Apokalypse – Offenbarung Gottes
Überlegungen zur Offenbarung des Johannes
EUR 26,90
Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 240
ISBN: 978-3-7116-1283-0
Erscheinungsdatum: 03.02.2026
Der Slogan „Die Bibel – aktueller als die Zeitung von morgen“ spielte im Leben des Autors schon einmal eine wichtige Rolle. In seinen Überlegungen zur Offenbarung des Johannes zeigt er nun neben der geistlichen Bedeutung auch die Wahrheit dieser Aussage auf.
Vorwort
Zu Beginn meiner Auseinandersetzung mit der Offenbarung des Johannes war der Gedanke, dass aus den von mir erstellten Notizen einmal ein Buch entstehen würde, noch in weiter Ferne. Ging es doch zunächst nur darum, Klarheit über die Bedeutung dieses außergewöhnlichen Textes zu gewinnen. Nirgends hatte ich bis dahin Erklärungen gefunden, die mich wirklich zufriedenstellten. Erst als sich mir nach und nach einige der von Johannes gemachten Aussagen erschlossen, rückte auch die Möglichkeit einer Veröffentlichung in meinen Blickpunkt. Inzwischen möchte ich durchaus andere an den Ergebnissen meines Studiums teilhaben lassen, auch wenn manche Fragen, die die Zukunft betreffen, noch offen bleiben müssen und die Auslegung einiger Passagen möglicherweise nicht von jedem geteilt wird.
Viele Kommentare zur Bibel begnügen sich damit, Verweise zu den Stellen, die sie kommentieren, ohne den zugehörigen biblischen Text anzugeben. Ich habe mich dazu entschlossen, mit den Stellen aus der Offenbarung, die ich ausführlich behandle, auch den Bibeltext zu notieren. Dadurch soll der Leser die Möglichkeit erhalten, meine kommentierenden Aussagen mit denen der Bibel zu vergleichen. Als Ausgangstext (außer an einigen extra bezeichneten Stellen) habe ich die Schlachter-Übersetzung in der Revision von 1951 ausgewählt und auf die neue Rechtschreibung umgestellt. Sie gibt die ursprüngliche Bedeutung des Textes gut wieder und eignet sich deshalb ausgezeichnet für eine darauf aufbauende Interpretation.
Herzlich bedanken möchte ich mich bei allen, die zum Gelingen dieses Buches beigetragen haben. Ich denke dabei an die Hinweise zu einschlägiger Literatur aus dem Freundeskreis. Mein Dank gilt aber auch den freundlichen Mitarbeitern des Verlages, die durch ihre professionelle Arbeit meine Ausführungen in eine ansehnliche und leserliche Form gebracht haben. Zu guter Letzt möchte ich Gott für die Vielzahl kleiner Impulse danken, ohne die alle meine Bemühungen sicher nicht zu einem ordentlichen Ergebnis geführt hätten.
Klaus-Peter Laube
1 Einleitung
Die Bezeichnung Apokalypse wird gerne als Oberbegriff für alle fantasievoll erdachten Horrorszenarien der Endzeit verwendet und mit „Weltuntergang“ in Verbindung gebracht. Dadurch hat sie ein ziemlich negatives Image erhalten. Eigentlich bedeutet dieser altgriechische Begriff lediglich „Enthüllung“ oder „Offenbarung“, was durchaus auch positiv zu verstehen ist. Ursprünglich benutzte Johannes – bei dem es sich nach Ansicht der überwältigenden Mehrheit der Gelehrten um den Jünger Jesu und Evangelisten handelt – den Begriff zur Kennzeichnung für Schreiben an einige der noch jungen christlichen Gemeinden des ersten Jahrhunderts, um Trost zu spenden und die Angehörigen der Gemeinden zu ermutigen. Johannes hat großen Wert darauf gelegt und immer wieder hervorgehoben, dass der Inhalt seiner Aufschreibungen nicht der Fantasie entnommen ist, sondern Visionen göttlichen Ursprungs wiedergibt. Sie verkörpern eben nicht nur Angst vor dem Untergang, sondern auch Hoffnung auf eine heile, bessere Welt.
