Schmackhaft vegetarisch ohne Knoblauch und Zwiebeln
Das etwas andere Kochbuch
EUR 21,90
Format: 18 x 24 cm
Seitenanzahl: 152
ISBN: 978-3-7116-0524-5
Erscheinungsdatum: 24.06.2025
Neuheit: ein vegetarisches Kochbuch mit spannenden Rezepten, die völlig ohne Knoblauch und Zwiebeln auskommen. Stattdessen kommen interessante „Geschmacksgeber“ zum Einsatz, welche die Aromen der übrigen Zutaten hervorheben, aber nicht erschlagen.
1 Vorwort der Verfasserin
Wenn dir etwas
nicht gefällt, ändere es!
Ich habe ganz bewusst dieses Zitat als Einstieg gewählt, weil mich schon immer gestört hat, dass die meisten Rezepte, sowohl in Kochbüchern als auch in Zeitschriften, nicht ohne Knoblauch und/oder Zwiebeln auskommen. Da ich beides – leider – nicht vertrage, muss ich kreativ werden, um Geschmack in meine Gerichte, die zudem ohne Fleisch und Fisch sind, zu bekommen. Die Kreativität habe ich in meiner Kindheit bei meinem Vater abgeschaut, der am Wochenende aus Resten, die während der Woche von Mahlzeiten übriggeblieben waren, wunderbare Suppen kreiert hat.
Ich selbst koche und experimentiere seit meiner Jugend sehr gern, was damals besonders wichtig war, weil es für Vegetarier früher weitaus weniger Alternativen zu Fleisch und Fisch gab als heute und Gemüse aus fernen Ländern weitgehend unbekannt waren. Hinzu kommt, dass meine Eltern ausgesprochene Fleischesser waren (und sind) und nicht unbedingt tolerant reagierten, als ich verkündete, kein Fleisch mehr essen zu wollen.
Heute lade ich oft Besuch zum Essen ein, und einige meiner stets zufriedenen Gäste haben mich schon wiederholt gefragt, ob ich nicht endlich ein Kochbuch schreiben wolle. Nun möchte ich diesem Wunsch nachkommen und einige meiner beliebtesten Gerichte gesammelt vorstellen. Ich habe fast ausschließlich solche aufgenommen, die nicht alltäglich und somit nicht in anderen Kochbüchern zu finden sind. Es sind alles eigene Kreationen; einige wenige sind Variationen auf gängige Gerichte (siehe beispielsweise Kap. 3.1.3).
Mein Ziel ist es jedoch nicht, einfach nur eine Reihe von Rezepten ohne Zwiebelgewächse zu Papier zu bringen, sondern ich möchte Leute, die behaupten, nicht kochen zu können oder zu wollen, dazu ermutigen, sich vielleicht doch einmal mit der Zubereitung von Essen zu beschäftigen. So schwierig ist das nämlich nicht, vor allem, wenn man gerne Unbekanntes ausprobiert, und für die meisten Gerichte, die ich hier präsentieren werde, ist auch kein großer Zeitaufwand erforderlich. Wenn ich Gäste einlade, achte ich bewusst darauf, dass ich nicht nur in der Küche stehe, sondern möglichst viel vorbereiten und gegebenenfalls Übriggebliebenes einfrieren kann, denn mir widerstrebt es, Lebensmittel wegzuwerfen. An Tagen, an denen ich keine Zeit zum Kochen habe, taue ich diese Speisen auf, oder aber ich verwende sie als Basis für ein anderes Gericht.
Es lohnt sich also wirklich, selbst am Herd zu stehen, auch wenn Sie nur für sich alleine kochen – das ist bei mir selbst meist der Fall. Gesünder als Fertiggerichte ist das ohne Frage, und es schont den Geldbeutel. Restaurantbesuche sind sehr kostspielig, außerdem weiß man nichts über die Herkunft der Speisen. Oft sind auch Zutaten im Essen, die man nicht besonders mag, oder die vielleicht subjektiv nicht sehr bekömmlich sind. Für die meisten Gerichte in meinem Buch ist ein Zeitaufwand von weniger als einer Stunde erforderlich, sofern Sie, wie ich, zumindest einen Teil der Gemüse, die Sie verwenden, vorbereitet im Kühl- oder Gefrierschrank haben. Die Ziehzeit für Eintöpfe und Salate ist natürlich nicht eingerechnet. Ihnen wird sicher nicht entgehen, dass sehr viele meiner Rezepte Karotten (Möhren) – vorwiegend in gekochter Form – enthalten. Dafür gibt es mehrere Gründe: Erstens sind sie ein vergleichsweise kostengünstiges Gemüse, welches ganzjährig überall und in gleichbleibender Qualität erhältlich ist. Zweitens mag und verträgt sie fast jeder – ich zumindest kenne niemanden, der Karotten nicht isst. Drittens sind sie sehr vielseitig verwendbar und harmonieren mit fast allen Gemüsen und Getreideprodukten.
Seien Sie mutig und probieren Sie meine Rezeptvorschläge unter Einbeziehung Ihres persönlichen Geschmacks aus. Um Ihnen das zu erleichtern, verzichte ich bei einigen Rezepten auf genaue Mengenangaben. Vergleichen wir die Zubereitung eines Essens mit dem Bau eines Hauses: Um auf einem soliden Fundament aufbauen zu können, ist ein Gerüst erforderlich. Das Gericht ist das Haus, das Rezept das Gerüst, welches die Fertigstellung des Gerichts unterstützt. Lassen Sie sich von Ihrer Intuition leiten und „bauen Sie das Gerüst ab“, indem Sie das Rezept nach Belieben abwandeln. Qualitativ hochwertige Zutaten sorgen für ein noch besseres Geschmackserlebnis, ebenso wie hochwertige Baumaterialien die Wohnqualität erhöhen.
