Auch das Schicksal spielt Tarot

Auch das Schicksal spielt Tarot

Brigitta Frank-Weinelt


EUR 16,90

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 164
ISBN: 978-3-99131-362-5
Erscheinungsdatum: 11.05.2022

Leseprobe:

Die Götter müssen verrückt sein!
oder
Auch das Schicksal spielt Tarot

Einleitung

Sie kennen mich schon? Nein? Sie haben noch keines meiner Abenteuer verfolgen können?
Dann muss ich mich schnell vorstellen:
„Guten Tag, ich bin der Weltensucher!“
Meine Aufgabe besteht darin, völlig neue Welten zu finden, sie zu erforschen, die nötigen Schlüsse daraus zu ziehen und sie den Erdenbewohnern zugänglich zu machen.
Nicht nur eine andere Umgebung will ich erkunden, sondern auch besondere Denkweisen, verschiedene Arten des sozialen Verhaltens, Möglichkeiten einer ungewöhnlichen Lebensführung und die nötige Toleranz, die das Verständnis für das Fremde verlangt. Als Mensch auf einer Reise durch den Weltraum der unterschiedlichen Lebens- und Denkansätze versuche ich, den philosophischen und praktikablen Gehalt dieser von verschiedenen Standpunkten aus zu beleuchten, zu verstehen und wenn möglich in mein irdisches Leben zu integrieren. Die daraus resultierende Vielfalt gebe ich gerne an Interessierte weiter. Die Bereicherung ergibt sich durch den Einsatz der Fantasie und der gelebten Kreativität bei der Anwendung.
Die Erhöhung der Toleranzgrenze ist ein wichtiger Nebenaspekt beim Umgang mit dem Neuen und Unbekannten.
Ich wünsche euch allen ein offenes Herz, wache Augen und feine Ohren beim Erspüren der Nuancen, die das Leben bietet.



Lasst euch berühren!

Zum Inhalt

Die Wirklichkeit wird in diesem Buch auf eine einfache Größe reduziert. Wenn sich Traum, Realität und beschriebene Erfahrung aus Jahrtausenden gegenüberstehen, verschwimmen die Grenzen von Bewusstsein und Unterbewusstsein. Als wichtig kann nur das erkannt werden, was in den persönlichen Entscheidungen eine tragende Rolle spielen soll. Was jeder Mensch als geltende Fakten anerkennen will, bestimmt nur er allein und daraus resultieren dann die gesetzten Schritte auf seinem Lebensweg.
Die hier angewandte Methode, Entscheidungen mit Denkhilfen in Form von Karten aus dem Spiel des Tarots zu finden, ist sehr alt. Ganz ohne weitere Interpretationen kann allein aus der bildlichen Darstellung einzelner Themen in einer Karte schon ein anderer Denkansatz gefunden werden und dafür sorgen, dass man seine persönlichen Strategiemuster durchbricht und dadurch neue oder ergänzende Möglichkeiten findet.
Eigene reale Erfahrungen wurden hier in einer Geschichte verwoben, die sich aus den rituell gezogenen Karten ergab. Realität und Fiktion der Erzählung ergänzen sich zu parallellaufenden Lebensbildern, gespeist aus Fantasie und wirklichem Erleben.
Die dazu gezeichneten Bilder in Form von Karten bieten Symbole zu bestimmten Inhalten an. Sie hinterlassen Eindrücke, die zu weiteren Überlegungen führen können. So nimmt jeder aus der Geschichte mit, was er ganz persönlich für sein Weiterkommen nutzen will.

Viel Glück!



