Der Weg zur Wahrnehmung von energetischen Feldern
Von Hans-Peter Mettler Leben, Radiästhesie und mentale Techniken
EUR 21,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 174
ISBN: 978-3-7116-0197-1
Erscheinungsdatum: 27.02.2025
Mangelndes Selbstwertgefühl, fehlende Eigenständigkeit und ständige Zweifel am eigenen Können begleiten betroffene Menschen oft ein Leben lang. Genau an diesem Punkten setzt dieses Buch an und bietet Hilfe durch „Energetik“.
Vorwort
Wie Hans-Peter Mettler so vielen Leuten, Tieren und Plätzen helfen kann, wieder in ihre Kraft zu kommen – ist beeindruckend.
Damit er so viel Hilfe in Gang setzen kann, muss er im Vertrauen stehen zu den helfenden Mächten. Nicht nur seine helfenden Geistwesen, sondern die höchste Kraft steht hinter ihm, denn Hans-Peter nutzt die Kräfte immer „falls es so vorgesehen ist und zum allerhöchsten Wohl Aller“.
Er ist in Forschungs- und Exkursion Gruppen offen für andere Herangehensweisen und bezieht das, was weiterführt, in seine Arbeit ein. Seine Sorgfalt und Ausdauer bei der Erforschung der Steinkreis-Phänomene eröffnete neue Zugänge zur Lebenswelt der Steinkreis-Erbauer. Wie ich erstmals in persönlichen Kontakt gekommen bin, war sicher vorgesehen, denn ...
Ein Auto voll fühliger Frauen ist auf der Fahrt zum „Pfad“. Wie es so geht, ich verpasse eine Abzweigung. So kommen wir zwanzig Minuten später an – und treffen auf dem Pfad auf Hans-Peter Mettler, den „Pfad“-Führer, der uns auf einige zusätzliche Besonderheiten hinweist. Wir treffen ihn wieder bei der Kaffee-Pause – und von da an häufiger. Er wird zum Forscher-Freund.
Dass er in diesem Buch sein großes Wissen und seine Erfahrung aufschreibt, schätze ich sehr. Es wird viele fühlige Personen anregen, selbst diesen alten Erfahrungsschatz zu nutzen, zu helfen, zu forschen und mit ihm zusammenzuarbeiten.
Danke für deine Arbeit und deine Freundschaft, Hans-Peter!
Margareta Gaille-Würmli
Hörnlistrasse 35
8330 Pfäffikon ZH
Mitglied Studienvereinigung für Radiästhesie Zürich
Mitglied Österreichischer Verband für Radiästhesie und Geobiologie
Mitglied Radiästhesieverein Deutschland
Warum und Danke
Schön, bist du hier. Komm, steig ein in den Zug meines Lebens. Mein Weg war lang und in vielen Bereichen schmerzhaft. Ich habe viel gelernt dabei und so sollte es vermutlich auch sein. Hätte ich nicht all das erlebt, so wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin. Nun bin ich bei einem Alter angelangt, in dem ich überlege, was mir mein Wissen und alle meine Lebenserfahrung nützt, wenn nicht andere Menschen davon profitieren können. Viele erfahrene Radiästheten, Geomanten, Energetiker oder Therapeuten sind Schaffer im stillen Kämmerlein und bringen ihre Fähigkeiten, ihre Entdeckungen nicht an die nächste Generation weiter. Das ist verlorenes Wissen. Dem möchte ich mit diesem Buch etwas entgegensetzen. Ich kann nicht alles aufschreiben, was ich weiß. Vieles passiert spontan durch Eingebungen durch die Geistige Welt. Diesen Kanal zu öffnen und dann ins Vertrauen zu gehen, ist eines meiner größten Anliegen. Die größte Errungenschaft der Menschen ist Vergeben zu können und zugleich auch das Vertrauen in die Geistigen Helfer zu haben.
Die Menschheit hat es sehr weit gebracht. Leider sehr weit weg von der Natur … Dies wird der nächste Schritt sein. Zurück in die Natur. Zugleich haben wir die Fähigkeit, rein mental Unglaubliches zu erreichen. Wir sind göttliche Schöpferwesen. Jedoch dürfen wir nie vergessen, dass wir ein Teil der Natur sind und auch bleiben werden. Der nächste Schritt geht zurück zur Natürlichkeit.
Wie kann ich all denen Danke sagen, die mir den Spiegel vorgehalten, mich dadurch zum heutigen Bewusstseinszustand gebracht haben. Das waren Tausende. Jede Seele, der du auf deinem Lebensweg begegnest, hat ihre Aufgabe mit dir oder du bist für diese Seele die Aufgabe.
Bei einer speziellen Seele möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken, und das ist meine liebe Margareta Gaille. Wir erlebten gemeinsam hochinteressante Phänomene und Energien und führten und führen noch heute sehr inspirierende Gespräche zusammen. Unter anderem hat sie sich bereit erklärt, mir hier mit diesem Buch zur Seite zu stehen. Nein, sie stand nicht nur da, sie hat das Ganze überarbeitet und korrigiert. Ganz lieben Dank an dich.
Alle meine Lehrer, voran Philippe Elsener und viele andere, zeigten mir auf dem Weg der Radiästhesie und Geomantie, wie, wo und was funktioniert – oder eben nicht.
Bedanken möchte ich mich auch bei meinen Schülern an den jeweiligen Praxisabenden. Sie sind für mich genauso bereichernd. Wir haben hier eine tolle Gruppe mit vielen Ideen und auch gegenseitigem Einfühlungsvermögen.
Der Zug fährt gleich los. Diese Reise beginnt mit meiner Kindheit. Nimm Platz, mache es dir gemütlich.
Hans-Peter Mettler
Radiästhet, Geomant und Therapeut
Mitglied
VRGS, Verband für Radiästhesie und Geobiologie Schweiz.
