Cover: Arbeitsmücken & Chaoselefanten

Arbeitsmücken & Chaoselefanten
Humorvolle Anekdoten aus dem ganz normalen Job-Irrsinn


EUR 26,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 220
ISBN: 978-3-99185-083-0
Erscheinungsdatum: 23.02.2026
Mit viel Humor führt Brigitte Fuchsbauer in Arbeitsmücken & Chaoselefanten durch den alltäglichen Job-Irrsinn von Büro, Baustelle und Kundenwelt. Über 80 satirische Anekdoten, alle inspiriert von wahren Begebenheiten – ein Lesevergnügen mit Zwinker-Smiley.
Der Stich


Der Vorfall
Auaaaah! Der Monteur sackt beim Heben der Werkzeugkiste zusammen. Kreidebleich kauert er neben seinem Fahrzeug. „He! Mach weiter!“, rufen die Kollegen. „Wir müssen raus, es ist schon Viertel nach sieben!“ Doch der Angesprochene kann sich kaum bewegen. Alle helfen, zusammen verfrachten sie den großen Kerl mühsam auf einen Stuhl. Mit Schweißperlen auf der Stirn stöhnt er vor sich hin. Er hat plötzlich einen furchtbaren, stechenden Schmerz im Kreuz verspürt und es tut höllisch weh. Irgendjemand entscheidet, die Rettung zu rufen. „Hallo! Können Sie bitte gleich kommen? Unser Kollege kann sich nach einem Stich im Kreuz nicht bewegen. Schaut nach Bandscheiben aus.“
Kurze Zeit später haben die Rettungsleute den Lädierten ins Auto gehievt und sind auf dem Weg ins Krankenhaus. Zwei Polizisten betreten den Verkaufsraum. Der Lagerleiter hält sie für Kunden. „Ja bitte?“ „Wir sind im Einsatz. Wo ist der Verletzte?“ „Welcher Verletzte?“ „Wir wurden hierhergerufen. Zu der Messerstecherei.“ „Das muss ein Irrtum sein, hier ist alles friedlich.“ „Hören Sie! Wir haben die Information erhalten, dass hier jemand einen Stich ins Kreuz bekommen hat.“

Die Folgen
Die Sache wurde aufgeklärt und mit einem gemeinsamen Kaffee abgeschlossen.
Einige Tage später nahm die Empfangsdame den Anruf eines Journalisten entgegen. Eine regionale Zeitung wollte einen Termin samt Fotoshooting für einen Bericht über die Gewalttat. Wie es dazu kommen konnte und ob Migrationshintergrund ein Thema sei …
Trotz unserer Klarstellung konnten wir nach einer Woche Folgendes im Provinzblatt lesen: „Unbestätigten Informationen zufolge kam es am … bei einem Installateur im Ortsteil … zu einer Messerstecherei, bei dem ein Verletzter mit dem Notarzt abtransportiert werden musste. Über die Hintergründe des Verbrechens ist der Redaktion derzeit noch nichts bekannt.“
Ein Auftrag kam aufgrund der Gerüchte nicht zustande.
Und – nicht zuletzt – drei Wochen danach stellte sich ein Mann bei uns als Verantwortlicher eines gemeinnützigen Vereins vor, der eine Sammlung für das Opfer der Gewalttat ins Leben rufen wollte.
Zu diesem Zeitpunkt war der Monteur bereits wieder wohlauf und in vollem Einsatz.
Er besitzt ein Messer, das er für seine Jausenbrote verwendet.




Was kann der Mond dafür?


„Ich sag’s jetzt zum letzten Mal! Wenn Sie das heute nicht erledigen können, werde ich Maßnahmen ergreifen!“ Tuut tuut tuut, er hat aufgelegt. Kopfschüttelnd betrachtet sie den Hörer. Was ist heute los? Nach dem grantigen Mitarbeiter und dem Wutausbruch des Chefs ist das heute schon der Dritte, der unentspannt reagiert. Sie schaut auf den Kalender. Alles klar!

