Sonstiges & Allerlei

Vom Sportmuffel zum Wanderfreak

Gitta Tost

Vom Sportmuffel zum Wanderfreak

Der Werdegang einer ganz normalen Großstadtpflanze

Leseprobe:

<strong>1
Die ersten erfolglosen Versuche
eines gewohnheitsmäßigen Dauersportmuffels</strong>

Ich wollte schon immer mal ein kleines, bescheidenes Büchlein schreiben. Herausgekommen ist am Ende ein Wanderratgeber mit einem kurzen, aber sehr authentischen und persönlichen – und für meine Begriffe sehr ehrlichen – Abriss meines bisherigen Lebens. So interessant wird das für einige wohl auch wieder nicht sein, aber als kurzweilige Literatur zum Zwischendurchlesen ist es vielleicht doch geeignet. Ich habe, nebenbei bemerkt, keine Probleme damit, mein Innerstes nach außen zu kehren, weil ich mir vorstellen kann, dass es anderen genauso geht – sie würden eben nur nicht darüber schreiben. „Schon wieder so ein Wanderbuch“, wird jetzt sicher der ein oder andere denken. Irgendwie stimmt das ja auch, solche Schmöker gibt es wirklich schon viele, gute und weniger gute. Nicht zuletzt habe auch ich mir so manche Anregung von anderen Autoren geholt, die sich mit der Wanderthematik schon lange vor mir beschäftigt haben. Es sollte nun auch kein herkömmliches Wanderbuch oder ein Wanderplaner werden. Mir geht es eher darum zu zeigen, wie ich mich innerhalb eines Jahres tatsächlich von einem echten Sportmuffel zu einem begeisterten Wanderfreak entwickelt habe. Vielleicht entdeckt der ein oder andere eine ebenso große Freude an der Bewegung (von Sport wollen wir mal nicht gleich reden) wieder und gestaltet sich seinen eigenen Lebensplan neu.

Jeder weiß, dass man sich besser fühlt und auch leistungsfähiger ist, wenn man sich wenigstens ab und zu mal aufrafft und die müden Glieder bewegt. Aber leider steckt ja immer noch dieser innere Schweinehund in uns, der uns ständig einreden will, dass es auf der Couch zu Hause doch viel bequemer ist und die überflüssigen Pfunde auch so irgendwann mal verschwinden. Tun sie aber nicht, das kann ich euch versichern. Ich spreche wirklich aus eigener Erfahrung. In meiner Kindheit musste ich mich zum Glück mit meinen überflüssigen Pfunden noch nicht befassen, da lief noch alles von selbst. Aber später, als sich das ein oder andere Pölsterchen schon an meinem Körper angelagert hatte, musste ich mir wohl oder übel Gedanken um meine Gesundheit und meine Figur machen. Ich bezeichne mich jetzt als Großstadtpflanze, obwohl ich eigentlich in dem wunderschönen, kleinen Bergstädtchen Marienberg im Erzgebirge unweit der tschechischen Grenze aufgewachsen bin. Als Kind bin ich leider nie gewandert, obwohl das Erzgebirge ja regelrecht dazu einlädt. Es lag wohl eher daran, dass ich damals recht unsportlich war und nach dem Motto „Sport ist Mord“ lebte. Mein sportlicher Ehrgeiz ging gegen null. Bei schulischen Wettrennen über längere Distanzen konnte man mich im Zieleinlauf fast immer im hinteren Feld finden. Von mir wird immer gesagt, dass ich die Ruhe in Person und immer gut gelaunt bin. Ich selbst merke das ja nicht so, aber Fakt ist, dass ich besser nachdenken kann, wenn ich leise vor mich hin singe oder ein Lied pfeife. Auf einige wirkt das zuerst befremdlich, aber am Ende lächeln mir auch unbekannte Leute gern zu (selbst beim größten Einkaufsstress im Supermarkt). Ich hoffe ja nicht, dass sie denken, ich hätte ’ne Macke. Jedenfalls leben Menschen, die immer gut gelaunt sind, entspannter und bleiben länger gesund. Das ist meine Lebensphilosophie, und damit komme ich bis jetzt ganz gut zurecht.

