Cover: Vom Elefanten am Küchentisch

Vom Elefanten am Küchentisch
oder der chaotischen Logik der Borderline-Persönlichkeitsstörung


EUR 26,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 256
ISBN: 978-3-99130-938-3
Erscheinungsdatum: 24.09.2025
Kaum ein Thema spaltet so sehr wie ‚Borderline‘. Vorurteile und mangelndes Wissen haben vor allem für involvierte Kinder fatale Folgen. Dieses Buch zeigt den Hintergrund der Bindungsstörung klar auf und ist für Personen geeignet, die unterstützen wollen.
Vorwort

Seit vielen Jahren arbeite ich mit Angehörigen von Borderline-Persönlichkeiten. Mit Erwachsenen oder auch heranwachsenden Kindern von Betroffenen, deren Partnern, Geschwistern, Eltern oder Freunden. Diese Menschen wuchsen zum Teil in Familiensystemen auf, die durch die tiefgreifende Bindungsstörung Borderline geprägt wurden, und/oder fanden sich in eigenen späteren Beziehungen in einer solchen Konstellation wieder. Sie alle kennen den „Eiertanz“ – die permanente, in der Luft liegende Spannung, verbunden mit der beständigen Angst, dass das nächste Wort, die nächste nicht vorhersehbare und unvermeidliche Frustration eine vernichtende Eskalation zur Folge haben kann.

Um einen sich selbst schützenden Umgang mit den zumeist bedrohlichen Ausbrüchen und Dramen „ihrer“ Borderline-Persönlichkeit zu finden, nutzen die meisten Angehörigen kindliche Überlebensstrategien. Sie ignorieren – aus Angst vor der oft unvermeidlichen Eskalation – Übergriffe und Provokationen. Sie verhalten sich defensiv, zurückhaltend und vermeidend.

Da sitzt er, mitten im Raum und diesen für sich allein beanspruchend: der „Elefant“, unübersehbar und präsent. Niemand kommt an ihm vorbei. Er beansprucht die Lebensenergie all der Menschen, die ihn umgeben, ohne in der Lage zu sein, auch diesen einen eigenen Raum für deren eigene Gefühle und Bedürfnisse zuzugestehen.

Und diese versuchen, ihn zu übersehen und möglichst nicht authentisch und realitätsbezogen zu korrigieren, was an Konflikten und Dramen inszeniert wird. Sie leugnen das Offensichtliche und benennen nicht, was benannt werden sollte. Weil sie es oft weder zuordnen noch verstehen können. Zu übermächtig sind das von Betroffenen oft geschaffene Chaos und die lähmende Verwirrung, in der sich Angehörige oft wiederfinden; zu groß deren Selbstzweifel, zu klein ihr Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und das Wissen um die Richtigkeit des eigenen emotionalen Erlebens. Aus der Erfahrung heraus, dass jede authentische und offene Haltung ein vernichtendes Drama auslösen kann, haben sie gelernt, sich zu schützen, indem sie Konfrontationen vermeiden. Sie verhalten sich so zumeist co-abhängig, womit sie nicht nur sich selbst schaden, sondern auch dem/der Betroffenen an ihrer Seite. Diese/r hat so weder eine Chance auf ehrliche Reflexion noch auf eine Korrektur seiner/ihrer oft verzerrten, verantwortungsabweisenden Realität. Das Störungsbild wird so nicht nur gestützt, es erfährt auch Bestätigung.

Nur ein familiensystemisches Thema oder doch auch ein gesellschaftliches?

Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Bild der Borderline-Persönlichkeitsstörung nehme ich als extrem verzerrt und mangelhaft wahr. Ein Bewusstsein für die Hochfunktionalität der Betroffenen, die sich durchaus beeindruckend erfolgreich und sozial kompetent darstellen können, scheint nicht zu existieren. Schwerwiegende antisoziale und hochtoxische Verhaltensmuster der Betroffenen werden, selbst wenn diese offensichtlich sind, ignoriert, banalisiert, fantasiereich in einen positiven Kontext gesetzt oder auch einfach den Angehörigen zugeschrieben. Die typisch co-abhängige, vermeidende und ignorierende Haltung findet sich in von Borderline geprägten familiären Systemen ebenso massiv wie im gesellschaftlichen Umgang mit dem Störungsbild.

