Sonstiges & Allerlei

Wenn Fische plötzlich fliegen lernen

Marco Albrecht

Wenn Fische plötzlich fliegen lernen

Die erste praktische Handlungshilfe auf dem Weg in die Digitalisierung. Made in Germany 5.0

Leseprobe:

Vorwort

Nun ist es so weit, wer im Modekaufhaus Lott in Lippstadt einkauft, kann Wartezeit damit überbrücken, sich auf einen Small Talk mit Roboterdame Pepper im Eingangsbereich einzulassen. Humanoiden stehen für Selfies bereit, sprechen mit einem über das Wetter oder machen manchmal sogar einen Witz. Auf das Angebot des Kaufhauses angesprochen, verweisen sie brav auf die weiterhin vorhandenen menschlichen Kollegen.
Apple präsentiert im Oktober 2018 das neueste iPad Pro. Zitat: Endlich wieder eine Revolution. Es ist die deutlichste Veränderung des Tablets seit Anbeginn. Leider auch im Preis, vom Start-Angebot von sage und schreibe 879,– EUR bis zur max. Ausstattung mit unglaublichen 2099,– EUR.
Toshiba läutet im Jan. 2020 eine neue Ära der intelligenten Küchentechnologie ein, eine Mikrowelle ausgestattet mit modernster Sprachsteuerungstechnologie. Durch die Vernetzung mit Amazon Alexa oder Google Home können so auch die „Hobbyköche der Nation“ über natürliche Sprachbefehle den Alltagshelfer steuern und somit im Vorbeigehen bedienen.
Wo sind die Zeiten hin, als die Kugel Eis noch 50 Pfennig kostete, Deutschland Fußballweltmeister war, als man zum Geburtstag einen Anruf bekam statt einer WhatsApp mit Emojis für jede Lebenslage?
Die Zeiten, als die Außendienstmitarbeiter noch ein „normales“ Mobilfunktelefon besaßen statt eines Smartphones, das gleichzeitig als Navigationsgerät, Musikanlage, Terminkalender und mobiler PC diente.
Wo ein Fernseher noch eine Bildröhre hatte und in den Wohnzimmern der Nation stand, und nicht als ultraflaches LCD-Gemälde an den Wänden hing.
Ja, wo Boris Becker 1999 dem Normalbürger die Berührungsängste vor dem neuen, weiten World Wide Web nahm, indem er werbewirksam sagte: „Ich bin drin … das ging ja einfach.“
Wie hat sich die Welt, gerade in diesem Punkt, in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten nachhaltig verändert, heutzutage „geht“ man nicht mehr ins Internet – heute ist man ständig drin.
Und jetzt das noch: die nächste industrielle Revolution von analog zu digital – kurzum, die Industrie 4.0, die Digitalisierung oder auch digitale Transformation mit Big Data, künstliche Intelligenz (KI), Cloud Computing und Co.
Was sind das alles für Trends, was steckt genau dahinter, und wann gehen sie wieder vorbei?
Trends kommen und gehen doch … Ja, vielleicht in der Modewelt, nicht jedoch in der New Economy, den mit ihr eng verbundenen – vernetzten – Digital Natives: der Enkelgeneration, derjenigen, welche mit dem Internet groß geworden sind.
Die Generation, die den technischen Fortschritt in eine disruptive und endgültige Innovation verwandelt hat, indem sie unweigerlich den Trend im täglichen Sein verinnerlicht hat, ja damit lebt wie mit der Luft zum Atmen. Der das Ping der WhatsApp wichtiger ist als die Konversation am Abendbrottisch.
Was versteckt sich nun genau hinter der Digitalisierung, über die vermeintlich zurzeit jeder spricht – vom Wirtschaftsverband bis hin zur Politik, wie z. B. Bundeswirtschaftsminister Altmaier und seine neue Nationale Industriestrategie 2030?
Was birgt sie an weiteren disruptiven Innovationen, welche ganze Branchen zum Zittern bringen? Und welche Techniken und Chancen ergeben sich aber auch durch sie?
Am Beispiel „Otto-Versand“ zeigte sich sehr schön, wie das gesamte Einkaufsverhalten einer Nation, aufgrund von Trends, plötzlich das seit gefühlten Ewigkeiten erfolgreiche Businessmodell eines Unternehmens nachhaltig verändert.
Otto, dessen Versandkatalog fast 70 Jahre lang beinahe zur Grundausstattung des deutschen Haushalts gehörte, stellte die gedruckte Version – also den sprichwörtlichen „Otto-Katalog“ – im Dezember 2018 mit der letzten Frühjahrsausgabe ein, um im Weiteren das gesamte Sortiment nur noch online anzubieten, da ohnehin 95 % der Versandkunden ausschließlich digital bestellen.
Digitale Trends mutieren durch Alltagstauglichkeit zu disruptiven Innovationen, sie verdrängen Althergebrachtes, Liebgewonnenes und treten ohne Angst und Furcht der Tradition entgegen.
Was passiert hier, und was passiert mit „Made in Germany“, dem Erfindertum, dem Ingenieurwesen, der Liebe zum Detail und der Zuverlässigkeit einhergehend mit der international so geachteten Pünktlichkeit und Genauigkeit?
Dreht die Welt sich plötzlich schneller, gelten die alten Gesetzmäßigkeiten der Wirtschaft nicht mehr? Sind die Marke „Made in Germany“ und ihre Traditionen, mit ihren so geliebten Patenten und ihren anerkannten Qualitätsstandards, nichts mehr wert?
Kann die Marke, der Grundpfeiler der Unternehmen, von solchen Trends in den Schatten verdrängt, ja sogar disruptiert werden?