In der Zeit von 1982 bis 1990 habe ich mich gar nicht sportlich betätigt, weil ich erstens keine Zeit und zweitens noch keine Probleme mit meinem Befinden hatte. Als Jugendlicher ist man sowieso ständig in Action, deshalb ist man körperlich auch besser drauf. In der Zeit nach dem Studium wollte ich mich dann doch etwas sportlich betätigen. Ich kaufte mir ordentliche Schuhe und begann zu laufen (oder joggen, wie es ja heute heißt, soll wohl cooler klingen). Aber schon nach kurzer Zeit bemerkte ich, dass sich meine Einstellung zu dieser Sportart seit meiner Kindheit nicht geändert hatte. Ich empfand das Rennen immer noch als Qual. Und wenn man etwas ungern tut, lässt man es früher oder später sowieso sein. Ich bin auch nur einige Male gerannt, weil mir das Laufen durch den Park mächtig auf die Nerven ging. Ich war zwar an der frischen Luft und in der Natur, aber irgendwie erschien mir das Ganze ziemlich monoton. Ich habe auch heute noch einen Riesenrespekt vor Leuten, die sich jeden Tag aufraffen können, um zu laufen und sich dadurch fit zu halten. Ich könnte das jedenfalls nicht.

Ich hatte danach vieles ausprobiert, um meine Gewichtsprob­leme in den Griff zu bekommen. Das erste Mal dachte ich bewusst 1997, nach der Geburt unseres Sohnes Fabian, da­rüber nach, dass es langsam Zeit wird, das Gewicht wieder der Körpergröße anzupassen. Ich hatte nämlich während meiner ersten Schwangerschaft mal ganz schnell fünf Kilo zu viel zugenommen, da mir die Essensaufnahme nicht mehr nur als lebensnotwendiges Grundbedürfnis erschien, sondern ich das Gefühl der Gaumenfreuden wohl etwas zu intensiv verspürte. Um es mal mit ganz einfachen Worten auszudrücken: Ich habe einfach viel zu viel gegessen. Ich sah das damals noch nicht so dramatisch, da eine Schwangere ja sowieso zunimmt und man sich selbst immer mit der Notlüge tröstet, dass man ja alles nur zum Wohle des zu erwartenden Kindes tut. Da ja in dieser Lebensphase sowieso alles neu ist, rückt die persönliche Befindlichkeit eher in den Hintergrund. So habe ich die Zeit damals jedenfalls erlebt.

Noch während meiner „Auszeit vom Berufsleben“ begann ich, mich ein bisschen sportlich zu betätigen. Wir kauften uns einen Hometrainer. Das hatte nämlich den Vorteil, dass ich das Haus nicht verlassen musste, wenn ich mich etwas mehr bewegen wollte. Anfangs nutzte ich das Sportgerät täglich in den Zeiten, in denen das Baby schlief. Die kleinen Racker tun das ja zum Glück noch sehr oft. Und so konnte ich auch schnell einige Erfolge verzeichnen, meine Leibesfülle verringerte sich merklich. Zu meinem Traumgewicht habe ich damals jedoch nicht zurückgefunden, da ich vielleicht insgesamt etwas zu inkonsequent war. Als ich dann nach einem Jahr wieder zu arbeiten begann, ließ ich das Radeln sein, da ich die Zeit dafür einfach nicht mehr hatte. Ich hatte ja jetzt neben der Minifamilie auch noch einen Job. Auf diese neue Situation musste ich mich erst einmal umstellen. Ungefähr zweieinhalb Jahre blieb dann alles beim Alten. Kurz nach der Geburt unserer Tochter Sabrina im Jahr 2001 nahm mich dann eine gute Bekannte mit ins Fitnessstudio. Das war nun eine völlig neue Erfahrung für mich. Ich bin zwar als Studentin furchtbar gern in die Disco gegangen, aber sich nach Musik rhythmisch sportlich zu bewegen, sodass man sogar ins Schwitzen kommt, ist etwas total anderes. Ich hatte es zwar nicht erwartet, aber es machte Spaß. Zu diesem Zeitpunkt war ich konditionell auf meinem Tiefpunkt. Jede schnellere Bewegung bereitete mir Schwierigkeiten. Ich war total unglücklich darüber, weil ich mich auf einmal so alt und träge fühlte. Aber je fitter ich wurde, umso mehr erfreute ich mich an allem. Ich war ungefähr ein Jahr lang zweimal pro Woche im Fitnessstudio und fühlte mich am Ende dieser (meiner neuen) Lebensphase richtig wohl. Aber irgendwie kommt ja doch immer alles anders als geplant. Ich beendete meinen Vertrag mit dem Fitnessstudio aus zweierlei Gründen. Erstens, und das dürfte wohl jedem einleuchten, begann ich wieder zu arbeiten und hatte einfach keine Zeit mehr fürs Trainieren im Fitnessstudio. Zweitens (und darüber wird sich die bewusste Person bestimmt freuen, falls sie jemals diese Zeilen zu Gesicht bekommt) beendete die Fitnesstrainerin ihren Arbeitsvertrag mit dem Fitnessstudio, und ich konnte mich schon immer schlecht an neue Bezugspersonen gewöhnen. Diese Lehrerin war einfach spitze, sie konnte jeden motivieren, auch wenn er oder sie ein absoluter Sportmuffel war. Also genau richtig für mich. Solche Fachkräfte findet man leider eher selten. Danach kaufte ich mir ein neues Fahrrad mit Gangschaltung. Es ist nicht so, dass ich diese in der Großstadt oft brauche. Magdeburg ist eher ziemlich flach. Aber einige wenige Erhebungen oder Hügel gibt es doch, und dann ist eine Gangschaltung recht hilfreich. Am Anfang unternahmen wir nur kurze Radtouren mit der ganzen Familie, da Fabian mit seinem Rad noch nicht so weit und vor allem nicht so schnell fahren konnte. Diese Touren waren dann auch immer ziemlich anstrengend, da wir nur sehr schleppend vorangekommen sind. Sabrina, ihr Rufname ist übrigens Biene, saß in ihrem Kindersitz auf meinem Rad, sie hatte es von uns am besten. Weite Ausflüge haben wir wie gesagt damals nicht unternommen.