Sozialpädagogen, Verfahrenspfleger, Familienrichter, Berater und selbst klinische Helfer wie Psychiater, Psychotherapeuten und Sachverständige haben oft kaum oder gar keinen Zugang zu den der Borderline-Störung zugrunde liegenden spaltenden Mechanismen. Eine Orientierung erfolgt ausschließlich an den diagnostischen Manualen. Diese stellen pathologische Auffälligkeiten zwar dar, leugnen aber das hochtoxische Muster der Spaltung und deren Konsequenzen gänzlich.

Und so scheint die Borderline-Persönlichkeitsstörung in ihrer hochfunktionalen Ausprägung ein gigantisches Tabu darzustellen.

In diesem Buch setze ich mich vor allem mit den scheinbar irrationalen Verhaltensmustern von Borderline-Persönlichkeiten auseinander: dem sich übertragenden Chaos aus Widersprüchlichkeit und schizophrener Erwartung, der hochemotionalen Instabilität, die jeden, der der Symbiose nachgibt, in die schmerzvolle Welt der Borderline-Störung hineinzieht. Die sich daraus ergebende Lähmung kann nur durch Verstehen und Differenzierung aufgehoben werden.

Als äußerst kritisch betrachte ich dabei die aktuellen Kriterien der diagnostischen Manuale, welche zum einen weder ein Verstehen des pathologisch-irrationalen Verhaltens ermöglichen noch die schwerwiegende Bindungsstörung erkennen lassen, die eine Borderline-Störung ausmacht. Im Gegenteil, sie führen zu Fehl- und Vorurteilen und verschleiern das Störungsbild erheblich.

„Borderliner“, das sind doch die, die sich ritzen, die ihre Gefühle nicht kontrollieren können, die Drogen oder Alkohol konsumieren und sich auffällig und erkennbar dissozial verhalten.

Ist das tatsächlich so?

Die sich aus derartigen Klischees ergebenden Rückschlüsse und Konsequenzen im Familienrecht oder auch in der Begleitung Betroffener und deren Angehöriger in Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen nehme ich als katastrophales Versagen helfender Instanzen wahr. Urteile, Entscheidungen oder „Rat-Schläge“ haben so oft verheerende Folgen – vor allem für involvierte Kinder, welche auf die Kompetenz helfender Instanzen angewiesen sind und so oft zu Opfern inkompetenter Beratung werden.

Folgen Sie mir in die Welt der „projektiven Identifikation“. Lernen Sie die Mechanismen der Spaltung und der schizophrenen Bindung zu verstehen. Lassen Sie sich von meiner Erschütterung über Fehlurteile oder Ratschläge, die Angehörige noch handlungsunfähiger machen, anstecken. Ich möchte mit meinen folgenden Ausführungen dazu beitragen, scheinbar Unverständliches verstehen zu können, Vorurteile und deren toxische Wirkung aufzuheben, Orientierung zu ermöglichen und das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung zu stärken.

Aus der Lähmung in die Handlungsfähigkeit!

Manuela Rösel, im Frühjahr 2025



1 Borderline: Ursachen, Symptome und Diagnostik

1.1 Klassifizierung der Borderline-Persönlichkeitsstörung nach diagnostischen Manualen

Jeder, der sich mit dem Thema Borderline auseinandersetzt, stößt auf die sogenannten diagnostischen Kriterien, die in den Klassifikationssystemen ICD und DSM beschrieben sind. Sowohl Angehörige als auch Betroffene finden hier die mehr oder weniger ausgeprägte Symptomatik, welche zunächst einmal eine (oberflächliche) Grundorientierung bietet. Anhaltspunkte, die das verwirrende, irrationale Verhalten der Betroffenen in Beziehungen verdeutlichen, finden sich hier jedoch nicht. Kriterien, die auf tatsächlich beziehungsstörende Verhaltensweisen wie Impulsivität, Instabilität, Idealisierung und Abwertung hinweisen, sind zwar angeführt, die Abhängigkeit Betroffener von symbiotischen Beziehungen oder ein Hinweis auf schizophrene Bindungsmuster (wie ich sie im Folgenden beschreiben werde) sowie auf die höchst manipulativen darstellenden Fähigkeiten hochfunktionaler Borderline-Persönlichkeiten, die nach außen zunächst völlig unauffällig wirken, werden nicht dargestellt. Und so sind Letztere über die diagnostischen Kriterien nur sehr schwer oder gar nicht zu identifizieren.