Kennen Sie das? Es gibt Tage, an denen die Menschen hysterisch, aufbrausend, reizbar, ja feindselig reagieren. Oder sie sind überempfindlich und fühlen sich bei jeder Kleinigkeit auf den Schlips getreten.
Dann heißt es „na ja, bald ist Vollmond“ oder „der Neumond lässt grüßen“. Manche sagen, es sei das „Grau-in-Grau-Wetter“, der Nebel, die Hitze oder auch der Frühlingsbeginn. Überreaktionen werden beschwichtigend erklärt mit „weil er bald auf Urlaub geht“ oder „sie ist ja erst vom Krankenstand gekommen“.
Miese Stimmung ist oft dermaßen allgegenwärtig, dass wir nicht bemerken, wie resigniert unsere Denkweise, wie negativ unsere Wortwahl ist.

Miese Stimmung ist infektiös. Man erinnere sich an Tage, wo man fröhlich und beschwingt ins Büro kam und nach einigen Stunden im Umgang mit mürrischen, griesgrämigen Menschen die eigene Gemütslage auf dem Nullpunkt wiederfand.
Miese Stimmung ist ansteckend.

Lachen aber auch.
Wie viele positiv gestimmte Menschen braucht es, um einen negativen umzupolen? Können wir uns nicht zusammentun und die Missmutigen aus ihrer Befindlichkeit befreien?

Stellen wir uns vor, es wäre umgekehrt. Der Mann am Telefon sagt: „Ich freue mich schon auf Ihre Bearbeitung und ich bin sicher, dass Sie das heute noch schaffen.“ Und er wünscht der Dame „einen wunderschönen Tag“. Sie nimmt diese positive Stimmung auf und gibt sie mit einem Lächeln an ihren Mitarbeiter weiter. Weil heute Vollmond ist. Oder weil an diesem nebligen Tag ein bisschen gute Laune Wunder wirkt.

Sagen wir doch der miesen Stimmung den Kampf an!
Denn was kann der Mond dafür, dass er so voll ist?




Plan und Impro


Kunde telefoniert mit dem Fachmann:

Aber es war definitiv so vereinbart!

Ja, schon. Doch das war vor einem halben Jahr. Jetzt haben wir andere Voraussetzungen. Es sind Dinge aufgetaucht, die wir damals nicht wissen konnten.

Ich finde, Sie hätten es wissen MÜSSEN. Denn schließlich sind Sie der Fachmann. Und ich bin der Laie.

Auch wenn sich der Fachmann noch so bemüht: Er ist kein Hellseher.

Also hören Sie, für sowas muss man wirklich kein Wunderwuzi sein. Es war doch absehbar.

Absehbar? Aha. Wenn es für Sie absehbar war, warum haben Sie nichts unternommen und uns nicht informiert?

Seit wann hat der Kunde eine Hinweispflicht? Ich habe Sie beauftragt, eine bestimmte Leistung zu einem vereinbarten Preis abzuliefern. Um den Rest müssen SIE sich kümmern. Auch um die notwendigen Informationen.

Werter Kunde, wir können nicht permanent jedes Detail hinterfragen, das dem Auftrag zugrunde liegt.

Na, dann hätten Sie aber einen entsprechenden Vermerk in das Auftragsschreiben einfügen müssen. So in etwa: Der Leistungsumfang ist nur eine Schätzung, weil es immer anders kommen kann.

Und das hätten Sie unterschrieben?

Natürlich nicht! Wofür halten Sie mich? Also: Was machen wir jetzt? Wie lösen wir das Problem?

Es gibt zwei Möglichkeiten: SIE bemühen sich, den Ursprungszustand wiederherzustellen, sodass wir unsere Arbeiten ordnungsgemäß durchführen können, oder WIR machen das gegen Aufpreis.

Pfff! Ich seh überhaupt nicht ein, dass Sie MIR jetzt den schwarzen Peter zuschieben. Aufgrund des Bauzeitplanes für unsere Wohnhaussanierung hätte es Ihnen klar sein müssen, dass SIE auch mal improvisieren müssen.

Lieber Herr, unsere Monteure sind jetzt schon über eine Stunde vor Ort und bei aller Improvisation nicht in der Lage, ihre Arbeit zu beginnen. Könnten Sie bitte dafür sorgen, dass der meterhohe Schutthaufen vor Ihrer Eingangstüre entfernt wird? Es ist nicht zumutbar, dass der Zutritt nur durch ein Fenster möglich ist.




Narrentreiben


Die Belegschaft hatte vereinbart, dass am Faschingsdienstag alle verkleidet zur Arbeit kommen.

Die Sekretärin des Chefs, bei der man immer höflich und manierlich sein muss, wenn man einen Termin beim Boss haben möchte, kam als Prinzessin.