Die Götter müssen verrückt sein!
oder
Auch das Schicksal spielt Tarot


Teil 1


Das Spiel mit den Schicksalskarten

Es regnete ohne Unterlass, und das seit vielen Tagen.
Meine Stimmung war auf dem Nullpunkt. Nach Wochen des Schweigens hatte ich heute noch einmal vergebens versucht, mit meinem Mann zu reden. Verzweifelt wollte ich einen letzten Anlauf nehmen, meine Ehe zu retten. Das Gespräch geriet zu einem Debakel und als Ergebnis rannte ich seit Stunden durch diese Wasserwüste, weil ich so unglücklich war und mir nicht eingestehen konnte, dass ich verloren hatte.
Nach vierzig gemeinsamen Jahren musste ich endlich einsehen, dass wir uns auseinandergelebt hatten und nichts mehr daran zu ändern war. Auch die größte Anstrengung würde keinen Zweck haben, es war vorbei.
Mich erstmals umblickend, wusste ich nicht, wo ich mich befand!
Wie es schien, war ich sehr weit gelaufen, denn die Gegend war mir völlig unbekannt. Ich befand mich in einem kleinen Tal. Es war locker bewaldet und kein Haus war zu sehen.
Ich wäre froh gewesen, wenn ich hätte irgendwo einkehren können, denn mir war kalt geworden, meine Kleider trieften vor Nässe und ich hatte großen Hunger.
Verzagt folgte ich dem Weg, den ich bisher gelaufen war, ohne nachzudenken, und hoffte, dass ich irgendwo ein Hinweisschild fände, das mir weiterhelfen könnte.
An der nächsten Wegbiegung erschien, versteckt hinter großen Haselnusssträuchern, ein einziges kleines und sehr altes Haus. In einem der winzigen und fast blinden Fenster erkannte ich einen Lichtschein, was auf einen Bewohner schließen ließ!
Hier wollte ich nach dem Weg fragen! Ich durchquerte den kleinen, gepflegten Vorgarten.
Auf mein zaghaftes Klopfen wurde die hölzerne Eingangstüre knarrend geöffnet und eine alte Frau steckte ihren Kopf heraus.
Ich lächelte unwillkürlich, weil ich mir wie im Märchen von Hänsel und Gretel vorkam, als die beiden bei der Hexe gelandet waren.
An den Wänden des Häuschens befanden sich zwar keine Lebkuchen, aber aus dem Knusperhaus hier strömte ein wunderbarer Duft nach heißem Kräutertee.
Und die Hexe entpuppte sich als nette alte Dame, die sofort erkannte, wie es um mich stand und mich ins Haus bat.
Sie bot mir eine Tasse herrlich heißen Tees an, hängte meine Jacke und die Jeans an einem alten Holzofen zum Trocknen auf, wickelte mich in eine Decke und meinte gemütlich: „Gleich wird es Ihnen wieder besser gehen!“ Schweigend genossen wir das heiße Getränk, das sie in zwei altmodischen Bechern reichte.
Währenddessen schaute sie mich mit eigenartig prüfenden Blicken an und meinte nach einer Weile: „Es wird noch einige Zeit dauern, bis Sie sich wieder aufgewärmt haben. Ich glaube, wir sollten die Karten suchen und sehen, was sie uns sagen!“
Ich war überrascht und mit verständnislos fragendem Blick sah ich ihr dabei zu, wie sie ein schwarzes Samttuch auf einem kleinen Tischchen auslegte, eine Kerze entzündete, das Zimmerlicht löschte, am Tisch Platz nahm und eine geheimnisvolle Schachtel in der Mitte abstellte. Sie öffnete diese Schatulle und beförderte ein ziemlich dickes Paket Spielkarten zutage.
Von meinem Platz aus konnte ich sehen, dass sich auf den Karten bunte Malereien mit Menschen und Tieren befanden. Sie sahen jedenfalls völlig anders aus als die, welche ich kannte.
„Haben Sie schon einmal das Spiel mit den Karten des Schicksals erlebt?“, fragte sie und sah mich an. Als ich verneinte, rückte sie mich näher zu sich heran. Sie schob mich mit dem Ohrensessel, in dem ich, in einer Decke fest eingewickelt, saß, näher an den Ofen und damit auch gleich zum Tisch, an dem sie das Spiel ausgebreitet hatte.
Das Blatt wurde gemischt, dann musste ich abheben, fünf Karten wurden gezogen und in bestimmter Reihenfolge mit der Vorderseite nach unten aufgelegt.
Sie drehte die erste Karte um und eine Königin erschien.
Ich war plötzlich sehr erschöpft und müde. Wie aus weiter Ferne hörte ich die alte Dame etwas murmeln, das mit dieser Karte zu tun hatte. Doch da war ich bereits in einem Traum gefangen.

Im Nirwana ist die Hölle los!