Dies ist ein eklatanter Mangel mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Identifikation der Erkrankung und den Umgang mit dem Störungsbild sowie den Alltag der Angehörigen und insbesondere für Kinder in familienrechtlichen Verfahren.

Zur Vollständigkeit und um eine Übersichtlichkeit und Gegenüberstellung zu ermöglichen, führe ich an dieser Stelle zunächst einmal die Klassifizierung der Borderline-Persönlichkeitsstörung nach den aktuellen diagnostischen Manualen aus:


DSM-5 und ICD-11

Die American Psychiatric Association, die Vereinigung von Psychiatern in den USA, publizierte 1980 erstmals ihr Diagnostisches und Statistisches Handbuch für Psychische Störungen (DSM). Dadurch sollte die Diagnose psychischer Erkrankungen standardisiert werden. Da sich Forschung und Therapie fortwährend entwickeln, gibt es inzwischen schon das DSM-5-TR. Es umfasst ein Klassifikationssystem, welches psychische Krankheiten basierend auf der Beschreibung von Symptomen und dem Verlauf der Erkrankung in diagnostische Kategorien einteilt.

Die internationale Klassifikation von Erkrankungen liegt inzwischen in der 11. Überarbeitung (ICD-11) vor und wurde 2019 von der Weltgesundheitsorganisation zum ersten Mal herausgegeben. Sie stimmt größtenteils mit den diagnostischen Kategorien des DSM-5-TR überein.

Im aktuellen DSM-5 ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung im Kapitel Persönlichkeitsstörungen verzeichnet:

„Dabei handelt es sich um ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie von deutlicher Impulsivität. Der Beginn liegt im frühen Erwachsenenalter und das Muster zeigt sich in verschiedenen Situationen.

Mindestens fünf der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:

Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.
Ein Muster instabiler und intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
Störung der Identität: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen, z. B. Geldausgaben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, „Essanfälle“.
Wiederholtes suizidales Verhalten, Suizidandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.
Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung, z. B. hochgradige episodische Misslaunigkeit (Dysphorie), Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern.
Chronische Gefühle von Leere.
Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren, z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen.
Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.“

Eine paranoide Vorstellung zeigt sich durch die gedankliche und emotionale Wahrnehmung, bedroht zu werden, auch wenn die Realität dafür keinen Anlass bietet. Dissoziative Symptome zeigen sich oft durch eine erstarrte Haltung. Betroffene sind dann, aufgrund ihres Erlebens, von sich selbst abgelöst zu sein (Depersonalisation), weder handlungs- noch reaktionsfähig.

Das DSM-5 bietet noch ein Alternativ-Modell an, welches sich aufgrund seiner Ähnlichkeit in der Darstellung der Symptome ebenfalls zur Diagnostik eignet und folgende diagnostischen Kriterien vorschlägt:

„A. Mittelgradige oder stärkere Beeinträchtigung im Funktionsniveau der Persönlichkeit, die sich durch typische Schwierigkeiten in mindestens zwei der folgenden Bereiche manifestiert:

Identität: Deutlich verarmtes, wenig entwickeltes oder instabiles Selbstbild, oft mit exzessiver Selbstkritik; chronische Gefühle von innerer Leere; durch Belastung ausgelöste dissoziative Symptome.
Selbststeuerung: Instabilität in Zielsetzungen, Vorlieben, Wertvorstellungen und beruflichen Plänen.
Empathie: Eingeschränkte Fähigkeit, die Gefühle und Bedürfnisse anderer Personen zu erkennen, verbunden mit zwischenmenschlicher Überempfindlichkeit (beispielsweise eine Neigung, sich geringgeschätzt oder beleidigt zu fühlen); die Wahrnehmung anderer fokussiert auf negative Eigenschaften oder Vulnerabilitäten.
Nähe: Intensive, aber instabile und konfliktreiche enge zwischenmenschliche Beziehungen, die durch Misstrauen, Bedürftigkeit und ängstliche Beschäftigung mit tatsächlichem oder vermeintlichem Verlassenwerden gekennzeichnet sind; nahe Beziehungen werden oftmals in Extremen von Idealisierung und Abwertung erlebt und alternieren zwischen Überinvolviertheit und Rückzug.

