Mama, ich habe eine Hirnhautentzündung
EUR 27,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 206
ISBN: 978-3-7116-0435-4
Erscheinungsdatum: 12.02.2026
Eine Mutter erzählt die erschütternde Geschichte ihres zweijährigen Sohnes, der an einer Pneumokokken-Meningitis stirbt. Bewegend, aufrüttelnd, und gleichzeitig ein Appell an alle, bei Symptomen frühzeitig zu handeln. Denn jede Sekunde zählt.
Kapitel 1
Ein weiteres Baby ist unterwegs
An einem Oktobermorgen saß ich auf dem schwarzen Sessel im Wohnzimmer. Ich sehe es heute noch genau vor mir, wie ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand halte, den ich mir einen Tag zuvor in der Apotheke besorgt hatte.
Über die vergangenen Tage hinweg spürte ich eine gewisse Vorahnung. Irgendwie fühlte sich mein Körper anders an. Mein Bauch spannte, und er war dicker als sonst. Die Schwangerschaft mit meiner Tochter Michelle lag noch nicht sehr lange zurück, also kamen mir die ersten Schwangerschaftssymptome sofort bekannt vor.
Zuerst machte sich eine heftige Morgenübelkeit bemerkbar, die dieses Mal viel stärker war als bei der letzten Schwangerschaft.
Ich beschloss, es erst einmal für mich zu behalten. Michelle ist noch zu klein, um es zu verstehen, und in den ersten drei Monaten kann schließlich noch so viel schieflaufen.
Am 11. Dezember ist es so weit. Ich bin in der achten Woche schwanger und habe meinen ersten Frauenarzttermin. Zum ersten Mal sehe ich dich im Ultraschall und höre deinen Herzschlag. Du siehst aus wie ein kleiner Punkt. Du bist zeitgerecht entwickelt, und alles scheint perfekt. Die Frauenärztin beglückwünscht mich.
Bis auf die typische Schwangerschaftsmüdigkeit und die Morgenübelkeit geht es mir recht gut.
Mit 21 Jahren habe ich die Beschäftigung bei einer Justizbehörde aufgenommen und wurde in der Betreuungsabteilung eingesetzt. Das Betreuungsgesetz hat 1992 die Vormundschaft und Gebrechlichkeitspflegschaft abgelöst und damit auch die Entmündigung von alten Menschen und Menschen mit Behinderungen abgeschafft. Aufgrund der Umstellung benötigte diese Abteilung dringend Unterstützung. Ich bewarb mich und wurde direkt eingestellt.
Als ich mit Michelle schwanger wurde, war ich in der Geschäftsstelle für Nachlasssachen tätig. Aufgrund der Geburt meiner Tochter am 12. Dezember 2002 befand ich mich anschließend noch in Elternzeit. Jetzt, mit 32 Jahren, habe ich das Glück, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben, und möchte mich erst einmal komplett um die Kindererziehung kümmern.
Am 13. Januar sitze ich wieder bei meiner Frauenärztin. Etwas über dreizehn Wochen bin ich nun schwanger. Meine Symptome haben sich etwas gelindert, und ich fühle mich fit.
Im Ultraschall zeigt sich ein sehr aktiver Fötus. Die Frauenärztin erklärt mir, dass alles gut aussieht. Du seist nach wie vor zeitgerecht entwickelt, und es gebe keine Hinweise auf Probleme. Sie nennt mir als Entbindungstermin den 16. Juli und stellt mir eine Bescheinigung für meinen Arbeitgeber aus. Sie beglückwünscht mich nochmals.
„Das Risiko einer Fehlgeburt liegt jetzt unter einem Prozent“, sagt sie. „Sie dürfen es also gerne verkünden.“ Ich erhalte auch meinen Mutterpass und bin überglücklich.
Ohne Bedenken reiche ich die Schwangerschaftsbescheinigung bei meinem Arbeitgeber ein und beschließe, Michelle und meiner Familie zu erzählen, dass noch mehr Leben ins Haus kommen wird.
Ich frage mich, wie Michelle reagieren wird, wenn sie erfährt, dass sie eine große Schwester wird. Es war schon immer mein Wunsch, zwei oder drei Kinder zu haben, und ich freue mich über den Gedanken.
Die nächste Untersuchung bei der Frauenärztin findet etwa in der 18. Schwangerschaftswoche statt.
