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Der richtige Hund für mich

Nicole Kala

Der richtige Hund für mich

Leseprobe:

Einleitung

Die Entscheidung, sich einen Hund zuzulegen, ist schnell getroffen. Wir kennen ein Leben mit einem Hund eventuell von Freunden, haben schon des Öfteren auf Hunde aufgepasst oder sie bei gemeinsamen Aktivitäten integriert und verspüren nun den Wunsch, uns endlich unseren eigenen Hund zuzulegen. Vielleicht sind wir auch mit Hunden aufgewachsen und kennen das gemeinsame Leben mit Hund bereits von unseren Großeltern und Eltern und wollen nun selbst so leben. Doch die Entscheidung sollte gut überlegt und durchdacht sein. Es ist eine Entscheidung, hinter der wir die nächsten Jahre stehen sollten, für die wir jahrelang zeitlich und finanziell aufkommen müssen und die wir in weitere sich ändernde Lebensumstände, wie zum Beispiel einen Umzug oder einen Jobwechsel, miteinbeziehen müssen. Einen Hund zu besitzen, kann wunderschön sein. Nicht ohne Grund wird er der beste Freund des Menschen genannt. Er kann uns trösten, wenn wir traurig sind, er bringt viel Freude und Spaß an gemeinsamen Aktivitäten mit, er beschützt uns, wenn es notwendig ist, und ist stets an unserer Seite. Ein Leben mit Hund bedeutet aber auch einiges an Arbeit und Verantwortung. Wir übernehmen mit einem eigenen Hund die Verantwortung für ein anderes Lebewesen mit vielen Bedürfnissen. Genauso wie wir uns auf unseren Hund verlassen wollen, möchte er sich auf uns verlassen können. Die Entscheidung, ob und welcher Hund uns nun die nächsten Jahre auf unserem Lebensweg begleiten soll, sollte daher nicht leichtfertig und vorschnell getroffen werden. Versuchen wir daher, einige wichtige Aspekte vorab durchzudenken und vermeidbare Fehler zu verhindern, um ein entspanntes und angenehmes Miteinander ermöglichen zu können.