RVÄ Radiästhesie Vereinigung Ägerital, Vorstand, Schulung.
Österreichische Verband für Radiästhesie und Geobiologie
Lebensphasen
Eine Kindheit mit Brüchen
Auf die Welt gekommen bin ich am Freitag, den 20. August 1954, in Zürich. Meine Mutter war 21‑jährig und ledig. Damals ein schwerer Makel, für viele eine Schande. Sie erzählte mir später, dass mein leiblicher Vater versprochen hatte, sie und mich nach der Geburt im Spital abzuholen. So hatten sie es ausgemacht. Doch er erschien nicht.
Geboren wurde ich als Hans-Peter Anton Attiger, gemäß dem ledigen Nachnamen meiner Mutter. Auch später ließ der Vater nichts von sich hören, bezahlte jedoch regelmäßig 80 Franken Alimente pro Monat. Dies tat er noch bis zu meinem 19.Lebensjahr. Die Alimente erhielt meine Mutter, außer die allerletzten 80 Franken, die er für mich auszugeben hatte. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir uns alle drei trafen – meine Mutter, mein Vater und ich. Ich hatte gerade die Berufslehre zum Metallbauschlosser abgeschlossen. Er überreichte mir die 80 Franken in bar. Damit war er entbunden von allen weiteren Zahlungen.
Aufgewachsen ist meine Mutter in Birmenstorf im Kanton Aargau. Sie ging früh von zuhause weg, da mein Großvater eine dominante, mitunter auch cholerische Persönlichkeit war. Auch vor Gewaltausbrüchen durch ihn war sie nie sicher, nicht mal als erwachsene Frau. Ich habe dies später selbst erlebt.
Ich verbrachte die ersten drei Jahren meines Lebens bei einer Großtante in Wettingen im Kanton Aargau. Meine Mutter arbeitete als Serviererin in einem Restaurant in Zürich, sie tat dies oft bis spät in die Nacht. Sie sah keine Möglichkeit, mich zu behalten. Eines Tages im Jahre 1957 erschien meine Mutter wie aus dem Nichts, holte mich bei meiner Großtante in Wettingen ab und fuhr mit mir nach Zürich. Sie heiratete einen Mann namens Alfred (Fredy) Mettler. Er war als Chauffeur bei einem Lebensmittelproduzenten angestellt und hatte lange Arbeitstage. Wir übernahmen seinen Familiennamen. Seither bin ich der Hans-Peter Mettler.
Ich habe vier Halbgeschwister, da mein leiblicher Vater einige Jahre später heiratete und eine Familie gründete. Eines seiner Kinder verstarb noch im ersten Lebensjahr, es war ein Mädchen. Ihren Namen habe ich nie erfahren. Mein leiblicher Vater starb 2008. An der Beerdigung meines Vaters nahm auch ich teil, obwohl ich dieses Ereignis fast verpasst hätte. Ich wurde weder von seiner Ehefrau noch von meiner Mutter über den Tod informiert. Es war eine Tante mütterlicherseits, welche die Todesanzeige in der Zeitung sah und mich daraufhin kontaktierte. Der Trauergottesdienst fand in der katholischen Kirche in Mellingen, Kanton Aargau, statt. Im Nachruf des Pfarrers hieß es, der Verstorbene sei Vater von drei Kindern gewesen. Niemand stand auf in der Kirche und erhob Einspruch bei dieser falschen Darstellung. Auch ich hatte nicht den Mut, mich zu Wort zu melden. Ich blieb stumm im Kirchenbank sitzen. Ich verspürte einen schmerzenden Stich in meinem Herzen. Unmittelbar nach dem Gottesdienst verließ ich die Abdankungsfeier. Es gab mich also nach wie vor nicht. Ich war sowohl in diesem Moment als auch während seines ganzen Lebens so inexistent wie das früh verstorbene Mädchen, das nicht lebensfähig war. Zu diesem Zeitpunkt war ich 54 Jahre alt und selbst Vater von zwei erwachsenen Töchtern und bereits Großvater eines Enkelkindes.
Bis zur vierten Primarschulklasse wohnte ich zusammen mit meiner Mutter und dem Stiefvater mitten in Zürich an der Wuhrstraße 20 und später an der Schreinerstraße 42. Ich besuchte die Kinderkrippe und den Kinderhort, danach den Kindergarten. Beide Eltern haben immer gearbeitet, soweit ich mich erinnern kann. Wenn ich nach der Schule nach Hause kam, war oft niemand zuhause. An den Wochenenden gingen wir auf den nahen Uetliberg spazieren. Der Uetliberg ist der 870 m. ü. M. gelegene Hausberg von Zürich. Oder wir machten einen Ausflug auf den Säntis, denn dies war der Hausberg meines Stiefvaters. Er ist im Hemberg im Toggenburg aufgewachsen, wo er den Beruf des Käsers erlernte. Wir drei gingen häufig wandern, daran erinnere ich mich gut. Mein Stiefvater war auch im Besitz eines Pilotenscheins für ein privates Kleinflugzeug. Die Lizenz zum Fliegen hatte er sich bereits früher erworben, noch bevor er meine Mutter kennenlernte. Manchmal durften ich und meine Mutter mitfliegen. Einmal, als sich das Flugzeug in eine Kurve legte, schlug ich meinen Kopf arg gegen die Fensterscheibe, das war ein großer Schreckmoment für mich. Ansonsten versuchte ich dieses Ereignis zusammen mit der Mutter und dem Stiefvater zu genießen. In den Ferien unternahmen wir einmal eine Reise bis nach Wien. Dort war unter anderem das Schloss Schönbrunn unser Ziel. Als ich auf einem Spielplatz gegen eine Tanne rannte und mich am abgesägten Ast aufschlug, platzte mitten auf dem Kopf eine Wunde auf. Diese wurde notdürftig von den Eltern versorgt. Ein Besuch beim Arzt lag für mich nicht drin. Auch in den folgenden Jahren blieb ich das einzige Kind meiner Mutter. Sie hatte fünf Fehlgeburten. Ich sehe sie noch vor mir, wie ihre Hände jeweils schon frühmorgens zitterten, noch bevor sie zur Arbeit als Serviererin im Restaurant fuhr. Ich weiß nicht genau, woran sie litt. Bei uns zuhause wurde nicht viel gesprochen. In späteren Zeiten war das Zittern wieder weg.