Ich bin sehr gespannt, ob du ein Junge oder ein Mädchen wirst. An erster Stelle steht für mich jedoch die Gesundheit – deswegen lasse ich auch alle Sonderuntersuchungen durchführen, die mir von meiner Frauenärztin angeboten werden.
Auch wenn sie nicht von der Krankenkasse übernommen werden.
Im Ultraschall sehe ich dich – ein gesundes und munteres Baby, das Purzelbäume schlägt. Die Ärztin verkündet mir, dass du ein Junge bist. Es ist eindeutig zu sehen. Ich freue mich.
Schon bald beginne ich, schöne Jungenkleidung zu kaufen und über Namen nachzudenken. „Steven“ gefällt uns.
Der Kinderkleiderschrank, den meine Oma uns gekauft hat, reicht für beide Kinder. Neben den Fächern im Inneren befinden sich zwei versetzt angebrachte Kleiderstangen. Die obere Kleiderstange ist bereits mit Michelles Sachen belegt. Es ist alles ordentlich aufgehängt, und neben neutralen Farben strahlen mich auch schöne Rosatöne an. Die darunterliegende Kleiderstange wird nach und nach für dich hergerichtet.
Voller Vorfreude ordne und sortiere ich die Sachen, wobei auch viele Kleidungsstücke von Michelle an ihren Bruder übergehen. Ich verspüre eine unglaubliche Zufriedenheit.
Es ist der 12. Juli gegen 22:00 Uhr und ich bin bereits im Bett, als sich Wehen ankündigen. Ich hatte an diesem Tag morgens schon welche, die sich im Laufe des Tages wieder legten. Nun sind sie aber so stark, dass ich mich in das Badezimmer begebe, um die Wehenabstände mithilfe der Uhr zu beobachten.
Fast schon routiniert führe ich meine Atemübungen durch, die ich im Geburtsvorbereitungskurs gelernt habe.
„Jetzt geht es los“, denke ich.
Als ich merke, dass die zeitlichen Abstände nun 10 Minuten betragen, wecke ich Michelle. Ich rufe meine Mutter an, die in der Haushälfte nebenan wohnt, und übergebe ihr kurz darauf meine kleine Tochter, die ganz schläfrig ist und natürlich überhaupt nicht versteht, was passiert.
Jetzt, wo meine Tochter in guten Händen ist, scheinen die Wehen noch stärker zu werden. Unüberhörbar laut versuche ich, sie wegzuatmen.
Das Krankenhaus ist ca. zwölf Autominuten entfernt. Wir nehmen die Kliniktasche mit, die bereitsteht, und dein Vater fährt mit uns los.
Im Auto versuche ich mich zu entspannen, aber es fällt mir nicht leicht. Der Weg erscheint mir unglaublich lang, und ich versuche, mich abzulenken, mich halbwegs bequem hinzusetzen und weiterhin die Wehen wegzuatmen. Ich halte den Gurt von meinem Bauch etwas weg, damit ich besser Luft holen kann.
Endlich sind wir vor der Klinik angekommen. Der lange Weg zur Eingangstür ist mit starkem Wehenschmerz verbunden, und ich muss immer wieder stehen bleiben.
Im Kreißsaal begrüßt uns eine freundliche Hebamme und bringt uns direkt in ein Geburtszimmer. Es ist sehr schön eingerichtet, doch die Wehen sind so stark, dass es mich nicht wirklich interessiert.
Ich kann weder liegen noch sitzen und laufe ständig zwischen Geburtszimmer und dem gegenüberliegenden Badezimmer hin und her. Es dauert eine ganze Weile, bis meine Fruchtblase platzt. Die Hebamme meint, ich habe wohl gutes Gewebe.
Sie bringt mich zum Geburtsstuhl in die liegende Position.
Laufen kann ich jetzt nicht mehr.
„Du hast es eilig, zu mir zu kommen“, denke ich.
Jetzt scheint alles schnell zu gehen. Es ist eine vollkommen unkomplizierte und schnelle Geburt.
Schmunzelnd meint die Hebamme: „Er kam, sah und siegte.“
Gegen 3:10 Uhr halte ich dich endlich in meinen Armen. Mir fällt sofort die Ähnlichkeit zu deiner Schwester auf. Ich denke: „Dich gebe ich nie wieder her.“
Ich habe dich so lieb.
