Mitteilungen aus dem Sudelbuch des Lebens

Mitteilungen aus dem Sudelbuch des Lebens

Karl Maria Müller


EUR 14,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 108
ISBN: 978-3-95840-490-8
Erscheinungsdatum: 27.02.2018
Manche Wahrheiten liegen auf der Hand, und doch braucht es einen, der sie ausspricht. Andere wiederum müssen erst neu erfunden werden. Gut also, dass sich Karl Maria Müller mit Freuden dieser wahrlich nicht ganz einfachen Aufgabe annimmt!
Zur Entstehung


Dieses Buch enthält eine Auswahl von Gedanken, die in fast fünfzig Lebensjahren zusammengetragen worden sind, in Kladden, die dem Autor jederzeit griffbereit lagen. Diese Hefte, die im Laufe der Jahre aus Gründen ihrer Erhaltung gebunden wurden, waren von Anfang an als Ersatz für Tagebücher gedacht und haben sich in diesem Sinne auch bewährt: Anhand der mit dem Eintragungsdatum versehenen aufgezeichneten Gedanken, Aphorismen, Parerga und Paralipomena lässt sich eine Lebensentwicklung nachvollziehen, und zusammen mit der Erinnerung erlauben sie dem Autor einen biographischen Überblick, der durchaus authentisch ist. Aus diesem Grunde wurde auch darauf verzichtet, die Fragmente unter Oberbegriffen zusammenzufassen und auf diese Weise in Kapiteln zu präsentieren.
Nicht ganz unproblematisch ist der Umstand, dass die Eintragungen der von anderen übernommenen Gedanken in den Heften nicht immer mit der Herkunftsangabe versehen wurden, entweder, weil sie vergessen wurde oder weil sie nicht nachgewiesen werden konnte. Es ist also nicht auszuschließen, dass das eine oder andere der hier zusammengetragenen gedanklichen Fragmente von anderen Autoren vorgedacht wurde. Aber man muss sich auch eingestehen, dass alles, was in der Welt gedacht wird, letztlich schon von anderen vorgedacht worden ist. Selbst bedeutende Philosophen könnten sich nicht verständlich machen, wenn sie nicht mehr, als sie selbst vortragen, von anderen übernommen hätten und voraussetzen könnten. Ein Witz ist dazu da, dass man ihn weitererzählt. Folklore ist kein Plagiat. Und von Friedrich Gulda stammt der Satz, dass alle bedeutenden Komponisten sich bei anderen Komponisten bedient hätten. Niemand fängt bei Null an. Das war dem ersten Affen vorbehalten, als er vom Baum heruntergestiegen ist.

Bildung schändet nicht.

Die besten Jahre kommen, wenn die guten vorbei sind.

Man weicht der Welt nicht sicherer aus
als durch die Kunst. Und man verbindet sich ihr nicht sicherer als durch die Kunst.

Manche Leute halten mehr von Western als von Ostern.

Nur in sehr patriarchalischen Haushalten haben die Kinder ihren Mutterwitz vom Vater.

Gesundheit bedeutet, die gleichen Krankheiten zu haben wie seine Nachbarn.

Nicht einmal eine Ehe mit sich selbst hält ewig.

Ein Snob ist ein Dilettant, der die Dinge mit der Attitüde des Professionals betrachtet – Manierismus der Form ohne die Grundlage inhaltlicher Vollkommenheit.

Keine Partei erschießt
kurz vor Weihnachten den Nikolaus.

Musik ist eine Synthese aus Eigenbewegung des Materials und subjektiver Handhabung.

Planung heißt, den Zufall durch den Irrtum zu ersetzen.

Die Deutschen sind wandelnde Mägen, die Franzosen wandelnde Gaumen.

Gläubige, die sonntags aus der Kirche kommen, sehen alle von oben bis unten bepredigt aus.

Niemand will gerne unterbrochen werden, wenn er jemanden anpöbelt.

Hüte dich vor falschen Schlüssen, voreiligen Entschlüssen und offenen Reißverschlüssen.

Der Wert des humanistischen Gymnasiums erweist sich nicht an denen, die es besucht haben, sondern an denen, die es nicht besucht haben.

Symmetrie ist die Ästhetik des kleinen Mannes

Radio und Fernseher können niemals die Zeitung ersetzen, weil man damit keine Fliegen totschlagen kann.

Die Natur ist eine romantische Abstraktion.