Können solche Innovationen es wirklich mit jahrzehntelangen Traditionen aufnehmen? Mit einer Tradition à la „Made in Germany“, wo das Produkt im Mittelpunkt steht durch seinen Exportweltmeister, den „Maschinenbau“, und nicht primär die digitale Kommunikation?
Nun, Apple, Microsoft, Amazon, Facebook, Google und Co. haben beeindruckend unter Beweis gestellt, wie in wenigen Jahren milliardenschwere Wirtschaftsunternehmen entstehen, ohne dass Jahre mit Forschung und Entwicklung verbracht wurden. „Der Anfang ist das Ziel.“
Der Umgang mit dieser digitalen Welt verändert nicht nur die Produkte an sich, er verändert ganze Verhaltensweisen, Einstellungen, Althergebrachtes, Businessmodelle. Er verändert Generationen.
Der B2C-Markt hat es allen aufgezeigt, er ist somit nicht mehr der, welcher er im Jahr 1999 war. Es gibt mittlerweile für jede Lebenslage Millionen von Apps. Man kauft heute kaum noch eine CD oder eine DVD, man streamt nur noch. Man gratuliert nicht mehr zu einem Anlass, man schickt eine Salve an Emojis, blinkend und tanzend in allen Farben und Formen.
Wie die Vernetzung von Daten funktioniert und wie Verbraucher maßgeblich in ihren Kaufentscheidungsprozessen beeinflusst werden, erleben wir nicht nur aktuell am Beispiel Otto, sondern auch bei Amazon, Google, Facebook und Co. Große Konzerne entstehen, ohne auch nur teilweise ein „handfestes“ Produkt selbst herzustellen. Sie dienen allein als Mittler und Sprachrohr zur Welt.
Es hat sich gezeigt, dass das Zusammenspiel von Hardware, Software, Algorithmen und davon abgeleiteten Datenanalysen zu neuen wirtschaftlichen Verflechtungen führt, die das Einkaufsverhalten nachhaltig verändern können und somit traditionelle Businessmodelle automatisch infrage stellen.
Disruptive Innovation vs. Tradition, oder auch:
Die Digitalisierung ist die neue erfolgsversprechende Möglichkeit zur Effizienzsteigerung, zur Prozessverbesserung und Automatisierung. Ein gutes Produkt allein reicht heute nicht mehr aus, um damit erfolgreich zu sein.
Und obendrein: Bei der Etablierung einer neuen Digital-Value-Chain-Strategie ist es zwingend notwendig, den Fokus auf die Customer Journey zu legen. Dafür braucht es aber dringend KPIs im Based Service, ansonsten läuft man Gefahr, zwar technologisch „driven“ zu sein, aber ohne Value Generation Mindset.
So oder so ähnlich lauten zurzeit die Aufrufe, in der vierten industriellen Revolution, der Industrie 4.0. Technischer Fortschritt, insbesondere die Vernetzung und deren Digitalisierung, werden von allen Seiten auf teilweise unverständliche denglische Weise proklamiert und adressiert. Hinzu kommen Begrifflichkeiten wie Smart Factory, Big Data, KI, Machine Learning, welche erst einmal gegoogelt werden wollen, um zu verstehen, was sich dahinter eigentlich versteckt.
Ja, es besteht die Notwendigkeit, besser heute als morgen, die Investition in neue digitale Businessmodelle voran zu treiben, da die Digitalität die wirtschaftliche Denkweise der Unternehmen im 21. Jahrhundert radikal und nachhaltig verändert.
Doch wie ist nun der Jakobsweg, welchen unweigerlich die Unternehmen gehen müssen, um nicht abgehängt (disruptiert) zu werden, oder wie es Bundeswirtschaftsminister Altmaier so schön formuliert hat: Gefahr zu laufen, die verlängerte Werkbank anderer zu werden?
Bei der Digital-Value-Chain-Strategie ist die Customer Journey zu beachten?
Natürlich sollte der Kunde im Fokus bleiben, wenn man Hersteller, Händler oder Dienstleister ist. Wer dieses schon in der Vergangenheit nicht getan hat, braucht sich auch in Zukunft nicht mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen, denn dann wäre er nicht mehr am Markt vertreten.
Wo ist also die verständliche Lösung des Problems, welche praxisnah, praktikabel und vor allem für das eigene Unternehmen ist, für seine Zielgruppe, ohne Anreicherungen von Begrifflichkeiten, wozu erst einmal Wikipedia zu befragen ist.
Ist es allein die Investition in Maschinen, Hard- und Software, welche die Zukunft garantiert? Die Entwicklung von Apps und neuen Kommunikationskanälen zu den Digital Natives, welche die neuen Businessmodelle aufgrund von Nachfrage dann mit sich bringen?
Doch was ist eigentlich mit den Menschen, dem größten Kapital der Unternehmen, den Human Ressources – den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in diesen Überlegungen?
Der Mensch als Schnittstelle zwischen der Old Economy und der neuen digitalen Welt existiert scheinbar nicht so richtig, wenn man den meisten Proklamationen folgt.
Besteht die Industrie 4.0, die Smart Factory, demnächst nur noch aus Robotern aus der Familie von Roboterdame Pepper und ihren digitalen Freunden?
Dieses Buch soll diese Frage einmal durchleuchten und Gedankenanstöße geben, wie der digitale Wandel in den Unternehmen begonnen werden kann, auch ohne allein sein Heil im technischen Strukturwandel zu sehen.
Das Buch dient als Handlungshilfe mit Grundsatzfragen und Checklisten, um den ersten Schritt in Richtung Digitalisierung zu gehen – am Ende eben, seinen eigenen, selbst definierten „Jakobsweg“.