An dieser Stelle möchte ich ein wunderbares Zitat von Paul Ivić, einem Spitzenkoch der vegetarischen Küche, anbringen:
„Ich koche intuitiv. Rezepte dienen als Anleitung, vergleichbar mit einer Reiseroute. Wenn das Ziel feststeht, kann der Weg selbst gewählt werden. Soll es die ausgeschilderte Route sein oder verändere ich die Strecke, nehme ich die Küstenstraße oder die Autobahn? Und so sind auch meine Rezepte Wegweiser zum Ziel – können, dürfen und sollen aber abgewandelt werden.“
Und weiter: „Für meine Kochbücher schreibe ich Rezepte, die man zu Hause nachkochen kann. Sie sind das ABC, auf dem Sie aufbauen können und der Wegweiser zum Ziel. Ein Rezept soll Ihnen helfen, Sicherheit zu gewinnen. Diese Sicherheit ist der Grundstein, sich weiterzuentwickeln, Neues zu kreieren und unbekannte Pfade zu gehen. Wie verhält sich das Gericht, wenn ich dieses Gewürz hinzufüge, wie, wenn ich jenes Gemüse austausche? Zu experimentieren bringt viel Spaß mit sich. Am Ende haben Sie ihr eigenes Rezept kreiert, Ihren Geschmack verwirklicht und können stolz auf Ihre Erfindung sein. Das Gericht ist einzigartig und spiegelt Ihren eigenen Weg wider. Begeben Sie sich also auf die Reise.“
2 Grundsätzliches
2.1 Küchenausstattung
Ich besitze keine High-Tech-Küche mit allem Komfort, sondern verfüge über eine sehr einfache Ausstattung, weil ich lieber mit den Händen arbeite. Wie ein – für mich guter – Arzt seine Patienten anfasst, so fasse ich fast alle Lebensmittel mit bloßen Händen an (Ausnahme: Schwarzwurzeln!). Die Struktur sagt beispielsweise viel über die Frische und den Reifegrad von Obst und Gemüse aus. Der Orthopäde erkennt durch Abtasten genau, welcher Halswirbel eingeklemmt ist, und wie er dem Patienten helfen kann. Ein weiterer Vergleich: Beim Arzt gibt es Rezepte für Heilmittel; wer kocht, verwendet Rezepte für Speisen oder entwickelt sie selbst.
Neben einem Herd mit Ofen (ich besitze einen Elektroherd mit vier normalen Kochplatten, von denen ich fast nie mehr als zwei gleichzeitig benutze) sind Kühl- und Gefrierschrank (oder Gefriertruhe) unabdingbar. Letzterer (bzw. Letztere) dient nicht nur zum Einfrieren von übriggebliebenen Speisen, um diese vor dem Verderben zu retten, sondern schont den Geldbeutel, weil man – vor allem als Einzelperson – Sonderangebote wahrnehmen und größere Mengen an günstigen Lebensmitteln (beispielsweise Gemüse, Brot, Käse oder Eis) besorgen und einfrieren kann. Praktisch ist in dem Zusammenhang auch, dass man auf diese Weise über eine Auswahl an Gemüsesorten verfügt, die für die Zubereitung von Speisen wie vegetarischen Sülzen aller Art notwendig sind.
Sparen Sie nicht an den Töpfen – Edelstahltöpfe verschiedener Größen (Durchmesser von 20 und 24 cm sind zwingend erforderlich), ein Emailtopf für Milch, egal, ob vegan oder nicht, eine alubeschichtete Pfanne, in der man fettfrei braten kann (Bodendurchmesser 18 cm), sowie eine Edelstahlpfanne mit geriffeltem Boden sollten zur Grundausstattung gehören.
Küchenmesser (mit oder ohne Zacken, lange und kurze) müssen scharf ein. Mit stumpfen Messern läuft man Gefahr, abzurutschen und sich zu verletzen. Schneidbretter verwende ich grundsätzlich nicht, weil verschiedene Materialien (Holz, Kunststoff) den Geruch von Lebensmitteln annehmen und an andere weitergeben. Ich schneide alles auf einem Porzellanteller oder in der Hand.
Ein Handrührgerät mag von Vorteil sein – ich besitze keins. Wenn es gut gekühlt ist, bekomme ich Eiweiß mit dem Schneebesen steif. Ein Mixer ist zwar kein Muss, aber ohne scheiden verschiedene Zubereitungsarten von Obst und Gemüse von vornherein aus. Ich besaß lange Zeit keinen, habe aber eingesehen, dass ein solcher wesentlich mehr Vielfalt in die Küche bringt.
Saftpresse, Reibe, Schüsseln, Sieb, Schneebesen, etc. sind mit Sicherheit in jedem Haushalt zu finden.
Die Arbeitsfläche muss nicht riesengroß, aber sauber, ein feuchter Spüllappen immer griffbereit sein.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine kleine, praktische, saubere Küche völlig ausreicht, um kreativ und abwechslungsreich zu kochen. Das ist insbesondere für Menschen wichtig, die in Großstädten wie München wohnen, wo die Küche oft sehr klein ist, oder für Studenten in Wohnheimen, die vielleicht nur über eine Küchenzeile oder eine Gemeinschaftsküche verfügen.
2.2 Gewürze/Geschmacksgeber
Gerade wenn man – aus welchen Gründen auch immer – keinen Knoblauch und keine Zwiebeln verwendet, muss man gut würzen, um Geschmack ins Essen zu bekommen. Ich betone stets: Wer (fast) nicht ohne Knoblauch und Zwiebeln in seinen Gerichten auskommt, ist kein guter Koch, und dazu stehe ich. Zugegeben, Zwiebelgewächse haben viel Aroma, aber wenn sie nicht moderat dosiert sind, „erschlagen“ sie geschmacklich alles andere, sie verändern es sowieso.
Ich verwende in meinen Speisen zum Beispiel Kräuter (gern auch getrocknet), Gewürze, verschiedene Senfsorten, Schmelz- oder Ziegenfrischkäse, Tomatenmark sowie -ketchup, Sojasoße, Essig und Tamarindenpaste, um einen interessanten, würzigen Geschmack zu erzeugen. Wie viel von der jeweiligen Zutat verwendet wird, ist individuell sehr verschieden. Deshalb stelle ich Gästen, deren Vorlieben ich noch nicht (so gut) kenne, immer folgende Fragen:
1. Gibt es etwas, das Sie nicht mögen oder vertragen?
2. Essen Sie gern scharf?
3. Mögen Sie süß-saure Gerichte?
4. Sollen Gemüse/Nudeln/Reis eher bissfest oder weich sein?
Nicht nur Fleisch ist empfindlich, was die Garzeit angeht, Gemüse ist es erst recht. Ich habe gelernt, mich auf vieles einzustellen und kann mit so ziemlich allen Vorlieben und Unverträglichkeiten meiner Gäste umgehen. Wenn mir aber jemand vorab sagt, er esse alles, und dann bleibt die Hälfte stehen, weil er oder sie dies oder das nicht mag, nervt mich das sehr. Zum Glück habe ich praktisch nie solche Gäste. Die meisten wissen es sogar zu schätzen, dass man sich um sie bemüht und auf ihre Eigenarten Rücksicht nimmt. Ich bin selbst kapriziös genug, also muss ich das auch anderen zugestehen.
