleibe frei
als Repräsentant von Österreich.
Besinne dich in diesem Sinn
Tschanigraben ist ein Gewinn.

Und weihe einen Platz im Ort
als Bundesländer Hotspot-Hort!
Wo alle ihre Fahnen wehen
und in der Mitt’ die
von Burgenland und Tschanigraben stehen!

irgendwann im 21er Jahr




As Zeitnlouch


Nia hätt’i docht, dass es souwos gibt,
owa es is gaunz sicha, wal is togtäglich
synchron erleib.

Mia san zougn ins südliche Buagnlaund,
a da Hianzn Huamatlaund gnaunnt.
Sondaboa! Net nua ianan Dialekt –
Bui, Kui und guißn – hob i entdeickt.

Nochdeim ma do a Behausung fand,
is da Buagamasta keimman ois Infoamant.
„Wüllst bleibm do, muasst du vasteihn,
dass die Uhr’n ba uns gaunz aundascht geihn“.

Sei lafn in die aundre Richtung,
zumindast a Stund linksherum!
Sou schlogt die Tuamuhr net scho um seigsi,
um hoiwa siemi beginnt die Vesper jetzt.

An d’ Uhrn kau ma’s net easpähn,
ihre Zaga wia gweihnlich geihn.
Nia die Zeit, jo, dei bleibt wirklich steihn.
Togaus, togein, die gaunze Wouchn,
ob Tog, ob Nocht, die Zeit holt Wocht
und riaht si afoch net vam Fleick,
herrscht Stille, Ruih nua’s Wüld si regt!

Do kaunnst du wuhl kaum ölta wean,
und do a weinig Leite steam.
Wia sull’s a sei im Zeitnlouch,
wou si die Zeit wuhl söbst vakrouch?

Sou kaunn i jedamaunn empföhln,
der Stress hot und wüll da Host entfliehn:
Loss’ nieda di in Tschanigrom,
wou späte Johr’ nau Frühling hom.

29.01.2022




Hymne iwa Tschanigrom


Tschanigrom, oh Tschanigrom,
wia bist froh in diesn Togn,
wou du nix mitkriagst va da Wöld,
wou nua da Covid-Impfstich zöhlt.
Nua jeda auf si söwa schaut
und va da Zukunft si nua graut.
Noamal, noamal in Tschanigrom,
noamal is deis in Tschanigrom.

Umgeim bist du va dunkln Wold,
wou da Jäga an scheichn Wüld nochstöllt.
Wou im Mai di Gloucknbluman blian,
und di Meinna in da Suppn rian,
wals wissn, wenn’s di Fraun sekkiarn,
sei kan Bäalauch ned zan Eissn kriagn.
Noamal, noamal in Tschanigrom,
noamal is deis in Tschanigrom.

Oh Tschanigrom, oh Tschanigrom,
die Uhrn do wiakli aundas schlogn.
Di Zoaga lafn gleich wia sunst,
owa deis obleisn is die Kunst.
Wous draußn zeitgrecht sullt sein,
in Tschanigrom muasst zeitlous bleim.
Noamal, noamal in Tschanigrom,
noamal is deis in Tschanigrom

Do host gmua Zeit, fia wos di gfreit,
und wos ned geht, host ehm kua Zeit!
Sou leim di Leit gaunz soaglous hier,
wea’s ned vasteht, bleibt fean va dir.
Vadiab ned iana Leibnselexia.
Noamal, noamal in Tschanigrom,
noamal is deis in Tschanigrom.

Oh Tschanigrom, oh Tschanigrom!
Do wüll i gean mei Huamat hom!
Und mi net mit Soagn hearumschlougn.
Warum sullt i mei Leim wogn,
waunn’s scheina geht in Tschanigrom?
Noamal, noamal in Tschanigrom,
noamal is deis in Tschanigrom.

im Juli 2021




Maibamkraxeln


Stulz steht a do,
der heirige Bam,
und untn tan si d’Leit umadrahn.

A Gulasch und Wiaschtl
gibt’s zu olla Plesier,
und dazu no a kühls Puntigamer Bier.

Da ruaft aus da Buagamasta: „He Buim!
Wer aufikröllt
auf den glottn Bam,
der sollt heite Nocht
a fesche Jungfrau noh hom.
Mia hom do no gmua
im scheen Tschanigrom.“

Do koana tuit mucksn,
koana kröllt hoch.
Wal de Jungfraun san hierorts
um de Zeit nimma woch.

01.05.2022




Maibamexpertise


Im Solzbuaga Laund,
sou is es weitumatum wuhl bekaunnt,
muiss ma zagn, wos ma is,
und deis a grod nau, wenn nix do is!

Guat siagt ma deys im scheinan Wonnemonat Mai,
do zaht d’Laundjugnd muads an Fichtnbam heabei.
Und es is Brauch im Solzbuaga Laund,
da Bam muiss hom in Buagamasta sein
Bauchumfaung!

Dann wird g’strichn, g’saglt, gstuln.
Jo, es is Brauch,
dass die Nochban den Bam hamlich huln.
20 stoake Mäinna tuan dann den Bam aufrichtn
und brauchn dazua sicha via Stieglbiakistn.
Damit is owa ned vabei,
wal di Nochban kunntats folln ei,
dass n’Bam umsagln in da Nocht um hoiwadrei.

Gaunz aundas laft deis im Buagnlaund,
wou die Deafa vü klana sein
und Gnügsamkeit is as vaeinigndes Baund.
Do is ma zfriedn, wenn’s weinig gibt,
Hauptsoch da Buagnlaund-Triathlon gült.
Deis warat: gmiatlich zaumman sitzn,
guat eissn und trinkn,
kuaz: an’s Leib’swohl deinkn.

As Lafn und Schwitzn wüll ma si scheinkn.
Im Wold gibt’s nua wenig Fichtnbam,
und wenn, dann san’s eha filligran.
Trotzdem, zum erschtn Mai
muass wieda a Bam aufgstöllt sei.

I woa zu seina Errichtung ned im Ort
und siag an Bam eascht speida dort.
Und i ois solzbuaga Derivat
muass a bissl loch’n, wia i den Bam derspat.
Do frogt mi da Buagamasta:
„Na, wia findst den Bam?“
Ich loch und sog: „Jo fesch is a woan.
In Solzbuag tät ma za sou an Bam
Maigerten sogn.“

04.05.2022




Da Geist va Tschanigrom


As klane Deafal Tschanigrom
hot nua Bestaund,
wenn’s net nua is
a klans, grians Fleickal Laund,
und a net,
wenn’s nua is a politische Gemeinde,
dei a Richtaspruch
aus an Gemeindevabaund befreite.

Na, es braucht a eignes Wesn,
deis aus Meinschnwulln nua kaun genesn.
Und wenn die Meinschn, dei do wohnan,
bewusst zaummankumman
und dem Oat a eigane Bestimmung geim,
Identität ois Tschanigrobna leim.

Kuaz, as Doaf braucht ois Leibnselixia
a echtes Tschanigrobna WIR!
Deis owa hast’s stets za pfleign
an dörflich’ Leibn Raum za geim,
si geygnseitig woahzaneiman,

Gelegenheit si za begeignan und
Oate da Begegnung schoffn,
die deis Leibn meigli mochn.
Sou wär’a eignes Treifflokal
fia dei Zwecke ideal.
Do kinnt’ si büldn jena Geist,
wos Tschanigrom wirklich heißt.

20.09.2022
...

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