Zu meiner Biographie gehört auch ein Aufenthalt im Kinderheim in Urnäsch im Kanton Appenzell Ausserrhoden. «Aus gesundheitlichen Gründen» sei dieser Aufenthalt nötig, hieß es von Seiten meiner Mutter. Später hat sich herausgestellt, dass dies ein Heim für psychisch auffällige Kinder war und ich zur Abklärung da platziert wurde, Unterlagen und Akten gibt es nicht, zu lange her. Ich war ein Bett- und Hosennässer, dafür wurde ich regelmäßig bestraft. Das kannte ich bereits von zuhause. Auch von Mutter und Stiefvater wurde ich regelmäßig geschlagen, wenn ich in die Hosen gemacht hatte. War die Hose nass, hieß es: «Geh nach hinten und leg dich aufs Bett.» Dann kam entweder die Mutter oder der Stiefvater und schlug mich mehrmals mit dem Ledergürtel auf den entblößten Hintern. Das war nicht nur zutiefst demütigend und verstörend für mich, es verschärfte mein Problem des Bettnässens. Wenn ich etwas nicht essen wollte, dann stopfte es mir meine Mutter in den Mund oder schlug mich mit der flachen Hand ins Gesicht. Ich erinnere mich, dass ich besonders Kutteln, also die Innereien, vorwiegend von Rindern, nicht mochte. Ich konnte sie nicht schlucken, sie schmeckten abscheulich. Dann nahm meine Mutter den Teller und schaufelte die mir in den Mund. Ich lernte mit der Zeit, diese wieder als Erbrochenes herauszuwürgen. Das ging mit jedem Mal besser. So ging es weiter, bis ich mich dem Schicksal ergab. Ich habe nie gelernt, mich als Kind gegen die Gewalt von Mutter und Stiefvater zu wehren. Ich fühlte einen beklemmenden Zwiespalt in mir, denn sie war doch meine Mutter, sie war mir nicht fremd, stand mir nahe. Sie hatte jedoch kaum Gefühle für mich, keine Bindung zu mir aufgebaut, auf die ich mich verlassen konnte. Ich wusste keinen Tag, ob sie mich wieder wegschicken oder bei sich behalten wollte. Das Gefühl der Verunsicherung durchzog meine gesamte Kindheit. Ich habe kein Selbstwertgefühl und keine Eigenständigkeit entwickelt.
Auch im Kinderheim im Appenzellischen wurde es nicht geduldet, wenn ich ins Bett pinkelte. Dafür musste ich einen ganzen Tag lang allein in meinem Bett bleiben. Da ich diese Form der Bestrafung von zuhause bereits kannte, ergab ich mich dem Ritual. Es war peinigend und entwertend, doch aus meiner kindlichen Sicht gehörte es einfach dazu. Mich dagegen zur Wehr zu setzen, war zwecklos. Das hätte das Ausmaß der Bestrafung noch verschlimmert. Gerne erinnere ich mich an den älteren Jungen, ebenfalls ein Heimkind, der zuvor im Zirkus zuhause war. Er konnte in kurzer Zeit wunderschöne Zeichnungen aufs Papier bringen. Daran habe ich mich sattgesehen, bis es mir wieder besser ging. Er war ein Künstler, der uns Kindern guttat und uns zum Staunen brachte. Manchmal ließen wir auch Ballone steigen mit Wunschzetteln dran. Das war für uns Heimkinder jeweils ein großer Tag.
Wieder zuhause in Zürich. Noch während ich die vierte Primarschulklasse in Zürich besuchte, trennte sich meine Mutter von meinem Stiefvater. Den genauen Grund der Trennung kenne ich bis heute nicht, sie meinte nur, er sei schwul gewesen. Soweit ich weiß, hat meine Mutter keine körperliche Gewalt durch ihren Mann erlebt, sehr wohl aber wurde sie emotional unter Druck gesetzt. Sie konnte Autofahren, hatte den Führerschein, was damals für Frauen noch lange keine Selbstverständlichkeit war. Dennoch kränkte mein Stiefvater sie immer wieder mit der Aussage, er müsse ihr einen 60 km/h-Kleber hinten am Auto anbringen, da sie zu schnell fuhr aus seiner Sicht. Er konnte meine Mutter mit spitzen Bemerkungen treffen, das weiß ich noch genau. Ihre Ehe hielt acht Jahre. Als ich erfuhr, dass sie sich trennten, atmete ich auf, denn nun durfte ich zu meiner Taufpatin nach Gampelen im Kanton Bern. Das war für mich eine der schönsten Zeiten als Schuljunge. So kam ich nicht nur weg von der Gewalt und den Peinigungen durch die Mutter, ich entkam auch dem jahrelangen sexuellen Missbrauch durch den Stiefvater.