Kapitel 1
Der Aufruf

Was bedeutet eigentlich Industrie 4.0 und mit ihr die Digitalisierung?
Gibt es den einen Weg, den es zu gehen gilt, oder ist die Digitalisierung eher eine Kreuzung, wo man sich die Frage stellen muss: links – rechts – geradeaus – zurück oder sogar stehen bleiben und abwarten, bis der Bus zur Digitalisierung kommt, wo man mit einsteigen kann?
Was bedeutet es für den Menschen, ja für die Unternehmen selbst und deren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen? Denn seien wir mal ehrlich, viele von uns sind gute Anwender auf den Systemen, worauf wir geschult wurden, aber sicherlich keine Nerds.
Ohne Frage: Die Digitalisierung ist die nächste industrielle Revolution. Doch besteht die digitale Transformation nur eben aus IT-Systemen, Algorithmen, Quantencomputern und Robotik? Wo bleibt eben dieser Mensch, wenn die Digitalisierung doch ihm zu Nutzen sein soll?
Der Titel „Wenn Fische plötzlich fliegen lernen“ steht als Sinnbild dafür, wie die eigenen Ressourcen genutzt werden können und wie der Wille zur Veränderung einen positiven Domino-Effekt auslösen kann, eben auch bei – und mit – den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, also der menschlichen Komponente des Wandels.
Das vollendete Zusammenspiel von Mensch, Maschine, Prozess und Organisation ist vielleicht die Gründungsphase der nächsten industriellen Revolution – der Phase 5.0 – und wer diese demnächst beherrscht, wird der zukünftige „Apple“ sein, der, der seine tiefen Fußspuren hinterlässt.
Dieses Buch kann somit vielleicht den Anstoß dazu geben, jetzt neue Wege zu gehen, neue Gedankenmodelle zu entwickeln und Sichtweisen zu etablieren, um den Trend der Digitalität als Chance, und nicht allein als Übel, zu sehen, jedoch mit den Menschen und nicht allein in Bits und Bytes.
Digitalisierung nachhaltig, verständlich und greifbar zu machen durch Offenheit und Dialog, um so ein gemeinsames Verständnis für die Zukunft zu entwickeln.
Die Tradition, das bisher Erreichte, wird dabei geachtet und beachtet – es war nicht alles verkehrt in der Vergangenheit. Doch nun bricht eine neue Ära an – eine neue industrielle Revolution.
Das muss von allen Beteiligten verstanden und verinnerlicht werden. Dazu gehören dann vielleicht auch Kanäle, Algorithmen und Plattformen, die vielleicht nicht zum Kerngeschäft gehören.
Doch durch eine neue gelebte „Innovationsstrategie“ von Mensch, Maschine, Prozess, Organisation und Technik geht diese Revolution einher, nicht mit einem „Big Bang“ und allein dem Aufbau neuer Rechenzentren. Teamspirit, Neugier und der Wille zur Veränderung sind der Jakobsweg der Zukunft, wodurch man sich Flügel wachsen lässt.
Diese Philosophie des Zusammenspiels, die Betrachtung des Ganzen und jedes Einzelnen, kann vielleicht die nächste industrielle Revolution sein – DIE INDUSTRIE 5.0 – die ge(er)lebte Innovation.