Nachfolgend stelle ich einige der Geschmacksgeber vor, die ich bei der Zubereitung meiner Speisen gern verwende, und gebe Anregungen, für welche Gerichte sie sich meiner Meinung nach eignen. Werden Sie selbst kreativ und setzen Sie die Dinge, die Sie zu Hause haben, nach Ihren Vorstellungen ein.
a) Soßen/Senf, etc.:
- Strong Tamari (natürlich fermentierte Sojasoße); für Eintöpfe, verschiedene Salate und Gemüsesülzen. Damit lässt sich Salz einsparen.
- Teriyaki (Würzsoße); vor allem für Eintöpfe und Sülzen zur Abrundung
- Wasabipaste; für Eintöpfe, Soßen und Sülzen
- scharfer Senf (mit oder ohne Meerrettich); für Salate und Soßen
- Estragonsenf oder Kräutersenf; für Salate
- Tomatenmark (zwei- oder dreifach konzentriert); für Soßen, Eintöpfe und Tomatensuppe
- Tomatenketchup (mit möglichst wenig Zucker); für Soßen, Eintöpfe und Tomatensuppe
- Schmelzkäse (neutral oder mit Pfeffer); für Soßen und Suppen
- Ziegenfrischkäse, der sich gut auflöst; für Soßen, Suppen und Eintöpfe
- Weinessig; für Salate und Eintöpfe, evtl. auch für Sülzen
- Balsamicoessig (dunkel oder hell); für Salate, Sülzen und Eintöpfe
- Reisessig; für Sülzen und Eintöpfe
- Kürbiskernöl; für Salate, insbesondere Löwenzahnsalat mit Kartoffeln. Olivenöl mag ich nicht besonders und benutze es folglich zu Hause nicht. Wer mag, kann es u. a. für Salate verwenden. Zur Abwechslung kaufe ich ab und zu auch ein anderes Öl wie beispielsweise Leinöl oder Sesamöl. Diese müssen wegen des starken Eigengeschmacks aber moderat dosiert werden.
- Rapsöl (welches auch erhitzt werden kann) oder ein anderes Öl, wie z. B. Sonnenblumenöl; für Salate und Gemüsebratlinge
- Kokosöl, geschmacksneutral (hoch erhitzbar); für Ofengemüse und Gemüsebratlinge
- Ingwer (kandiert); für Sülzen und Eintopfgerichte
- Hefeflocken; zum Würzen von Eintopfgerichten
b) Gewürze und getrocknete Kräuter:
- Basilikum (getrocknet oder in Öl; für manche Speisen ist aber frisches zu empfehlen); für Salate
- Chilipulver (sehr scharf), alternativ Tabascosoße; für Eintöpfe, Suppen, Reissalat und Sülzen. Bei Chili muss man äußerst vorsichtig sein. Es gibt Riesenunterschiede, von milden Sorten wie Kashmir-Chili bis hin zu ultrascharfen Sorten wie Habanero-Chili, der es auf bis zu 300000 Scoville (gibt den Schärfegrad an) bringen kann. Wer scharfes Essen nicht mag oder nicht verträgt, sollte auf Chili ganz verzichten. Wer es scharf liebt, muss sich trotzdem vorsichtig herantasten, um herauszufinden, wie viel Chili ihm oder ihr bekommt bzw. guttut.
- Currypulver ohne Knoblauch (Achtung: Es gibt sehr unterschiedliche Mischungen; ich habe immer mehrere davon zu Hause); für Salate mit Gemüse oder Reis, für Eintöpfe und Soßen sowie manche Suppen.
Hier seien zwei Currymischungen, die ich gern verwende, genannt:
- Curry Bio-Gewürzmischung klassisch. Zutaten: Koriander, Kurkuma, Kreuzkümmel, Bockshornklee, Ingwer, Nelken
- Curry Jaipur. Zutaten: Koriander, Kurkuma, Zimt, Bockshornklee, Cumin, Kardamom, Ingwer, Chili, Piment, Pfeffer, Nelken, Muskat
- Dillspitzen, getrocknet; für Salate, Ofengemüse (Fenchel!) und Eintöpfe mit Fenchel
- Estragon, getrocknet und gerebelt; für Salate
- Garam Masala; für Reisgerichte und Eintöpfe. Zutaten: Koriander, Fenchel, Kreuzkümmel, Ceylon-Zimt, Pfeffer, Piment, Kardamom, Muskatnuss, Lorbeerblatt, Gewürznelke
- Gomasio (Mischung aus geschroteten Sesamsamen und 5–6 % Salz); als Topping für Eintöpfe, v. a. solche mit Bulgur und für Rübeneintopf
- Kardamom, gemahlen oder ganz; für Kompotte und Eintöpfe – Kapseln nach Fertigstellung des Gerichts bitte entfernen.
- Koriandersamen, gemahlen; für Sülzen und Eintöpfe
- Korianderblätter, getrocknet und gerebelt; für Sülzen und Eintöpfe
- Kräuter der Provence (es gibt unterschiedliche Mischungen!); für Eintöpfe, Ofengemüse und Salate.
Auch hier seien zwei Kräutermischungen, die den gleichen Namen tragen, und die ich gern verwende, genannt:
- Zutaten 1: Rosmarin, Thymian, Bohnenkraut, Oregano, Lorbeerblatt, Basilikum
- Zutaten 2: Oregano, Thymian, Basilikum, Rosmarin, Lavendel
- Kreuzkümmel, gemahlen; für Sülzen, Eintöpfe und Reissalat
- Kurkuma, gemahlen; kann in vielen Gerichten anstatt Currypulver verwendet werden. Für Reissalat ist aber Currypulver zu empfehlen.
- Lorbeerblätter, ganz; für Eintöpfe und Rote-Bete-Suppe
- Majoran oder Oregano, getrocknet und gerebelt; für Salate und Eintöpfe
- Muskatnuss, gerieben oder gemahlen, alternativ Macisblüte; für Eintöpfe, Salate und Suppen
- Nelken, ganz; für Eintöpfe, Rote-Bete-Suppe, Kompotte und Pflaumenmus
- Petersilie, getrocknet und gerebelt; für Salate und Eintöpfe – für - - Gemüsebratlinge bitte frische verwenden.
- Pfeffer (schwarz), gemahlen; für viele Gerichte
- Piment (möglichst roter bzw. Piment d’Espelette); für viele Gerichte
- Rosmarin, geschnitten; für Salate und Eintöpfe
- Schabzigerklee, gerebelt oder gemahlen; für Sülzen, Suppen, Eintöpfe und Soßen. In einigen Lebensmittelgeschäften in Deutschland gibt es das aus der Schweiz stammende „Schabziger Stöckli“. Das ist ein magerer Käse mit Schabzigerklee, den Sie statt Parmesan beispielsweise über Suppen und Eintöpfe reiben können. Er verleiht dem Gericht einen wunderbar würzigen Geschmack.