Der sexuelle Missbrauch ging über das Anfassen der Genitalien weit hinaus. Meine Mutter durfte nichts mitbekommen, Außenstehende ebenfalls nicht. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob meine Mutter nicht doch eine Ahnung hatte von alldem, was er mit mir tat. Entweder hatte sie genaue Kenntnisse davon und ließ es zu. Oder sie war sehr geschickt darin, über Jahre hinweg alles auszublenden. Die Mutter arbeitete oft bis spät in die Nacht hinein. Wenn sie nach Hause kam, war ich längst wieder in meinem Bett und schlief. Oder ich tat so, als würde ich schlafen. Freunde hatte ich kaum. Auch Schulkameraden kamen nie zu uns nach Hause. Meine Eltern lebten nach Außen ein unauffälliges, normales Leben. Sie verdienten beide Löhne, meine Mutter in der Gastronomie in Zürich, mein Stiefvater als Chauffeur. Die sexuellen Übergriffe durch den Stiefvater zogen sich über mehrere Jahre hinweg. Meine frühesten Erinnerungen gehen zurück bis ins vierte Lebensjahr. Das heißt, kurz nachdem ich bei Mutter und Stiefvater in Zürich einzog, war ich seinen pädophilen Handlungen während Jahren wehrlos ausgesetzt.
Meine Taufpatin in Gampelen BE, zu welcher ich danach kam, ließ sich leider, kurz nachdem ich mich bei ihr eingelebt hatte, ebenfalls von ihrem Mann scheiden. Ich war gerne bei ihr. Sie und ihr Mann waren nett zu mir. Noch bis heute hält der Kontakt zu meiner Taufpatin an. Sie ist die ältere Schwester meiner Mutter. Von den drei Töchtern gelang ihr die Abnabelung vom Elternhaus am besten. Konsequent wie sie war, verließ sie das elterliche Haus in Birmenstorf an ihrem ihren 20. Geburtstag. Sie kehrte nie mehr zurück. Nach nur eineinhalb Jahren musste ich damals wieder weg von ihr. Ich war gerade zwölf geworden. Das Gefühl, nie lange bei Erwachsenen in ihrem Haus leben zu dürfen, war mir nicht unbekannt. Dennoch ging ich nicht gerne wieder weg von dieser Tante. Ich hatte auch einen guten Freund, er hieß Beat. Mit ihm verbrachte ich viel Zeit im Wald. Danach kam ich zum ersten Mal zu meinen Großeltern mütterlicherseits nach Mellingen, also zurück in den Kanton Aargau. Ich wurde in die sechste Klasse eingestuft. Meine Mutter arbeitete in dieser Zeit auf einem Kreuzfahrtschiff, das sie jeweils in Rotterdam bestieg. Also wurde ich in Mellingen bei den Großeltern auf unbestimmt Zeit zurückgelassen.
Mein Großvater verbrachte viel Zeit mit seinen Pferden. Er war Bauer und hatte sich hinter seinem Haus einen großen Pferdestall gebaut. Dort hielt er einige Schimmel, die er als Kutschpferde einsetzte. Die Pferde waren seine große Leidenschaft. Er war bekannt für sein Kutschengespann, das er vor allem für Hochzeitsfeiern einsetzte. Weitherum war er der einzige Kutscher mit einem gläsernen Landauer. Es war beeindruckend, wenn er ihn vierspännig durchs Dorf steuerte, vorne die Schimmel, hinten das Brautpaar mit Gästen. Sein Angebot war gefragt, er wurde oft gebucht an den Wochenenden. Mein Großvater war bekannt im Dorf und angesehen. Der Großvater hatte in der Garage seines Hauses ein Zimmer für mich eingerichtet. Wenn die Großeltern wegfuhren, schlossen sie ihre Wohnung über mir ab. Vielleicht war ich doch mehr ein Stalljunge und Knecht für sie als der Enkelsohn. Ein noch größeres Problem als meine Großeltern aber war die um sechs Jahre ältere Tante, die jüngste Schwester meiner Mutter. Sie machte gerade eine Lehre als Verkäuferin. Ihr konnte ich nichts recht machen. Gingen wir zusammen ausreiten, kommandierte sie mich ständig herum, so dass ich schon bald nicht mehr mitgehen wollte. Deshalb habe ich nie richtig reiten gelernt. Ich saß ab und zu auf den Pferden, ich putzte sie und machte den Stall. Doch aus dem Reiten wurde nichts. Ich war ganz klar der Eindringling. Als solcher musste ich irgendwie beschäftigt und ausgehalten werden. Sie war die jüngste von drei Töchtern, sechzehn, respektive fünfzehn Jahre jünger als ihre älteren Schwestern. Vom Alter her hätten sie und ich Geschwister sein können. Ich stand klar zuunterst in der Hierarchie dieser familiären Konstellation, schließlich hatte niemand von ihnen auf mich, den unehelichen Sohn der mittleren Tochter, gewartet. Meine Großeltern waren katholisch, wie die meisten im Dorf Mellingen. Ich jedoch besuchte in der Schule den reformierten Religionsunterricht. Mein Stiefvater war ein Reformierter.
Ich war als Jugendlicher immer wieder mit Hochzeitsfeiern konfrontiert und half mit, diese für das Brautpaar so angenehm wie möglich zu gestalten mit der schön dekorierten Kutsche meines Großvaters und den anmutigen Pferden. Dies alles erlebte ich elternlos in jenem Dorf, in dem auch mein leiblicher Vater mit seiner Frau und den drei Kindern wohnte und sich ein gutgehendes Geschäft im Früchte-Großhandel aufbaute. Als Hobbymusiker liebte er es, in Gesellschaft zu sein. So trat er regelmäßig mit seiner Band bei Feiern auf, er saß am Schlagzeug. Die Frauen liebten ihn, er war ein geborener Charmeur und Entertainer. Beim Erbgang nach seinem Tod blieb ich außen vor. Das Handelsgeschäft wird heute von seinem Sohn geführt. Meine Halbgeschwister sagten, sie würden «den da», damit meinten sie mich, nicht kennen. Bis heute konnte ich kein einziges Dokument ausfindig machen, das bestätigt, dass mein leiblicher Vater auch mein Erzeuger war. Er hatte nie etwas unterzeichnet, hielt sich dennoch an die Zahlungen der Alimente. Als unehelich geborener Sohn eines katholischen Vaters und einer katholischen Mutter stehe ich heute sozusagen ohne Rechte und ohne Anerkennung da. Erst in den 1970er-Jahren wurde das Erbrecht geändert, so dass auch ledig geborene Kinder erbberechtigt waren. Alle, die vorher geboren wurden, gehen bis heute leer aus.