Wie alles begann

Doch blicken wir einmal kurz zurück auf den Weg zur Industrialisierung.
„Denn nichts ist so beständig wie der Wandel.“
Die erste industrielle Revolution, ca. 18. Jahrhundert, ausgelöst durch die Neuentdeckung der Wasserkraft, die Erfindung der Dampfmaschine und die damit einhergehende maschinelle Fertigung von Konsumgütern.
Die zweite industrielle Revolution, Ende des 19. Jahrhunderts, durch die Einführung der Akkord- und Fließbandproduktion und die Nutzung der Elektrizität. Das Telefon und das Telegramm revolutionierten dabei die Kommunikation der Menschen.
Die dritte industrielle Revolution, ab 1970, bestand im Einsatz von Mikroelektronik sowie in der weiteren Automatisierung und der aufkommenden Computerisierung in allen Lebensbereichen. Große Rechen- und Schreibmaschinen wurden abgelöst durch die ersten bezahlbaren Personal Computer – dank Bill Gates und seiner Vision: „A computer on every desk and in every home.“
Die vierte – und derzeit aktuelle Revolution – ist der Wandel von der analogen Welt in die digitale. Auf der Basis von Sensorik, Chips, künstlicher Intelligenz, Machine Learning und Algorithmen wird die Industrie 4.0 ge(er)funden. Und mit ihr die Digitalisierung – die digitale Transformation.
Diese Megatrends des 21. Jahrhunderts beinhalten nun ein Infragestellen und eine Neuorganisation bzw. eine Neupositionierung der Unternehmen dahingehend, ob man – als Unternehmen, aber auch als menschlicher Bestandteil desselben – für die Zukunft gut gerüstet ist. Die Fragen, die sich hierbei stellen, sind z. B.:
Welche disruptive Innovationen verändern unsere Traditionen?
Welche Geschäftsmodelle müssen nun auch wir in der Neuzeit anpassen, aufgrund eines veränderten Einkaufs- und Wettbewerbsverhaltens?
Wo setzen wir unsere digitale Transformation an, zur Industrie 4.0.?
Und – vor allem – wann und von wem soll „es“ eigentlich gemacht werden?
Die Arbeitswelt wandelt sich durch diese neuen Technologien und Trends unaufhörlich, daher ist diese Fragestellung von entscheidender Bedeutung.
Neue Geschäftsmodelle und Marktanforderungen entstehen unweigerlich, ob man will oder nicht, und neue Kommunikationskanäle entstehen aufgrund des technischen Fortschritts und der damit lebenden Generationen.
Dem begleitend entstehen neue Berufsfelder, Produktionslinien und Arbeitsabläufe, Prozesse, Vertriebskanäle und Kommunikationsplattformen. Fortschritt bedeutet gleichsam „fortschreiten“, also weiter vorwärtsgehen und eben nicht stehen bleiben und abwarten, bis „der Bus zur Digitalisierung“ kommt.
Eine Studie des Weltwirtschaftsforums, „Die Zukunft der Arbeitsplätze 2018“, besagt, dass bis zum Jahr 2022 im Schnitt die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Unternehmen bis zu 101 zusätzliche Tage weitergebildet werden müssen, um ihre Rolle im Unternehmen weiter qualitativ hochwertig wahrnehmen zu können.
Der Grund dafür ist die prognostizierte Erhöhung des Automatisierungsgrades in den Fabriken über alle Wertschöpfungsstufen hinaus.
Die Entwicklung von Wertschöpfungsnetzwerken nach innen wie nach außen, eine ganzheitliche Orientierung an individuellen Kundenwünschen, als auch digitalisierte Fertigungsprozesse und nicht zuletzt die Lieferantenbeziehungen, Stichwort SCM-Integration, gilt es somit neu zu regeln und zu gestalten.
In traditionellen Unternehmen herrschen nun mehr und mehr zwei voneinander getrennte Denkweisen: die der Hardliner und die der Revoluzzer.
Die Hardliner stehen für Struktur, für Technologien, Maschinen und festgeschriebene Prozesse.