Der Haussegen über dem unendlichen Glück im Paradies der Ewigkeit hing schief, sogar mehr als schief und dies schon seit geraumer Zeit.
Die göttliche Welt Nirwana war ein Reich mit besonderen Einwohnern. Es bestand aus vier Provinzen: dem Reich der Schwertritter, das Heimat des Königs war, dem Herrschaftsgebiet der Münzreichen, dem die Königin selbst entstammte, dem Reich der grünen Stäbe und dem Gebiet der Ritter der goldenen Kelche.
Und die Herrscherin dieser Welt war seit vielen Tagen sehr besorgt und verzweifelt. Man sollte meinen, dieser Zustand wäre hier in diesem heiligen Kosmos gar nicht möglich, doch wenn einem aus ihrem Gemach kommend, die herrlichsten Pokale aus dem Reich der goldenen Kelche wegen ihres Jähzorns um die Ohren flogen, dann zog jeder den Kopf ein und suchte das Weite.
Ihre Majestät war verzweifelt und hatte deshalb schlechte Laune!
Wenn es aber die langen und grünen, speerähnlichen Stäbe waren, welche die waffenerprobte Königin schleuderte und die pfeilschnell durch die Gänge zischten, war besonders rasche Flucht angesagt.
Die Herrscherin hatte dann nämlich noch schlechtere Laune!
Weniger Probleme hatten die Bediensteten damit, wenn haufenweise Goldmünzen durch die Gegend geschleudert wurden, denn da fiel manchmal auch für sie etwas ab. Aber der Spaß hörte auch für den König auf, wenn manchmal sogar einige seiner gewaltigen Schwerter zischend durch die Luft sausten und in den diversen Möbeln, Bildern oder Wänden stecken blieben.
Ihre Majestät hatte in dem Fall dann wahrhaftig die schlechteste Laune und niemand konnte sie beruhigen!
Und diese gefährlichen Zustände wechselten sich seit vielen Tagen an Intensität und Lautstärke ab, ohne dass der Grund für die Bewohner des Paradieses klar ersichtlich war.
Die Herrscherin war gewöhnlich keine zornige Person, aber durch einige besondere, nur ihr bekannte Umstände hatte sie derart die Contenance verloren, dass der Aufenthalt in ihrer unmittelbaren Umgebung seit einigen Wochen ziemlich ungesund war.
Grund für diese Ausbrüche war ein Gerücht, das ihr vor längerer Zeit zu Ohren gekommen war und das die Hohepriesterin ihr auch noch bestätigt hatte.
Im Augenblick dachte sie gerade wieder daran und lehnte völlig aufgelöst auf ihrem Thronsessel, der wie eine Liege gestaltet war, im Salon der Göttinnen. Zwischen bestickten Kissen, weichen Decken und mit Spitzen verzierten Stützpolstern lag sie und dachte daran, was ihr über ihren Gatten zugetragen worden war. Dabei hatte sie einen herzförmigen Schild auf dem Schoss, der mit dem goldenen Zeichen der Venus verziert und ein Geschenk ihres Mannes war. Sie blickte ihn seufzend an und konnte sich noch immer nicht beruhigen.

Die nächste Karte

Dass ich kurz eingenickt war, erkannte ich daran, dass ich mich ruckartig aufrichtete und mich etwas verloren im Raum umsah, der mir zwar fremd, aber trotzdem merkwürdig vertraut war. Die Kartenlegerin hatte die nächste Karte umgedreht.
Das Blatt des Königs war aufgedeckt. Er strahlte Angriffslust, Arroganz und Härte aus, wie er so auf seinem Thron saß, der mit Widderköpfen verziert war. Mit der Ritterrüstung und einem weiten Umhang wirkte er wie auf dem Sprung zu einem nächsten Abenteuer.
„Ich hatte gerade einen sehr erschreckenden Traum!“, erzählte ich und zog die Decke fester um mich herum.
Meine Gastgeberin blickte mich wissend an, sagte aber nichts dazu.
Sie legte die Hand auf die Karte des Königs und meinte dann: „Oje, da kommt aber ein ziemliches Unwetter daher!“
Fragend schaute ich auf das Bild und das begann lautlos zu erzählen.

Die Ruhe vor dem Sturm!

Der oberste Herrscher und Kriegsherr hatte jedenfalls genug von dem seit vielen Tagen im Götterhimmel herrschenden Theater. Vor kurzem erst von einer kriegerischen und schwierigen Auseinandersetzung aus einem Nachbarstaat zurückgekehrt, hatte er keine Ahnung und auch kein Verständnis dafür, was diesen Sturm der Emotionen ausgelöst haben könnte, weil seine Gattin ihm nichts dazu sagen wollte. Wenn er sie dahingehend anredete, verwandelte sie sich in einen Tiger, der selbst ihn angriff und dann nicht zu stoppen war.

