Alltag & Lebensführung

Wie Gesundheit geht

Tessa Eiser

Wie Gesundheit geht

Oder das Eva und Adam Prinzip

Leseprobe:

Erschöpfungszustände

Mein labiles energetisches Gleichgewicht, das ich mir so mühsam aufge­baut und all die Jahre seit meinem Unfall sorgsam gepflegt hatte, war dahin. Vor allem nach dem Mittagessen in der Kantine litt ich unter tota­len Erschöpfungszuständen und musste mich buchstäblich am Schreib­tisch festhalten, um nicht vom Stuhl zu fallen. Das ganze Blut war in mei­nem Bauchraum zusammengelaufen und für die Versorgung der Gehirnzel­len war nicht mehr viel übrig geblieben. Ich versuchte gegen­zusteuern und aß keine Gerichte mehr, sondern nur noch Beilagen wie Kartoffeln, Gemüse, Salate und Brot; und jeden Mittag zum Abschluss etwas Süßes. Da dieser Zustand nicht normal sein konnte, ging ich eines Tages doch zu meinem Hausarzt und klagte über meine ständige Erschöpfung. Er nahm mir Blut ab, ließ es untersuchen und verkündete mir beim nächsten Termin, dass alle Werte bis auf eine chronische Hepatitis C in Ordnung wären. Somit hatte sich die Sache für ihn und ich bin mir mal wieder total verarscht vorgekommen.


Wenn ich mich trotz aller Widrigkeiten in meine Wohnung geschleppt und mich in voller Montur völlig erschöpft auf mein Bett gelegt hatte, liefen wellenartige Bewegungen durch meinen Rumpf, die meine inneren Organe, allen voran meinen Magen kräftig durchschüttelten. Hatte ich mich dann mit letzter Kraft fürs Bett fertig gemacht, lag ich unruhig in den Kissen und konnte vor Erschöpfung nicht einschlafen. Es war das Chaos hoch drei. Die Erschöpfungszustände zwangen mich, mich hinzule­gen. Wenn ich dann im Bett war, war es keine Erholung. Ich lag da wie tot und fühlte, dass ich mich eigentlich ausarbeiten müsste, dass ich körperliche Bewegung brauchte, damit die „Säfte“ in mir wieder zum Fliesen kämen.
Hatte ich mich dann am Wochenende mit aller Gewalt verausgabt, schlug jedes Mal mein Herz so stark, dass es mir noch in den Ohren dröhnte. Ich dachte, es zerreißt mir den Kopf, ich musste minutenlang anhalten und nur noch mit halber Kraft weitermachen. Und jedes Mal nach so einer Tortur war ich so erschöpft, dass ich mich erst einmal hinsetzen musste, weil ich nicht mehr konnte. Sobald ich aber einen Multivitaminsaft getrunken hatte, ging es mir schlagartig spürbar besser.


Mein Hausarzt war die nächste Station, und dort behauptete ich einfach, ohne viel zu klagen, dass ich nicht mehr kann. Ich wurde dann von ihm zu einem Neurologen überwiesen, den er persönlich kannte und von dessen Qualität er überzeugt war. Den Neurologen, bei welchem ich gewesen war, kenne er nicht, dessen Arbeit könne er nicht beurteilen. Ohne viel Hoffnung auf das Wunder ging ich zu diesem neuen Nerven­arzt. Es wurde sofort wieder ein EEG gemacht, um epilepti­sche Kurven auszuschließen, mit einem Sehtest wurde mein Sehnerv abgecheckt, und es wurden neue Wundermedikamente verschrieben. Als diese wiederum keinen durchschlagenden Erfolg bei meinen Erschöpfungszuständen und Sehstörungen brachten, bekam ich Antidepressiva. Ich machte diesen Neurologen deutlich darauf aufmerk­sam, dass ich vor Jahren schon ein­mal mit Psychopharmaka behandelt worden wäre und dass ich auf diese Behandlung hin erst richtig depres­siv wurde. Aber er bat mich trotzdem, diese Medikamente zu nehmen.


Nebenwirkungen von Antidepressiva

Das Erste, was ich von diesem Wundermittel zu spüren bekam, waren die Nebenwirkungen wie Müdigkeit, trockener Mund, Herzbeschwerden, Schweißausbrüche, Schwindelanfälle. Tagsüber war ich todmüde und ging die ersten zwei Wochen der Einnahme während der Mittagspause vorsorg­lich nicht zum Essen sondern spazieren, da ich fühlte, dass mich Nahrungsaufnahme umhauen würde. Zu der Zeit habe ich wieder ein­mal nur gearbeitet und geschlafen, zu etwas anderem war ich nicht mehr fähig. Ich bekam geistige Verwirrungszustände, verlor des Öfteren auf mir bekannten Wegen voll die Orientierung und musste minutenlang mit mir kämpfen, meinen Geist beruhigen, um nicht mitten auf offener Straße einfach alles hinzuschmeißen und loszuheulen. Ich wollte wieder einmal am liebsten tot sein.

Format: 13,5 x 21,5 cm
Seitenanzahl: 126
ISBN: 978-3-95840-455-7
Erscheinungsdatum: 31.07.2017
EUR 14,90
EUR 8,99

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