Zum Wandern bin ich aber eher durch Zufall gekommen. Und das war so: Vor einigen Monaten war ich mal wieder in einem Buchladen. Ich liebe Bücher über alles. Bei meinem Rundgang kam ich an einem kleinen Tisch vorbei, auf dem einige Wanderbücher ausgelegt waren. Ein Buch interessierte mich ganz besonders, da vom Verfasser behauptet wurde, dass er der lustigste Reiseautor unserer Zeit sei. Solche Bücher lesen sich schneller und sind leichter verdaulich. Ich überlegte nicht lange und kaufte mir das Buch „Straßen der Erinnerung – Reisen durch das vergessene Amerika“ von Bill Bryson. Der Originaltitel „The lost continent – travels in Small Town America“ gefällt mir übrigens besser, da er den Kern der Sache bzw. die Beschreibung der Kleinstädte und verlassenen Orte in der für uns Europäer kaum zu erfassenden Weite der USA (er fuhr mit einer alten Klappermühle 14?000 Meilen durch die Bundesstaaten Portland, Maine, Kalifornien, Iowa usw.) besser trifft. Bill Bryson ist ein für die heutige Zeit sehr inte­ressanter Buchautor, da seine persönliche Biografie in keiner Weise dem Standardklischee eines Amerikaners entspricht. Er wurde 1951 in Iowa geboren, verließ mit 16 Jahren das Land und lebte viele Jahre in Großbritannien. 1996 kehrte er mit seiner Familie in die USA zurück und lebte dort bis 2003. Jetzt wohnt er wieder in Großbritannien. Er besitzt die Fähigkeit, als Amerikaner einen kritischen Blick auf seine Landsleute und das Land selber werfen zu können. Der Schreibstil hat mir von Anfang an gefallen, da er nicht so todernst und langweilig ist. Bill Bryson ist als Privatperson sicherlich auch sehr unterhaltsam. Kaum hatte ich dieses Buch durchgeschmökert, was nur ein paar Tage dauerte, nahm ich mir das zweite Buch von ihm vor. Der Titel lautet „Picknick mit Bären“ (im Original „A walk in the woods“). Ich dachte ursprünglich, dass er einige Nationalparks in den USA besucht und in seinem Reisebericht darüber etwas geschrieben hätte. Aber schon ziemlich schnell bemerkte ich, dass es hier um etwas ganz anderes ging.

