Cover: Wirbelstürme über dem Niederrhein

Wirbelstürme über dem Niederrhein


EUR 20,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 258
ISBN: 978-3-7116-0319-7
Erscheinungsdatum: 18.02.2025
Was um alles in der Welt ist passiert? Eine Tote im Krankenhaus. Claudia Mainzer von der Intensivstation ist tot. Ermordet. Mutmaßliche Täter gibt es genug. Ein Puzzle. Aber es fehlt immer ein Stück zum ganzen Bild. Ein kleines Meisterwerk des Krimi-Genres ...
Prolog


Regen. Sehr viel Regen. Und Wind. Starker Wind. Seit einigen Tagen regnete es mal mehr, mal weniger heftig, und ein nordöstlicher Wind wehte kräftig über das Land. An Orten, wo der Boden das Wasser nicht mehr vollständig aufnehmen oder durch Bebauung gar nicht versickern konnte, waren kleine Bäche teilweise zu stattlicher Breite angewachsen. Abzugsgräben an den Landstraßen und die Kanalisation in den Wohngebieten waren vielerorts an ihren Kapazitätsgrenzen, doch die Pegel der größeren Flüsse waren nicht bedrohlich und konnten das abfließende Wasser noch gut aufnehmen.
Ein riesiges Tiefdruckgebiet, von der Nord- und Ostsee kommend, hatte in den letzten Tagen kontinuierlich für Nachschub an Regenwolken gesorgt, und der dabei herrschende, teilweise ruppige Wind vermittelte den Eindruck von Herbst.
Doch die Laubbäume waren voller grüner Blätter. Sträucher und Blumen blühten in allen nur erdenklichen Farben. Der Weizen und anderes Getreide waren noch grün, und der Mais auf den Feldern war erst einen halben Meter hoch. Die gesamte Pflanzenwelt freute sich über den ausdauernden Regen Anfang Juni. Der April und Mai waren in diesem Jahr viel zu trocken gewesen. Vermeintliche Hitzerekorde im April hatten empfindliche Gemüter aufschreien lassen. Die Vegetation war, wie auch schon im vergangenen Jahr, wieder einmal etwas zu früh explodiert, und einige Nächte im Mai, zwar trocken, aber frostig kalt, hatten viele Obstbäume in ihrer Blüte empfindlich getroffen. Die Obstbauern der Region bangten jetzt schon um ihre Ernte.
So war das mit dem Wetter, jeder hatte etwas daran auszusetzen. Zu kalt, zu warm, zu trocken, zu nass, einfach zu viel von dem, was man gerade nicht wollte oder bekam. Allen konnte Petrus es nun einmal nicht recht machen. Man musste das Wetter nehmen, wie es gerade kam.
Doch die Gestalt, die mitten in der Nacht durch die Straßen des kleinen Ortes rannte, hatte genau auf dieses Wetter gehofft, ja, sogar gewartet. Das war das lang ersehnte Wetter. Endlich war es so weit.
Im Lichtkegel der einzelnen Straßenlaternen trieb der Wind den Regen in Böen fast waagerecht dahin. Die Äste der Bäume mit dem nassen Laub bogen sich und ächzten in dem immer wieder kräftig wehenden Wind. Sehr viele kleinere Äste waren schon abgebrochen und wurden durch starke Windböen die Straßen entlanggeweht. Manche Äste blieben trotz des stürmischen Windes mit dem Laub im Matsch entlang der Straßen kleben.
Der große Mann rannte zielstrebig im Dunkel der Nacht, so schnell er konnte. Entlang an den Gärten der Anwohner, immer weiter in Richtung Osten, Richtung Rhein. Immer wieder blieb er kurz stehen, blickte sich gebückt um, lauschte in die Dunkelheit, versuchte angestrengt bei dem pfeifenden Wind und trommelnden Regen etwas zu hören oder zu sehen. Eine vom Sturm mitgerissene Folie klebte an einem Ast und raschelte und züngelte im Wind. Von dem Geräusch abgelenkt, huschten seine Blicke durch die Gärten in Richtung der Häuser. Kaum ein Licht war in den Fenstern zu sehen. Der kleine Ort schien trotz des lauten Sturms tief und fest zu schlafen. Er rannte schnell weiter.