B. Mindestens vier der folgenden sieben problematischen Persönlichkeitsmerkmale, wenigstens eines davon ist (5) Impulsivität, (6) Neigung zu riskantem Verhalten oder (7) Feindseligkeit.

Emotionale Labilität: Instabiles, emotionales Erleben und häufige Stimmungswechsel; heftige Emotionen bzw. Affekte sind leicht stimulierbar, hochgradig intensiv und/oder unangemessen hinsichtlich situativer Auslöser und Umstände.
Ängstlichkeit: Intensive Gefühle von Nervosität, Anspannung oder Panik, oft ausgelöst durch zwischenmenschliche Spannungen; häufige Sorge über negative Auswirkungen vergangener unangenehmer Erlebnisse und über mögliche negative Entwicklungen in der Zukunft; ängstliche Gefühle, Besorgnis oder Bedrohungsgefühl bei Unsicherheit; Angst vor psychischem Zerfall oder Verlust der Kontrolle.
Trennungsangst: Angst vor Zurückweisung und/oder Trennung von wichtigen Bezugspersonen, begleitet von Furcht vor übermäßiger Abhängigkeit und komplettem Autonomieverlust.
Depressivität: Häufige Niedergeschlagenheit, Sich-elend-Fühlen und/oder Hoffnungslosigkeit; Schwierigkeit, sich von solchen Stimmungen zu erholen; Pessimismus hinsichtlich der Zukunft; tiefgreifende Schamgefühle; Gefühl der Minderwertigkeit; Suizidgedanken und suizidales Verhalten.
Impulsivität: Handlungen erfolgen Hals über Kopf als unmittelbare Reaktion auf einen Auslöser, sie sind vom Augenblick bestimmt, ohne Plan oder Berücksichtigung der Folgen; Schwierigkeiten, Pläne zu entwickeln und zu verfolgen; Druckgefühl und selbstschädigendes Verhalten unter emotionalem Stress.
Neigung zu riskantem Verhalten: Ausübung gefährlicher, risikoreicher und potenziell selbstschädigender Handlungen ohne äußere Notwendigkeit und ohne Rücksicht auf mögliche Folgen; Mangel an Bewusstsein für die eigenen Grenzen und Verleugnung realer persönlicher Gefahr.
Feindseligkeit: Anhaltende und häufige Gefühle von Ärger; Ärger oder Gereiztheit bereits bei geringfügigen Kränkungen oder Beleidigungen.“

Im ICD-10 wird die Borderline-Persönlichkeitsstörung (F60.31) als einer von zwei Subtypen der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung (F60.3) aufgeführt:

„Der impulsive Typus dieser Störung ist geprägt durch mangelnde Impulskontrolle und unberechenbare Handlungen (F60.30).
Beim Borderline-Typus sind zusätzlich das eigene Selbstbild und das Beziehungsverhalten noch stärker beeinträchtigt (F60.31). Dieser Typus entspricht ungefähr der Definition der Borderline-Störung im DSM-5.“

Da die Borderline-Persönlichkeitsstörung immer von Anteilen aus anderen Persönlichkeitsstörungen (wie z. B. die narzisstische, histrionische, abhängige, paranoide oder dissoziale Persönlichkeitsstörung) begleitet wird, ist eine Differenzierung nach den klassischen Manualen oft schwierig. (Auf diese sogenannten komorbiden Störungen gehe ich in Kapitel 2 genauer ein.) So ergeben sich häufig Fehldiagnosen oder auch Vorurteile. Zudem werden wichtige hinweisgebende Informationen nicht in die Diagnostik einbezogen, da Bezugspersonen (Angehörige, Freunde etc.) in den diagnostischen Prozess nicht eingebunden werden. Im Gegenteil: Partner und Partnerinnen, Eltern oder erwachsene Kinder werden mit dem Argument, dass Diagnostik und Therapie einen Schutzraum brauchen, abgewiesen und mit ihren Belastungen (teils auch mit den aus der Beziehung mit den Patient:innen resultierenden Traumata) allein gelassen.