- Schwarzkümmel, ganz; für Sülzen, Eintöpfe und Salate
- „traditioneller“ Kümmel, ganz; für Kohlgerichte (Salate und Eintöpfe)
- Sellerieblätter, getrocknet und gerebelt; für Eintöpfe und Suppen
- Sternanis, ganz; für Kompotte und Pflaumenmus
- Sumach, gemahlen (= Essigbaumfrucht; meist wird Salz zugesetzt); für Eintöpfe und Sülzen
- Thymian, getrocknet und gerebelt; für Eintöpfe und Suppen
- Vanille, gemahlen; für Aufstriche und Obstsalat
- Zimt, gemahlen; für Rote-Bete-Suppe, Eis, Kompotte
Ich besitze noch einige Dinge mehr, aber da ich die geneigte Leserschaft nicht abschrecken möchte, belasse ich es bei dieser Auswahl, die für fast alle der vorgestellten Gerichte vollkommen ausreicht. Sie sehen aber, dass sich die Zutaten von Kräuter- und Gewürzmischungen teilweise sehr ähneln. Folglich können Sie Gewürze und Kräuter, die Sie vorrätig haben, kombinieren und so Ihr eigenes „Currypulver“ oder Ihre eigenen „Kräuter der Provence“ herstellen und bei neu gekauften Produkten Zutaten, die Sie vermissen, ergänzen. Sicher haben Sie auch Sachen zu Hause, die hier keine Erwähnung finden. Einmal mehr weise ich darauf hin, dass das Kochen immer von persönlichen Vorlieben gesteuert wird, vor allem, wenn man es nicht professionell macht. Ein Beispiel: Ich selbst mag, wie erwähnt, Olivenöl nicht besonders und benutze es nicht. Sofern Sie es mögen, verwenden Sie es statt der von mir vorgeschlagenen Öle (z. B. in Salaten). Damit ist der erste Schritt zur Eigenkreation getan.
Natürlich habe ich den großen Vorteil, in München zu wohnen, wo es viele Märkte, Bioläden und auf verschiedene Lebensmittel spezialisierte Geschäfte gibt, aber auch „normale“ Supermärkte verfügen über eine immer größere Auswahl an Gewürzen und Kräutern. Seien Sie neugierig und probieren Sie auch solche, von denen Sie noch nie gehört haben! Vergessen Sie bitte deren Haltbarkeitsdatum – auch nach 10 Jahren sind getrocknete Produkte noch verwendbar, sofern sie kühl und vor allem trocken aufbewahrt werden. Wenn sie nach Gebrauch wieder gut verschlossen werden, verlieren sie auch kaum an Aroma.
Salz fehlt bei der Aufzählung, aber streng genommen ist das kein Gewürz. Ich gehe davon aus, dass es in jedem Haushalt zu finden ist. Die meisten der zahlreichen Salzmischungen, die verkauft werden, kann man im Grunde mühelos selbst herstellen.
Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen auf Salz verzichten müssen oder wollen, können das durch Zugabe von (scharfen) Gewürzen und Kräutern leicht kompensieren.
In Frankreich gibt es übrigens einige Käsesorten, die ganz ohne Salz hergestellt werden. Warum nicht auch bei uns?
2.3 Zubereitung
Ich versuche, Lebensmittel – vor allem Gemüse – schonend zuzubereiten und damit so weit wie möglich Vitamine und Eigengeschmack zu erhalten. Folglich werden die meisten Gerichte in diesem Buch (oder Teile davon) gedünstet oder gekocht. Das klingt sicher für manche von Ihnen langweilig, ist es aber ganz und gar nicht. Gesund und bekömmlich ist es ohnehin. Zutaten anbraten – das kommt bei mir nur selten vor. Sehr wichtig ist es aber, Eintöpfen und Salaten (außer Blattsalaten) ausreichend Ziehzeit zu geben, damit alle Geschmacksträger von den Gemüsen und Getreideprodukten gut aufgenommen werden können. Es gilt nicht umsonst die Regel, dass Eintöpfe umso besser schmecken, je öfter sie aufgewärmt werden. Ich habe einmal einen Rübeneintopf im November vorbereitet, zu einem Zeitpunkt, als alle dafür notwendigen Rübensorten frisch in einem Gemüsegeschäft verfügbar waren. Das fertige Gericht habe ich eingefroren und als Hauptspeise eines Weihnachtsessens serviert. Es wurde ein voller Erfolg.
Wenn ich abends Gäste erwarte, bereite ich einen geplanten Eintopf bereits am Vormittag oder am Abend zuvor zu. Da ich die meisten Gemüse und sonstigen Produkte nur dünste oder koche, ist die Garzeit überschaubar, was in Zeiten hoher Stromkosten ein unschätzbarer Vorteil ist. Ausnahme: Hülsenfrüchte außer Linsen haben eine lange Garzeit, auch wenn man sie einweicht. Daher koche ich immer ca. 250 g davon (ggf. nach Einweichen) vor, friere sie ein und hole bei Bedarf die Menge, die ich brauche, aus dem Gefrierschrank, um sie einem Gericht hinzuzufügen. Bei Linsen kann man in der Regel auf Einweichen verzichten. Bohnensorten werden über Nacht (mindestens 12 Stunden) eingeweicht, Kichererbsen noch länger. Bitte darauf achten, dass die Hülsenfrüchte immer komplett mit Wasser bedeckt sind. Die Kochzeit für Bohnen ist meist kürzer als auf der Verpackung angegeben. Kichererbsen koche ich nach dem Einweichen grundsätzlich im Schnellkochtopf (Garzeit 15–20 Minuten). Wer einen normalen Topf verwendet, muss mit mindestens
60 Minuten Kochzeit rechnen.
Wenn Sie in einem Eintopfgericht mehrere Gemüsesorten verwenden, beachten Sie immer die unterschiedlichen Garzeiten! Geben Sie das, was am längsten braucht, zuerst in einen Topf mit wenig Wasser und fügen Sie während des Kochvorgangs die übrigen Zutaten nach und nach hinzu. Wichtig: Immer wieder etwas Wasser zugeben, damit die Zutaten nicht „auf dem Trockenen“ sitzen! Außerdem muss verdunstete Flüssigkeit ergänzt werden. Gewürze und Kräuter kommen bei mir sofort in den Topf, um gleich ihr Aroma an die „Neuankömmlinge“ abgeben zu können. Nehmen Sie zur Zubereitung von Eintöpfen grundsätzlich nur so viel Wasser zum Kochen, dass Sie alles verwenden können. In der Flüssigkeit befinden sich nicht nur viele Vitamine und Nährstoffe, sondern auch die Aromen der Bestandteile.
