Lebens-Signale

Lebens-Signale

Jürgen Geisbüsch


EUR 15,90
EUR 9,99

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 74
ISBN: 978-3-95840-251-5
Erscheinungsdatum: 16.05.2017
Die kleinen Dinge bereichern das Leben am meisten, insbesondere Begegnungen mit anderen. Sie alle hinterlassen Spuren. Um solche geht es, von Prominenz über „ganz normale“ Menschen, ergänzt durch harte, aber realistische Beobachtungen und Gedanken zum Leben.
Die Liebe zum Schreiben …

Die Liebe zum Schreiben entwickelte ich schon recht früh zu Schulzeiten.
Sehr inspiriert hat mich dabei mein ehemaliger Deutschlehrer, der Schriftsteller Fritz Werf aus Andernach, der mehrere Gedichtbände veröffentlichte. Unter anderem schrieb er für den Rundfunk Kultur- und Theaterkritik, Features, literarische Sendungen sowie Hörspiele und übersetzte aus dem Französischen Hör- und Fernsehspiele, unter anderem das Theaterstück „Die Brüste des Teiresias“ von Apollinaire und den Sammelband „Expansion – Poesie/Theater“ von Pierre Garnier. Dieser tolle Lehrer war auch Herausgeber der Reihe „AVA-MANIFEST“.
Fritz zu Ehren möchte ich aus dem Gedichtband „Nur eine Wolke am blauen Himmel der Freiheit“ (erschienen im Atelier Verlag, Andernach) ein Gedicht in meinem Buch zitieren:


ZUR SCHNECKE GEMACHT

Die Erstklässlerin
kommt zu spät,
sie hat
eine Schnecke
beobachtet, was
sie nicht darf,
wenn sie pünktlich
sein soll,
wie die Lehrerin
fordert –
das Kind
wird blamiert
vor der Klasse
mit Strafarbeit.
Mittags
isst es nichts,
füttert nicht
seinen Goldhamster,
zerreißt
seinem Bruder
den Teddybär.


Vielleicht war es auch Fritz Werf zu verdanken, dass ich meine schauspielerischen Fähigkeiten in verschiedenen Rollen entdecken wollte. Zu Schulzeiten hatte ich somit meine erste Statisten-Rolle in der ZDF-Serie „Der Sklave Calvisius“. Gedreht wurde mit dem Team in meiner Heimat am herrlichen Laacher See und in der Stadt Plaidt der Verbandsgemeinde Pellenz. Später folgten nach entsprechenden Castings Nebenrollen in „Niedrig und Kuhnt“ sowie bei „Barbara Sallesch“. Immer wieder schlüpfte man hier, wie im wahren Leben, in die verschiedensten Rollen. Einmal als Fahrer meines ermordeten Chefs, ein anderes Mal als Experte vom LKA, als ich eine Bombe sprengen musste. Ganz forsch und überzeugt sollte dann natürlich die Kommissar-Rolle folgen.
In der Moderatoren-Rolle präsentierte ich mich beim heimischen Sender „MYK-TV“ mit dem Umwelt-Magazin und verschiedenen heimischen Beiträgen. Ganz besonders in Erinnerung ist mir das Interview mit dem Mendiger Drehorgel-Spieler Franz Diensberg, das reichlich für Erheiterung sorgte. Der aus der damaligen Brau- und Fasstradition stammende Ur-Mendiger gab zu verstehen, dass das Leben offensichtlich mit einem großen Zirkus zu vergleichen sei, indem es die sogenannten Dompteure und Artisten gibt, die gemeinsam dieses „herrlich-hei(k)le Welt-Bild“ abliefern.
Im Laufe der Jahre erinnerte ich mich immer wieder an diese Szenen, die sich in der Realität hier und da in vollem Zuge präsentierten und immer noch präsentieren.
Sehr viel Spaß machte es mir, über den Mendiger Streichholz-Künstler Josef Becker in Wort und Bild zu berichten, der die tollsten Werke, wie das Wiener Riesenrad, den schiefen Turm von Pisa, aber auch heimische Sehenswürdigkeiten, wie die Abtei Maria Laach, maßstabgetreu aus Streichhölzern nachbaute. Großes Interesse erweckte der Künstler nicht zuletzt mit dem gelungenen Beitrag in der seinerzeitigen SWR-Sendung „Glaskasten“.
Mit großer Freude lieferte ich Beiträge in der Tabak-Zeitung über den historischen Rauchclub „Fidelitas“ Mendig, der mehrmals als Ausrichter der Deutschen Meisterschaften im Pfeife-langsam-Rauchen fungierte und einige Titel einheimste.
Nicht zu vergessen ist „Karin’s Tanzgruppe“ Mendig, die ein reiner Titeljäger ist und war. Mehrmalige Rheinland-Pfalz-Meisterschaften reihten sich in die Erfolgsserie ein. Das, was der FC Bayern im Fußball ist, war und ist diese Tanzgruppe für Mendig und seine nähere und weitere Umgebung.