Noch keine Anzeichen, dachte er und lächelte zufrieden.
Sein dünnes Hemd, seine Jogginghose, sogar seine Schuhe waren nass bis auf die Haut. Alles klebte an ihm. Der kräftige Wind zerrte immer wieder an der stark durchnässten Kleidung des Mannes. Er fror, aber er lachte laut auf bei dem Gedanken daran. So nass zu sein und zu frieren, war ihm im Moment völlig egal. Es war ein sehr verschwindend kleiner Preis für das, was er vor einigen Augenblicken vollbracht hatte.
Ich bin frei, sagte er zu sich und bestärkte sich selbst, das Richtige getan zu haben. Sein Puls raste, zum einen wegen der Geschwindigkeit, mit der er schon eine stattliche Strecke rannte, zum anderen wegen der Aufregung. Nach Luft ringend, rannte er mit unvermindertem Tempo weiter weg von jenem Ort, an dem er die letzten Jahre seines Lebens hatte verbringen müssen: dem Hochsicherheitsbereich der Forensik der LVR-Klinik in Bedburg-Hau.
Hier hatte man ihn vor zehn langen Jahren hingebracht und eingesperrt.
‚Nein‘, sagte er zu sich: ‚Weggesperrt haben die mich, verrotten lassen wollten die mich!‘
„Aber nicht mit mir!“, sagte er laut vor sich hin. Er hatte allen, die ihn an diesen gottverdammten Ort gebracht hatten, Rache geschworen. Und die Zeit der Rache war jetzt endlich gekommen.
Erst heute Nachmittag war es ihm gelungen, eine äußerst lebensbedrohliche Erkrankung zu simulieren: Fieber, Erbrechen mit Blut, Schweißausbrüche und Krämpfe am ganzen Körper hatten den zuständigen Arzt aus dem Hochsicherheitsbereich der Forensik dazu veranlasst, ihn in eine andere Abteilung, mit besseren somatischen Behandlungsmöglichkeiten und einer guten Monitorüberwachung, zu verlegen. Besser für die Gesundheitsüberwachung, aber dafür weniger sicher gegen Ausbruch und Flucht. Genau hierin hatte sein Plan bestanden.
Vor wenigen Minuten hatte er es geschafft, aus diesem wenig gesicherten Bereich zu entkommen. Er konnte die ihm zugeteilten Bewacher ganz leicht ablenken und überwältigen und war dann sehr schnell und völlig unbeobachtet durch einen Seitenausgang geflohen. Viel, sehr viel leichter, als er geglaubt hatte, war er aus dem Gebäude entkommen. Wieder lächelte er innerlich auf.
Wie einfach die Flucht doch war! Er hatte mit deutlich mehr Hindernissen gerechnet. Bis hierhin war alles glatt gelaufen. Warum hatte er nur so lange damit gewartet? Schon viel früher hätte er seine Freiheit, sein altes Leben zurückhaben können.
Ein paar Kilometer musste er jetzt noch durchhalten, dann würde er an einem sicheren Ort Pause machen können.
In einiger Entfernung hörte er die ersten Sirenen. Auch das Blaulicht mehrerer Polizeifahrzeuge huschte immer wieder durch die Gegend hinter ihm.
„Okay, sie haben die Verfolgung aufgenommen“, keuchte er, als er weiter stetig in Richtung der Bundesstraße rannte. Die Strecke hatte er sich seit Langem schon überlegt und war sie unzählige Male im Geist schon durchgegangen. Er kannte sie von einigen Freigängen und auch von Landkarten der Gegend. Im Kopf konnte er fast jede Straße, die er entlang kam, beim Namen nennen. An jeder Kreuzung oder Biegung wusste er genau, wohin er laufen musste.
