Tashi

Tashi

Arobed Assiah


EUR 13,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 62
ISBN: 978-3-99064-719-6
Erscheinungsdatum: 29.01.2020
Eine fantastische Geschichte um einen sensiblen Jungen, dem sich aus anderen Sphären Erkenntnisse erschließen, die ihm die Kraft vermitteln, in seinem menschlichen Dasein positiv zu fühlen.
„Heee du, Taaashiiii, aufwachen, aaauuufwaaachen!“
Klara, das schönste Huhn, das die Welt je gesehen hat, flattert ganz aufgeregt um den schlafenden Tashi herum. Sie streichelt mit ihrem seidenen, strahlend weißen Federkleid, das leicht silbern glitzert, über Tashis Gesicht.
Hach aber auch, der Junge will einfach nicht aufwachen. Sie wird unruhig und ruft ihn noch einmal. Sie schaut den riesigen Baum an, unter dem Tashi eingeschlafen ist.
Der Baum lächelt ihr zu und mit ruhiger Stimme erklärt er ihr:
„Klara, lass ihm Zeit. Du weißt sehr wohl, dass er sich gerade woanders aufhält. Er braucht Zeit, um wieder in dieser Dimension anzukommen.“
„Ja, ich weiß, aber du siehst selber, dass wir Besuch bekommen, schau mal“, wobei sie aufgeregt mit ihrem Flügel in die Richtung des Besuches zeigt, um ihren Worten mehr Gewicht zu verleihen.
Klara sieht zwar nicht aus wie ein Mensch, aber gerade deshalb ist sie die wunderbarste Freundin, die sich Tashi wünschen kann, und sie begleitet Tashi schon seit langer Zeit.

Der Baum lächelt über Klaras Aufregung, er hat es bereits gesehen. Immerhin ist er einiges, eigentlich sehr viel größer und hat weiten Überblick. Ganz im Gegensatz zu Klara, die sich gerne auf dem Boden aufhält. Der Baum raschelt mit seinen Blättern, biegt sich ganz nahe zu Tashi hinab, um ihn mit seinem Rauschen und einem Hauch von Wind aufzuwecken.

Verschlafen öffnet Tashi seine Augen, aber er ist noch nicht wirklich hier. Sein Körper schläft noch, während seine Seele in der Traumzeit hängen bleibt. Klara hat seine offenen Augen gesehen und setzt sich auf seine Brust.
„Tashi, komm endlich zurück. Du kannst später wieder schlafen, es ist Besuch hier für dich!“
Noch einmal raschelt der Baum mit seinen Blättern und lässt einen Windhauch, dieses Mal etwas stärker, über den Körper des Jungen gleiten. Das hilft. Noch etwas verträumt setzt er sich halbwegs auf und reibt seine Augen, um ganz aufzuwachen.
Bis Tashi ganz aufwacht, hat der schöne große Weltenbaum Zeit, sich seiner Leserschaft vorzustellen:
„Liebe Leserin, lieber Leser:

Ich bin alt, ich bin sehr alt …
Ich bin der Baumgeist und weiß um die Mysterien des Universums …
Ich bin wie ein Spiegel. Wer mich erkennt, erkennt sich selbst …
Ich bin ein Geheimnis …
Ich bin voller Portale und Durchgänge, in denen man sich nicht nur verstecken, sondern auch andere Dimensionen bereisen kann.“

Es ist still und der Baumgeist schweigt für eine Weile.
Es ist so still, dass es in den Ohren pulsiert und man die Stille hören kann.

Der Baum berührt Sie sehr sanft, liebe Leserinnen und Leser, während er weiterspricht:

„Ich bin voller Kraft, wer sich mit mir befasst, wird automatisch gestärkt …
Du atmest meinen Atem, Ich atme den deinen …
Ich umarme dich, wenn du mich brauchst …
Ich tröste dich, wenn du weinst …
Ich nähre dich, wenn du Hunger hast …
Ich reinige dich, wenn du erschöpft bist …
Ich bin dein Gewissen, ich enthülle dir dein eigenes Wissen, falls du das wünschst …
Ich trage das Licht in mir und erinnere dich daran, dass auch du aus dem Licht kommst.“

Der Baumgeist schweigt erneut, er gibt uns einen Moment, um das, was gesagt wurde, erst mal zu verstehen.
Der weise Baum hat unendlich viel Zeit.

Wenn die Leserschaft jetzt beobachten könnte, wie der herrliche Baum sie liebevoll und auch etwas herausfordernd betrachtet. Er neigt sich Ihnen leicht entgegen, denn der Baum möchte, dass Sie sein Wesen erkennen! Können Sie fühlen, wie er sanft und tröstend Ihr Gesicht mit seinen kleinen herabhängenden Ästen berührt?