Es ist mir ein Anliegen, wieder ins Bewusstsein zu rücken, was der eigentliche Inhalt der Aufschreibungen des Johannes ist. Dieses letzte Buch im Kanon der Bibel wird von vielen Christen verhältnismäßig stiefmütterlich behandelt. Sowohl in der persönlichen Bibellese als auch in den Predigten der Gottesdienste wird die Offenbarung häufig vernachlässigt oder ganz ausgespart. Das ist auch leicht nachzuvollziehen, wenn man bedenkt, dass in der Offenbarung überwiegend von zukünftigen Ereignissen die Rede ist, die sich nun mal nicht so leicht einordnen lassen wie Schilderungen zu historischen Begebenheiten. Dazu kommt, dass in dem Text sehr konkrete Aussagen, die wörtlich zu verstehen sind, mit sinnbildlichen Aussagen, die in einem übertragenen Sinn gültig sind, gemischt werden. Für mich persönlich war es darüber hinaus ein großes Problem, zu entscheiden, inwieweit es sich bei den Darlegungen des Johannes um eine chronologische Abfolge von zukünftigen Ereignissen handelt und wo die Chronologie eventuell unterbrochen ist. Erst als mir klar wurde, dass der gesamte Inhalt der Offenbarung einem dramaturgischen Ablauf folgt, der vielleicht mit dem Drehbuch eines Films vergleichbar ist, und ich diesen zu verstehen anfing, leuchtete auch der Inhalt dieses letzten Buches der Bibel für mich immer deutlicher und schöner hervor.
Eine große Triebfeder, die mich in jüngerer Vergangenheit immer wieder in der Offenbarung lesen ließ, ist, dass ich im heutigen Zeitgeschehen Vorhersagen erfüllt sehe, die Johannes vor mehr als 1900 Jahren über die letzten Jahre vor der Wiederkunft Christi gemacht hat. Es ist erstaunlich, wie viel dieses prophetische Buch, das von Johannes, dem Jünger Jesu, vermutlich im Jahr 95, also gegen Ende seines Lebens, aus der Verbannung heraus geschrieben wurde, gerade uns Christen des 21. Jahrhunderts zu sagen hat.
Dieser Kommentar ist eine Auseinandersetzung mit der Offenbarung des Johannes vor dem Hintergrund des aktuellen Zeitgeschehens. Er ist nicht vollständig im Sinne einer umfassenden Vers-für-Vers-Auslegung des gesamten Bibeltextes. Trotzdem werden alle enthaltenen Hauptaussagen auch angesprochen, mit besonderem Augenmerk auf die Zusammenhänge zwischen den Einzelabhandlungen. Das Ziel ist, zu einem besseren Verständnis des Gesamtwerkes zu kommen. Dabei wird neben der reinen Auslegung des Bibeltextes auch Bezug auf das aktuelle Zeitgeschehen genommen, besonders mit Blick auf jene Leser, die sich um eine Einordnung der Ereignisse unserer Zeit in die niedergeschriebenen prophetischen Aussagen der Offenbarung des Johannes bemühen.
Ein Wort zu dem zugrunde liegenden Schriftverständnis scheint mir unumgänglich zu sein. Die theologischen Lehrauffassungen zur Auslegung der biblischen Texte decken ein weites Spektrum unterschiedlicher Herangehensweisen ab. Auch wenn man davon ausgeht, dass die Aussagen der Heiligen Schrift von Gott inspiriert und darum grundsätzlich wahr sind, können die Texte immer noch sehr unterschiedlich verstanden werden.
Weil Gott in seinem Wort Symbolik benutzt, um ein zeitunabhängiges Verständnis zu erzielen, ist eine große Anzahl von Theologen dazu übergegangen, auch solche Bibelabschnitte sinnbildlich zu deuten, die durchaus auch im eigentlichen Wortsinn zu verstehen sind und dann einen ganz anderen Sinn ergeben. So kommen Ausleger – abhängig von ihrem Schriftverständnis – zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.
Schon in der Schilderung meines Zugangs zur Offenbarung des Johannes ist auch das Verständnis, mit dem ich die Bibel betrachte, angeklungen. Es wird anschließend noch etwas genauer dargelegt. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass dieses letzte Buch der Bibel genau das ist, was es vorgibt zu sein, nämlich
Offb. 1: Offenbarung Jesu Christi, welche Gott ihm gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen soll; und er hat sie kundgetan und durch seinen Engel seinem Knechte Johannes gesandt.
Das impliziert, dass es sich dabei um Informationen handelt, die von Gott ausgegangen sind und über seinen Sohn Jesus Christus durch einen von ihm gesandten Engel zu dem Apostel Jesu und Evangelisten Johannes gelangt sind. Sie haben das Ziel, die Nachfolger Jesu darüber in Kenntnis zu setzen, was in Kürze geschehen wird. Damit war das Zeugnis des Johannes – zumindest als es aufgeschrieben wurde – in die Zukunft gerichtet, also der Bestimmung nach futuristisch. Wie weit das Werk auch heute noch in die Zukunft gerichtet ist und wo Vorhergesagtes schon in Erfüllung gegangen ist, wird zu klären sein.
