Unsere Autoren im Interview

Erhalten Sie Einblicke in die Welt unserer Autoren – Wie sie die Liebe zum Schreiben entdeckt haben, was hinter ihren Geschichten steckt, woher ihre Ideen stammen und vieles mehr.

Wenn Verzeihen leise beginnt

Bea Winter

Was hat Sie inspiriert, „Der Junge und der Yogi“ zu schreiben?
Ich beobachte manchmal die Schüler, die in der Nähe meines Wohnorts zur Schule gehen. Nach dem Unterricht laufen sie oft aufgekratzt an meinem Haus vorbei. An schlechten Tagen kommt es vor, dass sie sich schlagen, und manche halten dabei ihr Handy in der Hand und filmen. Häufig sind es nur spielerische Rangeleien. Einmal habe ich jedoch die Haustür geöffnet und gefragt, ob alles in Ordnung sei. Ein Junge weinte, ein anderer blickte auf und sagte: „Wir kommen allein zurecht.“

Dann kam der Tag des Amoklaufs in Graz 2025. Wie viele andere Menschen hat mich dieses Ereignis tief erschüttert und meine Seele berührt. Ich habe einen Abschluss in Mobbing- und Gewaltprävention und weiß daher, dass viele Faktoren zusammenkommen, bevor Hass in einer Gewaltspirale eskaliert. Meine Gedanken waren bei den Opfern und ihren Familien, aber auch beim Täter – verbunden mit der Frage: „Warum?“ In diesem Zusammenhang begann ich darüber nachzudenken, was es bedeutet, verzeihen zu können.

Was erzählt dieses Buch, und welche Momente liegen Ihnen besonders am Herzen?
Das Buch erzählt die Geschichte des Jungen Arndt, der in der Schule eine sehr schmerzhafte Erfahrung mit Mobbing macht. Er kann diese Erlebnisse nicht verarbeiten und denkt kurzfristig sogar daran, sich das Leben zu nehmen. Arndt schwänzt die Schule und irrt durch die Innenstadt. Dabei begegnet er Menschen, die ihn wahrnehmen und so annehmen, wie er ist – etwa der Toilettenfrau Minna, die ihm vor allem zuhört.

Schließlich kommt der Tag, an dem Arndt aufbricht, sein bisheriges Leben hinter sich lässt und mit dem Fahrrad in die Lobau fährt, um allein zu sein. Besonders am Herzen liegt mir die Begegnung mit dem Yogi Alfons. In einem Gespräch zeigt er Arndt, was Verzeihen bedeutet. Dabei hört er ihm aufmerksam zu, belehrt ihn nicht, sondern vermittelt ihm ein tiefes Verständnis für diesen Prozess.

Was wünschen Sie sich, dass die Leser aus Ihrem Buch mitnehmen?
Ich wünsche mir, dass wir alle mehr aufeinander achten – unabhängig von Alter oder Herkunft. Dass wir mit dem Herzen sehen und wahrnehmen, wenn jemand einfach nur ein offenes Ohr braucht. Es ist wichtig, achtsam zu sprechen und überlegt zu handeln – und manchmal auch bewusst zu schweigen.

Verzeihen beginnt leise, ohne Gewalt und ohne harte Worte. Es muss gefühlt werden. Es ist ein Prozess, dem man Zeit und Raum geben sollte.

 

 

Der Junge und der Yogi
Hardcover | 62 Seiten
ISBN 978-3-99185-151-6
EUR(A) 23,90
EUR(D) 23,20
CHF 34.50

JETZT BESTELLEN