…
Wie Hans-Peter Mettler so vielen Leuten, Tieren und Plätzen helfen kann, wieder in ihre Kraft zu kommen – ist beeindruckend.
Damit er so viel Hilfe in Gang setzen kann, muss er im Vertrauen stehen zu den helfenden Mächten. Nicht nur seine helfenden Geistwesen, sondern die höchste Kraft steht hinter ihm, denn Hans-Peter nutzt die Kräfte immer „falls es so vorgesehen ist und zum allerhöchsten Wohl Aller“.
Er ist in Forschungs- und Exkursion Gruppen offen für andere Herangehensweisen und bezieht das, was weiterführt, in seine Arbeit ein. Seine Sorgfalt und Ausdauer bei der Erforschung der Steinkreis-Phänomene eröffnete neue Zugänge zur Lebenswelt der Steinkreis-Erbauer. Wie ich erstmals in persönlichen Kontakt gekommen bin, war sicher vorgesehen, denn ...
Ein Auto voll fühliger Frauen ist auf der Fahrt zum „Pfad“. Wie es so geht, ich verpasse eine Abzweigung. So kommen wir zwanzig Minuten später an – und treffen auf dem Pfad auf Hans-Peter Mettler, den „Pfad“-Führer, der uns auf einige zusätzliche Besonderheiten hinweist. Wir treffen ihn wieder bei der Kaffee-Pause – und von da an häufiger. Er wird zum Forscher-Freund.
Dass er in diesem Buch sein großes Wissen und seine Erfahrung aufschreibt, schätze ich sehr. Es wird viele fühlige Personen anregen, selbst diesen alten Erfahrungsschatz zu nutzen, zu helfen, zu forschen und mit ihm zusammenzuarbeiten.
Danke für deine Arbeit und deine Freundschaft, Hans-Peter!
Margareta Gaille-Würmli
Hörnlistrasse 35
8330 Pfäffikon ZH
Mitglied Studienvereinigung für Radiästhesie Zürich
Mitglied Österreichischer Verband für Radiästhesie und Geobiologie
Mitglied Radiästhesieverein Deutschland
Warum und Danke
Schön, bist du hier. Komm, steig ein in den Zug meines Lebens. Mein Weg war lang und in vielen Bereichen schmerzhaft. Ich habe viel gelernt dabei und so sollte es vermutlich auch sein. Hätte ich nicht all das erlebt, so wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin. Nun bin ich bei einem Alter angelangt, in dem ich überlege, was mir mein Wissen und alle meine Lebenserfahrung nützt, wenn nicht andere Menschen davon profitieren können. Viele erfahrene Radiästheten, Geomanten, Energetiker oder Therapeuten sind Schaffer im stillen Kämmerlein und bringen ihre Fähigkeiten, ihre Entdeckungen nicht an die nächste Generation weiter. Das ist verlorenes Wissen. Dem möchte ich mit diesem Buch etwas entgegensetzen. Ich kann nicht alles aufschreiben, was ich weiß. Vieles passiert spontan durch Eingebungen durch die Geistige Welt. Diesen Kanal zu öffnen und dann ins Vertrauen zu gehen, ist eines meiner größten Anliegen. Die größte Errungenschaft der Menschen ist Vergeben zu können und zugleich auch das Vertrauen in die Geistigen Helfer zu haben.
Die Menschheit hat es sehr weit gebracht. Leider sehr weit weg von der Natur … Dies wird der nächste Schritt sein. Zurück in die Natur. Zugleich haben wir die Fähigkeit, rein mental Unglaubliches zu erreichen. Wir sind göttliche Schöpferwesen. Jedoch dürfen wir nie vergessen, dass wir ein Teil der Natur sind und auch bleiben werden. Der nächste Schritt geht zurück zur Natürlichkeit.
Wie kann ich all denen Danke sagen, die mir den Spiegel vorgehalten, mich dadurch zum heutigen Bewusstseinszustand gebracht haben. Das waren Tausende. Jede Seele, der du auf deinem Lebensweg begegnest, hat ihre Aufgabe mit dir oder du bist für diese Seele die Aufgabe.
Bei einer speziellen Seele möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken, und das ist meine liebe Margareta Gaille. Wir erlebten gemeinsam hochinteressante Phänomene und Energien und führten und führen noch heute sehr inspirierende Gespräche zusammen. Unter anderem hat sie sich bereit erklärt, mir hier mit diesem Buch zur Seite zu stehen. Nein, sie stand nicht nur da, sie hat das Ganze überarbeitet und korrigiert. Ganz lieben Dank an dich.
Alle meine Lehrer, voran Philippe Elsener und viele andere, zeigten mir auf dem Weg der Radiästhesie und Geomantie, wie, wo und was funktioniert – oder eben nicht.
Bedanken möchte ich mich auch bei meinen Schülern an den jeweiligen Praxisabenden. Sie sind für mich genauso bereichernd. Wir haben hier eine tolle Gruppe mit vielen Ideen und auch gegenseitigem Einfühlungsvermögen.
Der Zug fährt gleich los. Diese Reise beginnt mit meiner Kindheit. Nimm Platz, mache es dir gemütlich.
Hans-Peter Mettler
Radiästhet, Geomant und Therapeut
Mitglied
VRGS, Verband für Radiästhesie und Geobiologie Schweiz.
RVÄ Radiästhesie Vereinigung Ägerital, Vorstand, Schulung.