Die Revoluzzer stehen für Kultur, für die offene Organisation, den Menschen, dessen Routinen und Gewohnheiten, sowie den Umgang mit- und untereinander. Sie lieben Start-ups und ihre Denkansätze, ihre Philosophie, Dinge zu verbessern, sie wollen alte Krusten aufbrechen, um neue Akzente zu setzen.
Vorsprung durch bessere Technik, Effizienz durch mehr Produktivität; mithilfe dieses Strukturwandels und der Denkweise der Hardliner kann ein weiterer wirtschaftlicher Erfolg entstehen – ohne Frage.
Doch ohne einen gleichzeitigen Kulturwandel in den Unternehmen, beginnend mit kleinen Schritten, wird die Zukunft ohne das Mitnehmen der Menschen, d. h. der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, gefährdet sein. Roboterdame Pepper und ihre folgenden Generationen können eben (noch) nicht alles.
Disruptive Innovationen, Techniken und Prozesse müssen ge- und erlebt werden. Nur indem der Trend verinnerlicht wird, wird er auch dauerhaft in das Verhalten integriert und somit zum „Leben“ erweckt.
Technische Neuerungen, die neue Maschine und ihre Automation, sind dann nur eine Säule des Erfolges, wenn sie von den Menschen angenommen werden und verstanden wird, wofür. Die Angst, dass die Digitalisierung auch gleichzeitig die Rationalisierung mit sich führt, kommt eben nicht von ungefähr und muss auch von den Entscheidern verstanden und akzeptiert werden.
Doch die Digitalisierung ist nun mal nicht aufzuhalten, genauso wenig wie der Wind, und am Ende ist nur das richtige Setzen der Segel die Lösung, den Sturm für sich zu nutzen.
Die kommende industrielle Revolution wird nicht allein durch smarte Produktionsanlagen, Machine Learning, Big Data und Co. geprägt sein. Nein, sie wird geprägt sein durch Neugier, Offenheit, Verständnis, Kreativität, von Querdenkern und Mutigen. Von Revoluzzern eben, die den Mut haben, auch Altehrwürdiges infrage zu stellen, um günstiger, schneller oder innovativer zu sein als die anderen.
Kürzere Innovationszyklen und zunehmender Wettbewerb aus dem Ausland durch die fortschreitende und Grenzen übergreifende Globalisierung zwingen die Unternehmen auch hierzulande, ihre Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten und Mensch und Maschine im Neuen zu betrachten.
Erinnern wir uns:
10/2018 – Apple präsentiert das neueste iPad Pro endlich wieder eine Revolution.
Apple ist ein Musterbeispiel in Sachen Selbstinszenierung, Fortschritt und Markenbildung. Selbst in Zeiten des Erfolges (April 2015 – das iPhone beschert Apple Milliardengewinne) wird sich nicht auf den Lorbeeren ausgeruht, sondern es wird die erfolgreiche Zeit genutzt, sich und seine Produkte immer wieder zu revolutionieren – ja sich selbst zu disruptieren – um sich dann mit unglaublichen Höchstpreisen, dank der Markenbildung, wieder zu modernisieren.
Viele Unternehmen haben sicherlich auch das Ziel, dort oben auf dem Zenit des Erfolges zu stehen, doch warum gelingt es nicht jedem – was macht den Unterschied aus?
Hat Apple die besten Köpfe der Welt um sich vereint? Ist die Art und Weise der Entwicklung, der Mut, etwas komplett Neues zu wagen und an den Markt zu bringen, vielleicht der Schlüssel zum Erfolg?
„Der Schlüssel zum Erfolg liegt manchmal darin, es einfach getan zu haben.“
Vielleicht, aber vielleicht ist es auch das Zitat von Apple-Gründer Steve Jobs: „Es macht keinen Sinn, kluge Köpfe einzustellen und ihnen dann zu sagen, was sie zu tun haben. Wir stellen kluge Köpfe ein, damit sie uns sagen, was wir tun können.“

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 120
ISBN: 978-3-99107-122-8
Erscheinungsdatum: 19.11.2020
EUR 14,90
EUR 8,99

Herbstlektüre