Kapitel 2
Der kleine Bruder
Steven wurde mitten im Sommer geboren. Für mich ist der Sommer die schönste Jahreszeit, da ich die Wärme und Sonne liebe.
Steven kann bei uns im Haus wunderbar im Kinderwagen auf der Terrasse stehend an der frischen Luft schlafen. Von Michelle haben wir alle Sachen und Spielzeuge aufgehoben, sodass es uns an nichts fehlt. Der Übergang von einem zum zweiten Kind scheint mir dadurch wirklich sehr unkompliziert.
Meine Cousine, die ebenfalls in Langgöns-Niederkleen wohnt – unser Ort gehört zum Kreis Gießen in Mittelhessen –, bekommt vier Monate später, im November, eine Tochter, und von Anfang an besuchen wir uns gegenseitig regelmäßig. In dieser Zeit mache ich besonders viele Fotos und fotografiere die Kinder gerne zusammen.
Im Nachhinein gesehen denke ich, es war gut, diese Erinnerungen festzuhalten. So wurde mir bewusst, dass Steven in der kurzen Zeit, in der er bei uns war, sehr viele schöne Dinge erlebt hat. Unsere Hebamme wohnt in der gleichen Straße wie wir.
Sie kommt uns regelmäßig besuchen und wir unterhalten uns über sehr viele Themen. Zu dieser Zeit hat sie ihre eigene Praxis in ihrem Haus. Es ist ein gutes Gefühl, sie um die Ecke zu haben – beim Spazierengehen kann ich direkt bei ihr klingeln, falls ich Fragen habe.
Meine beiden Kinder sieht man immer zusammen, und es ist viel Bewegung im Haus. Du entwickelst dich motorisch sehr schnell und schaust dir viel von deiner großen Schwester ab. Du bist oft stürmisch und so schmerzunempfindlich. Oft denke ich bei mir, wenn du nicht vorsichtiger bist, wird dir irgendwann mal was passieren.
Wir gehen pflichtbewusst zu allen U-Untersuchungen bei der Kinderärztin. Du entwickelst dich vollkommen normal. Der Kinderärztin fällt dein fröhliches und aufgeschlossenes Wesen auf.
Beim Laufen bist du meistens hinter Michelle. Das Bild deines pfiffigen Lächelns und deiner hübschen Augen, die mich anstrahlen, während du stolz hinter deiner Schwester herläufst, ist fest in meinen Kopf eingebrannt, und auch heute noch sehe ich dich ganz deutlich vor mir.
...
Ein weiteres Baby ist unterwegs
An einem Oktobermorgen saß ich auf dem schwarzen Sessel im Wohnzimmer. Ich sehe es heute noch genau vor mir, wie ich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand halte, den ich mir einen Tag zuvor in der Apotheke besorgt hatte.
Über die vergangenen Tage hinweg spürte ich eine gewisse Vorahnung. Irgendwie fühlte sich mein Körper anders an. Mein Bauch spannte, und er war dicker als sonst. Die Schwangerschaft mit meiner Tochter Michelle lag noch nicht sehr lange zurück, also kamen mir die ersten Schwangerschaftssymptome sofort bekannt vor.
Zuerst machte sich eine heftige Morgenübelkeit bemerkbar, die dieses Mal viel stärker war als bei der letzten Schwangerschaft.
Ich beschloss, es erst einmal für mich zu behalten. Michelle ist noch zu klein, um es zu verstehen, und in den ersten drei Monaten kann schließlich noch so viel schieflaufen.
Am 11. Dezember ist es so weit. Ich bin in der achten Woche schwanger und habe meinen ersten Frauenarzttermin. Zum ersten Mal sehe ich dich im Ultraschall und höre deinen Herzschlag. Du siehst aus wie ein kleiner Punkt. Du bist zeitgerecht entwickelt, und alles scheint perfekt. Die Frauenärztin beglückwünscht mich.
Bis auf die typische Schwangerschaftsmüdigkeit und die Morgenübelkeit geht es mir recht gut.
Mit 21 Jahren habe ich die Beschäftigung bei einer Justizbehörde aufgenommen und wurde in der Betreuungsabteilung eingesetzt. Das Betreuungsgesetz hat 1992 die Vormundschaft und Gebrechlichkeitspflegschaft abgelöst und damit auch die Entmündigung von alten Menschen und Menschen mit Behinderungen abgeschafft. Aufgrund der Umstellung benötigte diese Abteilung dringend Unterstützung. Ich bewarb mich und wurde direkt eingestellt.
