Cover: Weils sich reimt, ist alles gut

Weils sich reimt, ist alles gut


EUR 26,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 140
ISBN: 978-3-99130-715-0
Erscheinungsdatum: 03.03.2025
„Weil’s sich reimt, ist alles gut“ ist eine Sammlung von Gedichten, die nicht nur bayerischen Charme versprühen, sondern mit feiner Pointe und scharfem Blick die wichtigen Dinge im Leben aufzeigen und die Herausforderungen unserer Zeit im Fokus haben.
In jener Zeit


In jener Zeit, wias amoi war,
schritt Hochwürden im Talar
durchs Dorf –, hochgeachtet und geehrt.
Ned nur bei Betschwestern begehrt.
Sei kloane Kirch, nah an da Grenz,
weil sie hoit so obgleng war,
dass er eikafft hot in Austria.

Am besten war es für die Frommen,
anstandslos durchn Zoll zu kommen.
Iatzt werds Zeit an derer Stäi,
dass i eich de ganze Gschicht verzai.

Pfarrer Stingl war sei Name
und Frein Anne hieß die Dame,
de eam ned nur an Haushoit macht.
Zwischn dene zwoa hots ab und
zu scho ganz sche kracht.

Und do war aa no Fips, da Hund,
der war verfressen und drum rund.
Und wias bei Pfarrershund des gibt,
hot er ab und zua d’Leid in d’Wadl zwickt.
In diesem gesellschaftlichen Status
do huift ned amoi „Orate fratres“.

Frein Anne hot grod a Problem:
Ihr Nachthemd, des is nimma schön,
d’Seidenstrümpf san olle zrissen
und ihra Unterwäsch is arg zerschlissen …

So fahrt Herr Stingl,
samt ’m Fips, dem Schlingl
überd Grenz ins andre Land,
wo er seinen Bruder im Geiste fand.

Erst bsuacht a an Freind, dann kafft er ei.
Akurat nach Zettl, wia soi des anders sei.
Kaam kummt der Zug beim Hoamfahrn ins Rollen,
kummt scho die obligate Frage:
„Herr Pfarrer, hams was zu verzollen?“
„Fünf Poor Seidenstrümpf, an Büstenhoita …
Und fünf Packl Damenunterhosn.
Ja, und a Damennachthemd
fast hot er si a bissl gschämt …
Er denkt scharf noch, dass er aa ois mäidt,
liang derf er ned, des waar ja gfäit.

Do fangt der Zöllner o zum Lacha.
„Herr Pfarrer, dass Sie soiche Witze macha!!
In da Kirch is oft da Humor z’ kurz kema.
Olle Pfarrer, soin sie an Eahna a Beispui nehma.“




Ned jede Kuah


Ned jede Kuah is lila,
ned jeda Löwe gstroaft,
ned jeda Tenor is aus Sevilla,
ois Kunde wird ma nur eigsoaft.

Ned olles, wos ma dir erzäiht,
derfst unbesehen glam,
verlogn is de ganze Wäit,
weil olle nur auf eanan eignan Beitel schaung.

Wuist du in dera Gsäischaft
vorwärts kumma und besteh?
Dass ma auf koan Foi mitm Hauffa lafft.
Ma muass eigne Wege geh!




Der Bankautomat


Fürs Business
gibt’s an extrign Dress.
Hinter am Glos, am dickn,
sitzns drin, de Banker, de schickn!

Für d’Kundn
hod ma Automatn erfundn,
de im Vorraum stengan,
aba nua guad san, wenns gengan!

Dann lafft ois wia am Schnüarl.
Auf und zua gehts Eingangsdüarl
von in da Friah bis auf d’Nocht.
Hod vui Gewinn scho eibrocht.

In den richtign Schlitz,
des is wirkli koa Witz,
steckst dei Bankkarterl nei.
Da Automat verschluckt’s in dem Foi,
sogt ned amoi:
„I bin so frei.“

Wia kriagst des wieder?
Du bist verzweifelt und zwider.
Außerhalb der kargen Öffnungszeitn,
kon ma ned amoi um Hilfe läitn.

Des Gerät konn ma oschrein.
Es wird dir koa Ohr leihn.
War des früha schee:
Do war’s möglich, auf an Menschn zua z’geh.