Der richtige Hund für mich

Wir alle kennen die Situation, auf der Straße einem Hundebesitzer zu begegnen, der gerade mit seinem vierbeinigen Begleiter einen ausgiebigen Spaziergang macht. Vielleicht wohnen wir sogar in der Nähe eines Hundeparks, wo wir täglich Hunde beim Spielen und Toben beobachten können. Und wie oft denken wir uns dabei, wie niedlich diese Hunde sind und wie gerne wir selber einen haben möchten. Noch anziehender ist es, wenn es sich bei diesen Hunden um Welpen handelt, die tollpatschig und neugierig das frische, grüne Gras erforschen. Sieht er dann auch noch plüschig aus oder schenkt uns sogar ein wenig Interesse, ist es blitzschnell um uns geschehen. Oft reichen auch süße Bilder oder Videos aus, um unser Herz zu erobern. Wir bekommen die Eindrücke nicht mehr aus dem Kopf, erkundigen uns bei den Besitzern nach der Rasse und sind fest entschlossen, uns selbst genau so einen Hund zuzulegen. Wir sehen uns vor unserem geistigen Auge schon mit dem gleichen niedlichen Herzensbrecher auf der Wiese spielen und Hundefreunde treffen. Denn dieser Hund entspricht genau unserer Vorstellung. Er sieht süß aus, er wirkt freundlich, vielleicht zeigt er sich sehr sozial oder verspielt. Doch den großen Fehler, den an dieser Stelle viele zukünftige Hundebesitzer machen, versuche ich mit diesem Buch zu vermeiden: Sie fragen sich nicht, ob sie auch den Vorstellungen des Hundes entsprechen und ob der Hund, abgesehen von der Optik, wirklich so ideal für sie ist. Über die Grundbedürfnisse hinaus benötigt jeder Hund unterschiedlich viel Beschäftigung und fordert unterschiedlich viel Zeit und vor allem Erfahrung von seinen Besitzern.
Nehmen wir eine der beliebtesten Rassen als Beispiel, den Border Collie.
Der Border Collie ist ein äußerlich sehr ansprechender Hund. Er hat ein langes, seidiges Fell, welches wir sofort mit vielen Schmuse- und Streicheleinheiten verknüpfen. Sein Blick auf uns Menschen ist stets treu, aufmerksam und warmherzig und seine Größe ist optimal. Er entspricht somit den Vorstellungen und Vorlieben vieler Menschen. Doch was steckt hinter der Fassade? Ein Border Collie ist eine Hunderasse, die durch und durch zum Arbeiten gezüchtet wurde. Selbst lange Spaziergänge, Spielen mit Artgenossen und große Fahrradtouren reichen dem arbeitswilligen Border Collie nicht aus. Es handelt sich hierbei um eine Rasse, die in erfahrene Hände gehört, die seinen Arbeits- und vor allem Hütetrieb zu lenken wissen. Unausgewogenheit – sei sie physischen oder mentalen Ursprungs – kann zu großen Problemen wie Aggression oder Hüteverhalten in unangebrachten Situationen führen. Man sollte sich daher gut überlegen, ob man die Zeit und das Wissen für eine solche Rasse aufbringen kann.
Leider überlegen sich das nicht alle Hundebesitzer vorab. Sie sind vom äußeren Erscheinungsbild so beeindruckt, dass alles andere unwichtig wird – nach dem Motto „Das schaffen wir schon“. Dieses Verhalten ist bei uns Menschen nicht unüblich, wir gehen mit unseren Mitmenschen ähnlich um. Niemand wird gerne als oberflächlich bezeichnet. Doch eine gewisse, natürliche Oberflächlichkeit tragen wir alle in uns.
Nach einer Studie des US-Psychologen Albert Mehrabian (1967) sind zu 38 % die Stimme und zu 55 % die Körpersprache unseres Gegenübers ausschlaggebend für das Ergebnis des ersten Eindrucks. Nur die restlichen 7 % werden vom Inhalt des Gesprächs bestimmt. Wir beurteilen, wie die Person auf uns zu kommt, was sie an hat, wie sie spricht, ob sie gepflegt wirkt, ob sie uns anlächelt oder nicht. Oft wissen wir sehr schnell, ob uns dieser Mensch sympathisch ist oder ob wir uns unwohl in seiner oder ihrer Gegenwart fühlen. Oft bleibt dieses Bild des ersten Eindrucks auch nach besserem Kennenlernen bestehen. Hin und wieder erleben wir aber auch, dass uns der erste Eindruck getäuscht hat. Dieses Risiko einer solchen Überraschung sollten wir bei der Auswahl unseres Hundes allerdings nicht eingehen. Im schlimmsten Fall sind wir mit dem neuen Familienmitglied überfordert und es entstehen drastische Verhaltensprobleme. Damit haben wir uns selbst nur noch mehr Arbeit verschafft oder entscheiden uns sogar, uns von dem damals so süßen Welpen im Erwachsenenalter wieder zu trennen. Dies bringt uns selbst zwar Erleichterung, die Geschichte des Hundes hat damit aber erst begonnen.
Umso wichtiger ist es daher, sich vor der Anschaffung eines Hundes genügend Zeit zu nehmen und sich gegebenenfalls auch beraten zu lassen. Es gibt viele Faktoren, abgesehen von optischen Vorlieben, die wir berücksichtigen sollten.
In den folgenden Kapiteln gehen wir die wichtigsten Aspekte durch, um einen Einblick in die vielfältigen Charaktere zu bekommen und zu verstehen, wie wichtig es ist, darauf gezielt einzugehen.
Außerdem sehen wir uns an, welche Möglichkeiten wir bei der Anschaffung haben, wo wir uns am besten nach Hunden umsehen und worauf wir dabei achten sollten.
Zu guter Letzt besprechen wir noch die wichtigsten Vorbereitungen, die wir treffen können, und gehen ein paar guten Tipps nach.




Kapitel 1
Die Unterschiede der Rassen

Weltweit existieren Hunderte uns bekannte Hunderassen. Jede einzelne wurde aus bestimmten Gründen gezüchtet. Allgemein lässt sich sagen, dass jede Rasse gezüchtet wurde, um uns Menschen Arbeit abzunehmen. Deutlich wird dieser Gedanke vorallem bei den Jagdhunden, Vorstehhunden oder Schweiß- und Laufhunden. Die einen haben zur Aufgabe, das Wild zu jagen, die anderen wiederum sollen es apportieren, weitere sollen es aufscheuchen, um dem Jäger das Schießen zu ermöglichen. So gibt es zum Beispiel einige Terrier, die extra gezüchtet wurden, um Füchse aus dem Bau zu scheuchen, sie dabei aber nicht zu erlegen.
Heutzutage werden in den Familien Hunde hauptsächlich nur noch als Begleiter gehalten. Diese Tatsache lässt die Instinkte und die durch jahrelanges Züchten entstandenen Triebe aber nicht verschwinden. Wir müssen daher trotzallem auf verschiedenste Weise diesen Bedürfnissen nachgehen.