...
Wenn dir etwas
nicht gefällt, ändere es!
Ich habe ganz bewusst dieses Zitat als Einstieg gewählt, weil mich schon immer gestört hat, dass die meisten Rezepte, sowohl in Kochbüchern als auch in Zeitschriften, nicht ohne Knoblauch und/oder Zwiebeln auskommen. Da ich beides – leider – nicht vertrage, muss ich kreativ werden, um Geschmack in meine Gerichte, die zudem ohne Fleisch und Fisch sind, zu bekommen. Die Kreativität habe ich in meiner Kindheit bei meinem Vater abgeschaut, der am Wochenende aus Resten, die während der Woche von Mahlzeiten übriggeblieben waren, wunderbare Suppen kreiert hat.
Ich selbst koche und experimentiere seit meiner Jugend sehr gern, was damals besonders wichtig war, weil es für Vegetarier früher weitaus weniger Alternativen zu Fleisch und Fisch gab als heute und Gemüse aus fernen Ländern weitgehend unbekannt waren. Hinzu kommt, dass meine Eltern ausgesprochene Fleischesser waren (und sind) und nicht unbedingt tolerant reagierten, als ich verkündete, kein Fleisch mehr essen zu wollen.
Heute lade ich oft Besuch zum Essen ein, und einige meiner stets zufriedenen Gäste haben mich schon wiederholt gefragt, ob ich nicht endlich ein Kochbuch schreiben wolle. Nun möchte ich diesem Wunsch nachkommen und einige meiner beliebtesten Gerichte gesammelt vorstellen. Ich habe fast ausschließlich solche aufgenommen, die nicht alltäglich und somit nicht in anderen Kochbüchern zu finden sind. Es sind alles eigene Kreationen; einige wenige sind Variationen auf gängige Gerichte (siehe beispielsweise Kap. 3.1.3).
Mein Ziel ist es jedoch nicht, einfach nur eine Reihe von Rezepten ohne Zwiebelgewächse zu Papier zu bringen, sondern ich möchte Leute, die behaupten, nicht kochen zu können oder zu wollen, dazu ermutigen, sich vielleicht doch einmal mit der Zubereitung von Essen zu beschäftigen. So schwierig ist das nämlich nicht, vor allem, wenn man gerne Unbekanntes ausprobiert, und für die meisten Gerichte, die ich hier präsentieren werde, ist auch kein großer Zeitaufwand erforderlich. Wenn ich Gäste einlade, achte ich bewusst darauf, dass ich nicht nur in der Küche stehe, sondern möglichst viel vorbereiten und gegebenenfalls Übriggebliebenes einfrieren kann, denn mir widerstrebt es, Lebensmittel wegzuwerfen. An Tagen, an denen ich keine Zeit zum Kochen habe, taue ich diese Speisen auf, oder aber ich verwende sie als Basis für ein anderes Gericht.
Es lohnt sich also wirklich, selbst am Herd zu stehen, auch wenn Sie nur für sich alleine kochen – das ist bei mir selbst meist der Fall. Gesünder als Fertiggerichte ist das ohne Frage, und es schont den Geldbeutel. Restaurantbesuche sind sehr kostspielig, außerdem weiß man nichts über die Herkunft der Speisen. Oft sind auch Zutaten im Essen, die man nicht besonders mag, oder die vielleicht subjektiv nicht sehr bekömmlich sind. Für die meisten Gerichte in meinem Buch ist ein Zeitaufwand von weniger als einer Stunde erforderlich, sofern Sie, wie ich, zumindest einen Teil der Gemüse, die Sie verwenden, vorbereitet im Kühl- oder Gefrierschrank haben. Die Ziehzeit für Eintöpfe und Salate ist natürlich nicht eingerechnet. Ihnen wird sicher nicht entgehen, dass sehr viele meiner Rezepte Karotten (Möhren) – vorwiegend in gekochter Form – enthalten. Dafür gibt es mehrere Gründe: Erstens sind sie ein vergleichsweise kostengünstiges Gemüse, welches ganzjährig überall und in gleichbleibender Qualität erhältlich ist. Zweitens mag und verträgt sie fast jeder – ich zumindest kenne niemanden, der Karotten nicht isst. Drittens sind sie sehr vielseitig verwendbar und harmonieren mit fast allen Gemüsen und Getreideprodukten.
Seien Sie mutig und probieren Sie meine Rezeptvorschläge unter Einbeziehung Ihres persönlichen Geschmacks aus. Um Ihnen das zu erleichtern, verzichte ich bei einigen Rezepten auf genaue Mengenangaben. Vergleichen wir die Zubereitung eines Essens mit dem Bau eines Hauses: Um auf einem soliden Fundament aufbauen zu können, ist ein Gerüst erforderlich. Das Gericht ist das Haus, das Rezept das Gerüst, welches die Fertigstellung des Gerichts unterstützt. Lassen Sie sich von Ihrer Intuition leiten und „bauen Sie das Gerüst ab“, indem Sie das Rezept nach Belieben abwandeln. Qualitativ hochwertige Zutaten sorgen für ein noch besseres Geschmackserlebnis, ebenso wie hochwertige Baumaterialien die Wohnqualität erhöhen.