Elektronik her oder hin,
a Schraubnzieher machat do Sinn.
Des Karterl hätt ma dann glei …
Es huift nix!
I lern jetz freiwillig Online-Banking!
Ja mei!
Muass sei.




Engerl und Deiferl


Vor dem Leonhardikircherl

Engerl: Jetz sitz ma do herom
am Doiza Leonhardi-Dom.
Verzückt schaung ma vo do aus naus ins Land:
Do verschwindt a jeda Grant!

Deiferl Do kummt ja da Emmeran.
Wia a Dampflok schnauft er an …

Engerl Dass du jetz oiwei raucha muasst!
Bist innerlich scho ganz verruaßt!
Sicher scho verpicht und gschwefelt,
bist ja direkt eingenebelt!

Deiferl „Schwefel“ des is mei Ressort.
Des erinnert mi an meinen Heimatort.
Des is für mi so vertraut!
Dass der Emmeran as Raucha ned aufgibt, do drauf wird geschaut
Liaba, guada Emmeran,
doo host an Glimmstengel, zünd’ nur glei an.
Jetzt hoist da no a poar Hoibe vom großen Fass!
I versteh di a soo: Du brauchst aa amoi an Spaß.

Engerl Bist jetzt du scho wieda am Saufa?
Um des Gäid kannt ma si aa wos Schöners kaffa.
Bist desweng eh scho im Gred.
Und außerdem macht da Alkohol nur bläd.

Deiferl Emmeran, jetz gehst gmüatli hoam.
Lass di vo dem Gred ned schwoam.
Duat da ois weh nach deim Trinkgelage:
Genga jeds Weh-Weh gibt’s a Tablette ohne Frage.
Nimm nur oiwei recht vui ein
und dein Leben wird schöna sein!

Engerl Wos schaugst do wieda für Buidl oo,
so wos is brauchbar nur fürs Kloo!
Mit oam Flügl muass i mia de Aung verdecka,
am liabstn daat i mi vastecka.

Deiferl Ha, haa, ja, ja, des is ja schee:
Emmeran, i kann di vasteh!

Engerl Bist scho wieda an da Deck’n?
In d’Luft schiaßt jeds moi wia a Raketn.
Wenn di irgendwos ärgern duat,
Emmeran, des duat koa guat.

Deiferl As Leben verlaaft hoit ned einfach toll.
Umgeh mit ollem: tolerant und verständnisvoll!

Engerl Und jetz, Deiferl, hoit die Mäi!
Vaschwindt endli vo do herom: aba glei!
Da Emmeran kon si genga seine Suchtn säiber nimmer wehrn! Ich werde mi beim lieben Gott beschwern …

In so am Foi steht da heilige Leonhard parat.
Er zerreißt de Kettn, de der Emmeran um hat.
Er befreitn von seiner Gefangenschaft
und gibt eam fürs künftige Leben Kraft.

Am Leonhardikircherl steht er frei,
breit’t seine Arm weit aus und schnauft diaf ei.
Olles im Rahmen, der Emeran genießt,
weil er in sich säiber nimmer gefangen ist!




Marathon


Marathon,
dreißig km lang läuft der Wolfi schon.
Vor ihm ausdauernd und kraftvoll,
der Berti, er schwitzt.
Dass ER gewinnt, das ist geritzt!

Auf das Ziel konzentriert,
ist der Berti plötzlich abgeschmiert.
Wolfi sieht, wie er fällt.
Ein Leichtes, ihn abzuhängen,
siegreich aufzusteigen in den Rängen?
Sich um ihn zu kümmern, wäre fair!
Der Wolfi ist vor die Wahl gestellt.

Berti kann nicht mehr laufen.
Er hat Mühe beim Schnaufen.
Wolfi setzt ihn an den Straßenrand
und nimmt sein Handy in die Hand.

„Hier ist Kilometer fünfundreißig vom Marathon.
Bitte, kommen sie schnell.
Ich bleibe bei ihm, warte an dieser Stell.“
Berti sagt keinen Ton.

Taatüüü, Taataaaa –
das Blaulicht blinkt.
Hierher bitte, hier ist Berti, Jaaa!
Wolfi winkt!

Berti muss ins Krankenhaus.
Auch für Wolfi ist der Wettkampf aus.
Er hat keinen Preis gewonnen,
aber er ist Sieger der Herzen! Der Held!
Er hat das Leben seines Freundes
über sein Eigenes gestellt!
...

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