Zur Erinnerung

Es gibt sicherlich noch eine ganze Reihe von interessanten Presseberichten, die ich im Laufe der Jahrzehnte veröffentlichte. Alle aufzuführen, würde somit den Rahmen sprengen. Wichtig bei der ganzen Angelegenheit war aber die stete Freude am Schreiben, am Berichten und oftmals natürlich auch am Kommentieren.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich aber die Autorenlesungen mit dem in Zürich geborenen, echten Mayener Jung Mario Adorf und dem Eifel-Krimi-Schriftsteller Jacques Berndorf.


HEIMAT

Meine Grundschullehrerin gab einmal zu verstehen: „Nur wer seine Heimat richtig kennt, kann sie auch wirklich lieben.“ Vorteilhaft in diesem jungen Alter war wahrscheinlich, dass in der Grundschule damals das Fach „Heimatkunde“ unterrichtet wurde. Und so lernte ich schnell und mit großem Interesse die Heimat der Eifel beziehungsweise die Vorder- oder Vulkaneifel kennen und schätzen. Ein weiterer Vorteil war, dass meine Mutter jahrzehntelang als Vorsitzende des ortsansässigen Eifelvereins fungierte und jeden Trampelpfad in der dortigen Region kannte. In der Realschule besuchten wir als Schülergruppe das herrliche Benediktinerkloster in Maria Laach als „Tage der inneren Einkehr“, übernachteten dort und frühstückten mit den Mönchen.
Noch heute vermitteln mir die Besuche in Maria Laach das Gefühl der inneren Ruhe und füllen meinen oftmals „leeren Akku“ mit Kraft und neuer Lebensenergie.
So erfahre ich oft in Gesprächen mit Bekannten, die mittlerweile in anderen Städten wohnen, dass der Besuch in der Heimat ihnen, nicht nur aus Gründen des Familienbezugs, eine willkommene Gelegenheit bietet, versiegte Quellen wieder mit Kraft zu füllen.
Ein schlauer Freund sagte einmal: „Heimat ist überall dort, wo man sich wohlfühlt …“
Auch dies kann ich untermauern, da ich mich mittlerweile seit fast fünfzehn Jahren im Westerwald „heimisch“ fühle. Sicherlich kommt es zum größten Teil darauf an, wie kommunikativ man selbst ist. Dies bereitete mir seit jeher keinerlei Schwierigkeiten. Und so fand ich hier im Westerwald einen angenehmen Freundeskreis. Hinzu kommt, dass der Westerwald sehr reizvoll ist. Auch hier machte ich mich auf die Natur-Entdeckungsreise, die mir neben der gesunden Luft für meine Seele reichliche und fruchtbare Impulse brachte.
Alle diese Heimat-Varianten sollen auch Ihnen vermitteln, dass man stets aus den vorhandenen Quellen Kräfte für ein sinnvolles Leben schöpfen kann.