Schon die Positionen, die in dem zitierten ersten Satz des Textes angesprochen werden, sind unter christlichen Theologen durchaus angefochten. Sowohl zur Urheberschaft des Apostels Johannes als auch zur göttlichen Inspiration und Kanonizität (Zugehörigkeit zur Bibel als Wort Gottes) sind im Verlauf der Kirchengeschichte sehr unterschiedliche Auffassungen vertreten worden.
Auf die einzelnen Interpretationsansätze, ihre Unterschiede und die daraus folgenden Konsequenzen möchte ich hier nicht näher eingehen. Dazu ist eine große Anzahl von Abhandlungen erhältlich, auf die ich den daran interessierten Leser verweisen möchte. W.J. Ouweneel widmet den ersten Teil seines Buches über die Offenbarung solchen Grundsatzfragen und setzt sich ausführlich mit der Frage nach der richtigen Herangehensweise zur Interpretation dieses biblischen Inhalts auseinander [1]. Das Buch enthält außerdem – nach Themen geordnet – ausführliche Bibliografien. Mein eigener Interpretationsansatz deckt sich im Wesentlichen mit dem, der von Ouweneel belegt und favorisiert wurde. Darin werden prophetische Aussagen, wann immer dies möglich ist, konkret (also nicht als Sinnbild) verstanden.
Zu diesem Grundverständnis gelangt man durch die Analyse von prophetischen Vorhersagen, die mittlerweile erfüllt sind, fast zwangsläufig. Mehr als die Hälfte aller biblischen Prophetien sind schon erfüllt, sodass ein Vergleich der Vorhersage mit der später eingetretenen Wirklichkeit möglich ist. Es stellt sich heraus, dass die meisten der vorausschauenden Angaben bis in viele Details hinein ausgesprochen exakt sind. Alois Wagner zeigt auf, wie genau sich die prophetischen Vorhersagen des im 6. Jahrhundert vor Christus am babylonischen und dann persischen Königshof lebenden Propheten Daniel über die Diadochenkämpfe vom Ende des 4. bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts vor Christus erfüllt haben [2].
Man muss aber nicht unbedingt über große Geschichtskenntnisse verfügen, um die Zuverlässigkeit der Prophetie beurteilen zu können. Viele der schon erfüllten biblischen Aussagen beziehen sich auf das Kommen, das Leben und das Sterben Jesu Christi und sind auch für den Laien leicht nachvollziehbar. So wird zum Beispiel die Abstammung Jesu klar angegeben, wobei zusätzlich die Symbolik vom Wurzelspross verwendet wird. Als Geburtsstadt Jesu wird eindeutig Bethlehem genannt. Auch viele weitere vorhergesagte Einzelheiten sind auf eindeutige Weise zu verstehen und auch konkret so eingetreten. Der Prophet Jesaja benötigt nur ein einziges Kapitel (Jes. 53) für eine skizzenhafte Vorabbeschreibung des Lebens Jesu als einen Verkündiger, dem die geistliche Elite nicht glaubte, den man verachtete und den man schließlich aus einer Mischung von Hass und Gericht zusammen mit Gottlosen umbrachte. Ein hervorgehobenes Detail sind Striemen am Körper, die auf Folterung (Geißelung) zurückgehen. Alle Angaben sind ausgesprochen konkret und ca. 700 Jahre später genauso eingetroffen.
Schon diese wenigen Beispiele zeigen, dass prophetische Bibeltexte, die nachvollziehbar sind, wenn sie wörtlich verstanden werden, auch so zu interpretieren sind. Im Allgemeinen scheint zu gelten: Was Gott in seinem Wort sagt, das meint er auch so.
