Alltag & Lebensführung

Wozu lebt der Mensch und woher kommt das Böse?

Bernhard Kadenbach

Wozu lebt der Mensch und woher kommt das Böse?

Gedanken und Ansichten eines Naturwissenschaftlers

Leseprobe:

1. Einführung

Es gehört zur allgemeinen Erfahrung, dass die Welt im Prinzip erkennbar ist. In den letzten drei Jahrhunderten hat unser Wissen über die physikalischen, chemischen und biologischen Gesetze unserer Welt drastisch zugenommen. Sowohl die Dimensionen des Kosmos und die Strukturen der Materie im Weltall als auch die biochemischen Grundprinzipien des Lebens sind auf molekularer Ebene in weiten Teilen erforscht. Durch das Internet werden heute fast alle neuen Erkenntnisse Teil eines „Weltwissens“ und werden in einem „Weltgedächtnis“ gespeichert (z. B. das Internet-Lexikon Wikipedia). In der westlichen Welt ist der Glaube früherer Jahrhunderte an spirituelle Phänomene und an einen Schöpfer-Gott weitgehend einem Glauben an die Erkennbarkeit und Machbarkeit aller Dinge gewichen. Es bleibt die Frage nach dem Ziel menschlicher Erkenntnis. Kann der Mensch durch vermehrtes Wissen über den Kosmos, die Natur, die physiologischen Strukturen im Gehirn und die Psychologie des Denkens und Fühlens den Sinn seines Lebens erkennen? Und gibt es eine Erklärung für das Böse in der Welt?
Nach den fürchterlichen Kriegen und Katastrophen des vergangenen Jahrhunderts zwischen den „humanistischen“ Staaten der westlichen Welt erhebt sich die Frage, warum sich das Böse auch bei aufgeklärten und vernünftigen Menschen so massiv ausbreiten konnte. Insbesondere in unserem „Land der Dichter und Denker“ wurden unvorstellbar grausame Taten von intelligenten und klugen Menschen verübt. In der vorliegenden Schrift wird versucht, eine Antwort auf die alte Frage nach der Ursache allen Übels in der Welt zu geben. Diese Frage hatte schon der griechische Philosoph Epikur (341–ca. 270 v. Chr.) formuliert: „Entweder will Gott das Übel beseitigen und kann es nicht, oder er kann es und will es nicht, oder er kann es nicht und will es nicht, oder er kann es und will es. Wenn er nun will und nicht kann, ist er schwach, was auf Gott nicht zutrifft. Wenn er kann und nicht will, ist er missgünstig, was ebenfalls Gott fremd ist. Wenn er nicht will und nicht kann, dann ist er sowohl missgünstig wie schwach und dann auch nicht Gott. Wenn er aber will und kann, was allein sich für Gott ziemt, woher kommen dann die Übel, und warum nimmt er sie nicht weg?“ [1] Auch wird versucht, auf die Bemerkung des deutschen Schriftstellers Wolfgang Eschker (geb. 1941): „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. – Das hat er nun davon.“ [2] eine Erklärung zu geben.
Fragen nach Gut und Böse sind einer naturwissenschaftlichen Analyse nicht zugänglich. Daher müssen historische Berichte und Mitteilungen von „Propheten“ über Gott und ein jenseitiges Leben herangezogen werden. Soweit es im Neuen Testament berichtet wird, erscheint unter allen Religionsstiftern und Propheten der Geschichte nur Jesus Christus, der sich Sohn Gottes nannte, ohne Schuld und Sünde. Seine Lehre, nicht aber die Vorschriften der katholischen oder anderer christlicher Kirchen wird von vielen als die vollkommenste unter allen Religionen betrachtet, weil sie von den Menschen das Schwerste verlangt, wozu sie fähig sind, nämlich die Feindesliebe: „… Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet …“ [Mat. 5,44-45]. Seine Lehre der Gewaltlosigkeit („Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.“ [Mat. 5,39]), der Gerechtigkeit und Liebe, erscheint für viele Menschen durch seinen Tod am Kreuz dokumentiert. Aus der Summe von schriftlichen Quellen, persönlichen Erfahrungen und logischen Schlussfolgerungen wird ein Bild vom Menschen gewonnen, das keineswegs im Widerspruch zu den Naturwissenschaften steht. Allerdings sind Vorstellungen und Erkenntnisse über Gott und das Jenseits nicht wissenschaftlich beweisbar. Sie können nur geglaubt werden. Für viele bedeutende Naturwissenschaftler waren sie aber vernünftig, logisch und sinnvoll.
Von den meisten Menschen werden diese Vorstellungen über Gott und das Jenseits sehr heftig und total abgelehnt werden, denn sie betreffen jeden Einzelnen von uns. Der amerikanische Regisseur Larry Cohen (geboren 1938) hat dazu gemeint: „Ich denke jeder, der sich anmaßt zu wissen, was Gott denkt, gehört in die Psychiatrie.“ [2] Hier wird nur beschrieben, was ein Naturwissenschaftler über das seit Jahrtausenden schriftlich überlieferte und „geglaubte Wissen“ denkt.