Er verstand seine sonst so umgängliche Gemahlin nicht mehr!
Mit Kriegen, Schlachten oder Scharmützeln kannte er sich aus. Ohne Furcht konnte er in die schwierigsten Konflikte ziehen, aber das Problem mit seiner Königin zerrte an seinen Nerven und er wollte es gelöst sehen. Seine üblichen, ganz und gar nicht sauberen Methoden waren ja hier aus nachvollziehbaren Gründen nicht anwendbar. Und genau deshalb fühlte er sich im Moment ziemlich hilflos und das konnte er schon überhaupt nicht vertragen.
Heute berief er als oberster Herrscher daher seinen Führungsstab zu einer sofortigen Beratung in den Thronsaal, denn er wollte endlich wieder seine Ruhe im Reich haben.
Im Thronsaal des Nirwana der Götter waren schon die meisten der Mitglieder des Hohen Rates, der ‚das große Arkanum‘ genannt wurde, versammelt. Jedes Mitglied der paradiesischen Regierung besaß in der mächtigen Halle seiner Bedeutung gemäß eine eigene Loge, die es mit seinen Getreuen teilte.
Im riesigen Saal eilten viele Bedienstete umher zur Versorgung der Ankömmlinge und um deren Wünsche zu erfüllen.
Der Herrscher nahm sofort nach seiner Ankunft in der Halle auf seinem Steinthron Platz. Dieser stand an der Stirnseite des Saales unter einem enorm großen Baldachin und alle Logen waren mit dem Blick auf ihn ausgerichtet.
Die vier zur Verzierung angebrachten mächtigen Widderköpfe, zwei an den Armstützen und zwei oben links und rechts an der Lehne, blickten martialisch in die Runde. Diesen Eindruck verstärkte die stählerne Rüstung des Königs, die er unter einem wie eine Toga geschlungenen Gewand trug und die ihn kampfbereit erscheinen ließ. An den Insignien des Herrschers, seinem Zepter und dem Reichsapfel, schien er sich verkrampft festzuhalten. Das Zepter hatte die Form des ägyptischen Symbols für Leben, ein ‚Ankh‘ und der Apfel stellte die Welt dar.
Die schwere Herrscherkrone drückte so sehr auf sein Haupt, dass sich die Sorgenfalten noch tiefer ins unzufriedene Gesicht gruben und den unnahbaren Ausdruck seiner Miene so verstärkten, dass jeder mit seiner Vernichtung rechnen sollte, der ihm in die Quere kam.

Erinnerungen werden wach

Als ich meinen Blick von der Karte löste, musste ich meinen Kopf betroffen und ungläubig mehrmals schütteln, weil ich nicht begreifen konnte, dass ich gerade eine Botschaft in Form einer Geschichte durch ein Bild erhalten hatte.
„Welches Spiel ist das nur, das so eindrückliche Inhalte vermittelt und einen zum Träumen verleitet?“, fragte ich erstaunt.
Das Spiel des Schicksals werde auch Tarot genannt und nur noch wenige Personen besitzen die Gabe, es so einzusetzen, wie ich es gerade erlebte, wurde ich belehrt. Die dabei auftauchenden Geschichten könnten die Spieler an Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit erinnern. Manchmal würden auch zukünftige Ereignisse genannt und sehr oft würde gezeigt, wie man damit umgehen solle. Würde man einen weiteren Rat brauchen, könne man neue Blätter ziehen und befragen.
Die nächste Karte brachte die Hohepriesterin ins Spiel. Diese saß auf einem Thronsessel zwischen zwei Säulen, eine schwarz, die andere weiß. Sie trug das Zeichen der Göttin Isis als Krone mit den Hörnern des Apisstieres und der Weltkugel in der Mitte. Ihre Ankunft erhöhte für mich augenblicklich die Spannung. Ich fragte mich vom Spiel bereits völlig gefangen, welche Nachricht sie wohl auch für mich hätte. Die gelegten Karten riefen in mir eine leise Erinnerung und auch eine Überzeugung hervor. Mir war so, als wären mir die Erzählung und die handelnden Personen schon lange bekannt. Denn auch mein Leben war in Unordnung geraten, brachte mich innerlich zum Toben und mein Mann erschien mir oft als herrisch und als ein Tyrann. Bereits jetzt war ich überzeugt davon, dass sich in Zukunft einiges bei mir ändern würde.