Ein generelles Prinzip meiner Auseinandersetzung mit dem Text der Offenbarung war daher, alle Aussagen, die dies zulassen, im Wortsinne zu verstehen. Es gibt allerdings gerade in der Offenbarung auch Darstellungen, die uns von vornherein als Sinnbilder gegeben sind. Diese lassen sich oft gar nicht anders als in einem übertragenen Sinn deuten. Dennoch besteht auch bei solchen Stellen keine beliebige Deutungsfreiheit. Wo die Bibel mit Symbolik arbeitet, verwendet sie häufig wiederkehrende Sinnbilder, die nach einheitlichen Prinzipien auszulegen sind. Als Beispiel sei an dieser Stelle schon einmal das in prophetischen Aussagen häufig verwendete Horn als Symbol für Macht vorweggenommen. Bei der Annäherung an sinnbildliche Aussagen der Offenbarung war es mir darum ein Anliegen, den Deutungsrahmen anderer biblischer Texte aufzugreifen und wiederkehrenden Symbolen auch stets mit dem gleichen Grundverständnis zu begegnen.
Zuletzt muss noch angemerkt werden, dass die Auslegung einer prophetischen Schrift, wie sie die Offenbarung darstellt, nie vollkommen unabhängig von anderen biblischen Prophetien erfolgen kann. Wenn wir von einem allmächtigen Gott als Urheber aller biblischen Prophetien ausgehen, müssen wir fordern, dass keine Auslegung einer Aussage anderen biblischen Aussagen widerspricht. Wir werden darum da, wo es nötig erscheint, auch andere Prophetien der Bibel in unsere Überlegungen einbeziehen müssen.
2 Dramaturgie
Als Vorbetrachtung möchte ich einen kurzen Überblick über Handlungsebenen, Zeitschienen und Chronologie dieses prophetischen Buches geben.
Entscheidend für das Verständnis des Buches ist, dass der gesamte Inhalt als Ganzes einem dramaturgischen Ablauf folgt. Darin gibt es verschiedene Orte des Geschehens, zeitliche Abfolgen der Handlungen (Chronologie) sowie erklärende Einschübe, die wiederum einer eigenen Chronologie folgen können. Dies ist vergleichbar mit der Dramaturgie eines Films. Als Beispiel stelle man sich die Handlung eines Kriminalfilms vor: Während der Haupterzählung, die überwiegend chronologisch abläuft, kann es zu erläuternden Einschüben kommen, in denen z. B. der Kommissar den Tathergang rekonstruiert und dabei die Haupterzählung unterbricht, um gedanklich zurückzukehren an die Orte des Geschehens und Handlungen in ihrer eigenen zeitlichen Abfolge zu schildern. Danach wird die Haupterzählung wieder aufgegriffen und die ursprüngliche Chronologie weitergeführt. Damit der Zuschauer dem folgen kann, werden in Filmen verschiedene darstellerische „Kunstkniffe“ angewandt, um die Übergänge deutlich zu machen. In der Offenbarung werden solche Übergänge durch spezielle Formulierungen angezeigt (Dramaturgische Eckpunkte).
2.1 Handlungsebenen – Orte des Geschehens
Um das in der Offenbarung geschilderte Geschehen einordnen zu können, müssen wir uns stets darüber im Klaren sein, von welchem Standpunkt aus es betrachtet wird. Drei verschiedene Ausgangssituationen hat Johannes angegeben:
a) Der reale Aufenthaltsort des Johannes, als er „vom Geist ergriffen“ wurde.
Offb. 1: Ich, Johannes, euer Mitgenosse an der Trübsal und am Reich und an der Geduld Jesu Christi, war auf der Insel namens Patmos, um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses Jesu willen. Ich war im Geist am Tage des Herrn und hörte hinter mir eine gewaltige Stimme, wie von einer Posaune, die sprach …
b) Die geistliche Ebene, in der die Begegnung stattfand.
Offb. 1: Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete; und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter …
c) Spezielle Orte des Geschehens, in die Johannes vom Geist geführt wurde.
Offb. 12: Und ein großes Zeichen erschien im Himmel …
Offb. 17: Und er führte mich im Geiste hinweg in …
Offb. 21: Und er führte mich im Geiste hinweg auf …
2.2 Dramaturgische Eckpunkte
Johannes macht erfreulicherweise Aussagen zur Dramaturgie seiner Abhandlung. Er hat in seine Ausführungen Hinweise zum Verständnis eingefügt, die für die Auslegung einen überaus großen Wert haben. Diese Aussagen markieren eine Art Eckpunkte für Zeit und Raum der Geschehnisse und helfen uns, das Gesagte einzuordnen (siehe im Anhang die Tabelle: „Dramaturgische Eckpunkte“).
Auf der Grundlage des aus solchen Eckpunkten gewonnenen Gerüsts erschließt sich die Vision in einer Vollkommenheit und Schönheit, die staunen lassen. Es wird im Folgenden zur Einteilung des Textes herangezogen. Gegenüber anderen in der Auslegungsliteratur vorkommenden Einteilungen hat diese den Vorteil, dass sie den Text nicht nur in Sinnabschnitte einteilt, sondern darüber hinaus noch eine Gewichtung der einzelnen Aussagen nach ihrer Bedeutung nahelegt.