„Schaut mich an, ihr Menschenkinder. Ich bin euer Freund und Begleiter im Werden, Sein und Vergehen.“
Der Baum schweigt wieder. Er lächelt, ein wissendes Lächeln.

Sein uraltes Gesicht, das ewig jung erscheint, strahlt Wärme und Verständnis aus.
Der Baum steht ganz gerade und dehnt sich weit in die Lüfte. Er schwenkt seine vielen Arme, um seine wahre Größe und Macht zu demonstrieren.
Man hört den Wind, wie er sanft mit den Blättern spielt.
Es ist wie eine heilende Melodie, die uns an etwas erinnert, das wir vergessen haben.

Er spricht weiter:
„Hab Geduld, liebe Leserin, lieber Leser. Da ich sehr alt bin, hat alles seine Zeit. Ich habe alles gesehen, mich überrascht nichts mehr. So werde ich der Begleiter sein, der euch durch diese Erzählung mit Tashi und seinen Freunden führt.
Ich werde auch zu eurem Freund werden, wenn ihr das möchtet. Denkt es einfach in eurem Herzen, dass es bereits so ist, und ich werde bei euch sein!“

Der Baum wiegt sich im Wind und genießt die Freiheit, sich weit in den Himmel und noch weiter ausdehnen zu können, ganz ohne Grenzen.
Der Baum lächelt tief ins Universum hinein, Sein Lächeln umarmt alles, was ihm begegnet.

Klara schaut ihm zu, sie muss schon sehr weit hinaufgucken. Seine mächtige Krone scheint im Himmel und noch weiter zu verschwinden. Während sie staunt über die wahre Größe dieses Freundes, kommt ihr wieder in den Sinn, dass Tashi ja Besuch hat. Sie seufzt, eines Tages wird sie weit hinauffliegen und sich vom Baum im Wind wiegen lassen.
Klara pickt freundlich an Tashis Jacke.
„Komm jetzt, Junge, aufstehen!“






Rosenquarz



Nun setzt sich Tashi auf die starken Wurzeln, die sich in alle Richtungen ausdehnen, und lehnt sich an den großen Baum. Er reibt noch mal seine immer noch verschlafenen Augen. Als er endlich richtig wach wird, realisiert er, dass er ganz umhüllt ist von einer weichen, sanften rosafarbenen Lichtwolke.
Erstaunt schaut er sich um. „Klara, was ist das?“
„Aber mein Junge. Ich habe dir doch gesagt, wir haben Besuch!“

„Wie rieche ich?“
Ohhh hallooo, Tashi weiß nicht so recht, ob er jetzt wirklich noch träumt. Die Stimme, die gerade gesprochen hat, ist leicht rauchig, aber dennoch klar und etwas süß vielleicht? So erscheint es ihm wenigstens. Tashi schüttelt den Kopf, das ist alles verwirrend.
Er versucht also zu riechen …
Er schließt die Augen wieder und atmet tief ein. Klara sitzt ihm beinahe auf den Füßen, sie genießt den herrlichen süßlichen Duft, der alles einhüllt. Dieser Duft erinnert Klara irgendwie an Honig. Sie verhält sich ganz ruhig, damit Tashi sich konzentrieren kann.

„Ich bin Rosenquarz, oder viele nennen mich auch Rosaline. Ich kenne dich schon lange, Tashi. Magst du meinen Duft?“
Die rosa Wolke ist aber hartnäckig, Tashi schmunzelt. Er fühlt sich ganz entspannt und beschützt.
Noch immer mit geschlossenen Augen antwortet er auf ihre Frage.
„Ja, ich mag deinen Duft, er macht mich leicht und ruhig. Ich kann ganz tief in mein Herz und meine Lungen hineinatmen. Wer bist du?“

Gerade in diesem Moment gesellt sich der treue Regenbogen zu diesem Szenario.
Wirbelnd und fröhlich nimmt er den Raum ein, den er braucht, um sich in seiner ganzen Pracht zu entfalten.
„Hallo ihr, ich will auch dabei sein. Immerhin gehören wir alle zusammen. Diese Vorstellung von Rosenquarz möchte ich nicht verpassen.“

Klara gackert aufgeregt, sie kennt jedes Detail ihres Freundes, des Regenbogens. Immerhin war sie von Anfang an dabei. Als Ei oder als Huhn, das weiß sie nicht mehr so genau. Nach kurzem Zögern findet sie, sie sei möglicherweise als Ei UND als Huhn schon dabei gewesen. Schließlich funktioniert das Evolutionsprogramm nicht vollständig, wenn eines von beiden fehlen würde. Das eine braucht das andere, um aus sich heraus zu existieren. Ach was, überhaupt, da in dieser Geschichte weder Anfang noch Ende existieren, ist ihr das eigentlich auch egal.
Sie steht auf und begrüßt den Regenbogen, der sich jetzt wie Rosenquarz weit und weiter ausdehnt. Ein prächtiges Farbenspektakel, das alles einhüllt, selbst die gewaltige Größe des Baumes.