Die Götter müssen verrückt sein!
oder
Auch das Schicksal spielt Tarot

Einleitung

Sie kennen mich schon? Nein? Sie haben noch keines meiner Abenteuer verfolgen können?
Dann muss ich mich schnell vorstellen:
„Guten Tag, ich bin der Weltensucher!“
Meine Aufgabe besteht darin, völlig neue Welten zu finden, sie zu erforschen, die nötigen Schlüsse daraus zu ziehen und sie den Erdenbewohnern zugänglich zu machen.
Nicht nur eine andere Umgebung will ich erkunden, sondern auch besondere Denkweisen, verschiedene Arten des sozialen Verhaltens, Möglichkeiten einer ungewöhnlichen Lebensführung und die nötige Toleranz, die das Verständnis für das Fremde verlangt. Als Mensch auf einer Reise durch den Weltraum der unterschiedlichen Lebens- und Denkansätze versuche ich, den philosophischen und praktikablen Gehalt dieser von verschiedenen Standpunkten aus zu beleuchten, zu verstehen und wenn möglich in mein irdisches Leben zu integrieren. Die daraus resultierende Vielfalt gebe ich gerne an Interessierte weiter. Die Bereicherung ergibt sich durch den Einsatz der Fantasie und der gelebten Kreativität bei der Anwendung.
Die Erhöhung der Toleranzgrenze ist ein wichtiger Nebenaspekt beim Umgang mit dem Neuen und Unbekannten.
Ich wünsche euch allen ein offenes Herz, wache Augen und feine Ohren beim Erspüren der Nuancen, die das Leben bietet.



Lasst euch berühren!

Zum Inhalt

Die Wirklichkeit wird in diesem Buch auf eine einfache Größe reduziert. Wenn sich Traum, Realität und beschriebene Erfahrung aus Jahrtausenden gegenüberstehen, verschwimmen die Grenzen von Bewusstsein und Unterbewusstsein. Als wichtig kann nur das erkannt werden, was in den persönlichen Entscheidungen eine tragende Rolle spielen soll. Was jeder Mensch als geltende Fakten anerkennen will, bestimmt nur er allein und daraus resultieren dann die gesetzten Schritte auf seinem Lebensweg.
Die hier angewandte Methode, Entscheidungen mit Denkhilfen in Form von Karten aus dem Spiel des Tarots zu finden, ist sehr alt. Ganz ohne weitere Interpretationen kann allein aus der bildlichen Darstellung einzelner Themen in einer Karte schon ein anderer Denkansatz gefunden werden und dafür sorgen, dass man seine persönlichen Strategiemuster durchbricht und dadurch neue oder ergänzende Möglichkeiten findet.
Eigene reale Erfahrungen wurden hier in einer Geschichte verwoben, die sich aus den rituell gezogenen Karten ergab. Realität und Fiktion der Erzählung ergänzen sich zu parallellaufenden Lebensbildern, gespeist aus Fantasie und wirklichem Erleben.
Die dazu gezeichneten Bilder in Form von Karten bieten Symbole zu bestimmten Inhalten an. Sie hinterlassen Eindrücke, die zu weiteren Überlegungen führen können. So nimmt jeder aus der Geschichte mit, was er ganz persönlich für sein Weiterkommen nutzen will.

Viel Glück!