Außendienstmitarbeiter Nummer 1 erschien als Superman. Nichts ist ein Problem für ihn, er kann alles lösen und ist überdies im Gegensatz zu den anderen ein Überflieger, was Intelligenz, Verkaufsstrategie und Fachwissen anbelangt.

Der Innendienstmitarbeiter, der auch Sicherheitsvertrauensperson ist und sämtliche Evaluierungen durchführt, hatte sich als Polizist verkleidet.

Außendienst 2, der unentwegt Witze reißt und dem ein Missgeschick nach dem anderen passiert – Sie werden es schon erraten haben – er kam als Clown.

Als Gespenst erschien Außendienst Nr. 3. Man trifft ihn selten im Unternehmen an. Er pendelt sozusagen zwischen Kunden und seinem Homeoffice.

Die Facilitymitarbeiterin hat immer ein offenes Ohr für diverse Wehwehchen. Sie sorgt dafür, dass die Kaffeemaschinenbohnen immer aufgefüllt sind und dass das WC-Papier nicht ausgeht. Sie wählte das Kostüm der Krankenschwester.

Der Lagermitarbeiter gilt gemeinhin als Feschak und lässt auch nichts anbrennen. Und wahrlich, er kam im Jägerkostüm.

Und last but not least der Chef selber, der – wenn’s drauf ankommt – alle Probleme sofort und nachhaltig lösen soll, der immer Arbeit für alle beschafft, nicht zu viel wegen des Stresses, aber auch nicht zu wenig wegen des Geldes: Er kam als Zauberer.

Noch viel mehr Faschingsnarren tummelten sich an diesem Tag im Gebäude: eine Haremsdame, ein Ritter, ein Pirat, sogar ein Engel und ein Vampir. Auch eine Hexe fand sich ein. Es war ein buntes und lustiges Narrentreiben.

Am Schluss stellt sich nur noch eine Frage: Welches Kostüm wäre das Ihre?




Der geschenkte Gaul


Weil ihn sein Steuerberater schon mehrmals darauf angesprochen hatte, weil seine Geschäftspartner ob der vielen Möglichkeiten ganz begeistert waren und er gerade eben das x-te Infomail seiner Bank erhalten hatte, beschloss er letztendlich doch, sich mit den verschiedenen Fördermöglichkeiten zu befassen. Er könnte seinen Traum wahrmachen und die große Investition, die er erst für die nächsten Jahre geplant hatte, vorziehen. Alle sprachen davon, hier 7 %, dort 14 %, und dann gab es für kurze Zeit diese attraktiven Fördertöpfe mit bis zu 50 % nicht rückzahlbarem Zuschuss. „Geschenktes Geld. Das musst du einfach machen!“

Er setzte sich hin und begann zu rechnen. Wenn alles gut ging und er mehrere Quellen anzapfen konnte, wäre es machbar. Na gut, einen Bankkredit würde er schon brauchen. Er stellte sich vor, was sein Betrieb mit der neuen Anlage erreichen würde. Was könnte er schon jetzt damit verbessern und wie viel Neues könnte er erschließen.

Er holte Angebote ein, besprach sich mit seiner Hausbank, trug Unmengen an Informationen zusammen, befüllte Dutzende Antragsseiten mit Daten. Er lud hoch, versandte Mails, telefonierte, wühlte in Spamordnern und kämpfte sich beharrlich durch den Behördendschungel. An dem Abend, als er den letzten Antrag erfolgreich übermittelt hatte, lehnte er sich zufrieden zurück, schloss die Augen und ließ sich von seiner Vorfreude auf den großen Entwicklungsschritt und die vielen Möglichkeiten, die sich ihm bald eröffnen würden, davontragen.

Der Kredit war bewilligt, die Anlage bestellt, als er die Mitteilung erhielt, dass zwei relevante Förderungen abgelehnt worden waren. Mit der Begründung, die Investition sei als nicht innovativ einzustufen. Verblieben war einzig der dritte, der kleine 7 %ige Zuschuss.

Hätte er sich doch nur nicht überreden, von seinem Traum verleiten lassen! Nach einer Welle der Verzweiflung richtete er sich auf. Er würde es schaffen. Er hatte so vieles schon gemeistert.

Eines allerdings würde er fortan beachten: Einem geschenkten Gaul sieht man besser doch ins Maul.
...

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