2. Was war vor dem Urknall?

Die physikalisch-kosmologische Forschung hat die Entstehung des Universums mit dem Urknall vor etwa 14 Milliarden Jahren wissenschaftlich nachgewiesen. Die gegenwärtige kosmologische Forschung interessiert sich besonders für das Geschehen kurz nach dem Urknall. Unsere Phantasie und unser logisches Denken kann sich aber auch eine Welt vor dem Urknall und außerhalb des Kosmos vorstellen, die ganz verschieden von unserem Universum ist. Eine Welt mit anderen Gesetzen, Dimensionen und Zeitbegriffen, so z. B. ein vierdimensionaler oder n-dimensionaler Raum mit negativer Zeit, wird von manchen Physikern als zumindest theoretisch denkbar gesehen. Es gibt sogar Kosmologen, die die Existenz vieler Universen durch mathematisch-physikalische Gleichungen belegen wollen und die Struktur und die Eigenschaften von Energie vor dem Urknall beschreiben wollen. Natürlich sind das alles rein theoretische Annahmen.
Aber ebenso theoretisch und wissenschaftlich unbewiesen sind Vorstellungen über die Existenz eines geistigen Jenseits, eines Paradieses außerhalb und unabhängig vom Universum. Der Glaube an ein überirdisches, vollkommenes und göttliches Wesen ist so alt wie die Menschheit selbst. Platon hat vor 2400 Jahren im „Phaidon“ die Überzeugung des Sokrates beschrieben, wonach die menschliche Seele bereits vor der Geburt existierte und nach dem Tod weiterlebt. Sokrates hatte keine Furcht vor dem Tod durch den Schierlingsbecher, weil er im Jenseits ein besseres Leben erwartete. Diese Erkenntnis hatte er durch eigenes Nachdenken und logisches Schlussfolgern gewonnen.
Die Frage nach der Ursache des Urknalls wird wohl niemals wissenschaftlich zu beantworten sein. Für viele Menschen und auch für manche bedeutende Naturwissenschaftler bedeutet der Urknall des Kosmos vor etwa 14 Milliarden Jahren den Schöpfungsakt Gottes, wodurch die Gesetze von Raum, Zeit und Materie entstanden sind. In der Genesis des Alten Testaments heißt es: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ [Gen 1,25]. Davor gab es nur Gott oder, wie materialistische Naturwissenschaftler sagen würden, gab es nur Energie. Denn auch Atheisten glauben an eine Ewigkeit, die Ewigkeit von Energie und/oder Materie.