Die Borderline-Störung ist eine schwerwiegende Bindungsstörung! Es ist unumstritten, dass Betroffene ein erhebliches Leid tragen, welches sie aber auf ihre Bezugspersonen übertragen. Diese werden so in psychischen Krisen der Betroffenen eingebunden und als emotionale Spiegel innerer Zerrissenheit, des Erlebens von Vernichtung, Ohnmacht und Angst missbraucht.

Wer wird so am stärksten mit der Symptomatik konfrontiert? Und wäre es nicht auch wesentlich, zur Vermeidung von Fehldiagnosen eine Differenzierungsmöglichkeit zu schaffen zwischen der Darstellung der oft hochfunktional Betroffenen und der Realität, welche Angehörige erleben müssen?

Ist nicht gerade die Borderline-Störung auch ein systemisches Thema? Sind Angehörige nicht Teil der pathologischen Prozesse und so auch selbst einer erheblichen Gefährdung ausgesetzt? Und warum stehen Borderline-Persönlichkeiten und deren Bedürftigkeit in allen Bereichen rund um die Themen Therapie und Beratung immer wieder im alleinigen Mittelpunkt? Die therapeutische Welt dreht sich nur um die Betroffenen. Und so tragen klinische, beratende und „helfende“ Instanzen eine Mitverantwortung am Entstehen der nächsten Borderline-Generation.
5 Sterne
Klar und ehrlich - 19.11.2025
Anna SE

Ein sehr gut verständliches, eingängiges Buch zur Borderline-Thematik, in dem nicht nur eine nachvollziehbare Logik in das oft so allumfassend erscheinende Chaos gebracht wird, sondern auch vor allem Kinder aber auch andere Angehörige von Betroffenen gesehen und gehört werden. DANKE für diese Ehrlichkeit und Klarheit!

5 Sterne
Eine Offenbarung... - 30.10.2025
Chris

"Vom Elefanten am Küchentisch" ist eine Offenbarung, ein Augenöffner und ja, das neue Buch von Manuela Rösel ist auch jener Zeuge und Weggefährte, den an seiner Seite zu haben unerlässlich für ein Verständnis und damit auch Heilungsprozess ist - und das gilt für alle Beteiligten, die sich diesem Thema wirklich stellen möchten.Fachlich fundiert und aus einem breiten Erfahrungsschatz schöpfend, geht "Vom Elefanten am Küchentisch" weit über die Vermittlung von reinem Fachwissen hinaus: Das Buch schafft es die sonst kaum erklärbaren, verworrenen und destruktiven Zusammenhänge in ganz unterschiedlichen Blickwinkeln sichtbar zu machen. Fallgeschichten sind hier nur ein Schlüssel dazu, es ist vor allem aber Manuela Rösels Zugang zu jener unablässigen Metaebene, die zu beschreiben, zu erkennen und zu dechiffrieren ihr vielschichtig gelingt.Nach dem Lesen zahlreicher Standardwerke und neuerer Werke, ist es aus meiner Sicht das erste umfassende Kompendium zum Themen-Komplex, welches sich zur Aufgabe gemacht hat genau dort anzusetzen, wo andere Bücher im reinen Fachwissen verharrend aufhören:Es öffnet Türen und Räume zu jenen sonst undurchsichtigen Innenwelten und Wirkungsmechanismen, die zu erkennen der erste Schritt ist, etwas zu verändern - und das gilt für alle Beteiligten.Vor allem aber ist dem Buch sein innewohnender Mut hoch anzurechnen auch die gesellschaftlichen Wirkungskomplexe anzusprechen, die dieses Thema mit sich bringen.Im dieser Gesamtheit ist diese Buch keine der üblichen Polarisierungen und damit dem Thema zu Grunde liegenden "Schwarz-Weiss-Malerei" - ganz im Gegenteil: es ist ein von tiefgründigen Grautönen begleitetes Verstehen in allen Facetten des Lebens und dadurch ist es sogar, über das eigentliche Thema hinaus, in seiner Summe und Gesamtheit eine Liebeserklärung an das Leben, was es besonders lesenswert macht.Ich möchte "Vom Elefanten am Küchentisch" hier wärmstens und auch eingehend allen Partnern, Angehörigen, Betroffenen, Familienmitgliedern, Behörden, Helfern, Pädagogen, Institutionen usw. als wahrliches (neues) Standardwerk empfehlen.Ich danke Manuela Rösel für diese wichtige und herausragende Veröffentlichung.

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