Wir sollten uns daher vorab fragen, wie wir uns einen Alltag mit unserem Hund vorstellen. Wie viel Zeit wollen und vor allem können wir aufbringen? Wie viel Erfahrung haben wir bereits? Wie sieht unsere aktuelle Wohnsituation aus? Auch ein wichtiger Aspekt ist unsere finanzielle Situation. Die Anschaffung eines Hundes ist meist überschaubar und ein einmaliger Betrag. Dieser kann sich von Rasse zu Rasse sehr unterscheiden und ist natürlich auch davon abhängig, ob wir uns einen Hund von einem seriösen Züchter oder aus einem Tierheim anschaffen. Diesen einmaligen Betrag können wir sparen oder haben ihn bereits beiseite gelegt. Nicht außer Acht zu lassen sind allerdings die laufenden Beträge. Wir müssen Kosten für Futter, Tierarzt, Leckereien und Zubehör wie Spielzeug, Körbchen, Leine und Geschirr mit einberechnen. Ebenso gewichtig sind die Kosten für Hundeschulen, Einzeltrainer und verschiedene Aktivitäten. Hier spielt die Rasse unseres Vierbeiners wieder eine große Rolle. Legen wir uns einen sehr aktiven, intelligenten und arbeitswilligen Hund zu, sollten wir Kosten für auslastende Aktivitäten wie Agility, Mantrailing oder Pettrailing mit einkalkulieren. Können wir dem Hund solche Aktivitäten finanziell oder zeitlich nicht bieten, sollten wir uns eine Rasse zulegen, die wir auch ohne diese Kurse körperlich und geistig ausreichend auslasten können.



Sportskanone vs. Couchpotato

Grundsätzlich benötigt jeder Hund Bewegung, Auslauf und seine täglichen Spaziergänge. Auch das Treffen und Spielen mit Artgenossen ist für jeden Hund wichtig in seiner Erziehung und Sozialisierung. Manche Rassen heben sich allerdings deutlich aus der Masse hervor, wie zum Beispiel der Belgische Schäferhund. Sie haben einen so großen Drang zu arbeiten und sich körperlich und geistig zu beschäftigen, dass es fatale Folgen haben kann, dies zu vernachlässigen. Ein unausgelasteter Hund kann frustriert sein –
ein frustrierter Hund kann unter Umständen aggressiv werden. Wir geben uns also größte Mühe, den Welpen zu sozialisieren, ihm so viel wie möglich vertraut zu machen, ihm Stubenreinheit beizubringen und ihn an verschiedene Umweltreize zu gewöhnen – und trotzallem zeigt er ein aggressives Verhalten in der Pubertät oder im Erwachsenenalter. Wir fragen uns, woher das kommt. Wieso verbellt unser Liebling plötzlich andere Hunde oder sogar Menschen, wo er doch von klein auf mit ihnen gespielt hat? Wir suchen nach schlechten Erfahrungen oder Situationen, die dieses Verhalten ausgelöst haben könnten, doch meist tappen wir im Dunkeln. Oft heißt das Schlüsselwort dann Auslastung! Jede Rasse und jeder individuelle Hund benötigt sie, aber eben unterschiedlich intensiv.
Um solche Probleme daher zukünftig zu vermeiden, sollten wir uns bereits vor der Anschaffung im Klaren sein, wie viel Zeit, Geld und Motivation wir in den nächsten Jahren aufbringen können und welchen Rassen dies gerecht wird.