An dieser Stelle möchte ich ein wunderbares Zitat von Paul Ivić, einem Spitzenkoch der vegetarischen Küche, anbringen:
„Ich koche intuitiv. Rezepte dienen als Anleitung, vergleichbar mit einer Reiseroute. Wenn das Ziel feststeht, kann der Weg selbst gewählt werden. Soll es die ausgeschilderte Route sein oder verändere ich die Strecke, nehme ich die Küstenstraße oder die Autobahn? Und so sind auch meine Rezepte Wegweiser zum Ziel – können, dürfen und sollen aber abgewandelt werden.“
Und weiter: „Für meine Kochbücher schreibe ich Rezepte, die man zu Hause nachkochen kann. Sie sind das ABC, auf dem Sie aufbauen können und der Wegweiser zum Ziel. Ein Rezept soll Ihnen helfen, Sicherheit zu gewinnen. Diese Sicherheit ist der Grundstein, sich weiterzuentwickeln, Neues zu kreieren und unbekannte Pfade zu gehen. Wie verhält sich das Gericht, wenn ich dieses Gewürz hinzufüge, wie, wenn ich jenes Gemüse austausche? Zu experimentieren bringt viel Spaß mit sich. Am Ende haben Sie ihr eigenes Rezept kreiert, Ihren Geschmack verwirklicht und können stolz auf Ihre Erfindung sein. Das Gericht ist einzigartig und spiegelt Ihren eigenen Weg wider. Begeben Sie sich also auf die Reise.“
2 Grundsätzliches
2.1 Küchenausstattung
Ich besitze keine High-Tech-Küche mit allem Komfort, sondern verfüge über eine sehr einfache Ausstattung, weil ich lieber mit den Händen arbeite. Wie ein – für mich guter – Arzt seine Patienten anfasst, so fasse ich fast alle Lebensmittel mit bloßen Händen an (Ausnahme: Schwarzwurzeln!). Die Struktur sagt beispielsweise viel über die Frische und den Reifegrad von Obst und Gemüse aus. Der Orthopäde erkennt durch Abtasten genau, welcher Halswirbel eingeklemmt ist, und wie er dem Patienten helfen kann. Ein weiterer Vergleich: Beim Arzt gibt es Rezepte für Heilmittel; wer kocht, verwendet Rezepte für Speisen oder entwickelt sie selbst.
Neben einem Herd mit Ofen (ich besitze einen Elektroherd mit vier normalen Kochplatten, von denen ich fast nie mehr als zwei gleichzeitig benutze) sind Kühl- und Gefrierschrank (oder Gefriertruhe) unabdingbar. Letzterer (bzw. Letztere) dient nicht nur zum Einfrieren von übriggebliebenen Speisen, um diese vor dem Verderben zu retten, sondern schont den Geldbeutel, weil man – vor allem als Einzelperson – Sonderangebote wahrnehmen und größere Mengen an günstigen Lebensmitteln (beispielsweise Gemüse, Brot, Käse oder Eis) besorgen und einfrieren kann. Praktisch ist in dem Zusammenhang auch, dass man auf diese Weise über eine Auswahl an Gemüsesorten verfügt, die für die Zubereitung von Speisen wie vegetarischen Sülzen aller Art notwendig sind.
Sparen Sie nicht an den Töpfen – Edelstahltöpfe verschiedener Größen (Durchmesser von 20 und 24 cm sind zwingend erforderlich), ein Emailtopf für Milch, egal, ob vegan oder nicht, eine alubeschichtete Pfanne, in der man fettfrei braten kann (Bodendurchmesser 18 cm), sowie eine Edelstahlpfanne mit geriffeltem Boden sollten zur Grundausstattung gehören.
Küchenmesser (mit oder ohne Zacken, lange und kurze) müssen scharf ein. Mit stumpfen Messern läuft man Gefahr, abzurutschen und sich zu verletzen. Schneidbretter verwende ich grundsätzlich nicht, weil verschiedene Materialien (Holz, Kunststoff) den Geruch von Lebensmitteln annehmen und an andere weitergeben. Ich schneide alles auf einem Porzellanteller oder in der Hand.
Ein Handrührgerät mag von Vorteil sein – ich besitze keins. Wenn es gut gekühlt ist, bekomme ich Eiweiß mit dem Schneebesen steif. Ein Mixer ist zwar kein Muss, aber ohne scheiden verschiedene Zubereitungsarten von Obst und Gemüse von vornherein aus. Ich besaß lange Zeit keinen, habe aber eingesehen, dass ein solcher wesentlich mehr Vielfalt in die Küche bringt.
Saftpresse, Reibe, Schüsseln, Sieb, Schneebesen, etc. sind mit Sicherheit in jedem Haushalt zu finden.
Die Arbeitsfläche muss nicht riesengroß, aber sauber, ein feuchter Spüllappen immer griffbereit sein.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine kleine, praktische, saubere Küche völlig ausreicht, um kreativ und abwechslungsreich zu kochen. Das ist insbesondere für Menschen wichtig, die in Großstädten wie München wohnen, wo die Küche oft sehr klein ist, oder für Studenten in Wohnheimen, die vielleicht nur über eine Küchenzeile oder eine Gemeinschaftsküche verfügen.
2.2 Gewürze/Geschmacksgeber
Gerade wenn man – aus welchen Gründen auch immer – keinen Knoblauch und keine Zwiebeln verwendet, muss man gut würzen, um Geschmack ins Essen zu bekommen. Ich betone stets: Wer (fast) nicht ohne Knoblauch und Zwiebeln in seinen Gerichten auskommt, ist kein guter Koch, und dazu stehe ich. Zugegeben, Zwiebelgewächse haben viel Aroma, aber wenn sie nicht moderat dosiert sind, „erschlagen“ sie geschmacklich alles andere, sie verändern es sowieso.
Ich verwende in meinen Speisen zum Beispiel Kräuter (gern auch getrocknet), Gewürze, verschiedene Senfsorten, Schmelz- oder Ziegenfrischkäse, Tomatenmark sowie -ketchup, Sojasoße, Essig und Tamarindenpaste, um einen interessanten, würzigen Geschmack zu erzeugen. Wie viel von der jeweiligen Zutat verwendet wird, ist individuell sehr verschieden. Deshalb stelle ich Gästen, deren Vorlieben ich noch nicht (so gut) kenne, immer folgende Fragen:
1. Gibt es etwas, das Sie nicht mögen oder vertragen?
2. Essen Sie gern scharf?
3. Mögen Sie süß-saure Gerichte?
4. Sollen Gemüse/Nudeln/Reis eher bissfest oder weich sein?
Nicht nur Fleisch ist empfindlich, was die Garzeit angeht, Gemüse ist es erst recht. Ich habe gelernt, mich auf vieles einzustellen und kann mit so ziemlich allen Vorlieben und Unverträglichkeiten meiner Gäste umgehen. Wenn mir aber jemand vorab sagt, er esse alles, und dann bleibt die Hälfte stehen, weil er oder sie dies oder das nicht mag, nervt mich das sehr. Zum Glück habe ich praktisch nie solche Gäste. Die meisten wissen es sogar zu schätzen, dass man sich um sie bemüht und auf ihre Eigenarten Rücksicht nimmt. Ich bin selbst kapriziös genug, also muss ich das auch anderen zugestehen.
Nachfolgend stelle ich einige der Geschmacksgeber vor, die ich bei der Zubereitung meiner Speisen gern verwende, und gebe Anregungen, für welche Gerichte sie sich meiner Meinung nach eignen. Werden Sie selbst kreativ und setzen Sie die Dinge, die Sie zu Hause haben, nach Ihren Vorstellungen ein.
a) Soßen/Senf, etc.:
- Strong Tamari (natürlich fermentierte Sojasoße); für Eintöpfe, verschiedene Salate und Gemüsesülzen. Damit lässt sich Salz einsparen.