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Zu Beginn meiner Auseinandersetzung mit der Offenbarung des Johannes war der Gedanke, dass aus den von mir erstellten Notizen einmal ein Buch entstehen würde, noch in weiter Ferne. Ging es doch zunächst nur darum, Klarheit über die Bedeutung dieses außergewöhnlichen Textes zu gewinnen. Nirgends hatte ich bis dahin Erklärungen gefunden, die mich wirklich zufriedenstellten. Erst als sich mir nach und nach einige der von Johannes gemachten Aussagen erschlossen, rückte auch die Möglichkeit einer Veröffentlichung in meinen Blickpunkt. Inzwischen möchte ich durchaus andere an den Ergebnissen meines Studiums teilhaben lassen, auch wenn manche Fragen, die die Zukunft betreffen, noch offen bleiben müssen und die Auslegung einiger Passagen möglicherweise nicht von jedem geteilt wird.
Viele Kommentare zur Bibel begnügen sich damit, Verweise zu den Stellen, die sie kommentieren, ohne den zugehörigen biblischen Text anzugeben. Ich habe mich dazu entschlossen, mit den Stellen aus der Offenbarung, die ich ausführlich behandle, auch den Bibeltext zu notieren. Dadurch soll der Leser die Möglichkeit erhalten, meine kommentierenden Aussagen mit denen der Bibel zu vergleichen. Als Ausgangstext (außer an einigen extra bezeichneten Stellen) habe ich die Schlachter-Übersetzung in der Revision von 1951 ausgewählt und auf die neue Rechtschreibung umgestellt. Sie gibt die ursprüngliche Bedeutung des Textes gut wieder und eignet sich deshalb ausgezeichnet für eine darauf aufbauende Interpretation.
Herzlich bedanken möchte ich mich bei allen, die zum Gelingen dieses Buches beigetragen haben. Ich denke dabei an die Hinweise zu einschlägiger Literatur aus dem Freundeskreis. Mein Dank gilt aber auch den freundlichen Mitarbeitern des Verlages, die durch ihre professionelle Arbeit meine Ausführungen in eine ansehnliche und leserliche Form gebracht haben. Zu guter Letzt möchte ich Gott für die Vielzahl kleiner Impulse danken, ohne die alle meine Bemühungen sicher nicht zu einem ordentlichen Ergebnis geführt hätten.
Klaus-Peter Laube
1 Einleitung
Die Bezeichnung Apokalypse wird gerne als Oberbegriff für alle fantasievoll erdachten Horrorszenarien der Endzeit verwendet und mit „Weltuntergang“ in Verbindung gebracht. Dadurch hat sie ein ziemlich negatives Image erhalten. Eigentlich bedeutet dieser altgriechische Begriff lediglich „Enthüllung“ oder „Offenbarung“, was durchaus auch positiv zu verstehen ist. Ursprünglich benutzte Johannes – bei dem es sich nach Ansicht der überwältigenden Mehrheit der Gelehrten um den Jünger Jesu und Evangelisten handelt – den Begriff zur Kennzeichnung für Schreiben an einige der noch jungen christlichen Gemeinden des ersten Jahrhunderts, um Trost zu spenden und die Angehörigen der Gemeinden zu ermutigen. Johannes hat großen Wert darauf gelegt und immer wieder hervorgehoben, dass der Inhalt seiner Aufschreibungen nicht der Fantasie entnommen ist, sondern Visionen göttlichen Ursprungs wiedergibt. Sie verkörpern eben nicht nur Angst vor dem Untergang, sondern auch Hoffnung auf eine heile, bessere Welt.