Bei einem sehr aktiven und arbeitswilligen Hund sollten wir uns daher nach Möglichkeiten erkundigen, wie wir ihn richtig auslasten können. Wir haben viele Möglichkeiten für die körperliche Auslastung. Es gibt viele Kurse in Hundeschulen, die wir besuchen können, aber auch viele Aktivitäten, die wir privat ausführen können. Unser Hund sollte stets gefordert und gefördert werden. Ebenso gibt es aber auch Möglichkeiten, ihn auf ruhige Art und Weise geistig zu fordern. Wir können Suchspiele in der Wohnung oder im Garten veranstalten, um seine Konzentration und seine gute Nase zu fördern, wir können ihm Tricks beibringen, um ihn zum Nachdenken zu bringen, oder aber auch kleinere Übungen in den Alltag einbauen, wie Blickkontakt halten, um die Bindung zu stärken. Wir sollten auch auf den individuellen Charakter eingehen können. Zeigt sich unser Hund sehr konzentriert und fokussiert, können wir uns mehr der körperlichen Auslastung widmen. Haben wir allerdings einen sehr aufgeregten, nervösen oder gar hibbeligen Hund, sollten wir ihn mehr geistig beschäftigen, um ihn etwas zur Ruhe zu bringen. Wir sehen also: An den Möglichkeiten scheitert es keineswegs.Allerdings ist das sehr zeitintensiv und fordert auch von uns eine gewisse Aktivität.

Wünschen wir uns eher einen gemütlicheren, ruhigeren Alltag, sollten wir auf Rassen zurückgreifen, die sich dem anpassen können. Viele unserer Hunderassen sind durchaus mit ausgedehnten Spaziergängen und dem wöchentlichen Besuch in der Hundeschule zufrieden. Sie können ebenso aktiv sein und benötigen genauso das Laufen und Toben mit Freunden, fordern aber die tägliche Anstrengung nicht extrem. Ein gutes Beispiel ist der Zwergspitz. Sie sind aufgeweckt und fröhlich und wollen ein Teil der Familie sein. Sie sind aber nicht frustriert, wenn nicht jeden Tag die große Herausforderung vor der Türe steht und sind vollends zufrieden, wenn sie in unserem Alltag einen Platz finden und dabei sein dürfen.

Mögliche sportliche Aktivitäten:

* Agility (Absolvierung verschiedener Parcours)

* Degility (konzentriert sich auf die Motorik, den Muskelaufbau und die Konzentrationsfähigkeit unseres Hundes)

* Hoopers Agility (Absolvierung eines Parcours mit Sicht und Hörzeichen aus der Distanz)

* Mantrailing (Aufspüren von Menschen durch den Geruch)

* Social Walks (gemeinsames Spazierengehen, Üben von Hundebegegnungen)

* Hundeschule (ab dem Welpenkurs)

* Fährtenarbeit (Aufspüren und Abgehen von gesteckten Fährten)

* Trickdog (Tricks mit Gegenständen oder mit Besitzer)



Beispielrassen für sehr aktive Haushalte

Australian Shepherd

Der Australian Shepherd zählt zu den Hütehunden und ist damit ein gezielt zum Arbeiten gezüchteter Hund. Er zeichnet sich durch seine hohe Intelligenz, sein Temperament und sein großes Lernvermögen aus. Heutzutage ist er vielseitig einsetzbar und in den richtigen Händen ein großartiger Begleiter und Helfer. Er ist nicht für jedermann geeignet und fordert eine gewisse Erfahrung und Geduld von seinen Besitzern. Als eine Rasse, die viel geistige Auslastung benötigt und dadurch viel Zeit und vor allem Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, eignet er sich nicht als Familienhund. Perfekt eignet er sich wiederum für sehr aktive Menschen, die ihrer Leidenschaft im Hundesport nachgehen möchten und genügend Zeit für ihren Hund haben.


Belgischer Schäferhund

Den belgischen Schäferhund gibt es in vier Varianten, die sich lediglich im Fell unterscheiden (Groenendael, Tervueren, Malinois, Laeken). Er gilt als großartiger Arbeitshund, ist sehr intelligent und zu Höchstleistungen fähig. Aus dem heutigen Hundesport ist der Belgier kaum noch wegzudenken. Durch seinen enormen Arbeitswillen gehört er stets gefordert und geistig ausgelastet. Er zeigt sich anspruchsvoll betreffend Haltung und Umgang, lässt sich viel Zeit, erwachsen zu werden (meist erst mit drei Jahren mental ausgereift), und braucht unbedingt aktive Menschen an seiner Seite. Ruhetage auf der Couch sind hier fehl am Platz.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 100
ISBN: 978-3-99107-651-3
Erscheinungsdatum: 11.05.2021
Durchschnittliche Kundenbewertung: 5
EUR 15,90
EUR 9,99

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