Tashi setzt sich wieder hin. Er ist überwältigt. Sein Herz schlägt ganz wild, so aufgeregt ist er. Er kann die Freude spüren, die aufkommt, es kribbelt ihn durch und durch, er will jetzt hören, was Rosaline zu erzählen hat.
Auf einmal öffnet sich die Farbwolke und zwei beinahe menschlich aussehende Arme strecken sich Tashi entgegen und präsentieren ihm ein Geschenk.

„Dies ist ein kleines Geschenk, das du behalten sollst, damit du mich nicht mehr vergisst. Es soll dir helfen, wenn du dich verloren oder einsam fühlst. Wenn du es in deiner Nähe führst oder in deinen Händen hältst, bin ich ganz gegenwärtig mit dir verbunden.“

Tashi macht große Augen und bestaunt das Geschenk.
„Wow, ist der schööön!“
Er nimmt den wunderschönen, flachen aber ganz glattpolierten und in viele Facetten geschliffenen Rosenquarz entgegen. Er ist gerade so groß, dass er ihn gut in seiner Hand halten kann.
Er ist fasziniert von dieser eleganten Schönheit und er riecht am Stein. Eine Angewohnheit, die er sein Leben lang, wenigstens solange er im Menschenkleid verweilt, beibehalten wird. Er muss an den Dingen riechen können, um eine Beziehung zu ihnen zu schaffen. Sein Rosenquarz-Stein glänzt ganz wunderbar und reflektiert das Licht, das von den Facetten ausgestrahlt wird.
Während er den Stein genießt, fühlt er Rosaline und ihre grenzenlose Liebe, die sie ausströmt. Er wird ganz entspannt. Klara, der Baum, der ganz leise mit seinen Blättern raschelt, und der Regenbogen beobachten ihn.

Der Baum beginnt sich sanft zu wiegen, hin und her und auf alle Seiten. Ein seltsames, fast musikalisches Geräusch strömt aus dem währschaften Baumstamm. Alle beobachten den Baum gebannt.

Der öffnet überraschend seine Arme und ein großes Portal wird sichtbar. Der sich wiegende Baum lächelt schelmisch, weil Tashi und Klara erschrecken und unsicher reagieren.

„Wohooo whooppsss, was wird das wohl?“, entschlüpft es Tashi und er schaut sich nach Rosaline um, während Klara sich ganz mutig dem Portal nähert und neugierig hineinguckt. Sicherheitshalber hält sie sich mit einem Flügel an der Rinde des Baumes fest. Sie ist ganz klein, verglichen mit der Größe der Öffnung.
Tashi folgt Klara etwas vorsichtig, um ebenfalls einen Blick hindurch zu wagen. Als beide neugierig genug durch das Portal schauen, schubst Rosaline die beiden plötzlich durch den Eingang. Sie lässt ein sanftes, leicht rauchiges Lachen hören, das wie ein Echo durch den ganzen Baum schwingt.
Auch der Baum kichert, sofort zieht er den verwirrten und überrumpelten Tashi wie ein Lift in großen Spiralbögen weit nach oben.

Klara bleibt auf geringer Höhe stehen, sie will nicht weiter. Sie denkt darüber nach, wie es wohl sein würde, wenn man die Welt, oder überhaupt die Dinge, aus einer so hohen Warte aus betrachten könnte. Vielleicht eines Tages wird sie es auch erleben. Aber heute ist nicht dieser Tag. Er gehört ganz und gar Tashi.

Das Innere des Baumes ist nun eine riesige Landschaft geworden, weich eingehüllt in sanften Rosaschattierungen. Tashi findet sich mitten in dieser Landschaft. Gemütliche Häuser liegen verstreut in der hügeligen Landschaft. In einiger Entfernung sieht er Tiere, die er auf Erden nicht gesehen hat. Alles in dieser Landschaft ist friedliebend. Sanfte wellenartige Schwingungen verbinden alles in diesem friedlichen Tale. Nichts ist störend, zu viel oder zu wenig. Eine unbeschreibliche Ausgewogenheit herrscht hier vor.