Weit hinter sich hörte er Hundegebell. Trotz des starken Windes und Regens drangen das Gebell und auch einige Rufe der Verfolger bis zu ihm durch. Aber genau aus diesem Grund hatte er auf dieses Wetter gewartet, die Hunde würden bei diesem Regen seine Spur nicht aufnehmen können. Seine menschlichen Verfolger würden seine Fußspuren im aufgeweichten und regennassen Boden mit Taschenlampen nicht richtig sehen können, und an einen Hubschrauber war bei diesem stürmischen Wind und mitten in der Nacht gar nicht zu denken. Das war seine Strategie, seine Chance, es unentdeckt bis zu seinem Versteck zu schaffen.
Hastig schaute er sich um, ob Autoscheinwerfer zu sehen waren, dann rannte er an einem unbeleuchteten Abschnitt über die um diese nachtschlafende Zeit kaum befahrene B57. Durch einen seitlich zur Fahrbahn verlaufenden Abzugsgraben rennend, war er kaum noch von der Straße aus zu sehen. Eine parallel verlaufende Baumreihe und höhere Sträucher gaben ihm noch zusätzlich Deckung. Tief gebückt, aber immer noch, so schnell er konnte, hastete er weiter in Richtung Osten und bog dann dem Gefühl nach Richtung Süden ab. Wenn er erst einmal Moyland erreichte, war er in Sicherheit.
Die Sirenen waren nicht mehr zu hören, und auch das Blaulicht konnte er nicht mehr sehen. Er war weit genug weg von den größeren Straßen.
Der dunkle Umriss, gesprenkelt mit einer Vielzahl an erleuchteten Fenstern, tauchte vor ihm auf. Das beleuchtete Schloss Moyland erhob sich aus der Dunkelheit und trieb ihm die Freude ins Gesicht.
Was für ein faszinierender Anblick. Schade, dass ich nicht mehr Zeit habe. Vielleicht ein anderes Mal, dachte er. Für einen Moment lang blieb er dennoch stehen und genoss die nächtliche Ansicht des Schlosses. Er lachte laut auf. Dann rannte er nicht mehr ganz so schnell weiter. Immer im Schutz der Bäume, bewegte er sich vorsichtig in einiger Entfernung um das alte Gemäuer herum. Der Park des Schlosses war durch starke Scheinwerfer hell erleuchtet. Er erreichte die andere Seite des Parks und verschwand wieder im Schutz der Bäume.
Viele Medikamente, die in der Psychiatrie angewendet wurden, steigerten den Appetit, und ihm wurden eine Menge dieser Präparate verabreicht. Er war der Meinung, dass das nicht viel an seinem Verhalten oder seiner Einstellung geändert hatte. Wieder musste er lächeln.
Viele seiner Mitinsassen in der Klinik hatten sich durch diese Medikamente gehen lassen, wurden fett und träge. Aber nicht er. Es war ihm immer wichtig gewesen, auf seinen Körper zu achten. Viel gegessen hatte er nie, und er hatte auch immer regelmäßig Sport getrieben, auch in den letzten zehn Jahren in der Forensik. Und das kam ihm jetzt zugute. Sein Puls konnte sich beruhigen, und das schnell. Er hastete in den angrenzenden Wald. Die großen Nadelbäume und das dichte Unterholz boten ihm genügend Schutz vor Sicht. Ruhig und tief atmend schaute er sich um.
Und dann fand er ein zwischen dichten Sträuchern verstecktes Paket. Wie verabredet lag es gut getarnt unter altem Laub und verschiedenen kleineren und größeren Ästen.
Es enthielt eine Plane gegen den Regen, trockene Kleidung und einen warmen Schlafsack. Sogar eine Flasche Wasser und ein Käsebrot waren dabei. Er biss in das Brot und trank einen großen Schluck. Dann zog er seine nasse Kleidung aus.
In der trockenen Kleidung im Schlafsack eingewickelt und unter einem Strauch mit der Plane gegen den Regen geschützt, erlaubte er es sich, ein wenig auszuruhen. Zufrieden grinste er in sich hinein.
Er hatte es geschafft und war nach zehn endlos langen Jahren wieder frei. Und er war vorerst in Sicherheit. Endlich war die Zeit seiner Rache gekommen.