Die Götter müssen verrückt sein!
oder
Auch das Schicksal spielt Tarot


Teil 1


Das Spiel mit den Schicksalskarten

Es regnete ohne Unterlass, und das seit vielen Tagen.
Meine Stimmung war auf dem Nullpunkt. Nach Wochen des Schweigens hatte ich heute noch einmal vergebens versucht, mit meinem Mann zu reden. Verzweifelt wollte ich einen letzten Anlauf nehmen, meine Ehe zu retten. Das Gespräch geriet zu einem Debakel und als Ergebnis rannte ich seit Stunden durch diese Wasserwüste, weil ich so unglücklich war und mir nicht eingestehen konnte, dass ich verloren hatte.
Nach vierzig gemeinsamen Jahren musste ich endlich einsehen, dass wir uns auseinandergelebt hatten und nichts mehr daran zu ändern war. Auch die größte Anstrengung würde keinen Zweck haben, es war vorbei.
Mich erstmals umblickend, wusste ich nicht, wo ich mich befand!
Wie es schien, war ich sehr weit gelaufen, denn die Gegend war mir völlig unbekannt. Ich befand mich in einem kleinen Tal. Es war locker bewaldet und kein Haus war zu sehen.
Ich wäre froh gewesen, wenn ich hätte irgendwo einkehren können, denn mir war kalt geworden, meine Kleider trieften vor Nässe und ich hatte großen Hunger.
Verzagt folgte ich dem Weg, den ich bisher gelaufen war, ohne nachzudenken, und hoffte, dass ich irgendwo ein Hinweisschild fände, das mir weiterhelfen könnte.
An der nächsten Wegbiegung erschien, versteckt hinter großen Haselnusssträuchern, ein einziges kleines und sehr altes Haus. In einem der winzigen und fast blinden Fenster erkannte ich einen Lichtschein, was auf einen Bewohner schließen ließ!
Hier wollte ich nach dem Weg fragen! Ich durchquerte den kleinen, gepflegten Vorgarten.
Auf mein zaghaftes Klopfen wurde die hölzerne Eingangstüre knarrend geöffnet und eine alte Frau steckte ihren Kopf heraus.
Ich lächelte unwillkürlich, weil ich mir wie im Märchen von Hänsel und Gretel vorkam, als die beiden bei der Hexe gelandet waren.
An den Wänden des Häuschens befanden sich zwar keine Lebkuchen, aber aus dem Knusperhaus hier strömte ein wunderbarer Duft nach heißem Kräutertee.
Und die Hexe entpuppte sich als nette alte Dame, die sofort erkannte, wie es um mich stand und mich ins Haus bat.
Sie bot mir eine Tasse herrlich heißen Tees an, hängte meine Jacke und die Jeans an einem alten Holzofen zum Trocknen auf, wickelte mich in eine Decke und meinte gemütlich: „Gleich wird es Ihnen wieder besser gehen!“ Schweigend genossen wir das heiße Getränk, das sie in zwei altmodischen Bechern reichte.
Währenddessen schaute sie mich mit eigenartig prüfenden Blicken an und meinte nach einer Weile: „Es wird noch einige Zeit dauern, bis Sie sich wieder aufgewärmt haben. Ich glaube, wir sollten die Karten suchen und sehen, was sie uns sagen!“
Ich war überrascht und mit verständnislos fragendem Blick sah ich ihr dabei zu, wie sie ein schwarzes Samttuch auf einem kleinen Tischchen auslegte, eine Kerze entzündete, das Zimmerlicht löschte, am Tisch Platz nahm und eine geheimnisvolle Schachtel in der Mitte abstellte. Sie öffnete diese Schatulle und beförderte ein ziemlich dickes Paket Spielkarten zutage.
Von meinem Platz aus konnte ich sehen, dass sich auf den Karten bunte Malereien mit Menschen und Tieren befanden. Sie sahen jedenfalls völlig anders aus als die, welche ich kannte.
„Haben Sie schon einmal das Spiel mit den Karten des Schicksals erlebt?“, fragte sie und sah mich an. Als ich verneinte, rückte sie mich näher zu sich heran. Sie schob mich mit dem Ohrensessel, in dem ich, in einer Decke fest eingewickelt, saß, näher an den Ofen und damit auch gleich zum Tisch, an dem sie das Spiel ausgebreitet hatte.
Das Blatt wurde gemischt, dann musste ich abheben, fünf Karten wurden gezogen und in bestimmter Reihenfolge mit der Vorderseite nach unten aufgelegt.
Sie drehte die erste Karte um und eine Königin erschien.
Ich war plötzlich sehr erschöpft und müde. Wie aus weiter Ferne hörte ich die alte Dame etwas murmeln, das mit dieser Karte zu tun hatte. Doch da war ich bereits in einem Traum gefangen.

Im Nirwana ist die Hölle los!