Nachdem sich Tashi vom Schreck erholt hat, schwebt er und ist ganz frei von Grenzen, sein Erdenkleid engt ihn hier nicht ein und fühlt sich nicht an wie ein Korsett. Er fühlt sich losgelöst und mit allen Dingen verbunden. Ein vibrierendes Gefühl der Leichtigkeit überkommt ihn. Fast wie in der Traumzeit.

Nach längerem Staunen beginnt er plötzlich zu strahlen und ruft:
„Oh Klara, ich kann mich jetzt wieder erinnern. Als ich auf dem Regenbogen hierherkam, war ich im rosafarbenen Farbstrahl. Ja jetzt weiß ich es wieder.“
Er schaut sich um, als keine Antwort kommt. Ach ja, er hat gar nicht gesehen, dass Klara, seine wunderbare Freundin, nicht da ist. Trotzdem scheint sie hier oben mit ihm zu sein.
„Tashi, mein lieber Junge. Was kannst du erkennen? Schau dich um. Wo befindest du dich?“
Tashi schaut in die strahlende formlose Form von Rosaline.
Rosaline hat eine seltsame Gewohnheit, Fragen ohne Vorbereitung zu stellen. Ihre Fragen werfen ihn zurück zu sich selbst, er lernt, sich selbst besser zu beobachten.

„Ich erkenne alles wieder, sogar mich selber, WIE und WER ich war, bevor ich über den Regenbogen kam. Frei und unbekümmert. Und ich war ohne Angst, bevor ich mein Menschenkleid anziehen musste.“
Träumend schaut er tief in die herrliche Landschaft und lässt sich verzaubern.
Er seufzt und schaut sich zögernd nach Rosaline um. Ob sie jetzt über ihn lacht?

Natürlich hat sie seine Gedanken erraten. Man ist ja im rosafarbenen Strahl mit allem verbunden.
„Tashi, weshalb soll ich über dich lachen? Du hast das genau richtig erkannt. Ich bin die Wiedervereinigung, wo sich alle Dinge - alle Einzelteile - wiederfinden und eins werden.“
„Einzelteile?“
Tashi ist jetzt mutiger geworden, um zu fragen, was ihn interessiert oder er noch nicht ganz versteht. Aber bevor Rosaline antworten kann, ruft er aufgeregt:
„Oh und guck mal! Sogar meine Wächter kann ich hier sehen. Euch habe ich doch auch vergessen. Seid ihr denn immer mit mir? Obgleich ich euch nicht sehen kann, während ich im Menschenkleid wohne?“
Seine Wächter, die mit ihm über den Regenbogen gewandert sind, nicken hocherfreut, dass er sie wiedererkennt. Sie sind ganz nah bei ihm, je ein Wächter auf jeder Seite. Groß, stark und beschützend.
Er ist glücklich, endlich die Verbundenheit mit seiner Sternenfamilie wieder zu fühlen.

Er schließt seine Augen, um sich ganz dem jetzigen Moment hinzugeben und alles wahrzunehmen. Auch seine Gefühle, seine Freude und Leichtigkeit.
Er lauscht dem Rascheln der Blätter, die leise im Wind singen und den typischen Duft von frischen jungen Blättern versprühen. Er spürt Klara und er erinnert sich auch noch vage an andere Dinge, die ihm auf dem Regenbogen begegnet sind.
Jetzt wiederholt er seine Frage, immer noch mit geschlossenen Augen:

„Einzelteile?“

Liebevoll antwortet Rosaline:
„Ja, Einzelteile oder auch verlorene Seelenanteile, die du auf deiner Reise zurückgelassen hast. Im Menschenkleid hast du all das vergessen. Das größere Ganze wird im Menschsein nicht mehr wahrgenommen. Die Einheit wird zersplittert, um in den Kreis der Erfahrungen zu gehen. Nun bin ich also zu dir gekommen, damit du dich wieder erinnern kannst.“

Sie berührt ihn mit ihren sanften Schwingungen.
„Wir wollen doch diese Herzharmonie, deine Einheit, wieder aktivieren, nicht wahr?“

Tashi schaut Rosaline an und nickt nur. Meditativ betrachtet er die endlose Weite, ein Gefühl der Geborgenheit umgibt ihn. Er fühlt wieder, was er in seinem wesentlichen Selbst, in seinem universellen originalen Kern, der nie verloren geht, ist.
Egal ob er nun im Sternenkleid, Regenbogenkleid oder Menschenkleid weilt. Seine eigene Einheit durchdringt alle Trennungen, selbst gefühlten und selbst gedachten Grenzen, und vereint sie.


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