Kapitel 1


Eine gewaltige Explosion durchschnitt die Luft und erfasste ihn. Er wurde durch die enorme Druckwelle von seinen Beinen gerissen. Flammen waren überall um ihn herum, heiße Flammen, die nach ihm züngelten, an seinen Beinen und Armen. Brennender Schweiß rann ihm von der Stirn in die Augen. Er musste blinzeln. Durch den unerträglich lauten Knall der Explosion waren seine Ohren fast taub, doch dumpfe Schreie drangen wie durch einen langen Tunnel undeutlich zu ihm. Schreie von Menschen. Menschen, die er schützen musste. Schreie seiner verletzten Kameraden, seiner Freunde, von allen Seiten. Überall um ihn herum war die heiße Luft erfüllt von beißendem Staub, Dreck und dem Geruch von Benzin. Die Zeit drängte. Ihm blieb die Luft weg, er wollte selbst schreien, doch seine Kehle war wie zugeschnürt. Mit letzter Kraft versuchte er sich aufzurichten, wollte sich umsehen und helfen. Denen helfen, die da schrien. Doch seine Sinne versagten, und er sackte ohnmächtig zurück auf den mit Blut getränkten, brennend heißen Boden.
Martin Koch schreckte schweißnass aus dem Schlaf hoch. Wieder dieser Traum. Dieser fürchterliche Albtraum. Lange hatte er diese Szenen aus seinem Schlaf verbannen können. Jetzt waren die Bilder dieses schrecklichen Ereignisses wie aus heiterem Himmel in seine Träume zurückgekehrt.
‚Warum nur?‘ fragte er sich. Er raufte sich im Halbschlaf die Haare. Hoffentlich nur eine einmalige Sache. Er atmete tief durch und versuchte, sich an Einzelheiten des Traums zu erinnern.
Sein Blick viel auf den Radiowecker, fünf Uhr vierundzwanzig. Es war sowieso bald Zeit aufzustehen. Mit immer noch pochendem Herzen rang er sich durch und schob langsam die Decke von seinem Körper und schwang die Beine aus dem Bett.
Dieser Traum! Warum gerade jetzt? Und warum so intensiv? Einiges, woran er sich in diesem Traum erinnerte, war zwar passiert, aber vieles nicht so, wie er es in diesem Traum erlebte. Er war verletzt worden, aber er war nicht ohnmächtig geworden. Sven und Max, zwei seiner engsten Kameraden damals, waren bei diesem Angriff getötet worden. Lange Zeit hatte er daran arbeiten müssen, sich mit diesem Teil seiner Vergangenheit auseinandersetzen müssen, um diese Ereignisse zu verarbeiten.
„Die Schuld der Überlebenden!“, wie es die Psychologen nannten. Bis heute sah es so aus, als ob er es geschafft hatte, sich von dieser Schuld zu befreien.
So schlecht hatte der ehemalige Soldat schon lange nicht mehr geschlafen und auch nicht geträumt, seit Jahren nicht mehr. Die Bilder und damit verbundenen Erinnerungen dieses schrecklichen Traums wirkten noch eigenartig lange nach auf dem Weg ins Bad.
Der durchtrainierte Mann schaute prüfend in den Spiegel. Wie seine blonden, kurz geschnittenen Haare waren auch seine Bartstoppeln sehr hell und deshalb auch nicht nach einem Tag zu sehen. Das Risiko einer Verletzung wollte er so gering wie möglich halten. Er entschied sich, heute die Rasur ausfallen zu lassen. Nicht aber die Dusche. Eine lange und heiße Dusche half ihm meistens, fit für den Tag zu werden. Wie lange würde er heute duschen müssen, um den Traum zu vergessen?
Sehr lange! Er versuchte die Gedanken an den Traum abzuschütteln, indem er den Hebel der Mischarmatur von sehr warm auf sehr kalt drehte. Nach kurzem Abkühlen drehte er das Wasser ab und stieg aus der Dusche. Martin trocknete sich ab, zog Jeans und T-Shirt an und betrat mit einem Seufzer die von der Morgensonne hell erleuchtete Küche.
Nach zwei großen Tassen Kaffee und einer Schale Cornflakes sah der Tag schon viel besser aus und die Nacht mit ihren wilden Träumen gar nicht mehr so bedrohlich. Er blickte prüfend aus dem Fenster. Der heftige Regen und der starke Wind der vergangenen Tage hatten in der zweiten Nachthälfte endlich nachgelassen. Einzelne Wattewolken ließen schon jetzt sehr viel Platz für die kräftige und viel versprechende Junisonne.
Auf dem Weg zur Garage stieg ihm der herrliche Duft eines großen Rosenbusches an der Hauswand in die Nase. Der Regen der letzten Tage hatte die gelben Blüten noch dazu veranlasst, sich Zeit zu lassen, doch mit der Sonne und der leichten Wärme des neuen Tages schienen nicht nur die Rosenbüsche an seiner Garagenwand, sondern auch die Blumen in der ganzen Gegend zu explodieren. Der in der Luft liegende Duft besserte seinen Gemütszustand, und er überlegte, ob er vielleicht heute, an dem ersten trockenen und schönen Tag seit Langem, die Harley nehmen sollte. Er war schon länger nicht mehr damit gefahren, und es kribbelte ihm in den Fingern. Da aber noch ein Großeinkauf auf dem Tagesprogramm stand, entschied er sich dann doch dagegen. Er stieg in seinen Ford und machte sich auf den Weg zur Arbeit.