Das Lesen dieses Buches führte zur Änderung meiner bisherigen (zugegeben ziemlich unsportlichen) Lebenseinstellung. Es war der Beginn meiner neuen und derzeitigen Lebensphase – eine Rückkehr zum aktiven Gestalten des Alltags. Und das vor allem durch das Wandern als Möglichkeit, sich auf sehr angenehme Art und Weise regenerieren zu können und damit gegen alle eventuell anfallenden Widrigkeiten gewappnet zu sein. Das hört sich jetzt wieder ziemlich umständlich an, ist es aber nicht. Bill Bryson ist als Mittvierziger (an dem Punkt bin ich nun auch schon angekommen) mit seinem Freund mehrere Wochen durch den dichtesten Wald einen Wanderpfad entlanggewandert, der sich „Appalachian Trail“ nennt. Dieser Wanderweg befindet sich an der Ostküste der USA und durchquert 14 Bundesstaaten. Mich beeindruckte nicht unbedingt, dass er über 1 400 Kilometer gewandert ist, obwohl dies schon großen Respekt verdient. Die Beschreibung der Naturwunder fand ich persönlich sehr anschaulich und beeindruckend, und spätestens nach der Hälfte der Lektüre bekam ich den Wunsch, einige der Plätze selbst sehen zu wollen. Am interessantesten fand ich jedoch die Charakterisierung der Personen, die er auf seiner langen Tour getroffen hatte. Wenn man in der Stille und Reinheit der Natur auf Fremde trifft, sieht man diese Menschen sicher mit anderen Augen, vielleicht beobachtet man seine Umwelt dann etwas intensiver. Man erkennt Besonderheiten, auf die man im Alltag gar nicht geachtet hätte. Diese Erkenntnis führte dazu, dass ich eigentlich sofort anfangen wollte zu wandern. Ich wollte die Natur wieder mit Kinderaugen sehen, auf die Kleinigkeiten achten und nicht nur das Ziel der Wanderung im Auge behalten, so wie es Erwachsene eigentlich immer tun. Für uns zählt nur das Ergebnis, dabei geht uns eine Menge verloren. Natürlich war mir klar, dass ich nicht erst nach Amerika reisen muss, um dieses Erlebnis haben zu können. Deshalb beschloss ich, erst einmal klein zu beginnen und mit meiner Familie kurze Wanderungen im Harz zu unternehmen.

Nachdem ich also das erste Wanderbuch gelesen hatte, kaufte ich mir wieder ein sehr interessantes Buch mit dem Titel „Gesammelte Wanderabenteuer“ von Manuel Andrack. Der Autor dieses Buches war auf Wanderwegen im deutschen Mittelgebirge unterwegs. Ich finde, dass die beiden Autoren einige Gemeinsamkeiten haben. Beide lieben Fernwanderwege, wenn auch mit unterschiedlicher Motivation. Bill Bryson wollte ursprünglich die gesamte Strecke des „Appalachian Trail“ von 3540 km zurücklegen. Selbst wenn er es geschafft hätte, hätte er mehrere Wochen für diese Megawanderung gebraucht. Herr Andrack dagegen bewältigt die längeren Distanzen eher aus sportlichem Wanderehrgeiz in kürzester Zeit. Beide sind Brillenträger und waren ungefähr im gleichen Alter, als sie sich auf Wanderschaft begaben und ihre Erfahrungen, die sie unterwegs machten, dann in ihren Büchern beschrieben. Dass Herr Andrack Wanderstöcke und Rundwanderwege kategorisch ablehnt, finde ich persönlich nicht sehr schön, weil diese Art der Wanderwege ideal für Kinder ist, die ja natürlich nicht so weit gehen können. Stöcke können beim Abstieg im Gebirge sehr hilfreich sein. Das hat sogar Hape Kerkeling bei seiner Wahnsinnstour auf dem „Jakobsweg“ festgestellt. Das Buch „Ich bin dann mal weg“ wollte ich erst gar nicht kaufen, weil mir der Preis dafür zu hoch erschien. Außerdem konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie dieser Unterhaltungskünstler ein ernsthaftes Buch über den „Jakobsweg“ schreiben konnte. Nachdem ich aber von Freunden gute Kritiken über das Buch gehört hatte und mein Wanderlesestoff schon ausgegangen war, überlegte ich es mir dann doch anders. Das Buch ist sehr gut dafür geeignet, um Menschen beim Training oder ganz einfach zum Durchhalten zu motivieren. Wenn ich auf meinem Hometrainer sitze und mich frage, was ich da eigentlich mache, nehme ich mir das Buch zur Hand und lese ein paar Zeilen. Dann denke ich mir: „Das arme Menschlein hat es noch schwerer als ich, der muss sich noch mehr quälen.“ Und schon klappt es mit dem Radeln besser. Und so habe ich also die Wanderlust entdeckt. Auf den nächsten Seiten werde ich darüber berichten, wie ich die Liebe zur Natur gefunden habe und welchen Spaß ich letztendlich beim Wandern hatte.