Wir sind alle Menschen

Im Laufe meiner jahrzehntelangen journalistischen Tätigkeit begegnete ich vielen bekannten und weniger bekannten Menschen. Und ich bemerkte schon in jungen Jahren, wie unterschiedlich wir doch trotz gleicher Hautfarbe und vieler Gemeinsamkeiten sind.
Da war das Interview mit einem heraneilenden Roland Kaiser in den 70er-Jahren, der im Hotel „Felsenkeller“ in Mendig von Frau Zambelli vor dem Interview einen Tee serviert bekam, mir aber erst Rede und Antwort stehen wollte, nachdem er im Radio den Spielbericht von Hertha BSC verfolgt hatte. Ich hatte ja Verständnis dafür, da ich selbst ein passionierter Fußballspieler war.
Apropos Fußball: Eröffnung des Sportgeländes an der Kreissporthalle in Obermendig mit der Prominenten-Elf und Wolfgang Overath. Eine alte Dame wünschte sich nach dem Abpfiff ein Autogramm von Wolfgang Overath, dem Ex-Kölsche Nationalspieler. „Uns Wolfgang“ sagte, dass er kurz an sein Auto gehen müsse. Gesagt, getan, der Wolfgang marschierte zu seinem Porsche und wurde von seinem Fahrer frisch gestylt nach Hause befördert. Die alte Dame wartete also vergeblich auf das Autogramm ihres Idols. Nur rein zufällig lautete dann auch meine Schlagzeile in der Presse: „Overath glänzte bei der Eröffnung des neuen Sportgeländes nur durch seine Bräune …“ (Anm.: Rein fußballerisch hatte der Ex-Nationalspieler ebenso wenig zu bieten wie bei der weniger schönen Geste der alten Dame gegenüber.)
Da waren dann noch Bernd Stelter, Guido Cantz oder die „dümmste Praline der Welt“, Gaby Köster. Die alte Dame neben mir in den vorderen Reihen der Laacher See-Halle schüttelte den Kopf bei einer Einlage „unserer Gaby“. Was war passiert? Die Gaby zog einen Vergleich zu Claudia Schiffer und anderen nicht so nach Körper-Maßen prädestinierten Weiblichkeiten mit dem Zitat: „Wer fickt schon gerne einen Klappstuhl …“ Die alte Dame errötete, wirkte ganz erschrocken und seufzte: „Wie kann man denn so wat bringen …“ Daraufhin meinte ich: „Sie sind hier in einer Veranstaltung von Gaby Köster …“
Ganz besonders angetan hat es mir unsere unvergessene und tolle Heidi Kabel. Auf die Frage, wie ihr denn Mendig und die Vulkaneifel gefielen, meinte sie: „Schon bei der Ankunft war ich betrübt über die Dunkelheit und Düsterheit dieser schwarz-grauen Häuser … Nein, das gefällt mir nicht.“ Und eben dies, der „tolle Basalt“ und natürlich auch das Bier prägten die Wirtschaft in dieser Region über Jahrhunderte. Aber unser sympathisches Nordlicht konnte ich mehr als verstehen, strahlen die roten Häuser an der Nordsee doch schon von der Optik her mehr Lebensfreude aus …
Lebensfreude pur strahlten auch die Bonner Springmäuse in immer wieder neuer Besetzung aus. Dieses Improvisationstheater riss auch den letzten Nörgel-Peter vom Hocker …
Dem standen die „Leipziger Pfeffermühle“ und die „Sechs-Zylinder“ in nichts nach.
Aber auch die heimischen Veranstaltungen, wie die Aufführungen der Theater-Jugend „Die Bratpfanne“, waren im Vergleich zum heutigen Fernsehprogramm wohl eher fernseh-reif als die vielen Sendungen, die heutzutage über die Mattscheibe flimmern …
test

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