Als ich mit Michelle schwanger wurde, war ich in der Geschäftsstelle für Nachlasssachen tätig. Aufgrund der Geburt meiner Tochter am 12. Dezember 2002 befand ich mich anschließend noch in Elternzeit. Jetzt, mit 32 Jahren, habe ich das Glück, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben, und möchte mich erst einmal komplett um die Kindererziehung kümmern.
Am 13. Januar sitze ich wieder bei meiner Frauenärztin. Etwas über dreizehn Wochen bin ich nun schwanger. Meine Symptome haben sich etwas gelindert, und ich fühle mich fit.
Im Ultraschall zeigt sich ein sehr aktiver Fötus. Die Frauenärztin erklärt mir, dass alles gut aussieht. Du seist nach wie vor zeitgerecht entwickelt, und es gebe keine Hinweise auf Probleme. Sie nennt mir als Entbindungstermin den 16. Juli und stellt mir eine Bescheinigung für meinen Arbeitgeber aus. Sie beglückwünscht mich nochmals.
„Das Risiko einer Fehlgeburt liegt jetzt unter einem Prozent“, sagt sie. „Sie dürfen es also gerne verkünden.“ Ich erhalte auch meinen Mutterpass und bin überglücklich.
Ohne Bedenken reiche ich die Schwangerschaftsbescheinigung bei meinem Arbeitgeber ein und beschließe, Michelle und meiner Familie zu erzählen, dass noch mehr Leben ins Haus kommen wird.
Ich frage mich, wie Michelle reagieren wird, wenn sie erfährt, dass sie eine große Schwester wird. Es war schon immer mein Wunsch, zwei oder drei Kinder zu haben, und ich freue mich über den Gedanken.
Die nächste Untersuchung bei der Frauenärztin findet etwa in der 18. Schwangerschaftswoche statt.
Ich bin sehr gespannt, ob du ein Junge oder ein Mädchen wirst. An erster Stelle steht für mich jedoch die Gesundheit – deswegen lasse ich auch alle Sonderuntersuchungen durchführen, die mir von meiner Frauenärztin angeboten werden.
Auch wenn sie nicht von der Krankenkasse übernommen werden.
Im Ultraschall sehe ich dich – ein gesundes und munteres Baby, das Purzelbäume schlägt. Die Ärztin verkündet mir, dass du ein Junge bist. Es ist eindeutig zu sehen. Ich freue mich.
Schon bald beginne ich, schöne Jungenkleidung zu kaufen und über Namen nachzudenken. „Steven“ gefällt uns.
Der Kinderkleiderschrank, den meine Oma uns gekauft hat, reicht für beide Kinder. Neben den Fächern im Inneren befinden sich zwei versetzt angebrachte Kleiderstangen. Die obere Kleiderstange ist bereits mit Michelles Sachen belegt. Es ist alles ordentlich aufgehängt, und neben neutralen Farben strahlen mich auch schöne Rosatöne an. Die darunterliegende Kleiderstange wird nach und nach für dich hergerichtet.
Voller Vorfreude ordne und sortiere ich die Sachen, wobei auch viele Kleidungsstücke von Michelle an ihren Bruder übergehen. Ich verspüre eine unglaubliche Zufriedenheit.
Es ist der 12. Juli gegen 22:00 Uhr und ich bin bereits im Bett, als sich Wehen ankündigen. Ich hatte an diesem Tag morgens schon welche, die sich im Laufe des Tages wieder legten. Nun sind sie aber so stark, dass ich mich in das Badezimmer begebe, um die Wehenabstände mithilfe der Uhr zu beobachten.
Fast schon routiniert führe ich meine Atemübungen durch, die ich im Geburtsvorbereitungskurs gelernt habe.
„Jetzt geht es los“, denke ich.
Als ich merke, dass die zeitlichen Abstände nun 10 Minuten betragen, wecke ich Michelle. Ich rufe meine Mutter an, die in der Haushälfte nebenan wohnt, und übergebe ihr kurz darauf meine kleine Tochter, die ganz schläfrig ist und natürlich überhaupt nicht versteht, was passiert.
Jetzt, wo meine Tochter in guten Händen ist, scheinen die Wehen noch stärker zu werden. Unüberhörbar laut versuche ich, sie wegzuatmen.