Es ist mir ein Anliegen, wieder ins Bewusstsein zu rücken, was der eigentliche Inhalt der Aufschreibungen des Johannes ist. Dieses letzte Buch im Kanon der Bibel wird von vielen Christen verhältnismäßig stiefmütterlich behandelt. Sowohl in der persönlichen Bibellese als auch in den Predigten der Gottesdienste wird die Offenbarung häufig vernachlässigt oder ganz ausgespart. Das ist auch leicht nachzuvollziehen, wenn man bedenkt, dass in der Offenbarung überwiegend von zukünftigen Ereignissen die Rede ist, die sich nun mal nicht so leicht einordnen lassen wie Schilderungen zu historischen Begebenheiten. Dazu kommt, dass in dem Text sehr konkrete Aussagen, die wörtlich zu verstehen sind, mit sinnbildlichen Aussagen, die in einem übertragenen Sinn gültig sind, gemischt werden. Für mich persönlich war es darüber hinaus ein großes Problem, zu entscheiden, inwieweit es sich bei den Darlegungen des Johannes um eine chronologische Abfolge von zukünftigen Ereignissen handelt und wo die Chronologie eventuell unterbrochen ist. Erst als mir klar wurde, dass der gesamte Inhalt der Offenbarung einem dramaturgischen Ablauf folgt, der vielleicht mit dem Drehbuch eines Films vergleichbar ist, und ich diesen zu verstehen anfing, leuchtete auch der Inhalt dieses letzten Buches der Bibel für mich immer deutlicher und schöner hervor.
Eine große Triebfeder, die mich in jüngerer Vergangenheit immer wieder in der Offenbarung lesen ließ, ist, dass ich im heutigen Zeitgeschehen Vorhersagen erfüllt sehe, die Johannes vor mehr als 1900 Jahren über die letzten Jahre vor der Wiederkunft Christi gemacht hat. Es ist erstaunlich, wie viel dieses prophetische Buch, das von Johannes, dem Jünger Jesu, vermutlich im Jahr 95, also gegen Ende seines Lebens, aus der Verbannung heraus geschrieben wurde, gerade uns Christen des 21. Jahrhunderts zu sagen hat.
Dieser Kommentar ist eine Auseinandersetzung mit der Offenbarung des Johannes vor dem Hintergrund des aktuellen Zeitgeschehens. Er ist nicht vollständig im Sinne einer umfassenden Vers-für-Vers-Auslegung des gesamten Bibeltextes. Trotzdem werden alle enthaltenen Hauptaussagen auch angesprochen, mit besonderem Augenmerk auf die Zusammenhänge zwischen den Einzelabhandlungen. Das Ziel ist, zu einem besseren Verständnis des Gesamtwerkes zu kommen. Dabei wird neben der reinen Auslegung des Bibeltextes auch Bezug auf das aktuelle Zeitgeschehen genommen, besonders mit Blick auf jene Leser, die sich um eine Einordnung der Ereignisse unserer Zeit in die niedergeschriebenen prophetischen Aussagen der Offenbarung des Johannes bemühen.
Ein Wort zu dem zugrunde liegenden Schriftverständnis scheint mir unumgänglich zu sein. Die theologischen Lehrauffassungen zur Auslegung der biblischen Texte decken ein weites Spektrum unterschiedlicher Herangehensweisen ab. Auch wenn man davon ausgeht, dass die Aussagen der Heiligen Schrift von Gott inspiriert und darum grundsätzlich wahr sind, können die Texte immer noch sehr unterschiedlich verstanden werden.
Weil Gott in seinem Wort Symbolik benutzt, um ein zeitunabhängiges Verständnis zu erzielen, ist eine große Anzahl von Theologen dazu übergegangen, auch solche Bibelabschnitte sinnbildlich zu deuten, die durchaus auch im eigentlichen Wortsinn zu verstehen sind und dann einen ganz anderen Sinn ergeben. So kommen Ausleger – abhängig von ihrem Schriftverständnis – zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.
Schon in der Schilderung meines Zugangs zur Offenbarung des Johannes ist auch das Verständnis, mit dem ich die Bibel betrachte, angeklungen. Es wird anschließend noch etwas genauer dargelegt. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass dieses letzte Buch der Bibel genau das ist, was es vorgibt zu sein, nämlich
Offb. 1: Offenbarung Jesu Christi, welche Gott ihm gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Bälde geschehen soll; und er hat sie kundgetan und durch seinen Engel seinem Knechte Johannes gesandt.
Das impliziert, dass es sich dabei um Informationen handelt, die von Gott ausgegangen sind und über seinen Sohn Jesus Christus durch einen von ihm gesandten Engel zu dem Apostel Jesu und Evangelisten Johannes gelangt sind. Sie haben das Ziel, die Nachfolger Jesu darüber in Kenntnis zu setzen, was in Kürze geschehen wird. Damit war das Zeugnis des Johannes – zumindest als es aufgeschrieben wurde – in die Zukunft gerichtet, also der Bestimmung nach futuristisch. Wie weit das Werk auch heute noch in die Zukunft gerichtet ist und wo Vorhergesagtes schon in Erfüllung gegangen ist, wird zu klären sein.