3. Die Evolution des Lebens

Mit dem Urknall entstand eine materielle Welt, die in einem dreidimensionalen Raum nach den Gesetzen der Physik, insbesondere der Gravitation, dem Ablauf der Zeit ausgesetzt ist. Die Zeit ermöglicht eine kontinuierliche Entwicklung des Kosmos, der Materie, des Lebens auf der Erde sowie des Menschen auch in Bezug auf seinen Geist und Verstand. Zunächst erfolgte die Evolution der Materie. Es entstanden etwa 140 Milliarden Galaxien, und in einem dieser Sonnensysteme, der Milchstraße, bildeten sich um einen ihrer mehr als 100 Milliarden Sterne, nämlich um unsere Sonne herum, Planeten, wobei sich unser Planet, die Erde, vor etwa 4,6 Milliarden Jahren formte.
Auf der Erde entstanden die Voraussetzungen, unter denen sich Leben mit einer unvorstellbaren Komplexität chemischer Strukturen entfalten konnte. Um Leben zu ermöglichen, muss der Planet eine bestimmte Größe besitzen, der die erforderliche Gravitation aufbringt, um eine Gasatmosphäre, vor allem Wasserdampf neben anderen Gasen, zu halten. Er darf aber nicht zu groß sein, weil eine zu hohe Gravitation zu vermehrten Kernreaktionen und damit zur Überhitzung führen würde. Zwei Drittel der Erdoberfläche bestehen aus Wasser, wodurch die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht abgemildert werden. Nur mit dem Kohlenstoff als Zentralatom ist die im wahrsten Sinne des Wortes unendliche Vielfalt „organischer“ Verbindungen möglich. Kohlenstoffverbindungen sind aber nur in einem sehr begrenzten Temperaturbereich von etwa –50 bis +150 °C stabil und zugleich reaktiv. Für die biochemischen Reaktionen ist flüssiges Wasser als Lösungsmittel essentiell. Die Biosynthese der chemischen Bausteine des Lebens, das sind insbesondere Proteine, Nukleinsäuren, Kohlenhydrate und Lipide, erfordert Energie. Ebenso erfordern alle Aktivitäten des Lebens Energie. Sie stammt fast ausnahmslos ursprünglich von der Sonne. Das Sonnenlicht vom ultravioletten bis zum infraroten Bereich liefert die Energie sowohl für die Erwärmung der Erde als auch für die Entfaltung des Lebens. Nur durch einen optimalen Abstand von der Sonne wird so viel Sonnenenergie auf die Erde gestrahlt, dass das Wasser in den Meeren flüssig bleibt. Nach Verdampfung in die Atmosphäre wird es durch Winde verteilt, um nach Abkühlung auch auf dem Land niederzuregnen. Dadurch erhält das Leben außerhalb der Meere die notwendigen Mengen an Wasser und durch die Verdampfung in die Atmosphäre wird das Wasser immer wieder chemisch gereinigt. Die Erde musste sich drehen, im Unterschied zu unserem Trabanten, dem Mond, damit alle Bereiche der Erdoberfläche vom Sonnenlicht bestrahlt werden. Durch eine Schräglage der Drehachse zur Ebene der Sonnenumdrehung entstanden variable Klimazonen und Jahreszeiten. All diese und viele andere Bedingungen waren Voraussetzung für die Entstehung des Lebens, so wie es auf der Erde existiert. Ohne Kohlenstoff als Zentralatom und die ganz speziellen Bedingungen, wie sie auf der Erde herrschen, ist vielfältiges Leben aus rein chemischen Gründen grundsätzlich nicht denkbar. Darum ist es extrem unwahrscheinlich, dass auf einem anderen Planeten im Weltall Leben existiert. Statistiker können dagegen aus der rein theoretisch angenommenen großen Zahl von Planeten im Weltall eine Wahrscheinlichkeit für die Existenz eines Planeten im tiefen Weltall errechnen, auf dem Leben existieren könnte.
Bereits vor etwa 3,6 Milliarden Jahren, d. h. nur eine Milliarde Jahre nach der Entstehung der Erde, bildete sich im Wasser das Leben in Form von Einzellern bzw. photosynthetischen Bakterien. Trotz intensiver Forschung ist die Entstehung des Lebens auf der Erde nach wie vor ein Rätsel. Bereits die erste lebende Zelle musste sehr komplex gewesen sein und eine Vielzahl von biochemischen Molekülen enthalten, um sich reproduzieren zu können. Photosynthetische Bakterien nutzten die Energie des Sonnenlichts, um aus Kohlendioxid und Wasser sowie aus Stickstoff-, Phosphor- und Schwefelverbindungen die organischen Bestandteile aller lebenden Zellen, insbesondere von Eiweiß, Kohlenhydraten, Lipiden und Nukleinsäuren, herzustellen. Für den Zellaufbau sind außerdem die Metallionen Kalium, Kalzium, Magnesium, Natrium, Eisen, Kupfer, Zink und Mangan (zur Photosynthese) notwendig. Als Nebenprodukt entstand gasförmiger Sauerstoff, der zunächst bei der Oxidation von löslichen zweiwertigen Eisensalzen zu unlöslichem dreiwertigem Eisenerz sowie bei der Oxidation von Schwefelwasserstoff bzw. Sulfid zu Sulfat verbraucht wurde. Auch sulfidische Schwermetallmineralien wurden oxidiert, zum Beispiel FeS und FeS2 zu Fe2O3 und Sulfaten. Erst vor etwa 400 Millionen Jahren stieg der Sauerstoffgehalt der Atmosphäre auf den heutigen hohen Wert von 21 % an. Der Kohlendioxidgehalt sank dagegen auf etwa 0,03 % ab (heute etwa 0,04 %).