- Teriyaki (Würzsoße); vor allem für Eintöpfe und Sülzen zur Abrundung
- Wasabipaste; für Eintöpfe, Soßen und Sülzen
- scharfer Senf (mit oder ohne Meerrettich); für Salate und Soßen
- Estragonsenf oder Kräutersenf; für Salate
- Tomatenmark (zwei- oder dreifach konzentriert); für Soßen, Eintöpfe und Tomatensuppe
- Tomatenketchup (mit möglichst wenig Zucker); für Soßen, Eintöpfe und Tomatensuppe
- Schmelzkäse (neutral oder mit Pfeffer); für Soßen und Suppen
- Ziegenfrischkäse, der sich gut auflöst; für Soßen, Suppen und Eintöpfe
- Weinessig; für Salate und Eintöpfe, evtl. auch für Sülzen
- Balsamicoessig (dunkel oder hell); für Salate, Sülzen und Eintöpfe
- Reisessig; für Sülzen und Eintöpfe
- Kürbiskernöl; für Salate, insbesondere Löwenzahnsalat mit Kartoffeln. Olivenöl mag ich nicht besonders und benutze es folglich zu Hause nicht. Wer mag, kann es u. a. für Salate verwenden. Zur Abwechslung kaufe ich ab und zu auch ein anderes Öl wie beispielsweise Leinöl oder Sesamöl. Diese müssen wegen des starken Eigengeschmacks aber moderat dosiert werden.
- Rapsöl (welches auch erhitzt werden kann) oder ein anderes Öl, wie z. B. Sonnenblumenöl; für Salate und Gemüsebratlinge
- Kokosöl, geschmacksneutral (hoch erhitzbar); für Ofengemüse und Gemüsebratlinge
- Ingwer (kandiert); für Sülzen und Eintopfgerichte
- Hefeflocken; zum Würzen von Eintopfgerichten
b) Gewürze und getrocknete Kräuter:
- Basilikum (getrocknet oder in Öl; für manche Speisen ist aber frisches zu empfehlen); für Salate
- Chilipulver (sehr scharf), alternativ Tabascosoße; für Eintöpfe, Suppen, Reissalat und Sülzen. Bei Chili muss man äußerst vorsichtig sein. Es gibt Riesenunterschiede, von milden Sorten wie Kashmir-Chili bis hin zu ultrascharfen Sorten wie Habanero-Chili, der es auf bis zu 300000 Scoville (gibt den Schärfegrad an) bringen kann. Wer scharfes Essen nicht mag oder nicht verträgt, sollte auf Chili ganz verzichten. Wer es scharf liebt, muss sich trotzdem vorsichtig herantasten, um herauszufinden, wie viel Chili ihm oder ihr bekommt bzw. guttut.
- Currypulver ohne Knoblauch (Achtung: Es gibt sehr unterschiedliche Mischungen; ich habe immer mehrere davon zu Hause); für Salate mit Gemüse oder Reis, für Eintöpfe und Soßen sowie manche Suppen.
Hier seien zwei Currymischungen, die ich gern verwende, genannt:
- Curry Bio-Gewürzmischung klassisch. Zutaten: Koriander, Kurkuma, Kreuzkümmel, Bockshornklee, Ingwer, Nelken
- Curry Jaipur. Zutaten: Koriander, Kurkuma, Zimt, Bockshornklee, Cumin, Kardamom, Ingwer, Chili, Piment, Pfeffer, Nelken, Muskat
- Dillspitzen, getrocknet; für Salate, Ofengemüse (Fenchel!) und Eintöpfe mit Fenchel
- Estragon, getrocknet und gerebelt; für Salate
- Garam Masala; für Reisgerichte und Eintöpfe. Zutaten: Koriander, Fenchel, Kreuzkümmel, Ceylon-Zimt, Pfeffer, Piment, Kardamom, Muskatnuss, Lorbeerblatt, Gewürznelke
- Gomasio (Mischung aus geschroteten Sesamsamen und 5–6 % Salz); als Topping für Eintöpfe, v. a. solche mit Bulgur und für Rübeneintopf
- Kardamom, gemahlen oder ganz; für Kompotte und Eintöpfe – Kapseln nach Fertigstellung des Gerichts bitte entfernen.
- Koriandersamen, gemahlen; für Sülzen und Eintöpfe
- Korianderblätter, getrocknet und gerebelt; für Sülzen und Eintöpfe
- Kräuter der Provence (es gibt unterschiedliche Mischungen!); für Eintöpfe, Ofengemüse und Salate.
Auch hier seien zwei Kräutermischungen, die den gleichen Namen tragen, und die ich gern verwende, genannt:
- Zutaten 1: Rosmarin, Thymian, Bohnenkraut, Oregano, Lorbeerblatt, Basilikum
- Zutaten 2: Oregano, Thymian, Basilikum, Rosmarin, Lavendel
- Kreuzkümmel, gemahlen; für Sülzen, Eintöpfe und Reissalat
- Kurkuma, gemahlen; kann in vielen Gerichten anstatt Currypulver verwendet werden. Für Reissalat ist aber Currypulver zu empfehlen.
- Lorbeerblätter, ganz; für Eintöpfe und Rote-Bete-Suppe
- Majoran oder Oregano, getrocknet und gerebelt; für Salate und Eintöpfe
- Muskatnuss, gerieben oder gemahlen, alternativ Macisblüte; für Eintöpfe, Salate und Suppen
- Nelken, ganz; für Eintöpfe, Rote-Bete-Suppe, Kompotte und Pflaumenmus
- Petersilie, getrocknet und gerebelt; für Salate und Eintöpfe – für - - Gemüsebratlinge bitte frische verwenden.
- Pfeffer (schwarz), gemahlen; für viele Gerichte
- Piment (möglichst roter bzw. Piment d’Espelette); für viele Gerichte
- Rosmarin, geschnitten; für Salate und Eintöpfe
- Schabzigerklee, gerebelt oder gemahlen; für Sülzen, Suppen, Eintöpfe und Soßen. In einigen Lebensmittelgeschäften in Deutschland gibt es das aus der Schweiz stammende „Schabziger Stöckli“. Das ist ein magerer Käse mit Schabzigerklee, den Sie statt Parmesan beispielsweise über Suppen und Eintöpfe reiben können. Er verleiht dem Gericht einen wunderbar würzigen Geschmack.