Schon die Positionen, die in dem zitierten ersten Satz des Textes angesprochen werden, sind unter christlichen Theologen durchaus angefochten. Sowohl zur Urheberschaft des Apostels Johannes als auch zur göttlichen Inspiration und Kanonizität (Zugehörigkeit zur Bibel als Wort Gottes) sind im Verlauf der Kirchengeschichte sehr unterschiedliche Auffassungen vertreten worden.
Auf die einzelnen Interpretationsansätze, ihre Unterschiede und die daraus folgenden Konsequenzen möchte ich hier nicht näher eingehen. Dazu ist eine große Anzahl von Abhandlungen erhältlich, auf die ich den daran interessierten Leser verweisen möchte. W.J. Ouweneel widmet den ersten Teil seines Buches über die Offenbarung solchen Grundsatzfragen und setzt sich ausführlich mit der Frage nach der richtigen Herangehensweise zur Interpretation dieses biblischen Inhalts auseinander [1]. Das Buch enthält außerdem – nach Themen geordnet – ausführliche Bibliografien. Mein eigener Interpretationsansatz deckt sich im Wesentlichen mit dem, der von Ouweneel belegt und favorisiert wurde. Darin werden prophetische Aussagen, wann immer dies möglich ist, konkret (also nicht als Sinnbild) verstanden.
Zu diesem Grundverständnis gelangt man durch die Analyse von prophetischen Vorhersagen, die mittlerweile erfüllt sind, fast zwangsläufig. Mehr als die Hälfte aller biblischen Prophetien sind schon erfüllt, sodass ein Vergleich der Vorhersage mit der später eingetretenen Wirklichkeit möglich ist. Es stellt sich heraus, dass die meisten der vorausschauenden Angaben bis in viele Details hinein ausgesprochen exakt sind. Alois Wagner zeigt auf, wie genau sich die prophetischen Vorhersagen des im 6. Jahrhundert vor Christus am babylonischen und dann persischen Königshof lebenden Propheten Daniel über die Diadochenkämpfe vom Ende des 4. bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts vor Christus erfüllt haben [2].
Man muss aber nicht unbedingt über große Geschichtskenntnisse verfügen, um die Zuverlässigkeit der Prophetie beurteilen zu können. Viele der schon erfüllten biblischen Aussagen beziehen sich auf das Kommen, das Leben und das Sterben Jesu Christi und sind auch für den Laien leicht nachvollziehbar. So wird zum Beispiel die Abstammung Jesu klar angegeben, wobei zusätzlich die Symbolik vom Wurzelspross verwendet wird. Als Geburtsstadt Jesu wird eindeutig Bethlehem genannt. Auch viele weitere vorhergesagte Einzelheiten sind auf eindeutige Weise zu verstehen und auch konkret so eingetreten. Der Prophet Jesaja benötigt nur ein einziges Kapitel (Jes. 53) für eine skizzenhafte Vorabbeschreibung des Lebens Jesu als einen Verkündiger, dem die geistliche Elite nicht glaubte, den man verachtete und den man schließlich aus einer Mischung von Hass und Gericht zusammen mit Gottlosen umbrachte. Ein hervorgehobenes Detail sind Striemen am Körper, die auf Folterung (Geißelung) zurückgehen. Alle Angaben sind ausgesprochen konkret und ca. 700 Jahre später genauso eingetroffen.
Schon diese wenigen Beispiele zeigen, dass prophetische Bibeltexte, die nachvollziehbar sind, wenn sie wörtlich verstanden werden, auch so zu interpretieren sind. Im Allgemeinen scheint zu gelten: Was Gott in seinem Wort sagt, das meint er auch so.
Ein generelles Prinzip meiner Auseinandersetzung mit dem Text der Offenbarung war daher, alle Aussagen, die dies zulassen, im Wortsinne zu verstehen. Es gibt allerdings gerade in der Offenbarung auch Darstellungen, die uns von vornherein als Sinnbilder gegeben sind. Diese lassen sich oft gar nicht anders als in einem übertragenen Sinn deuten. Dennoch besteht auch bei solchen Stellen keine beliebige Deutungsfreiheit. Wo die Bibel mit Symbolik arbeitet, verwendet sie häufig wiederkehrende Sinnbilder, die nach einheitlichen Prinzipien auszulegen sind. Als Beispiel sei an dieser Stelle schon einmal das in prophetischen Aussagen häufig verwendete Horn als Symbol für Macht vorweggenommen. Bei der Annäherung an sinnbildliche Aussagen der Offenbarung war es mir darum ein Anliegen, den Deutungsrahmen anderer biblischer Texte aufzugreifen und wiederkehrenden Symbolen auch stets mit dem gleichen Grundverständnis zu begegnen.