Das Leben scheint nur einmal entstanden zu sein, denn der biochemische Grundaufbau ist in allen Lebewesen gleich. Dazu gehört z. B., dass alle Proteine aus 20 verschiedenen Aminosäuren, und nur aus diesen „proteinogenen“ Aminosäuren, aufgebaut sind, und das sind 20 linksdrehende L-Aminosäuren und nicht rechtsdrehende R-Aminosäuren, dass alle Zellen im Innern vorwiegend Kalium und außen Natrium enthalten und dass in allen Zellen ATP (Adenosintriphosphat) als wichtigster chemischer Energielieferant dient. In den weiteren 1,5 Milliarden Jahren wurden riesige Mengen an Biomasse erzeugt und durch tektonische Bewegungen unter die Erdoberfläche gebracht. Weil der Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre, der durch die Photosynthese als Nebenprodukt entstanden war, zunächst noch sehr gering war, wurde das Biomaterial nur zum Teil durch oxidativen Abbau von aeroben Bakterien oder durch Verbrennung wieder abgebaut. So entstanden unter sauerstofffreien Bedingungen aus der Biomasse die mächtigen Lagerstätten von Erdgas, Erdöl, Steinkohle, Braunkohle und Schieferkohle, von denen wir heute unsere Energie zum Heizen, für den Betrieb von Maschinen und zur Fortbewegung mit Fahrzeugen oder Flugzeugen beziehen. Ohne diese fossilen Energiequellen wäre die seit dem 19. Jahrhundert exponentiell ansteigende Weltbevölkerung nicht möglich gewesen.
Vor etwa 2,1 Milliarden Jahren nahm die Komplexität des Lebens durch die Bildung der „eukaryontischen Zelle“ erheblich zu. Eukaryonten sind Zellen mit einem Zellkern und Zellorganellen wie zum Beispiel Mitochondrien und das endoplasmatische Retikulum. In den Mitochondrien, auch Kraftwerke der Zellen genannt, wird etwa 95 % der chemischen Energie, die für das Wachstum und Leben aller nicht-photosynthetischen Zellen erforderlich ist, in Form des Moleküls ATP, durch „kalte Verbrennung“ der Nährstoffe gebildet. Die Entstehung von mehrzelligen Lebewesen, d. h. von Lebewesen, die für uns sichtbar sind, wird vor 1,2 Milliarden Jahren angenommen. Die Paläontologen bezeichnen das Zeitalter von der Erdentstehung bis zur Massenentfaltung vielzelligen Lebens als Präkambrium (von 4600 bis 542 Millionen Jahren vor unserer Zeit).
Die geologische Geschichte der Erde stellt eine einzige Folge von Katastrophen dar. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Eiszeiten und Überschwemmungen verwüsteten die Erde. Der Einschlag von Meteoriten sowie die zahlreichen Vulkanausbrüche verfinsterten die Atmosphäre des gesamten Erdballs über Jahre und führten zu fünf großen Massensterben, wobei mehr als 40 % aller Gattungen ausstarben. Besonders bedeutsam war das Aussterben der Dinosaurier, die von vor etwa 235 bis 65 Millionen Jahren lebten. Als Ursache für das Aussterben der Dinosaurier vermutet man den Einschlag eines Meteoriten von etwa 10 km Durchmesser im Golf von Mexiko auf der Yukatan-Halbinsel, der einen Krater von 170 km Durchmesser erzeugte (Chicxulub-Krater). Der dabei entstandene Staub verbreitete sich über die gesamte Erdatmosphäre und verminderte die Sonneneinstrahlung derart, dass das Wachstum der Pflanzen und damit die Nahrung für Dinosaurier über Jahre hinweg stark eingeschränkt war.
Das Leben auf der Erde entwickelte sich nach den Gesetzen der Evolution offenbar sehr zielstrebig zu immer komplexeren Organismen, wobei auf unbegreifliche Weise als Endprodukt der denkende Mensch mit seinem Ich-Bewusstsein entstand. Der Mensch entwickelte sich aus dem Affen, seinem direkten Vorfahren, nach den Regeln der Evolution, denn die Evolution ist das Grundgesetz des Lebens, so wie die Gravitation das Grundgesetz der Materie ist. Vor etwa 2 Millionen Jahren entstand in Afrika der aufrecht gehende Pithecanthropus erectus. Sein Menschsein erhielt er durch seine Seele, die das Denken, das Ichbewusstsein und den freien Willen impliziert. Die Herausbildung dieser nichtmateriellen Eigenschaften sind allerdings durch die Evolution kaum zu beweisen. Insbesondere kann die Evolution nicht das Böse im Menschen erklären, das in Tieren nicht vorkommt und das der Mensch durch sein Gewissen erkennen kann. Dieser Mensch wanderte vor etwa 200.000 Jahren von Afrika nach Europa und Asien aus. Der moderne Mensch, der Homo sapiens, wanderte vor 140.000 Jahren von Afrika nach Europa, Asien, Indonesien und Australien aus. Alle heutigen Menschen stammen von ihm ab.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 58
ISBN: 978-3-95840-054-2
Erscheinungsdatum: 08.02.2016
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Krampus & Nikolo