Österreichische Verband für Radiästhesie und Geobiologie
Lebensphasen
Eine Kindheit mit Brüchen
Auf die Welt gekommen bin ich am Freitag, den 20. August 1954, in Zürich. Meine Mutter war 21‑jährig und ledig. Damals ein schwerer Makel, für viele eine Schande. Sie erzählte mir später, dass mein leiblicher Vater versprochen hatte, sie und mich nach der Geburt im Spital abzuholen. So hatten sie es ausgemacht. Doch er erschien nicht.
Geboren wurde ich als Hans-Peter Anton Attiger, gemäß dem ledigen Nachnamen meiner Mutter. Auch später ließ der Vater nichts von sich hören, bezahlte jedoch regelmäßig 80 Franken Alimente pro Monat. Dies tat er noch bis zu meinem 19.Lebensjahr. Die Alimente erhielt meine Mutter, außer die allerletzten 80 Franken, die er für mich auszugeben hatte. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir uns alle drei trafen – meine Mutter, mein Vater und ich. Ich hatte gerade die Berufslehre zum Metallbauschlosser abgeschlossen. Er überreichte mir die 80 Franken in bar. Damit war er entbunden von allen weiteren Zahlungen.
Aufgewachsen ist meine Mutter in Birmenstorf im Kanton Aargau. Sie ging früh von zuhause weg, da mein Großvater eine dominante, mitunter auch cholerische Persönlichkeit war. Auch vor Gewaltausbrüchen durch ihn war sie nie sicher, nicht mal als erwachsene Frau. Ich habe dies später selbst erlebt.
Ich verbrachte die ersten drei Jahren meines Lebens bei einer Großtante in Wettingen im Kanton Aargau. Meine Mutter arbeitete als Serviererin in einem Restaurant in Zürich, sie tat dies oft bis spät in die Nacht. Sie sah keine Möglichkeit, mich zu behalten. Eines Tages im Jahre 1957 erschien meine Mutter wie aus dem Nichts, holte mich bei meiner Großtante in Wettingen ab und fuhr mit mir nach Zürich. Sie heiratete einen Mann namens Alfred (Fredy) Mettler. Er war als Chauffeur bei einem Lebensmittelproduzenten angestellt und hatte lange Arbeitstage. Wir übernahmen seinen Familiennamen. Seither bin ich der Hans-Peter Mettler.
Ich habe vier Halbgeschwister, da mein leiblicher Vater einige Jahre später heiratete und eine Familie gründete. Eines seiner Kinder verstarb noch im ersten Lebensjahr, es war ein Mädchen. Ihren Namen habe ich nie erfahren. Mein leiblicher Vater starb 2008. An der Beerdigung meines Vaters nahm auch ich teil, obwohl ich dieses Ereignis fast verpasst hätte. Ich wurde weder von seiner Ehefrau noch von meiner Mutter über den Tod informiert. Es war eine Tante mütterlicherseits, welche die Todesanzeige in der Zeitung sah und mich daraufhin kontaktierte. Der Trauergottesdienst fand in der katholischen Kirche in Mellingen, Kanton Aargau, statt. Im Nachruf des Pfarrers hieß es, der Verstorbene sei Vater von drei Kindern gewesen. Niemand stand auf in der Kirche und erhob Einspruch bei dieser falschen Darstellung. Auch ich hatte nicht den Mut, mich zu Wort zu melden. Ich blieb stumm im Kirchenbank sitzen. Ich verspürte einen schmerzenden Stich in meinem Herzen. Unmittelbar nach dem Gottesdienst verließ ich die Abdankungsfeier. Es gab mich also nach wie vor nicht. Ich war sowohl in diesem Moment als auch während seines ganzen Lebens so inexistent wie das früh verstorbene Mädchen, das nicht lebensfähig war. Zu diesem Zeitpunkt war ich 54 Jahre alt und selbst Vater von zwei erwachsenen Töchtern und bereits Großvater eines Enkelkindes.
Bis zur vierten Primarschulklasse wohnte ich zusammen mit meiner Mutter und dem Stiefvater mitten in Zürich an der Wuhrstraße 20 und später an der Schreinerstraße 42. Ich besuchte die Kinderkrippe und den Kinderhort, danach den Kindergarten. Beide Eltern haben immer gearbeitet, soweit ich mich erinnern kann. Wenn ich nach der Schule nach Hause kam, war oft niemand zuhause. An den Wochenenden gingen wir auf den nahen Uetliberg spazieren. Der Uetliberg ist der 870 m. ü. M. gelegene Hausberg von Zürich. Oder wir machten einen Ausflug auf den Säntis, denn dies war der Hausberg meines Stiefvaters. Er ist im Hemberg im Toggenburg aufgewachsen, wo er den Beruf des Käsers erlernte. Wir drei gingen häufig wandern, daran erinnere ich mich gut. Mein Stiefvater war auch im Besitz eines Pilotenscheins für ein privates Kleinflugzeug. Die Lizenz zum Fliegen hatte er sich bereits früher erworben, noch bevor er meine Mutter kennenlernte. Manchmal durften ich und meine Mutter mitfliegen. Einmal, als sich das Flugzeug in eine Kurve legte, schlug ich meinen Kopf arg gegen die Fensterscheibe, das war ein großer Schreckmoment für mich. Ansonsten versuchte ich dieses Ereignis zusammen mit der Mutter und dem Stiefvater zu genießen. In den Ferien unternahmen wir einmal eine Reise bis nach Wien. Dort war unter anderem das Schloss Schönbrunn unser Ziel. Als ich auf einem Spielplatz gegen eine Tanne rannte und mich am abgesägten Ast aufschlug, platzte mitten auf dem Kopf eine Wunde auf. Diese wurde notdürftig von den Eltern versorgt. Ein Besuch beim Arzt lag für mich nicht drin. Auch in den folgenden Jahren blieb ich das einzige Kind meiner Mutter. Sie hatte fünf Fehlgeburten. Ich sehe sie noch vor mir, wie ihre Hände jeweils schon frühmorgens zitterten, noch bevor sie zur Arbeit als Serviererin im Restaurant fuhr. Ich weiß nicht genau, woran sie litt. Bei uns zuhause wurde nicht viel gesprochen. In späteren Zeiten war das Zittern wieder weg.
