Kunst & Fotografie

Die Wende in der Kunst von Progressiv nach Konservativ

Chris von Glafey

Die Wende in der Kunst von Progressiv nach Konservativ

Leseprobe:

<strong>EINLEITUNG</strong>

Dieses Buch ist kunstkritisch!

Dem Leser werden mit diesem Buch die Augen geöffnet, warum nicht alles, was auf dem Kunstmarkt als Kunst angeboten wird, tatsächlich Kunst ist und folglich für eine Geldanlage nichts taugt. Außerdem wird dem Leser die weltbekannte Persönlichkeit Prof. Joseph Beuys nähergebracht, zumal er als König der Progressiven eine Schlüsselrolle in der Kunstszene einnimmt.
Wie ist das zu verstehen?
Die Lage in der Kunstszene ist folgende:
Es gibt da zwei Parteien, die sich feindselig gegenüberstehen:
die Progressiven und die Konservativen –
das Pro-Lager und das Kontra-Lager.
Für das Pro-Lager, die Fortschrittlichen, wie sie meinen, braucht die Herstellung eines Kunstwerks nicht vom künstlerisch-handwerklichen Können kommen, es reicht schon eine Idee. Man lebt mit einem erweiterten Kunstbegriff.
Anders dagegen die Konservativen. Das Kontra-Lager hält eisern an der ehrwürdigen alten Tradition fest, bei der die Kunst vom handwerklichen Können kommt, ein Kunstbegriff, der aus der Antike stammt. Die Könige des Kontra-Lagers sind die großen Genies der Vergangenheit, wie zum Beispiel Leonardo da Vinci, Michelangelo, Raffael, Tizian usw.

Für die Progressiven, das Pro-Lager, ist es Prof. Joseph Beuys. Die Anfeindungen der beiden Parteien, kurz in Stichworten wiedergegeben, sehen in etwa so aus:

„Das Kontra-Lager:
Blasphemie, Schmutz! Abfall! Verballhornung! Scharlatanerie! Qualitätslosigkeit! Willkür! Kunst? Nein: Hohn! (…) Alle Versuche, die Dinge mit Bedeutung aufzuladen, zu ‚interpretieren‘, sind an den Haaren herbeigezogen! Bedeutung: Null!

Das Pro-Lager:
Ganz neue Mittel! Zeitgenössische Mittel! Menetekel der Wegwerfgesellschaft! Kritik und Attacke gegen die etablierte Kultur! Ehrenrettung des Hässlichen!“
Für die Progressiven, auch Avantgardisten, wie sie sich nennen, hat die Entwicklung der Kunst seit den letzten 133 Jahren nur Fortschritte gemacht. Für die Konservativen allerdings leider nicht.

Das Kontra-Lager sieht in der „Kunst“ der Progressiven einen Niedergang der Kultur weit unterhalb der Talsohle. In der Kunstszene haben die Progressiven seit Jahren schon die Herrschaft. Das Kontra-Lager sieht das mit Sorge: „Die Kunst bewegt sich in die falsche Richtung!“
Wie und wodurch sind die Progressiven zu dieser Herrschaft gekommen? Durch den Kunden! Der Träger der Kultur, der Geldgeber, hat gewechselt. Es ist um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, durch das Zeitalter der Technik, eine andere Sorte Mensch zu Geld gekommen. Es handelt sich da um Menschen, für die Kunstwerke im Sinne der alten ehrwürdigen Tradition nicht mehr hergestellt werden brauchen. Es sind Leute, die mit einfachen primitiven Sachen zufrieden sind. Seit dem Aufkommen der abstrakten Malerei um 1910 und der sogenannten Kunstrichtung Dadaismus um 1915 bestimmen diese Neureichen mit einem besonders guten Verhältnis zum Dilettantismus die Kunst. Seit nun Prof. Joseph Beuys diese Art von Geschmacksrichtung mit toten Ratten, Fischgräten, Schrott und Sperrmüll auf die Spitze getrieben hat und das ganze Angebot von dem Engländer Damien Hirst mit einem in Formaldehyd eingelegten halben Rindvieh und einem ganzen Hai ergänzt wurde, ist eines ganz eindeutig geklärt: Der Kunde, dieser Geldgeber, passt mit der Irrenanstalt besser zusammen als mit der Kunst!
Das bedeutet, jedenfalls aus der Sichtweise der Konservativen: Entweder verschwindet der Kunde vom Markt oder die Kunst, beides passt nicht zusammen.

Dieses Buch allerdings, geschrieben von mir, einer Vertreterin des Kontra-Lagers, ist jetzt eine gute Nachricht:
Ich habe entdeckt, dass Prof. Joseph Beuys, der König der Progressiven, eine Person des Kontra-Lagers gewesen ist. Das bedeutet, dass damit die Progressiven ihren König los sind, denn so einen intelligenten Professor hätten sie gar nicht nehmen dürfen.

Da dieses Buch bestimmt ist für Personen, die vom Kunstmarkt gar nichts verstehen, aber immer schon mal etwas mehr wissen wollten, beginnt die Geschichte nicht gleich mit Prof. Joseph Beuys, sondern zunächst mit einem Einblick in die Kunstgeschichte.