Im Radio auf WDR2 lief passenderweise zum heutigen Wetter gerade „Walking on sunshine“ von Katrina and the Waves. Ein Lied, das ihm immer gute Laune bereitete und auch Schwung für den Tag gab. Durch das laute Mitsingen des Refrains hatte er kurz vor der Rheinbrücke nach Wesel bereits den Traum mit seinen unschönen Erinnerungen schon fast vergessen.
Der Niederrhein erstreckte sich von den Niederlanden im Westen bis über den Rhein an die Grenze zum Ruhrgebiet im Osten. Im Norden bildete Emmerich mit der größten Hängebrücke Deutschlands über den Rhein die Grenze, und im Süden reichte der Niederrhein bis in den Rheinkreis Neuss und Heinsberg, von wo man die Wasserdampfschwaben aus den Kühltürmen der Kraftwerke im südlich angrenzenden Rheinischen Braunkohlerevier stetig aufsteigen sehen konnte. Je nach Wetterlage sah es so aus, als würden hier die Wolken gemacht. Zwischen diesen Grenzen lagen noch einige Städte. Größere, wie Mönchen-Gladbach, Krefeld oder Moers. Und natürlich jede Menge kleinere und mittlere Städte und Ortschaften. Jede Einzelne mit einem eigenen Schlag Mensch. Aber eines verband sie: Sie alle waren Niederrheiner.
Martin war am unteren linken Niederrhein im Kreis Wesel aufgewachsen. Als Kind hatte er mit seinen Eltern in Moers gelebt und war dort auch zur Schule gegangen. Als Teenager wohnte er dann bei seiner Großmutter in einem kleinen Dörfchen am Rand von Xanten. Und obwohl er als junger Mann unbedingt von hier weg wollte, so war er doch nur zu gerne nach seiner Dienstzeit bei der Bundeswehr hierher zurückgekehrt. Zurück an den Ort seiner Jugend. Zurück in seine Heimat.
Er liebte den Niederrhein, die Landschaft mit ihren typischen Kopfweiden und auch die Menschen. Gerade die Menschen, denn nach dem Ausscheiden aus dem Militärdienst fand Martin hier das notwendige Verständnis und die Ruhe, die ihm half, die Ereignisse der Vergangenheit zu verarbeiten. Und der Weg zurück in ein ziviles Leben war ihm mit den Menschen aus dieser Region viel einfacher gelungen.
Martin Koch bog von der Hauptstraße ab und erreichte die Einfahrt zum Krankenhaus. An der Schranke des Parkhauses hielt er seinen Mitarbeiterausweis vor das Leseterminal. Der rot-weiß gestreifte Querbalken hob sich und gab den Weg frei. Als er die Rampe zur Parkebene für Mitarbeiter hinauffuhr, sprachen die Morgenmagazin-Moderatoren auf WDR2 schon wieder über das Wetter.
„Nach dem vielen Regen der letzten Tage soll es heute tatsächlich mal wieder im gesamten Westen viel Sonne und Temperaturen geben, die der Jahreszeit angepasst sind.“
„Ja, da freuen wir uns doch.“
Genau, dachte auch Martin Koch, da freuen wir uns. Er schmunzelte zaghaft, als er aus seinem Wagen ausstieg. Endlich wieder warm. Endlich wieder Sommer.
Vielleicht war es der viele Regen, der seine Stimmung in den letzten Tagen so nach unten gezogen hatte und dass er so schlecht geschlafen hatte. Martin Koch war sich ganz sicher, dass seine Laune und sein Gemütszustand bei dem versprochenen Wetter deutlich besser werden würden.
Er machte sich auf den Weg vom Parkhaus in Richtung Krankenhaus. Er betrat das Hauptgebäude durch den Seiteneingang und ging durchs Treppenhaus eine Etage nach unten.
Der typische Geruch von Desinfektionsmitteln kam ihm hier entgegen. Der Flur im Keller war an diesem Morgen schon frisch gewischt.
Durch einen Verbindungsgang erreichte er das Nebengebäude. Hier, in diesem Teil des Kellergeschosses des Krankenhauses, befand sich die technische Abteilung. Die Haustechnik, mit all ihren verschiedenen Fachbereichen wie Elektrotechnik und Sanitär- und Heizungstechnik. Sogar eine kleine Schreinerei und eine Schlosserei gehörten dazu und waren ebenfalls hier im weit verzweigten Kellergeschoss untergebracht.
...
5 Sterne
Spannender Krimi - 16.07.2025
Sabine Krämer

Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Spannend geschrieben. Würde mich über eine Fortsetzung freuen , denn das Ende lässt es auch vermuten.

4 Sterne
Ganz mein Geschmack  - 10.05.2025
Leonie Dargel

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Gut geschrieben, Spannung. Unterhaltsame Hintergrundgeschichte.Fall gelöst, aber offenes Ende!Bin gespannt und freue mich auf die Fortsetzung und weitere Bücher.Respekt!

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