Zu meiner Biographie gehört auch ein Aufenthalt im Kinderheim in Urnäsch im Kanton Appenzell Ausserrhoden. «Aus gesundheitlichen Gründen» sei dieser Aufenthalt nötig, hieß es von Seiten meiner Mutter. Später hat sich herausgestellt, dass dies ein Heim für psychisch auffällige Kinder war und ich zur Abklärung da platziert wurde, Unterlagen und Akten gibt es nicht, zu lange her. Ich war ein Bett- und Hosennässer, dafür wurde ich regelmäßig bestraft. Das kannte ich bereits von zuhause. Auch von Mutter und Stiefvater wurde ich regelmäßig geschlagen, wenn ich in die Hosen gemacht hatte. War die Hose nass, hieß es: «Geh nach hinten und leg dich aufs Bett.» Dann kam entweder die Mutter oder der Stiefvater und schlug mich mehrmals mit dem Ledergürtel auf den entblößten Hintern. Das war nicht nur zutiefst demütigend und verstörend für mich, es verschärfte mein Problem des Bettnässens. Wenn ich etwas nicht essen wollte, dann stopfte es mir meine Mutter in den Mund oder schlug mich mit der flachen Hand ins Gesicht. Ich erinnere mich, dass ich besonders Kutteln, also die Innereien, vorwiegend von Rindern, nicht mochte. Ich konnte sie nicht schlucken, sie schmeckten abscheulich. Dann nahm meine Mutter den Teller und schaufelte die mir in den Mund. Ich lernte mit der Zeit, diese wieder als Erbrochenes herauszuwürgen. Das ging mit jedem Mal besser. So ging es weiter, bis ich mich dem Schicksal ergab. Ich habe nie gelernt, mich als Kind gegen die Gewalt von Mutter und Stiefvater zu wehren. Ich fühlte einen beklemmenden Zwiespalt in mir, denn sie war doch meine Mutter, sie war mir nicht fremd, stand mir nahe. Sie hatte jedoch kaum Gefühle für mich, keine Bindung zu mir aufgebaut, auf die ich mich verlassen konnte. Ich wusste keinen Tag, ob sie mich wieder wegschicken oder bei sich behalten wollte. Das Gefühl der Verunsicherung durchzog meine gesamte Kindheit. Ich habe kein Selbstwertgefühl und keine Eigenständigkeit entwickelt.
Auch im Kinderheim im Appenzellischen wurde es nicht geduldet, wenn ich ins Bett pinkelte. Dafür musste ich einen ganzen Tag lang allein in meinem Bett bleiben. Da ich diese Form der Bestrafung von zuhause bereits kannte, ergab ich mich dem Ritual. Es war peinigend und entwertend, doch aus meiner kindlichen Sicht gehörte es einfach dazu. Mich dagegen zur Wehr zu setzen, war zwecklos. Das hätte das Ausmaß der Bestrafung noch verschlimmert. Gerne erinnere ich mich an den älteren Jungen, ebenfalls ein Heimkind, der zuvor im Zirkus zuhause war. Er konnte in kurzer Zeit wunderschöne Zeichnungen aufs Papier bringen. Daran habe ich mich sattgesehen, bis es mir wieder besser ging. Er war ein Künstler, der uns Kindern guttat und uns zum Staunen brachte. Manchmal ließen wir auch Ballone steigen mit Wunschzetteln dran. Das war für uns Heimkinder jeweils ein großer Tag.
Wieder zuhause in Zürich. Noch während ich die vierte Primarschulklasse in Zürich besuchte, trennte sich meine Mutter von meinem Stiefvater. Den genauen Grund der Trennung kenne ich bis heute nicht, sie meinte nur, er sei schwul gewesen. Soweit ich weiß, hat meine Mutter keine körperliche Gewalt durch ihren Mann erlebt, sehr wohl aber wurde sie emotional unter Druck gesetzt. Sie konnte Autofahren, hatte den Führerschein, was damals für Frauen noch lange keine Selbstverständlichkeit war. Dennoch kränkte mein Stiefvater sie immer wieder mit der Aussage, er müsse ihr einen 60 km/h-Kleber hinten am Auto anbringen, da sie zu schnell fuhr aus seiner Sicht. Er konnte meine Mutter mit spitzen Bemerkungen treffen, das weiß ich noch genau. Ihre Ehe hielt acht Jahre. Als ich erfuhr, dass sie sich trennten, atmete ich auf, denn nun durfte ich zu meiner Taufpatin nach Gampelen im Kanton Bern. Das war für mich eine der schönsten Zeiten als Schuljunge. So kam ich nicht nur weg von der Gewalt und den Peinigungen durch die Mutter, ich entkam auch dem jahrelangen sexuellen Missbrauch durch den Stiefvater.
Der sexuelle Missbrauch ging über das Anfassen der Genitalien weit hinaus. Meine Mutter durfte nichts mitbekommen, Außenstehende ebenfalls nicht. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob meine Mutter nicht doch eine Ahnung hatte von alldem, was er mit mir tat. Entweder hatte sie genaue Kenntnisse davon und ließ es zu. Oder sie war sehr geschickt darin, über Jahre hinweg alles auszublenden. Die Mutter arbeitete oft bis spät in die Nacht hinein. Wenn sie nach Hause kam, war ich längst wieder in meinem Bett und schlief. Oder ich tat so, als würde ich schlafen. Freunde hatte ich kaum. Auch Schulkameraden kamen nie zu uns nach Hause. Meine Eltern lebten nach Außen ein unauffälliges, normales Leben. Sie verdienten beide Löhne, meine Mutter in der Gastronomie in Zürich, mein Stiefvater als Chauffeur. Die sexuellen Übergriffe durch den Stiefvater zogen sich über mehrere Jahre hinweg. Meine frühesten Erinnerungen gehen zurück bis ins vierte Lebensjahr. Das heißt, kurz nachdem ich bei Mutter und Stiefvater in Zürich einzog, war ich seinen pädophilen Handlungen während Jahren wehrlos ausgesetzt.