<strong>2
Wanderung auf dem Hexenstieg
2.1 Vorbereitung</strong>
Nach einigem Überlegen und Wälzen verschiedener Wanderprospekte habe ich meinen eigenen „Appalachian Trail“ gefunden. Der Hexenstieg im Harz ist zwar nur ungefähr 97 Kilometer lang, aber ich hatte nie die Absicht, so eine Megaleistung wie Herr Bryson, Herr Kerkeling oder Herr Andrack zu vollbringen. Mir geht es vorwiegend darum, in relativ kurzer Zeit eine für mich weite Strecke zurückzulegen. Ich möchte sowohl die Umgebung und die einmalige Naturlandschaft des Harzes kennenlernen als auch meine eigenen Gedanken ordnen. Ab und zu braucht wahrscheinlich jeder mal eine Auszeit von der Familie und muss für sich allein sein. Man kommt an einen Punkt, an dem man sich fragt: „Was habe ich bis jetzt erreicht? Und was liegt noch vor mir?“ Das ist so einfach bestimmt nicht zu beantworten. Deshalb nutze ich die Chance und gehe allein auf Tour. Ich werde hoffentlich zu mir finden und nach meinem Kurzurlaub gestärkt wieder ans Werk bzw. an die Arbeit gehen können. Mal sehen, ob man dieses Gefühl wirklich empfinden kann, welches meine Vorgänger so schön beschrieben haben. Erkennt man tatsächlich sein wahres Wesen, wenn man stundenlang nur mit sich allein ist und unheimlich viel Zeit zum Nachdenken hat? Begreift man dabei, was wichtig ist im Leben? Finde ich einen Weg, um Gottes Wirken besser zu verstehen? Manchmal drängt es mich sehr, den Sinn meines Lebens zu erkennen. Welchen Plan hat Gott eigentlich für mich? Anfang April 2008 bekam ich gleich zwei Mails an einem Tag von jeweils zwei Freundinnen. Von der einen Freundin hatte ich schon monatelang nichts gehört und auch die andere hatte sich lange nicht mehr gemeldet. Die erste Freundin schrieb, dass ihre Schwiegermutter im Feb­ruar verstorben sei und dass sie selbst wegen einer großen Operation im Krankenhaus war. Und die zweite schickte die ersten Fotos ihrer kleinen Tochter, die Anfang April geboren war. Die Kontraste könnten größer nicht sein. Werden und Vergehen, alles zusammen an einem Tag. Für mich ist das kein Zufall, sondern der Beweis dafür, dass alles Leben im Endeffekt nicht allein in unserer Hand liegt. Ich möchte jetzt schon klarstellen, dass es auf meiner Wanderung für mich sehr wichtig ist, auf gewissen Luxus nicht zu verzichten. Ich werde nicht wochenlang durch die tiefsten Wälder (wie Herr Bryson) und durch karge Landschaften (wie Herr Kerkeling) streifen und meinen Körper bis zur Selbstaufgabe strapazieren. Bei mir soll die Freude an der Natur im Vordergrund stehen. Deshalb werde ich jeden Tag ungefähr 30 Kilometer wandern und abends in einer Pension oder in einer anderen Unterkunft mit einem weichen Bett und einer warmen Dusche übernachten. Ich finde es ja sehr beeindruckend, dass die genannten Autoren Entbehrungen und Strapazen auf sich nehmen können, um ein sich selbst gestelltes Ziel zu erreichen oder eine sehr schwer zu bewältigende Aufgabe zu meistern. Mir fehlt es nicht an der nötigen Durchsetzungskraft oder dem Willen, durch Verzicht Gott näher zu kommen. Ich habe nur ganz einfach ein völlig anderes Ziel. Ich möchte in kürzester Zeit zu meinem Normalgewicht zurückfinden und mich damit gesünder und vitaler fühlen. Die Methode ist annähernd die gleiche, aber eben nicht so nervenaufreibend. Und der Körper wird nicht so sehr geschunden. Einen Fakt möchte ich auch nicht außer Acht lassen. Ich habe nur ein paar Tage Urlaub und muss mein Vorhaben in dieser Zeit bewältigen. Außerdem will ich nach meiner Wanderung körperlich fit sein. Es nützt mir nichts, wenn ich zwar eine riesige Wanderung hinter mich gebracht habe, aber am Ende halb tot bin.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 188
ISBN: 978-3-99003-325-8
Erscheinungsdatum: 11.05.2011
Durchschnittliche Kundenbewertung: 3
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