<strong>DER ANFANG</strong>

Es ist mir durchaus möglich, Kunstwerke mit künstlerischer Leistung selber herzustellen, siehe meine Kunstwerke:
die Federzeichnung einer Sonnenblume (42?x?55?cm/1968) und die Federzeichnung eines Kindes (45?x?50?cm/1972). Doch bei diesen beiden Zeichnungen ist etwas nicht sichtbar. Die Sonnenblume ist direkt nach der Natur und das Kind nach einer Fotografie gezeichnet worden.
Die Fotografie ist eine großartige Erfindung, die ein Künstler durchaus für die Herstellung seiner Kunstwerke nutzen kann. Gerade für bewegte Motive ist die Fotografie für die Kunst eine sehr große Hilfe. Es gibt so gesehen keinen Grund, warum sich die Kunst von der Fotografie einschüchtern lassen müsste.
Gut fotografiert ist halb gemalt! Nur dass die Fotografie und die Kunst getrennt gesehen werden müssen. Die Fotografie gehört zur Technik und die Kunst zum Handwerk.
Das Problem ist nur der Kunstmarkt. Was ist das für ein sonderbares Zeug, was da so alles als Kunst angeboten und verkauft wird? Wie ist das zu verstehen?
Es ist nicht so, dass ich nichts von dem Kunstmarkt verstanden hätte, schließlich habe ich bei meiner künstlerischen Ausbildung unter anderem auch Kunstgeschichte studiert.
Was ich bis dahin wusste:
Der Kunstmarkt hebt sich ab vom allgemeinen Warenhandel, insofern, als der Kunde mit dem Erwerb eines Kunstwerks über die Jahre hinweg eine Wertsteigerung erwarten kann. Die Aktie an der Wand! Ein besonders schönes Musterbeispiel von Wertsteigerung ist das zur Zeit teuerste Ölbild der Welt: „Junge mit Pfeife“ (1905) von Pablo Picasso (1881–1973).
Zu sehen ist ein Junge mit einem Kranz von rosaroten Blumen im Haar und einer schwarzen Pfeife in der linken Hand. Der Junge trägt einen blauen Overall und macht ein Gesicht, als ob ihm die Pfeife nicht geschmeckt hat. Der Hintergrund hat Blumenmotive und ist in rosaroten Farbtönen gehalten.
Dieses Kunstwerk ist von einem Ehepaar namens Whitney 1950 für 30?000 Dollar gekauft und für die Rekordsumme von 104?168 Millionen Dollar am 05. Mai 2004 im Auktionshaus Sotheby’s in New York an einen anonymen Sammler verkauft worden.
Für diese Wertsteigerung ist allerdings eine bestimmte Voraussetzung notwendig. Das Kunstwerk muss einen Platz in der Kunstgeschichte einnehmen. Das bedeutet, dass der Künstler mit seinen Kunstwerken zu einer bestimmten allgemein anerkannten Kunstrichtung eingeordnet sein muss. Alles, was in die Kunstgeschichte eingeordnet ist, hat Aussicht auf Wertsteigerung, und alles, was außerhalb der Kunstgeschichte ist, hat diese Aussicht auf Wertsteigerung nicht. Wobei den Leuten noch zu raten ist, keine Drucke, keine Kopien oder Fotos zu kaufen, sondern nur ein Original, ein vom Künstler direkt hergestelltes Kunstwerk. Ein richtiges Kunstwerk mit diesem besonders hohen Qualitätsanspruch des künstlerischen, handwerklichen Könnens, der virtuosen Meisterleistung. Ein Kunstwerk ist nur dann ein Kunstwerk, wenn es nicht jeder herstellen kann.
Die Bezeichnungen der verschiedenen Kunstrichtungen kommen entweder durch die Künstler selber oder durch einen Wortführer, Kunstschriftsteller, aber auch Galerist. Wobei es durchaus sein kann, dass es eine einzelne Künstlerpersönlichkeit gibt, die ganz am Anfang der betreffenden Kunstrichtung steht.
Zu einer Kunstrichtung gehören für gewöhnlich nicht nur ein oder zwei Künstler, sondern eine ganze Gruppe.
Wer im Kunsthandel tätig werden möchte, für den ist es grundsätzlich ratsam, sich vorab für die Kunstgeschichte zu interessieren und bitte mein Buch zu lesen.

<strong>DEN KUNSTMARKT KENNENLERNEN</strong>

Es war im Frühjahr 1989, als ich beschloss loszuziehen, um den Kunstmarkt kennenzulernen.
Zuerst machte ich einen Besuch in einer Kunstgalerie in der Altstadt von Stuttgart. Ich stellte der Galeristin die Frage: „Warum sind die Bilder alle so ganz ohne Ästhetik?“ „Och, das sehen die Leute nicht!“, war die Antwort. Was ich bis zu diesem Zeitpunkt über den bestehenden Kunstmarkt damit schon mal herausgefunden hatte: Ästhetik ist unwichtig.
Mein nächster Beschluss war, die Stuttgarter Staatsgalerie zu besichtigen. Ich fing mit meinem Rundgang bei den alten Meistern an, um dann immer weiter in die Neuzeit fortzuschreiten.
Die alten erstklassigen Meister zeichnen sich durch eine Primamalerei aus, der eine genaue Zeichnung zugrunde liegt. Es ist deshalb eine von der Zeichnung herkommende Malerei. Diese Art der Malerei ist mit einer besonderen Feinheit und Sorgfalt ausgeführt. Sie ist sowohl von der Nähe als auch von der Ferne betrachtet gleichermaßen perfekt. Diese Kunstwerke werden im Allgemeinen mit einem Marderhaar-Pinsel gemalt.
Eine Änderung in dieser Maltechnik gibt es erst seit der Kunstrichtung der Impressionisten.

<strong>1874 Der Impressionismus</strong>
Die Gruppe der Impressionisten macht den Anfang der modernen Kunst. Es geht nicht mehr um eine genaue Wiedergabe der Landschaften und Personen.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 154
ISBN: 978-3-99003-022-6
Erscheinungsdatum: 08.04.2011
EUR 15,90

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