Meine Taufpatin in Gampelen BE, zu welcher ich danach kam, ließ sich leider, kurz nachdem ich mich bei ihr eingelebt hatte, ebenfalls von ihrem Mann scheiden. Ich war gerne bei ihr. Sie und ihr Mann waren nett zu mir. Noch bis heute hält der Kontakt zu meiner Taufpatin an. Sie ist die ältere Schwester meiner Mutter. Von den drei Töchtern gelang ihr die Abnabelung vom Elternhaus am besten. Konsequent wie sie war, verließ sie das elterliche Haus in Birmenstorf an ihrem ihren 20. Geburtstag. Sie kehrte nie mehr zurück. Nach nur eineinhalb Jahren musste ich damals wieder weg von ihr. Ich war gerade zwölf geworden. Das Gefühl, nie lange bei Erwachsenen in ihrem Haus leben zu dürfen, war mir nicht unbekannt. Dennoch ging ich nicht gerne wieder weg von dieser Tante. Ich hatte auch einen guten Freund, er hieß Beat. Mit ihm verbrachte ich viel Zeit im Wald. Danach kam ich zum ersten Mal zu meinen Großeltern mütterlicherseits nach Mellingen, also zurück in den Kanton Aargau. Ich wurde in die sechste Klasse eingestuft. Meine Mutter arbeitete in dieser Zeit auf einem Kreuzfahrtschiff, das sie jeweils in Rotterdam bestieg. Also wurde ich in Mellingen bei den Großeltern auf unbestimmt Zeit zurückgelassen.
Mein Großvater verbrachte viel Zeit mit seinen Pferden. Er war Bauer und hatte sich hinter seinem Haus einen großen Pferdestall gebaut. Dort hielt er einige Schimmel, die er als Kutschpferde einsetzte. Die Pferde waren seine große Leidenschaft. Er war bekannt für sein Kutschengespann, das er vor allem für Hochzeitsfeiern einsetzte. Weitherum war er der einzige Kutscher mit einem gläsernen Landauer. Es war beeindruckend, wenn er ihn vierspännig durchs Dorf steuerte, vorne die Schimmel, hinten das Brautpaar mit Gästen. Sein Angebot war gefragt, er wurde oft gebucht an den Wochenenden. Mein Großvater war bekannt im Dorf und angesehen. Der Großvater hatte in der Garage seines Hauses ein Zimmer für mich eingerichtet. Wenn die Großeltern wegfuhren, schlossen sie ihre Wohnung über mir ab. Vielleicht war ich doch mehr ein Stalljunge und Knecht für sie als der Enkelsohn. Ein noch größeres Problem als meine Großeltern aber war die um sechs Jahre ältere Tante, die jüngste Schwester meiner Mutter. Sie machte gerade eine Lehre als Verkäuferin. Ihr konnte ich nichts recht machen. Gingen wir zusammen ausreiten, kommandierte sie mich ständig herum, so dass ich schon bald nicht mehr mitgehen wollte. Deshalb habe ich nie richtig reiten gelernt. Ich saß ab und zu auf den Pferden, ich putzte sie und machte den Stall. Doch aus dem Reiten wurde nichts. Ich war ganz klar der Eindringling. Als solcher musste ich irgendwie beschäftigt und ausgehalten werden. Sie war die jüngste von drei Töchtern, sechzehn, respektive fünfzehn Jahre jünger als ihre älteren Schwestern. Vom Alter her hätten sie und ich Geschwister sein können. Ich stand klar zuunterst in der Hierarchie dieser familiären Konstellation, schließlich hatte niemand von ihnen auf mich, den unehelichen Sohn der mittleren Tochter, gewartet. Meine Großeltern waren katholisch, wie die meisten im Dorf Mellingen. Ich jedoch besuchte in der Schule den reformierten Religionsunterricht. Mein Stiefvater war ein Reformierter.
Ich war als Jugendlicher immer wieder mit Hochzeitsfeiern konfrontiert und half mit, diese für das Brautpaar so angenehm wie möglich zu gestalten mit der schön dekorierten Kutsche meines Großvaters und den anmutigen Pferden. Dies alles erlebte ich elternlos in jenem Dorf, in dem auch mein leiblicher Vater mit seiner Frau und den drei Kindern wohnte und sich ein gutgehendes Geschäft im Früchte-Großhandel aufbaute. Als Hobbymusiker liebte er es, in Gesellschaft zu sein. So trat er regelmäßig mit seiner Band bei Feiern auf, er saß am Schlagzeug. Die Frauen liebten ihn, er war ein geborener Charmeur und Entertainer. Beim Erbgang nach seinem Tod blieb ich außen vor. Das Handelsgeschäft wird heute von seinem Sohn geführt. Meine Halbgeschwister sagten, sie würden «den da», damit meinten sie mich, nicht kennen. Bis heute konnte ich kein einziges Dokument ausfindig machen, das bestätigt, dass mein leiblicher Vater auch mein Erzeuger war. Er hatte nie etwas unterzeichnet, hielt sich dennoch an die Zahlungen der Alimente. Als unehelich geborener Sohn eines katholischen Vaters und einer katholischen Mutter stehe ich heute sozusagen ohne Rechte und ohne Anerkennung da. Erst in den 1970er-Jahren wurde das Erbrecht geändert, so dass auch ledig geborene Kinder erbberechtigt waren. Alle, die vorher geboren wurden, gehen bis heute leer aus.
…