Die Organisation von Massen hat immer einen faschistischen Ansatz. Er entsteht aus dem Bewusstsein: Gemeinsam sind wir stärker. Für diesen Vorgang ist es irrelevant, was durchgesetzt werden soll.

Man kann, ohne selbst Gewalt anzuwenden, Gewaltanwendung herbeiführen. Es genügt zu wissen, dass bestimmte Situationen Gewalt automatisch gebären.

Auch der Humor ist eine Unterbrechung der Harmonie.

Liebe ist ein Täuschungsmittel der Natur. Sie ist nicht gegen die Einsamkeit gedacht, sondern einzig zur Erhaltung der Menschheit.

Wir brauchen, wie der Vogel oder das Flugzeug, Widerstände für unseren Aufstieg.

Der Wunsch nach dem Glück schließt den Willen zum Selbstbetrug ein.

Man kann über das Essen ebenso wenig etwas Zutreffendes schreiben wie über das Schreiben essen. Nur über die Zubereitung von Speisen kann man schreiben.

Man sollte niemals anderen zuhören. Es ist ein Zeichen der Gleichgültigkeit den eigenen Zuhörern gegenüber.

Prahlerische Selbstverherrlichung der Jugend als idealistisch-revolutionäres Programm – die Etablierung einer bestimmten biologischen Phase als autonome Lebensform.

Wer erfand das Telefon? Philipp Reis. Und wer das heiße Wasser? Sir Edwin Boiler.

Schlimmer als die hoffnungslosen Romantiker sind die hoffnungsvollen.

Ein Mann ohne Bart ist wie eine Frau mit Bart.

Das Schaffen von Feindbildern ist die Vorstufe von Gewalt.

Wenn mich schon jemand langweilt,
dann gefälligst auf hohem Niveau.

Es ist bequem, etwas herabzusetzen,
dessen man selbst nicht fähig ist.

Stadtbegrünung ist sicher von Vorteil, aber man stelle sich den Petersplatz in Rom voller Bäume vor.

Das Menschsein ist nicht auf Jugend angelegt,
sondern darauf, alt zu werden.

Alles Sein ist bestrebt zu dauern. Es ist damit verdammt, alt zu werden. Also liegt der Sinn des Lebens darin, alt zu werden. Jugend ist demnach kein Wert an sich, sondern nur ein Durchgangsstadium der Existenz.

Alle Wege führen nach Rom. Oder in die Kneipe.

Er hatte eine gewisse Note, aber keinen Stil.

Menschen mit einem Talent zur Liederlichkeit
sind selten langweilig.

Es gibt dreierlei Menschen, die kein Geld haben: Die Verschwender, die Geizigen und die Armen, sagt Peter Altenberg. Den vierten hat er vergessen: den Finanzminister.

Manche Leute halten Exaltiertheit für gesteigerte Lebensfreude. Die meisten von ihnen sind im Fernsehen beschäftigt.

Man kann niemanden ernst nehmen, dessen Ansprüche seine Möglichkeiten und Fähigkeiten übersteigen.

Der theoretische Vorgriff: Schon im Vorhinein wissen, was man durch Überlegen finden will.

Kulturwitwen bewirtschaften den Ruhm ihrer Männer.

Was heißt „Kind“ auf Französisch? Malheur. Und Schwiegermutter? Grand malheur.

In der Dummheit ist meist eine tiefe Zuversicht.

Alle Kunst entsteht in der überschärften Polemik gegen das Vergangene: der rabiate Entschluss, es einmal ganz anders zu machen.

Eine Gesellschaft mag ohne Kunst funktionieren – wie ein Ameisenhügel.

Manche Frauen sind wie Ostereier: schön bemalt und hart gesotten.

Gegen akute Armut hilft nur gesunder Luxus.

Korruption widert einen an, aber Tugend ist gefährlich wie eine Atombombe.

Kein Bonbon ohne Zahnfäule,
kein Reichtum ohne Armut.

Manchmal ist es wichtig, eine Sache zu sehen,
wie sie nicht ist, sondern wie sie sein sollte.

Das Neckermann-Syndrom:
Weit gereist und nichts dazugelernt.

Wenn jeder sich selbst hilft,
ist doch eigentlich jedem geholfen.

Es kommt nicht darauf an, ob wir beschissen werden, sondern ob wir damit leben können.

Weisheit aus Arabien: Reite das Pferd der Entschlossenheit mit dem Sattel der Weisheit.

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