Zuletzt muss noch angemerkt werden, dass die Auslegung einer prophetischen Schrift, wie sie die Offenbarung darstellt, nie vollkommen unabhängig von anderen biblischen Prophetien erfolgen kann. Wenn wir von einem allmächtigen Gott als Urheber aller biblischen Prophetien ausgehen, müssen wir fordern, dass keine Auslegung einer Aussage anderen biblischen Aussagen widerspricht. Wir werden darum da, wo es nötig erscheint, auch andere Prophetien der Bibel in unsere Überlegungen einbeziehen müssen.
2 Dramaturgie
Als Vorbetrachtung möchte ich einen kurzen Überblick über Handlungsebenen, Zeitschienen und Chronologie dieses prophetischen Buches geben.
Entscheidend für das Verständnis des Buches ist, dass der gesamte Inhalt als Ganzes einem dramaturgischen Ablauf folgt. Darin gibt es verschiedene Orte des Geschehens, zeitliche Abfolgen der Handlungen (Chronologie) sowie erklärende Einschübe, die wiederum einer eigenen Chronologie folgen können. Dies ist vergleichbar mit der Dramaturgie eines Films. Als Beispiel stelle man sich die Handlung eines Kriminalfilms vor: Während der Haupterzählung, die überwiegend chronologisch abläuft, kann es zu erläuternden Einschüben kommen, in denen z. B. der Kommissar den Tathergang rekonstruiert und dabei die Haupterzählung unterbricht, um gedanklich zurückzukehren an die Orte des Geschehens und Handlungen in ihrer eigenen zeitlichen Abfolge zu schildern. Danach wird die Haupterzählung wieder aufgegriffen und die ursprüngliche Chronologie weitergeführt. Damit der Zuschauer dem folgen kann, werden in Filmen verschiedene darstellerische „Kunstkniffe“ angewandt, um die Übergänge deutlich zu machen. In der Offenbarung werden solche Übergänge durch spezielle Formulierungen angezeigt (Dramaturgische Eckpunkte).
2.1 Handlungsebenen – Orte des Geschehens
Um das in der Offenbarung geschilderte Geschehen einordnen zu können, müssen wir uns stets darüber im Klaren sein, von welchem Standpunkt aus es betrachtet wird. Drei verschiedene Ausgangssituationen hat Johannes angegeben:
a) Der reale Aufenthaltsort des Johannes, als er „vom Geist ergriffen“ wurde.
Offb. 1: Ich, Johannes, euer Mitgenosse an der Trübsal und am Reich und an der Geduld Jesu Christi, war auf der Insel namens Patmos, um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses Jesu willen. Ich war im Geist am Tage des Herrn und hörte hinter mir eine gewaltige Stimme, wie von einer Posaune, die sprach …
b) Die geistliche Ebene, in der die Begegnung stattfand.
Offb. 1: Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete; und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter …
c) Spezielle Orte des Geschehens, in die Johannes vom Geist geführt wurde.
Offb. 12: Und ein großes Zeichen erschien im Himmel …
Offb. 17: Und er führte mich im Geiste hinweg in …
Offb. 21: Und er führte mich im Geiste hinweg auf …
2.2 Dramaturgische Eckpunkte
Johannes macht erfreulicherweise Aussagen zur Dramaturgie seiner Abhandlung. Er hat in seine Ausführungen Hinweise zum Verständnis eingefügt, die für die Auslegung einen überaus großen Wert haben. Diese Aussagen markieren eine Art Eckpunkte für Zeit und Raum der Geschehnisse und helfen uns, das Gesagte einzuordnen (siehe im Anhang die Tabelle: „Dramaturgische Eckpunkte“).
Auf der Grundlage des aus solchen Eckpunkten gewonnenen Gerüsts erschließt sich die Vision in einer Vollkommenheit und Schönheit, die staunen lassen. Es wird im Folgenden zur Einteilung des Textes herangezogen. Gegenüber anderen in der Auslegungsliteratur vorkommenden Einteilungen hat diese den Vorteil, dass sie den Text nicht nur in Sinnabschnitte einteilt, sondern darüber hinaus noch eine Gewichtung der einzelnen Aussagen nach ihrer Bedeutung nahelegt.
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