
Was hat Sie motiviert, dieses Buch zu schreiben?
Für mich ist „Der Elefant am Küchentisch“ das Resümee meiner 20-jährigen Beratung und Begleitung von Angehörigen und Partnern von Borderline-Persönlichkeiten. Eingebunden in ein Netz von mehr oder weniger kompetenten Helfern und Institutionen habe ich die Erfahrung machen müssen, dass diese kaum über ein tatsächliches Verständnis der hochkomplexen Bindungsstörung verfügen. Daraus ergaben sich eklatante Fehlentscheidungen, vor allem in familienrechtlichen Themen, die vollständig zu Lasten involvierter Kinder gingen.
Auch die Arbeit mit erwachsenen Kindern von Borderline-Persönlichkeiten, die oft bis ins hohe Alter hilflos mit ihren betroffenen Elternteilen verstrickt sind, motivierte mich, Vorurteile, Klischees und Tabus zu hinterfragen und zu benennen.
Ihr Buch bezeichnet deutlich Vorurteile, z. B. die oft genannte Heilbarkeit, die Sie klar verneinen. Warum ist Ihnen die kritische Auseinandersetzung mit diesem Thema so wichtig?
Weil die Annahme einer Heilung toxische Verstrickungen in der zwischenmenschlichen Beziehung nicht löst, sondern eher verstärkt. Ich habe nur allzu oft erleben müssen, dass die reguläre Annahme Angehöriger, das Störungsbild sei aufhebbar, unvermeidlich in einer Verstärkung toxischer Verhaltensmuster mündet: von Seiten der hoffenden und illusionierten Angehörigen durch co-abhängige Selbstaufgabe, auf Seiten der Betroffenen in einer sich verstärkenden Symptomatik. Diese wird nicht zuletzt ausgelöst durch eine Zielstellung, die nicht erreicht werden kann, sowie eine endlose Reihe an Rückschlägen, Frustrationen und auch Krisen.
Was möchten Sie Ihren Lesern durch Ihr Buch ermöglichen?
Ganz deutlich Orientierung, Klarheit und Handlungsfähigkeit!
Die Erkenntnis, dass jeder Mensch für sich selbst Verantwortung trägt und die eigene Individualität Respekt verdient – sowohl von sich selbst als auch von denen, die vorgeben, uns zu lieben.
Und vor allem sollen involvierte Helfer befähigt werden, die Konsequenzen schizophrener Bindungsmuster in ihrer toxischen Destruktivität zu erkennen. Ein Verstehen, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung sich durch Hochfunktionalität auszeichnen kann und die oft von deutlichen Widersprüchen begleitete Darstellung der Betroffenen in sorgerechtlichen Prozessen stärker hinterfragt werden sollte.

Vom Elefanten am Küchentisch
Hardcover | 256 Seiten
ISBN 978-3-99130-938-3
EUR(A) 26,90
EUR(D) 26,20
CHF 36.90
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