- Schwarzkümmel, ganz; für Sülzen, Eintöpfe und Salate
- „traditioneller“ Kümmel, ganz; für Kohlgerichte (Salate und Eintöpfe)
- Sellerieblätter, getrocknet und gerebelt; für Eintöpfe und Suppen
- Sternanis, ganz; für Kompotte und Pflaumenmus
- Sumach, gemahlen (= Essigbaumfrucht; meist wird Salz zugesetzt); für Eintöpfe und Sülzen
- Thymian, getrocknet und gerebelt; für Eintöpfe und Suppen
- Vanille, gemahlen; für Aufstriche und Obstsalat
- Zimt, gemahlen; für Rote-Bete-Suppe, Eis, Kompotte
Ich besitze noch einige Dinge mehr, aber da ich die geneigte Leserschaft nicht abschrecken möchte, belasse ich es bei dieser Auswahl, die für fast alle der vorgestellten Gerichte vollkommen ausreicht. Sie sehen aber, dass sich die Zutaten von Kräuter- und Gewürzmischungen teilweise sehr ähneln. Folglich können Sie Gewürze und Kräuter, die Sie vorrätig haben, kombinieren und so Ihr eigenes „Currypulver“ oder Ihre eigenen „Kräuter der Provence“ herstellen und bei neu gekauften Produkten Zutaten, die Sie vermissen, ergänzen. Sicher haben Sie auch Sachen zu Hause, die hier keine Erwähnung finden. Einmal mehr weise ich darauf hin, dass das Kochen immer von persönlichen Vorlieben gesteuert wird, vor allem, wenn man es nicht professionell macht. Ein Beispiel: Ich selbst mag, wie erwähnt, Olivenöl nicht besonders und benutze es nicht. Sofern Sie es mögen, verwenden Sie es statt der von mir vorgeschlagenen Öle (z. B. in Salaten). Damit ist der erste Schritt zur Eigenkreation getan.
Natürlich habe ich den großen Vorteil, in München zu wohnen, wo es viele Märkte, Bioläden und auf verschiedene Lebensmittel spezialisierte Geschäfte gibt, aber auch „normale“ Supermärkte verfügen über eine immer größere Auswahl an Gewürzen und Kräutern. Seien Sie neugierig und probieren Sie auch solche, von denen Sie noch nie gehört haben! Vergessen Sie bitte deren Haltbarkeitsdatum – auch nach 10 Jahren sind getrocknete Produkte noch verwendbar, sofern sie kühl und vor allem trocken aufbewahrt werden. Wenn sie nach Gebrauch wieder gut verschlossen werden, verlieren sie auch kaum an Aroma.
Salz fehlt bei der Aufzählung, aber streng genommen ist das kein Gewürz. Ich gehe davon aus, dass es in jedem Haushalt zu finden ist. Die meisten der zahlreichen Salzmischungen, die verkauft werden, kann man im Grunde mühelos selbst herstellen.
Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen auf Salz verzichten müssen oder wollen, können das durch Zugabe von (scharfen) Gewürzen und Kräutern leicht kompensieren.
In Frankreich gibt es übrigens einige Käsesorten, die ganz ohne Salz hergestellt werden. Warum nicht auch bei uns?
2.3 Zubereitung
Ich versuche, Lebensmittel – vor allem Gemüse – schonend zuzubereiten und damit so weit wie möglich Vitamine und Eigengeschmack zu erhalten. Folglich werden die meisten Gerichte in diesem Buch (oder Teile davon) gedünstet oder gekocht. Das klingt sicher für manche von Ihnen langweilig, ist es aber ganz und gar nicht. Gesund und bekömmlich ist es ohnehin. Zutaten anbraten – das kommt bei mir nur selten vor. Sehr wichtig ist es aber, Eintöpfen und Salaten (außer Blattsalaten) ausreichend Ziehzeit zu geben, damit alle Geschmacksträger von den Gemüsen und Getreideprodukten gut aufgenommen werden können. Es gilt nicht umsonst die Regel, dass Eintöpfe umso besser schmecken, je öfter sie aufgewärmt werden. Ich habe einmal einen Rübeneintopf im November vorbereitet, zu einem Zeitpunkt, als alle dafür notwendigen Rübensorten frisch in einem Gemüsegeschäft verfügbar waren. Das fertige Gericht habe ich eingefroren und als Hauptspeise eines Weihnachtsessens serviert. Es wurde ein voller Erfolg.
Wenn ich abends Gäste erwarte, bereite ich einen geplanten Eintopf bereits am Vormittag oder am Abend zuvor zu. Da ich die meisten Gemüse und sonstigen Produkte nur dünste oder koche, ist die Garzeit überschaubar, was in Zeiten hoher Stromkosten ein unschätzbarer Vorteil ist. Ausnahme: Hülsenfrüchte außer Linsen haben eine lange Garzeit, auch wenn man sie einweicht. Daher koche ich immer ca. 250 g davon (ggf. nach Einweichen) vor, friere sie ein und hole bei Bedarf die Menge, die ich brauche, aus dem Gefrierschrank, um sie einem Gericht hinzuzufügen. Bei Linsen kann man in der Regel auf Einweichen verzichten. Bohnensorten werden über Nacht (mindestens 12 Stunden) eingeweicht, Kichererbsen noch länger. Bitte darauf achten, dass die Hülsenfrüchte immer komplett mit Wasser bedeckt sind. Die Kochzeit für Bohnen ist meist kürzer als auf der Verpackung angegeben. Kichererbsen koche ich nach dem Einweichen grundsätzlich im Schnellkochtopf (Garzeit 15–20 Minuten). Wer einen normalen Topf verwendet, muss mit mindestens
60 Minuten Kochzeit rechnen.
Wenn Sie in einem Eintopfgericht mehrere Gemüsesorten verwenden, beachten Sie immer die unterschiedlichen Garzeiten! Geben Sie das, was am längsten braucht, zuerst in einen Topf mit wenig Wasser und fügen Sie während des Kochvorgangs die übrigen Zutaten nach und nach hinzu. Wichtig: Immer wieder etwas Wasser zugeben, damit die Zutaten nicht „auf dem Trockenen“ sitzen! Außerdem muss verdunstete Flüssigkeit ergänzt werden. Gewürze und Kräuter kommen bei mir sofort in den Topf, um gleich ihr Aroma an die „Neuankömmlinge“ abgeben zu können. Nehmen Sie zur Zubereitung von Eintöpfen grundsätzlich nur so viel Wasser zum Kochen, dass Sie alles verwenden können. In der Flüssigkeit befinden sich nicht nur viele Vitamine und Nährstoffe, sondern auch die Aromen der Bestandteile.
...