Der Haussegen über dem unendlichen Glück im Paradies der Ewigkeit hing schief, sogar mehr als schief und dies schon seit geraumer Zeit.
Die göttliche Welt Nirwana war ein Reich mit besonderen Einwohnern. Es bestand aus vier Provinzen: dem Reich der Schwertritter, das Heimat des Königs war, dem Herrschaftsgebiet der Münzreichen, dem die Königin selbst entstammte, dem Reich der grünen Stäbe und dem Gebiet der Ritter der goldenen Kelche.
Und die Herrscherin dieser Welt war seit vielen Tagen sehr besorgt und verzweifelt. Man sollte meinen, dieser Zustand wäre hier in diesem heiligen Kosmos gar nicht möglich, doch wenn einem aus ihrem Gemach kommend, die herrlichsten Pokale aus dem Reich der goldenen Kelche wegen ihres Jähzorns um die Ohren flogen, dann zog jeder den Kopf ein und suchte das Weite.
Ihre Majestät war verzweifelt und hatte deshalb schlechte Laune!
Wenn es aber die langen und grünen, speerähnlichen Stäbe waren, welche die waffenerprobte Königin schleuderte und die pfeilschnell durch die Gänge zischten, war besonders rasche Flucht angesagt.
Die Herrscherin hatte dann nämlich noch schlechtere Laune!
Weniger Probleme hatten die Bediensteten damit, wenn haufenweise Goldmünzen durch die Gegend geschleudert wurden, denn da fiel manchmal auch für sie etwas ab. Aber der Spaß hörte auch für den König auf, wenn manchmal sogar einige seiner gewaltigen Schwerter zischend durch die Luft sausten und in den diversen Möbeln, Bildern oder Wänden stecken blieben.
Ihre Majestät hatte in dem Fall dann wahrhaftig die schlechteste Laune und niemand konnte sie beruhigen!
Und diese gefährlichen Zustände wechselten sich seit vielen Tagen an Intensität und Lautstärke ab, ohne dass der Grund für die Bewohner des Paradieses klar ersichtlich war.
Die Herrscherin war gewöhnlich keine zornige Person, aber durch einige besondere, nur ihr bekannte Umstände hatte sie derart die Contenance verloren, dass der Aufenthalt in ihrer unmittelbaren Umgebung seit einigen Wochen ziemlich ungesund war.
Grund für diese Ausbrüche war ein Gerücht, das ihr vor längerer Zeit zu Ohren gekommen war und das die Hohepriesterin ihr auch noch bestätigt hatte.
Im Augenblick dachte sie gerade wieder daran und lehnte völlig aufgelöst auf ihrem Thronsessel, der wie eine Liege gestaltet war, im Salon der Göttinnen. Zwischen bestickten Kissen, weichen Decken und mit Spitzen verzierten Stützpolstern lag sie und dachte daran, was ihr über ihren Gatten zugetragen worden war. Dabei hatte sie einen herzförmigen Schild auf dem Schoss, der mit dem goldenen Zeichen der Venus verziert und ein Geschenk ihres Mannes war. Sie blickte ihn seufzend an und konnte sich noch immer nicht beruhigen.

Die nächste Karte

Dass ich kurz eingenickt war, erkannte ich daran, dass ich mich ruckartig aufrichtete und mich etwas verloren im Raum umsah, der mir zwar fremd, aber trotzdem merkwürdig vertraut war. Die Kartenlegerin hatte die nächste Karte umgedreht.
Das Blatt des Königs war aufgedeckt. Er strahlte Angriffslust, Arroganz und Härte aus, wie er so auf seinem Thron saß, der mit Widderköpfen verziert war. Mit der Ritterrüstung und einem weiten Umhang wirkte er wie auf dem Sprung zu einem nächsten Abenteuer.
„Ich hatte gerade einen sehr erschreckenden Traum!“, erzählte ich und zog die Decke fester um mich herum.
Meine Gastgeberin blickte mich wissend an, sagte aber nichts dazu.
Sie legte die Hand auf die Karte des Königs und meinte dann: „Oje, da kommt aber ein ziemliches Unwetter daher!“
Fragend schaute ich auf das Bild und das begann lautlos zu erzählen.

Die Ruhe vor dem Sturm!

Der oberste Herrscher und Kriegsherr hatte jedenfalls genug von dem seit vielen Tagen im Götterhimmel herrschenden Theater. Vor kurzem erst von einer kriegerischen und schwierigen Auseinandersetzung aus einem Nachbarstaat zurückgekehrt, hatte er keine Ahnung und auch kein Verständnis dafür, was diesen Sturm der Emotionen ausgelöst haben könnte, weil seine Gattin ihm nichts dazu sagen wollte. Wenn er sie dahingehend anredete, verwandelte sie sich in einen Tiger, der selbst ihn angriff und dann nicht zu stoppen war.