Das Krankenhaus ist ca. zwölf Autominuten entfernt. Wir nehmen die Kliniktasche mit, die bereitsteht, und dein Vater fährt mit uns los.
Im Auto versuche ich mich zu entspannen, aber es fällt mir nicht leicht. Der Weg erscheint mir unglaublich lang, und ich versuche, mich abzulenken, mich halbwegs bequem hinzusetzen und weiterhin die Wehen wegzuatmen. Ich halte den Gurt von meinem Bauch etwas weg, damit ich besser Luft holen kann.
Endlich sind wir vor der Klinik angekommen. Der lange Weg zur Eingangstür ist mit starkem Wehenschmerz verbunden, und ich muss immer wieder stehen bleiben.
Im Kreißsaal begrüßt uns eine freundliche Hebamme und bringt uns direkt in ein Geburtszimmer. Es ist sehr schön eingerichtet, doch die Wehen sind so stark, dass es mich nicht wirklich interessiert.
Ich kann weder liegen noch sitzen und laufe ständig zwischen Geburtszimmer und dem gegenüberliegenden Badezimmer hin und her. Es dauert eine ganze Weile, bis meine Fruchtblase platzt. Die Hebamme meint, ich habe wohl gutes Gewebe.
Sie bringt mich zum Geburtsstuhl in die liegende Position.
Laufen kann ich jetzt nicht mehr.
„Du hast es eilig, zu mir zu kommen“, denke ich.
Jetzt scheint alles schnell zu gehen. Es ist eine vollkommen unkomplizierte und schnelle Geburt.
Schmunzelnd meint die Hebamme: „Er kam, sah und siegte.“
Gegen 3:10 Uhr halte ich dich endlich in meinen Armen. Mir fällt sofort die Ähnlichkeit zu deiner Schwester auf. Ich denke: „Dich gebe ich nie wieder her.“
Ich habe dich so lieb.
Kapitel 2
Der kleine Bruder
Steven wurde mitten im Sommer geboren. Für mich ist der Sommer die schönste Jahreszeit, da ich die Wärme und Sonne liebe.
Steven kann bei uns im Haus wunderbar im Kinderwagen auf der Terrasse stehend an der frischen Luft schlafen. Von Michelle haben wir alle Sachen und Spielzeuge aufgehoben, sodass es uns an nichts fehlt. Der Übergang von einem zum zweiten Kind scheint mir dadurch wirklich sehr unkompliziert.
Meine Cousine, die ebenfalls in Langgöns-Niederkleen wohnt – unser Ort gehört zum Kreis Gießen in Mittelhessen –, bekommt vier Monate später, im November, eine Tochter, und von Anfang an besuchen wir uns gegenseitig regelmäßig. In dieser Zeit mache ich besonders viele Fotos und fotografiere die Kinder gerne zusammen.
Im Nachhinein gesehen denke ich, es war gut, diese Erinnerungen festzuhalten. So wurde mir bewusst, dass Steven in der kurzen Zeit, in der er bei uns war, sehr viele schöne Dinge erlebt hat. Unsere Hebamme wohnt in der gleichen Straße wie wir.
Sie kommt uns regelmäßig besuchen und wir unterhalten uns über sehr viele Themen. Zu dieser Zeit hat sie ihre eigene Praxis in ihrem Haus. Es ist ein gutes Gefühl, sie um die Ecke zu haben – beim Spazierengehen kann ich direkt bei ihr klingeln, falls ich Fragen habe.
Meine beiden Kinder sieht man immer zusammen, und es ist viel Bewegung im Haus. Du entwickelst dich motorisch sehr schnell und schaust dir viel von deiner großen Schwester ab. Du bist oft stürmisch und so schmerzunempfindlich. Oft denke ich bei mir, wenn du nicht vorsichtiger bist, wird dir irgendwann mal was passieren.
Wir gehen pflichtbewusst zu allen U-Untersuchungen bei der Kinderärztin. Du entwickelst dich vollkommen normal. Der Kinderärztin fällt dein fröhliches und aufgeschlossenes Wesen auf.
Beim Laufen bist du meistens hinter Michelle. Das Bild deines pfiffigen Lächelns und deiner hübschen Augen, die mich anstrahlen, während du stolz hinter deiner Schwester herläufst, ist fest in meinen Kopf eingebrannt, und auch heute noch sehe ich dich ganz deutlich vor mir.
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