Er verstand seine sonst so umgängliche Gemahlin nicht mehr!
Mit Kriegen, Schlachten oder Scharmützeln kannte er sich aus. Ohne Furcht konnte er in die schwierigsten Konflikte ziehen, aber das Problem mit seiner Königin zerrte an seinen Nerven und er wollte es gelöst sehen. Seine üblichen, ganz und gar nicht sauberen Methoden waren ja hier aus nachvollziehbaren Gründen nicht anwendbar. Und genau deshalb fühlte er sich im Moment ziemlich hilflos und das konnte er schon überhaupt nicht vertragen.
Heute berief er als oberster Herrscher daher seinen Führungsstab zu einer sofortigen Beratung in den Thronsaal, denn er wollte endlich wieder seine Ruhe im Reich haben.
Im Thronsaal des Nirwana der Götter waren schon die meisten der Mitglieder des Hohen Rates, der ‚das große Arkanum‘ genannt wurde, versammelt. Jedes Mitglied der paradiesischen Regierung besaß in der mächtigen Halle seiner Bedeutung gemäß eine eigene Loge, die es mit seinen Getreuen teilte.
Im riesigen Saal eilten viele Bedienstete umher zur Versorgung der Ankömmlinge und um deren Wünsche zu erfüllen.
Der Herrscher nahm sofort nach seiner Ankunft in der Halle auf seinem Steinthron Platz. Dieser stand an der Stirnseite des Saales unter einem enorm großen Baldachin und alle Logen waren mit dem Blick auf ihn ausgerichtet.
Die vier zur Verzierung angebrachten mächtigen Widderköpfe, zwei an den Armstützen und zwei oben links und rechts an der Lehne, blickten martialisch in die Runde. Diesen Eindruck verstärkte die stählerne Rüstung des Königs, die er unter einem wie eine Toga geschlungenen Gewand trug und die ihn kampfbereit erscheinen ließ. An den Insignien des Herrschers, seinem Zepter und dem Reichsapfel, schien er sich verkrampft festzuhalten. Das Zepter hatte die Form des ägyptischen Symbols für Leben, ein ‚Ankh‘ und der Apfel stellte die Welt dar.
Die schwere Herrscherkrone drückte so sehr auf sein Haupt, dass sich die Sorgenfalten noch tiefer ins unzufriedene Gesicht gruben und den unnahbaren Ausdruck seiner Miene so verstärkten, dass jeder mit seiner Vernichtung rechnen sollte, der ihm in die Quere kam.

Erinnerungen werden wach

Als ich meinen Blick von der Karte löste, musste ich meinen Kopf betroffen und ungläubig mehrmals schütteln, weil ich nicht begreifen konnte, dass ich gerade eine Botschaft in Form einer Geschichte durch ein Bild erhalten hatte.
„Welches Spiel ist das nur, das so eindrückliche Inhalte vermittelt und einen zum Träumen verleitet?“, fragte ich erstaunt.
Das Spiel des Schicksals werde auch Tarot genannt und nur noch wenige Personen besitzen die Gabe, es so einzusetzen, wie ich es gerade erlebte, wurde ich belehrt. Die dabei auftauchenden Geschichten könnten die Spieler an Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit erinnern. Manchmal würden auch zukünftige Ereignisse genannt und sehr oft würde gezeigt, wie man damit umgehen solle. Würde man einen weiteren Rat brauchen, könne man neue Blätter ziehen und befragen.
Die nächste Karte brachte die Hohepriesterin ins Spiel. Diese saß auf einem Thronsessel zwischen zwei Säulen, eine schwarz, die andere weiß. Sie trug das Zeichen der Göttin Isis als Krone mit den Hörnern des Apisstieres und der Weltkugel in der Mitte. Ihre Ankunft erhöhte für mich augenblicklich die Spannung. Ich fragte mich vom Spiel bereits völlig gefangen, welche Nachricht sie wohl auch für mich hätte. Die gelegten Karten riefen in mir eine leise Erinnerung und auch eine Überzeugung hervor. Mir war so, als wären mir die Erzählung und die handelnden Personen schon lange bekannt. Denn auch mein Leben war in Unordnung geraten, brachte mich innerlich zum Toben und mein Mann erschien mir oft als herrisch und als ein Tyrann. Bereits jetzt war ich überzeugt davon, dass sich in Zukunft einiges bei mir ändern würde.

Das könnte ihnen auch gefallen :

Auch das Schicksal spielt Tarot

Stan Wolf

Bildband Steine der Macht

Weitere Bücher von diesem Autor

Auch das Schicksal spielt Tarot

Brigitta Frank-Weinelt

Die Welt der 33 Planeten

Buchbewertung:
*Pflichtfelder